Dienstag, 21. April 2026

Ardbeg Corryvreckan

 

Whiskybase

English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.


Einen Ardbeg für einen Tasting-Blogartikel hatte ich schon sehr lange nicht mehr im Nosing-Glas. Auch sonst griff ich im letzten Jahr nur selten zu einem Ardbeg. Aktuell habe ich zwar eine Flasche der achtjährigen Committee-Abfüllung „For Discussion“ geöffnet, aber warum das so ist, kann ich ehrlicherweise nicht genau sagen. Offenbar haben mich zuletzt andere Hersteller und Abfüllungen mehr interessiert.

Allerdings befinden sich noch einige Ardbegs in meiner Flaschen- und Samplesammlung. Und vor allem fehlt mir noch eine Abfüllung aus der Standardreihe, die ich bislang nicht verkostet habe. Aus diesen beiden Gründen – lange kein neuer Ardbeg-Artikel im Blog und das Schließen einer Wissenslücke – ist der Corryvreckan nun mein dieswöchiger Tasting-Partner geworden.

Der Corryvreckan ist – wie fast alle Whiskys der Core Range (mit Ausnahme des Ten) – ein NAS, also eine Abfüllung ohne Altersangabe. Benannt ist er nach dem gleichnamigen Meeresstrudel zwischen den Inseln Jura und Scarba. Die Reifung erfolgt in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche; zudem sollen auch französische Eichenfässer zum Einsatz kommen. Ob es sich dabei um Virgin Oak oder speziell behandelte Fässer handelt, ist nicht offiziell bestätigt. Die Alkoholstärke beträgt kräftige 57,1 %. Kühlfiltration und Färbung werden nicht eingesetzt.


Aussehen
Strohgelb


Nase
Ein Schwall klassischen Ardbeg-Rauchs weht aus dem Glas – mit typischen Noten von verbranntem Gummi, heißem Asphalt im Sommer und angekohlten Küchenkräutern. Der Rauch zeigt sich zudem quarzig und mineralisch.

Dahinter – oder vielmehr gemeinsam mit dem Rauch – treten überraschend klare Aromen von süßer Vanillecreme und Zitronensorbet hervor, die Frische und Fruchtigkeit ins Spiel bringen. Der Einfluss der Bourbonfässer ist vor allem im ersten Drittel deutlich präsent.

Mit zunehmender Zeit im Glas entwickeln sich harzige Holznoten sowie ätherische Öle, die an geknickte Tannennadeln erinnern. Die Zitrusfrische wird von warmem Kuchenteig begleitet. Von den vermuteten französischen Eichenfässern lässt sich in der Nase hingegen nur wenig eindeutig erkennen.

Der Alkohol ist trotz der hohen Stärke gut eingebunden.

Mit etwas Wasser gewinnen Rauch und Harz deutlich an Intensität, während die Süße etwas zurücktritt. Vanille und Kräuter bleiben jedoch stabil.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Sehr ölig und geschmeidig legt sich der Whisky auf Zunge und Gaumen. Eine kurze, aber prägnante Pfefferschärfe eröffnet den Geschmacksverlauf. Diese wird rasch von intensiver, noch warmer Steinkohlenasche überlagert, begleitet von leicht erdigen und phenolischen Anklängen.

Der Rauch ist im Mund deutlich kräftiger als in der Nase und überzieht den gesamten Mundraum – von den Wangeninnenseiten bis hin zum Zahnfleisch – mit einem speckigen, fast klebrigen Aschefilm. Sehr intensiv und brachial.

Hat man sich daran gewöhnt, treten wieder süßere Elemente hervor: Vanille und eine nun veränderte Zitrusnote, die weniger an Sorbet erinnert, sondern eher an eine Mischung aus Zitronensaft und leicht herben Zesten.

Trotz der 57,1 % lässt sich der Whisky hervorragend pur trinken. Der Alkohol wirkt zu keiner Zeit störend.

Mit Wasser verschiebt sich der Fokus: Die Pfefferschärfe tritt später auf, während Kräuter, Harz und aschige Rauchnoten stärker hervorgehoben werden.


Abgang
Leicht bitter geht es – begleitet von getrockneten Küchenkräutern, öliger Asche und sehr dunkler Schokolade – in ein lang anhaltendes Finish über. Eine markante Trockenheit sowie eine herbe Holznote bleiben am Gaumen zurück.


Fazit
Ein würdiger Vertreter des ursprünglichen, klaren Charakters eines intensiven Islay-Rauchers mit den klassischen Eigenschaften von Ardbeg. Die Direktheit und Geradlinigkeit dieser Abfüllung gefallen mir sehr gut.

Vor allem die Kombination aus kräftigem Ardbeg-Rauch und der Reifung in Bourbonfässern funktioniert für mich hervorragend. Ob der Corryvreckan als NAS die aktuell aufgerufenen Preise wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich persönlich würde ihn jedoch so mancher Committee-Abfüllung vorziehen, die oft deutlich teurer ist.

Freitag, 17. April 2026

Glen Ord 16y 2009 (James Eadie - JE)

 

Whiskybase

English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.


Dies ist mein allererster Glen Ord. Die 1836 gegründete Brennerei aus den Highlands gehört zum Diageo-Konzern. Die Originalabfüllungen erscheinen unter dem Markennamen Singleton of Glen Ord und sind fast ausschließlich für den asiatischen Markt bestimmt. In den Special Releases von Diageo tauchen zwar gelegentlich auch Glen Ords auf, allerdings zu meist sehr ambitionierten Preisen. Entsprechend überschaubar war bislang mein Interesse an dieser Konzernbrennerei.

Nach dem überzeugenden Longmorn aus der Serie „Distilleries of Great Britain and Ireland“ von James Eadie fiel mein Blick jedoch auf diesen 16 Jahre alten Glen Ord aus derselben Reihe. Da James Eadie offenbar ein gutes Händchen bei der Fassauswahl beweist, habe ich mich zum Kauf entschlossen.

Der 2009 destillierte Single Malt reifte vollständig in einem 1st Fill Bourbon Hogshead und ist auf 272 Flaschen limitiert. Abgefüllt wurde er mit 52,5 % vol., ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration.


Aussehen
Helles Bernstein


Nase
Der Whisky benötigt etwas Zeit im Glas und wirkt zunächst leicht verschlossen. Mit zunehmender Belüftung öffnet er sich jedoch deutlich und präsentiert eine reife, vielschichtige Aromatik.

Im Vordergrund steht eine intensive Vanillenote – fast so, als würde man eine frische Bourbon-Vanilleschote aufschneiden und das Mark herauskratzen. Dahinter folgen süßes Karamell und Nougat, begleitet von einer zunächst schwer greifbaren Fruchtigkeit. Diese entwickelt sich zu einem cremigen Eindruck von Birnen, Aprikosen und etwas Mango.

Im Hintergrund zeigen sich weitere, tiefere Schichten: Anklänge von gelagertem Heu und Kräutern, dazu Nüsse sowie trockenes, leicht staubiges Holz – ein robuster Unterbau. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und bringt eine frische, leicht minzige Note mit.

Mit Wasser verstärken sich Vanille und Frucht (nun klarer in Richtung Aprikosenkompott), während die trockenen, staubigen Noten etwas an Gewicht verlieren.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Antritt ist kompakt und kraftvoll, mit deutlich wahrnehmbarem Alkohol. Die 16 Jahre Reife würde man zunächst nicht vermuten – dafür wirkt der Whisky fast etwas stürmisch und deutlich weniger gelassen als in der Nase. Ein echtes Chamäleon. Die dominierende Vanille aus der Nase tritt zunächst in den Hintergrund. Stattdessen prägen würzige Fassnoten das Bild: getrocknete Gewürze, Ingwer und schwarzer Pfeffer. Am Zahnfleisch und an den Wangen baut sich eine zunehmende Trockenheit auf.

Ab der Mitte kehrt die Vanille zurück, begleitet von Nougat und einer angenehmen Süße. Dazu gesellen sich dezente Fruchtnoten – reife Birnen, Birnenschale und ein Hauch Rosinen.

Mit Wasser wird der Whisky zugänglicher: Vanille und Frucht treten stärker hervor, während die würzige, leicht scharfe Seite zurücktritt. Er wirkt runder und süffiger, verliert dabei jedoch etwas an Ecken und Kanten.


Abgang
Im Finish verbinden sich Vanille, Ingwer, Birnenschale, Rosinen und leicht bittere Eichenholznoten zu einer ausgewogenen, lang anhaltenden Komposition. Hier zeigt sich der Whisky deutlich gereifter und harmonischer als noch im ersten Eindruck am Gaumen.


Fazit
Meine zweite Abfüllung aus dieser Serie – und mein erster Glen Ord. Beide machen Lust auf mehr. Das ist kein Whisky für nebenbei. Er hat Charakter, ist eigenständig und weit entfernt von Beliebigkeit. Die Ex-Bourbon-Reifung passt hervorragend und unterstreicht die robuste, kernige Aromatik dieses „Highlanders“.

Bleibt zu hoffen, dass Diageo weiterhin Fässer an unabhängige Abfüller wie James Eadie abgibt – denn solche Abfüllungen zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial im Destillat steckt.

Mittwoch, 8. April 2026

Linkwood 13y William Wallace - Legends of Scotland (whic)

 

Whiskybase

English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.


Whic.de startet in Kooperation mit Signatory Vintage die neue Reihe „Legends of Scotland“, bei der Helden, Herrscher und Wendepunkte der schottischen Geschichte die Flaschenlabels zieren werden.

Die Abfüllungen mit 46 % Trinkstärke sollen das gesamte Spektrum der schottischen Single-Malt-Welt abdecken: von Ex-Bourbon über Sherry-, Port- und Weinfassreifungen bis hin zu rauchigen Varianten.

Den Auftakt der Serie macht William Wallace – ein dreizehn Jahre alter Linkwood Distillery aus dem Jahr 2012, der in zwei First-Fill-Bourbon-Barrels reifte und in 511 Flaschen abgefüllt wurde.


Aussehen
Sattes Goldgelb


Nase
Beim ersten Kennenlernen zeigt sich der Linkwood von seiner frischen, sehr zitruslastigen Seite, begleitet von einem leichten Anflug von Aceton. Dieser verflüchtigt sich jedoch bereits nach dem zweiten Hineinriechen nahezu vollständig.

Der anfänglich dominante Zitrusduft wird voller und gesetzter und entwickelt sich in Richtung Grapefruit und Pomelo. Danach treten weitere Früchte wie reife gelbe und grüne Äpfel, Birnen, Aprikosen sowie gelbe Ringlotten hervor und verbinden sich mit warmem Vanillekuchenteig zu einem sehr ansprechenden Geruchspotpourri.

Würzige Nuancen deuten auf den Einfluss des Eichenholzes hin. Insgesamt ist die Nase ein Paradebeispiel für eine Reifung im Ex-Bourbonfass. Und glücklicherweise lassen die beiden verwendeten Fässer dem Linkwood-Brand genügend Raum zur Entfaltung. Die 46 % Trinkstärke funktionieren hier hervorragend.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Vollmundig und für seine Trinkstärke überraschend kraftvoll präsentiert sich der erste Schluck. Zitronentarte mit cremig-süßer Textur trifft auf Honig, hell geröstete Getreideflocken sowie Birnen- und Apfelkompott. Die intensive Vanille, klar aus den Bourbonfässern stammend, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Geschmacksbild und umhüllt die anderen Aromen.

Im weiteren Verlauf folgt eine ausgleichende Ingwerschärfe, begleitet von einer Prise Zimt und etwas Holzwürze. Der Alkohol bringt zusätzlich frische, leicht mentholige Noten ins Spiel. Eine dezente, leicht „schmutzige“ Fassnote – in Richtung feiner Kohlestaub – ist ebenfalls wahrnehmbar.


Abgang
Die Süße, die Vanille sowie fruchtige Noten begleiten das mittellange Finish. Hinzu kommen leicht bittere Fassnoten. Gegen Ende wird es im Mundraum, insbesondere am Zahnfleisch, zunehmend trockener.


Fazit
Wie schon öfter in meinen Tasting Notes erwähnt, bin ich mittlerweile ein großer Fan von reinen Ex-Bourbonfass-Reifungen. Diese Abfüllung ist sowohl in der Nase als auch im Geschmack ein Paradebeispiel dafür: viel Vanille, Obst und Getreide- bzw. Kuchenteignoten, ergänzt durch eine angenehme Würze und eine leicht prickelnde Schärfe als Kontrapunkt.

Wer sich hier eine Flasche zum aufgerufenen Preis sichern konnte, hat einen wunderbaren Sommerwhisky erwischt, der am Balkon oder auf der Terrasse eine richtig gute Figur im Glas macht.

Donnerstag, 2. April 2026

Woodford Reserve Master’s Collection No. 16

 

Whiskybase

English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.


Die Grundidee der 2006 von Chris Morris ins Leben gerufenen Serie war es, eine Spielwiese zu schaffen, auf der Dinge ausprobiert werden können, die im Standardsortiment nicht umsetzbar wären. So wurden über die Jahre unterschiedliche Mashbill-Rezepte, spezielle Fassarten (Madeira, Port etc.), variierende Toasting- und Charring-Levels der Fässer sowie auch historische Produktionsmethoden und Stilrichtungen wieder aufgegriffen.

Die Abfüllung No. 16, die ich diese Woche verkoste, trägt den Namen “Very Fine Rare Bourbon” und ist im Kern ein High-Age-Blend-Experiment. Dabei wurden – für amerikanischen Whiskey – sehr alte mit jüngeren Fässern vermählt. Die ältesten Bestandteile sind bis zu 17 Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit von Chris Morris.

Für Woodford Reserve sind das fast schon biblische Dimensionen, wenn man bedenkt, dass die Standardabfüllungen der Brennerei üblicherweise bei etwa sechs bis acht Jahren Reife liegen. Ziel war es, eine klassische, „alte“ Bourbon-Charakteristik zu zeigen – eher traditionell und weniger in die aktuell oft holzlastige Richtung gehend. In diesem Zusammenhang wurde der Alkoholgehalt bewusst auf 45,2 % eingestellt.


Aussehen
Dunkles Kupfergold


Nase
Die knapp 45 % sind in der Nase de facto nicht zu spüren. Sehr weich und rund präsentiert sich dieser Bourbon, der von Minute zu Minute mehr zu einem echten Schmeichler wird.

Beim ersten Reinriechen zeigt sich eine Note, die viele vermutlich als typische Kleber- bzw. Lösungsmittelassoziation bei Bourbon interpretieren würden – ich nehme sie jedoch eher als intensiven, aromatischen Zimt wahr.

Dahinter folgen frisches Popcorn mit Butter, Karamell sowie würzige Aspekte aus dem Roggenanteil der Mashbill, die sich vor allem in brotigen und frischen Minznoten äußern.

Der Holzeinfluss ist natürlich präsent – insbesondere durch Zimt, ergänzt von Bitterschokolade, Muskatnuss und Vanille. Von einer bei älteren Bourbons nicht selten auftretenden „Eichenkeule“ mit übertriebener Bitterkeit ist man hier jedoch meilenweit entfernt.

Insgesamt wirkt die Nase sehr homogen, weich und dennoch dicht und ausdrucksstark.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Auch im Mund zeigt sich der Bourbon rund und weich – fast schon etwas zu leicht auf der Zunge. Ein paar Volumenprozente mehr hätten dem Mundgefühl möglicherweise gutgetan. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau.

Der Antritt ist deutlich würzig mit Zimt, Muskatnuss und Gewürznelken, bevor der Whisky rasch in süßere Gefilde übergeht: Karamell, Kirschmarmelade und Vollmilchschokolade mit einem Hauch Minze – fast so, als hätte man ein Schokobonbon mit Kirsch-Minze-Füllung im Mund.

Im Mittelteil tritt der Roggenanteil stärker hervor. Neben der Minze zeigt sich hier zunehmend die typische, leicht pfeffrige Würzigkeit, die man von Rye kennt.

Mit jedem weiteren Schluck gewöhnt man sich an die anfängliche Leichtigkeit. Die Aromen wirken zunehmend dichter und intensiver. Der Woodford bleibt dabei stets ein Gentleman – ausgewogen, kontrolliert und mit einer Eleganz, die die Einbindung älterer Fässer glaubhaft unterstreicht.


Abgang
Im Finish bleiben vor allem die minzigen Noten, kombiniert mit Kirsche und Zimt, länger präsent. Eine leichte Holzbitterkeit klingt ebenso nach wie Vanille und dunkle Schokolade.


Fazit
Im Vergleich zum Double Oaked – den Preis einmal komplett ausgeblendet – gefällt mir diese Limited Edition deutlich besser. Die Nase ist eine äußerst feine Angelegenheit, mit der man sich lange beschäftigen kann und immer wieder neue Nuancen entdeckt.

Im Geschmack war er mir anfangs etwas zu leicht, was das Mundgefühl betrifft. Dieser Eindruck relativiert sich jedoch mit den weiteren Schlucken. Die Aromen sind insgesamt sehr ausgewogen. Neben den klassischen Bourbonnoten gefällt mir als Rye-Fan besonders, dass der Roggenanteil klar zur Geltung kommt.

Bezieht man allerdings den Preis mit ein, muss man sagen: Die rund € 120,- sind ambitioniert. Etwa € 80,- wären aus meiner Sicht angemessener.

Unterm Strich bleibt aber ein wirklich guter, eleganter Bourbon.

© Hogshead - der Whisky Blog
Template by Maira Gall