Donnerstag, 23. Juli 2026

Kavalan Solist Brandy Oak

 

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Im April dieses Jahres machte David Chen, seines Zeichens Brand Ambassador von Kavalan aus Taiwan, während seiner Europa-Tour auch im beschaulichen Baden bei Wien im kleinen, aber sehr feinen Whiskyladen "The Sideways Whiskyshop" Halt, um im Rahmen eines Tastings eine Auswahl aus dem großen Portfolio von Kavalan zu präsentieren.

Neben einigen Tropfen aus der Standardreihe standen auch der 15-Jährige – eine wahre Eichenkeule vor dem Herrn – sowie zwei rauchige Vertreter und zwei Solist-Abfüllungen auf dem Programm. Natürlich durfte eine davon der Vinho Barrique Solist sein, jene Abfüllung, mit der der internationale Aufstieg von Kavalan überhaupt erst richtig begann, nachdem der Vinho 2015 bei den World Whisky Awards (WWA) zum „Besten Single Malt Whisky der Welt“ gekürt worden war.

Der zweite Solist war der Brandy Cask, eine deutlich seltener anzutreffende Abfüllung. Und gerade dieser entwickelte sich für mich zum heimlichen Gewinner des Abends. Das lag vermutlich auch daran, dass wir ihn ungeplant als Sparringspartner für ein außergewöhnlich gelungenes Foodpairing erleben durften.

Zur Halbzeit des Tastings wurde ein kleiner Imbiss serviert – ein köstliches, eine Woche lang in einem speziellen Sud gebeiztes Heringsfilet mit hauchdünn geschnittenen, ebenfalls eingelegten roten Zwiebeln.

In Taiwan – ebenso wie beispielsweise in Japan – ist es durchaus üblich, Spirituosen pur oder verdünnt, etwa als Highball, zum Essen zu genießen. Wir hatten kurz zuvor den Brandy Oak eingeschenkt bekommen. David Chen probierte daher spontan den Fisch zusammen mit dem Whisky und war begeistert, wie hervorragend dieses Pairing funktionierte.

Und tatsächlich passten die Aromen des Whiskys ausgezeichnet zu den milden, leicht fruchtig-säuerlichen Noten des eingelegten Fisches.

Doch auch ohne Begleitung von Speisen wusste der Brandy Oak zu überzeugen. Deshalb entschied ich mich noch am selben Abend, eine Flasche mit nach Hause zu nehmen. Bei den Solist-Abfüllungen handelt es sich bekanntlich immer um Einzelfassabfüllungen. Meine Flasche stammt aus einem Fass aus dem Jahr 2017 und wurde 2021 mit 56,3 % Vol. zusammen mit 329 weiteren Flaschen ohne künstliche Farbstoffe und ohne Kühlfiltration abgefüllt.

David Chen, Brand Ambassador von Kavalan voll in seinem Element

Nun darf er sich in gewohnter Atmosphäre, ganz in Ruhe, in meinem geliebten Nosingglas und vor allem ohne Fischbegleitung beweisen.


Aussehen
Brandy bzw. Cognac, dunkles Bernstein mit rötlichem Einschlag


Nase
Ein volles und kraftvolles Duftbouquet steigt aus dem Glas auf. Eine Handvoll kandierter Pfirsiche und Aprikosen bietet einen ausgesprochen einladenden Einstieg, gefolgt von karamellisierter Crème brûlée, die den Aromen eine wunderbar cremige Verbindung verleiht. Überhaupt präsentiert sich das Bouquet außergewöhnlich homogen und harmonisch.

Ein intensiver Blumenduft, der an Rosen und Orchideen erinnert, weckt deutliche Assoziationen an Melasse-Rum im spanischen Stil. Rosinen, Kokosnuss und die bereits erwähnte Vanille der Crème brûlée ergänzen dieses aromatische Bild auf sehr stimmige Weise.

Mit zunehmender Standzeit tritt schließlich auch das Holz stärker in Erscheinung – begleitet von würzigen Noten nach Zimt, Schokolade und Nüssen. Der Alkohol ist hervorragend eingebunden. War zu Beginn beim tiefen Hineinriechen noch ein leichtes Prickeln wahrnehmbar, verschwindet dieses mit etwas Zeit vollständig. Von jugendlicher Unreife oder gar metallischen Noten ist trotz seiner lediglich vier Lenze absolut nichts zu bemerken.


Geschmack
Der Antritt ist kraftvoll, dabei aber auch unverdünnt sehr gut zu genießen, wenngleich der Alkohol die Aromen mit Nachdruck nach vorne trägt. Die süße Crème brûlée sorgt für ein cremiges, dichtes Mundgefühl und lässt einen ohne Kompromisse an Vanille und Süße teilhaben. Haribo-Pfirsiche sorgen für eine Fruchtigkeit, die beinahe schon ins Künstliche abzugleiten scheint.

Die Fassreifung macht sich am Gaumen deutlicher bemerkbar als noch in der Nase. Vergleiche mit spanischem Brandy oder französischem Cognac drängen sich regelrecht auf. Allen voran treten Rosinen sowie das würzige Rancio mit Zimt, Muskat und Traubentrester hervor, das zugleich eine feine Bitternote mit ins Spiel bringt.

Auch der Holzeinfluss fällt noch ausgeprägter aus als in der Nase und geht mit einer gewissen Trockenheit einher, die den gesamten Mundraum einnimmt. Das ist allerdings in erster Linie der Fassstärke geschuldet. Insgesamt wirkt der Whisky am Gaumen noch eine Spur intensiver und kraftvoller als im Duft, verliert dabei jedoch ein wenig von seiner feinen Harmonie.

Die Orangen sind weniger als Darstellung von Aromen auf dem Bild, sondern einfach weil sie farblich sehr gut zur Aufmachung harmonieren. Sorry.


Abgang
Das Finale wird von leicht bitteren Noten eingeläutet, die von Rosinen, Vanille sowie Leder und Tabak begleitet werden. Für seine gerade einmal vier Jahre Reifezeit präsentiert sich der Holzeinfluss erstaunlich deutlich. Hier zeigt sich eindrucksvoll, welchen Einfluss die intensive Fassreifung im tropisch-heißen Klima Taiwans auf den Whisky ausübt. Entsprechend lang fällt auch der Nachhall aus.


Fazit
Mit ein paar wenigen Tropfen Wasser – lediglich zur Unterstützung beim weiteren Öffnen der Aromen – wird der Brandy Oak nochmals geschmeidiger und süffiger. Wohlgemerkt: Bereits pur lässt er sich ausgesprochen angenehm trinken.

Der Einfluss des Brandyfasses ist so ausgeprägt, dass der Whisky stellenweise eher an einen gereiften Weinbrand als an einen klassischen Single Malt erinnert. Die Aromen sind enorm konzentriert und bewegen sich zeitweise auf einem schmalen Grat.

Für meinen Teil, der auch einem guten Weinbrand im Glas durchaus etwas abgewinnen kann, funktioniert dieses Aromenspiel hervorragend. Wer allerdings mit Brandy oder Cognac weniger anfangen kann, könnte den Fasscharakter bereits als etwas zu dominant empfinden.

Andererseits ist genau das das erklärte Ziel der Solist-Reihe von Kavalan: intensive Fassreifungen in einem tropischen Klima, die den Fasscharakter kompromisslos in den Mittelpunkt stellen. Dafür sollte man grundsätzlich offen sein.

Im Vergleich zu den anderen Solist-Abfüllungen, die ich bislang verkostet habe, gehört der Brandy Oak für mich sicherlich zu den süffigsten, elegantesten und harmonischsten Vertretern.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Glen Garioch 12y – Ars Goetia #5 Asmodeus (whic)

 

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Der Ars Goetia Asmodeus war die Black Friday Special Release des vergangenen Jahres von whic.de und gleichzeitig die fünfte Abfüllung ihrer Ars-Goetia-Reihe. Die Serie widmet sich mit ihren düsteren, diabolisch anmutenden Labels den Herrschern der Hölle und des ewigen Feuers.

Asmodeus stammt aus der jüdischen Mythologie und gilt als Dämon des Zorns, der Habgier und der Wollust. Das klingt zunächst nach einem opulenten Raubein. Entsprechend würde man wohl einen stark getorften Islay-Whisky oder eine intensiv in Sherry- oder Weinfässern gereifte Abfüllung erwarten.

Hinter dieser Edition verbirgt sich jedoch ein zwölfjähriger Glen Garioch mit Ex-Bourbonfass-Reifung. Also weder ein kräftiger Raucher noch eine Weinfassbombe. Im Gegenteil: ein ungetorfter Highlander in einem schönen Alter mit einer klassischen, fruchtbetonten Fassreifung.

Ich bin daher sehr gespannt, ob es hier tatsächlich teuflisch zugehen wird. Meine Erwartungen sind diesbezüglich eher verhalten. Aber glücklicherweise bin ich ein großer Fan von Bourbonfass-Reifungen.


Aussehen
Helles Strohgelb.


Nase
Wie bereits vermutet, ist von düsteren Höllenschwaden bei diesem Whisky absolut nichts zu finden. Ganz im Gegenteil: Süßer heller Kuchenteig mit reichlich Vanille verbindet sich mit Pfirsichen aus der Dose, Marillenkompott und weichem hellem Karamell.

Eigentlich eine sehr klassische Ex-Bourbonfass-Nase. Wären da nicht dezente Noten von nassem Heu und einer blühenden Sommerwiese mit ihren Kräutern. Sie verleihen dem Whisky mehr Tiefe und erinnern mich an den offiziellen Glen Garioch 12 Jahre, bei dem ich damals ebenfalls Assoziationen von Heidekraut hatte. Obwohl der 12-Jährige sowohl in Ex-Bourbon- als auch in Sherryfässern reift, scheinen diese grünen und kräuterigen Aromen tatsächlich Teil der Brennerei-DNA zu sein.

Die 46 % vol. zwicken gelegentlich leicht in der Nase und sorgen für eine angenehme Frische.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Sehr weich und rund beginnt der erste Schluck mit einer fast an Puderzucker erinnernden Süße. Diese wird von cremiger Vanille und warmem Birnenkompott mit etwas Zimt begleitet. Gemeinsam mit einer Spur Ingwer sorgt der Zimt für eine angenehme Würze, die sich im gesamten Mundraum ausbreitet und langsam den Weg für die Eiche freimacht.

Neben moderat bitter-würzigen Holznoten zeigen sich auch die Schale grüner Äpfel sowie eine leicht herbe Traubenkernnote. Die grünen Kräuteraromen aus der Nase treten am Gaumen dagegen deutlich in den Hintergrund. Der Alkohol ist gut eingebunden und transportiert die Aromen kraftvoll, ohne jemals aufdringlich zu wirken.


Abgang
Das Finish fällt eher mittellang aus. Die Eiche sorgt weiterhin für sanft bittere Eindrücke und verbindet sich mit Apfel- und Birnenschalen. Gleichzeitig bleibt die süße Vanillecreme bis zum Schluss präsent. Eine durchaus gelungene Wechselwirkung zwischen süßen und bitteren Aromen.


Fazit
Eine durchaus gelungene Ex-Bourbonfass-Abfüllung, die viel Trinkfreude bereitet. Der Whisky ist geradlinig, ehrlich, nicht übermäßig komplex, dafür aber ausgesprochen süffig.

Auf der anderen Seite fehlt ihm jedoch das gewisse Etwas, das ihn nachhaltig von vielen vergleichbaren Abfüllungen abheben würde. Wer unkomplizierte, sortenreine Single Malts aus dem Ex-Bourbonfass schätzt, macht hier sicherlich nichts falsch. Allerdings gibt es auf dem Markt zahlreiche Whiskys, die einen sehr ähnlichen Charakter bieten.

So bleibt der Ars Goetia Asmodeus für mich vor allem ein angenehmer Begleiter für einen lauen Sommerabend – mit einem spektakulären Etikett, aber einem bewusst bodenständigen und klassischen Inhalt.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Macallan 15y Double Oak

 

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Über die Brennerei Macallan, ihre Preispolitik und das damit verbundene ambivalente Verhältnis vieler Whisky-Nerds zu dieser Marke muss ich wohl keine weiteren Worte verlieren. Trotzdem gehören die Whiskys dieser traditionsreichen Speyside-Destillerie weltweit zu den beliebtesten überhaupt. Für viele Whiskyliebhaber ist ein Macallan nach wie vor das Nonplusultra des Whiskygenusses.

Ich hatte in der Vergangenheit bereits den einen oder anderen Macallan im Glas – sowohl Originalabfüllungen als auch unabhängige Abfüllungen. Vor allem die Originale empfand ich meist als sehr akzeptable Alltagsdrams - mit Ausnahme des 12y Triple Cask, der fiel ein wenig ab. Wenig nachdenken, einfach genießen – dagegen ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden. Einzig der Preis stört mich. Für einen unkomplizierten Alltagswhisky möchte ich die mittlerweile aufgerufenen Summen einfach nicht bezahlen.

Auf der anderen Seite gehört ein Macallan – zumindest meiner Meinung nach – in jede Sammlung eines James-Bond-Fans. Und genau ein solcher bin ich. Erschwerend kommt bei vielen Originalabfüllungen hinzu, dass sie lediglich mit 40 % vol. abgefüllt werden. Das ist mir inzwischen etwas zu wenig, um die Aromen optimal zu transportieren. Ideal wären für mich 46 bis 50 % vol., allerdings bewegt man sich dann meist bereits in deutlich höheren Preisregionen.

Wie es der Zufall wollte, wurde ich schließlich bei einer Krüger-Auktion fündig und konnte mir einen Macallan 15 Jahre Double Oak aus dem Jahr 2020 zu einem sehr moderaten Preis sichern.

Die Double-Oak-Serie bildet gewissermaßen die mittlere Linie innerhalb der damaligen Core Range von Macallan. Daneben gab es die Sherry Oak Serie mit einer Reifung ausschließlich in europäischen Oloroso-Sherryfässern sowie die Triple Oak Serie, bei der amerikanische und europäische Oloroso-Sherryfässer zusätzlich mit Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche kombiniert wurden. Letztere wurde inzwischen durch die Colour Collection ersetzt.

Den 18-jährigen Double Oak hatte ich bereits im Glas und wusste daher ungefähr, was mich erwarten würde. Zudem bringt der 15-Jährige immerhin 43 % vol. mit – drei Prozentpunkte mehr als viele andere Standardabfüllungen von Macallan.

Fotocredit: whiskybase.com


Aussehen
Rötlicher dunkler Bernstein.


Nase
Von Beginn an präsentiert sich eine ausgesprochen elegante, harmonische und zugleich moderne Sherrynase. Die 43 % vol. stehen dem Whisky ausgesprochen gut. Die Aromen werden mit ausreichend Kraft aus dem Glas getragen.

Neben den klassischen getrockneten Früchten wie Feigen, Datteln und Rosinen zeigen sich auch Orangenmarmelade und Marillenröster. Begleitet wird diese überraschend intensive Fruchtigkeit von Karamell, das für eine angenehme Süße sorgt, sowie einer ordentlichen Portion Vanille.

Den ausgewogenen Gegenpol bilden geröstete Haselnüsse, mittelkräftiges Kakaopulver, Ingwer und ein Hauch europäischer Eiche. Dass sich die Holzwürze in der Nase eher zurückhaltend zeigt, überrascht mich etwas. Bei einer zumindest teilweisen Reifung in europäischen Eichenfässern hätte ich mit mehr Tanninen und herberen Noten gerechnet.


Geschmack
Der dem vergleichsweise niedrigen Alkoholgehalt geschuldete sanfte Antritt war zu erwarten. Dennoch präsentieren sich die Aromen erfreulich intensiv.

Umso überraschender ist, dass sich die Eiche am Gaumen deutlich kräftiger zeigt als noch in der Nase.

Auch die Sherryaromen wirken nun insgesamt dunkler. Getrocknete Früchte – allen voran Rosinen – stehen klar im Vordergrund. Vanille und Süße treten merklich zurück, ebenso die helleren Fruchtaromen. Von Marillen oder Orangen finde ich nun kaum noch etwas.

Dafür entwickeln sich Tabakblätter, Leder und ein Hauch Möbelpolitur – klassische Begleiter einer Reifung in europäischen Sherryfässern. Im Mittelteil zieht zudem eine angenehm würzige Ingwernote über die Zunge.

Mit jedem weiteren Schluck gewinnt die Holzwürze sogar noch etwas an Intensität. Sie bleibt jedoch jederzeit gut eingebunden und fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein. Vermutlich tragen die moderaten 43 % vol. dazu bei, dass auch die leicht bitteren Holznoten jederzeit in Balance bleiben.


Abgang
Das Finish fällt erfreulich lang aus. Dunkle Schokolade, mittelkräftiger schwarzer Kaffee, Rosinen, Tabak und getrocknete dunkle Früchte verweilen noch lange am Gaumen.


Fazit
Der Macallan 15 Jahre Double Oak ist ein ausgesprochen harmonischer und vor allem in der Nase sanfter Sherrywhisky aus der Speyside, der unabhängig von den persönlichen Vorlieben vielen Whiskyfreunden gefallen dürfte.

Besonders gut gefällt mir die kräftigere Eiche am Gaumen, die einen schönen Gegenpol zu der fruchtbetonten Nase bildet. Meine anfängliche Skepsis gegenüber den 43 % vol. hat sich während der Verkostung schnell gelegt. Die Alkoholstärke reicht vollkommen aus, um die Aromen und Geschmacksnoten überzeugend zu transportieren.

Insgesamt bietet der Whisky einen eleganten und unkomplizierten Genuss ohne große Ecken und Kanten. Wem der Macallan 15 Jahre Sherry Oak preislich zu hoch angesiedelt ist, der sollte dem Double Oak durchaus eine Chance geben.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Ben Nevis 10y 2014 (Wilson & Morgan)

 

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Wir erleben gerade die längste und intensivste Hitzewelle mit teilweise über 40 °C für einen Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Da ist der Konsum von Alkohol – insbesondere hochprozentiger Spirituosen – eher nicht empfehlenswert. Und wenn doch, dann greift man meist lieber zu kühlen Mixgetränken mit Eiswürfeln wie Aperol Spritz, Limoncello Spritz oder einem Gin Tonic.

Ein schwerer, intensiver Single Malt in Fassstärke aus einer Port- oder Sherryvollreifung passt dazu zunächst nicht ins Bild – und oft auch nicht auf den Gaumen. Der Alkohol wirkt schärfer, die Aromen erscheinen konzentrierter, vor allem die Eichenwürze tritt stärker hervor, und irgendwie will das Gesamtbild einfach nicht so recht funktionieren.

Das kann ich zu 100 % nachvollziehen. Trotzdem habe ich auch im Sommer immer wieder Lust auf einen Whisky – sofern es nicht gerade ein esterreicher Jamaica Rum oder ein Vertreter einer anderen Karibikinsel wird. Doch auf welche Art von Whisky habe ich bei sommerlichen Temperaturen eigentlich Lust?

Wenn ich von Whisky spreche, schließe ich dabei auch amerikanische Bourbons und Ryes mit bis zu etwa 50 % vol. ein. Die funktionieren für mich selbst an heißen Tagen hervorragend – auch pur und ohne Eis.

Bei Single Malts greife ich dagegen bevorzugt zu Abfüllungen aus Ex-Bourbonfässern oder solchen mit Weißweinreifung beziehungsweise entsprechendem Finish. Auch klassische Refill Hogsheads passen für mich wunderbar in diese Jahreszeit. Die Kombination aus Vanille, hellen und tropischen Früchten, Kokos sowie einer angenehmen Süße macht für mich einen echten Sommer-Whisky aus.

Mit diesem zehnjährigen Ben Nevis aus dem Jahr 2014 vom italienischen unabhängigen Abfüller Wilson & Morgan habe ich genau eine solche Abfüllung erwischt. Nach der Grundreifung in zwei Ex-Bourbonfässern erhielt der Whisky ein ungewöhnlich langes, 64 Monate dauerndes Finish – jeweils zur Hälfte in einem Second-Fill-PX- und einem Second-Fill-Oloroso-Sherryfass. Das Ergebnis sind 777 Flaschen mit angenehmen 48 % vol.


Aussehen
Helles Orangegold.


Nase
Bei den aktuellen Rekordtemperaturen muss selbst ein Whisky mit 48 % vol. zunächst etwas Luft bekommen, damit der Alkohol nicht zu dominant wirkt.

Die zusätzliche Ruhephase tut ihm ausgesprochen gut. Der Alkohol rückt merklich in den Hintergrund und macht Platz für die typisch kernigen Frühstücksmüsli-Noten von Ben Nevis. Dazu gesellen sich reife Zitrusfrüchte, Marillen und Pfirsiche. Mit zunehmender Zeit im Glas entwickelt sich der Duft immer stärker in Richtung matschiger, süßer gelber Trauben – fast so, als würden sie bereits für die Weinbereitung eingemaischt.

Den Einfluss der Sherryfässer erkennt man vor allem an nussigen Noten sowie einer cremigen Textur, die entfernt an weiche Feigen und Datteln erinnert.

Selbst bei dieser Hitze funktioniert der Ben Nevis in der Nase erstaunlich gut.

Fotocredit: Wilson & Morgan


Geschmack
Typischer Ben-Nevis-Stil auf Bourbonfassbasis – lecker.

Der Auftakt ist cremig und weich, begleitet von einer honigartigen Süße. Kurz darauf folgen Marillen- und Pfirsichröster mit Vanillesauce. Die bereits aus der Nase bekannten Cerealien sorgen erneut für den kernigen Brennereicharakter.

Hinzu kommen dezente mineralische Noten. Pekannüsse und Haselnüsse verbinden sich mit Feigen, Datteln und einer feinen Tabaknote, die klar auf die Sherryfässer zurückzuführen ist. Insgesamt bleibt das Aromenbild jedoch deutlich auf der helleren, fruchtigeren Seite.

Der Alkohol ist – vermutlich auch der sommerlichen Wärme geschuldet – ab der Mitte bis ins Finale gut wahrnehmbar, wirkt aber niemals störend oder unausgewogen.


Abgang
Leichte Tannine sorgen für zartbittere Eindrücke. Die Sherrynoten treten im Finale am deutlichsten hervor und werden von süßen, weichen Rosinen begleitet. Der Abgang fällt mittellang aus, wobei insbesondere die Eiche und die Rosinen noch längere Zeit am Gaumen nachklingen.


Fazit
Auch bei hochsommerlichen Temperaturen lässt sich dieser Ben Nevis ausgesprochen gut trinken. Die Kombination aus der Ex-Bourbon-Grundreifung und dem langen Finish in zwei Second-Fill-Sherryfässern gefällt mir ausgesprochen gut. Trotz der ungewöhnlich langen Nachreifung bleibt der typische Ben-Nevis-Charakter jederzeit erhalten. Die Sherryfässer ergänzen ihn um nussige und dunkelfruchtige Facetten, ohne den Brennereicharakter zu überdecken.

Kurzum: ein ausgesprochen gelungener und sehr trinkbarer zehnjähriger Ben Nevis aus der Brennerei bei Fort William.

Freitag, 26. Juni 2026

The Copper Giant Jamaica Rum Navy Strength – Steambound 1/13 (whic)

 

RumX Link


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Neben Whisk(e)y aus Schottland, Irland sowie Bourbon und Rye aus den USA ist Rum – ebenso wie Rhum Agricole, der französische Vertreter – sicherlich mein zweites großes Standbein im Bereich Spirituosen.

In den letzten Monaten habe ich mich zunehmend auch Rums mit höheren Estergehalten angenähert. Allen voran sind hier die jamaikanischen Vertreter zu nennen. Diese besonders intensiven, tropisch-funkigen Düfte und Aromen sind einerseits durchaus herausfordernd, gleichzeitig aber auch ausgesprochen faszinierend und lecker.

Mit The Copper Giant hat whic.de nun unter dem Namen Steambound seine erste eigene Rum-Serie gestartet. Den Auftakt macht ein jamaikanischer Rum in Navy Strength mit 57,2 % vol., der vier Jahre in Europa in einem PX-Sherry-Quarter-Cask reifen durfte. Ausgestattet ist er mit einem Estergehalt von beachtlichen 700 g/hLPA (Gramm pro Hektoliter reinen Alkohols) und gehört damit klar zur Kategorie der High-Ester-Rums.

Welche Brennerei sich dahinter verbirgt, ist offiziell nicht bekannt. Der angegebene Estergehalt von 700 g/hLPA liefert jedoch einen interessanten Hinweis für Spekulationen.

Im Bereich um 700 g/hLPA kommen nach heutigem Kenntnisstand im Wesentlichen drei jamaikanische Brennereien infrage. Long Pond produziert mit dem Mark STC★E (Simon Thompson Cambridge Estate) einen Rum mit etwa 550 bis 700 g/hLPA; auch der Mark TECA beginnt ungefähr in diesem Bereich und reicht darüber hinaus bis etwa 800 g/hLPA.

Auch Hampden Estate verfügt mit dem Mark HLCF (Hampden Light Continental Flavour) über einen Esterbereich von rund 500 bis 700 g/hLPA. Der nächsthöhere Mark <>H (Diamond H) bewegt sich dagegen bereits bei etwa 900 bis 1.000 g/hLPA.

Als dritte mögliche Herkunft kommt Worthy Park Estate infrage. Dort erreicht der Mark WPM etwa 600 bis 700 g/hLPA, während WPH noch einmal deutlich esterreicher ausfällt und bis über 800 g/hLPA reicht.

Eine eindeutige Zuordnung lässt sich anhand des Estergehalts allein natürlich nicht treffen. Dennoch würde ich auf Long Pond tippen, da unabhängige Hampdens eher selten sind und der Mark WPM bei Worthy Park ebenfalls nicht so häufig vorkommen.

Fotocredit: whic.de


Aussehen
Nussbraun, mittlerer Mahagoniton.


Nase
Ein regelrechter Dufttornado entströmt dem Snifter. Im unverdünnten Zustand merkt man zwar, dass die hohe Alkoholstärke die Entfaltung der Aromen zunächst etwas hemmt, doch das, was bereits wahrnehmbar ist, wirkt enorm intensiv und vielschichtig.

Typisch für Jamaika tritt zunächst eine ausgeprägte Esternote hervor, die sich vor allem in Form überreifer tropischer Früchte zeigt: zerdrückte Bananen, sehr reife Ananas, Mango und Kokosmilch bestimmen den ersten Eindruck. Hinzu kommen die von vielen geliebten, von manchen jedoch gefürchteten Funk-Noten, die an Lack, Gummireifenabrieb oder andere leicht schmutzige Industriegerüche erinnern.

Mit zunehmender Standzeit verliert die Navy Strength immer mehr ihre Dominanz. Dadurch öffnen sich die Aromen weiter und auch der Einfluss des PX-Sherryfasses tritt deutlicher hervor. Der tropische Esterfunk verbindet sich nun mit süßen, dunklen Beerenaromen des PX-Sherrys. Man könnte fast meinen, man hätte ein Haribo-Himbeergummibärchen auf Speed vor der Nase. Ergänzt wird diese fruchtige Süße durch würzige Holznoten.

Bereits zwei bis drei Tropfen Wasser auf etwa 2 cl verändern den Rum merklich. Die alkoholische Schärfe tritt zurück, während die PX-Noten mehr Raum einnehmen. Gemeinsam mit den tropischen Fruchtaromen entsteht nun für mich ein ausgesprochen harmonisches und ausgewogenes Gesamtbild.


Geschmack
Der Einstieg ist äußerst kraftvoll, der Alkohol deutlich präsent. Der Rum legt sich beinahe sirupartig auf die Zunge und fließt angenehm dickflüssig durch den Mund. Eine mittlere Schärfe wird von den bereits bekannten überreifen tropischen Früchten begleitet, allen voran Banane und Ananas.

Nahezu zeitgleich mit schwarzem Pfeffer, Zimt und Muskat entwickelt sich eine intensive Süße, die an dunklen Honig erinnert – sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz.

Den Einfluss des PX-Sherryfasses empfinde ich am Gaumen sogar noch deutlicher als in der Nase. Die Beeren wirken nun eher getrocknet, dazu gesellen sich Datteln, Feigen und eine feine Nussigkeit.

Mit derselben Menge Wasser reduziert sich zwar die alkoholische Schärfe etwas, der Rum bleibt jedoch weiterhin ausgesprochen kraftvoll und intensiv. Interessanterweise nimmt die Süße meinem Eindruck nach sogar noch leicht zu.

Fotocredit: whic.de


Abgang
Im langen Finale treten die schmutzigen Funk-Noten wieder stärker hervor und verbinden sich mit einer zunehmend präsenten Bitterkeit. Banane und Ananas begleiten die Verkostung bis zum Schluss und bleiben noch lange angenehm auf Zunge und Gaumen erhalten.

Mit Wasser wird mir der Rum im letzten Drittel allerdings fast etwas zu bitter. Hier treten die Gerbstoffe des Fasses für meinen Geschmack zu deutlich hervor.


Fazit
Die Kombination aus einem High-Ester-Jamaica-Rum und einer Vollreifung im PX-Sherryfass finde ich ausgesprochen spannend.

Auch Hampden verfolgt mit seinen Pagos-Abfüllungen einen ähnlichen Ansatz und kombiniert esterreichen Jamaica Rum mit einer Reifung in Oloroso- und PX-Sherryfässern. Eine Flasche davon steht zwar bereits bei mir, geöffnet habe ich sie allerdings noch nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich beide Abfüllungen stilistisch in einigen Punkten ähneln.

Trotz der Navy Strength empfehle ich diesen Rum eher ohne Wasser zu genießen. Zwar bringt eine geringe Wasserzugabe zusätzliche Facetten in die Nase, geschmacklich und insbesondere im Abgang verliert der Rum für mich jedoch etwas an Balance und wird spürbar trockener sowie bitterer.

Lieber kleine Schlückchen nehmen, lange im Mund behalten und sich Zeit lassen. So macht dieser Rum am meisten Freude.

Ich bin jedenfalls gespannt, welche Ideen whic.de für die kommenden Steambound-Abfüllungen noch bereithält. Der Auftakt ist auf jeden Fall gelungen.

Donnerstag, 25. Juni 2026

Jack Daniel‘s Single Barrel Heritage Barrel

 

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Die Single-Barrel-Reihe von Jack Daniel’s hat mit dem Heritage Barrel permanenten Zuwachs erhalten. Zu den Besonderheiten dieser Variante zählt einerseits die Alkoholstärke von lediglich 50 %, mit der der New Make ins Fass gefüllt wird. Dadurch soll das Wasser intensiver mit dem Holz interagieren, was letztlich zu einer milderen und süßeren Aromatik im fertigen Whiskey führen soll.

Darüber hinaus lagern die Fässer für diese Abfüllung in den obersten Ebenen der Lagerhäuser in Lynchburg und sind dadurch höheren Temperaturen ausgesetzt. Dies zeigt sich auch daran, dass die Abfüllstärke ebenfalls bei 50 % liegt. Durch die stärkere Verdunstung von Wasser steigt der Alkoholgehalt während der Reifung wieder an. Zusätzlich werden die verwendeten Fässer doppelt so lange getoastet wie bei anderen Abfüllungen von Jack Daniel’s – nämlich 24 statt der üblichen 12 Minuten.


Aussehen
Dunkler Bernstein mit goldenen Reflexen.


Nase
Unverkennbar Jack Daniel’s. Diese wahrscheinlich dem Lincoln County Process geschuldete weiche, karamellisierte Milchkaramellnote ist sofort präsent und wird von einer Spur Butterpopcorn begleitet.

Die Ähnlichkeiten zu den anderen Single-Barrel-Abfüllungen sind deutlich erkennbar. Mit dem millionenfach verkauften, hochverdünnten Old No. 7 hat dieser Whiskey dagegen nur noch wenig gemeinsam.

Die 50 % vol. sorgen für einen kraftvollen Transport der Aromen zur Nase und wirken stellenweise sogar etwas intensiver, als man zunächst erwarten würde. Mit etwas Luft und Standzeit verflüchtigen sich diese Alkoholspitzen jedoch zunehmend.

Zurück bleiben cremiges Toffee, dunkles Karamell, reichlich Vanille sowie Noten von Bananenbrot, Minze und Kirschsirup. Insgesamt erscheinen mir die Aromen dunkler und reifer als bei den anderen Single Barrels. Das Holz wirkt vor allem im letzten Drittel der Verkostung deutlich präsenter und kraftvoller. Das Karamell scheint nochmals eine Spur länger im Topf geköchelt zu haben. Zimt und Muskatnuss ergänzen das Aromenspiel um würzige Facetten.

Die Nase wirkt kraftvoll, zugleich aber ausgesprochen harmonisch und ausgewogen. Am liebsten würde man das Glas gar nicht mehr von der Nase nehmen.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Auftakt ist sehr lebendig und wird von einem kurzen Aufflackern kräftigen schwarzen Pfeffers begleitet. Die geröstete Eiche ist sofort präsent und bringt reichlich Zimt und Muskat mit. Sehr lecker!

Hinter dieser anfänglichen Würze erscheinen süßes Toffee und Creme Brûlée mit einer dünnen Schicht knackigen Karamells. Das Mundgefühl ist cremig, beinahe schon dickflüssig. Der Kirschsirup und die Minze aus der Nase verbinden sich am Gaumen zu einem Eindruck von Pfefferminzbonbon mit Kirschgeschmack.

Der Alkohol bleibt jederzeit spürbar, ist jedoch sehr gut eingebunden und sorgt für die notwendige Intensität. Gegen Ende werden Zunge und Zahnfleisch zunehmend trockener. Ich vermute, dass dies weniger auf den Alkohol als vielmehr auf die recht präsente Eiche zurückzuführen ist.


Abgang
Leichte Bitterstoffe verbinden sich mit braunem Zucker und Zimt. Zusammen mit der Süße des Toffees entsteht eine schöne Komposition, die lange am Gaumen nachhallt.


Fazit
Eine rundum gelungene Ergänzung der Single-Barrel-Reihe!

Wie schon der Single Barrel Barrel Proof gefällt mir auch diese Abfüllung aus der Single-Barrel-Serie ausgesprochen gut. Der eigenständige Stil eines Tennessee Whiskeys und insbesondere der typische Charakter von Jack Daniel’s mit seiner weichen Karamellnote durch den zusätzlichen Kohlefilter-Durchgang sind sofort erkennbar.

Bekommt man die Flasche für rund 75 Euro, ist sie für mich ein klarer No-Brainer.

Dienstag, 16. Juni 2026

Bruichladdich Islay Barley 2012

 

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Nach der Verkostung des Bere Barley 2010 im Sommer letzten Jahres bin ich auf den Geschmack dieser Terroir-Abfüllungen von Bruichladdich gekommen, bei denen ausschließlich regionale Gerste zum Einsatz kommt. Vor allem der eher puristische, klar definierte Geschmackscharakter gefällt mir sehr – Whisky pur, ohne viel Schnickschnack.

So kam es, dass ich mir in den folgenden Monaten über das Auktionshaus Krüger einige dieser besonderen Gerstenabfüllungen zulegte. Neben weiteren Bere Barleys und einem Port Charlotte Scottish Barley fand schließlich auch ein Bruichladdich Islay Barley seinen Weg in meine Sammlung.

Die Wahl für die nächste Verkostung fiel auf den Bruichladdich Islay Barley 2012. Für diese Abfüllung wurde Gerste von acht Farmen – Coull, Cruach, Dunlossit, Island, Mulindry, Rockside, Starchmill und Sunderland Farms – aus der Umgebung der Brennerei verarbeitet. Leider hat Bruichladdich bei der letzten Überarbeitung seiner Webseite das Archiv älterer Abfüllungen aus der Navigation entfernt. Deshalb war es mir nicht möglich, aus offizieller Quelle die genaue Fasszusammenstellung nachzuvollziehen. Auf der Flasche selbst steht lediglich „8 Years in Oak Casks“, was wenig aussagekräftig ist, da schottischer Single Malt nach Definition der SWA ohnehin ausschließlich in Eichenfässern reifen darf.

In verschiedenen Quellen im Internet findet sich die Angabe, dass 75 % First Fill American Oak und 25 % French Oak Casks zum Einsatz kamen. Einige wenige Seiten präzisieren die französischen Eichenfässer sogar als Refill Wine Casks. Welche Weine diese zuvor enthielten, wird allerdings nicht weiter erläutert.

Wie bei den Terroir-Abfüllungen von Bruichladdich üblich, beträgt die Alkoholstärke 50 %. Selbstverständlich wurde weder mit Farbstoff nachgeholfen noch kühlfiltriert.


Aussehen
Helles Stroh, junger Weißwein.


Nase
Sehr hellfruchtig und zugleich maritim präsentiert sich der erste Eindruck dieses Islay Barley. Salzige Gischt und Mineralität erinnern an einen Kiesstrand am Meer. Bei der Frucht stehen vor allem das Fruchtfleisch von Nashibirnen und saftigen grünen Äpfeln im Vordergrund. Kann man Frische und Knackigkeit bei Obst riechen? Eine bessere Assoziation für diese jugendlich-saftige Note fällt mir jedenfalls nicht ein. Dazu kommen Vanille und eine eher unterschwellige Süße.

Schwenkt man den Whisky im Glas oder benetzt den Glasrand damit, erscheint auch der mir von jungen Bruichladdichs aus dem Bourbonfass bekannte Duft nach Joghurt und weichem Camembert – leicht säuerlich, fast wie vergorene Milch.

Ergänzt wird dies durch Aromen von frischem Getreide, Müsli mit Haferflocken sowie Heu und Stroh. Alkohol ist praktisch nicht wahrnehmbar. Insgesamt wirkt die Nase sehr puristisch und geradlinig: Sie konzentriert sich auf wenige Aromen, die dafür umso deutlicher und intensiver hervortreten.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Überraschend süß startet der erste Schluck. Das Mundgefühl ist ausgesprochen cremig und weich. Zu der Süße gesellen sich reichlich frische Getreide- und Müslinoten, begleitet von Zitronensaft, Ananas und Aprikosen. Nach dieser süß-fruchtigen Getreidemischung entwickelt sich eine kurz anhaltende Schärfe, die an frischen Ingwer oder weißen Pfeffer erinnert. Gleichzeitig treten leicht herbe, bittere Eichenwürze und mineralisch-salzige Noten hervor, die dem Whisky einen maritimen Touch verleihen und wunderbar mit seiner süß-pikanten Grundcharakteristik harmonieren. Der Alkohol sorgt zudem für eine angenehme spritzige Frische, die mich immer wieder an Menthol denken lässt.


Abgang
Das Finale fällt nicht allzu lang aus und bewegt sich eher im kurzen bis mittellangen Bereich. Die Eiche steuert etwas Bitterkeit bei, die jedoch rasch wieder verschwindet. Danach dominieren vor allem süße und fruchtige Aromen den Ausklang.


Fazit
Der Bruichladdich Islay Barley 2012 ist für mich erneut ein schönes Beispiel eines Single Malts, der sich bewusst auf wenige Aromen konzentriert. Manchem Genießer mag er dadurch zu schlicht oder zu puristisch erscheinen. Mir gefällt dieser Stil jedoch ausgesprochen gut. Zwar muss ich ihn nicht jeden Tag im Glas haben, doch er erdet einen, lädt zum ruhigen Beschäftigen ein und belohnt mit einem entspannten, bewussten Genuss. Genau das schätze ich an solchen Whiskys sehr.

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