Dienstag, 28. Juli 2026

Loch Lomond 21y 1996 (CA)

 

Whiskybase

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Loch Lomond produziert – wie bereits im Artikel zum Loch Lomond 14 Jahre kurz erwähnt – aufgrund seiner einzigartigen Vielfalt an Brennblasen zahlreiche unterschiedliche Destillatstile. So besitzt der klassische Loch-Lomond-Stil einen Hauch von Rauch, während Inchmurrin vollständig ungetorft daherkommt. Inchmoan hingegen bringt bereits deutlich mehr Rauch mit ins Destillat.

Bei der Cadenhead's-Abfüllung, die ich diese Woche verkoste, findet sich auf dem Etikett lediglich der Hinweis „Distilled at Loch Lomond Distillery“ sowie die Angabe, dass es sich um einen Single Malt handelt. Immerhin schließt das bereits einen Single Grain aus, den Loch Lomond ebenfalls produziert. Welcher Destillatstil – ungetorft, leicht oder stärker getorft – letztlich verwendet wurde, bleibt allerdings offen. Bekannt ist lediglich, dass der Whisky in zwei Bourbon Hogsheads reifte und daraus insgesamt 450 Flaschen mit 51,5 % Vol. abgefüllt wurden.


Aussehen
Dunkles Gelb


Nase
Geht man ausschließlich nach dem Geruch, scheint hier kein rauchiges Destillat im Fass gewesen zu sein. Für mich ist das zunächst eine klassische Inchmurrin-Nase.

Ausgeprägte Vanille, die mich an Vanillepudding mit seiner leicht künstlichen, aber wunderbar nostalgischen Note erinnert und mich sofort in meine Kindheit zurückversetzt. Dazu gesellen sich reife Früchte aus dem Obstgarten – grüne und gelbe Äpfel, Birnen, Weingartenpfirsiche und Aprikosen – begleitet von einer ordentlichen Portion Zitronen- und Limettensorbet. Der Vergleich mit Sorbet kommt nicht von ungefähr, denn der ansonsten hervorragend eingebundene Alkohol sorgt immer wieder für einen angenehm kühlen Frischekick, der die Zitrusaromen regelrecht durch die Nase trägt.

Auch die oft beschriebene Getreidenote von Loch Lomond kann ich problemlos nachvollziehen. Hinter der intensiven Fruchtigkeit zeigen sich immer deutlicher Anklänge von Cerealien, Butterkeksen und Müsli.

Das Alter ist in der Nase jederzeit erkennbar. Die Aromen wirken wunderbar gesetzt und reif, ohne dabei an Intensität eingebüßt zu haben. Gleichzeitig präsentiert sich alles ausgesprochen ausgewogen. Für einen 21-jährigen Whisky hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr Komplexität gewünscht, dennoch ist das eine ausgesprochen feine Ex-Bourbon-Nase, wie gemacht für einen warmen Sommertag.


Geschmack
Knackig, frisch und kraftvoll gestaltet sich die erste Begegnung mit dem Whisky am Gaumen. Bereits mit dem ersten Schluck dominieren intensive Zitrusnoten, begleitet von Zitronenzeste. Dadurch entsteht eine schöne Kombination aus frischer Säure und einer dezenten Bitterkeit, als würde man tatsächlich an einem Stück Zitronenschale knabbern.

Fotocredit: whiskybase.com

Dazu gesellen sich salzige Anklänge, die mich an Lakritz erinnern, sowie leicht schmutzige Noten von Asche, die dem Whisky eine überraschende, fast schon funkige Seite verleihen. So hatte ich ihn nach der Nase nicht erwartet. Rauch würde ich allerdings noch immer nicht eindeutig daraus ableiten.

Überhaupt unterscheidet sich der Geschmack deutlich vom Duft. Während in der Nase Vanille und Frucht das Geschehen bestimmen, übernehmen am Gaumen intensive Kräuteraromen die Hauptrolle. Das ist spannend und ausgesprochen eigenständig.

Ab der Mitte treten zunehmend bittere Holzaromen hinzu, die angesichts von 21 Jahren Reife erfreulich zurückhaltend bleiben. Mit jedem weiteren Schluck kehrt die Vanille langsam wieder zurück – ein kleines Chamäleon –, während die Fruchtigkeit weiterhin eher im Hintergrund bleibt.


Abgang
Gegen Ende muss ich meine ursprüngliche Vermutung wohl doch revidieren. Offenbar steckt tatsächlich ein wenig Rauch im Destillat. Nicht viel, aber gerade genug, um diese leicht schmutzige, fast aschige Note auch im Nachhall präsent zu halten.

Dazu kommen etwas trockene Holzspäne, eine feine Bitterkeit sowie ein paar Apfelschalen, die den langen Ausklang begleiten.


Fazit
Dieser Whisky hat mich gehörig an der Nase herumgeführt. Während ich im Duft zunächst überhaupt keinen Rauch erkennen konnte, entwickelte sich am Gaumen zunehmend eine schmutzig-funkige Eigenständigkeit, die mich immer mehr ins Grübeln brachte. Spätestens im Abgang wurde für mich jedoch klar, dass hier vermutlich doch eher der klassische Loch-Lomond-Stil als ein Inchmurrin im Glas gelandet ist.

Unabhängig davon, welcher Destillatstil letztlich verwendet wurde, gefällt mir diese Abfüllung ausgesprochen gut. Sie zeigt eindrucksvoll, wie elegant und ausdrucksstark ein hervorragend gereifter Ex-Bourbon-Whisky sein kann. Das Alter ist jederzeit nachvollziehbar, auch wenn ich mir an der einen oder anderen Stelle noch etwas mehr Komplexität gewünscht hätte. Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau.

Dieser Malt zeigt einmal mehr, dass sich auch abseits der gehypten Brennereien echte Perlen finden lassen. Man muss sie nur entdecken.

CDI Guyana 14y Port Finish (Bottled for Denmark) 2007

 

RumX Link


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Aussehen
Mittlerer Bernstein


Nase
Der Rum benötigt zunächst ein paar Momente im Glas, bis sich die ersten Alkoholschwaden verflüchtigt haben. Danach öffnet sich ein wunderbar komplexes Duftbouquet. Dunkle, saftige rote Beeren, fruchtig-säuerliche Kirschmarmelade, Rosinen und dunkle Schokolade verbinden sich mit leicht köchelnder Melasse, süßem Karamell, einer Messerspitze frischer Vanille, gemahlenem Zimt und Muskat sowie geriebener Tonkabohne mit ihrer dezenten Marzipannote. Ein Prise Kokosraspeln rundet das Ganze ab.

Die Aromen strömen mit viel Kraft aus dem Glas. Sie wirken hochkonzentriert, befinden sich dabei aber jederzeit in perfekter Balance. Kein Duft drängt sich in den Vordergrund – vielmehr verschmelzen alle Komponenten zu einem ausgesprochen harmonischen Gesamtbild. Der Alkohol ist selbstverständlich präsent, bleibt jedoch hervorragend eingebunden und lässt sich problemlos wegriechen.

Ein paar Tropfen Wasser tun dem Rum ausgesprochen gut. Vor allem Melasse, Rosinen und Vanille gewinnen dadurch nochmals an Ausdruck und Tiefe. Insgesamt öffnet sich die Nase deutlich und wirkt noch vielschichtiger.


Geschmack
Mit seinen 62,4 % Vol. legt sich der Rum unverdünnt beim ersten Schluck beinahe sirupartig über den gesamten Mundraum und Zunge. Eine intensive Süße eröffnet den Geschmack, bevor sie rasch einer kräftigen Pfefferschärfe und einem deutlichen Prickeln Platz macht. Dazwischen zeigen sich bereits erste Eindrücke von Rosinen, dunklen Beeren, Kakao und Vanille.

Mit zunehmender Verweildauer wird der Rum trockener. Der Alkohol fordert seinen Tribut von Zunge, Wangen und Zahnfleisch, ohne dabei unangenehm zu wirken. Holzwürze mit einer feinen Bitternote bildet gemeinsam mit der Melasse und gerösteten Haselnüssen samt ihrer braunen Haut das Rückgrat des zweiten Teils des Geschmackserlebnisses. Nach der anfänglichen Karamellsüße übernehmen nun Würze und Fasscharakter das Kommando.

Wie schon in der Nase wirken einige Tropfen Wasser auch am Gaumen wie ein Türöffner. Die alkoholische Schärfe tritt deutlich in den Hintergrund, während die Süße, die Portfassnoten und hier vor allem die dunklen Früchte sowie das intensive Melassearoma stärker hervortreten. Der Rum gewinnt dadurch spürbar an Harmonie.

Verdünnt auf etwa hohe 40 bis niedrige 50 % Vol. zeigt er schließlich ein völlig anderes Gesicht. Die Schärfe verschwindet nahezu vollständig und macht einem überraschend weichen, unglaublich süffigen Rum Platz. Trotz der Verdünnung bleiben die Aromen ausgesprochen intensiv und vollmundig erhalten.


Abgang
Das Finale fällt unverdünnt etwas kürzer aus, als man es angesichts der Intensität zuvor erwarten würde. Zunächst dominiert der Holzeinfluss und sorgt gegen Ende für eine leicht herbe, angenehm bittere Note. Rosinen, dunkle Beeren und ein Hauch Kokosnuss halten sich anschließend noch eine ganze Weile am Gaumen und verabschieden den Rum mit einem würzigen Nachhall.


Fazit
Dieser Rum bereitet vom ersten Moment an ausgesprochen viel Freude im Glas. Sowohl in der Nase als auch am Gaumen präsentiert er sich unverdünnt äußerst intensiv, konzentriert und charakterstark. Das Port Finish ist hervorragend gelungen und erweitert den ohnehin kräftigen Guyana-Stil um zusätzliche Fruchtigkeit und Komplexität, ohne den typischen Melassecharakter zu überdecken.

Lediglich beim Abgang würde ich einen kleinen Abstrich machen. Pur dürfte das Finale für meinen Geschmack gerne etwas länger anhalten, zudem übernimmt das Holz gegen Ende eine Spur zu deutlich die Regie und verleiht dem Rum eine leicht herbe Note.

Sollte sich nochmals die Gelegenheit ergeben, eine Flasche zu einem vernünftigen Preis zu ergattern, würde ich ohne zu zögern wieder zugreifen.

Donnerstag, 23. Juli 2026

Kavalan Solist Brandy Oak

 

Whiskybase

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Im April dieses Jahres machte David Chen, seines Zeichens Brand Ambassador von Kavalan aus Taiwan, während seiner Europa-Tour auch im beschaulichen Baden bei Wien im kleinen, aber sehr feinen Whiskyladen "The Sideways Whiskyshop" Halt, um im Rahmen eines Tastings eine Auswahl aus dem großen Portfolio von Kavalan zu präsentieren.

Neben einigen Tropfen aus der Standardreihe standen auch der 15-Jährige – eine wahre Eichenkeule vor dem Herrn – sowie zwei rauchige Vertreter und zwei Solist-Abfüllungen auf dem Programm. Natürlich durfte eine davon der Vinho Barrique Solist sein, jene Abfüllung, mit der der internationale Aufstieg von Kavalan überhaupt erst richtig begann, nachdem der Vinho 2015 bei den World Whisky Awards (WWA) zum „Besten Single Malt Whisky der Welt“ gekürt worden war.

Der zweite Solist war der Brandy Cask, eine deutlich seltener anzutreffende Abfüllung. Und gerade dieser entwickelte sich für mich zum heimlichen Gewinner des Abends. Das lag vermutlich auch daran, dass wir ihn ungeplant als Sparringspartner für ein außergewöhnlich gelungenes Foodpairing erleben durften.

Zur Halbzeit des Tastings wurde ein kleiner Imbiss serviert – ein köstliches, eine Woche lang in einem speziellen Sud gebeiztes Heringsfilet mit hauchdünn geschnittenen, ebenfalls eingelegten roten Zwiebeln.

In Taiwan – ebenso wie beispielsweise in Japan – ist es durchaus üblich, Spirituosen pur oder verdünnt, etwa als Highball, zum Essen zu genießen. Wir hatten kurz zuvor den Brandy Oak eingeschenkt bekommen. David Chen probierte daher spontan den Fisch zusammen mit dem Whisky und war begeistert, wie hervorragend dieses Pairing funktionierte.

Und tatsächlich passten die Aromen des Whiskys ausgezeichnet zu den milden, leicht fruchtig-säuerlichen Noten des eingelegten Fisches.

Doch auch ohne Begleitung von Speisen wusste der Brandy Oak zu überzeugen. Deshalb entschied ich mich noch am selben Abend, eine Flasche mit nach Hause zu nehmen. Bei den Solist-Abfüllungen handelt es sich bekanntlich immer um Einzelfassabfüllungen. Meine Flasche stammt aus einem Fass aus dem Jahr 2017 und wurde 2021 mit 56,3 % Vol. zusammen mit 329 weiteren Flaschen ohne künstliche Farbstoffe und ohne Kühlfiltration abgefüllt.

David Chen, Brand Ambassador von Kavalan voll in seinem Element

Nun darf er sich in gewohnter Atmosphäre, ganz in Ruhe, in meinem geliebten Nosingglas und vor allem ohne Fischbegleitung beweisen.


Aussehen
Brandy bzw. Cognac, dunkles Bernstein mit rötlichem Einschlag


Nase
Ein volles und kraftvolles Duftbouquet steigt aus dem Glas auf. Eine Handvoll kandierter Pfirsiche und Aprikosen bietet einen ausgesprochen einladenden Einstieg, gefolgt von karamellisierter Crème brûlée, die den Aromen eine wunderbar cremige Verbindung verleiht. Überhaupt präsentiert sich das Bouquet außergewöhnlich homogen und harmonisch.

Ein intensiver Blumenduft, der an Rosen und Orchideen erinnert, weckt deutliche Assoziationen an Melasse-Rum im spanischen Stil. Rosinen, Kokosnuss und die bereits erwähnte Vanille der Crème brûlée ergänzen dieses aromatische Bild auf sehr stimmige Weise.

Mit zunehmender Standzeit tritt schließlich auch das Holz stärker in Erscheinung – begleitet von würzigen Noten nach Zimt, Schokolade und Nüssen. Der Alkohol ist hervorragend eingebunden. War zu Beginn beim tiefen Hineinriechen noch ein leichtes Prickeln wahrnehmbar, verschwindet dieses mit etwas Zeit vollständig. Von jugendlicher Unreife oder gar metallischen Noten ist trotz seiner lediglich vier Lenze absolut nichts zu bemerken.


Geschmack
Der Antritt ist kraftvoll, dabei aber auch unverdünnt sehr gut zu genießen, wenngleich der Alkohol die Aromen mit Nachdruck nach vorne trägt. Die süße Crème brûlée sorgt für ein cremiges, dichtes Mundgefühl und lässt einen ohne Kompromisse an Vanille und Süße teilhaben. Haribo-Pfirsiche sorgen für eine Fruchtigkeit, die beinahe schon ins Künstliche abzugleiten scheint.

Die Fassreifung macht sich am Gaumen deutlicher bemerkbar als noch in der Nase. Vergleiche mit spanischem Brandy oder französischem Cognac drängen sich regelrecht auf. Allen voran treten Rosinen sowie das würzige Rancio mit Zimt, Muskat und Traubentrester hervor, das zugleich eine feine Bitternote mit ins Spiel bringt.

Auch der Holzeinfluss fällt noch ausgeprägter aus als in der Nase und geht mit einer gewissen Trockenheit einher, die den gesamten Mundraum einnimmt. Das ist allerdings in erster Linie der Fassstärke geschuldet. Insgesamt wirkt der Whisky am Gaumen noch eine Spur intensiver und kraftvoller als im Duft, verliert dabei jedoch ein wenig von seiner feinen Harmonie.

Die Orangen sind weniger als Darstellung von Aromen auf dem Bild, sondern einfach weil sie farblich sehr gut zur Aufmachung harmonieren. Sorry.


Abgang
Das Finale wird von leicht bitteren Noten eingeläutet, die von Rosinen, Vanille sowie Leder und Tabak begleitet werden. Für seine gerade einmal vier Jahre Reifezeit präsentiert sich der Holzeinfluss erstaunlich deutlich. Hier zeigt sich eindrucksvoll, welchen Einfluss die intensive Fassreifung im tropisch-heißen Klima Taiwans auf den Whisky ausübt. Entsprechend lang fällt auch der Nachhall aus.


Fazit
Mit ein paar wenigen Tropfen Wasser – lediglich zur Unterstützung beim weiteren Öffnen der Aromen – wird der Brandy Oak nochmals geschmeidiger und süffiger. Wohlgemerkt: Bereits pur lässt er sich ausgesprochen angenehm trinken.

Der Einfluss des Brandyfasses ist so ausgeprägt, dass der Whisky stellenweise eher an einen gereiften Weinbrand als an einen klassischen Single Malt erinnert. Die Aromen sind enorm konzentriert und bewegen sich zeitweise auf einem schmalen Grat.

Für meinen Teil, der auch einem guten Weinbrand im Glas durchaus etwas abgewinnen kann, funktioniert dieses Aromenspiel hervorragend. Wer allerdings mit Brandy oder Cognac weniger anfangen kann, könnte den Fasscharakter bereits als etwas zu dominant empfinden.

Andererseits ist genau das das erklärte Ziel der Solist-Reihe von Kavalan: intensive Fassreifungen in einem tropischen Klima, die den Fasscharakter kompromisslos in den Mittelpunkt stellen. Dafür sollte man grundsätzlich offen sein.

Im Vergleich zu den anderen Solist-Abfüllungen, die ich bislang verkostet habe, gehört der Brandy Oak für mich sicherlich zu den süffigsten, elegantesten und harmonischsten Vertretern.

Mittwoch, 15. Juli 2026

Glen Garioch 12y – Ars Goetia #5 Asmodeus (whic)

 

Whiskybase

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Der Ars Goetia Asmodeus war die Black Friday Special Release des vergangenen Jahres von whic.de und gleichzeitig die fünfte Abfüllung ihrer Ars-Goetia-Reihe. Die Serie widmet sich mit ihren düsteren, diabolisch anmutenden Labels den Herrschern der Hölle und des ewigen Feuers.

Asmodeus stammt aus der jüdischen Mythologie und gilt als Dämon des Zorns, der Habgier und der Wollust. Das klingt zunächst nach einem opulenten Raubein. Entsprechend würde man wohl einen stark getorften Islay-Whisky oder eine intensiv in Sherry- oder Weinfässern gereifte Abfüllung erwarten.

Hinter dieser Edition verbirgt sich jedoch ein zwölfjähriger Glen Garioch mit Ex-Bourbonfass-Reifung. Also weder ein kräftiger Raucher noch eine Weinfassbombe. Im Gegenteil: ein ungetorfter Highlander in einem schönen Alter mit einer klassischen, fruchtbetonten Fassreifung.

Ich bin daher sehr gespannt, ob es hier tatsächlich teuflisch zugehen wird. Meine Erwartungen sind diesbezüglich eher verhalten. Aber glücklicherweise bin ich ein großer Fan von Bourbonfass-Reifungen.


Aussehen
Helles Strohgelb.


Nase
Wie bereits vermutet, ist von düsteren Höllenschwaden bei diesem Whisky absolut nichts zu finden. Ganz im Gegenteil: Süßer heller Kuchenteig mit reichlich Vanille verbindet sich mit Pfirsichen aus der Dose, Marillenkompott und weichem hellem Karamell.

Eigentlich eine sehr klassische Ex-Bourbonfass-Nase. Wären da nicht dezente Noten von nassem Heu und einer blühenden Sommerwiese mit ihren Kräutern. Sie verleihen dem Whisky mehr Tiefe und erinnern mich an den offiziellen Glen Garioch 12 Jahre, bei dem ich damals ebenfalls Assoziationen von Heidekraut hatte. Obwohl der 12-Jährige sowohl in Ex-Bourbon- als auch in Sherryfässern reift, scheinen diese grünen und kräuterigen Aromen tatsächlich Teil der Brennerei-DNA zu sein.

Die 46 % vol. zwicken gelegentlich leicht in der Nase und sorgen für eine angenehme Frische.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Sehr weich und rund beginnt der erste Schluck mit einer fast an Puderzucker erinnernden Süße. Diese wird von cremiger Vanille und warmem Birnenkompott mit etwas Zimt begleitet. Gemeinsam mit einer Spur Ingwer sorgt der Zimt für eine angenehme Würze, die sich im gesamten Mundraum ausbreitet und langsam den Weg für die Eiche freimacht.

Neben moderat bitter-würzigen Holznoten zeigen sich auch die Schale grüner Äpfel sowie eine leicht herbe Traubenkernnote. Die grünen Kräuteraromen aus der Nase treten am Gaumen dagegen deutlich in den Hintergrund. Der Alkohol ist gut eingebunden und transportiert die Aromen kraftvoll, ohne jemals aufdringlich zu wirken.


Abgang
Das Finish fällt eher mittellang aus. Die Eiche sorgt weiterhin für sanft bittere Eindrücke und verbindet sich mit Apfel- und Birnenschalen. Gleichzeitig bleibt die süße Vanillecreme bis zum Schluss präsent. Eine durchaus gelungene Wechselwirkung zwischen süßen und bitteren Aromen.


Fazit
Eine durchaus gelungene Ex-Bourbonfass-Abfüllung, die viel Trinkfreude bereitet. Der Whisky ist geradlinig, ehrlich, nicht übermäßig komplex, dafür aber ausgesprochen süffig.

Auf der anderen Seite fehlt ihm jedoch das gewisse Etwas, das ihn nachhaltig von vielen vergleichbaren Abfüllungen abheben würde. Wer unkomplizierte, sortenreine Single Malts aus dem Ex-Bourbonfass schätzt, macht hier sicherlich nichts falsch. Allerdings gibt es auf dem Markt zahlreiche Whiskys, die einen sehr ähnlichen Charakter bieten.

So bleibt der Ars Goetia Asmodeus für mich vor allem ein angenehmer Begleiter für einen lauen Sommerabend – mit einem spektakulären Etikett, aber einem bewusst bodenständigen und klassischen Inhalt.

Donnerstag, 9. Juli 2026

Macallan 15y Double Oak

 

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Über die Brennerei Macallan, ihre Preispolitik und das damit verbundene ambivalente Verhältnis vieler Whisky-Nerds zu dieser Marke muss ich wohl keine weiteren Worte verlieren. Trotzdem gehören die Whiskys dieser traditionsreichen Speyside-Destillerie weltweit zu den beliebtesten überhaupt. Für viele Whiskyliebhaber ist ein Macallan nach wie vor das Nonplusultra des Whiskygenusses.

Ich hatte in der Vergangenheit bereits den einen oder anderen Macallan im Glas – sowohl Originalabfüllungen als auch unabhängige Abfüllungen. Vor allem die Originale empfand ich meist als sehr akzeptable Alltagsdrams - mit Ausnahme des 12y Triple Cask, der fiel ein wenig ab. Wenig nachdenken, einfach genießen – dagegen ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden. Einzig der Preis stört mich. Für einen unkomplizierten Alltagswhisky möchte ich die mittlerweile aufgerufenen Summen einfach nicht bezahlen.

Auf der anderen Seite gehört ein Macallan – zumindest meiner Meinung nach – in jede Sammlung eines James-Bond-Fans. Und genau ein solcher bin ich. Erschwerend kommt bei vielen Originalabfüllungen hinzu, dass sie lediglich mit 40 % vol. abgefüllt werden. Das ist mir inzwischen etwas zu wenig, um die Aromen optimal zu transportieren. Ideal wären für mich 46 bis 50 % vol., allerdings bewegt man sich dann meist bereits in deutlich höheren Preisregionen.

Wie es der Zufall wollte, wurde ich schließlich bei einer Krüger-Auktion fündig und konnte mir einen Macallan 15 Jahre Double Oak aus dem Jahr 2020 zu einem sehr moderaten Preis sichern.

Die Double-Oak-Serie bildet gewissermaßen die mittlere Linie innerhalb der damaligen Core Range von Macallan. Daneben gab es die Sherry Oak Serie mit einer Reifung ausschließlich in europäischen Oloroso-Sherryfässern sowie die Triple Oak Serie, bei der amerikanische und europäische Oloroso-Sherryfässer zusätzlich mit Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche kombiniert wurden. Letztere wurde inzwischen durch die Colour Collection ersetzt.

Den 18-jährigen Double Oak hatte ich bereits im Glas und wusste daher ungefähr, was mich erwarten würde. Zudem bringt der 15-Jährige immerhin 43 % vol. mit – drei Prozentpunkte mehr als viele andere Standardabfüllungen von Macallan.

Fotocredit: whiskybase.com


Aussehen
Rötlicher dunkler Bernstein.


Nase
Von Beginn an präsentiert sich eine ausgesprochen elegante, harmonische und zugleich moderne Sherrynase. Die 43 % vol. stehen dem Whisky ausgesprochen gut. Die Aromen werden mit ausreichend Kraft aus dem Glas getragen.

Neben den klassischen getrockneten Früchten wie Feigen, Datteln und Rosinen zeigen sich auch Orangenmarmelade und Marillenröster. Begleitet wird diese überraschend intensive Fruchtigkeit von Karamell, das für eine angenehme Süße sorgt, sowie einer ordentlichen Portion Vanille.

Den ausgewogenen Gegenpol bilden geröstete Haselnüsse, mittelkräftiges Kakaopulver, Ingwer und ein Hauch europäischer Eiche. Dass sich die Holzwürze in der Nase eher zurückhaltend zeigt, überrascht mich etwas. Bei einer zumindest teilweisen Reifung in europäischen Eichenfässern hätte ich mit mehr Tanninen und herberen Noten gerechnet.


Geschmack
Der dem vergleichsweise niedrigen Alkoholgehalt geschuldete sanfte Antritt war zu erwarten. Dennoch präsentieren sich die Aromen erfreulich intensiv.

Umso überraschender ist, dass sich die Eiche am Gaumen deutlich kräftiger zeigt als noch in der Nase.

Auch die Sherryaromen wirken nun insgesamt dunkler. Getrocknete Früchte – allen voran Rosinen – stehen klar im Vordergrund. Vanille und Süße treten merklich zurück, ebenso die helleren Fruchtaromen. Von Marillen oder Orangen finde ich nun kaum noch etwas.

Dafür entwickeln sich Tabakblätter, Leder und ein Hauch Möbelpolitur – klassische Begleiter einer Reifung in europäischen Sherryfässern. Im Mittelteil zieht zudem eine angenehm würzige Ingwernote über die Zunge.

Mit jedem weiteren Schluck gewinnt die Holzwürze sogar noch etwas an Intensität. Sie bleibt jedoch jederzeit gut eingebunden und fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein. Vermutlich tragen die moderaten 43 % vol. dazu bei, dass auch die leicht bitteren Holznoten jederzeit in Balance bleiben.


Abgang
Das Finish fällt erfreulich lang aus. Dunkle Schokolade, mittelkräftiger schwarzer Kaffee, Rosinen, Tabak und getrocknete dunkle Früchte verweilen noch lange am Gaumen.


Fazit
Der Macallan 15 Jahre Double Oak ist ein ausgesprochen harmonischer und vor allem in der Nase sanfter Sherrywhisky aus der Speyside, der unabhängig von den persönlichen Vorlieben vielen Whiskyfreunden gefallen dürfte.

Besonders gut gefällt mir die kräftigere Eiche am Gaumen, die einen schönen Gegenpol zu der fruchtbetonten Nase bildet. Meine anfängliche Skepsis gegenüber den 43 % vol. hat sich während der Verkostung schnell gelegt. Die Alkoholstärke reicht vollkommen aus, um die Aromen und Geschmacksnoten überzeugend zu transportieren.

Insgesamt bietet der Whisky einen eleganten und unkomplizierten Genuss ohne große Ecken und Kanten. Wem der Macallan 15 Jahre Sherry Oak preislich zu hoch angesiedelt ist, der sollte dem Double Oak durchaus eine Chance geben.

Mittwoch, 1. Juli 2026

Ben Nevis 10y 2014 (Wilson & Morgan)

 

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Wir erleben gerade die längste und intensivste Hitzewelle mit teilweise über 40 °C für einen Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Da ist der Konsum von Alkohol – insbesondere hochprozentiger Spirituosen – eher nicht empfehlenswert. Und wenn doch, dann greift man meist lieber zu kühlen Mixgetränken mit Eiswürfeln wie Aperol Spritz, Limoncello Spritz oder einem Gin Tonic.

Ein schwerer, intensiver Single Malt in Fassstärke aus einer Port- oder Sherryvollreifung passt dazu zunächst nicht ins Bild – und oft auch nicht auf den Gaumen. Der Alkohol wirkt schärfer, die Aromen erscheinen konzentrierter, vor allem die Eichenwürze tritt stärker hervor, und irgendwie will das Gesamtbild einfach nicht so recht funktionieren.

Das kann ich zu 100 % nachvollziehen. Trotzdem habe ich auch im Sommer immer wieder Lust auf einen Whisky – sofern es nicht gerade ein esterreicher Jamaica Rum oder ein Vertreter einer anderen Karibikinsel wird. Doch auf welche Art von Whisky habe ich bei sommerlichen Temperaturen eigentlich Lust?

Wenn ich von Whisky spreche, schließe ich dabei auch amerikanische Bourbons und Ryes mit bis zu etwa 50 % vol. ein. Die funktionieren für mich selbst an heißen Tagen hervorragend – auch pur und ohne Eis.

Bei Single Malts greife ich dagegen bevorzugt zu Abfüllungen aus Ex-Bourbonfässern oder solchen mit Weißweinreifung beziehungsweise entsprechendem Finish. Auch klassische Refill Hogsheads passen für mich wunderbar in diese Jahreszeit. Die Kombination aus Vanille, hellen und tropischen Früchten, Kokos sowie einer angenehmen Süße macht für mich einen echten Sommer-Whisky aus.

Mit diesem zehnjährigen Ben Nevis aus dem Jahr 2014 vom italienischen unabhängigen Abfüller Wilson & Morgan habe ich genau eine solche Abfüllung erwischt. Nach der Grundreifung in zwei Ex-Bourbonfässern erhielt der Whisky ein ungewöhnlich langes, 64 Monate dauerndes Finish – jeweils zur Hälfte in einem Second-Fill-PX- und einem Second-Fill-Oloroso-Sherryfass. Das Ergebnis sind 777 Flaschen mit angenehmen 48 % vol.


Aussehen
Helles Orangegold.


Nase
Bei den aktuellen Rekordtemperaturen muss selbst ein Whisky mit 48 % vol. zunächst etwas Luft bekommen, damit der Alkohol nicht zu dominant wirkt.

Die zusätzliche Ruhephase tut ihm ausgesprochen gut. Der Alkohol rückt merklich in den Hintergrund und macht Platz für die typisch kernigen Frühstücksmüsli-Noten von Ben Nevis. Dazu gesellen sich reife Zitrusfrüchte, Marillen und Pfirsiche. Mit zunehmender Zeit im Glas entwickelt sich der Duft immer stärker in Richtung matschiger, süßer gelber Trauben – fast so, als würden sie bereits für die Weinbereitung eingemaischt.

Den Einfluss der Sherryfässer erkennt man vor allem an nussigen Noten sowie einer cremigen Textur, die entfernt an weiche Feigen und Datteln erinnert.

Selbst bei dieser Hitze funktioniert der Ben Nevis in der Nase erstaunlich gut.

Fotocredit: Wilson & Morgan


Geschmack
Typischer Ben-Nevis-Stil auf Bourbonfassbasis – lecker.

Der Auftakt ist cremig und weich, begleitet von einer honigartigen Süße. Kurz darauf folgen Marillen- und Pfirsichröster mit Vanillesauce. Die bereits aus der Nase bekannten Cerealien sorgen erneut für den kernigen Brennereicharakter.

Hinzu kommen dezente mineralische Noten. Pekannüsse und Haselnüsse verbinden sich mit Feigen, Datteln und einer feinen Tabaknote, die klar auf die Sherryfässer zurückzuführen ist. Insgesamt bleibt das Aromenbild jedoch deutlich auf der helleren, fruchtigeren Seite.

Der Alkohol ist – vermutlich auch der sommerlichen Wärme geschuldet – ab der Mitte bis ins Finale gut wahrnehmbar, wirkt aber niemals störend oder unausgewogen.


Abgang
Leichte Tannine sorgen für zartbittere Eindrücke. Die Sherrynoten treten im Finale am deutlichsten hervor und werden von süßen, weichen Rosinen begleitet. Der Abgang fällt mittellang aus, wobei insbesondere die Eiche und die Rosinen noch längere Zeit am Gaumen nachklingen.


Fazit
Auch bei hochsommerlichen Temperaturen lässt sich dieser Ben Nevis ausgesprochen gut trinken. Die Kombination aus der Ex-Bourbon-Grundreifung und dem langen Finish in zwei Second-Fill-Sherryfässern gefällt mir ausgesprochen gut. Trotz der ungewöhnlich langen Nachreifung bleibt der typische Ben-Nevis-Charakter jederzeit erhalten. Die Sherryfässer ergänzen ihn um nussige und dunkelfruchtige Facetten, ohne den Brennereicharakter zu überdecken.

Kurzum: ein ausgesprochen gelungener und sehr trinkbarer zehnjähriger Ben Nevis aus der Brennerei bei Fort William.

Freitag, 26. Juni 2026

The Copper Giant Jamaica Rum Navy Strength – Steambound 1/13 (whic)

 

RumX Link


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Neben Whisk(e)y aus Schottland, Irland sowie Bourbon und Rye aus den USA ist Rum – ebenso wie Rhum Agricole, der französische Vertreter – sicherlich mein zweites großes Standbein im Bereich Spirituosen.

In den letzten Monaten habe ich mich zunehmend auch Rums mit höheren Estergehalten angenähert. Allen voran sind hier die jamaikanischen Vertreter zu nennen. Diese besonders intensiven, tropisch-funkigen Düfte und Aromen sind einerseits durchaus herausfordernd, gleichzeitig aber auch ausgesprochen faszinierend und lecker.

Mit The Copper Giant hat whic.de nun unter dem Namen Steambound seine erste eigene Rum-Serie gestartet. Den Auftakt macht ein jamaikanischer Rum in Navy Strength mit 57,2 % vol., der vier Jahre in Europa in einem PX-Sherry-Quarter-Cask reifen durfte. Ausgestattet ist er mit einem Estergehalt von beachtlichen 700 g/hLPA (Gramm pro Hektoliter reinen Alkohols) und gehört damit klar zur Kategorie der High-Ester-Rums.

Welche Brennerei sich dahinter verbirgt, ist offiziell nicht bekannt. Der angegebene Estergehalt von 700 g/hLPA liefert jedoch einen interessanten Hinweis für Spekulationen.

Im Bereich um 700 g/hLPA kommen nach heutigem Kenntnisstand im Wesentlichen drei jamaikanische Brennereien infrage. Long Pond produziert mit dem Mark STC★E (Simon Thompson Cambridge Estate) einen Rum mit etwa 550 bis 700 g/hLPA; auch der Mark TECA beginnt ungefähr in diesem Bereich und reicht darüber hinaus bis etwa 800 g/hLPA.

Auch Hampden Estate verfügt mit dem Mark HLCF (Hampden Light Continental Flavour) über einen Esterbereich von rund 500 bis 700 g/hLPA. Der nächsthöhere Mark <>H (Diamond H) bewegt sich dagegen bereits bei etwa 900 bis 1.000 g/hLPA.

Als dritte mögliche Herkunft kommt Worthy Park Estate infrage. Dort erreicht der Mark WPM etwa 600 bis 700 g/hLPA, während WPH noch einmal deutlich esterreicher ausfällt und bis über 800 g/hLPA reicht.

Eine eindeutige Zuordnung lässt sich anhand des Estergehalts allein natürlich nicht treffen. Dennoch würde ich auf Long Pond tippen, da unabhängige Hampdens eher selten sind und der Mark WPM bei Worthy Park ebenfalls nicht so häufig vorkommen.

Fotocredit: whic.de


Aussehen
Nussbraun, mittlerer Mahagoniton.


Nase
Ein regelrechter Dufttornado entströmt dem Snifter. Im unverdünnten Zustand merkt man zwar, dass die hohe Alkoholstärke die Entfaltung der Aromen zunächst etwas hemmt, doch das, was bereits wahrnehmbar ist, wirkt enorm intensiv und vielschichtig.

Typisch für Jamaika tritt zunächst eine ausgeprägte Esternote hervor, die sich vor allem in Form überreifer tropischer Früchte zeigt: zerdrückte Bananen, sehr reife Ananas, Mango und Kokosmilch bestimmen den ersten Eindruck. Hinzu kommen die von vielen geliebten, von manchen jedoch gefürchteten Funk-Noten, die an Lack, Gummireifenabrieb oder andere leicht schmutzige Industriegerüche erinnern.

Mit zunehmender Standzeit verliert die Navy Strength immer mehr ihre Dominanz. Dadurch öffnen sich die Aromen weiter und auch der Einfluss des PX-Sherryfasses tritt deutlicher hervor. Der tropische Esterfunk verbindet sich nun mit süßen, dunklen Beerenaromen des PX-Sherrys. Man könnte fast meinen, man hätte ein Haribo-Himbeergummibärchen auf Speed vor der Nase. Ergänzt wird diese fruchtige Süße durch würzige Holznoten.

Bereits zwei bis drei Tropfen Wasser auf etwa 2 cl verändern den Rum merklich. Die alkoholische Schärfe tritt zurück, während die PX-Noten mehr Raum einnehmen. Gemeinsam mit den tropischen Fruchtaromen entsteht nun für mich ein ausgesprochen harmonisches und ausgewogenes Gesamtbild.


Geschmack
Der Einstieg ist äußerst kraftvoll, der Alkohol deutlich präsent. Der Rum legt sich beinahe sirupartig auf die Zunge und fließt angenehm dickflüssig durch den Mund. Eine mittlere Schärfe wird von den bereits bekannten überreifen tropischen Früchten begleitet, allen voran Banane und Ananas.

Nahezu zeitgleich mit schwarzem Pfeffer, Zimt und Muskat entwickelt sich eine intensive Süße, die an dunklen Honig erinnert – sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz.

Den Einfluss des PX-Sherryfasses empfinde ich am Gaumen sogar noch deutlicher als in der Nase. Die Beeren wirken nun eher getrocknet, dazu gesellen sich Datteln, Feigen und eine feine Nussigkeit.

Mit derselben Menge Wasser reduziert sich zwar die alkoholische Schärfe etwas, der Rum bleibt jedoch weiterhin ausgesprochen kraftvoll und intensiv. Interessanterweise nimmt die Süße meinem Eindruck nach sogar noch leicht zu.

Fotocredit: whic.de


Abgang
Im langen Finale treten die schmutzigen Funk-Noten wieder stärker hervor und verbinden sich mit einer zunehmend präsenten Bitterkeit. Banane und Ananas begleiten die Verkostung bis zum Schluss und bleiben noch lange angenehm auf Zunge und Gaumen erhalten.

Mit Wasser wird mir der Rum im letzten Drittel allerdings fast etwas zu bitter. Hier treten die Gerbstoffe des Fasses für meinen Geschmack zu deutlich hervor.


Fazit
Die Kombination aus einem High-Ester-Jamaica-Rum und einer Vollreifung im PX-Sherryfass finde ich ausgesprochen spannend.

Auch Hampden verfolgt mit seinen Pagos-Abfüllungen einen ähnlichen Ansatz und kombiniert esterreichen Jamaica Rum mit einer Reifung in Oloroso- und PX-Sherryfässern. Eine Flasche davon steht zwar bereits bei mir, geöffnet habe ich sie allerdings noch nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich beide Abfüllungen stilistisch in einigen Punkten ähneln.

Trotz der Navy Strength empfehle ich diesen Rum eher ohne Wasser zu genießen. Zwar bringt eine geringe Wasserzugabe zusätzliche Facetten in die Nase, geschmacklich und insbesondere im Abgang verliert der Rum für mich jedoch etwas an Balance und wird spürbar trockener sowie bitterer.

Lieber kleine Schlückchen nehmen, lange im Mund behalten und sich Zeit lassen. So macht dieser Rum am meisten Freude.

Ich bin jedenfalls gespannt, welche Ideen whic.de für die kommenden Steambound-Abfüllungen noch bereithält. Der Auftakt ist auf jeden Fall gelungen.

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