Freitag, 30. Oktober 2026

Caol Ila 14 Oloroso Sherry Hogshead Matured (ADoS - Finger Plays)

 

Whiskybase

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Wie jedes Jahr Ende Oktober ist es wieder an der Zeit, eine Halloween-Abfüllung zu verkosten. Bislang kam diese, soweit ich mich richtig erinnere, immer vom Brühler Whiskyhaus und stammte aus dessen A Dream of Scotland-Reihe mit ihren typischen Themenlabels. Hier tobt sich Marco Bonn regelmäßig so richtig aus – im positiven Sinne.

Auch heuer wird diese Tradition nicht gebrochen. Ausgewählt habe ich eine Abfüllung aus dem Jahr 2024. Sie stammt aus der Anfangszeit, als das Team rund um Marco Bonn zunehmend auf KI-generierte Motive für die Labels zurückgriff. Bei den ersten Versuchen mit der neuen Technik kam es dabei immer wieder zu einigen Schönheitsfehlern, beispielsweise zu viel Fingern an den Händen und Ähnlichem. Das führte in der deutschen Whiskynerd-Szene zu einiger Kritik und entsprechenden Unmutsbekundungen.

Marco Bonn griff diese Kritik auf seine charmante Art auf und produzierte für diese Abfüllung kurzerhand ein Bild mit einer Skeletthand, die nicht fünf, sondern gleich deutlich mehr Finger aufwies. Daher auch der Zusatztitel „Finger Plays“.

Der Whisky in der Flasche stammt von Caol Ila und reifte 14 Jahre lang in einem Oloroso Sherry Hogshead. Mit stattlichen 56,4 % vol. in einer Auflage von 221 Flaschen abgefüllt, kam weder künstliche Färbung noch Kühlfiltration zum Einsatz.


Aussehen
Dunkles Bernstein mit rötlichem Einschlag


Nase
Der Rauch ist anfangs schon recht kräftig und präsentiert sich mit dem erwarteten und erhofften Islay-Charakter. Zunächst zeigt er vor allem ausgeprägte, quarzig-mineralische Noten, die an kalte Steinkohlebriketts erinnern, bevor er zunehmend in Richtung Holzkohle und Asche umschwenkt. Was mir gefällt, ist, dass der Rauch nicht zu dominant wird. Es bleibt immer noch genügend Raum für die anderen Aromen.

Und hier sind vor allem die den Rauch untermalenden Sherryaromen zu nennen. Neben Tabak und Leder finden sich getrocknete Küchenkräuter, Gewürznelken, Retsinawein mit seiner harzigen Attitüde, etwas Crème brûlée mit leicht angekohlter Karamellschicht sowie gehackte und angeröstete Haselnüsse.

Der Alkohol sorgt für eine angenehme, frische Mentholnote, bleibt ansonsten jedoch dezent im Hintergrund und ist insgesamt sehr gut integriert.


Geschmack
Im Mund eröffnet eine angenehme Süße den Geschmacksreigen, die ich in der Nase so gar nicht wahrgenommen habe. Diese von reifen Pflaumen und Rosinen herrührende süße Note muss sich ihren Platz natürlich mit dem sehr intensiven Rauch teilen. Dieser gestaltet sich erneut sehr mineralisch, aber auch harzig, begleitet von einer ordentlichen Portion trockener Asche. Letztere macht sich vor allem durch ein kurzfristig adstringierendes Gefühl auf der Zunge und an den Innenseiten der Wangen bemerkbar.

Danach kommt eine leichte Schärfe auf, die an frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer erinnert und den Weg für getrocknete Kräuter, Leder, Tabak und angebranntes Holz freimacht.

Auch hier ist der Alkohol gut eingebunden.

Fotocredit: whiskybase.com


Abgang
Ein Hauch erfrischender Pfefferminze sorgt zusammen mit dunkler Schokolade für einen ansprechenden After-Eight-Effekt mit seinen typischen Schoko- und Minznoten. Natürlich bleiben auch im langen Finale der Rauch und nun vor allem die Asche noch länger präsent. Daneben finden sich immer wieder Spuren von Tabak, dem Harz des Retsinaweins und auch noch ein Hauch Süße.


Fazit
Dies ist eine sehr ansprechende Caol Ila-Abfüllung vom Brühler Whiskyhaus, die einerseits alle positiven Eigenschaften eines Islay-Whiskys in Verbindung mit einer guten Sherryfassreifung vereint. Andererseits – und das gefällt mir persönlich sogar noch besser – weist sie nicht jene Überzuckerung auf, die ich bei Abfüllungen aus der A Dream of Scotland-Reihe schon so oft wahrgenommen habe. Das macht sie ungemein süffig und angenehm. Ein richtig guter Begleiter durch den Halloween-Abend.

Mittwoch, 21. Oktober 2026

Dunville‘s 10y PX

 

Whiskybase

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Der Name Dunville reicht bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück und bezeichnete zu seiner Zeit eine der bekanntesten irischen Whiskeymarken. Durch den plötzlichen Tod von Robert Lambart Dunville im Jahr 1931 und das Fehlen eines Nachfolgers geriet Royal Irish Distilleries, seinerzeit die modernste und größte Brennerei Irlands und Produzent der Dunville Whiskeys, in eine wirtschaftliche Schieflage. Davon konnte sich das Unternehmen nicht mehr erholen und wurde schließlich 1936 geschlossen.

Fast 80 Jahre lang gab es keinen Whiskey mehr in Irland mit diesem Markennamen. Eine Ausnahme bildeten vereinzelt Flaschen aus der ursprünglichen Produktionszeit, die bei Auktionen zu horrenden Preisen unter den Hammer kamen.

Dies änderte sich 2013, als Shane Braniff, Gründer der Echlinville Distillery, die Markenrechte erwarb und seitdem unter diesem Namen Whiskeys vertreibt, die von anderen irischen Brennereien stammen. Inzwischen produziert die Farm Distillery Echlinville auch eigenen Whiskey und brachte 2024 die erste entsprechende Abfüllung heraus. Trotzdem wird für die verschiedenen Dunville-Varianten weiterhin zugekaufter Whiskey verwendet.

Der Whiskey für den Dunville's 10 Years PX wurde auf dem Echlinville Estate drei bis vier Jahre in PX-Fässern nachgereift. Woher der ursprünglich verwendete Whiskey stammt, ist nicht bekannt. Auch die verfügbaren Quellen sind sich nicht sicher und spekulieren entweder über Cooley oder Bushmills. Das wäre allein schon deshalb interessant, weil sich damit die Frage stellen würde, ob der Whiskey zweifach wie bei Cooley oder dreifach wie bei Bushmills destilliert wurde. Das macht geschmacklich durchaus einen Unterschied.

Der Single Malt Whiskey wurde in angenehmer Trinkstärke von 46% abgefüllt und weder gefärbt noch kühlgefiltert.


Aussehen
Rötliches Kupfer.


Nase
In der Nase beginnt der Ire zunächst mit einer angenehmen Fruchtsäure, die in Richtung saftiges Kernobst geht, um gleichzeitig mit einer mittelintensiven Süße zum PX-Finish überzuleiten.

In Vanillesaft eingelegte Rosinen, Erdbeermarmelade, Datteln und Feigen sowie dickes Pflaumenmus, leichte Nuancen von Tabak und Leder zeugen von sehr aktiven Sherryfässern. Die Nachreifung funktioniert aber recht gut. Die intensiven PX-Noten sind unverkennbar, lassen jedoch zum Glück dem Whiskey genügend Raum, um nicht zu dominant zu wirken.

Im Hintergrund liegt die ganze Zeit eine feine, aromatische Würzigkeit, die an Sandelholz und zugleich an Lebkuchengewürz mit Zimt, Nelken und Muskat erinnert. Vom Alkohol merkt man fast nichts, er ist sehr gut integriert.

Der Geruch gefällt mir gut. Die Aromen sind kräftig, gut miteinander verwoben und sorgen für ordentlich Spaß in der Nase.


Geschmack
Das hätte man vom Geruch her nicht unbedingt vermutet, aber der Whiskey startet am Gaumen zunächst eher würzig, mit einem deutlichen Holzeinfluss und dunkler, herber Schokolade, in der sich ein paar Chiliflocken verstecken. Diese leichte Schärfe hätte ich nicht erwartet. Vor allem ist auch die Süße, die in der Nase doch kräftig vorhanden war, nun deutlich abgeschwächt. Das Mundgefühl gestaltet sich sanft und leicht. Die Aromen sind zwar durchaus kräftig, aber es fehlt trotzdem etwas an Intensität.

Mit dem zweiten Schluck kommt die Süße etwas zurück, gemeinsam mit Rosinen, Datteln und Feigen sowie den eingekochten Pflaumen und Erdbeeren. Auch die Vanille ist wieder präsent, wenn auch etwas reduziert.

Es bleibt aber weiterhin würzig. Neben dem Holzeinfluss, der sich mit einer leicht bitteren Mandelnote zeigt, sind es weiterhin sanfte Pfeffernoten sowie Zimt und Muskat. Wo ich beim ersten Schluck noch etwas die Dichte und Intensität der Aromen bekrittelte, präsentieren sie sich im weiteren Genuss durchaus kräftig. Der Whiskey brauchte einfach etwas Zeit.


Abgang
Etwas Pfefferminze mit Spuren von Leder und Tabak gibt beim wohlwollend mittellangen Finale anfänglich den Ton an. Ansonsten bleiben noch die eine oder andere Rosine, die letzten Reste Pflaumenmus in der Schüssel und eine angenehme Eichenwürze länger in Erinnerung.


Fazit
Rein von seiner Kernigkeit und Würzigkeit, die vor allem am Gaumen zum Vorschein kommen, würde ich bei der Frage, ob zweifach oder dreifach destilliert, stark zu Cooley tendieren. Davon unabhängig gefällt mir dieser Ire gut im Glas. Die Unterschiede zwischen Nase und Gaumen sind einerseits doch überraschend, andererseits aber auch positiv, da er damit Gott sei Dank nicht in die zu süße PX-Falle tappt.

Ein wenig mehr Frucht hätte ich jedoch schon gerne im Mund geschmeckt. Auch das Finale hätte etwas länger ausfallen dürfen. Und trotzdem wird er mir weiterhin viel Spaß im Glas machen, vor allem jetzt in der kühleren und trüberen Herbstsaison.

Dienstag, 13. Oktober 2026

Ben Nevis 23y 1996 (HL)

 

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Dieser Ben Nevis aus der Old Malt Cask Serie des renommierten schottischen Abfüllers Hunter Laing (HL) lag 23 Jahre, von 1996 bis 2019, in einem Refill Butt. Wie bei dieser Reihe üblich, wurde der Whisky mit 50% vol. Alc., ohne Färbung und ohne Kühlfiltration abgefüllt.

Ich bin einerseits, wie schon des Öfteren hier erwähnt, ein großer Fan von Ben Nevis. Andererseits hatte ich von Hunter Laing einen 24-jährigen Deanston im Glas, der ebenfalls 1996 ins Fass kam und mir damals richtig gut gefiel. Vor allem seine Ausgewogenheit ist mir in Erinnerung geblieben.

Darum bin ich richtig gespannt, was Hunter Laing auch mit diesem 1996er gezaubert hat und ob mir dieser Whisky ebenfalls wieder so gut schmecken wird.


Aussehen
Bernstein.


Nase
Man muss dem Malt ein wenig Zeit im Glas gönnen. Dann entfaltet sich sein Aroma von Minute zu Minute mehr.

Sehr fein! Das Refill Sherry Fass hat auch nach dieser langen Reifeperiode das charakteristische Brennereiprofil von Ben Nevis nicht übertüncht. Von Anfang an findet man den typischen, kernigen Grundstil mit Noten von Cerealien und Malz sowie einer leicht herben Mineralik.

Darüber hinaus macht sich der Einfluss des Sherryfasses durchaus kräftig bemerkbar, und zwar in Form von Erdbeeren, Heidelbeeren und Honigmelone, einer leichten Säure von Orangenmarmelade, aber auch einigen getrockneten Haselnüssen.

Zusätzlich liegt die ganze Zeit eine angenehme, nicht allzu intensive Süße von Karamell und Vanillesauce unterschwellig in der Nase.

Das Alter ist durchaus präsent. Der Alkohol spielt nie eine Rolle. Die Aromen sind allesamt sehr ausgewogen, haben Körper und stehen in wohltuendem Einklang miteinander.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der wirklich ansprechende Gesamteindruck aus der Nase setzt sich anstandslos am Gaumen fort. Wenn überhaupt, wird er sogar noch gesteigert. Das Mundgefühl ist cremig, weich und samtig. Trotzdem hat der Whisky genug Körper und Kraft, um zu glänzen.

Zuerst ist da die Süße von Karamell, aber wieder sehr fein und nicht zu ausgeprägt. Dazu kommen viel Vanille und jede Menge Frucht, vor allem gekochtes Obst aus dem Garten, aber auch Mango, Honigmelone und Erdbeeren. Wirklich sehr delikat.

Dann erscheinen leicht angeröstete Haselnüsse, etwas Milchschokolade und Tabakblätter. Dazu gesellen sich eine angenehme Würzigkeit vom Holz des Fasses und eine dezente Schärfe von frisch gemahlenem schwarzem Pfeffer.

Der Alkohol ist im Mund zwar deutlicher erkennbar als in der Nase, spielt aber auch hier keine entscheidende Rolle.


Abgang
Die würzige, leicht scharfe Note setzt sich zusammen mit dem Tabak und den Sherryaromen im durchaus langen Finale fort. Neben dunkler Schokolade und einer Restsüße der Früchte tritt mit der Zeit etwas mehr robuste Herbe vom Holz zutage.


Fazit
Der macht richtig Freude. Das ist so ein Whisky, mit dem man sich richtig lange beschäftigen kann und will. Der Ben Nevis ist zwar nicht der komplexeste Malt, aber er ist richtig on point. Gediegen, mit einem guten, kompakten Körper, bei dem der Brennereicharakter immer noch gut durchkommt.

Trotz seines Alters hat er eine gewisse Frische nicht verloren, die vor allem durch seine Fruchtigkeit in der Nase sehr positiv auffällt. Die fast 90 Punkte auf Whiskybase kann ich absolut nachvollziehen und gehe bei dieser Bewertung gerne mit.

Dienstag, 6. Oktober 2026

Ballechin 13y Battle of Bannockburn - Legends of Scotland (whic)

 

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Die erste Abfüllung zu einem Ereignis innerhalb der Legends of Scotland Serie von whic.de ist der Schlacht von Bannockburn gewidmet, bei der Robert the Bruce die englische Armee unter Eduard II. schlug und damit den Grundstein für ein eigenständiges Schottland schuf. Als passende Wahl wurde mit dem Ballechin 13 Jahre ein rauchiger Vertreter der Highland-Brennerei Edradour ausgesucht, der für seinen robusten, kernigen Charakter bekannt ist.

Der Whisky reifte von 2012 bis 2025 in einem 1st Fill Oloroso Sherry Butt mit der Fassnummer #539. 811 Flaschen wurden mit 46% Trinkstärke, ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration abgefüllt.

Ich bin durchaus ein Fan dieser kleinen Brennerei und ihrer oft sehr intensiven Abfüllungen. Vor allem in Kombination mit diversen Sherry- oder Süßweinfässern hatte ich schon einige sehr leckere Tropfen im Glas. Daher bin ich gespannt, wie sich dieser Vertreter schlägt.


Aussehen
Mahagoni.


Nase
Die Nase eröffnet mit einem sehr dunklen Rauch, der sowohl erdige als auch rußige, speckige und holzige Eindrücke vermittelt. Gleichzeitig transportiert er eine ansprechende Süße von Rosinen und den üblichen getrockneten Früchten wie Feigen oder Datteln, die man von Sherryabfüllungen zur Genüge kennt. Aber im Gegensatz zu so vielen Abfüllungen, bei denen die Sherrynoten aufgesetzt wirken, sind sie hier schön mit dem Rauch verwoben und steuern so eine gewisse Tiefe zu den Aromen bei.

Hinter dem Rauch kommen Früchte wie reife Mango, Papaya sowie süßes Birnen- und Apfelkompott zum Vorschein. Aromatischer Pfeifentabak, geröstete Haselnüsse und Vanillepudding komplettieren das Duftensemble. Der Alkohol ist kaum zu spüren und gut eingewoben. Holzwürze finde ich, abgesehen vom Rauch, nur wenig.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Das Mundgefühl ist leicht, aber durchaus angenehm cremig. Der Rauch übernimmt zum Start das Kommando. Er ist gegenüber dem Geruch deutlich herber und würziger. Die Süße und Frucht werden durch mehr trockene, aschige Anteile ersetzt. Eine zarte Pfeffernote wird von glimmenden Fäden aus getrocknetem Pfeifentabak, getrockneten Küchenkräutern und etwas Asche begleitet.

Mit Fortdauer bekommt der Whisky mehr Körper und Struktur. Neben den nun dominierenden würzigen Aromen rücken die Fruchtanteile, hier vor allem Heidelbeeren, Rosinen und Feigen, etwas in den Hintergrund.

Wie im Geruch ist auch im Mund der Alkohol kaum spürbar.


Abgang
Durch den Rauch ist das Finale durchaus lang. Vor allem der speckige, leicht aschige Rauch tut sein Übriges. Tabak, Lederpolitur und auch nicht ganz leichte Anklänge von dunkler Schokolade und getrockneten Kräutern, aber durchaus auch Heidelbeeren und Feigen, begleiten den Rauch bis zum Ende.


Fazit
Die Abfüllung liefert absolut das ab, was man sich von einem Ballechin mit diesem Alter und dieser Fassbelegung erwarten darf. Die Kombination dieses so typischen, speckigen und dichten Holzrauchs mit der Sherryfassreifung funktioniert ziemlich gut. Ich mag diesen erdigen, untypischen und leicht schmutzigen Stil von Ballechin einfach.

Erfreulicherweise war das Fass nicht zu intensiv und lässt dem Destillat noch angemessenen Spielraum. Die in der Nase doch überraschend hellfruchtigen Aspekte hätte ich zwar gerne auch im Geschmack weiter gehabt, aber mit der stärker würzigen und dunkelfruchtigen Intensität kann ich durchaus leben.

Mittwoch, 30. September 2026

Laphroaig Càirdeas 2026 French Oak

 

Whiskybase

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Die Càirdeas-Abfüllung von Laphroaig zum diesjährigen Fèis Ìle Festival 2026 auf Islay hört auf den eher kryptischen Namen French Oak. Dies kann nun viel sein. Klar, die Fässer müssen aus französischer Eiche bestanden haben. Aber waren sie jungfräulich, sogenannte Virgin Oak Casks? Oder waren sie vorbelegt? Wenn ja, mit was? Da kommt de facto alles Mögliche infrage. Einerseits natürlich jedwede Sorte von Rot-, Weiß- oder Süßwein. Auch Cognac oder Armagnac könnte in den Fässern vorher gereift sein.

Daher ist diese Bezeichnung für uns Whisky-Nerds ziemlich nervig. Auch, weil von Laphroaig außer einem „matured entirely in 100% French Oak“ keine näheren Informationen dazu veröffentlicht wurden. Ich würde mir hier wirklich wieder mehr Transparenz von dieser durchaus sympathischen Brennerei wünschen.

Davon abgesehen haben wir es mit einem Whisky mit 52,6% vol., ungefärbt und ungefiltert, zu tun.


Aussehen
Kräftiger goldener Bernsteinton.


Nase
Die beiden Càirdeas-Abfüllungen der letzten Jahre waren sehr intensiv und auch ein wenig fassgetrieben. Dies habe ich bei diesem Jahrgang im ersten Moment überhaupt nicht.

Natürlich ist auch dieser Laphroaig mit einem dichten und kräftigen Rauch ausgestattet. Aber er wirkt trotzdem ausgewogener oder auch „zarter“, was doch eine etwas seltsame Assoziation bei Rauch und Laphroaig ist. Der Rauch ist weniger phenolisch als vielmehr holzlastig, mit einer schönen speckigen Lagerfeueraromatik. Wobei man nicht glauben darf, es wären kein Jod oder medizinische Anklänge vorhanden. Doch, doch! Aber die Kombination mit dem Holzrauch macht das Ganze so schön rund.

Apropos Holz. Hinter dem Rauch verbirgt sich eine wunderbare Eichenholznote, die nach einem alten, leicht lasierten Holzmöbel duftet. Sehr elegant. Leichte Vanillenoten vereinigen sich mit am Grill liegenden, etwas angebräunten Aprikosen- und Pfirsichhälften. Geröstete Nüsse, getrockneter Majoran und Thymian sorgen für etwas Würze und Röstaromen in der Nase. Dahinter liegt ein Geruch nach duftendem Heu und Wiese, fast schon leicht parfümiert wirkend.

Die Alkoholstärke ist hervorragend abgestimmt, der Alkohol stört zu keiner Sekunde den Genuss.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Ein sehr weicher, eleganter Antritt führt zu einer überraschend aufkeimenden, cremigen Süße – eher weiches Milchtoffee als Honig. Dies hätte ich so vom Geruch her nicht vermutet. Die angegrillten und nun weichen Aprikosen und Pfirsiche wurden in der Zwischenzeit zerdrückt und sorgen so für einen kurzen, süß-weichen Fruchtmoment. Kurz, weil sofort danach ein angenehmes „Pfefferl“ folgt. Frisch geriebener schwarzer Pfeffer sorgt für eine durchaus aromatische Schärfe, die aber immer im Rahmen bleibt.

Über all den Geschmacksnoten liegt ein schöner Rauch, der wie schon in der Nase zwar kräftig ist, aber nie zu intensiv wirkt. Im Mund wirkt der Rauch nun etwas phenolischer als in der Nase, aber die feine Lagerfeuerattitüde mit dem Holzgeschmack ist immer noch präsent.

Begleitet wird der Rauch von gerösteten Mandeln und Haselnüssen, getrockneten Küchenkräutern, etwas Tabak und Lederpolitur. Gegen Ende im Mundraum finden sich vielleicht auch Spuren von getrockneten Früchten wie Datteln und Feigen. Der Alkohol ist im Mund zwar kräftiger als im Geruch, aber sehr passend und auf den Punkt. Verdünnen muss man da absolut nicht.


Abgang
Es geht sehr aromatisch und dicht in Richtung Finale. Selbstverständlich ist der Rauch mit all seinen Nuancen weiterhin präsent. Aber vor allem die Tabakaromen, die Kräuter sowie auch noch zarte Anklänge des süßen Toffees sind lange im Mundraum vorhanden. Das macht wirklich sehr viel Spaß, dies alles zu entdecken.


Fazit
Es fällt mir auch nach dem Verkosten schwer, hinsichtlich des Fasses eine Aussage zu treffen. Virgin Oak oder eben eine Vorbelegung mit einem Wein oder gar Cognac oder Armagnac. Die Fruchtkomponenten sind für mich etwas zu diffus, um daraus eine konkrete Vermutung äußern zu können.

Lässt man das Rätsel einmal beiseite, bleibt für mich eine sehr leckere Càirdeas-Abfüllung, die mir deutlich besser gefällt als zumindest die letztjährige. Was viele monieren, nämlich dass der Rauch nicht so kräftig und weniger phenolisch ist, wie man es von Laphroaig erwartet, gefällt mir. Es ist eben mal etwas anderes und genau dafür ist die Càirdeas-Reihe prädestiniert.

Mittwoch, 23. September 2026

Dailuaine 14y 2005 Dun Bheagan (IM)

 

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In der Dun Bheagan Reihe brachte Ian Macleod Distillers immer wieder Small-Batch- und Einzelfassabfüllungen von Single Malts, vor allem von Brennereien aus der zweiten und dritten Reihe, auf den Markt. Die Serie ist heute weitgehend ruhend gestellt. Der Grund dafür ist der in den letzten Jahren verschobene Fokus von Ian Macleod – weg vom reinen unabhängigen Abfüller hin zu einem Unternehmen mit mehreren eigenen Brennereien wie Glengoyne, Tamdhu und vor allem Rosebank.

Auch wenn das aus Unternehmenssicht absolut verständlich ist, finde ich es als Whisky-Nerd doch schade. Wurden in der Reihe doch immer wieder sehr ehrliche, authentische Single Malts von Brennereien präsentiert, die nicht unbedingt im Rampenlicht stehen oder deren Produktion zu einem großen Teil in der Blend-Industrie aufgeht.

So auch dieser Dailuaine mit 14 Jahren, der 2005 gebrannt und 2019 in 214 Flaschen abgefüllt wurde. Mit 46% vol. Alkoholgehalt, ohne künstliche Färbung und ohne Kühlfiltration ist auch diese Abfüllung ohne Schnörkel, plain und damit genau das Richtige für Whiskyfans. Auf dem Label steht lediglich „Barrel“ für das zur Reifung verwendete Fass. Das ist auf den ersten Blick wenig aussagekräftig. Dahinter steckt jedoch meist ein Bourbon Barrel, was auch von diversen Webseiten so bestätigt wird.


Aussehen
Helles Gold.


Nase
Die Nase zeigt eine typische Bourbon-Charakteristik mit viel Vanille, Honigwaben und hellen Früchten. Ja, der Malt ist sehr fruchtig: intensive Noten von reifen gelben Birnen, Äpfeln, Aprikosen, saftiger Pomelo und Honigmelone. Gleichzeitig sind Malz und Getreide präsent, etwa in Form von Müsli und Cornflakes, die dem Geruch eine gewisse Trockenheit und Herbe hinzufügen.

Hinter den Aromen aus der Fassreifung erkennt man noch sehr gut den eigentlichen Rohbrand. Das Fass könnte durchaus auch ein 2nd Fill gewesen sein. Ein Hauch von Minze und Menthol sorgt für eine angenehme Frische.

Viel Holzeinfluss für 14 Jahre Reifung ist nicht zu erkennen, bis auf etwas geröstete Mandeln und ein paar getrocknete Kräuter.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Es beginnt sehr süß, wie flüssiger Honig, der cremig und weich den gesamten Mundraum auskleidet. Und auch hier wieder sehr fruchtig: dick eingekochtes Birnen- und Apfelkompott mit frisch aufgeschnittener Bourbon-Vanilleschote, Honigmelone sowie etwas Zitronenzeste und -saft.

Eine leichte Würzigkeit mit einer Prise weißen Pfeffers kommt hinzu, ebenso etwas mehr Einfluss des Holzfasses mit einer leichten Bitterkeit. Hinten heraus schmeckt man frische Pfefferminze.

Im Mund kann er die Qualität der Nase nicht ganz halten. Wie schon im Geruch ist auch im Geschmack genügend Raum für das Destillat geblieben. Das ist grundsätzlich nicht falsch, ein wenig mehr Komplexität wäre aber auch nicht verkehrt gewesen.


Abgang
Sanfter Abgang, sowohl mit dem saftigen Fruchtfleisch als auch mit der nun etwas bitterer anmutenden Schale der Birnen. Vanille und etwas Süße begleiten die Frucht. Das Finish ist eher kurz und lädt damit sogleich zum nächsten Schluck ein.


Fazit
Er ist destillatbetont, mit viel Frucht, und gleichzeitig hat auch das Bourbon Barrel einiges an Aromen beigetragen. Ein Komplexitätsmonster ist er nicht, aber trotzdem sehr lecker und vor allem leicht und süffig. Eine Abfüllung, die für laue Sommernachmittage und -abende förmlich prädestiniert ist.

Mittwoch, 16. September 2026

Oban Little Bay

 

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Die Standard Range der beschaulichen im gleichnamigen Ort beheimateten Brennerei Oban ist seit je her sehr überschaubar. Lange Zeit gab es nebem dem Flaggschiff Oban 14y nur die Distillers Edition im Sortiment. Daneben gibt es die jährliche Abfüllung im Rahmen der Special Releases von Diageo, Oban ist seit der zweiten Ausgabe 2002 Teil der Kollektion (dies war eine 32 Jahre alte Ausgabe von 1969). 

Ende 2014, Anfang 2015 veröffentlichte Diageo mit Oban Little Bay eine eigene Travel Retail Abfüllung, die 2016 auch für den regulären Markt verfügbar wurde. Dabei handelt es sich um eine NAS-Version ohne Altersangabe mit 43% vol, gefärbt und kühlgefiltert.

Der Name Little Bay, kleine Bucht, ist eine Anspielung auf den Ort Oban. Der Single Malt ist eine Mischung aus verschiedenen Altersstufen und Fassbelegungen. So soll nach der Basisreifung in Ex-Bourbon- und Sherryfässern auch eine Nachreifung in kleinen Eichenfässern Teil des Reifungsprozesses sein.


Aussehen
Dunkles Gold.


Nase
In der Nase finden sich zunächst Getreideflocken und Müsli, begleitet von einer leicht säuerlichen Note, die an Sauerteig erinnert. Dahinter entwickeln sich fruchtige Aromen von Marillenröster und einem Kompott aus roten Äpfeln. Süßer Kuchenteig, Honig und Vanille verleihen dem Duft eine angenehme Wärme. Im Hintergrund kommt zudem eine florale Note zum Vorschein, die an eine blühende Blumenwiese erinnert.


Fotocredit: whiskybase.com



Geschmack
Am Gaumen präsentiert sich der Whisky cremig und weich, bleibt dabei aber eher leicht im Körper. Neben der Honigsüße zeigt sich eine leicht „schmutzige“ Note mit einem Hauch von Rauch, die dem ansonsten eher gefälligen Whisky etwas Charakter verleiht. Dazu kommen Aromen von Orangen und Marillen, die von Vanille begleitet werden. Zimt und schwarzer Pfeffer sorgen für würzige Akzente.


Abgang
Der Abgang fällt relativ kurz aus. Eine leicht bittere Eichennote verbindet sich mit den Aromen von Apfelschalen und Zimt, dazu kommt eine gewisse Herbe. Vanille sorgt noch für etwas Süße, bevor ein Hauch von Pfefferminze den Abgang abschließt.


Fazit
Ein solider Einsteiger-Whisky, der vor allem in der Nase mit seiner fruchtig-süßen Aromatik durchaus funktioniert. Am Gaumen verliert er allerdings relativ rasch an Spannung. Auf die anfängliche Kombination aus Süße und Frucht folgen zunehmend würzige und teilweise scharf wirkende Aromen, bei denen die Fassnoten deutlich in den Vordergrund treten. Insgesamt entsteht der Eindruck, dass hier der Fass-Einfluss stärker zur Geltung kommt als die Tiefe und Komplexität des Destillats.

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