Whiskybase
English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.
Im April dieses Jahres machte David Chen, seines Zeichens Brand Ambassador von Kavalan aus Taiwan, während seiner Europa-Tour auch im beschaulichen Baden bei Wien im kleinen, aber sehr feinen Whiskyladen "The Sideways Whiskyshop" Halt, um im Rahmen eines Tastings eine Auswahl aus dem großen Portfolio von Kavalan zu präsentieren.
Neben einigen Tropfen aus der Standardreihe standen auch der 15-Jährige – eine wahre Eichenkeule vor dem Herrn – sowie zwei rauchige Vertreter und zwei Solist-Abfüllungen auf dem Programm. Natürlich durfte eine davon der Vinho Barrique Solist sein, jene Abfüllung, mit der der internationale Aufstieg von Kavalan überhaupt erst richtig begann, nachdem der Vinho 2015 bei den World Whisky Awards (WWA) zum „Besten Single Malt Whisky der Welt“ gekürt worden war.
Der zweite Solist war der Brandy Cask, eine deutlich seltener anzutreffende Abfüllung. Und gerade dieser entwickelte sich für mich zum heimlichen Gewinner des Abends. Das lag vermutlich auch daran, dass wir ihn ungeplant als Sparringspartner für ein außergewöhnlich gelungenes Foodpairing erleben durften.
Zur Halbzeit des Tastings wurde ein kleiner Imbiss serviert – ein köstliches, eine Woche lang in einem speziellen Sud gebeiztes Heringsfilet mit hauchdünn geschnittenen, ebenfalls eingelegten roten Zwiebeln.
In Taiwan – ebenso wie beispielsweise in Japan – ist es durchaus üblich, Spirituosen pur oder verdünnt, etwa als Highball, zum Essen zu genießen. Wir hatten kurz zuvor den Brandy Oak eingeschenkt bekommen. David Chen probierte daher spontan den Fisch zusammen mit dem Whisky und war begeistert, wie hervorragend dieses Pairing funktionierte.
Und tatsächlich passten die Aromen des Whiskys ausgezeichnet zu den milden, leicht fruchtig-säuerlichen Noten des eingelegten Fisches.
Doch auch ohne Begleitung von Speisen wusste der Brandy Oak zu überzeugen. Deshalb entschied ich mich noch am selben Abend, eine Flasche mit nach Hause zu nehmen. Bei den Solist-Abfüllungen handelt es sich bekanntlich immer um Einzelfassabfüllungen. Meine Flasche stammt aus einem Fass aus dem Jahr 2017 und wurde 2021 mit 56,3 % Vol. zusammen mit 329 weiteren Flaschen ohne künstliche Farbstoffe und ohne Kühlfiltration abgefüllt.
![]() |
| David Chen, Brand Ambassador von Kavalan voll in seinem Element |
Nun darf er sich in gewohnter Atmosphäre, ganz in Ruhe, in meinem geliebten Nosingglas und vor allem ohne Fischbegleitung beweisen.
Aussehen
Brandy bzw. Cognac, dunkles Bernstein mit rötlichem Einschlag
Nase
Ein volles und kraftvolles Duftbouquet steigt aus dem Glas auf. Eine Handvoll kandierter Pfirsiche und Aprikosen bietet einen ausgesprochen einladenden Einstieg, gefolgt von karamellisierter Crème brûlée, die den Aromen eine wunderbar cremige Verbindung verleiht. Überhaupt präsentiert sich das Bouquet außergewöhnlich homogen und harmonisch.
Ein intensiver Blumenduft, der an Rosen und Orchideen erinnert, weckt deutliche Assoziationen an Melasse-Rum im spanischen Stil. Rosinen, Kokosnuss und die bereits erwähnte Vanille der Crème brûlée ergänzen dieses aromatische Bild auf sehr stimmige Weise.
Mit zunehmender Standzeit tritt schließlich auch das Holz stärker in Erscheinung – begleitet von würzigen Noten nach Zimt, Schokolade und Nüssen. Der Alkohol ist hervorragend eingebunden. War zu Beginn beim tiefen Hineinriechen noch ein leichtes Prickeln wahrnehmbar, verschwindet dieses mit etwas Zeit vollständig. Von jugendlicher Unreife oder gar metallischen Noten ist trotz seiner lediglich vier Lenze absolut nichts zu bemerken.
Geschmack
Der Antritt ist kraftvoll, dabei aber auch unverdünnt sehr gut zu genießen, wenngleich der Alkohol die Aromen mit Nachdruck nach vorne trägt. Die süße Crème brûlée sorgt für ein cremiges, dichtes Mundgefühl und lässt einen ohne Kompromisse an Vanille und Süße teilhaben. Haribo-Pfirsiche sorgen für eine Fruchtigkeit, die beinahe schon ins Künstliche abzugleiten scheint.
Die Fassreifung macht sich am Gaumen deutlicher bemerkbar als noch in der Nase. Vergleiche mit spanischem Brandy oder französischem Cognac drängen sich regelrecht auf. Allen voran treten Rosinen sowie das würzige Rancio mit Zimt, Muskat und Traubentrester hervor, das zugleich eine feine Bitternote mit ins Spiel bringt.
Auch der Holzeinfluss fällt noch ausgeprägter aus als in der Nase und geht mit einer gewissen Trockenheit einher, die den gesamten Mundraum einnimmt. Das ist allerdings in erster Linie der Fassstärke geschuldet. Insgesamt wirkt der Whisky am Gaumen noch eine Spur intensiver und kraftvoller als im Duft, verliert dabei jedoch ein wenig von seiner feinen Harmonie.
![]() |
| Die Orangen sind weniger als Darstellung von Aromen auf dem Bild, sondern einfach weil sie farblich sehr gut zur Aufmachung harmonieren. Sorry. |
Abgang
Das Finale wird von leicht bitteren Noten eingeläutet, die von Rosinen, Vanille sowie Leder und Tabak begleitet werden. Für seine gerade einmal vier Jahre Reifezeit präsentiert sich der Holzeinfluss erstaunlich deutlich. Hier zeigt sich eindrucksvoll, welchen Einfluss die intensive Fassreifung im tropisch-heißen Klima Taiwans auf den Whisky ausübt. Entsprechend lang fällt auch der Nachhall aus.
Fazit
Mit ein paar wenigen Tropfen Wasser – lediglich zur Unterstützung beim weiteren Öffnen der Aromen – wird der Brandy Oak nochmals geschmeidiger und süffiger. Wohlgemerkt: Bereits pur lässt er sich ausgesprochen angenehm trinken.
Der Einfluss des Brandyfasses ist so ausgeprägt, dass der Whisky stellenweise eher an einen gereiften Weinbrand als an einen klassischen Single Malt erinnert. Die Aromen sind enorm konzentriert und bewegen sich zeitweise auf einem schmalen Grat.
Für meinen Teil, der auch einem guten Weinbrand im Glas durchaus etwas abgewinnen kann, funktioniert dieses Aromenspiel hervorragend. Wer allerdings mit Brandy oder Cognac weniger anfangen kann, könnte den Fasscharakter bereits als etwas zu dominant empfinden.
Andererseits ist genau das das erklärte Ziel der Solist-Reihe von Kavalan: intensive Fassreifungen in einem tropischen Klima, die den Fasscharakter kompromisslos in den Mittelpunkt stellen. Dafür sollte man grundsätzlich offen sein.
Im Vergleich zu den anderen Solist-Abfüllungen, die ich bislang verkostet habe, gehört der Brandy Oak für mich sicherlich zu den süffigsten, elegantesten und harmonischsten Vertretern.















