Whiskybase
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Nach der Verkostung des Bere Barley 2010 im Sommer letzten Jahres bin ich auf den Geschmack dieser Terroir-Abfüllungen von Bruichladdich gekommen, bei denen ausschließlich regionale Gerste zum Einsatz kommt. Vor allem der eher puristische, klar definierte Geschmackscharakter gefällt mir sehr – Whisky pur, ohne viel Schnickschnack.
So kam es, dass ich mir in den folgenden Monaten über das Auktionshaus Krüger einige dieser besonderen Gerstenabfüllungen zulegte. Neben weiteren Bere Barleys und einem Port Charlotte Scottish Barley fand schließlich auch ein Bruichladdich Islay Barley seinen Weg in meine Sammlung.
Die Wahl für die nächste Verkostung fiel auf den Bruichladdich Islay Barley 2012. Für diese Abfüllung wurde Gerste von acht Farmen – Coull, Cruach, Dunlossit, Island, Mulindry, Rockside, Starchmill und Sunderland Farms – aus der Umgebung der Brennerei verarbeitet. Leider hat Bruichladdich bei der letzten Überarbeitung seiner Webseite das Archiv älterer Abfüllungen aus der Navigation entfernt. Deshalb war es mir nicht möglich, aus offizieller Quelle die genaue Fasszusammenstellung nachzuvollziehen. Auf der Flasche selbst steht lediglich „8 Years in Oak Casks“, was wenig aussagekräftig ist, da schottischer Single Malt nach Definition der SWA ohnehin ausschließlich in Eichenfässern reifen darf.
In verschiedenen Quellen im Internet findet sich die Angabe, dass 75 % First Fill American Oak und 25 % French Oak Casks zum Einsatz kamen. Einige wenige Seiten präzisieren die französischen Eichenfässer sogar als Refill Wine Casks. Welche Weine diese zuvor enthielten, wird allerdings nicht weiter erläutert.
Wie bei den Terroir-Abfüllungen von Bruichladdich üblich, beträgt die Alkoholstärke 50 %. Selbstverständlich wurde weder mit Farbstoff nachgeholfen noch kühlfiltriert.
Aussehen
Helles Stroh, junger Weißwein.
Nase
Sehr hellfruchtig und zugleich maritim präsentiert sich der erste Eindruck dieses Islay Barley. Salzige Gischt und Mineralität erinnern an einen Kiesstrand am Meer. Bei der Frucht stehen vor allem das Fruchtfleisch von Nashibirnen und saftigen grünen Äpfeln im Vordergrund. Kann man Frische und Knackigkeit bei Obst riechen? Eine bessere Assoziation für diese jugendlich-saftige Note fällt mir jedenfalls nicht ein. Dazu kommen Vanille und eine eher unterschwellige Süße.
Schwenkt man den Whisky im Glas oder benetzt den Glasrand damit, erscheint auch der mir von jungen Bruichladdichs aus dem Bourbonfass bekannte Duft nach Joghurt und weichem Camembert – leicht säuerlich, fast wie vergorene Milch.
Ergänzt wird dies durch Aromen von frischem Getreide, Müsli mit Haferflocken sowie Heu und Stroh. Alkohol ist praktisch nicht wahrnehmbar. Insgesamt wirkt die Nase sehr puristisch und geradlinig: Sie konzentriert sich auf wenige Aromen, die dafür umso deutlicher und intensiver hervortreten.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Überraschend süß startet der erste Schluck. Das Mundgefühl ist ausgesprochen cremig und weich. Zu der Süße gesellen sich reichlich frische Getreide- und Müslinoten, begleitet von Zitronensaft, Ananas und Aprikosen. Nach dieser süß-fruchtigen Getreidemischung entwickelt sich eine kurz anhaltende Schärfe, die an frischen Ingwer oder weißen Pfeffer erinnert. Gleichzeitig treten leicht herbe, bittere Eichenwürze und mineralisch-salzige Noten hervor, die dem Whisky einen maritimen Touch verleihen und wunderbar mit seiner süß-pikanten Grundcharakteristik harmonieren. Der Alkohol sorgt zudem für eine angenehme spritzige Frische, die mich immer wieder an Menthol denken lässt.
Abgang
Das Finale fällt nicht allzu lang aus und bewegt sich eher im kurzen bis mittellangen Bereich. Die Eiche steuert etwas Bitterkeit bei, die jedoch rasch wieder verschwindet. Danach dominieren vor allem süße und fruchtige Aromen den Ausklang.
Fazit
Der Bruichladdich Islay Barley 2012 ist für mich erneut ein schönes Beispiel eines Single Malts, der sich bewusst auf wenige Aromen konzentriert. Manchem Genießer mag er dadurch zu schlicht oder zu puristisch erscheinen. Mir gefällt dieser Stil jedoch ausgesprochen gut. Zwar muss ich ihn nicht jeden Tag im Glas haben, doch er erdet einen, lädt zum ruhigen Beschäftigen ein und belohnt mit einem entspannten, bewussten Genuss. Genau das schätze ich an solchen Whiskys sehr.















