Dienstag, 21. April 2026

Ardbeg Corryvreckan

 

Whiskybase

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Einen Ardbeg für einen Tasting-Blogartikel hatte ich schon sehr lange nicht mehr im Nosing-Glas. Auch sonst griff ich im letzten Jahr nur selten zu einem Ardbeg. Aktuell habe ich zwar eine Flasche der achtjährigen Committee-Abfüllung „For Discussion“ geöffnet, aber warum das so ist, kann ich ehrlicherweise nicht genau sagen. Offenbar haben mich zuletzt andere Hersteller und Abfüllungen mehr interessiert.

Allerdings befinden sich noch einige Ardbegs in meiner Flaschen- und Samplesammlung. Und vor allem fehlt mir noch eine Abfüllung aus der Standardreihe, die ich bislang nicht verkostet habe. Aus diesen beiden Gründen – lange kein neuer Ardbeg-Artikel im Blog und das Schließen einer Wissenslücke – ist der Corryvreckan nun mein dieswöchiger Tasting-Partner geworden.

Der Corryvreckan ist – wie fast alle Whiskys der Core Range (mit Ausnahme des Ten) – ein NAS, also eine Abfüllung ohne Altersangabe. Benannt ist er nach dem gleichnamigen Meeresstrudel zwischen den Inseln Jura und Scarba. Die Reifung erfolgt in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche; zudem sollen auch französische Eichenfässer zum Einsatz kommen. Ob es sich dabei um Virgin Oak oder speziell behandelte Fässer handelt, ist nicht offiziell bestätigt. Die Alkoholstärke beträgt kräftige 57,1 %. Kühlfiltration und Färbung werden nicht eingesetzt.


Aussehen
Strohgelb


Nase
Ein Schwall klassischen Ardbeg-Rauchs weht aus dem Glas – mit typischen Noten von verbranntem Gummi, heißem Asphalt im Sommer und angekohlten Küchenkräutern. Der Rauch zeigt sich zudem quarzig und mineralisch.

Dahinter – oder vielmehr gemeinsam mit dem Rauch – treten überraschend klare Aromen von süßer Vanillecreme und Zitronensorbet hervor, die Frische und Fruchtigkeit ins Spiel bringen. Der Einfluss der Bourbonfässer ist vor allem im ersten Drittel deutlich präsent.

Mit zunehmender Zeit im Glas entwickeln sich harzige Holznoten sowie ätherische Öle, die an geknickte Tannennadeln erinnern. Die Zitrusfrische wird von warmem Kuchenteig begleitet. Von den vermuteten französischen Eichenfässern lässt sich in der Nase hingegen nur wenig eindeutig erkennen.

Der Alkohol ist trotz der hohen Stärke gut eingebunden.

Mit etwas Wasser gewinnen Rauch und Harz deutlich an Intensität, während die Süße etwas zurücktritt. Vanille und Kräuter bleiben jedoch stabil.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Sehr ölig und geschmeidig legt sich der Whisky auf Zunge und Gaumen. Eine kurze, aber prägnante Pfefferschärfe eröffnet den Geschmacksverlauf. Diese wird rasch von intensiver, noch warmer Steinkohlenasche überlagert, begleitet von leicht erdigen und phenolischen Anklängen.

Der Rauch ist im Mund deutlich kräftiger als in der Nase und überzieht den gesamten Mundraum – von den Wangeninnenseiten bis hin zum Zahnfleisch – mit einem speckigen, fast klebrigen Aschefilm. Sehr intensiv und brachial.

Hat man sich daran gewöhnt, treten wieder süßere Elemente hervor: Vanille und eine nun veränderte Zitrusnote, die weniger an Sorbet erinnert, sondern eher an eine Mischung aus Zitronensaft und leicht herben Zesten.

Trotz der 57,1 % lässt sich der Whisky hervorragend pur trinken. Der Alkohol wirkt zu keiner Zeit störend.

Mit Wasser verschiebt sich der Fokus: Die Pfefferschärfe tritt später auf, während Kräuter, Harz und aschige Rauchnoten stärker hervorgehoben werden.


Abgang
Leicht bitter geht es – begleitet von getrockneten Küchenkräutern, öliger Asche und sehr dunkler Schokolade – in ein lang anhaltendes Finish über. Eine markante Trockenheit sowie eine herbe Holznote bleiben am Gaumen zurück.


Fazit
Ein würdiger Vertreter des ursprünglichen, klaren Charakters eines intensiven Islay-Rauchers mit den klassischen Eigenschaften von Ardbeg. Die Direktheit und Geradlinigkeit dieser Abfüllung gefallen mir sehr gut.

Vor allem die Kombination aus kräftigem Ardbeg-Rauch und der Reifung in Bourbonfässern funktioniert für mich hervorragend. Ob der Corryvreckan als NAS die aktuell aufgerufenen Preise wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich persönlich würde ihn jedoch so mancher Committee-Abfüllung vorziehen, die oft deutlich teurer ist.

Freitag, 17. April 2026

Glen Ord 16y 2009 (James Eadie - JE)

 

Whiskybase

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Dies ist mein allererster Glen Ord. Die 1836 gegründete Brennerei aus den Highlands gehört zum Diageo-Konzern. Die Originalabfüllungen erscheinen unter dem Markennamen Singleton of Glen Ord und sind fast ausschließlich für den asiatischen Markt bestimmt. In den Special Releases von Diageo tauchen zwar gelegentlich auch Glen Ords auf, allerdings zu meist sehr ambitionierten Preisen. Entsprechend überschaubar war bislang mein Interesse an dieser Konzernbrennerei.

Nach dem überzeugenden Longmorn aus der Serie „Distilleries of Great Britain and Ireland“ von James Eadie fiel mein Blick jedoch auf diesen 16 Jahre alten Glen Ord aus derselben Reihe. Da James Eadie offenbar ein gutes Händchen bei der Fassauswahl beweist, habe ich mich zum Kauf entschlossen.

Der 2009 destillierte Single Malt reifte vollständig in einem 1st Fill Bourbon Hogshead und ist auf 272 Flaschen limitiert. Abgefüllt wurde er mit 52,5 % vol., ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration.


Aussehen
Helles Bernstein


Nase
Der Whisky benötigt etwas Zeit im Glas und wirkt zunächst leicht verschlossen. Mit zunehmender Belüftung öffnet er sich jedoch deutlich und präsentiert eine reife, vielschichtige Aromatik.

Im Vordergrund steht eine intensive Vanillenote – fast so, als würde man eine frische Bourbon-Vanilleschote aufschneiden und das Mark herauskratzen. Dahinter folgen süßes Karamell und Nougat, begleitet von einer zunächst schwer greifbaren Fruchtigkeit. Diese entwickelt sich zu einem cremigen Eindruck von Birnen, Aprikosen und etwas Mango.

Im Hintergrund zeigen sich weitere, tiefere Schichten: Anklänge von gelagertem Heu und Kräutern, dazu Nüsse sowie trockenes, leicht staubiges Holz – ein robuster Unterbau. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und bringt eine frische, leicht minzige Note mit.

Mit Wasser verstärken sich Vanille und Frucht (nun klarer in Richtung Aprikosenkompott), während die trockenen, staubigen Noten etwas an Gewicht verlieren.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Antritt ist kompakt und kraftvoll, mit deutlich wahrnehmbarem Alkohol. Die 16 Jahre Reife würde man zunächst nicht vermuten – dafür wirkt der Whisky fast etwas stürmisch und deutlich weniger gelassen als in der Nase. Ein echtes Chamäleon. Die dominierende Vanille aus der Nase tritt zunächst in den Hintergrund. Stattdessen prägen würzige Fassnoten das Bild: getrocknete Gewürze, Ingwer und schwarzer Pfeffer. Am Zahnfleisch und an den Wangen baut sich eine zunehmende Trockenheit auf.

Ab der Mitte kehrt die Vanille zurück, begleitet von Nougat und einer angenehmen Süße. Dazu gesellen sich dezente Fruchtnoten – reife Birnen, Birnenschale und ein Hauch Rosinen.

Mit Wasser wird der Whisky zugänglicher: Vanille und Frucht treten stärker hervor, während die würzige, leicht scharfe Seite zurücktritt. Er wirkt runder und süffiger, verliert dabei jedoch etwas an Ecken und Kanten.


Abgang
Im Finish verbinden sich Vanille, Ingwer, Birnenschale, Rosinen und leicht bittere Eichenholznoten zu einer ausgewogenen, lang anhaltenden Komposition. Hier zeigt sich der Whisky deutlich gereifter und harmonischer als noch im ersten Eindruck am Gaumen.


Fazit
Meine zweite Abfüllung aus dieser Serie – und mein erster Glen Ord. Beide machen Lust auf mehr. Das ist kein Whisky für nebenbei. Er hat Charakter, ist eigenständig und weit entfernt von Beliebigkeit. Die Ex-Bourbon-Reifung passt hervorragend und unterstreicht die robuste, kernige Aromatik dieses „Highlanders“.

Bleibt zu hoffen, dass Diageo weiterhin Fässer an unabhängige Abfüller wie James Eadie abgibt – denn solche Abfüllungen zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial im Destillat steckt.

Mittwoch, 8. April 2026

Linkwood 13y William Wallace - Legends of Scotland (whic)

 

Whiskybase

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Whic.de startet in Kooperation mit Signatory Vintage die neue Reihe „Legends of Scotland“, bei der Helden, Herrscher und Wendepunkte der schottischen Geschichte die Flaschenlabels zieren werden.

Die Abfüllungen mit 46 % Trinkstärke sollen das gesamte Spektrum der schottischen Single-Malt-Welt abdecken: von Ex-Bourbon über Sherry-, Port- und Weinfassreifungen bis hin zu rauchigen Varianten.

Den Auftakt der Serie macht William Wallace – ein dreizehn Jahre alter Linkwood Distillery aus dem Jahr 2012, der in zwei First-Fill-Bourbon-Barrels reifte und in 511 Flaschen abgefüllt wurde.


Aussehen
Sattes Goldgelb


Nase
Beim ersten Kennenlernen zeigt sich der Linkwood von seiner frischen, sehr zitruslastigen Seite, begleitet von einem leichten Anflug von Aceton. Dieser verflüchtigt sich jedoch bereits nach dem zweiten Hineinriechen nahezu vollständig.

Der anfänglich dominante Zitrusduft wird voller und gesetzter und entwickelt sich in Richtung Grapefruit und Pomelo. Danach treten weitere Früchte wie reife gelbe und grüne Äpfel, Birnen, Aprikosen sowie gelbe Ringlotten hervor und verbinden sich mit warmem Vanillekuchenteig zu einem sehr ansprechenden Geruchspotpourri.

Würzige Nuancen deuten auf den Einfluss des Eichenholzes hin. Insgesamt ist die Nase ein Paradebeispiel für eine Reifung im Ex-Bourbonfass. Und glücklicherweise lassen die beiden verwendeten Fässer dem Linkwood-Brand genügend Raum zur Entfaltung. Die 46 % Trinkstärke funktionieren hier hervorragend.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Vollmundig und für seine Trinkstärke überraschend kraftvoll präsentiert sich der erste Schluck. Zitronentarte mit cremig-süßer Textur trifft auf Honig, hell geröstete Getreideflocken sowie Birnen- und Apfelkompott. Die intensive Vanille, klar aus den Bourbonfässern stammend, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Geschmacksbild und umhüllt die anderen Aromen.

Im weiteren Verlauf folgt eine ausgleichende Ingwerschärfe, begleitet von einer Prise Zimt und etwas Holzwürze. Der Alkohol bringt zusätzlich frische, leicht mentholige Noten ins Spiel. Eine dezente, leicht „schmutzige“ Fassnote – in Richtung feiner Kohlestaub – ist ebenfalls wahrnehmbar.


Abgang
Die Süße, die Vanille sowie fruchtige Noten begleiten das mittellange Finish. Hinzu kommen leicht bittere Fassnoten. Gegen Ende wird es im Mundraum, insbesondere am Zahnfleisch, zunehmend trockener.


Fazit
Wie schon öfter in meinen Tasting Notes erwähnt, bin ich mittlerweile ein großer Fan von reinen Ex-Bourbonfass-Reifungen. Diese Abfüllung ist sowohl in der Nase als auch im Geschmack ein Paradebeispiel dafür: viel Vanille, Obst und Getreide- bzw. Kuchenteignoten, ergänzt durch eine angenehme Würze und eine leicht prickelnde Schärfe als Kontrapunkt.

Wer sich hier eine Flasche zum aufgerufenen Preis sichern konnte, hat einen wunderbaren Sommerwhisky erwischt, der am Balkon oder auf der Terrasse eine richtig gute Figur im Glas macht.

Donnerstag, 2. April 2026

Woodford Reserve Master’s Collection No. 16

 

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Die Grundidee der 2006 von Chris Morris ins Leben gerufenen Serie war es, eine Spielwiese zu schaffen, auf der Dinge ausprobiert werden können, die im Standardsortiment nicht umsetzbar wären. So wurden über die Jahre unterschiedliche Mashbill-Rezepte, spezielle Fassarten (Madeira, Port etc.), variierende Toasting- und Charring-Levels der Fässer sowie auch historische Produktionsmethoden und Stilrichtungen wieder aufgegriffen.

Die Abfüllung No. 16, die ich diese Woche verkoste, trägt den Namen “Very Fine Rare Bourbon” und ist im Kern ein High-Age-Blend-Experiment. Dabei wurden – für amerikanischen Whiskey – sehr alte mit jüngeren Fässern vermählt. Die ältesten Bestandteile sind bis zu 17 Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit von Chris Morris.

Für Woodford Reserve sind das fast schon biblische Dimensionen, wenn man bedenkt, dass die Standardabfüllungen der Brennerei üblicherweise bei etwa sechs bis acht Jahren Reife liegen. Ziel war es, eine klassische, „alte“ Bourbon-Charakteristik zu zeigen – eher traditionell und weniger in die aktuell oft holzlastige Richtung gehend. In diesem Zusammenhang wurde der Alkoholgehalt bewusst auf 45,2 % eingestellt.


Aussehen
Dunkles Kupfergold


Nase
Die knapp 45 % sind in der Nase de facto nicht zu spüren. Sehr weich und rund präsentiert sich dieser Bourbon, der von Minute zu Minute mehr zu einem echten Schmeichler wird.

Beim ersten Reinriechen zeigt sich eine Note, die viele vermutlich als typische Kleber- bzw. Lösungsmittelassoziation bei Bourbon interpretieren würden – ich nehme sie jedoch eher als intensiven, aromatischen Zimt wahr.

Dahinter folgen frisches Popcorn mit Butter, Karamell sowie würzige Aspekte aus dem Roggenanteil der Mashbill, die sich vor allem in brotigen und frischen Minznoten äußern.

Der Holzeinfluss ist natürlich präsent – insbesondere durch Zimt, ergänzt von Bitterschokolade, Muskatnuss und Vanille. Von einer bei älteren Bourbons nicht selten auftretenden „Eichenkeule“ mit übertriebener Bitterkeit ist man hier jedoch meilenweit entfernt.

Insgesamt wirkt die Nase sehr homogen, weich und dennoch dicht und ausdrucksstark.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Auch im Mund zeigt sich der Bourbon rund und weich – fast schon etwas zu leicht auf der Zunge. Ein paar Volumenprozente mehr hätten dem Mundgefühl möglicherweise gutgetan. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau.

Der Antritt ist deutlich würzig mit Zimt, Muskatnuss und Gewürznelken, bevor der Whisky rasch in süßere Gefilde übergeht: Karamell, Kirschmarmelade und Vollmilchschokolade mit einem Hauch Minze – fast so, als hätte man ein Schokobonbon mit Kirsch-Minze-Füllung im Mund.

Im Mittelteil tritt der Roggenanteil stärker hervor. Neben der Minze zeigt sich hier zunehmend die typische, leicht pfeffrige Würzigkeit, die man von Rye kennt.

Mit jedem weiteren Schluck gewöhnt man sich an die anfängliche Leichtigkeit. Die Aromen wirken zunehmend dichter und intensiver. Der Woodford bleibt dabei stets ein Gentleman – ausgewogen, kontrolliert und mit einer Eleganz, die die Einbindung älterer Fässer glaubhaft unterstreicht.


Abgang
Im Finish bleiben vor allem die minzigen Noten, kombiniert mit Kirsche und Zimt, länger präsent. Eine leichte Holzbitterkeit klingt ebenso nach wie Vanille und dunkle Schokolade.


Fazit
Im Vergleich zum Double Oaked – den Preis einmal komplett ausgeblendet – gefällt mir diese Limited Edition deutlich besser. Die Nase ist eine äußerst feine Angelegenheit, mit der man sich lange beschäftigen kann und immer wieder neue Nuancen entdeckt.

Im Geschmack war er mir anfangs etwas zu leicht, was das Mundgefühl betrifft. Dieser Eindruck relativiert sich jedoch mit den weiteren Schlucken. Die Aromen sind insgesamt sehr ausgewogen. Neben den klassischen Bourbonnoten gefällt mir als Rye-Fan besonders, dass der Roggenanteil klar zur Geltung kommt.

Bezieht man allerdings den Preis mit ein, muss man sagen: Die rund € 120,- sind ambitioniert. Etwa € 80,- wären aus meiner Sicht angemessener.

Unterm Strich bleibt aber ein wirklich guter, eleganter Bourbon.

Dienstag, 10. März 2026

Aberargie Inaugural Release

 

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Die Aberargie Distillery begann im Herbst 2017 mit der Produktion. Die nur wenige Kilometer südlich der Grenze zwischen Highlands und Lowlands gelegene Anlage ist technisch gesehen eine Lowland-Brennerei und wurde von der Morrison-Familie gegründet.

Die Familiengeschichte der Morrisons ist seit Generationen eng mit dem schottischen Single Malt verknüpft. So gehörten im Laufe der Zeit Brennereien wie Bowmore, Auchentoshan und Glen Garioch zum Familienunternehmen. Nach dem Verkauf im Jahr 1994 an Suntory gründete die Familie gemeinsam mit den Mackays den unabhängigen Abfüller Morrison Scotch Whisky Distillers. Bekannte Marken daraus sind unter anderem Mac-Talla, Old Perth und Càrn Mòr.

Es braucht schon einen langen Atem und ein gut gefülltes Portemonnaie, wenn man für ein Inaugural Release – also die erste Abfüllung einer Brennerei – über acht Jahre warten kann. Die Farm-Brennerei nutzt rund 120 Hektar umliegender Felder, auf denen die beiden Gerstensorten Golden Promise und Laureate angebaut werden, die vollständig für die eigene Whiskyproduktion verwendet werden.

Vor allem die erstgenannte Sorte ist eng mit der bewusst gewählten Philosophie der Brennerei verknüpft: Die Gerste soll der zentrale Geschmackstreiber sein und nicht die verwendeten Fässer. Diese sollen lediglich die Getreidearomen unterstützen und den Brand nicht dominieren. Laut Brennerei verleiht die Golden-Promise-Gerste dem Rohbrand eine ölige Textur sowie mehr Malzigkeit, Tiefe und Körper.

Nun ist im März 2026 mit dem Inaugural Release die allererste Abfüllung von Aberargie erschienen. Die Maische besteht aus 52 % Golden Promise und 48 % Laureate. Für die Reifung wurden zu gleichen Teilen First-Fill-Bourbon- und First-Fill-Sherryfässer verwendet. Die Alkoholstärke beträgt 48,2 %.

Das Alter liegt bei mindestens acht Jahren. Diese Information steht zwar weder auf dem Flaschenlabel noch auf der Umverpackung, wurde jedoch in der Pressemitteilung der Brennerei sowie vom Importeur genannt. Wenn es nach Ralfy geht, gilt allerdings nur das, was tatsächlich auf dem Etikett steht.

Die Aberargie Distillery liegt zwar geografisch in den Lowlands, produziert jedoch stilistisch einen Highland Malt.
Fotocredit: www.aberargie.com; Morrison Scotch Whisky Distillers 


Aussehen
Helles Bernstein mit sattem Orangeton


Nase
Es ist eine sehr volle, ausdrucksstarke Nase. Geruchstechnisch ist hier bereits einiges geboten – eine positive Überraschung für eine erste Abfüllung einer so jungen Brennerei.

Zuallererst begegnet mir auf meiner olfaktorischen Reise ein mit Rosinen, Aprikosen und weichem Nougat angereichertes cremiges Porridge. Vielleicht liegt es an der Kombination der beiden Gerstensorten, aber die Getreidearomen sind für mich im Geruch bereits sehr prägend – allerdings auf eine interessante Weise.

Knackig-kerniges Knuspermüsli auf der einen Seite und weicher, cremiger Haferflockenbrei auf der anderen sorgen für eine Kombination, die Spaß macht. Milchschokolade mit Nüssen und eingekochtes Pflaumenkompott zeugen vom Einfluss der Sherryfässer. Die Bourbonfässer bringen sich vor allem durch eine Vanillenote ein.

Die gewählte Alkoholstärke funktioniert perfekt – kein Stechen oder unangenehme Alkoholnoten. Überhaupt sind in der Nase keine hervorspringenden jugendlichen Merkmale zu erkennen. Im Gegenteil: Der Geruch wirkt fein abgestimmt, gesetzt und harmonisch.


Geschmack
Erster Schluck: Cremiger Vanillepudding trifft auf Aprikosenmarmelade, geschmolzene Milchschokolade mit gerösteten Haselnüssen und crunchy Knuspermüsli mit Rosinen.

Ein leichtes Kribbeln auf der Zungenspitze und am Zahnfleisch, begleitet von einem anregenden Speichelfluss und einer dezenten pfeffrigen Schärfe, folgt den ersten Geschmackseindrücken. Danach zeigen sich Vanille, getrocknete Datteln und eine halbgetrocknete Pflaume.

Nach dem zweiten Schluck wird der Eindruck der weichen, cremigen Milchschokolade gemeinsam mit Marillenmarmelade und Rosinen weiter prägend. Nun kommt auch etwas Holzwürze hinzu, die sich mit der Pfeffernote verbindet. Auch im Geschmack ist der Alkohol sehr gut integriert.

Fotocredit: whiskybase.com

Abgang
Der erste Eindruck ist – vermutlich der Jugend geschuldet – relativ rasch beendet. Neben einer süßen Rosinennote bleibt vor allem eine dezente Bitterkeit etwas länger bestehen.

Mit weiteren Schlucken gesellen sich zu den bereits genannten Eindrücken auch etwas Vanille, mehr Rosinen und eine würzige Eichenholznote hinzu.


Fazit
Eine sehr stimmige erste Abfüllung von Aberargie! Sie ist ausgesprochen süffig und bestätigt den kolportierten Hausstil, bei dem das Getreide im Mittelpunkt stehen soll.

Vor allem in der Nase gefällt mir der Schwerpunkt auf Malzigkeit, Getreidenoten und Cremigkeit sehr gut. Auch die durchgehende Milchschokoladennote passt hervorragend und regt zum wiederholten Probieren an.

Dass die Fässer lediglich unterstützen und nicht dominieren sollen, ist hier ebenfalls gut gelungen. Die gewählte Fasskombination lässt genügend Raum für den eigentlichen Whisky.

Man darf also durchaus gespannt sein, was in naher Zukunft von dieser jungen Brennerei noch so auf den Markt kommen wird. Wie zu lesen war, sollen in den nächsten 18 Monaten zunächst weitere limitierte Abfüllungen erscheinen, die den Whiskyfreunden Philosophie und Hausstil der Brennerei noch näherbringen sollen. Danach sollen die ersten Flaschen einer dauerhaften Core Range folgen.

Mittwoch, 4. März 2026

Benromach Vintage 2012 CS Batch 3

 

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Die Vintage-Reihe repräsentiert die fassstarken Abfüllungen innerhalb der Standard-Range der Speyside-Brennerei Benromach. Die einzelnen Ausgaben werden in Batches – aus einer nicht näher spezifizierten Anzahl an erstbefüllten Sherry- und Bourbonfässern – in Fassstärke abgefüllt. Dadurch variieren sowohl der Alkoholgehalt als auch das Geschmacksprofil zwischen den einzelnen Batches.

Auf den Flaschen ist jeweils das Destillationsjahr angegeben; in der Regel liegen die Abfüllungen dieser Reihe bei einem Alter zwischen neun und zehn Jahren.

Die heute verkostete Flasche ist die Vintage 2012 Batch 3 mit 59,6 % vol. Für diesen Batch wurden 21 Fässer verwendet. Die genaue Verteilung zwischen Sherry- und Bourbonfässern innerhalb des Vattings ist nicht bekannt.


Aussehen
Rötlicher Bernstein


Nase
Die Nase wird sogleich von zartem Rauch begrüßt – wie noch leicht glühende Steinkohle, auf der sich bereits eine feine Ascheschicht gebildet hat. Erdige, leicht schmutzige Grundtöne vermischen sich mit dem Duft von gelben Ringlotten und Äpfeln. Getrocknete Aprikosen- und Pfirsichstücke bringen eine dezente, zurückhaltende Süße ins Spiel.

Ein Hauch von getrocknetem Tabak und Möbelpolitur auf altem Leder schwingt mit. Mit etwas Zeit und Luftzufuhr gesellen sich geröstete Haselnüsse und Müslistücke hinzu. Auch die Sherryaromen treten nun deutlicher hervor – allen voran getrocknete Beeren, Datteln und Feigen.
Der hohe Alkoholgehalt zeigt sich in einer zarten Eukalyptusnote, ist insgesamt jedoch sehr gut integriert.

Die Nase erinnert mich sanft an Springbank mit dieser leicht schmutzigen Rauchattitüde und dem eher moderaten Sherryprofil.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Trotz der hohen Alkoholstärke ist der Malt sehr gut pur genießbar. Ein süßer Antritt wird von Zwetschgenmus und geschmolzener Milchschokolade begleitet, die cremig über die Zunge gleiten. Der Rauch ist im Mund deutlicher wahrnehmbar als in der Nase, bleibt jedoch im unteren Intensitätsbereich.

Die Rauchcharakteristik entwickelt sich eher in Richtung Lagerfeuer mit einem Hauch von Ruß. Frische Minze und eine angenehme Pfefferschärfe unterstreichen den Alkoholgehalt. Das Schärfegefühl verweilt jedoch nicht lange und geht rasch wieder in süße Sherryaromen über – vor allem getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen.

Getrocknete Gewürze wie Zimt und Muskat, kombiniert mit Tabak und Holzwürze, runden das Geschmacksprofil stimmig ab.


Abgang
Zum Ende hin kehren die erdigen, leicht schmutzigen Noten zurück. Asche und Rauch haften länger im Rachen und am Gaumen. Auch die süßen Noten der getrockneten Früchte und des Tabaks bleiben nachhaltig präsent.


Fazit
Interessanterweise zeigt sich mit Wasserzugabe – sowohl in der Nase als auch am Gaumen – eine Spur Schwefel. Sehr dezent und für mich kaum störend. Ein Hauch Schwefel, wie hier, stört mich nicht – im Gegenteil: Für mich bringt er sogar etwas zusätzliche Komplexität und eine gewisse Umami-Note ins Spiel.

Davon abgesehen ist dies erneut eine sehr leckere, kraftvolle Abfüllung von Benromach, die richtig Spaß im Glas macht.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Bunnahabhain 12 CS Ed. 2022

 

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Von der Cask Strength Edition des Bunnahabhain 12 Jahre, die erstmals 2021 erschien, gibt es bislang vier Ausgaben – 2024 ließ die Brennerei aus. Die erste Abfüllung habe ich damals verkostet und sie gefiel mir sehr gut: ein kraftvoller, ausdrucksstarker Sherry Malt, jedoch ohne „nasse Fässer“, eher mit dem Eindruck, als wären hier ältere, gut integrierte Fässer zum Einsatz gekommen.

Schon länger liegt bei mir ein Sample der 2022er Edition, und ich hatte schlicht Lust auf einen intensiven Sherry-Whisky. Diese Ausgabe kommt mit 56,6 % vol. daher und reifte – wie ihr Vorgänger – ausschließlich in Ex-Sherryfässern.


Aussehen
Mahagoni


Nase
Gleich vorweg: Der Alkohol ist für mich hervorragend eingebunden. Kein alkoholisches Stechen, keine störenden Mentholnoten. Die Aromen strömen satt und voll in die Nase; eine Verschlossenheit, wie sie bei hochprozentigen Whiskys häufig vorkommt, ist hier nicht auszumachen.

Typisches Oloroso-Profil: Geröstete Haselnüsse verbinden sich mit Rosinen, getrockneten Feigen und Datteln sowie dunklen Beeren – Heidel- und Brombeeren. Neben einer leicht herben Milchschokolade entwickelt sich mit der Zeit eine immer intensivere Süße, wie Karamell, das in der Pfanne bereits schön Farbe angenommen hat. Auf der würzigen Seite zeigen sich Balsamico, Zimt und ein Hauch getrockneter Küchenkräuter.

Unverdünnt ist das bereits eine sehr feine Sherrynase. Die Aromen wirken gediegen und gesetzt und suggerieren fast ein höheres Alter als die tatsächlichen 12 Jahre.

Mit etwas Wasser tritt die würzige Seite stärker hervor, die Süße wird zurückgenommen. Insgesamt wirkt das Profil etwas „heller“, die intensive Sherrynase verliert etwas an Wucht.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund merkt man die 56,6 % dann doch. Sehr kraftvoller Antritt mit prickelnder Präsenz auf der Zunge und an den Innenseiten der Wangen. Eine leichte Schärfe – eher Chili oder Ingwer als reiner Pfeffer – breitet sich rasch aus. Davon abgesehen zeigt er sich jedoch cremig und ölig.

Neben intensiver Karamellsüße sind sofort eingekochtes Zwetschgenkompott und ein Beerenröster aus Heidel- und Brombeeren mit Zimt, Vanille und Rosinen präsent. Die Fruchtnoten gehen anschließend in Holzpolitur, Tabak, Leder sowie geröstete Nüsse, Schokolade und Balsamico über. Die Aromen bleiben dabei stets gesetzt und schön miteinander verwoben.

Mit Wasser reduziert sich die anfängliche Schärfe deutlich. Die Süße ist weniger dominant, aber weiterhin sehr angenehm. Auch hier sorgt Wasser für eine gewisse „Aufhellung“ der Aromen.


Abgang
Im Verlauf treten zunehmend leicht bittere Holzeindrücke hervor. Dennoch bleibt der Whisky durchgehend aromatisch und wird nie unangenehm bitter. Rosinen, cremige getrocknete Datteln, dunkle Beeren sowie Anklänge von Tabak und Lederpolitur hallen nach. Das Finish ist durchaus lang.


Fazit
Wieder eine dieser Sherry-Abfüllungen, die mir nach wie vor richtig gut gefallen: keine „nassen Fässer“, sondern qualitativ hochwertige Oloroso-Fässer mit sauberem Einfluss. Der Sherrycharakter ist intensiv, aber auf sehr positive Weise. Ein durchwegs sehr leckerer Whisky.

Allerdings hat er nur wenig mit dem regulären 12er gemein. Die beim Standard so bekannte Kernigkeit mit maritimem Touch fehlt den CS-Abfüllungen vollständig. Mich persönlich stört das nicht – aber Puristen könnten genau das kritisieren.

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