Mittwoch, 4. März 2026

Benromach Vintage 2012 CS Batch 3

 

Whiskybase

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Die Vintage-Reihe repräsentiert die fassstarken Abfüllungen innerhalb der Standard-Range der Speyside-Brennerei Benromach. Die einzelnen Ausgaben werden in Batches – aus einer nicht näher spezifizierten Anzahl an erstbefüllten Sherry- und Bourbonfässern – in Fassstärke abgefüllt. Dadurch variieren sowohl der Alkoholgehalt als auch das Geschmacksprofil zwischen den einzelnen Batches.

Auf den Flaschen ist jeweils das Destillationsjahr angegeben; in der Regel liegen die Abfüllungen dieser Reihe bei einem Alter zwischen neun und zehn Jahren.

Die heute verkostete Flasche ist die Vintage 2012 Batch 3 mit 59,6 % vol. Für diesen Batch wurden 21 Fässer verwendet. Die genaue Verteilung zwischen Sherry- und Bourbonfässern innerhalb des Vattings ist nicht bekannt.


Aussehen
Rötlicher Bernstein


Nase
Die Nase wird sogleich von zartem Rauch begrüßt – wie noch leicht glühende Steinkohle, auf der sich bereits eine feine Ascheschicht gebildet hat. Erdige, leicht schmutzige Grundtöne vermischen sich mit dem Duft von gelben Ringlotten und Äpfeln. Getrocknete Aprikosen- und Pfirsichstücke bringen eine dezente, zurückhaltende Süße ins Spiel.

Ein Hauch von getrocknetem Tabak und Möbelpolitur auf altem Leder schwingt mit. Mit etwas Zeit und Luftzufuhr gesellen sich geröstete Haselnüsse und Müslistücke hinzu. Auch die Sherryaromen treten nun deutlicher hervor – allen voran getrocknete Beeren, Datteln und Feigen.
Der hohe Alkoholgehalt zeigt sich in einer zarten Eukalyptusnote, ist insgesamt jedoch sehr gut integriert.

Die Nase erinnert mich sanft an Springbank mit dieser leicht schmutzigen Rauchattitüde und dem eher moderaten Sherryprofil.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Trotz der hohen Alkoholstärke ist der Malt sehr gut pur genießbar. Ein süßer Antritt wird von Zwetschgenmus und geschmolzener Milchschokolade begleitet, die cremig über die Zunge gleiten. Der Rauch ist im Mund deutlicher wahrnehmbar als in der Nase, bleibt jedoch im unteren Intensitätsbereich.

Die Rauchcharakteristik entwickelt sich eher in Richtung Lagerfeuer mit einem Hauch von Ruß. Frische Minze und eine angenehme Pfefferschärfe unterstreichen den Alkoholgehalt. Das Schärfegefühl verweilt jedoch nicht lange und geht rasch wieder in süße Sherryaromen über – vor allem getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen.

Getrocknete Gewürze wie Zimt und Muskat, kombiniert mit Tabak und Holzwürze, runden das Geschmacksprofil stimmig ab.


Abgang
Zum Ende hin kehren die erdigen, leicht schmutzigen Noten zurück. Asche und Rauch haften länger im Rachen und am Gaumen. Auch die süßen Noten der getrockneten Früchte und des Tabaks bleiben nachhaltig präsent.


Fazit
Interessanterweise zeigt sich mit Wasserzugabe – sowohl in der Nase als auch am Gaumen – eine Spur Schwefel. Sehr dezent und für mich kaum störend. Ein Hauch Schwefel, wie hier, stört mich nicht – im Gegenteil: Für mich bringt er sogar etwas zusätzliche Komplexität und eine gewisse Umami-Note ins Spiel.

Davon abgesehen ist dies erneut eine sehr leckere, kraftvolle Abfüllung von Benromach, die richtig Spaß im Glas macht.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Bunnahabhain 12 CS Ed. 2022

 

Whiskybase

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Von der Cask Strength Edition des Bunnahabhain 12 Jahre, die erstmals 2021 erschien, gibt es bislang vier Ausgaben – 2024 ließ die Brennerei aus. Die erste Abfüllung habe ich damals verkostet und sie gefiel mir sehr gut: ein kraftvoller, ausdrucksstarker Sherry Malt, jedoch ohne „nasse Fässer“, eher mit dem Eindruck, als wären hier ältere, gut integrierte Fässer zum Einsatz gekommen.

Schon länger liegt bei mir ein Sample der 2022er Edition, und ich hatte schlicht Lust auf einen intensiven Sherry-Whisky. Diese Ausgabe kommt mit 56,6 % vol. daher und reifte – wie ihr Vorgänger – ausschließlich in Ex-Sherryfässern.


Aussehen
Mahagoni


Nase
Gleich vorweg: Der Alkohol ist für mich hervorragend eingebunden. Kein alkoholisches Stechen, keine störenden Mentholnoten. Die Aromen strömen satt und voll in die Nase; eine Verschlossenheit, wie sie bei hochprozentigen Whiskys häufig vorkommt, ist hier nicht auszumachen.

Typisches Oloroso-Profil: Geröstete Haselnüsse verbinden sich mit Rosinen, getrockneten Feigen und Datteln sowie dunklen Beeren – Heidel- und Brombeeren. Neben einer leicht herben Milchschokolade entwickelt sich mit der Zeit eine immer intensivere Süße, wie Karamell, das in der Pfanne bereits schön Farbe angenommen hat. Auf der würzigen Seite zeigen sich Balsamico, Zimt und ein Hauch getrockneter Küchenkräuter.

Unverdünnt ist das bereits eine sehr feine Sherrynase. Die Aromen wirken gediegen und gesetzt und suggerieren fast ein höheres Alter als die tatsächlichen 12 Jahre.

Mit etwas Wasser tritt die würzige Seite stärker hervor, die Süße wird zurückgenommen. Insgesamt wirkt das Profil etwas „heller“, die intensive Sherrynase verliert etwas an Wucht.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund merkt man die 56,6 % dann doch. Sehr kraftvoller Antritt mit prickelnder Präsenz auf der Zunge und an den Innenseiten der Wangen. Eine leichte Schärfe – eher Chili oder Ingwer als reiner Pfeffer – breitet sich rasch aus. Davon abgesehen zeigt er sich jedoch cremig und ölig.

Neben intensiver Karamellsüße sind sofort eingekochtes Zwetschgenkompott und ein Beerenröster aus Heidel- und Brombeeren mit Zimt, Vanille und Rosinen präsent. Die Fruchtnoten gehen anschließend in Holzpolitur, Tabak, Leder sowie geröstete Nüsse, Schokolade und Balsamico über. Die Aromen bleiben dabei stets gesetzt und schön miteinander verwoben.

Mit Wasser reduziert sich die anfängliche Schärfe deutlich. Die Süße ist weniger dominant, aber weiterhin sehr angenehm. Auch hier sorgt Wasser für eine gewisse „Aufhellung“ der Aromen.


Abgang
Im Verlauf treten zunehmend leicht bittere Holzeindrücke hervor. Dennoch bleibt der Whisky durchgehend aromatisch und wird nie unangenehm bitter. Rosinen, cremige getrocknete Datteln, dunkle Beeren sowie Anklänge von Tabak und Lederpolitur hallen nach. Das Finish ist durchaus lang.


Fazit
Wieder eine dieser Sherry-Abfüllungen, die mir nach wie vor richtig gut gefallen: keine „nassen Fässer“, sondern qualitativ hochwertige Oloroso-Fässer mit sauberem Einfluss. Der Sherrycharakter ist intensiv, aber auf sehr positive Weise. Ein durchwegs sehr leckerer Whisky.

Allerdings hat er nur wenig mit dem regulären 12er gemein. Die beim Standard so bekannte Kernigkeit mit maritimem Touch fehlt den CS-Abfüllungen vollständig. Mich persönlich stört das nicht – aber Puristen könnten genau das kritisieren.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Redbreast Lustau Edition

 

Whiskybase

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Im Urlaub zu Weihnachten war mir mal wieder nach einem irischen Whiskey. In meiner Sammlung tummeln sich zwar nicht annähernd so viele wie vom Nachbarn im Norden der englischen Insel, aber doch der eine oder andere. Meine Wahl fiel auf einen Redbreast 12 CS aus 2019, genauer gesagt auf die Batch-Abfüllung B1/19.

Und was soll ich sagen: Es ist jetzt Anfang Februar – und in der Flasche ist nicht mehr viel übrig. Dieser spezielle Pot-Still-Charakter mit gerösteten Müslicerealien, Rosinenkuchen und der feinen, nicht zu heftigen Würze gefällt mir so gut, dass ich mir immer wieder abends ein Glas gönne und genieße.

Aus diesem Grund entschied ich mich als wöchentliches Tasting-Objekt für den Redbreast Lustau Edition. Dabei handelt es sich um einen Non-Age-Statement Pot-Still Whiskey, der nach 9 bis 12 Jahren Reifung in Ex-Bourbon- und Sherryfässern ein einjähriges Finish in Oloroso-Sherryfässern aus der Bodega Lustau in Jerez erhielt. Abgefüllt wird er mit 46 % vol., also etwas kräftiger als der normale 12-Jährige.

Wenn der Lustau nur halb so gut ist, werden wir Freunde.


Aussehen
Rotgold bzw. dunkles Bernstein


Nase
Geruchsseitig beginnt bei mir bereits das zarte Pflänzchen der Freundschaft zu wachsen. Eine eindeutige Redbreast-Nase: Wie beim 12 CS finde ich sofort die typischen gerösteten Getreidearomen, süßen Honig, Rosinen, Zimt und Muskatnuss – ergänzt von weiteren Gewürzen, die ich nicht klar einzeln herausarbeiten kann.

Neben den Rosinen gesellen sich weitere getrocknete Früchte wie Datteln, Aprikosen und Feigen hinzu und bilden ein cremig-süßes Fruchtpotpourri. Apropos cremig: Neben dem Honig zeigen sich auch süße Milchkaramellbonbons.

Im Vergleich zu den 12 CS-Abfüllungen mit deutlich über 50 % vol. funktioniert die Trinkstärke von 46 % beim Lustau durchaus gut. Olfaktorisch ist er sehr nah am 12er und am CS. Das Sherryfinish bringt vielleicht noch eine Spur mehr Süße und Sherryeinfluss mit.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund empfinde ich den Sherryeinfluss deutlicher als zuvor in der Nase. Das Mundgefühl ist leicht und zugleich voll: Der Pot Still gleitet weich und cremig über die Zunge, verteilt die Aromen aber durchaus kräftig im gesamten Mundraum.

Eine ordentliche Süße ist sofort präsent. Diese stammt weniger von Honig oder Karamell, sondern vielmehr von den Sherryfrüchten. Rosinen – vielleicht etwas weniger intensiv als beim 12 CS –, Datteln und Pflaumenmus sorgen für den fruchtig-süßen Touch. Dem stehen Muskatnuss, vor allem aber Zimt sowie geröstete Nüsse und Schokolade als angenehmer Gegenpart gegenüber. Eine leicht würzige Attitüde entfaltet sich zusätzlich durch eine aufkeimende Eichenholznote.


Abgang
Rosinen und Datteln verabschieden sich mit einer Prise Zimt in einen mittellangen Abgang. Das aromatische Holz bleibt noch etwas länger am Gaumen haften. Auch wenn das Finish nicht besonders lang ist, gefällt es mir durchaus gut.


Fazit
Eine typische Redbreast-Pot-Still-Abfüllung, die ihre Verwandtschaft zum 12y und zur CS-Variante nicht verbergen kann – und auch nicht muss. Das Sherryfinish bringt zusätzliche Nuancen in das bekannte Aromen- und Geschmacksprofil.

Alles in allem eine sehr feine Pot-Still-Abfüllung, die in Nase und Mund viel Freude bereitet. Wer die CS-Variante nicht bekommt, kann beruhigt zum Lustau greifen und wird damit sicherlich glücklich.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Knockdhu 11y 2013 (V&M)

 

Whiskybase

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Seit ich den AnCnoc 24y im Glas hatte, habe ich die Knockdhu-Brennerei auf dem Radar. Der Whisky gefiel mir damals so gut, dass ich mir kurz darauf sehr flink eine Flasche besorgte. Wie sich herausstellte, eine weise Entscheidung, denn der Preis dieser Abfüllung ist in der Zwischenzeit deutlich nach oben geschnellt – wohl auch, weil die Kritiken durchgehend sehr positiv ausfielen.

Mein Augenmerk richtete sich danach verstärkt auf Abfüllungen unabhängiger Abfüller, die aktuell eher dünn gesät sind. Umso mehr freute mich der zehnjährige von Meadowside Blending aus 2013, den ich vor einiger Zeit mein Eigen nennen konnte. Letzten Dezember stieß ich bei meinem Whiskyladen in Wien auf eine Flasche eines elfjährigen Knockdhus vom italienischen UA Vallinch & Mallet, ebenfalls aus 2013.

Vielleicht brauchte die Brennerei in diesem Jahr kurzfristig Kapital und öffnete aus diesem Grund ihr Lager für ein paar Fassverkäufe an Unabhängige. Die Flasche liegt preislich mit knapp € 90,- im selben Rahmen wie die The Maltman-Abfüllung von Meadowside Blending. Aus dem Einzelfass kamen 339 Flaschen mit 52,9 % vol.

Unsicherheit besteht bei der genauen Fassreifung: Auf der Flasche steht lediglich „Aged in a Sherry Cask“, wohingegen auf whiskybase.com die Information zu finden ist, dass es sich um ein 2nd Fill Oloroso Sherry Cask gehandelt haben soll. Da die Angaben in der Base in der Regel zuverlässig sind, gehen wir einmal davon aus.


Aussehen
Gelbgold


Nase
Sehr weich und cremig beginnt die olfaktorische Reise. Der Alkohol ist kaum wahrnehmbar. Anfangs zeigt sich der Whisky etwas zurückhaltend, die Aromen wirken leicht und flüchtig. Die ersten Eindrücke sind eine Mischung aus Fruchtigkeit – vor allem reife rote Äpfel und Aprikosenkompott –, Malz, in Zucker eingelegten Cerealien sowie Mannerschnitten. Diese intensive Nuss-/Nougatnote in der Nase hatte ich bereits beim Zehnjährigen.

Die Reifung im 2nd Fill Sherryfass hat gut funktioniert, denn der Brennereicharakter bleibt erkennbar. Das Fass steuert neben süßem Honig, Erdbeeren und Vanille auch eine angenehme Würze mit etwas Muskatnuss und Kakao bei. Insgesamt zeigt sich ein rundes, harmonisches Aromenspiel, das unverdünnt auch nach einigen Minuten im Glas sehr leicht und luftig bleibt.

Mit Wasserzugabe öffnet sich der Whisky deutlich, die fruchtige Seite bekommt spürbar Aufwind. Der Schokonuss-Keks bleibt präsent. Mit Wasser gefällt er mir noch besser.


Geschmack
Hier ändert sich der Eindruck erstaunlich schnell. Der Whisky startet extrem süß und cremig – wie ein Löffel Honig direkt vom Glas. Kräftiges Mundgefühl, der Alkohol trägt die Aromen intensiv auf die Zunge. Auf den Honig folgt eine leichte Schärfe von schwarzem Pfeffer, die rasch in würzige Noten übergeht. Neben den bereits aus der Nase bekannten knackigen Cerealien zeigen sich Muskatnuss, Zimt, Nüsse und dunkle Schokolade.

Der Alkohol belegt die Innenseiten der Wangen und vorne das Zahnfleisch, der Speichelfluss wird angeregt. Die fruchtige Seite meldet sich – vor allem nach dem scharf-würzigen Intermezzo – mit Rosinen, Erdbeeren und getrockneten Feigen zurück.

Auch geschmacklich tut Wasser gut: Ein, zwei Tropfen reichen. Die Süße wirkt weniger dominant, die Schärfe nimmt ab und die Fruchtnoten treten deutlicher hervor.


Abgang
Das Finish ist nicht allzu lang – der Malt will getrunken werden. Neben Nüssen und cremig-süßem Nougat zeigen sich im Abgang noch Rosinen, Zimt und dunkle Schokolade.


Fazit
Wieder einmal ein wunderbares Beispiel für einen Whisky, der unverdünnt vor allem im Geschmack richtig aufdreht – und Spaß macht. Mit etwas Wasser gewinnt er sowohl in der Nase als auch am Gaumen deutlich hinzu.

Die Ähnlichkeit zur The Maltman-Abfüllung ist klar erkennbar, beide teilen denselben Grundcharakter – vor allem die intensive Nuss-/Nougatnote gefällt mir erneut sehr gut. Diese Version wirkt jedoch eine Spur reifer und ausgewogener, der Alkohol ist besser integriert. Wie sein jüngerer Verwandter ist auch er ein Trinkwhisky, der genossen werden will, aber genug Tiefe bietet, wenn man ihn aromatisch auseinandernehmen möchte.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Glen Scotia 14y Tawny Port Finish peated – Campbeltown Malts Festival 2020

 

Whiskybase

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Das Campbeltown Malts Festival wird seit 2014 veranstaltet. Aufgrund von COVID musste die Ausgabe 2020 auf eine virtuelle Variante reduziert werden. Eine Festival-Abfüllung ließ sich Glen Scotia dennoch nicht nehmen und präsentierte einen 14 Jahre alten rauchigen Single Malt, der zunächst in einer Kombination aus Refill-Hogsheads aus amerikanischer Weißeiche, mittelstark ausgebrannten amerikanischen Eichenfässern und First-Fill-Bourbon-Barrels reifte, bevor er ein sechsmonatiges Finish in First-Fill-Tawny-Port-Hogsheads erhielt.

Insgesamt wurden 15.000 Flaschen mit 52,8 % vol. von dieser Abfüllung auf den Markt gebracht – eine ganz schöne Menge für eine limitierte Festivalabfüllung.


Aussehen
Helles Kupfer


Nase
Schöner, kräftiger erster Eindruck in der Nase! Von Beginn an beerenfruchtig: Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren, begleitet von einer cremigen Vanillesauce. Ein erdiger, leicht schmutziger Rauch – hier kommen die Campbeltown-Gene zum Vorschein – liegt dezent im Hintergrund und verbindet sich stimmig mit den übrigen Aromen. Dunkler Waldhonig und Karamell sorgen für Süße, die durch mittel­dunkle Schokolade, geröstete Haselnüsse sowie getrocknete Küchenkräuter einen herb-würzigen Gegenpol erhält.

Mit mehr Luft verändert sich die Fruchtnote bzw. wird durch eingekochtes Apfelkompott mit angenehmer Säure ergänzt. Dazu gesellen sich saftige Rosinen, während der Vanilleanteil weiter zunimmt.

Der Alkohol bringt Frische mit einer zarten Mentholnote, ist jedoch durchgehend gut integriert. Die Nase macht richtig Spaß – kantig, robust und voller Details.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Kräftiger Antritt – hat ordentlich Wumms und trägt die Aromen seidig weich auf die Zunge. Zu Beginn sehr süßer, cremiger Beerenröster, vor allem Brombeeren mit etwas Himbeere. Der Rauch-Funk mit seiner leicht schmutzigen Hafenattitüde ist stärker als in der Nase und gefällt mir sehr gut. Für einen kurzen Schärfekick, nach dem süß/fruchtigen Einstieg, sorgt schwarzer Pfeffer aus der Mühle, der jedoch rasch wieder abebbt. 

Im weiteren Verlauf wird der Geschmack würziger: getrocknete Tabakblätter, eine Spur Lederpolitur, leicht muffige, erdige Noten, getrocknete Kräuter und geröstete Haselnüsse. Die Vanille tritt im Mund in den Hintergrund.
Ab dem zweiten, dritten Schluck zeigen sich Frucht und Süße wieder etwas stärker im Zusammenspiel, die Würzigkeit bleibt jedoch dominant.

Der Alkohol - immerhin fast 53% - ist sehr stimmig eingebunden - kräftig, aber nie aufdringlich oder zu stark. Der Malt hat eine perfekte Genussstärke.


Abgang
Mittellang – Rauch und Beeren kleben regelrecht am Gaumen. Auch Tabak, Muskat und die getrockneten Kräuter verweilen noch eine ganze Zeit.


Fazit
So könnte ein Springbank 12 CS mit Portreifung schmecken. Glen Scotia braucht sich hinter Springbank mit dieser Abfüllung keineswegs zu verstecken. Intensiver Campbeltown-Style mit Beerenröster inklusive, das Fassfinish legt sich optimal über den funky Rauch.

Eigentlich gefällt mir der Malt überhaupt nicht, muss man nicht kaufen.

Nein. Glen Scotia sollte man wirklich nicht beachten.

Springbank-Fanboys, bleibt bei eurer Hype-Brennerei (die auch wirklich tolle Abfüllungen herausbringt) und steigt bloß nie auf Glen Scotia um. Dann bleibt das Preis-/Genussverhältnis weiterhin so schön gut. 

Mittwoch, 21. Januar 2026

Linkwood 2012 – Spirits of the Forest IV (Whic)

 

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Eine Kehlkopfentzündung ist fürs Whiskytrinken eher suboptimal, wie ich in den letzten zwei Wochen am eigenen Leib – und vor allem am eigenen Kehlkopf – erfahren musste. Entsprechend war es mir auch nicht möglich, das wöchentliche Tasting für meinen Blogartikel abzuhalten. Glücklicherweise habe ich mir über die Jahre angewöhnt, stets ein oder zwei Verkostungsnotizen in Reserve zu haben, um für genau solche Fälle gewappnet zu sein.

Diesen neunjährigen Linkwood aus dem Jahr 2012, die vierte Abfüllung aus der Spirits of the Forest-Serie von whic.de, habe ich tatsächlich bereits im Mai des vergangenen Jahres an einem warmen Sonntagnachmittag verkostet und meine Eindrücke festgehalten. Daher auch die blühenden Blumen auf dem Foto – aktuell verwandelt sich der Garten draußen eher in eine Landschaft aus Eisskulpturen. Zudem passt dieser Whisky aus meiner Sicht deutlich besser in Frühling oder Sommer als zu den derzeit eisigen Temperaturen.

Das verwendete Hogshead wurde vor der Befüllung mit dem Linkwood-Newmake frisch ausgeschabt und anschließend erneut ausgebrannt. Dieses Verfahren wird als Dechar/Rechar bezeichnet. Nach der vollständigen Reifung in diesem Fass wurden im Jahr 2022 insgesamt 383 Flaschen mit 47 % Alkohol abgefüllt.


Nase
Eine zarte Rauchnote verbindet sich mit einer Duftkomposition aus Malz, Getreide, einer leicht bäuerlichen Note und Zitrusfrüchten. Dazu gesellen sich Heidekraut und eine feine Honigsüße. Mit zunehmender Zeit im Glas wandeln sich die Fruchtaromen von Zitrusfrüchten hin zu reifer Birne und weicher Zuckermelone. Der Heidekrautanteil nimmt zu, Vanille kommt hinzu. Der Alkohol, der zu Beginn leicht in der Nase sticht, tritt deutlich in den Hintergrund. Die leicht „schmutzige“ Bauernhof-Attitüde bleibt präsent und verleiht der Nase zusätzliche Tiefe und Charakter.

Fotocredit: whiskybase.com



Geschmack
Weiches, cremiges Mundgefühl. Der Antritt ist überraschend süß mit Waldhonig sowie warmem Birnenkompott, begleitet von Vanille- und Zitronencreme. Erneut zeigen sich leichte Raucharomen, nun kombiniert mit angeräucherten und getrockneten Kräutern. Der Holzeinfluss ist im Mund präsenter als in der Nase und äußert sich vor allem durch eine leicht bittere Kakaonote sowie eine gewisse Trockenheit im Mundraum. Eine feine Würzigkeit mit rotem Pfeffer sorgt für einen sanften Hauch von Schärfe. Der Alkohol ist dabei gut eingebunden.


Abgang
Weiterhin fruchtig und honigsüß, mit dunkler Schokolade, die für leicht bittere Akzente sorgt. Die rauchigen Röstaromen bleiben länger präsent im Rachen und Mundraum.


Fazit
Trotz seines jungen Alters ist dieser Linkwood ein sehr passabler Begleiter. Die leichte Rauchnote – vermutlich dem nachbehandelten Fass geschuldet – sowie die dezent „schmutzige“ Note, vor allem in der Nase, sorgen für ein spannendes und eigenständiges Aromenspiel. Das macht durchaus Spaß.

Donnerstag, 15. Januar 2026

Whitlaw 2013 10y PX/Oloroso Sherry (SV)

 

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Signatory Vintage füllt regelmäßig Highland Park unter dem Namen Whitlaw mit rund zehn Jahren Reifezeit in der Vintage Collection ab, erkennbar an der orange-ockerfarbenen Tube und dem gleichfarbigen Etikett. Die Fassbelegung variiert, meist kommen jedoch Oloroso- und PX-Sherryfässer zum Einsatz. Serien­typisch ist die Abfüllung mit 46 Prozent Alkohol.


Aussehen
Dunkler Bernstein


Nase
Bei Highland Park suche ich immer diese für mich so typische und reizvolle Note von blühendem Heidekraut, und genau diese finde ich hier sofort wieder. Das ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass sich das Destillat trotz der intensiven Fassbelegung behaupten konnte. Dazu kommt Orangemarmelade mit Zesten, die einen schönen herben, würzigen Kontrast setzt. Es folgen getrocknete, zerriebene Küchenkräuter sowie ein Hauch von leicht angekohltem Holz im Hintergrund.

Dann treten die klassischen Sherrynoten in Erscheinung mit getrockneten Früchten, Pflaumenmus und gerösteten Haselnüssen. Mit der Zeit wird auch der Einfluss des PX-Fasses deutlicher, vor allem in Form von Rosinen und Erdbeermarmelade, die zusätzliche Süße einbringen. Dieses Wechselspiel der beiden Fassarten gefällt mir ausgesprochen gut, insbesondere weil die würzigen Heidekrautnoten stets präsent bleiben. Der Alkohol zeigt sich leicht spitz, wirkt aber für das Alter nicht unangenehm.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Am Gaumen setzt sich die Würzigkeit fort, das Heidekraut ist sofort präsent, nun begleitet von deutlich mehr Süße in Richtung Heidekrauthonig. Sehr angenehm. Die Textur ist gut, der Körper solide. Dazu kommen leichte Noten von angebranntem Holz und Ascheflocken. Frucht spielt hier eine geringere Rolle als in der Nase, vor allem Orangenstücke, getrocknete Beeren, Feigen und vereinzelte Rosinen. Ergänzt wird das Profil von Tabakblättern und gerösteten Haselnüssen. Ab der Mitte übernimmt der würzige Part zunehmend die Führung, getrocknete Kräuter und der Holzeinfluss werden immer dominanter. Der Alkohol ist spürbar und kraftvoll, dabei aber gut eingebunden.


Abgang
In diese Richtung entwickelt sich auch das Finale weiter. Angebranntes Holz, getrocknete Küchenkräuter, Heidekraut und Tabak prägen das mittellange Finish.


Fazit
Ein guter, unabhängig abgefüllter Highland Park in dieser Altersklasse, mit dieser Fassauswahl und in diesem Preissegment. Er macht durchaus Spaß. Wer Highland Park mit modernem Sherryprofil mag, kann hier bedenkenlos zugreifen. Besonders gefällt mir, dass der Brennereicharakter trotz der Fassdominanz klar erkennbar bleibt.

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