Donnerstag, 7. Mai 2026

Ardnahoe 5y Cask Strength Batch 1

 

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Was ich bisher von dieser jungen Islay-Brennerei Ardnahoe im Glas hatte, wusste mir durchwegs zu gefallen. Ehrliche, klassische Islay-Raucher ohne Schnickschnack, ohne besondere Fassspielereien oder Gepimpe mit Virgin Oak. Als Reifemedium kommen Ex-Bourbon- oder Sherryfässer zum Einsatz. Und offensichtlich sind die Fässer von guter bis sehr guter Qualität. Denn die eher jungen Abfüllungen mit rund fünf Jahren wirkten bislang stets deutlich reifer, als es das tatsächliche Alter vermuten ließe.

Aufgrund dieser positiven Eindrücke war es für mich ein No-Brainer, mir eine Flasche von Batch 1 der ersten fasstarken Abfüllung der Core Range zu besorgen. Mittlerweile ist bereits Batch 2 erschienen. Veröffentlicht wurde der Ardnahoe 5y Cask Strength Batch 1 im Oktober 2025. Der Whisky reifte ausschließlich in First-Fill-Bourbon-Barrels und wurde mit kräftigen 60,9% Fassstärke ungefärbt und ohne Kühlfiltration abgefüllt.


Aussehen
Sattes Strohgelb


Nase
Der hohe Alkoholgehalt lässt ihn zunächst etwas verschlossen wirken. Er geizt ein wenig mit der Preisgabe seiner noch jungen Aromen. Naturgemäß steigt bei einem Islay-Smoker zuerst eine ordentliche Rauchschwade aus dem Glas. Der Rauch erinnert an brennende Holzscheite und Holzasche, in der noch ein paar angekohlte Kräuterzweige liegen, kombiniert mit geräucherter Erdnussbutter und salzigen Brotkrümeln. Sehr speziell.

Das Ganze wirkt ausgesprochen frisch und maritim. Neben Noten von Salmiak – fast so, als würde man rohe, zum Trocknen aufgehängte Fischstücke riechen – entdecke ich hinter dem Rauch auch reichlich Zitronensaft und Zitronenzeste.

Positiv fällt auf: Trotz der knapp 61% wirkt der Alkohol keineswegs aggressiv oder stechend. Der Whisky lässt sich wunderbar verriechen, ohne dass einem die Nasenhaare weggeätzt werden.

Mit etwas Standzeit treten neben den bereits genannten Aromen zusätzlich Vanille – typisch für eine reine Ex-Bourbon-Reifung – sowie unreife Ananas hervor.

Mit ein paar Tropfen Wasser verändert sich der Grundcharakter de facto kaum. Vielleicht können sich die übrigen Aromen nun etwas besser gegen den dominanten Rauch behaupten. Vor allem Vanille, Kräuter und die Zitrusnoten gewinnen an Präsenz. Dazu kommen nun reifere Ananasnoten und ein zarter floraler Einschlag.


Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Am Gaumen zeigt sich der Whisky deutlich kompromissloser als in der Nase. Die pure Alkoholdrehzahl ist voll auf Krawall gebürstet. Der Rauch rauscht regelrecht durch den Mund und gibt ordentlich Gas. Er erinnert jetzt stärker an geräucherte Kräuter, Salzkruste und glühende Kohlenstücke.

Gleichzeitig kommt aber auch eine satte Süße zum Vorschein. Zunge, Gaumen und das vordere Zahnfleisch prickeln ordentlich und trocknen leicht aus. Neben frisch geriebener, würziger Ingwerwurzel zeigen sich erneut die intensive Vanille aus der Nase sowie gezuckerte, saftige Ananasstücke.

Ein paar Tropfen Wasser – auf etwa 55% herunterverdünnt – tun dem Malt ausgesprochen gut. Die dominante Alkoholhitze wird deutlich entschärft. Der Rauch bleibt weiterhin prägend, doch die übrigen Aromen erhalten nun wesentlich mehr Raum. Dadurch wird der Whisky richtig süffig.


Abgang
Im eher mittellangen Finish bleiben trockener, aschiger Rauch sowie dunkle Schokolade, Lakritze und Meersalz zurück. Dazu gesellt sich nochmals die cremige Vanillenote der Bourbonfässer.


Fazit
Im Grunde ist der Ardnahoe 5y Cask Strength Batch 1 ein klassischer junger Islay-Raucher aus dem Bourbonfass: knackiger Rauch, Vanille, Zitrone und Kräuter. Also zunächst nichts grundsätzlich Neues. Ardnahoe besitzt jedoch ein eigenes, leicht wiedererkennbares Geschmacksprofil, das diese bekannten Aromen zu einer eigenständigen und stimmigen Komposition zusammenführt.

Mir gefällt dieser puristische Stil ausgesprochen gut. Natürlich ist er weder ein Komplexitätsmonster noch muss man zwingend rund € 85,- dafür ausgeben. Als Fan dieser noch jungen Brennerei war er für mich dennoch ein Must-have – und enttäuscht wurde ich definitiv nicht.

Donnerstag, 30. April 2026

Ledaig 15y Amontillado Sherry (ADoS)

 

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Marco Bonn hat in seiner Reihe A Dream of Scotland bereits einige sehr feine Ledaig abgefüllt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, dass sich auch dieser 15-Jährige mit Reifung im Amontillado-Sherry-Cask nahtlos einreiht.

Ich hoffe sehr, dass der Whisky durch die – doch eher selten anzutreffende – Belegung in einem Amontillado-Sherryfass interessante Geschmacksnuancen mitbringt, die man bei den deutlich häufiger anzutreffenden Oloroso- oder PX-Varianten nicht in dieser Form findet. Gerade die Kombination aus dem eigenwilligen Rauch von Ledaig und den eher nussig-kräuterigen Aromen dieses Sherrystyils macht mich neugierig auf diesen Malt.

Lediglich 278 Flaschen wurden aus dem Fass abgefüllt – mit fassstarken 59,1 %, ohne künstliche Färbung und ohne Kühlfiltration.


Aussehen
Sehr dunkles Kupfer, fast schon Richtung Mahagoni.


Nase
Kein Kuhstall.

Bei Ledaig habe ich beim Rauch normalerweise fast immer diese typische Stall- bzw. Kuhstall-Assoziation. Die fehlt hier zu Beginn komplett. Stattdessen zeigt sich sofort eine ordentliche Portion speckiger BBQ-Noten: mariniertes Fleisch, das bereits über einem Holzofengrill brät und bei dem von Zeit zu Zeit Saft und Fett auf die glimmenden Kohlen tropfen.

Neben diesen fleischig-speckigen Barbecue-Aromen treten auch karamellisierter Honig, getrocknete Gewürze und dunkle rote Beeren hervor. Alles verbindet sich zu einem umwerfenden Geruchspotpourri, bei dem man permanent am Glas hängen bleiben möchte.

Auch das gelegentliche Prickeln und die leicht frische Schärfe des höheren Alkoholgehalts stören dabei nicht. Die Aromen wirken homogen und gesetzt, nichts Jugendliches blitzt trotz der Intensität hervor. Die 15 Jahre nimmt man ihm ohne Weiteres ab.

Mit Wasser kommt eine zusätzliche Vanillenote hinzu. Die alkoholische Schärfe reduziert sich, die übrigen Aromen verlieren etwas an Kraft, verweben sich dafür aber noch harmonischer miteinander.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der erste Eindruck ist sehr stürmisch. Mit ordentlich Druck und Feuer geht der Ledaig ans Werk. Im Mund ist der Alkohol unverdünnt deutlich stärker wahrnehmbar als in der Nase.

Neben einer intensiven Schärfe, die an frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer erinnert, zieht der Malt kräftig Wasser auf Zunge und Wangeninnenseiten – ein klassisches Zeichen für hohen Alkoholgehalt.

Daneben zeigen sich eine nicht übertriebene Karamellsüße, Orangenmarmelade mit leicht eingekochtem Charakter, getrocknete Küchenkräuter, Zimt, getrocknete Tabakblätter, viel Holzwürze und ein großes Stück dunkler, herber Schokolade.

Den Rauch nehme ich im Geschmack weniger deutlich wahr. Was bleibt, ist der Nachhall eines ausklingenden Holzfeuers mit Aschebildung sowie dunkel angebratenes Fleisch mit kräftiger Marinadenkruste.

Dieser Malt verlangt eindeutig nach ein paar Tropfen Wasser.

Und ja – Wasser tut ihm ausgesprochen gut. Nicht nur, dass die anfängliche Hitze und alkoholische Schärfe deutlich gemildert werden: Die übrigen Aromen treten klarer hervor und beginnen regelrecht zu glänzen. Er wird überraschend süffig und ausgesprochen lecker.


Abgang
Bis ins Finish hinein bleiben Hitze und die damit verbundene Schärfe zunächst präsent. Sobald diese abklingen, haften rote Beeren, Tabaknoten, Holz, Karamell und Asche noch sehr lange im Mundraum.


Fazit
Das ist für mich ein Malt, der Wasser benötigt, um seine Aromenvielfalt und -kraft wirklich ausspielen zu können. Man kann ihn selbstverständlich pur trinken, mir ist er dann – vor allem am Gaumen – etwas zu anstrengend.

Mit Wasser hingegen wird er richtig stark. Besonders gefällt mir, dass er nicht zu süß geraten ist. Die speckigen Aromen stehen ihm ausgesprochen gut.

Dienstag, 21. April 2026

Ardbeg Corryvreckan

 

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Einen Ardbeg für einen Tasting-Blogartikel hatte ich schon sehr lange nicht mehr im Nosing-Glas. Auch sonst griff ich im letzten Jahr nur selten zu einem Ardbeg. Aktuell habe ich zwar eine Flasche der achtjährigen Committee-Abfüllung „For Discussion“ geöffnet, aber warum das so ist, kann ich ehrlicherweise nicht genau sagen. Offenbar haben mich zuletzt andere Hersteller und Abfüllungen mehr interessiert.

Allerdings befinden sich noch einige Ardbegs in meiner Flaschen- und Samplesammlung. Und vor allem fehlt mir noch eine Abfüllung aus der Standardreihe, die ich bislang nicht verkostet habe. Aus diesen beiden Gründen – lange kein neuer Ardbeg-Artikel im Blog und das Schließen einer Wissenslücke – ist der Corryvreckan nun mein dieswöchiger Tasting-Partner geworden.

Der Corryvreckan ist – wie fast alle Whiskys der Core Range (mit Ausnahme des Ten) – ein NAS, also eine Abfüllung ohne Altersangabe. Benannt ist er nach dem gleichnamigen Meeresstrudel zwischen den Inseln Jura und Scarba. Die Reifung erfolgt in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche; zudem sollen auch französische Eichenfässer zum Einsatz kommen. Ob es sich dabei um Virgin Oak oder speziell behandelte Fässer handelt, ist nicht offiziell bestätigt. Die Alkoholstärke beträgt kräftige 57,1 %. Kühlfiltration und Färbung werden nicht eingesetzt.


Aussehen
Strohgelb


Nase
Ein Schwall klassischen Ardbeg-Rauchs weht aus dem Glas – mit typischen Noten von verbranntem Gummi, heißem Asphalt im Sommer und angekohlten Küchenkräutern. Der Rauch zeigt sich zudem quarzig und mineralisch.

Dahinter – oder vielmehr gemeinsam mit dem Rauch – treten überraschend klare Aromen von süßer Vanillecreme und Zitronensorbet hervor, die Frische und Fruchtigkeit ins Spiel bringen. Der Einfluss der Bourbonfässer ist vor allem im ersten Drittel deutlich präsent.

Mit zunehmender Zeit im Glas entwickeln sich harzige Holznoten sowie ätherische Öle, die an geknickte Tannennadeln erinnern. Die Zitrusfrische wird von warmem Kuchenteig begleitet. Von den vermuteten französischen Eichenfässern lässt sich in der Nase hingegen nur wenig eindeutig erkennen.

Der Alkohol ist trotz der hohen Stärke gut eingebunden.

Mit etwas Wasser gewinnen Rauch und Harz deutlich an Intensität, während die Süße etwas zurücktritt. Vanille und Kräuter bleiben jedoch stabil.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Sehr ölig und geschmeidig legt sich der Whisky auf Zunge und Gaumen. Eine kurze, aber prägnante Pfefferschärfe eröffnet den Geschmacksverlauf. Diese wird rasch von intensiver, noch warmer Steinkohlenasche überlagert, begleitet von leicht erdigen und phenolischen Anklängen.

Der Rauch ist im Mund deutlich kräftiger als in der Nase und überzieht den gesamten Mundraum – von den Wangeninnenseiten bis hin zum Zahnfleisch – mit einem speckigen, fast klebrigen Aschefilm. Sehr intensiv und brachial.

Hat man sich daran gewöhnt, treten wieder süßere Elemente hervor: Vanille und eine nun veränderte Zitrusnote, die weniger an Sorbet erinnert, sondern eher an eine Mischung aus Zitronensaft und leicht herben Zesten.

Trotz der 57,1 % lässt sich der Whisky hervorragend pur trinken. Der Alkohol wirkt zu keiner Zeit störend.

Mit Wasser verschiebt sich der Fokus: Die Pfefferschärfe tritt später auf, während Kräuter, Harz und aschige Rauchnoten stärker hervorgehoben werden.


Abgang
Leicht bitter geht es – begleitet von getrockneten Küchenkräutern, öliger Asche und sehr dunkler Schokolade – in ein lang anhaltendes Finish über. Eine markante Trockenheit sowie eine herbe Holznote bleiben am Gaumen zurück.


Fazit
Ein würdiger Vertreter des ursprünglichen, klaren Charakters eines intensiven Islay-Rauchers mit den klassischen Eigenschaften von Ardbeg. Die Direktheit und Geradlinigkeit dieser Abfüllung gefallen mir sehr gut.

Vor allem die Kombination aus kräftigem Ardbeg-Rauch und der Reifung in Bourbonfässern funktioniert für mich hervorragend. Ob der Corryvreckan als NAS die aktuell aufgerufenen Preise wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich persönlich würde ihn jedoch so mancher Committee-Abfüllung vorziehen, die oft deutlich teurer ist.

Freitag, 17. April 2026

Glen Ord 16y 2009 (James Eadie - JE)

 

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Dies ist mein allererster Glen Ord. Die 1836 gegründete Brennerei aus den Highlands gehört zum Diageo-Konzern. Die Originalabfüllungen erscheinen unter dem Markennamen Singleton of Glen Ord und sind fast ausschließlich für den asiatischen Markt bestimmt. In den Special Releases von Diageo tauchen zwar gelegentlich auch Glen Ords auf, allerdings zu meist sehr ambitionierten Preisen. Entsprechend überschaubar war bislang mein Interesse an dieser Konzernbrennerei.

Nach dem überzeugenden Longmorn aus der Serie „Distilleries of Great Britain and Ireland“ von James Eadie fiel mein Blick jedoch auf diesen 16 Jahre alten Glen Ord aus derselben Reihe. Da James Eadie offenbar ein gutes Händchen bei der Fassauswahl beweist, habe ich mich zum Kauf entschlossen.

Der 2009 destillierte Single Malt reifte vollständig in einem 1st Fill Bourbon Hogshead und ist auf 272 Flaschen limitiert. Abgefüllt wurde er mit 52,5 % vol., ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration.


Aussehen
Helles Bernstein


Nase
Der Whisky benötigt etwas Zeit im Glas und wirkt zunächst leicht verschlossen. Mit zunehmender Belüftung öffnet er sich jedoch deutlich und präsentiert eine reife, vielschichtige Aromatik.

Im Vordergrund steht eine intensive Vanillenote – fast so, als würde man eine frische Bourbon-Vanilleschote aufschneiden und das Mark herauskratzen. Dahinter folgen süßes Karamell und Nougat, begleitet von einer zunächst schwer greifbaren Fruchtigkeit. Diese entwickelt sich zu einem cremigen Eindruck von Birnen, Aprikosen und etwas Mango.

Im Hintergrund zeigen sich weitere, tiefere Schichten: Anklänge von gelagertem Heu und Kräutern, dazu Nüsse sowie trockenes, leicht staubiges Holz – ein robuster Unterbau. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und bringt eine frische, leicht minzige Note mit.

Mit Wasser verstärken sich Vanille und Frucht (nun klarer in Richtung Aprikosenkompott), während die trockenen, staubigen Noten etwas an Gewicht verlieren.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Antritt ist kompakt und kraftvoll, mit deutlich wahrnehmbarem Alkohol. Die 16 Jahre Reife würde man zunächst nicht vermuten – dafür wirkt der Whisky fast etwas stürmisch und deutlich weniger gelassen als in der Nase. Ein echtes Chamäleon. Die dominierende Vanille aus der Nase tritt zunächst in den Hintergrund. Stattdessen prägen würzige Fassnoten das Bild: getrocknete Gewürze, Ingwer und schwarzer Pfeffer. Am Zahnfleisch und an den Wangen baut sich eine zunehmende Trockenheit auf.

Ab der Mitte kehrt die Vanille zurück, begleitet von Nougat und einer angenehmen Süße. Dazu gesellen sich dezente Fruchtnoten – reife Birnen, Birnenschale und ein Hauch Rosinen.

Mit Wasser wird der Whisky zugänglicher: Vanille und Frucht treten stärker hervor, während die würzige, leicht scharfe Seite zurücktritt. Er wirkt runder und süffiger, verliert dabei jedoch etwas an Ecken und Kanten.


Abgang
Im Finish verbinden sich Vanille, Ingwer, Birnenschale, Rosinen und leicht bittere Eichenholznoten zu einer ausgewogenen, lang anhaltenden Komposition. Hier zeigt sich der Whisky deutlich gereifter und harmonischer als noch im ersten Eindruck am Gaumen.


Fazit
Meine zweite Abfüllung aus dieser Serie – und mein erster Glen Ord. Beide machen Lust auf mehr. Das ist kein Whisky für nebenbei. Er hat Charakter, ist eigenständig und weit entfernt von Beliebigkeit. Die Ex-Bourbon-Reifung passt hervorragend und unterstreicht die robuste, kernige Aromatik dieses „Highlanders“.

Bleibt zu hoffen, dass Diageo weiterhin Fässer an unabhängige Abfüller wie James Eadie abgibt – denn solche Abfüllungen zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial im Destillat steckt.

Mittwoch, 8. April 2026

Linkwood 13y William Wallace - Legends of Scotland (whic)

 

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Whic.de startet in Kooperation mit Signatory Vintage die neue Reihe „Legends of Scotland“, bei der Helden, Herrscher und Wendepunkte der schottischen Geschichte die Flaschenlabels zieren werden.

Die Abfüllungen mit 46 % Trinkstärke sollen das gesamte Spektrum der schottischen Single-Malt-Welt abdecken: von Ex-Bourbon über Sherry-, Port- und Weinfassreifungen bis hin zu rauchigen Varianten.

Den Auftakt der Serie macht William Wallace – ein dreizehn Jahre alter Linkwood Distillery aus dem Jahr 2012, der in zwei First-Fill-Bourbon-Barrels reifte und in 511 Flaschen abgefüllt wurde.


Aussehen
Sattes Goldgelb


Nase
Beim ersten Kennenlernen zeigt sich der Linkwood von seiner frischen, sehr zitruslastigen Seite, begleitet von einem leichten Anflug von Aceton. Dieser verflüchtigt sich jedoch bereits nach dem zweiten Hineinriechen nahezu vollständig.

Der anfänglich dominante Zitrusduft wird voller und gesetzter und entwickelt sich in Richtung Grapefruit und Pomelo. Danach treten weitere Früchte wie reife gelbe und grüne Äpfel, Birnen, Aprikosen sowie gelbe Ringlotten hervor und verbinden sich mit warmem Vanillekuchenteig zu einem sehr ansprechenden Geruchspotpourri.

Würzige Nuancen deuten auf den Einfluss des Eichenholzes hin. Insgesamt ist die Nase ein Paradebeispiel für eine Reifung im Ex-Bourbonfass. Und glücklicherweise lassen die beiden verwendeten Fässer dem Linkwood-Brand genügend Raum zur Entfaltung. Die 46 % Trinkstärke funktionieren hier hervorragend.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Vollmundig und für seine Trinkstärke überraschend kraftvoll präsentiert sich der erste Schluck. Zitronentarte mit cremig-süßer Textur trifft auf Honig, hell geröstete Getreideflocken sowie Birnen- und Apfelkompott. Die intensive Vanille, klar aus den Bourbonfässern stammend, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Geschmacksbild und umhüllt die anderen Aromen.

Im weiteren Verlauf folgt eine ausgleichende Ingwerschärfe, begleitet von einer Prise Zimt und etwas Holzwürze. Der Alkohol bringt zusätzlich frische, leicht mentholige Noten ins Spiel. Eine dezente, leicht „schmutzige“ Fassnote – in Richtung feiner Kohlestaub – ist ebenfalls wahrnehmbar.


Abgang
Die Süße, die Vanille sowie fruchtige Noten begleiten das mittellange Finish. Hinzu kommen leicht bittere Fassnoten. Gegen Ende wird es im Mundraum, insbesondere am Zahnfleisch, zunehmend trockener.


Fazit
Wie schon öfter in meinen Tasting Notes erwähnt, bin ich mittlerweile ein großer Fan von reinen Ex-Bourbonfass-Reifungen. Diese Abfüllung ist sowohl in der Nase als auch im Geschmack ein Paradebeispiel dafür: viel Vanille, Obst und Getreide- bzw. Kuchenteignoten, ergänzt durch eine angenehme Würze und eine leicht prickelnde Schärfe als Kontrapunkt.

Wer sich hier eine Flasche zum aufgerufenen Preis sichern konnte, hat einen wunderbaren Sommerwhisky erwischt, der am Balkon oder auf der Terrasse eine richtig gute Figur im Glas macht.

Donnerstag, 2. April 2026

Woodford Reserve Master’s Collection No. 16

 

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Die Grundidee der 2006 von Chris Morris ins Leben gerufenen Serie war es, eine Spielwiese zu schaffen, auf der Dinge ausprobiert werden können, die im Standardsortiment nicht umsetzbar wären. So wurden über die Jahre unterschiedliche Mashbill-Rezepte, spezielle Fassarten (Madeira, Port etc.), variierende Toasting- und Charring-Levels der Fässer sowie auch historische Produktionsmethoden und Stilrichtungen wieder aufgegriffen.

Die Abfüllung No. 16, die ich diese Woche verkoste, trägt den Namen “Very Fine Rare Bourbon” und ist im Kern ein High-Age-Blend-Experiment. Dabei wurden – für amerikanischen Whiskey – sehr alte mit jüngeren Fässern vermählt. Die ältesten Bestandteile sind bis zu 17 Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit von Chris Morris.

Für Woodford Reserve sind das fast schon biblische Dimensionen, wenn man bedenkt, dass die Standardabfüllungen der Brennerei üblicherweise bei etwa sechs bis acht Jahren Reife liegen. Ziel war es, eine klassische, „alte“ Bourbon-Charakteristik zu zeigen – eher traditionell und weniger in die aktuell oft holzlastige Richtung gehend. In diesem Zusammenhang wurde der Alkoholgehalt bewusst auf 45,2 % eingestellt.


Aussehen
Dunkles Kupfergold


Nase
Die knapp 45 % sind in der Nase de facto nicht zu spüren. Sehr weich und rund präsentiert sich dieser Bourbon, der von Minute zu Minute mehr zu einem echten Schmeichler wird.

Beim ersten Reinriechen zeigt sich eine Note, die viele vermutlich als typische Kleber- bzw. Lösungsmittelassoziation bei Bourbon interpretieren würden – ich nehme sie jedoch eher als intensiven, aromatischen Zimt wahr.

Dahinter folgen frisches Popcorn mit Butter, Karamell sowie würzige Aspekte aus dem Roggenanteil der Mashbill, die sich vor allem in brotigen und frischen Minznoten äußern.

Der Holzeinfluss ist natürlich präsent – insbesondere durch Zimt, ergänzt von Bitterschokolade, Muskatnuss und Vanille. Von einer bei älteren Bourbons nicht selten auftretenden „Eichenkeule“ mit übertriebener Bitterkeit ist man hier jedoch meilenweit entfernt.

Insgesamt wirkt die Nase sehr homogen, weich und dennoch dicht und ausdrucksstark.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Auch im Mund zeigt sich der Bourbon rund und weich – fast schon etwas zu leicht auf der Zunge. Ein paar Volumenprozente mehr hätten dem Mundgefühl möglicherweise gutgetan. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau.

Der Antritt ist deutlich würzig mit Zimt, Muskatnuss und Gewürznelken, bevor der Whisky rasch in süßere Gefilde übergeht: Karamell, Kirschmarmelade und Vollmilchschokolade mit einem Hauch Minze – fast so, als hätte man ein Schokobonbon mit Kirsch-Minze-Füllung im Mund.

Im Mittelteil tritt der Roggenanteil stärker hervor. Neben der Minze zeigt sich hier zunehmend die typische, leicht pfeffrige Würzigkeit, die man von Rye kennt.

Mit jedem weiteren Schluck gewöhnt man sich an die anfängliche Leichtigkeit. Die Aromen wirken zunehmend dichter und intensiver. Der Woodford bleibt dabei stets ein Gentleman – ausgewogen, kontrolliert und mit einer Eleganz, die die Einbindung älterer Fässer glaubhaft unterstreicht.


Abgang
Im Finish bleiben vor allem die minzigen Noten, kombiniert mit Kirsche und Zimt, länger präsent. Eine leichte Holzbitterkeit klingt ebenso nach wie Vanille und dunkle Schokolade.


Fazit
Im Vergleich zum Double Oaked – den Preis einmal komplett ausgeblendet – gefällt mir diese Limited Edition deutlich besser. Die Nase ist eine äußerst feine Angelegenheit, mit der man sich lange beschäftigen kann und immer wieder neue Nuancen entdeckt.

Im Geschmack war er mir anfangs etwas zu leicht, was das Mundgefühl betrifft. Dieser Eindruck relativiert sich jedoch mit den weiteren Schlucken. Die Aromen sind insgesamt sehr ausgewogen. Neben den klassischen Bourbonnoten gefällt mir als Rye-Fan besonders, dass der Roggenanteil klar zur Geltung kommt.

Bezieht man allerdings den Preis mit ein, muss man sagen: Die rund € 120,- sind ambitioniert. Etwa € 80,- wären aus meiner Sicht angemessener.

Unterm Strich bleibt aber ein wirklich guter, eleganter Bourbon.

Dienstag, 10. März 2026

Aberargie Inaugural Release

 

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Die Aberargie Distillery begann im Herbst 2017 mit der Produktion. Die nur wenige Kilometer südlich der Grenze zwischen Highlands und Lowlands gelegene Anlage ist technisch gesehen eine Lowland-Brennerei und wurde von der Morrison-Familie gegründet.

Die Familiengeschichte der Morrisons ist seit Generationen eng mit dem schottischen Single Malt verknüpft. So gehörten im Laufe der Zeit Brennereien wie Bowmore, Auchentoshan und Glen Garioch zum Familienunternehmen. Nach dem Verkauf im Jahr 1994 an Suntory gründete die Familie gemeinsam mit den Mackays den unabhängigen Abfüller Morrison Scotch Whisky Distillers. Bekannte Marken daraus sind unter anderem Mac-Talla, Old Perth und Càrn Mòr.

Es braucht schon einen langen Atem und ein gut gefülltes Portemonnaie, wenn man für ein Inaugural Release – also die erste Abfüllung einer Brennerei – über acht Jahre warten kann. Die Farm-Brennerei nutzt rund 120 Hektar umliegender Felder, auf denen die beiden Gerstensorten Golden Promise und Laureate angebaut werden, die vollständig für die eigene Whiskyproduktion verwendet werden.

Vor allem die erstgenannte Sorte ist eng mit der bewusst gewählten Philosophie der Brennerei verknüpft: Die Gerste soll der zentrale Geschmackstreiber sein und nicht die verwendeten Fässer. Diese sollen lediglich die Getreidearomen unterstützen und den Brand nicht dominieren. Laut Brennerei verleiht die Golden-Promise-Gerste dem Rohbrand eine ölige Textur sowie mehr Malzigkeit, Tiefe und Körper.

Nun ist im März 2026 mit dem Inaugural Release die allererste Abfüllung von Aberargie erschienen. Die Maische besteht aus 52 % Golden Promise und 48 % Laureate. Für die Reifung wurden zu gleichen Teilen First-Fill-Bourbon- und First-Fill-Sherryfässer verwendet. Die Alkoholstärke beträgt 48,2 %.

Das Alter liegt bei mindestens acht Jahren. Diese Information steht zwar weder auf dem Flaschenlabel noch auf der Umverpackung, wurde jedoch in der Pressemitteilung der Brennerei sowie vom Importeur genannt. Wenn es nach Ralfy geht, gilt allerdings nur das, was tatsächlich auf dem Etikett steht.

Die Aberargie Distillery liegt zwar geografisch in den Lowlands, produziert jedoch stilistisch einen Highland Malt.
Fotocredit: www.aberargie.com; Morrison Scotch Whisky Distillers 


Aussehen
Helles Bernstein mit sattem Orangeton


Nase
Es ist eine sehr volle, ausdrucksstarke Nase. Geruchstechnisch ist hier bereits einiges geboten – eine positive Überraschung für eine erste Abfüllung einer so jungen Brennerei.

Zuallererst begegnet mir auf meiner olfaktorischen Reise ein mit Rosinen, Aprikosen und weichem Nougat angereichertes cremiges Porridge. Vielleicht liegt es an der Kombination der beiden Gerstensorten, aber die Getreidearomen sind für mich im Geruch bereits sehr prägend – allerdings auf eine interessante Weise.

Knackig-kerniges Knuspermüsli auf der einen Seite und weicher, cremiger Haferflockenbrei auf der anderen sorgen für eine Kombination, die Spaß macht. Milchschokolade mit Nüssen und eingekochtes Pflaumenkompott zeugen vom Einfluss der Sherryfässer. Die Bourbonfässer bringen sich vor allem durch eine Vanillenote ein.

Die gewählte Alkoholstärke funktioniert perfekt – kein Stechen oder unangenehme Alkoholnoten. Überhaupt sind in der Nase keine hervorspringenden jugendlichen Merkmale zu erkennen. Im Gegenteil: Der Geruch wirkt fein abgestimmt, gesetzt und harmonisch.


Geschmack
Erster Schluck: Cremiger Vanillepudding trifft auf Aprikosenmarmelade, geschmolzene Milchschokolade mit gerösteten Haselnüssen und crunchy Knuspermüsli mit Rosinen.

Ein leichtes Kribbeln auf der Zungenspitze und am Zahnfleisch, begleitet von einem anregenden Speichelfluss und einer dezenten pfeffrigen Schärfe, folgt den ersten Geschmackseindrücken. Danach zeigen sich Vanille, getrocknete Datteln und eine halbgetrocknete Pflaume.

Nach dem zweiten Schluck wird der Eindruck der weichen, cremigen Milchschokolade gemeinsam mit Marillenmarmelade und Rosinen weiter prägend. Nun kommt auch etwas Holzwürze hinzu, die sich mit der Pfeffernote verbindet. Auch im Geschmack ist der Alkohol sehr gut integriert.

Fotocredit: whiskybase.com

Abgang
Der erste Eindruck ist – vermutlich der Jugend geschuldet – relativ rasch beendet. Neben einer süßen Rosinennote bleibt vor allem eine dezente Bitterkeit etwas länger bestehen.

Mit weiteren Schlucken gesellen sich zu den bereits genannten Eindrücken auch etwas Vanille, mehr Rosinen und eine würzige Eichenholznote hinzu.


Fazit
Eine sehr stimmige erste Abfüllung von Aberargie! Sie ist ausgesprochen süffig und bestätigt den kolportierten Hausstil, bei dem das Getreide im Mittelpunkt stehen soll.

Vor allem in der Nase gefällt mir der Schwerpunkt auf Malzigkeit, Getreidenoten und Cremigkeit sehr gut. Auch die durchgehende Milchschokoladennote passt hervorragend und regt zum wiederholten Probieren an.

Dass die Fässer lediglich unterstützen und nicht dominieren sollen, ist hier ebenfalls gut gelungen. Die gewählte Fasskombination lässt genügend Raum für den eigentlichen Whisky.

Man darf also durchaus gespannt sein, was in naher Zukunft von dieser jungen Brennerei noch so auf den Markt kommen wird. Wie zu lesen war, sollen in den nächsten 18 Monaten zunächst weitere limitierte Abfüllungen erscheinen, die den Whiskyfreunden Philosophie und Hausstil der Brennerei noch näherbringen sollen. Danach sollen die ersten Flaschen einer dauerhaften Core Range folgen.

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