Whiskybase
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Glengyle, aus deren Brennblasen die Kilkerran-Abfüllungen stammen, wird gemeinsam mit Springbank von derselben Brennereimannschaft betrieben. Üblicherweise zieht die Crew ab Herbst bis zur Weihnachtspause – also rund drei Monate im Jahr – keine 500 Meter weiter von Springbank zur 2004 wiedereröffneten Schwesternbrennerei und setzt dort die Produktion fort.
Die Abfüllungen von Springbank boomen nach wie vor, auch wenn sie meiner Meinung nach in den vergangenen eineinhalb Jahren hinsichtlich Alter und Qualität etwas nachgelassen haben. Neue Veröffentlichungen sind meist innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Etwas entspannter gestaltet sich die Situation bei den Kilkerran Single Malts. Auch sie erfreuen sich wachsender Beliebtheit, dennoch hat man hier meist noch ausreichend Zeit, sich eine Flasche der gewünschten Abfüllung zu sichern.
Für mich persönlich können die Kilkerran-Abfüllungen qualitativ problemlos mit Springbank mithalten. Sowohl der zwölfjährige Standard, der sechzehnjährige als auch die großartigen achtjährigen Abfüllungen – egal ob aus Sherry- oder Bourbonfässern – gehören für mich zu den spannendsten Whiskys aus Campbeltown.
Von der Heavily Peated-Reihe hatte ich im Laufe der Jahre bereits einige Batches im Glas, Tasting Notes dazu fehlten bislang allerdings. Das möchte ich nun mit Batch 6 nachholen. Glengyle veröffentlicht jährlich zwei Batches; inzwischen ist bereits Batch 14 erschienen. Während Kilkerran normalerweise nur leicht getorft ist, kommt für die Heavily Peated-Serie Gerste mit rund 45 ppm Phenolgehalt zum Einsatz. Die Fasszusammensetzung variiert von Batch zu Batch leicht, wobei Ex-Bourbonfässer stets den größten Anteil ausmachen. Bei Batch 6 erfolgte die Reifung zu 75 % in Bourbon- und zu 25 % in Sherryfässern. Abgefüllt wurde er mit kräftigen 57,4 % Vol.
Aussehen
Dunkler Goldton mit einem zarten Einschlag von Orange.
Nase
Zu Beginn steigt ein aromatischer, keineswegs übermäßig kräftiger Rauch aus dem Glas auf, der überraschend fruchtig und süß wirkt. Saftige, leicht geräucherte Pfirsiche liegen bildlich gesprochen auf einer Schicht frischer Erde mit einem dezenten Muff und einer angenehm schmutzigen Note. Darunter scheint felsiger Untergrund durch und verleiht dem Ganzen eine feine Mineralität. Der typische Campbeltown-Funk ist bereits vorhanden, bleibt jedoch deutlich dezenter als beispielsweise bei vielen Springbank-Abfüllungen.
Harzige Aromen sorgen beinahe für Urlaubsstimmung und lassen mich kurz an einen griechischen Retsina denken. Dazu entwickelt sich eine feine Säure, die an gegrillte Ananas erinnert. Diese Kombination funktioniert ausgesprochen gut und macht vom ersten Moment an Lust auf den ersten Schluck.
Der hohe Alkoholgehalt ist hervorragend eingebunden. Er wirkt nie scharf oder störend, sondern sorgt vielmehr immer wieder für einen angenehm frischen Impuls.
Ein wahres Komplexitätsmonster ist die Nase zwar nicht, dafür überzeugt sie mit einer ausgezeichneten Balance. Besonders gefällt mir, dass der Rauch seinem Namen „Heavily Peated“ zum Trotz nie dominant wirkt, sondern sich harmonisch mit der Fruchtigkeit und Süße verbindet.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Der erste Schluck beginnt mit einer angenehmen Ingwerschärfe. Keine pfeffrige Chili-Schärfe wie etwa bei Talisker, sondern eine warme, aromatische Würze, die rasch wieder verschwindet. Danach übernehmen moderater Rauch und würziger Torf das Kommando und präsentieren sich deutlich kräftiger, als es die süß-fruchtige Nase zunächst vermuten ließ.
Eine feine Mineralität, der leicht schmutzige Campbeltown-Funk und eine Handvoll getrockneter Küchenkräuter prägen nun das Geschmacksbild.
Mit dem zweiten Schluck gewinnt der Whisky spürbar an Süße. Gegrillte Ananas und aufgeschnittene Pfirsichhälften treten wieder in den Vordergrund, begleitet von weichem Karamell. Tatsächlich scheint der Whisky mit jedem weiteren Schluck noch etwas süßer zu werden.
Der Alkohol bleibt jederzeit präsent und kraftvoll, wirkt dabei aber niemals störend oder überfordernd.
Abgang
Das Finale fällt mittellang aus. Neben dezentem Rauch und angenehmem Torf bleiben vor allem die gegrillten Früchte und weiches Karamell noch eine Weile am Gaumen haften. Auch die Kräuterwürze und die mineralischen Noten begleiten den Nachhall bis zum Schluss.
Fazit
Versuchsweise habe ich dem Whisky einige wenige Tropfen Wasser spendiert. Für meinen Geschmack benötigt Batch 6 trotz seiner 57,4 % Vol. jedoch keine Verdünnung. Bereits pur präsentiert er sich erstaunlich ausgewogen und zugänglich.
Wie bereits erwähnt, ist der Heavily Peated Batch 6 kein Komplexitätsmonster. Was er allerdings bietet, funktioniert ausgezeichnet. Besonders gefällt mir, dass er trotz seines Namens kein übermäßig rauchiger „Stinker“ ist. Stattdessen verbindet sich der Rauch auf sehr harmonische Weise mit der Fruchtigkeit, der Süße und der leicht schmutzigen Campbeltown-Charakteristik.
Gerade diese überraschend ausgeprägte Fruchtigkeit – sowohl in der Nase als auch am Gaumen – macht ihn für mich besonders spannend. Gemeinsam mit dem dezenten Rauch ergibt sich ein äußerst stimmiges Gesamtbild.
Ich kann nur sagen: Batch 6 hat auf ganzer Linie abgeliefert. Da ich mittlerweile auch einige der nachfolgenden Batches gemeinsam mit meinen Whiskykollegen verkosten konnte, weiß ich, dass Glengyle das hohe Niveau der Serie auch in den späteren Veröffentlichungen eindrucksvoll bestätigt hat.













