Mittwoch, 3. Juni 2026

Ballechin 18y Batch 1

 

Whiskybase

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Die Abfüllungen von Edradour, sowohl deren nichtrauchige als auch ihre stark rauchigen Varianten mit der Bezeichnung Ballechin, sind immer gern gesehene Gäste in meinem Whiskyglas. Bislang hatte ich fast immer eher intensive Weinfassreifungen dieser kleinen Brennerei aus den Highlands im Glas. Eine Ausnahme war die zehnjährige Standardabfüllung von Ballechin, die eigentlich in Ex-Bourbon- und Sherryfässern gereift ist, bei der ich jedoch fast ausschließlich klassische Ex-Bourbon-Aromen wahrnahm, gepaart mit den für Ballechin typischen, leicht schmutzigen, nach Heu und Kuhstall duftenden Rauchnoten.

Umso mehr war ich auf das Sample des ersten Batches des Ballechin 18y gespannt. Diese regelmäßig wiederkehrende Small-Batch-Abfüllung in Fassstärke reift ausschließlich in First-Fill- und Second-Fill-Bourbon-Barrels. Dieses Batch wurde 2004 gebrannt und im April 2023 abgefüllt. Ohne zusätzliche Farbgebung und Kühlfiltration wanderte der Whisky mit 50,9 % Alkoholstärke in die Flaschen. Für eine Fassstärke sind 50,9 % eigentlich nicht besonders viel, selbst wenn man die 18 Jahre Reifezeit berücksichtigt. Vor allem wenn man bedenkt, dass das zweite Batch bereits ein Jahr später mit 57,8 % abgefüllt wurde. Es wäre interessant zu erfahren, wie es zu diesem für eine Fassstärke doch recht niedrigen Alkohollevel kam.


Aussehen
Sattes Gelbgold


Nase
Sehr dichte, schwere Rauchschwaden begrüßen mich aus dem Glas. Zuerst stark an Holzrauch und die Asche eines heruntergebrannten Lagerfeuers erinnernd, zeigen sich nach einigen Momenten auch phenolische Noten, die leicht ins Medizinische abdriften und an Heftpflaster sowie Krankenhausflair erinnern. Ich erkenne in ihm auch den deutlich älteren Bruder des 10y. Ich hatte damals beim 10y, obwohl bei ihm auch Sherryfässer beteiligt gewesen sein sollen, fast ausschließlich Ex-Bourbonfass-Aromen im Rauch wahrgenommen. Ebenso eine gewisse „nasses Heu oder auch schon Kuhstall“-Attitüde, verbunden mit einer deutlichen Süße und viel Vanille.

Und genau diese Assoziationen, nur nun weitaus reifer und ausgewogener, habe ich auch beim 18jährigen. Zusammen mit einer gewissen Schmutzigkeit, die sich mit dem Rauch verbindet, welcher sich immer stärker mit süßer Vanillecreme vermählt. Hinter dem Rauch erkenne ich als Fruchtnoten kühlendes Zitronensorbet, saftige Ananasstücke sowie geschälte Banane. Leicht zwischen den Fingern zerriebene Küchenkräuter sowie eine dem Alter angemessene Holzwürze runden das Aroma ab. Der Alkohol ist sehr gut mit den Aromen verwoben. Eine wirklich feine, homogene und gesetzte rauchige Bourbonnase.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Wie in der Nase gibt auch im Mund der Rauch von Beginn an den Ton an. Sehr dick, ölig und fast schon klebrig präsentiert sich der volljährige Ballechin zunächst. Vor allem warme Asche mit einem Hauch von Phenolik breitet sich im gesamten Mundraum aus. Ein echtes Rauchkraftwerk. Hinter beziehungsweise unter der Rauchdecke findet sich eine süße Vanillesauce, die über Limetten-Minz-Sorbet gegossen wurde. Die zerriebenen Küchenkräuter aus der Nase haben nun eine deutliche Spur von Räucheraromen angenommen. Mit fortschreitender Verkostung werden Gaumen, Zahnfleisch, Zunge und Wangeninnenseiten immer trockener. Dies ist eher dem Rauch als der Alkoholstärke geschuldet. Überhaupt ist der Alkohol, wie schon in der Nase, sehr gut integriert. Gegen Ende, bereits in Richtung Abgang gehend, kommen noch einige bittere Noten hinzu, die an Kochschokolade oder ungesüßtes Kakaopulver erinnern.


Abgang
Zum Finale ist natürlich der Rauch immer noch sehr präsent. Nun erkenne ich wieder die leicht schmutzige, an Gummi erinnernde Aromatik. Daneben zeigt sich weiterhin eine leicht herbe Bitterkeit. Dank des aschigen Rauchs bleibt der Whisky am Gaumen und im Rachen lange als öliger Film haften.


Fazit
Man nimmt dem Whisky seine Reifezeit von 18 Jahren absolut ab. Obwohl er mit kräftigen, robusten Aromen glänzt, wirken diese zu jeder Zeit harmonisch und gesetzt. Der Rauch hat während der 18 Jahre Reifezeit nichts von seiner Kraft und Intensität verloren. Ein schönes Wechselspiel zwischen dem starken Rauch und den reifen Ex-Bourbonnoten. Wem der spezielle Charakter von Ballechin mundet, sollte diese Abfüllung zumindest einmal gekostet haben.

Dienstag, 26. Mai 2026

Allt-a-Bhainne 25y - Old Gods Thor‘s Trials I (whic)

 

Whiskybase

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Mit Thor's Trials startet whic.de einen neuen dreiteiligen Abschnitt in ihrer Old Gods Serie in Kooperation mit Signatory Vintage. Für die Abfüllung zur ersten Prüfung „Drinking the Sea“ wurde ein 25-jähriger Speysider aus der Brennerei Allt-a-Bhainne Distillery aus dem Jahr 2000 ausgewählt.

Die kolportierte Fassreifung ist interessant. Laut den Informationen am Etikett reifte der Whisky in einem Teil des Sherry Butts #4. Immerhin gingen sich 298 Flaschen aus diesem Fassanteil aus. Die Teilung eines Fasses ist dabei nichts Ungewöhnliches. Viel mehr interessierte mich – vor allem aufgrund der extrem dunklen Farbe –, ob es sich hier um eine Sherryvollreifung handelt.

Und hier wird es spannend. Es gibt bei Whiskybase von Signatory Vintage einige Abfüllungen aus der Cask Strength Collection in der berühmt-berüchtigten Vasenflasche mit demselben Destillationsdatum (26.07.2000). Jede dieser Abfüllungen ist jünger im Alter – zwischen 20 und 23 Jahren –, die Fassnummern liegen zwischen 3 und 12. Bis auf eine Abfüllung für La Maison du Whisky findet man bei allen anderen den Hinweis, dass nach der eigentlichen Reifung im Hogshead ein Finish unterschiedlicher Dauer – zwischen sechs und 27 Monaten – in einem Sherry Cask stattfand.

Ich vermute daher, dass Signatory die Nachreifung in den Sherryfässern selbst vornahm – eine Methode, die bei SV nicht unüblich ist. Was man aus den Daten nachrechnen kann: Alle Whiskys wurden im August 2020 in Sherryfässer umgefüllt.

Alle Abfüllungen von Signatory Vintage wurden am 26.07.2000 abgefüllt und bekamen im August 2020 ein Finish in Sherry Casks. Bei der Old Gods-Abfüllung von whic.de ist so eine Umfüllung von einem Hogshead in ein Sherry Cask nicht bekannt - wäre aber plausibel. 
Screenshot: whisky.de

Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, ob dies auch bei unserer Abfüllung hier passiert ist, bevor sie von beziehungsweise für whic.de abgefüllt wurde. Wenn dem so ist – es sich also nicht um eine Vollreifung handelt –, dann lag der Whisky für rund fünfeinhalb Jahre im Sherryfass.

Rechtlich ist hier alles komplett in Ordnung. Es gibt keine rechtliche Vorgabe seitens der Scotch Whisky Association, wie lange ein Whisky in einem anderen Fass liegen muss, bevor man diese letzte Fassreifung auf das Label drucken darf.

Aber diese detektivische Suche soll nicht von der eigentlichen Flasche ablenken. Essentiell ist immer, was letztlich im Glas steckt und ob es schmeckt.

Ach ja, bevor ich es vergesse: Die Fassstärke beträgt 52,4 %, auf Färbung und Kühlfiltration wurde verzichtet.


Aussehen
Dunkles Nussbraun – fast wie Nussschnaps.


Nase
Der Whisky begrüßt mich sogleich mit intensiven Balsamico-Noten. Allerdings weniger in Richtung Essig, sondern vielmehr wie eine reduzierte Balsamico-Creme: dickflüssig und komprimiert in ihren Aromen. Dicht darauf folgen wunderbare, volle und schwere Sherryaromen – karamellisierte Rosinen, weiche Datteln und Feigen, flüssige Milchschokolade mit Haselnüssen sowie leicht angebrannter Zucker oberhalb einer Crème brûlée. Dazu kommen Orangenschalen, die leicht geknickt wurden, damit sich deren ätherische Öle entfalten.

Hin und wieder rührt ein leichtes Prickeln in der Nase vom höheren Alkoholgehalt her. Ansonsten ist der Alkohol jedoch nicht nur nicht störend – er begleitet die Aromen regelrecht und formt sie zu einem harmonischen Ganzen. Überhaupt wirkt der Geruch extrem ruhig. Es klingt komisch, aber dieser Whisky beruhigt einen beinahe, wenn man an ihm riecht.

Mit etwas Zeit im Glas entfaltet sich der Malt immer weiter. Würzige Duftnoten wie Gewürznelken, Zimt und Muskat verbinden sich mit dichter werdendem Holzeinfluss. Es ist definitiv ein moderner Sherry Malt von seinem Grundcharakter her. Im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Abfüllungen wirkt der Sherry hier jedoch nicht aufgesetzt oder inhomogen mit dem Whisky selbst verbunden.


Geschmack
Der Genuss aus der Nase setzt sich nahtlos am Gaumen fort. Mit einem sehr cremigen und weichen Mundgefühl, gleichzeitig aber einem vollen und durchaus maskulinen Auftreten, eröffnet der Whisky mit einer überraschend intensiven Süße nach Nougat und Honig, die ich anhand des Geruchs so nicht erwartet hätte.

Die Milchschokolade erhält rasch Unterstützung durch in Rum eingelegte Rosinen, während Datteln und Feigen für einen fruchtig-süßen Einschlag sorgen. Ein leichtes Prickeln an den Innenseiten der Wangen sorgt für intensiven Speichelfluss. Danach tauchen Pflaumenmus und Erdbeermarmelade gemeinsam auf. Haselnüsse, Zimt, Leder und getrockneter Pfeifentabak zeigen sich zunehmend, wenn sich der Whisky in Richtung Abgang bewegt.

Der Alkohol ist dabei überhaupt nicht zu spüren – hervorragend integriert. Auch geschmacklich ist dies eine kraftvolle Sherrybombe moderner Machart, jedoch mit bemerkenswerter Gediegenheit und Harmonie.

Fotocredit: whic.de


Abgang
Die Rosinen bleiben gemeinsam mit Pflaumenmus beziehungsweise Pflaumenröster und Erdbeermarmelade weiterhin deutlich im Vordergrund. Die Milchschokolade aus Nase und Geschmack wandelt sich nun langsam in dunklere Schokolade mit höherem Kakaoanteil, ohne dabei bitter zu wirken.

Auch die Leder- und Tabakassoziationen bleiben lange am Gaumen und im Rachen haften. Überhaupt hält das aromatische Endspiel noch erstaunlich lange an.


Fazit
Dies ist eine Essenz eines modernen Sherrywhiskys. Die Aromen wirken voluminös und dicht, der Alkohol ist hervorragend integriert. Hier kam definitiv ein sehr gutes Fass für die wahrscheinliche Nachreifung zum Einsatz.

Obwohl der Whisky sehr harmonisch und ausgewogen wirkt, besitzt er dennoch Komplexität und verleitet einen dazu, sich vollständig auf ihn zu konzentrieren. Das hat fast schon etwas Yogaartiges und Beruhigendes.

Natürlich sind die aufgerufenen € 250,- für Whisky beziehungsweise generell für eine Spirituose sehr viel Geld und absoluter Luxus. Gleichzeitig genügt hier bereits ein einziges Glas, um damit durch einen ganzen Abend zu kommen und zahlreiche intensive Genussmomente zu erleben.

Man muss allerdings aufpassen, nicht ständig nachzuschenken, denn man möchte permanent weiter daran riechen und nippen.

PS: Pur ist er bereits ein Genuss. Gibt man jedoch vorsichtig nur einen einzigen Tropfen Wasser hinzu, wird der Whisky sogar noch etwas besser. Aber wirklich nur einen Tropfen!

Donnerstag, 21. Mai 2026

The Campbeltown Connection 10y

 

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Der schottische unabhängige Abfüller North Star Spirits aus Glasgow bringt unter seiner noch relativ neuen Connection-Serie Blended Malts auf den Markt, die jeweils eine der schottischen Whiskyregionen widerspiegeln. So sind neben Islay und den Highlands bislang auch die Campbeltown Connection erschienen.

Bei diesem Blended Malt mit der Altersangabe von 10 Jahren sollen laut offizieller Webseite Malts von Springbank, Glen Scotia und „anderen Campbeltown Malts“ im Vatting enthalten sein. Neben Springbank und Glen Scotia gibt es eigentlich nur noch Kilkerran. Im Internet findet man bei diversen Quellen die Information – oder besser gesagt das Gerücht –, dass in dem Blend Anteile von sehr altem Springbank aus den 1994er-Jahren sowie 25 Jahre alter Glen Scotia enthalten sein sollen. Dies wurde von NSS offiziell jedoch nie bestätigt.

Wie in Schottland gesetzlich vorgesehen, gilt für die Altersangabe immer der jüngste Bestandteil eines Whiskys. In diesem Fall haben wir es mit 10 Jahren zu tun. Die Reifung erfolgte in First-Fill- und Refill-Hogsheads. Insgesamt wurden 1.500 Flaschen ohne Kühlfiltration mit 50,7 % abgefüllt.


Aussehen
Helles Gelbgold


Nase
Eine leichte Rauchfahne weht aus dem Glas. Der Rauch wirkt eher mineralisch und weniger wie Holzkohle oder brennende Holzscheite. Er passt jedoch gut zu der zarten maritimen Note, die dieser Blended Malt anfänglich ausstrahlt. Hinter dem Rauch beziehungsweise ihn sehr schnell überlagernd liegen Aromen von Zitrusfrüchten, allen voran Zitrone und roter Grapefruit.

Was mir besonders gut gefällt, ist dieses mittel angebräunte Karamell mit der Vanille als Kopfstimme im Geruchsprofil. Leicht schmutzig, angekohlt und gleichzeitig kombiniert mit warmem Vanillepudding.

Der Alkohol könnte eine Spur besser eingebunden sein. Immer wieder kitzelt beim Riechen eine kleine Alkoholspitze leicht in der Nase. Das stört allerdings nicht so stark, dass man den Geruch nicht absolut genießen könnte. Der Whisky ist zwar kein Komplexitätsmonster mit verborgenen Schichten und Nuancen – die Aromen liegen mehr oder weniger offen vor einem –, harmonieren jedoch sehr schön miteinander und bringen einen angenehmen Campbeltown Funk mit.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund beißt der Alkohol anfänglich doch etwas stärker zu, als der Geruch vermuten ließ. Mit der erwähnten Alkoholschärfe verbindet sich jedoch eine Süße, die ich so nicht erwartet hätte. Hinter der Pfeffernote zeigen sich außerdem Vanillecreme und mittlerweile eher tropische Fruchteinflüsse. Das Mundgefühl an sich ist kräftig und von öliger Textur geprägt.

Ich versuche ihn nun dennoch direkt mit etwas Wasser, da ich vermute beziehungsweise hoffe, dass dadurch die Schärfe in den Hintergrund tritt und mehr Aromen freigegeben werden.

Und ja, ein paar Tropfen Wasser stehen ihm gut. Die anfänglich dominierende Schärfe weicht einer angenehmen Würzigkeit mit leichtem Holzeinfluss, gepaart mit einem nun noch deutlicheren Vanilleeinschlag. Die zuvor sehr stark empfundene Süße ist mit Wasser ebenfalls etwas abgemildert, aber weiterhin präsent. Fruchtseitig kommen nun zusätzlich Erdbeermarmelade beziehungsweise Erdbeersauce hinzu.


Abgang
Der Abgang fällt eher mittellang aus. Würzige Noten mit Vanille, etwas Erdbeerkompott und ein Hauch Minze kombinieren sich zu einem angenehmen Finale, bei dem ich ganz zum Schluss nochmals etwas Rauch bemerke.


Fazit
Der für mein Empfinden etwas zu aggressive Alkohol stört den Genuss ein wenig. Mit Wasser wird der Whisky jedoch deutlich angenehmer und zugleich süffiger. Wer gerne mit ein paar Tropfen Wasser experimentiert, bekommt hier einen sommerlichen Whisky mit vorwiegend Bourbonfassreifung und einem schönen Kick Campbeltown-Flair.

Ich persönlich würde dennoch eher zu einem Springbank 10y oder einem Kilkerran 12y tendieren.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Smooth Ambler Old Scout - Straight Rye 7y Batch 61

 

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Smooth Ambler liegt in Maxwelton im Greenbrier County in West Virginia, USA. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet und startete ursprünglich als Craft Distillery, verwendete jedoch gleichzeitig für die Old-Scout-Abfüllungen bei Bourbon und Rye gesourcten, also zugekauften Whiskey.

Vor einigen Monaten bekam ich bei einer Krüger-Whiskyauktion den Zuschlag für diese Old-Scout-Rye-Abfüllung. Die Flasche stammt aus dem Jahr 2015 und ist sieben Jahre alt. Der Rye-Whiskey kommt von der MGP-Großbrennerei aus Lawrenceburg in Indiana und basiert auf deren bekannter 95er Rye-Mashbill – also 95% Roggen und 5% gemälzte Gerste. Diese Mashbill von MGP findet man bei zahlreichen amerikanischen Marken wie beispielsweise Bulleit, George Dickel, Templeton, Redemption, Angel’s Envy oder auch James E. Pepper 1776.

Die ältere Abfüllung besitzt 99 Proof beziehungsweise 49,5% Alkoholstärke und soll nicht kühlfiltriert sein – eine Information, die ich zwar im Internet, jedoch nicht direkt auf der Flasche selbst gefunden habe.


Aussehen
Bernstein


Nase
Der Geruch kann die High Mashbill mit ihren 95% Roggen definitiv nicht verleugnen. Eine klassische Rye-Nase mit dominierenden Aromen von Minze, dunklem Brot, Kräutern, Kandiszucker und Kirschbonbons. Neben Vanille liegt eine ordentliche Portion Holzwürze im Hintergrund.

Die sieben Jahre im Fass haben die Aromen schön zusammengeführt und zu einem harmonischen Gesamtbild werden lassen. Es macht richtig Spaß, am Glas zu riechen. Vor allem die Kombination aus frischen Eukalyptusnoten und den süß-fruchtigen Kirsch-/Vanille-Zuckerln gefällt mir ausgesprochen gut.

Auch die Alkoholstärke ist gut gewählt. Kein unangenehmes Stechen oder Prickeln in der Nase, gleichzeitig aber genügend Kraft und Volumen, damit der Rye nicht zu brav wirkt.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Schönes, volles und cremiges Mundgefühl, gefolgt von einer deutlichen Süße, die ich nach der Nase so nicht erwartet hätte. Direkt darauf folgen frische, leicht scharfwürzige Noten von Pfefferminze und Roggen.

Die Süße des braunen Kandiszuckers hält nicht allzu lange an, bekommt jedoch Unterstützung durch Vanille und reife Kirschen. Ab dem Mittelteil dominieren zunehmend die Minze sowie eine kräftige Würze des Eichenfasses. Dazu gesellen sich noch ein paar leicht bittere Töne. Am vorderen Zahnfleisch und seitlich an den Wangen wird es zunehmend trockener. Die knapp 50% Alkoholstärke funktionieren dabei ausgesprochen gut.


Abgang
Neben der Holzwürze mit ihren leicht bitteren Kakao- und Espressonoten kommt überraschend nochmals eine schöne Karamellsüße zum Vorschein. Auch die Kirschbonbons und die letzten Ausläufer der Pfefferminze bleiben im mittellangen Finish noch länger am Gaumen präsent.


Fazit
Ein grundsolider und sehr süffiger Rye-Whiskey mit hohem Roggenanteil in der gesourcten Mashbill von MGP. Die typischen Rye-Aromen sind klar vorhanden, wirken aber nie überbordend und sorgen insgesamt für ein angenehm harmonisches Gesamtbild.

Sowohl das etwas höhere Alter als auch die knapp 50% Alkoholstärke wirken sich durchwegs positiv aus. Ein überaus entspannter Begleiter für einen gemütlichen Abend auf der Couch – ideal zu einem Binge-Watching-Abend mit Yellowstone oder ähnlichen amerikanischen Serien.

Donnerstag, 7. Mai 2026

Ardnahoe 5y Cask Strength Batch 1

 

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Was ich bisher von dieser jungen Islay-Brennerei Ardnahoe im Glas hatte, wusste mir durchwegs zu gefallen. Ehrliche, klassische Islay-Raucher ohne Schnickschnack, ohne besondere Fassspielereien oder Gepimpe mit Virgin Oak. Als Reifemedium kommen Ex-Bourbon- oder Sherryfässer zum Einsatz. Und offensichtlich sind die Fässer von guter bis sehr guter Qualität. Denn die eher jungen Abfüllungen mit rund fünf Jahren wirkten bislang stets deutlich reifer, als es das tatsächliche Alter vermuten ließe.

Aufgrund dieser positiven Eindrücke war es für mich ein No-Brainer, mir eine Flasche von Batch 1 der ersten fasstarken Abfüllung der Core Range zu besorgen. Mittlerweile ist bereits Batch 2 erschienen. Veröffentlicht wurde der Ardnahoe 5y Cask Strength Batch 1 im Oktober 2025. Der Whisky reifte ausschließlich in First-Fill-Bourbon-Barrels und wurde mit kräftigen 60,9% Fassstärke ungefärbt und ohne Kühlfiltration abgefüllt.


Aussehen
Sattes Strohgelb


Nase
Der hohe Alkoholgehalt lässt ihn zunächst etwas verschlossen wirken. Er geizt ein wenig mit der Preisgabe seiner noch jungen Aromen. Naturgemäß steigt bei einem Islay-Smoker zuerst eine ordentliche Rauchschwade aus dem Glas. Der Rauch erinnert an brennende Holzscheite und Holzasche, in der noch ein paar angekohlte Kräuterzweige liegen, kombiniert mit geräucherter Erdnussbutter und salzigen Brotkrümeln. Sehr speziell.

Das Ganze wirkt ausgesprochen frisch und maritim. Neben Noten von Salmiak – fast so, als würde man rohe, zum Trocknen aufgehängte Fischstücke riechen – entdecke ich hinter dem Rauch auch reichlich Zitronensaft und Zitronenzeste.

Positiv fällt auf: Trotz der knapp 61% wirkt der Alkohol keineswegs aggressiv oder stechend. Der Whisky lässt sich wunderbar verriechen, ohne dass einem die Nasenhaare weggeätzt werden.

Mit etwas Standzeit treten neben den bereits genannten Aromen zusätzlich Vanille – typisch für eine reine Ex-Bourbon-Reifung – sowie unreife Ananas hervor.

Mit ein paar Tropfen Wasser verändert sich der Grundcharakter de facto kaum. Vielleicht können sich die übrigen Aromen nun etwas besser gegen den dominanten Rauch behaupten. Vor allem Vanille, Kräuter und die Zitrusnoten gewinnen an Präsenz. Dazu kommen nun reifere Ananasnoten und ein zarter floraler Einschlag.


Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Am Gaumen zeigt sich der Whisky deutlich kompromissloser als in der Nase. Die pure Alkoholdrehzahl ist voll auf Krawall gebürstet. Der Rauch rauscht regelrecht durch den Mund und gibt ordentlich Gas. Er erinnert jetzt stärker an geräucherte Kräuter, Salzkruste und glühende Kohlenstücke.

Gleichzeitig kommt aber auch eine satte Süße zum Vorschein. Zunge, Gaumen und das vordere Zahnfleisch prickeln ordentlich und trocknen leicht aus. Neben frisch geriebener, würziger Ingwerwurzel zeigen sich erneut die intensive Vanille aus der Nase sowie gezuckerte, saftige Ananasstücke.

Ein paar Tropfen Wasser – auf etwa 55% herunterverdünnt – tun dem Malt ausgesprochen gut. Die dominante Alkoholhitze wird deutlich entschärft. Der Rauch bleibt weiterhin prägend, doch die übrigen Aromen erhalten nun wesentlich mehr Raum. Dadurch wird der Whisky richtig süffig.


Abgang
Im eher mittellangen Finish bleiben trockener, aschiger Rauch sowie dunkle Schokolade, Lakritze und Meersalz zurück. Dazu gesellt sich nochmals die cremige Vanillenote der Bourbonfässer.


Fazit
Im Grunde ist der Ardnahoe 5y Cask Strength Batch 1 ein klassischer junger Islay-Raucher aus dem Bourbonfass: knackiger Rauch, Vanille, Zitrone und Kräuter. Also zunächst nichts grundsätzlich Neues. Ardnahoe besitzt jedoch ein eigenes, leicht wiedererkennbares Geschmacksprofil, das diese bekannten Aromen zu einer eigenständigen und stimmigen Komposition zusammenführt.

Mir gefällt dieser puristische Stil ausgesprochen gut. Natürlich ist er weder ein Komplexitätsmonster noch muss man zwingend rund € 85,- dafür ausgeben. Als Fan dieser noch jungen Brennerei war er für mich dennoch ein Must-have – und enttäuscht wurde ich definitiv nicht.

Donnerstag, 30. April 2026

Ledaig 15y Amontillado Sherry (ADoS)

 

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Marco Bonn hat in seiner Reihe A Dream of Scotland bereits einige sehr feine Ledaig abgefüllt. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, dass sich auch dieser 15-Jährige mit Reifung im Amontillado-Sherry-Cask nahtlos einreiht.

Ich hoffe sehr, dass der Whisky durch die – doch eher selten anzutreffende – Belegung in einem Amontillado-Sherryfass interessante Geschmacksnuancen mitbringt, die man bei den deutlich häufiger anzutreffenden Oloroso- oder PX-Varianten nicht in dieser Form findet. Gerade die Kombination aus dem eigenwilligen Rauch von Ledaig und den eher nussig-kräuterigen Aromen dieses Sherrystyils macht mich neugierig auf diesen Malt.

Lediglich 278 Flaschen wurden aus dem Fass abgefüllt – mit fassstarken 59,1 %, ohne künstliche Färbung und ohne Kühlfiltration.


Aussehen
Sehr dunkles Kupfer, fast schon Richtung Mahagoni.


Nase
Kein Kuhstall.

Bei Ledaig habe ich beim Rauch normalerweise fast immer diese typische Stall- bzw. Kuhstall-Assoziation. Die fehlt hier zu Beginn komplett. Stattdessen zeigt sich sofort eine ordentliche Portion speckiger BBQ-Noten: mariniertes Fleisch, das bereits über einem Holzofengrill brät und bei dem von Zeit zu Zeit Saft und Fett auf die glimmenden Kohlen tropfen.

Neben diesen fleischig-speckigen Barbecue-Aromen treten auch karamellisierter Honig, getrocknete Gewürze und dunkle rote Beeren hervor. Alles verbindet sich zu einem umwerfenden Geruchspotpourri, bei dem man permanent am Glas hängen bleiben möchte.

Auch das gelegentliche Prickeln und die leicht frische Schärfe des höheren Alkoholgehalts stören dabei nicht. Die Aromen wirken homogen und gesetzt, nichts Jugendliches blitzt trotz der Intensität hervor. Die 15 Jahre nimmt man ihm ohne Weiteres ab.

Mit Wasser kommt eine zusätzliche Vanillenote hinzu. Die alkoholische Schärfe reduziert sich, die übrigen Aromen verlieren etwas an Kraft, verweben sich dafür aber noch harmonischer miteinander.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der erste Eindruck ist sehr stürmisch. Mit ordentlich Druck und Feuer geht der Ledaig ans Werk. Im Mund ist der Alkohol unverdünnt deutlich stärker wahrnehmbar als in der Nase.

Neben einer intensiven Schärfe, die an frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer erinnert, zieht der Malt kräftig Wasser auf Zunge und Wangeninnenseiten – ein klassisches Zeichen für hohen Alkoholgehalt.

Daneben zeigen sich eine nicht übertriebene Karamellsüße, Orangenmarmelade mit leicht eingekochtem Charakter, getrocknete Küchenkräuter, Zimt, getrocknete Tabakblätter, viel Holzwürze und ein großes Stück dunkler, herber Schokolade.

Den Rauch nehme ich im Geschmack weniger deutlich wahr. Was bleibt, ist der Nachhall eines ausklingenden Holzfeuers mit Aschebildung sowie dunkel angebratenes Fleisch mit kräftiger Marinadenkruste.

Dieser Malt verlangt eindeutig nach ein paar Tropfen Wasser.

Und ja – Wasser tut ihm ausgesprochen gut. Nicht nur, dass die anfängliche Hitze und alkoholische Schärfe deutlich gemildert werden: Die übrigen Aromen treten klarer hervor und beginnen regelrecht zu glänzen. Er wird überraschend süffig und ausgesprochen lecker.


Abgang
Bis ins Finish hinein bleiben Hitze und die damit verbundene Schärfe zunächst präsent. Sobald diese abklingen, haften rote Beeren, Tabaknoten, Holz, Karamell und Asche noch sehr lange im Mundraum.


Fazit
Das ist für mich ein Malt, der Wasser benötigt, um seine Aromenvielfalt und -kraft wirklich ausspielen zu können. Man kann ihn selbstverständlich pur trinken, mir ist er dann – vor allem am Gaumen – etwas zu anstrengend.

Mit Wasser hingegen wird er richtig stark. Besonders gefällt mir, dass er nicht zu süß geraten ist. Die speckigen Aromen stehen ihm ausgesprochen gut.

Dienstag, 21. April 2026

Ardbeg Corryvreckan

 

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Einen Ardbeg für einen Tasting-Blogartikel hatte ich schon sehr lange nicht mehr im Nosing-Glas. Auch sonst griff ich im letzten Jahr nur selten zu einem Ardbeg. Aktuell habe ich zwar eine Flasche der achtjährigen Committee-Abfüllung „For Discussion“ geöffnet, aber warum das so ist, kann ich ehrlicherweise nicht genau sagen. Offenbar haben mich zuletzt andere Hersteller und Abfüllungen mehr interessiert.

Allerdings befinden sich noch einige Ardbegs in meiner Flaschen- und Samplesammlung. Und vor allem fehlt mir noch eine Abfüllung aus der Standardreihe, die ich bislang nicht verkostet habe. Aus diesen beiden Gründen – lange kein neuer Ardbeg-Artikel im Blog und das Schließen einer Wissenslücke – ist der Corryvreckan nun mein dieswöchiger Tasting-Partner geworden.

Der Corryvreckan ist – wie fast alle Whiskys der Core Range (mit Ausnahme des Ten) – ein NAS, also eine Abfüllung ohne Altersangabe. Benannt ist er nach dem gleichnamigen Meeresstrudel zwischen den Inseln Jura und Scarba. Die Reifung erfolgt in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche; zudem sollen auch französische Eichenfässer zum Einsatz kommen. Ob es sich dabei um Virgin Oak oder speziell behandelte Fässer handelt, ist nicht offiziell bestätigt. Die Alkoholstärke beträgt kräftige 57,1 %. Kühlfiltration und Färbung werden nicht eingesetzt.


Aussehen
Strohgelb


Nase
Ein Schwall klassischen Ardbeg-Rauchs weht aus dem Glas – mit typischen Noten von verbranntem Gummi, heißem Asphalt im Sommer und angekohlten Küchenkräutern. Der Rauch zeigt sich zudem quarzig und mineralisch.

Dahinter – oder vielmehr gemeinsam mit dem Rauch – treten überraschend klare Aromen von süßer Vanillecreme und Zitronensorbet hervor, die Frische und Fruchtigkeit ins Spiel bringen. Der Einfluss der Bourbonfässer ist vor allem im ersten Drittel deutlich präsent.

Mit zunehmender Zeit im Glas entwickeln sich harzige Holznoten sowie ätherische Öle, die an geknickte Tannennadeln erinnern. Die Zitrusfrische wird von warmem Kuchenteig begleitet. Von den vermuteten französischen Eichenfässern lässt sich in der Nase hingegen nur wenig eindeutig erkennen.

Der Alkohol ist trotz der hohen Stärke gut eingebunden.

Mit etwas Wasser gewinnen Rauch und Harz deutlich an Intensität, während die Süße etwas zurücktritt. Vanille und Kräuter bleiben jedoch stabil.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Sehr ölig und geschmeidig legt sich der Whisky auf Zunge und Gaumen. Eine kurze, aber prägnante Pfefferschärfe eröffnet den Geschmacksverlauf. Diese wird rasch von intensiver, noch warmer Steinkohlenasche überlagert, begleitet von leicht erdigen und phenolischen Anklängen.

Der Rauch ist im Mund deutlich kräftiger als in der Nase und überzieht den gesamten Mundraum – von den Wangeninnenseiten bis hin zum Zahnfleisch – mit einem speckigen, fast klebrigen Aschefilm. Sehr intensiv und brachial.

Hat man sich daran gewöhnt, treten wieder süßere Elemente hervor: Vanille und eine nun veränderte Zitrusnote, die weniger an Sorbet erinnert, sondern eher an eine Mischung aus Zitronensaft und leicht herben Zesten.

Trotz der 57,1 % lässt sich der Whisky hervorragend pur trinken. Der Alkohol wirkt zu keiner Zeit störend.

Mit Wasser verschiebt sich der Fokus: Die Pfefferschärfe tritt später auf, während Kräuter, Harz und aschige Rauchnoten stärker hervorgehoben werden.


Abgang
Leicht bitter geht es – begleitet von getrockneten Küchenkräutern, öliger Asche und sehr dunkler Schokolade – in ein lang anhaltendes Finish über. Eine markante Trockenheit sowie eine herbe Holznote bleiben am Gaumen zurück.


Fazit
Ein würdiger Vertreter des ursprünglichen, klaren Charakters eines intensiven Islay-Rauchers mit den klassischen Eigenschaften von Ardbeg. Die Direktheit und Geradlinigkeit dieser Abfüllung gefallen mir sehr gut.

Vor allem die Kombination aus kräftigem Ardbeg-Rauch und der Reifung in Bourbonfässern funktioniert für mich hervorragend. Ob der Corryvreckan als NAS die aktuell aufgerufenen Preise wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Ich persönlich würde ihn jedoch so mancher Committee-Abfüllung vorziehen, die oft deutlich teurer ist.

Freitag, 17. April 2026

Glen Ord 16y 2009 (James Eadie - JE)

 

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Dies ist mein allererster Glen Ord. Die 1836 gegründete Brennerei aus den Highlands gehört zum Diageo-Konzern. Die Originalabfüllungen erscheinen unter dem Markennamen Singleton of Glen Ord und sind fast ausschließlich für den asiatischen Markt bestimmt. In den Special Releases von Diageo tauchen zwar gelegentlich auch Glen Ords auf, allerdings zu meist sehr ambitionierten Preisen. Entsprechend überschaubar war bislang mein Interesse an dieser Konzernbrennerei.

Nach dem überzeugenden Longmorn aus der Serie „Distilleries of Great Britain and Ireland“ von James Eadie fiel mein Blick jedoch auf diesen 16 Jahre alten Glen Ord aus derselben Reihe. Da James Eadie offenbar ein gutes Händchen bei der Fassauswahl beweist, habe ich mich zum Kauf entschlossen.

Der 2009 destillierte Single Malt reifte vollständig in einem 1st Fill Bourbon Hogshead und ist auf 272 Flaschen limitiert. Abgefüllt wurde er mit 52,5 % vol., ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration.


Aussehen
Helles Bernstein


Nase
Der Whisky benötigt etwas Zeit im Glas und wirkt zunächst leicht verschlossen. Mit zunehmender Belüftung öffnet er sich jedoch deutlich und präsentiert eine reife, vielschichtige Aromatik.

Im Vordergrund steht eine intensive Vanillenote – fast so, als würde man eine frische Bourbon-Vanilleschote aufschneiden und das Mark herauskratzen. Dahinter folgen süßes Karamell und Nougat, begleitet von einer zunächst schwer greifbaren Fruchtigkeit. Diese entwickelt sich zu einem cremigen Eindruck von Birnen, Aprikosen und etwas Mango.

Im Hintergrund zeigen sich weitere, tiefere Schichten: Anklänge von gelagertem Heu und Kräutern, dazu Nüsse sowie trockenes, leicht staubiges Holz – ein robuster Unterbau. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und bringt eine frische, leicht minzige Note mit.

Mit Wasser verstärken sich Vanille und Frucht (nun klarer in Richtung Aprikosenkompott), während die trockenen, staubigen Noten etwas an Gewicht verlieren.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Antritt ist kompakt und kraftvoll, mit deutlich wahrnehmbarem Alkohol. Die 16 Jahre Reife würde man zunächst nicht vermuten – dafür wirkt der Whisky fast etwas stürmisch und deutlich weniger gelassen als in der Nase. Ein echtes Chamäleon. Die dominierende Vanille aus der Nase tritt zunächst in den Hintergrund. Stattdessen prägen würzige Fassnoten das Bild: getrocknete Gewürze, Ingwer und schwarzer Pfeffer. Am Zahnfleisch und an den Wangen baut sich eine zunehmende Trockenheit auf.

Ab der Mitte kehrt die Vanille zurück, begleitet von Nougat und einer angenehmen Süße. Dazu gesellen sich dezente Fruchtnoten – reife Birnen, Birnenschale und ein Hauch Rosinen.

Mit Wasser wird der Whisky zugänglicher: Vanille und Frucht treten stärker hervor, während die würzige, leicht scharfe Seite zurücktritt. Er wirkt runder und süffiger, verliert dabei jedoch etwas an Ecken und Kanten.


Abgang
Im Finish verbinden sich Vanille, Ingwer, Birnenschale, Rosinen und leicht bittere Eichenholznoten zu einer ausgewogenen, lang anhaltenden Komposition. Hier zeigt sich der Whisky deutlich gereifter und harmonischer als noch im ersten Eindruck am Gaumen.


Fazit
Meine zweite Abfüllung aus dieser Serie – und mein erster Glen Ord. Beide machen Lust auf mehr. Das ist kein Whisky für nebenbei. Er hat Charakter, ist eigenständig und weit entfernt von Beliebigkeit. Die Ex-Bourbon-Reifung passt hervorragend und unterstreicht die robuste, kernige Aromatik dieses „Highlanders“.

Bleibt zu hoffen, dass Diageo weiterhin Fässer an unabhängige Abfüller wie James Eadie abgibt – denn solche Abfüllungen zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial im Destillat steckt.

Mittwoch, 8. April 2026

Linkwood 13y William Wallace - Legends of Scotland (whic)

 

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Whic.de startet in Kooperation mit Signatory Vintage die neue Reihe „Legends of Scotland“, bei der Helden, Herrscher und Wendepunkte der schottischen Geschichte die Flaschenlabels zieren werden.

Die Abfüllungen mit 46 % Trinkstärke sollen das gesamte Spektrum der schottischen Single-Malt-Welt abdecken: von Ex-Bourbon über Sherry-, Port- und Weinfassreifungen bis hin zu rauchigen Varianten.

Den Auftakt der Serie macht William Wallace – ein dreizehn Jahre alter Linkwood Distillery aus dem Jahr 2012, der in zwei First-Fill-Bourbon-Barrels reifte und in 511 Flaschen abgefüllt wurde.


Aussehen
Sattes Goldgelb


Nase
Beim ersten Kennenlernen zeigt sich der Linkwood von seiner frischen, sehr zitruslastigen Seite, begleitet von einem leichten Anflug von Aceton. Dieser verflüchtigt sich jedoch bereits nach dem zweiten Hineinriechen nahezu vollständig.

Der anfänglich dominante Zitrusduft wird voller und gesetzter und entwickelt sich in Richtung Grapefruit und Pomelo. Danach treten weitere Früchte wie reife gelbe und grüne Äpfel, Birnen, Aprikosen sowie gelbe Ringlotten hervor und verbinden sich mit warmem Vanillekuchenteig zu einem sehr ansprechenden Geruchspotpourri.

Würzige Nuancen deuten auf den Einfluss des Eichenholzes hin. Insgesamt ist die Nase ein Paradebeispiel für eine Reifung im Ex-Bourbonfass. Und glücklicherweise lassen die beiden verwendeten Fässer dem Linkwood-Brand genügend Raum zur Entfaltung. Die 46 % Trinkstärke funktionieren hier hervorragend.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Vollmundig und für seine Trinkstärke überraschend kraftvoll präsentiert sich der erste Schluck. Zitronentarte mit cremig-süßer Textur trifft auf Honig, hell geröstete Getreideflocken sowie Birnen- und Apfelkompott. Die intensive Vanille, klar aus den Bourbonfässern stammend, zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Geschmacksbild und umhüllt die anderen Aromen.

Im weiteren Verlauf folgt eine ausgleichende Ingwerschärfe, begleitet von einer Prise Zimt und etwas Holzwürze. Der Alkohol bringt zusätzlich frische, leicht mentholige Noten ins Spiel. Eine dezente, leicht „schmutzige“ Fassnote – in Richtung feiner Kohlestaub – ist ebenfalls wahrnehmbar.


Abgang
Die Süße, die Vanille sowie fruchtige Noten begleiten das mittellange Finish. Hinzu kommen leicht bittere Fassnoten. Gegen Ende wird es im Mundraum, insbesondere am Zahnfleisch, zunehmend trockener.


Fazit
Wie schon öfter in meinen Tasting Notes erwähnt, bin ich mittlerweile ein großer Fan von reinen Ex-Bourbonfass-Reifungen. Diese Abfüllung ist sowohl in der Nase als auch im Geschmack ein Paradebeispiel dafür: viel Vanille, Obst und Getreide- bzw. Kuchenteignoten, ergänzt durch eine angenehme Würze und eine leicht prickelnde Schärfe als Kontrapunkt.

Wer sich hier eine Flasche zum aufgerufenen Preis sichern konnte, hat einen wunderbaren Sommerwhisky erwischt, der am Balkon oder auf der Terrasse eine richtig gute Figur im Glas macht.

Donnerstag, 2. April 2026

Woodford Reserve Master’s Collection No. 16

 

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Die Grundidee der 2006 von Chris Morris ins Leben gerufenen Serie war es, eine Spielwiese zu schaffen, auf der Dinge ausprobiert werden können, die im Standardsortiment nicht umsetzbar wären. So wurden über die Jahre unterschiedliche Mashbill-Rezepte, spezielle Fassarten (Madeira, Port etc.), variierende Toasting- und Charring-Levels der Fässer sowie auch historische Produktionsmethoden und Stilrichtungen wieder aufgegriffen.

Die Abfüllung No. 16, die ich diese Woche verkoste, trägt den Namen “Very Fine Rare Bourbon” und ist im Kern ein High-Age-Blend-Experiment. Dabei wurden – für amerikanischen Whiskey – sehr alte mit jüngeren Fässern vermählt. Die ältesten Bestandteile sind bis zu 17 Jahre alt und stammen aus der Anfangszeit von Chris Morris.

Für Woodford Reserve sind das fast schon biblische Dimensionen, wenn man bedenkt, dass die Standardabfüllungen der Brennerei üblicherweise bei etwa sechs bis acht Jahren Reife liegen. Ziel war es, eine klassische, „alte“ Bourbon-Charakteristik zu zeigen – eher traditionell und weniger in die aktuell oft holzlastige Richtung gehend. In diesem Zusammenhang wurde der Alkoholgehalt bewusst auf 45,2 % eingestellt.


Aussehen
Dunkles Kupfergold


Nase
Die knapp 45 % sind in der Nase de facto nicht zu spüren. Sehr weich und rund präsentiert sich dieser Bourbon, der von Minute zu Minute mehr zu einem echten Schmeichler wird.

Beim ersten Reinriechen zeigt sich eine Note, die viele vermutlich als typische Kleber- bzw. Lösungsmittelassoziation bei Bourbon interpretieren würden – ich nehme sie jedoch eher als intensiven, aromatischen Zimt wahr.

Dahinter folgen frisches Popcorn mit Butter, Karamell sowie würzige Aspekte aus dem Roggenanteil der Mashbill, die sich vor allem in brotigen und frischen Minznoten äußern.

Der Holzeinfluss ist natürlich präsent – insbesondere durch Zimt, ergänzt von Bitterschokolade, Muskatnuss und Vanille. Von einer bei älteren Bourbons nicht selten auftretenden „Eichenkeule“ mit übertriebener Bitterkeit ist man hier jedoch meilenweit entfernt.

Insgesamt wirkt die Nase sehr homogen, weich und dennoch dicht und ausdrucksstark.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Auch im Mund zeigt sich der Bourbon rund und weich – fast schon etwas zu leicht auf der Zunge. Ein paar Volumenprozente mehr hätten dem Mundgefühl möglicherweise gutgetan. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau.

Der Antritt ist deutlich würzig mit Zimt, Muskatnuss und Gewürznelken, bevor der Whisky rasch in süßere Gefilde übergeht: Karamell, Kirschmarmelade und Vollmilchschokolade mit einem Hauch Minze – fast so, als hätte man ein Schokobonbon mit Kirsch-Minze-Füllung im Mund.

Im Mittelteil tritt der Roggenanteil stärker hervor. Neben der Minze zeigt sich hier zunehmend die typische, leicht pfeffrige Würzigkeit, die man von Rye kennt.

Mit jedem weiteren Schluck gewöhnt man sich an die anfängliche Leichtigkeit. Die Aromen wirken zunehmend dichter und intensiver. Der Woodford bleibt dabei stets ein Gentleman – ausgewogen, kontrolliert und mit einer Eleganz, die die Einbindung älterer Fässer glaubhaft unterstreicht.


Abgang
Im Finish bleiben vor allem die minzigen Noten, kombiniert mit Kirsche und Zimt, länger präsent. Eine leichte Holzbitterkeit klingt ebenso nach wie Vanille und dunkle Schokolade.


Fazit
Im Vergleich zum Double Oaked – den Preis einmal komplett ausgeblendet – gefällt mir diese Limited Edition deutlich besser. Die Nase ist eine äußerst feine Angelegenheit, mit der man sich lange beschäftigen kann und immer wieder neue Nuancen entdeckt.

Im Geschmack war er mir anfangs etwas zu leicht, was das Mundgefühl betrifft. Dieser Eindruck relativiert sich jedoch mit den weiteren Schlucken. Die Aromen sind insgesamt sehr ausgewogen. Neben den klassischen Bourbonnoten gefällt mir als Rye-Fan besonders, dass der Roggenanteil klar zur Geltung kommt.

Bezieht man allerdings den Preis mit ein, muss man sagen: Die rund € 120,- sind ambitioniert. Etwa € 80,- wären aus meiner Sicht angemessener.

Unterm Strich bleibt aber ein wirklich guter, eleganter Bourbon.

Dienstag, 10. März 2026

Aberargie Inaugural Release

 

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Die Aberargie Distillery begann im Herbst 2017 mit der Produktion. Die nur wenige Kilometer südlich der Grenze zwischen Highlands und Lowlands gelegene Anlage ist technisch gesehen eine Lowland-Brennerei und wurde von der Morrison-Familie gegründet.

Die Familiengeschichte der Morrisons ist seit Generationen eng mit dem schottischen Single Malt verknüpft. So gehörten im Laufe der Zeit Brennereien wie Bowmore, Auchentoshan und Glen Garioch zum Familienunternehmen. Nach dem Verkauf im Jahr 1994 an Suntory gründete die Familie gemeinsam mit den Mackays den unabhängigen Abfüller Morrison Scotch Whisky Distillers. Bekannte Marken daraus sind unter anderem Mac-Talla, Old Perth und Càrn Mòr.

Es braucht schon einen langen Atem und ein gut gefülltes Portemonnaie, wenn man für ein Inaugural Release – also die erste Abfüllung einer Brennerei – über acht Jahre warten kann. Die Farm-Brennerei nutzt rund 120 Hektar umliegender Felder, auf denen die beiden Gerstensorten Golden Promise und Laureate angebaut werden, die vollständig für die eigene Whiskyproduktion verwendet werden.

Vor allem die erstgenannte Sorte ist eng mit der bewusst gewählten Philosophie der Brennerei verknüpft: Die Gerste soll der zentrale Geschmackstreiber sein und nicht die verwendeten Fässer. Diese sollen lediglich die Getreidearomen unterstützen und den Brand nicht dominieren. Laut Brennerei verleiht die Golden-Promise-Gerste dem Rohbrand eine ölige Textur sowie mehr Malzigkeit, Tiefe und Körper.

Nun ist im März 2026 mit dem Inaugural Release die allererste Abfüllung von Aberargie erschienen. Die Maische besteht aus 52 % Golden Promise und 48 % Laureate. Für die Reifung wurden zu gleichen Teilen First-Fill-Bourbon- und First-Fill-Sherryfässer verwendet. Die Alkoholstärke beträgt 48,2 %.

Das Alter liegt bei mindestens acht Jahren. Diese Information steht zwar weder auf dem Flaschenlabel noch auf der Umverpackung, wurde jedoch in der Pressemitteilung der Brennerei sowie vom Importeur genannt. Wenn es nach Ralfy geht, gilt allerdings nur das, was tatsächlich auf dem Etikett steht.

Die Aberargie Distillery liegt zwar geografisch in den Lowlands, produziert jedoch stilistisch einen Highland Malt.
Fotocredit: www.aberargie.com; Morrison Scotch Whisky Distillers 


Aussehen
Helles Bernstein mit sattem Orangeton


Nase
Es ist eine sehr volle, ausdrucksstarke Nase. Geruchstechnisch ist hier bereits einiges geboten – eine positive Überraschung für eine erste Abfüllung einer so jungen Brennerei.

Zuallererst begegnet mir auf meiner olfaktorischen Reise ein mit Rosinen, Aprikosen und weichem Nougat angereichertes cremiges Porridge. Vielleicht liegt es an der Kombination der beiden Gerstensorten, aber die Getreidearomen sind für mich im Geruch bereits sehr prägend – allerdings auf eine interessante Weise.

Knackig-kerniges Knuspermüsli auf der einen Seite und weicher, cremiger Haferflockenbrei auf der anderen sorgen für eine Kombination, die Spaß macht. Milchschokolade mit Nüssen und eingekochtes Pflaumenkompott zeugen vom Einfluss der Sherryfässer. Die Bourbonfässer bringen sich vor allem durch eine Vanillenote ein.

Die gewählte Alkoholstärke funktioniert perfekt – kein Stechen oder unangenehme Alkoholnoten. Überhaupt sind in der Nase keine hervorspringenden jugendlichen Merkmale zu erkennen. Im Gegenteil: Der Geruch wirkt fein abgestimmt, gesetzt und harmonisch.


Geschmack
Erster Schluck: Cremiger Vanillepudding trifft auf Aprikosenmarmelade, geschmolzene Milchschokolade mit gerösteten Haselnüssen und crunchy Knuspermüsli mit Rosinen.

Ein leichtes Kribbeln auf der Zungenspitze und am Zahnfleisch, begleitet von einem anregenden Speichelfluss und einer dezenten pfeffrigen Schärfe, folgt den ersten Geschmackseindrücken. Danach zeigen sich Vanille, getrocknete Datteln und eine halbgetrocknete Pflaume.

Nach dem zweiten Schluck wird der Eindruck der weichen, cremigen Milchschokolade gemeinsam mit Marillenmarmelade und Rosinen weiter prägend. Nun kommt auch etwas Holzwürze hinzu, die sich mit der Pfeffernote verbindet. Auch im Geschmack ist der Alkohol sehr gut integriert.

Fotocredit: whiskybase.com

Abgang
Der erste Eindruck ist – vermutlich der Jugend geschuldet – relativ rasch beendet. Neben einer süßen Rosinennote bleibt vor allem eine dezente Bitterkeit etwas länger bestehen.

Mit weiteren Schlucken gesellen sich zu den bereits genannten Eindrücken auch etwas Vanille, mehr Rosinen und eine würzige Eichenholznote hinzu.


Fazit
Eine sehr stimmige erste Abfüllung von Aberargie! Sie ist ausgesprochen süffig und bestätigt den kolportierten Hausstil, bei dem das Getreide im Mittelpunkt stehen soll.

Vor allem in der Nase gefällt mir der Schwerpunkt auf Malzigkeit, Getreidenoten und Cremigkeit sehr gut. Auch die durchgehende Milchschokoladennote passt hervorragend und regt zum wiederholten Probieren an.

Dass die Fässer lediglich unterstützen und nicht dominieren sollen, ist hier ebenfalls gut gelungen. Die gewählte Fasskombination lässt genügend Raum für den eigentlichen Whisky.

Man darf also durchaus gespannt sein, was in naher Zukunft von dieser jungen Brennerei noch so auf den Markt kommen wird. Wie zu lesen war, sollen in den nächsten 18 Monaten zunächst weitere limitierte Abfüllungen erscheinen, die den Whiskyfreunden Philosophie und Hausstil der Brennerei noch näherbringen sollen. Danach sollen die ersten Flaschen einer dauerhaften Core Range folgen.

Mittwoch, 4. März 2026

Benromach Vintage 2012 CS Batch 3

 

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Die Vintage-Reihe repräsentiert die fassstarken Abfüllungen innerhalb der Standard-Range der Speyside-Brennerei Benromach. Die einzelnen Ausgaben werden in Batches – aus einer nicht näher spezifizierten Anzahl an erstbefüllten Sherry- und Bourbonfässern – in Fassstärke abgefüllt. Dadurch variieren sowohl der Alkoholgehalt als auch das Geschmacksprofil zwischen den einzelnen Batches.

Auf den Flaschen ist jeweils das Destillationsjahr angegeben; in der Regel liegen die Abfüllungen dieser Reihe bei einem Alter zwischen neun und zehn Jahren.

Die heute verkostete Flasche ist die Vintage 2012 Batch 3 mit 59,6 % vol. Für diesen Batch wurden 21 Fässer verwendet. Die genaue Verteilung zwischen Sherry- und Bourbonfässern innerhalb des Vattings ist nicht bekannt.


Aussehen
Rötlicher Bernstein


Nase
Die Nase wird sogleich von zartem Rauch begrüßt – wie noch leicht glühende Steinkohle, auf der sich bereits eine feine Ascheschicht gebildet hat. Erdige, leicht schmutzige Grundtöne vermischen sich mit dem Duft von gelben Ringlotten und Äpfeln. Getrocknete Aprikosen- und Pfirsichstücke bringen eine dezente, zurückhaltende Süße ins Spiel.

Ein Hauch von getrocknetem Tabak und Möbelpolitur auf altem Leder schwingt mit. Mit etwas Zeit und Luftzufuhr gesellen sich geröstete Haselnüsse und Müslistücke hinzu. Auch die Sherryaromen treten nun deutlicher hervor – allen voran getrocknete Beeren, Datteln und Feigen.
Der hohe Alkoholgehalt zeigt sich in einer zarten Eukalyptusnote, ist insgesamt jedoch sehr gut integriert.

Die Nase erinnert mich sanft an Springbank mit dieser leicht schmutzigen Rauchattitüde und dem eher moderaten Sherryprofil.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Trotz der hohen Alkoholstärke ist der Malt sehr gut pur genießbar. Ein süßer Antritt wird von Zwetschgenmus und geschmolzener Milchschokolade begleitet, die cremig über die Zunge gleiten. Der Rauch ist im Mund deutlicher wahrnehmbar als in der Nase, bleibt jedoch im unteren Intensitätsbereich.

Die Rauchcharakteristik entwickelt sich eher in Richtung Lagerfeuer mit einem Hauch von Ruß. Frische Minze und eine angenehme Pfefferschärfe unterstreichen den Alkoholgehalt. Das Schärfegefühl verweilt jedoch nicht lange und geht rasch wieder in süße Sherryaromen über – vor allem getrocknete Aprikosen, Datteln und Rosinen.

Getrocknete Gewürze wie Zimt und Muskat, kombiniert mit Tabak und Holzwürze, runden das Geschmacksprofil stimmig ab.


Abgang
Zum Ende hin kehren die erdigen, leicht schmutzigen Noten zurück. Asche und Rauch haften länger im Rachen und am Gaumen. Auch die süßen Noten der getrockneten Früchte und des Tabaks bleiben nachhaltig präsent.


Fazit
Interessanterweise zeigt sich mit Wasserzugabe – sowohl in der Nase als auch am Gaumen – eine Spur Schwefel. Sehr dezent und für mich kaum störend. Ein Hauch Schwefel, wie hier, stört mich nicht – im Gegenteil: Für mich bringt er sogar etwas zusätzliche Komplexität und eine gewisse Umami-Note ins Spiel.

Davon abgesehen ist dies erneut eine sehr leckere, kraftvolle Abfüllung von Benromach, die richtig Spaß im Glas macht.

Donnerstag, 26. Februar 2026

Bunnahabhain 12 CS Ed. 2022

 

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Von der Cask Strength Edition des Bunnahabhain 12 Jahre, die erstmals 2021 erschien, gibt es bislang vier Ausgaben – 2024 ließ die Brennerei aus. Die erste Abfüllung habe ich damals verkostet und sie gefiel mir sehr gut: ein kraftvoller, ausdrucksstarker Sherry Malt, jedoch ohne „nasse Fässer“, eher mit dem Eindruck, als wären hier ältere, gut integrierte Fässer zum Einsatz gekommen.

Schon länger liegt bei mir ein Sample der 2022er Edition, und ich hatte schlicht Lust auf einen intensiven Sherry-Whisky. Diese Ausgabe kommt mit 56,6 % vol. daher und reifte – wie ihr Vorgänger – ausschließlich in Ex-Sherryfässern.


Aussehen
Mahagoni


Nase
Gleich vorweg: Der Alkohol ist für mich hervorragend eingebunden. Kein alkoholisches Stechen, keine störenden Mentholnoten. Die Aromen strömen satt und voll in die Nase; eine Verschlossenheit, wie sie bei hochprozentigen Whiskys häufig vorkommt, ist hier nicht auszumachen.

Typisches Oloroso-Profil: Geröstete Haselnüsse verbinden sich mit Rosinen, getrockneten Feigen und Datteln sowie dunklen Beeren – Heidel- und Brombeeren. Neben einer leicht herben Milchschokolade entwickelt sich mit der Zeit eine immer intensivere Süße, wie Karamell, das in der Pfanne bereits schön Farbe angenommen hat. Auf der würzigen Seite zeigen sich Balsamico, Zimt und ein Hauch getrockneter Küchenkräuter.

Unverdünnt ist das bereits eine sehr feine Sherrynase. Die Aromen wirken gediegen und gesetzt und suggerieren fast ein höheres Alter als die tatsächlichen 12 Jahre.

Mit etwas Wasser tritt die würzige Seite stärker hervor, die Süße wird zurückgenommen. Insgesamt wirkt das Profil etwas „heller“, die intensive Sherrynase verliert etwas an Wucht.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund merkt man die 56,6 % dann doch. Sehr kraftvoller Antritt mit prickelnder Präsenz auf der Zunge und an den Innenseiten der Wangen. Eine leichte Schärfe – eher Chili oder Ingwer als reiner Pfeffer – breitet sich rasch aus. Davon abgesehen zeigt er sich jedoch cremig und ölig.

Neben intensiver Karamellsüße sind sofort eingekochtes Zwetschgenkompott und ein Beerenröster aus Heidel- und Brombeeren mit Zimt, Vanille und Rosinen präsent. Die Fruchtnoten gehen anschließend in Holzpolitur, Tabak, Leder sowie geröstete Nüsse, Schokolade und Balsamico über. Die Aromen bleiben dabei stets gesetzt und schön miteinander verwoben.

Mit Wasser reduziert sich die anfängliche Schärfe deutlich. Die Süße ist weniger dominant, aber weiterhin sehr angenehm. Auch hier sorgt Wasser für eine gewisse „Aufhellung“ der Aromen.


Abgang
Im Verlauf treten zunehmend leicht bittere Holzeindrücke hervor. Dennoch bleibt der Whisky durchgehend aromatisch und wird nie unangenehm bitter. Rosinen, cremige getrocknete Datteln, dunkle Beeren sowie Anklänge von Tabak und Lederpolitur hallen nach. Das Finish ist durchaus lang.


Fazit
Wieder eine dieser Sherry-Abfüllungen, die mir nach wie vor richtig gut gefallen: keine „nassen Fässer“, sondern qualitativ hochwertige Oloroso-Fässer mit sauberem Einfluss. Der Sherrycharakter ist intensiv, aber auf sehr positive Weise. Ein durchwegs sehr leckerer Whisky.

Allerdings hat er nur wenig mit dem regulären 12er gemein. Die beim Standard so bekannte Kernigkeit mit maritimem Touch fehlt den CS-Abfüllungen vollständig. Mich persönlich stört das nicht – aber Puristen könnten genau das kritisieren.

Mittwoch, 18. Februar 2026

Redbreast Lustau Edition

 

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Im Urlaub zu Weihnachten war mir mal wieder nach einem irischen Whiskey. In meiner Sammlung tummeln sich zwar nicht annähernd so viele wie vom Nachbarn im Norden der englischen Insel, aber doch der eine oder andere. Meine Wahl fiel auf einen Redbreast 12 CS aus 2019, genauer gesagt auf die Batch-Abfüllung B1/19.

Und was soll ich sagen: Es ist jetzt Anfang Februar – und in der Flasche ist nicht mehr viel übrig. Dieser spezielle Pot-Still-Charakter mit gerösteten Müslicerealien, Rosinenkuchen und der feinen, nicht zu heftigen Würze gefällt mir so gut, dass ich mir immer wieder abends ein Glas gönne und genieße.

Aus diesem Grund entschied ich mich als wöchentliches Tasting-Objekt für den Redbreast Lustau Edition. Dabei handelt es sich um einen Non-Age-Statement Pot-Still Whiskey, der nach 9 bis 12 Jahren Reifung in Ex-Bourbon- und Sherryfässern ein einjähriges Finish in Oloroso-Sherryfässern aus der Bodega Lustau in Jerez erhielt. Abgefüllt wird er mit 46 % vol., also etwas kräftiger als der normale 12-Jährige.

Wenn der Lustau nur halb so gut ist, werden wir Freunde.


Aussehen
Rotgold bzw. dunkles Bernstein


Nase
Geruchsseitig beginnt bei mir bereits das zarte Pflänzchen der Freundschaft zu wachsen. Eine eindeutige Redbreast-Nase: Wie beim 12 CS finde ich sofort die typischen gerösteten Getreidearomen, süßen Honig, Rosinen, Zimt und Muskatnuss – ergänzt von weiteren Gewürzen, die ich nicht klar einzeln herausarbeiten kann.

Neben den Rosinen gesellen sich weitere getrocknete Früchte wie Datteln, Aprikosen und Feigen hinzu und bilden ein cremig-süßes Fruchtpotpourri. Apropos cremig: Neben dem Honig zeigen sich auch süße Milchkaramellbonbons.

Im Vergleich zu den 12 CS-Abfüllungen mit deutlich über 50 % vol. funktioniert die Trinkstärke von 46 % beim Lustau durchaus gut. Olfaktorisch ist er sehr nah am 12er und am CS. Das Sherryfinish bringt vielleicht noch eine Spur mehr Süße und Sherryeinfluss mit.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund empfinde ich den Sherryeinfluss deutlicher als zuvor in der Nase. Das Mundgefühl ist leicht und zugleich voll: Der Pot Still gleitet weich und cremig über die Zunge, verteilt die Aromen aber durchaus kräftig im gesamten Mundraum.

Eine ordentliche Süße ist sofort präsent. Diese stammt weniger von Honig oder Karamell, sondern vielmehr von den Sherryfrüchten. Rosinen – vielleicht etwas weniger intensiv als beim 12 CS –, Datteln und Pflaumenmus sorgen für den fruchtig-süßen Touch. Dem stehen Muskatnuss, vor allem aber Zimt sowie geröstete Nüsse und Schokolade als angenehmer Gegenpart gegenüber. Eine leicht würzige Attitüde entfaltet sich zusätzlich durch eine aufkeimende Eichenholznote.


Abgang
Rosinen und Datteln verabschieden sich mit einer Prise Zimt in einen mittellangen Abgang. Das aromatische Holz bleibt noch etwas länger am Gaumen haften. Auch wenn das Finish nicht besonders lang ist, gefällt es mir durchaus gut.


Fazit
Eine typische Redbreast-Pot-Still-Abfüllung, die ihre Verwandtschaft zum 12y und zur CS-Variante nicht verbergen kann – und auch nicht muss. Das Sherryfinish bringt zusätzliche Nuancen in das bekannte Aromen- und Geschmacksprofil.

Alles in allem eine sehr feine Pot-Still-Abfüllung, die in Nase und Mund viel Freude bereitet. Wer die CS-Variante nicht bekommt, kann beruhigt zum Lustau greifen und wird damit sicherlich glücklich.

Mittwoch, 11. Februar 2026

Knockdhu 11y 2013 (V&M)

 

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Seit ich den AnCnoc 24y im Glas hatte, habe ich die Knockdhu-Brennerei auf dem Radar. Der Whisky gefiel mir damals so gut, dass ich mir kurz darauf sehr flink eine Flasche besorgte. Wie sich herausstellte, eine weise Entscheidung, denn der Preis dieser Abfüllung ist in der Zwischenzeit deutlich nach oben geschnellt – wohl auch, weil die Kritiken durchgehend sehr positiv ausfielen.

Mein Augenmerk richtete sich danach verstärkt auf Abfüllungen unabhängiger Abfüller, die aktuell eher dünn gesät sind. Umso mehr freute mich der zehnjährige von Meadowside Blending aus 2013, den ich vor einiger Zeit mein Eigen nennen konnte. Letzten Dezember stieß ich bei meinem Whiskyladen in Wien auf eine Flasche eines elfjährigen Knockdhus vom italienischen UA Vallinch & Mallet, ebenfalls aus 2013.

Vielleicht brauchte die Brennerei in diesem Jahr kurzfristig Kapital und öffnete aus diesem Grund ihr Lager für ein paar Fassverkäufe an Unabhängige. Die Flasche liegt preislich mit knapp € 90,- im selben Rahmen wie die The Maltman-Abfüllung von Meadowside Blending. Aus dem Einzelfass kamen 339 Flaschen mit 52,9 % vol.

Unsicherheit besteht bei der genauen Fassreifung: Auf der Flasche steht lediglich „Aged in a Sherry Cask“, wohingegen auf whiskybase.com die Information zu finden ist, dass es sich um ein 2nd Fill Oloroso Sherry Cask gehandelt haben soll. Da die Angaben in der Base in der Regel zuverlässig sind, gehen wir einmal davon aus.


Aussehen
Gelbgold


Nase
Sehr weich und cremig beginnt die olfaktorische Reise. Der Alkohol ist kaum wahrnehmbar. Anfangs zeigt sich der Whisky etwas zurückhaltend, die Aromen wirken leicht und flüchtig. Die ersten Eindrücke sind eine Mischung aus Fruchtigkeit – vor allem reife rote Äpfel und Aprikosenkompott –, Malz, in Zucker eingelegten Cerealien sowie Mannerschnitten. Diese intensive Nuss-/Nougatnote in der Nase hatte ich bereits beim Zehnjährigen.

Die Reifung im 2nd Fill Sherryfass hat gut funktioniert, denn der Brennereicharakter bleibt erkennbar. Das Fass steuert neben süßem Honig, Erdbeeren und Vanille auch eine angenehme Würze mit etwas Muskatnuss und Kakao bei. Insgesamt zeigt sich ein rundes, harmonisches Aromenspiel, das unverdünnt auch nach einigen Minuten im Glas sehr leicht und luftig bleibt.

Mit Wasserzugabe öffnet sich der Whisky deutlich, die fruchtige Seite bekommt spürbar Aufwind. Der Schokonuss-Keks bleibt präsent. Mit Wasser gefällt er mir noch besser.


Geschmack
Hier ändert sich der Eindruck erstaunlich schnell. Der Whisky startet extrem süß und cremig – wie ein Löffel Honig direkt vom Glas. Kräftiges Mundgefühl, der Alkohol trägt die Aromen intensiv auf die Zunge. Auf den Honig folgt eine leichte Schärfe von schwarzem Pfeffer, die rasch in würzige Noten übergeht. Neben den bereits aus der Nase bekannten knackigen Cerealien zeigen sich Muskatnuss, Zimt, Nüsse und dunkle Schokolade.

Der Alkohol belegt die Innenseiten der Wangen und vorne das Zahnfleisch, der Speichelfluss wird angeregt. Die fruchtige Seite meldet sich – vor allem nach dem scharf-würzigen Intermezzo – mit Rosinen, Erdbeeren und getrockneten Feigen zurück.

Auch geschmacklich tut Wasser gut: Ein, zwei Tropfen reichen. Die Süße wirkt weniger dominant, die Schärfe nimmt ab und die Fruchtnoten treten deutlicher hervor.


Abgang
Das Finish ist nicht allzu lang – der Malt will getrunken werden. Neben Nüssen und cremig-süßem Nougat zeigen sich im Abgang noch Rosinen, Zimt und dunkle Schokolade.


Fazit
Wieder einmal ein wunderbares Beispiel für einen Whisky, der unverdünnt vor allem im Geschmack richtig aufdreht – und Spaß macht. Mit etwas Wasser gewinnt er sowohl in der Nase als auch am Gaumen deutlich hinzu.

Die Ähnlichkeit zur The Maltman-Abfüllung ist klar erkennbar, beide teilen denselben Grundcharakter – vor allem die intensive Nuss-/Nougatnote gefällt mir erneut sehr gut. Diese Version wirkt jedoch eine Spur reifer und ausgewogener, der Alkohol ist besser integriert. Wie sein jüngerer Verwandter ist auch er ein Trinkwhisky, der genossen werden will, aber genug Tiefe bietet, wenn man ihn aromatisch auseinandernehmen möchte.

Mittwoch, 4. Februar 2026

Glen Scotia 14y Tawny Port Finish peated – Campbeltown Malts Festival 2020

 

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Das Campbeltown Malts Festival wird seit 2014 veranstaltet. Aufgrund von COVID musste die Ausgabe 2020 auf eine virtuelle Variante reduziert werden. Eine Festival-Abfüllung ließ sich Glen Scotia dennoch nicht nehmen und präsentierte einen 14 Jahre alten rauchigen Single Malt, der zunächst in einer Kombination aus Refill-Hogsheads aus amerikanischer Weißeiche, mittelstark ausgebrannten amerikanischen Eichenfässern und First-Fill-Bourbon-Barrels reifte, bevor er ein sechsmonatiges Finish in First-Fill-Tawny-Port-Hogsheads erhielt.

Insgesamt wurden 15.000 Flaschen mit 52,8 % vol. von dieser Abfüllung auf den Markt gebracht – eine ganz schöne Menge für eine limitierte Festivalabfüllung.


Aussehen
Helles Kupfer


Nase
Schöner, kräftiger erster Eindruck in der Nase! Von Beginn an beerenfruchtig: Himbeeren, Brombeeren und Erdbeeren, begleitet von einer cremigen Vanillesauce. Ein erdiger, leicht schmutziger Rauch – hier kommen die Campbeltown-Gene zum Vorschein – liegt dezent im Hintergrund und verbindet sich stimmig mit den übrigen Aromen. Dunkler Waldhonig und Karamell sorgen für Süße, die durch mittel­dunkle Schokolade, geröstete Haselnüsse sowie getrocknete Küchenkräuter einen herb-würzigen Gegenpol erhält.

Mit mehr Luft verändert sich die Fruchtnote bzw. wird durch eingekochtes Apfelkompott mit angenehmer Säure ergänzt. Dazu gesellen sich saftige Rosinen, während der Vanilleanteil weiter zunimmt.

Der Alkohol bringt Frische mit einer zarten Mentholnote, ist jedoch durchgehend gut integriert. Die Nase macht richtig Spaß – kantig, robust und voller Details.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Kräftiger Antritt – hat ordentlich Wumms und trägt die Aromen seidig weich auf die Zunge. Zu Beginn sehr süßer, cremiger Beerenröster, vor allem Brombeeren mit etwas Himbeere. Der Rauch-Funk mit seiner leicht schmutzigen Hafenattitüde ist stärker als in der Nase und gefällt mir sehr gut. Für einen kurzen Schärfekick, nach dem süß/fruchtigen Einstieg, sorgt schwarzer Pfeffer aus der Mühle, der jedoch rasch wieder abebbt. 

Im weiteren Verlauf wird der Geschmack würziger: getrocknete Tabakblätter, eine Spur Lederpolitur, leicht muffige, erdige Noten, getrocknete Kräuter und geröstete Haselnüsse. Die Vanille tritt im Mund in den Hintergrund.
Ab dem zweiten, dritten Schluck zeigen sich Frucht und Süße wieder etwas stärker im Zusammenspiel, die Würzigkeit bleibt jedoch dominant.

Der Alkohol - immerhin fast 53% - ist sehr stimmig eingebunden - kräftig, aber nie aufdringlich oder zu stark. Der Malt hat eine perfekte Genussstärke.


Abgang
Mittellang – Rauch und Beeren kleben regelrecht am Gaumen. Auch Tabak, Muskat und die getrockneten Kräuter verweilen noch eine ganze Zeit.


Fazit
So könnte ein Springbank 12 CS mit Portreifung schmecken. Glen Scotia braucht sich hinter Springbank mit dieser Abfüllung keineswegs zu verstecken. Intensiver Campbeltown-Style mit Beerenröster inklusive, das Fassfinish legt sich optimal über den funky Rauch.

Eigentlich gefällt mir der Malt überhaupt nicht, muss man nicht kaufen.

Nein. Glen Scotia sollte man wirklich nicht beachten.

Springbank-Fanboys, bleibt bei eurer Hype-Brennerei (die auch wirklich tolle Abfüllungen herausbringt) und steigt bloß nie auf Glen Scotia um. Dann bleibt das Preis-/Genussverhältnis weiterhin so schön gut. 

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