Whiskybase
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Über die Brennerei Macallan, ihre Preispolitik und das damit verbundene ambivalente Verhältnis vieler Whisky-Nerds zu dieser Marke muss ich wohl keine weiteren Worte verlieren. Trotzdem gehören die Whiskys dieser traditionsreichen Speyside-Destillerie weltweit zu den beliebtesten überhaupt. Für viele Whiskyliebhaber ist ein Macallan nach wie vor das Nonplusultra des Whiskygenusses.
Ich hatte in der Vergangenheit bereits den einen oder anderen Macallan im Glas – sowohl Originalabfüllungen als auch unabhängige Abfüllungen. Vor allem die Originale empfand ich meist als sehr akzeptable Alltagsdrams - mit Ausnahme des 12y Triple Cask, der fiel ein wenig ab. Wenig nachdenken, einfach genießen – dagegen ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden. Einzig der Preis stört mich. Für einen unkomplizierten Alltagswhisky möchte ich die mittlerweile aufgerufenen Summen einfach nicht bezahlen.
Auf der anderen Seite gehört ein Macallan – zumindest meiner Meinung nach – in jede Sammlung eines James-Bond-Fans. Und genau ein solcher bin ich. Erschwerend kommt bei vielen Originalabfüllungen hinzu, dass sie lediglich mit 40 % vol. abgefüllt werden. Das ist mir inzwischen etwas zu wenig, um die Aromen optimal zu transportieren. Ideal wären für mich 46 bis 50 % vol., allerdings bewegt man sich dann meist bereits in deutlich höheren Preisregionen.
Wie es der Zufall wollte, wurde ich schließlich bei einer Krüger-Auktion fündig und konnte mir einen Macallan 15 Jahre Double Oak aus dem Jahr 2020 zu einem sehr moderaten Preis sichern.
Die Double-Oak-Serie bildet gewissermaßen die mittlere Linie innerhalb der damaligen Core Range von Macallan. Daneben gab es die Sherry Oak Serie mit einer Reifung ausschließlich in europäischen Oloroso-Sherryfässern sowie die Triple Oak Serie, bei der amerikanische und europäische Oloroso-Sherryfässer zusätzlich mit Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche kombiniert wurden. Letztere wurde inzwischen durch die Colour Collection ersetzt.
Den 18-jährigen Double Oak hatte ich bereits im Glas und wusste daher ungefähr, was mich erwarten würde. Zudem bringt der 15-Jährige immerhin 43 % vol. mit – drei Prozentpunkte mehr als viele andere Standardabfüllungen von Macallan.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Aussehen
Rötlicher dunkler Bernstein.
Nase
Von Beginn an präsentiert sich eine ausgesprochen elegante, harmonische und zugleich moderne Sherrynase. Die 43 % vol. stehen dem Whisky ausgesprochen gut. Die Aromen werden mit ausreichend Kraft aus dem Glas getragen.
Neben den klassischen getrockneten Früchten wie Feigen, Datteln und Rosinen zeigen sich auch Orangenmarmelade und Marillenröster. Begleitet wird diese überraschend intensive Fruchtigkeit von Karamell, das für eine angenehme Süße sorgt, sowie einer ordentlichen Portion Vanille.
Den ausgewogenen Gegenpol bilden geröstete Haselnüsse, mittelkräftiges Kakaopulver, Ingwer und ein Hauch europäischer Eiche. Dass sich die Holzwürze in der Nase eher zurückhaltend zeigt, überrascht mich etwas. Bei einer zumindest teilweisen Reifung in europäischen Eichenfässern hätte ich mit mehr Tanninen und herberen Noten gerechnet.
Geschmack
Der dem vergleichsweise niedrigen Alkoholgehalt geschuldete sanfte Antritt war zu erwarten. Dennoch präsentieren sich die Aromen erfreulich intensiv.
Umso überraschender ist, dass sich die Eiche am Gaumen deutlich kräftiger zeigt als noch in der Nase.
Auch die Sherryaromen wirken nun insgesamt dunkler. Getrocknete Früchte – allen voran Rosinen – stehen klar im Vordergrund. Vanille und Süße treten merklich zurück, ebenso die helleren Fruchtaromen. Von Marillen oder Orangen finde ich nun kaum noch etwas.
Dafür entwickeln sich Tabakblätter, Leder und ein Hauch Möbelpolitur – klassische Begleiter einer Reifung in europäischen Sherryfässern. Im Mittelteil zieht zudem eine angenehm würzige Ingwernote über die Zunge.
Mit jedem weiteren Schluck gewinnt die Holzwürze sogar noch etwas an Intensität. Sie bleibt jedoch jederzeit gut eingebunden und fügt sich stimmig in das Gesamtbild ein. Vermutlich tragen die moderaten 43 % vol. dazu bei, dass auch die leicht bitteren Holznoten jederzeit in Balance bleiben.
Abgang
Das Finish fällt erfreulich lang aus. Dunkle Schokolade, mittelkräftiger schwarzer Kaffee, Rosinen, Tabak und getrocknete dunkle Früchte verweilen noch lange am Gaumen.
Fazit
Der Macallan 15 Jahre Double Oak ist ein ausgesprochen harmonischer und vor allem in der Nase sanfter Sherrywhisky aus der Speyside, der unabhängig von den persönlichen Vorlieben vielen Whiskyfreunden gefallen dürfte.
Besonders gut gefällt mir die kräftigere Eiche am Gaumen, die einen schönen Gegenpol zu der fruchtbetonten Nase bildet. Meine anfängliche Skepsis gegenüber den 43 % vol. hat sich während der Verkostung schnell gelegt. Die Alkoholstärke reicht vollkommen aus, um die Aromen und Geschmacksnoten überzeugend zu transportieren.
Insgesamt bietet der Whisky einen eleganten und unkomplizierten Genuss ohne große Ecken und Kanten. Wem der Macallan 15 Jahre Sherry Oak preislich zu hoch angesiedelt ist, der sollte dem Double Oak durchaus eine Chance geben.


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