Mittwoch, 28. Juni 2023

Benrinnes 12y - Spirits of the Forest VI (whic)

 

Whiskybase

English Text Version


Ein weiteres Probe-Sample von whic.de ist in meinem Briefkasten gelandet! Dieses Mal ist es die sechste Abfüllung aus der 13teiligen Serie Spirits of the Forest. Ein Benrinnes mit zwölf Jahren Reifungszeit in einem 2nd Fill-Oloroso Sherry Butt. Wie in der Serie üblich ohne Färbung und Kühlfiltration mit 47% Alkoholgehalt in die Flasche gefüllt.


Aussehen
Goldener Bernstein


Nase
Nicht nur aus der doch recht hellen Farbe, auch im Geruch lässt sich erkennen, dass das verwendete 2nd Fill Sherryfass nicht allzu freigiebig mehr mit seinen Aromen war. Der Brennereicharakter hat noch genug Raum bekommen sich zu zeigen. Neben einer süßen Malznote zeigen sich im Premium Snifter Glas rote reife Äpfel. Weitere Fruchtnoten steuern etwas Marillen- und Orangenkonfitüre dazu, die hinter dem anfänglichen Getreide- und Nussmix hervor blitzen. Von rotem Beerenobst oder ähnlich typischen Sherryaromen ist wenig zu riechen. Im Hintergrund ist eine dezent würzige Seite vorhanden, wie aromatischer frisch gemahlener schwarzer Pfeffer, nur leicht aber bemerkbar - könnte vom Fass kommen.  Nach dem ersten und zweiten Schluck verändert dich die Nase. Die Marille wird deutlicher und es kommen zusätzlich doch noch Anklänge von Beeren und Vanille hinzu.

Parallel habe ich mir den Whisky, neben dem Premium Snifter, auch in das Nosing Glas von Simple Sample eingeschenkt. Und siehe da, hier entwickelt sich der Benrinnes viel fruchtiger und süßer! Die roten Äpfel sind nun ein mit Karamell zubereitetes Kompott, die Marillen switchen ebenfalls von Konfitüre zu Kompott mit beigemischtem Orangensaftkonzentrat. Vanille zeigt sich deutlicher. Die malzigen und nussigen Aromen sind im Hintergrund. Das Prickeln vom Pfeffer ist auch hier im Nachklang in der Nase zu spüren. Interessant wieder einmal, wie sich ein Whisky in unterschiedlichen Gläsern verhält.


Geschmack
Beim Verkosten aus dem Premium Snifter gleitet der Malt ölig und weich in den Mundraum. Ein kräftiger Antritt, der mit einer angenehmen Süße von Honig beginnt. Begleitet wird die Süße von hellen Fruchtaromen von Äpfeln und etwas Marille, die beim dritten Schluck noch Unterstützung durch Himbeeren bekommen. Danach übernimmt eine Würzigkeit mit deutlichem Pfefferanteil die Führung im Geschmack.

Aus dem Nosing Glas ist er überraschend gleich von Beginn an würziger und mehr auf der pfeffrigen Seite des Geschmacksspektrums angesiedelt. Viel weniger Süße und Fruchtanteil. Hier gefällt mir der Geschmack aus dem Premium Snifter deutlich besser.


Abgang
Gegen Ende hin blitzen beim Premium Snifter mittelschwere bittere Noten nach dunkler Schokolade auf. Die Eiche zeigt sich mehr. Aber auch weiterhin sind fruchtige Aromen vorhanden, auch mit etwas Vanille. Insgesamt ist es ein mittellanges Finish.


Fazit
Sehr interessantes Experiment, wie sich der Geruch und Geschmack eines Single Malts in verschiedenen Gläsern deutlich unterscheiden kann. Insgesamt liegen der Benrinnes 12y aus der Spirits of the Forest-Reihe und ich nicht ganz auf der selben Wellenlänge. Das bereits einmal verwendete Sherryfass hat zwar Raum für den Benrinnes eigenen Brennereicharakter gelassen, jedoch hätte ich mir etwas mehr Sherryanteil - und hier vor allem in punkto typischer Sherry-Fruchtigkeit - gewünscht. Auch die leichte Schärfe in der Nase, die sich auch im Mund weiterzieht, hätte weniger sein können - vor allem, wenn man bedenkt, dass hier mit „nur“ 47% abgefüllt wurde. Er ist aber ein grundsolider Single Malt, der gut gemacht ist, nur eben nicht exakt mein Geschmacksprofil trifft. Das Preis/Leistungsverhältnis mit rund € 55,- Ausgabepreis ist sehr in Ordnung.

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English Text Version


Another sample from whic.de has landed in my letterbox! This time it's the sixth bottling from the 13-part Spirits of the Forest series. A Benrinnes with twelve years of maturation in a 2nd Fill Oloroso Sherry Butt. As usual in the series, bottled without colouring and chill filtration at 47% alcohol.

Fotocredit: whic.de

Appearance
Golden amber


Nose
Not only from the rather light colour, but also from the smell it is obvious that the 2nd fill sherry cask used was not too generous with its aromas. The distillery character still has enough room to show itself. Besides a sweet malt note, red ripe apples show up in the Premium Snifter glass. Other fruity notes add a little apricot and orange jam, which peek out from behind the initial mix of cereals and nuts. There is little red berry fruit or similar typical sherry aromas. There is a subtle spicy side in the background, like aromatic freshly ground black pepper, only slightly but noticeable - could come from the cask.  After the first and second sip, the nose changes. The apricot becomes clearer and there are also hints of berries and vanilla.

At the same time, I poured the whisky into the Simple Sample nosing glass, in addition to the Premium Snifter. And lo and behold, here the Benrinnes develops much more fruity and sweet! The red apples are now a compote prepared with caramel, the apricots also switch from jam to compote with added orange juice concentrate. Vanilla shows up more clearly. The malty and nutty flavours are in the background. The tingle from the pepper can also be felt here in the aftertaste in the nose. Interesting once again how a whisky behaves in different glasses.


Taste
Tasting from the Premium Snifter, the malt glides oily and smoothly into the mouth. A strong attack that starts with a pleasant sweetness of honey. The sweetness is accompanied by bright fruit aromas of apples and a little apricot, which are supported by raspberries on the third sip. After that, a spiciness with a clear pepper component takes the lead in the taste.

From the nosing glass, it is surprisingly spicier right from the start and more on the peppery side of the taste spectrum. Much less sweetness and fruit content. Here I like the taste from the Premium Snifter much better.


Finish
Towards the end, medium bitter notes of dark chocolate flash up in the Premium Snifter. The oak shows more. But fruity flavours continue to be present, with some vanilla as well. Overall, it's a medium-long finish.


Conclusion
Very interesting experiment in how the smell and taste of a single malt can differ significantly in different glasses. Overall, the Benrinnes 12y from the Spirits of the Forest range and I are not quite on the same wavelength. The sherry cask, which has already been used once, has left room for Benrinnes' own distillery character, but I would have liked a little more sherry content - and here especially in terms of typical sherry fruitiness. The slight spiciness in the nose, which continues in the mouth, could also have been less - especially when you consider that this was bottled at "only" 47%. But it is a rock-solid single malt that is well made, just not exactly meeting my taste profile. The price/performance ratio of around € 55,- is very reasonable.

Mittwoch, 21. Juni 2023

Tobermory 12y

 

Whiskybase

English Text Version


Die ersten heißen Sommertage, die ersten 30iger sind am Thermometer zu sehen. Ich habe richtig Lust auf einen feinen Ex-Bourbon-Whisky. Wie so oft im Sommer beim warmen Sommerwetter tendiere ich eher zu den hellfruchtigen Ex-Bourbon-Reifungen, als zu den schwereren und gesetzteren Ex-Sherry- oder Rotweinfass-Abfüllungen. Ist bei mir wie beim Wein, kommt die Hitze, kommen die Weißweine und die Sommerspritzer. Im Winter können es dann wieder schwere, gehaltvolle Rotweine sein.

Ein Blick in die Samplekiste(n) offeriert mir den Tobermory 12y. Perfekt. Der Einsteiger in die nicht-rauchige Standard-Reihe der einzigen Brennerei auf der Isle of Mull. Für die Reifung kommen sowohl Ex-Bourbon- als auch Virgin-Oak-Fässer zum Einsatz. Von der Fassauswahl sollte der Single Malt die perfekten Sommer-Aromenvibes versprühen. Ohne Farbzusatz und ohne Kühlfiltration kommt der 12y mit 46,3% Alkohol in die Flasche.

Aussehen
Dunkelgold, helles Bernstein


Nase
Sogleich ein angenehmer, sehr süßer, fruchtiger Beginn - yes, so wollte ich es. Blütenhonig vermengt mit intensiven Aromen nach überreifen roten Äpfeln und Birnen. Eine leichte Säure macht sich auch bemerkbar. Zum Kernobst gesellen sich Weinbergpfirsiche und Marillen. Auch ein Touch von exotischen Früchten wie grüne Mango oder Papaya ist vorhanden. Hinter diesem anfänglichen Obstkorb verbirgt sich Marzipan und Vanille. Der Alkohol ist erfrischend in der Nase, aber nicht störend. Insgesamt merkt man die Reifezeit von 12 Jahren, er wirkt gesetzt, homogen und nicht jung und spritzig. Ein paar Minuten Luftzufuhr helfen ungemein.


Geschmack
Der Malt startet mit einem weichen cremigem Mundgefühl, kombiniert mit Karamell und Vanille sowie den aus der Nase bekannten exotischen Früchten. Dann wechselt es rasch über in eine ordentliche Würzigkeit mit Anklängen von aromatischem Pfeffer und Ingwerschärfe. Die Eichenfassreifung zeigt ihr Potential nach 12 Jahren. Gegen Ende melden sich noch säuerliche Aromen bei den Geschmacksrezeptoren, ähnlich wie Blutorange oder leicht gesüßte Ribiseln. Die 46,3 % Alkoholstärke passen perfekt, die Aromen werden kräftig nach vorne transportiert ohne jedoch zu intensiv zu werden. 


Abgang
Die Ingwerschärfe bleibt noch etwas länger im Mundraum stehen, verblasst und wechselt in eine moderate Eichenwürze über, die mittelausgeprägt ist. Nun sind vor allem, von der fruchtigen Seite, die Schalen der Äpfel und Birnen aus dem Geruch noch zu schmecken. Eine leichte Süße und etwas Vanille schwingt ebenfalls noch mit. Insgesamt gestaltet sich das Finish mittellang.


Fazit
Die Nase verspricht einiges. Sehr süß und fruchtbetont, eine schöne Combo aus Kernobst und exotischen Aromen. Im Mund übernimmt mach anfänglicher Süße relativ rasch die würzige Eiche das Kommando. Aber es stört nicht, zeugt von der Reifedauer und Charakter. Das Finish ist angenehm, ausreichend lange und animiert zum nächsten Schluck. Der Tobermory 12y ist einer der besseren Standards im 12-Jahres Spektrum der Core Ranges. Er ist nicht eindimensional. Kein easy drinking Malt aber auch kein hochkomplexes Machwerk. Passt genauso im Herbst zu etwas kühleren Tagen, als auch in den Sommer sehr gut hinein. Gefällt. 

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English Text Version

The first hot summer days, the first 30s degrees are showing on the thermometer. I'm really in the mood for a fine ex-bourbon whisky. As is so often the case in the summer when the weather is warm, I tend to prefer the light-fruited ex-bourbon maturations to the heavier and more sedate ex-sherry or red wine cask bottlings. It's like wine for me: when the heat comes, the white wines and summer splashes come. In winter, it can be heavy, full-bodied red wines again.

A look in the sample box(es) offers me the Tobermory 12y. Perfect. The entry into the non-smoky standard range of the only distillery on the Isle of Mull. Both ex-bourbon and virgin oak casks are used for maturation. From the cask selection, the single malt should exude the perfect summer aroma vibes. With no colour added and no chill filtration, the 12y is bottled at 46.3% alcohol.

Fotocredit: Tobermory


Appearance
Dark gold, light amber


Nose
Immediately a pleasant, very sweet, fruity start - yes, that's how I wanted it. Blossom honey mixed with intense aromas of overripe red apples and pears. A slight acidity is also noticeable. Pome fruits are joined by vineyard peaches and apricots. There is also a touch of exotic fruits like green mango or papaya. Behind this initial fruit basket, there is marzipan and vanilla. The alcohol is refreshing on the nose, but not disturbing. Overall, you notice the ageing time of 12 years, it seems set, homogeneous and not young and tangy. A few minutes of airing help immensely.


Taste
The malt starts with a soft creamy mouthfeel, combined with caramel and vanilla and the exotic fruits familiar from the nose. Then it quickly changes to a decent spiciness with hints of aromatic pepper and ginger heat. The oak barrel ageing shows its potential after 12 years. Towards the end, tart aromas still register with the taste receptors, similar to blood orange or slightly sweetened currant. The 46.3% alcohol strength fits perfectly, the flavours are transported strongly to the front without becoming too intense. 


Finish
The ginger spiciness lingers a little longer in the mouth, fades and changes to a moderate oak spiciness that is medium pronounced. Now, above all, on the fruity side, the peel of apples and pears from the smell can still be tasted. A slight sweetness and a little vanilla also resonate. Overall, the finish is medium long.


Conclusion
The nose promises a lot. Very sweet and fruity, a nice combo of pome fruits and exotic aromas. In the mouth, after the initial sweetness, the spicy oak takes over relatively quickly. But it doesn't interfere, testifies to the maturation time and character. The finish is pleasant, sufficiently long and encourages the next sip. The Tobermory 12y is one of the better standards in the 12-year spectrum of the Core Ranges. It is not one-dimensional. Not an easy drinking malt, but also not a highly complex work of art. Fits just as well in autumn on cooler days as it does in summer. I like it. 

Mittwoch, 14. Juni 2023

Zwei unterschiedliche Ryes aus den USA

 

English Text-Version

Roggenwhisky, also Rye ist bei uns Single Malt Geniesser immer noch eher ein Randthema. In den Vereinigten Staaten war Rye bis zur Prohibition sogar die vorrangige Whiskysorte, deutlich vor Bourbon. Die größten Brennereien entstanden in Pennsylvania. Nach der Prohibition geriet Rye-Whisk(e)y in den Staaten in Vergessenheit, der Bourbon übernahm das Zepter. 

Seit Anfang der 2000er Jahre gibt es eine Kehrtwende. Immer mehr Whiskeytrinker in den USA greifen wieder vermehrt zu Rye. Auch in der Barszene findet der würzige Rye wieder mehr Anklang. Neben Klein- und Mikrodestillerien sind vor allem die Big Player aus Kentucky wie Heaven Hill, Buffalo Trace, Jim Beam oder Wild Turkey und auch Jack Daniels aus Tennessee auf den Trend aufgesprungen. Aber auch in Pennsylvania entstanden neue Brennereien die wieder Ryes produzieren. 

Meine persönlichen Erfahrungen mit Roggenwhisky sind hauptsächlich von europäischen Destillerien aus Österreich, Deutschland, Finnland und Dänemark. Witzigerweise noch keine amerikanischen Ryes im Glas gehabt.

Diesen Umstand wollte ich ändern und habe mir zwei Ryes ausgesucht, die aus unterschiedlichen Bundesstaaten und unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung der mash bill sind. Damit ein Rye, sich Rye nennen darf, muss in seiner mash bill laut Gesetz mindestens ein Anteil von 51% Roggen enthalten sein. Der Rest der Mischung besteht dann aus Mais und anderen Getreidearten wie Gerste oder Weizen, die Zusammensetzung ist den Brennereien und ihren Rezepturen überlassen.


Elijah Craig Straight Rye

Whiskybase

Ich habe mit dem Elijah Craig Straight Rye einen Vertreter von Heaven Hill aus Kentucky mit 51% Roggen in der mash bill. Der Rest teilt sich zu 35% Mais und 14% Gerste auf. Er ist wie sein Kollege der Small Batch Bourbon für die Einsteiger in das Metier gedacht. Der in den USA seit 2020 auf den Markt befindliche Whisky hat 47% Alkohol, ist ungefärbt und kostet in den USA rund $ 30,-. In Deutschland und Österreich ist er eher selten bis gar nicht zu bekommen.

Fotocredit: Heaven Hill/Elijah Craig


Aussehen
Bernstein oder heller Ahornsirup


Nase
Sehr weich und rund, ein wenig süßes Karamell zu Beginn. Dann kommt der Roggen langsam durch. Aber sehr „cremig“, die für mich bei Roggenwhiskys so typischen Mentholnoten sind nur angedeutet. Er hat schon Ähnlichkeiten mit seinem Verwandten, dem Small Batch, obwohl die mash bill doch anders ist. Etwas Kirsche und süßes Orangenkonzentrat sind die fruchtigen Komponenten im Geruch. Reichlich Vanille, etwas Veilchenduft und würziges Eichenholz von den Fässern komplettieren das Aromenspiel. Der Alkohol ist gut integriert, ein leichtes Ziehen in der Nase ist zu bemerken, aber zusammen mit der würzigen Roggen/Mentholnote passt es gut.


Geschmack
Ein sehr weicher und zugleich cremig süßer Antritt im Mund. Einen Bourbon überraschend nicht unähnlich. Die Karamellsüße wird von einer würzigen Pfeffernote abgelöst. Dann doch die klassischen Roggenanteile mit Eukalyptus, Menthol, einer netten Milchschokolade und dem würzigen Roggengetreide. Der Alkohol ist gut eingebunden und sorgt mit seinen 47% dafür, dass die Aromen auch ordentlich nach vorne transportiert werden. Aber es ist alles sehr homogen und nicht zu aufdringlich.


Abgang
Mentholbonbons mit Kirschgeschmack, dazu etwas Eichenholz. Die Roggenwürzigkeit ist weiter präsent. Gegen Ende hin wird es leicht adstringierend vorne beim Zahnfleisch. Insgesamt eher mittellanger Abgang.


Fazit
Wenn er noch ein wenig mehr von der typischen Eichenfracht hätte, würde er locker als Bourbon mit mehr Roggenanteil in der mash bill durchgehen. Die Ryenoten sind vorhanden aber nie wirklich stark im Vordergrund. Er ist ein ruhiger Vertreter der barley legal Ryes. Wer Bourbon mag, aber noch keinen Rye kennt und ausprobieren mag, wie er damit zurecht kommt, ist hier richtig. Die Nase ist sehr ausgewogen, im Geschmack überraschend süß und cremig.

Dad's Hat Port Finished Rye Whiskey

Whiskybase

Die 2010 gegründete Destillerie hat sich komplett auf die Produktion von Rye-Whiskeys auf Basis der traditionellen Rye-Rezeptur aus Pennsylvania verschrieben. Mit einem Roggenanteil in der mash bill von 85% gehören die Whiskeys zu den high-rye Vertretern. Der Rest der mash bill besteht aus Gerstenmalz, kein Mais. Das Besondere an diesem Rye ist sein drei monatiges Finish in Port Fässern. Der mit 47% abgefüllte Rye ist ungefärbt. 


Ausehen
Dunkles Kupfer


Nase
Der Roggen ist gleich in der Nase präsent, typische frische Minznote und frischer Brotteig. Aber auch fruchtig und süß - reife rote Beeren mit netter Fruchtsäure. Muskatnuss, Zimt und Gewürznelken - fast ein wenig weihnachtlich. Leicht kandierte Veilchenblüten mit einem Schuss Orangenmarmelade. Vom Alkohol wenig zu merken, die 47% sind gut integriert. Mit ein, zwei Tropfen Wasser verändert sich der Rye. Der Alkohol meldet sich durch ein leichtes Stechen in der Nase. Dafür geht die Minznote zurück und es erscheint eine schöne Vanille.


Geschmack
Ein schönes weiches, cremiges Mundgefühl. Ziemlich süßer Antritt auf der Zunge mit einem fruchtigen Einschlag, rote Beeren aber auch etwas Rosinen. Dann geht es schnell weiter zur würzigen Seite - mit ordentlich Zimt und Muskat. Auch der Menthol/Minzanteil ist im Mund gegenwärtig - zusammen mit der Frucht entsteht eine schöne Assoziation nach Minzkaugummi mit Kirsch/Beerengeschmack. Den Alkohol merkt man nun mehr, es ist deutlich trockener und adstringierend am Gaumen. Mit Wasserzugabe geht es geschmacklich in Richtung fruchtigsüßes Minzbonbon. Die Würzigkeit nimmt ab und die Süße und Frucht harmonieren mehr.


Abgang
Es bleibt würzig, bekommt nun auch mehr Unterstützung von der Eiche. Viel After Eight und auch Trauben gegen Ende. Das Finish ist eher kurz bis wohlwollend mittelkurz. Schnell weg und der Weg ist frei für den nächsten Schluck. Süffig!


Fazit
Ein sehr interessanter amerikanischer Rye. Das Portwein Finish gefällt mir, die Kombination Roggen und Weinfassreifung harmoniert für mich gut. Er ist speziell. Nicht für jeden Tag und jede Person. Man muss Rye mögen. Die Bewertungen auf whiskybase.com kann ich nicht nachvollziehen. Wer bei einem Rye wie diesem mit so hohem Roggenanteil Bourbonaromen erwartet, hat das falsche Getränk im Glas.


Gesamtfazit
Mein kurzer Ausflug zu den amerikanischen Ryes hat sich gelohnt und Neugierde geweckt. Der Elijah Craig ist der sanftere, rundere Vertreter. Wer Bourbons mag, wird mit ihm sehr gut klar kommen. Ein easy sipper für einen gemütlichen Abend. Der Dad's Hat mit Port Finish ist rassiger, hat aber zugleich auch eine sehr fruchtige Seite. Man muss aber den würzigen Rye-Einfluss mögen. Ich tendiere diesmal eher zum Kandidaten aus Pennsylvania. Und zwar aus dem Grund, dass ich, wenn ich mich für einen Rye entscheiden auch diese spezifischen Aromen schmecken will. Der Elijah Craig war gut aber mir zu nah am Bourbon. 

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English Text Version


Rye whisky is still rather a marginal topic for us single malt connoisseurs. In the United States, rye was even the predominant type of whisky until Prohibition, well ahead of bourbon. The largest distilleries were established in Pennsylvania. After Prohibition, rye whisk(e)y fell into oblivion in the States, and bourbon took over the sceptre. 

Since the beginning of the 2000s, there has been a turnaround. More and more whiskey drinkers in the USA are turning to rye again. The spicy rye is also finding more favour in the bar scene. In addition to small and micro distilleries, the big players from Kentucky such as Heaven Hill, Buffalo Trace, Jim Beam or Wild Turkey and also Jack Daniels from Tennessee have jumped on the trend. But also in Pennsylvania, new distilleries have emerged that are producing ryes again. 

My personal experiences with rye whisky are mainly from European distilleries in Austria, Germany, Finland and Denmark. Funnily enough, I haven't had any American ryes in my glass yet.

I wanted to change this circumstance and chose two ryes that are from different states and different in their composition of the mash bill. For a rye to be called rye, its mash bill must, by law, contain at least 51% rye. The rest of the mash bill then consists of corn and other grains such as barley or wheat, the composition is left to the distilleries and their recipes.


Elijah Craig Straight Rye

Whiskybase

I have with the Elijah Craig Straight Rye a representative of Heaven Hill from Kentucky with 51% rye in the mash bill. The rest is split 35% corn and 14% barley. Like its Small Batch Bourbon colleague, it is intended for newcomers to the profession. The whisky, which has been on the market in the USA since 2020, has 47% alcohol, is uncoloured and costs around $30 in the USA. In Germany and Austria, it is rare or even impossible to find.


Appearance
Amber or light maple syrup.


Nose
Very soft and round, a little sweet caramel at the beginning. Then the rye slowly comes through. But very "creamy", the menthol notes so typical of rye whiskies for me are only hinted at. It already has similarities with its relative, the Small Batch, although the mash bill is different. Some cherry and sweet orange concentrate are the fruity components in the aroma. Plenty of vanilla, some violet scent and spicy oak from the casks complete the aroma play. The alcohol is well integrated, a slight pulling in the nose is noticeable, but together with the spicy rye/menthol note it fits well.


Taste
A very smooth yet creamy sweet attack in the mouth. Surprisingly not unlike a bourbon. The caramel sweetness is replaced by a spicy pepper note. Then there are the classic rye notes with eucalyptus, menthol, a nice milk chocolate and the spicy rye cereal. The alcohol is well integrated and with its 47% ensures that the flavours are also neatly transported to the front. But it's all very homogeneous and not too intrusive.


Finish
Menthol candy with cherry flavours, plus some oak. The rye spiciness continues to be present. Towards the end it becomes slightly astringent at the front of the gums. Overall, rather medium-long finish.


Conclusion
If it had a little more of the typical oak freight, it would easily pass for a bourbon with more rye in the mash bill. The rye notes are present but never really strong in the foreground. It is a quiet representative of the barley legal ryes. If you like bourbon but don't know any rye yet and want to try it out and see how you get on with it, this is the one for you. The nose is very balanced, surprisingly sweet and creamy on the palate.


Dad's Hat Port Finished Rye Whiskey

Whiskybase


Founded in 2010, the distillery is completely dedicated to the production of Rye whiskeys based on the traditional Rye recipe from Pennsylvania. With a rye content of 85% in the mash bill, the whiskeys belong to the high-rye representatives. The rest of the mash bill consists of barley malt, no corn. The special thing about this rye is its three-month finish in port casks. Bottled at 47%, the rye is uncoloured.

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Dark copper


Nose
The rye is immediately present on the nose, typical fresh minty notes and fresh bread dough. But also fruity and sweet - ripe red berries with nice fruit acidity. Nutmeg, cinnamon and cloves - almost a little Christmasy. Lightly candied violet blossoms with a dash of orange marmalade. Little alcohol, the 47% is well integrated. With a drop or two of water, the rye changes. The alcohol makes itself known with a slight sting in the nose. Instead, the mint note recedes and a nice vanilla appears.


Taste
A nice soft, creamy mouthfeel. Quite a sweet start on the tongue with a fruity impact, red berries but also some sultanas. Then it quickly moves on to the spicy side - with decent cinnamon and nutmeg. The menthol/mint component is also present in the mouth - together with the fruit, there is a nice association of minty chewing gum with a cherry/berry flavour. You notice the alcohol more now, it's noticeably drier and astringent on the palate. With the addition of water, the taste goes in the direction of fruity-sweet mint candy. The spiciness decreases and the sweetness and fruit harmonise more.


Finish
It remains spicy, now also gets more support from the oak. Lots of After Eight and also grapes towards the end. The finish is rather short to benevolently medium-short. Quickly gone and the way is clear for the next sip. Quaffable!


Conclusion
A very interesting American Rye. I like the port finish, the combination of rye and wine barrel ageing harmonises well for me. It is special. Not for every day and every person. You have to like rye. I can't understand the ratings on whiskybase.com. If you expect bourbon flavours from a rye like this with such a high rye content, you have the wrong drink in your glass.


Overall conclusion
My brief foray into American ryes was worthwhile and aroused curiosity. The Elijah Craig is the smoother, rounder representative. Those who like bourbons will get on very well with it. An easy sipper for a cosy evening. The Dad's Hat with port finish is racier, but also has a very fruity side. But you have to like the spicy Rye influence. I'm leaning more towards the candidate from Pennsylvania this time. The reason is that when I choose a Rye, I also want to taste these specific flavours. The Elijah Craig was good but too close to bourbon for me.

Mittwoch, 7. Juni 2023

Bladnoch Vinaya

 

Whiskybase

English Text Version


Bei meiner bisherigen Whisky-Genussreise habe ich die schottischen Lowlands wahrlich stiefmütterlich behandelt. Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, keine schlechten Erlebnisse mit Lowlands-Abfüllungen. Das Gebiet war einfach nicht in meinem Fokus. 

Wie zu Beginn des Jahres versprochen, werde ich nach dem grandiosen 15jährigen Daftmill nun auch weitere Abfüllungen von Brennereien aus den Lowlands verkosten. Ich habe mich zu diesem Zweck bei Simple Sample mit vier Samples von der Brennerei Bladnoch eingedeckt und werde sie im Laufe der nächsten Wochen und Monate hier vorstellen. Da ich bis dahin noch keine Berühungspunkte mit Bladnoch hatte, war die Auswahl der Samples sehr zufällig. Ich werde mir neben weiteren Bladnochs auch von anderen Lowland-Destillerien Verkostungssamples zulegen. Wenn ihr einen Tipp für mich habt, schreibt ihn mir in einem Kommentar rein! Würd mich freuen.

Der erste Whisky aus meinem Sample-Quartett ist der Bladnoch Vinaya. Der Name "Vinaya" stammt aus dem Sanskrit und soll soviel wie Respekt und Dankbarkeit bedeuten. Es ist eine Hommage an die Gründer der Brennerei, die den Grundstein für den heutigen Erfolg gelegt haben. Für diesen NAS-Whisky wurden sowohl Ex-Bourbon- als auch Ex-Oloroso Sherry-Fässer verwendet - das genaue Mischverhältnis ist nicht bekannt. Es ist eine Kombination aus Spirit vor der Zeit der neuen Eigentümer und neuem Spirit, der bereits mit dem neuen Equipment seit der Übernahme, produziert wurde. Ohne Kühlfiltration und Färbung wurde mit 46,7% Alkoholgehalt in die Flaschen gefüllt. 


Aussehen
Helles Gold oder dunkles Strohgelb


Nase
Im Geruch sofort ein voller Korb an reifen grünen und gelben Äpfeln. Zusätzlich eine angenehme malzige Note, süßer Gebäckteig mit einem Schuß Orangensaft. Vanille ist deutlich, auch etwas Blütenhonig. Im Hintergrund liegen Aromen von frisch geschnittenem Heu und grüner Wiese. Eine kühlende Minznote ist ebenfalls vorhanden. Alkohol ist gut eingebunden. Die Bourbonfässer dominieren deutlich das Aromenspektrum. Von den Sherryfässern ist in der Nase bis auf einen Hauch von Walderdbeeren wenig zu merken.

Geschmack
Pfeffrig, würzig, etwas wild. Die sanften typischen Bourbonfassaromen mit Vanille, der Malzigkeit und der reifen Frucht sind beim ersten Schluck verschwunden. Es dominiert sofort ein scharfer, pfeffriger Antritt - es beginnt leicht auf der Zunge zu brennen. Sehr würzig herb, fast schon etwas wild vom Alkoholgefühl. Von der Frucht ist jetzt nur noch die Schale vom Apfel zu schmecken. Etwas Vanille liegt noch im Hintergrund. Mit ein paar Tropfen Wasser nimmt die Schärfe ab und die Vanille bekommt wieder mehr Auftrieb, es wird aber auch gefährlich wässrig und unscheinbar.


Abgang
Gegen Ende hin nimmt die Eiche mit einer prägnanten Bitterkeit deutlich an Fahrt auf. Herbe dunkle Schokolade, kombiniert mit knackigen grünen Apfelspalten. Im Finish wird es vorne beim Zahnfleisch trocken. Das Ende ist bis auf die Eichenaromen, die noch länger nachwirken, kurz mit mittel.


Fazit
Die Nase ist die von einem angenehmen typischen Ex-Bourbonfass dominierten Sommerwhisky. Im Geschmack wirds mir persönlich etwas zu unwirsch und fast schon sprittig. Da gehen die Aromen aus der Nase größtenteils verloren. Nein, vom Geruch abgesehen, ist der Vinaya nicht so mein Beuteschema. Er wirkt unausgewogen und doch ziemlich jung. Bin gespannt, wie es mit den Bladnochs in meinem Verkostungstrial weitergeht.

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English Text Version


In my whisky enjoyment journey so far, I have truly given the Scottish Lowlands a step-motherly treatment. There is no real reason for this, no bad experiences with Lowlands bottlings. The area was simply not in my focus. 

As promised at the beginning of the year, after the terrific 15-year-old Daftmill, I will now taste other bottlings from Lowlands distilleries. For this purpose, I have stocked up on four samples from the Bladnoch distillery at Simple Sample and will present them here in the course of the next weeks and months. As I had no contact with Bladnoch until then, the choice of samples was very random. I will be getting tasting samples from other Lowland distilleries as well as other Bladnochs. If you have any tips for me, drop them in a comment! I'd be delighted.

The first whisky in my sample quartet is the Bladnoch Vinaya. The name "Vinaya" comes from Sanskrit and is supposed to mean respect and gratitude. It is a tribute to the founders of the distillery who laid the foundation for today's success. Both ex-bourbon and ex-Oloroso sherry casks were used for this NAS whisky - the exact blending ratio is not known. It is a combination of spirit from before the new owners took over and new spirit that has already been produced with the new equipment since the takeover. Without chill filtration and colouring, it was bottled at 46.7% alcohol. 

Fotocredit: whiskybase.com

Appearance
Light gold or dark straw yellow.


Nose
Immediately a full basket of ripe green and yellow apples on the nose. Additionally a pleasant malty note, sweet pastry dough with a dash of orange juice. Vanilla is evident, also some blossom honey. In the background are aromas of freshly cut hay and green meadow. A cooling mint note is also present. Alcohol is well integrated. The bourbon casks clearly dominate the aroma spectrum. There is little of the sherry casks on the nose except for a hint of wild strawberries.


Taste
Peppery, spicy, a little wild. The gentle typical bourbon cask aromas with vanilla, the maltiness and the ripe fruit are gone at the first sip. A sharp, peppery attack dominates immediately - it starts to burn slightly on the tongue. Very spicy tart, almost a little wild from the alcohol feeling. Only the peel of the apple can be tasted of the fruit now. A little vanilla is still in the background. With a few drops of water, the spiciness decreases and the vanilla gets more lift again, but it also becomes dangerously watery and unimpressive.


Finish
Towards the end, the oak picks up considerably with an incisive bitterness. Tart dark chocolate combined with crisp green apple slices. It gets dry at the front of the gums on the finish. The finish is short with medium except for the oak flavours that linger.


Conclusion
The nose is that of a pleasant typical ex-bourbon cask dominated summer whisky. On the palate, it gets a little too rough and almost tangy for me personally. The aromas from the nose get lost for the most part. No, apart from the smell, the Vinaya is not my cup of tea. It seems unbalanced and quite young. I'm curious to see how the Bladnochs will fare in my tasting room.

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