Mittwoch, 27. Dezember 2023

Knob Creek Rye

 

Whiskybase

English Text-Version


In diesem Jahr hat sich Bourbon und hier speziell American Rye als mein zweites Standbein bei Whisk(e)s herauskristallisiert. Die Kombination aus den typischen Bourbonnoten mit Vanille, Karamell, leichten Fruchtbestandteilen - oft in Form von eingelegten Amarenakirschen - der intensiven Eichenholzaromatik zusammen mit der frisch würzigen Rye-Charakteristik mit Roggenbrot/teig und dem Pfefferminz/Eukalyptus Touch gefallen mir immer mehr.

Von Knob Creek, einer Marke von Jim Beam, habe ich im Februar diesen Jahres den 9jährigen Bourbon verkostet. Dieser ist Teil der bekannten Jim Beam Small Batch Collection, in der neben dem Knob Creek 9y auch Booker's, Basil Hayden und Baker's inkludiert sind. Und der 9y Bourbon gefiel mir sehr gut - vor allem, wenn man den Preis als Kriterium miteinbezieht.

Neben dem besagten 9jährigen Bourbon hat Knob Creek auch einen Rye im Standard-Sortiment. Ich habe mir ein Sample von diesem Small Batch Rye mit 50% (100 Proof) im Zuge meiner heurigen aufkeimenden Rye-Neugierde besorgt. In Österreich sowie in Deutschland kann man bis dato - also aktuell 2023 - nur diese Rye-Version von Knob Creek bekommen.

Es gibt jedoch von Knob Creek seit März diesen Jahres - zumindest bis jetzt nur in den USA - einen Rye mit Age Statement. Sieben Jahre steht auf dem ebenfalls grünen Label auf der Flasche, offensichtlich zum sehr ähnlichen Preispunkt. Es kann also sein, dass im Laufe des nächsten Jahres vielleicht auch bei uns in Österreich und Deutschland die aktuelle NAS-Version durch diese neue 7jährige Abfüllung ersetzt wird.

Ähnlich ist es auch beim 9y Bourbon gewesen, der aufgrund von zwischenzeitlichem altersgerechten Fassmangel 2016 vom Age Statement kurzer Hand auf eine Small Batch NAS-Version getauscht wurde, nur um 2020 wieder die Altersangabe am Label zu haben.

Eventuell hat Jim Beam nun auch für ihren Einsteiger Rye genügend Fässer gebunkert damit man nun ein Alter aufs Label drucken kann. Viele Informationen zu dieser Neue Version gibt es im Netz noch nicht zu finden.

Wie alt die verwendeten Fässer bei der Small Batch Variante, die ich verkostete habe, waren ist nicht bekannt, ebenso wenig wie die genaue Zusammensetzung der Mash Bill ist - hier schweigt sich Jim Beam strickt aus. Es wird jedoch vermutet, dass der verwendete Roggenanteil nicht viel höher als der gesetzlich vorgeschriebene Prozentsatz von 51% sein wird. 


Aussehen
Bernstein


Nase
Yes. Rye. Gleich von Beginn weg riecht man eine schöne deutlich würzige Roggenbrotnote, frisches dunkles Roggenbrot, sehr ausgeprägt. Die für mich bei Ryes, vor allem bei Mashbills mit höherem Roggenanteil, typische Pfefferminznote fällt hier jedoch nicht so prägnant aus. Insgesamt eine angenehm, fast schon sanfte Rye-Nase. Hinter der anfänglichen Roggenwürze wird es süß und fruchtig. Leicht künstlich anklingendes Kirscharoma, wie von Haribo Happy Cherries, kombiniert mit Vanille und Karamell. Der Alkohol pickst immer wieder ganz leicht in der Nase und sorgt unterschwellig für eine frische Note. Mit der Zeit kommen ein paar geröstete Nüsse und eine ordentliche Eichenholznote zum Vorschein. Insgesamt eine schöne ausgeglichene Mischung. 

Wasserbeigabe ist nicht notwendig. Im Gegenteil. Sogar nur wenige Tropfen reichen um die Roggenwürzigkeit und die Mentholnote zu intensivieren und die Balance ins Schwanken zu bringen.


Geschmack
Die 50% Alkohol sorgen für einen anständigen Antritt im Mund. Gutes weiches Mundgefühl. Eine leckere After Eight Note mit viel Pfefferminz/Menthol, gefolgt von dunklem grobkörnigem Roggenbrot mit schöner Würze. Danach findet sich Vanille mit einer spürbaren aber nicht allzu ausgeprägten Süße. Und dann kommt frisch geschnittene Dille und etwas Gurkenwasser. Interessante Kombi, aber nicht unlecker!
Dann wird es kurz fruchtig mit etwas Kirsche. Die Eichenfässer schieben sich, auch dank des Alkoholgehalts, ordentlich in den Vordergrund. Der Alkohol ist wirklich gut integriert und in keiner Weise störend.

Auch beim Geschmack ist kein Wasser nötig oder sinnvoll. Wie im Geruch ist es eher kontraproduktiv. 


Abgang
Das Ende beginnt mit einem sehr feinem Kirschzuckerl mit Unterstützung durch Vanille. Ebenfalls weiterhin präsent ist Pfefferminzfrische mit einer nicht allzu deutlichen Eichenwürze und -bitterkeit. Leicht adstringierend im Finish mit einem mittellangen Abgang. 


Fazit
Trotz der nur knapp über 50% Roggenanteil in der Mash Bill ist die Roggenwürze ordentlich ausgeprägt. Die Nase ist sehr fein aber gar nicht mal das Beste an diesem Rye. Dies ist für mich eindeutig der Geschmack und Abgang. Da kann der Knob Creek seine Stärken voll ausspielen. Er gefällt wirklich recht gut, kommt aber nicht ganz an meinen aktuellen Favoriten, den Jack Daniels Single Barrel Rye mit 45%, heran. Für den aktuell ausgerufenen Preis um rund € 37,- bis € 45,- ist er aber eindeutig eine Empfehlung wert.

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English Text-Version


This year, bourbon and American rye in particular has crystallised as my second mainstay when it comes to whisk(e)s. The combination of the typical bourbon notes with vanilla, caramel, light fruit components - often in the form of pickled Amarena cherries - the intense oak flavour together with the fresh, spicy rye characteristics with rye bread/dough and the peppermint/eucalyptus touch is becoming more and more attractive to me.

I tasted the 9-year-old bourbon from Knob Creek, a Jim Beam brand, in February this year. This is part of the well-known Jim Beam Small Batch Collection, which also includes Booker's, Basil Hayden and Baker's. And I really liked the 9y bourbon - especially if you consider the price as a criteria.

Knob Creek also has a rye in its standard range. I got myself a sample of this small batch rye at 50% (100 proof) as part of my growing curiosity for rye this year. In Austria and Germany - currently 2023 - you can only get this Rye version from Knob Creek.

However, since March this year, Knob Creek has been offering a Rye with an age statement - at least so far only in the USA. The green label on the bottle also says seven years, obviously at a very similar price point. It is therefore possible that the current NAS version will be replaced by this new 7-year-old bottling in Austria and Germany in the course of next year.

It was a similar story with the 9y Bourbon, which was swapped from the age statement to a small batch NAS version in 2016 due to a lack of barrels in the meantime, only to have the age statement on the label again in 2020.

Perhaps Jim Beam now also has enough barrels in stock for its entry-level Rye so that an age can now be printed on the label. There is not yet much information about this new version on the internet.

How old the barrels used for the small batch version that I tasted were is not known, nor is the exact composition of the mash bill - Jim Beam is strictly silent on this. However, it is assumed that the proportion of rye used will not be much higher than the legally prescribed percentage of 51%. 

Fotocredit: Knob Creek/Jim Beam


Appearance
Amber colour


Nose
Yes. Rye. Right from the start you can smell a nice, clearly spicy rye bread note, fresh dark rye bread, very prominent. However, the peppermint note that is typical for me in ryes, especially in mashbills with a higher rye content, is not so distinctive here. Overall, a pleasant, almost gentle rye nose. After the initial rye flavour, it becomes sweet and fruity. A slightly artificial cherry flavour, like Haribo Happy Cherries, combined with vanilla and caramel. The alcohol picks at the nose ever so slightly and provides a subliminal fresh note. Over time, a few roasted nuts and a decent oaky note come to the foreground. Overall, a beautifully balanced combination. 

The addition of water is not necessary. On the contrary. Even just a few drops are enough to intensify the rye spiciness and the menthol note and to upset the balance.


Flavour
The 50% alcohol provides a decent start in the mouth. Good soft mouthfeel. A delicious After Eight note with lots of peppermint/menthol, followed by dark coarse-grained rye bread with a nice spiciness. This is followed by vanilla with a noticeable but not overly intense sweetness. And then comes freshly cut dill and some cucumber water. An interesting combination, but not untasty!

Then it briefly becomes fruity with a hint of cherry. The oak barrels really come to the fore, also thanks to the alcohol strength. The alcohol is really well integrated and in no way distracting.

No water is necessary or useful in the flavour either. As with the smell, it is rather counterproductive. 


Finish
The finish begins with a very fine cherry candy flavour supported by vanilla. Peppermint freshness is also still present with a not too obvious oak spiciness and bitterness. Slightly astringent on the final with a medium-long finish. 


Conclusion
Despite the rye percentage of just over 50% in the Mash Bill, the rye flavour is quite marked. The nose is very fine but not even the best thing about this rye. For me, this is clearly the flavour and finish. This is where Knob Creek really comes into its own. I really like it, but it doesn't quite come close to my current favourite, the Jack Daniels Single Barrel Rye at 45%. However, for the current price of around € 37,- to € 45,- it is definitely worth a recommendation.

Mittwoch, 20. Dezember 2023

Glentauchers 24y (ADoS)

 

Whiskybase

English Text-Version


Leise rieselt leider nicht der Schnee aber ein Weihnachtsbaum steht bereits auf der Terrasse. Zwar noch verpackt aber bereit um am 24. geschmückt zu werden. Die Geschenke sind bereits in buntem Papier gehüllt. Ich freue mich auf Weihnachten. 

Und zur Weihnachtszeit gehört auch ein schöner Weihnachtsmalt. Dieses Jahr ist es ein 24jähriger Glentauchers aus der A Dream of Scotland Serie vom Brühler Whiskyhaus. Gereift in einem Refill Oloroso Sherry Butt und angenehme 51,6% sprachen mich zusammen mit seinem Alter an. 

Ich hatte bis dato noch keinen Malts aus dieser Brennerei im Glas gehabt. Die 1897 gegründete Speyside Brennerei gehört derzeit zum Pernod Ricard Konzern und produziert überwiegend für Blends wie Black % White, Teachters und natürlich Ballantines. Erst seit 2017 gibt es mit einem 15 Jahre alten und seit 2021 einen 23jährigen als Teil der Ballantine's Single Malt Serie überhaupt Originalabfüllungen. Bis dahin kamen Glentauchers nur bei unabhängigen Abfüllern als Single Malts in die Flasche.  


Aussehen
Sattes dunkles Gold


Nase
Direkt nach dem Einschenken und während den ersten Minuten im Glas zeigt sich der Malt von seiner schüchternen Seite. Flüchtig und zart sind die Aromen, vorwiegend leichte Sherrynoten und helles Obst. Zeit und Sauerstoff erwecken nach und nach weitere Düftnoten. Ein Hauch Vanille, direkt aus der Schote, noch nicht allzu reife Marillen und Mirabellen. Eine trockene, leicht muffige Holznote schwingt im Hintergrund als Basis immer mit. Wie viel Geschmack konnten die Refill-Fässer noch hergeben?

Der Whisky benötigt wirklich Zeit im Glas. Die Aromen werden mit weiterer Standzeit kräftiger. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Noten gesellen sich nun auch Leder und Reste von Pfeifentabak. Bei intensiverem Hineinriechen ins Glas sind Puderzucker, getrocknete Erdbeeren, Kirschen und Dörrpflaumen wahrzunehmen. Der Holzeinfluss wird stärker - Milchschokolade mit einer Handvoll gerösteter Haselnüssen, zusammen mit Karamell. 


Geschmack
Wow! Sehr cremig mit einem vollen Mundgefühl. Überraschend süß und fruchtig und sehr intensive Aromen. Ganz anders als beim Geruch. Die Dörrpflaumen aus der Nase wandeln sich in saftige Zwetschken. Hinzu kommen Rosinen, halbgetrocknete Datteln und Feigen. Die deutliche Süße kommt von weichem Toffee und Karamell. Nach dem anfänglichen Obstkorb wird es würziger. Das Holz zeigt sich mit aromatischen weißem Pfeffer mit einer dezenten Schärfe, ebenso dunkle Schokolade mit gerösteten Nüssen, sowie Tabak und Leder. Der Alkohol ist gut integriert, Wasserverdünnung ist hier nicht von Nöten. 


Abgang
Das Finish ist vor allem holzgeprägt. Leicht muffig, etwas Holzstaub, auch altes Leder. Die getrockneten Tabakblätter bleiben noch etwas länger präsent. insgesamt eher ein mittellanger Abgang. 


Fazit
Eine gewisse Unaufdringlichkeit bei den Aromen, eine ältere Gelassenheit finde ich ja grundsätzlich gut, jedoch war es mir hier etwas zu viel Understatement. Er benötigt wirklich lange bis er in die Gänge kommt. Nach einer längeren Ruhezeit von mindestens 45 Minuten werden die Aromen intensiver und da gefiel er mir dann auch deutlich besser. Der Einfluss des Sherryfasses ist durchaus zu bemerken und angenehm, es braucht halt seine Zeit.

Ganz im Gegensatz dazu der Geschmack. Hier war er von Beginn an kräftig und intensiv. Und wirklich lecker! Woher kommt diese deutliche Süße? Schöne Sherryfrüchte. Die 24 Jahre im Fass sorgen für eine Holzfracht, die andrückt aber immer aromatisch bleibt.

Bin zwiegespalten. Die schüchterne Nase gefiel mir - hier vor allem anfänglich - nur mittelprächtig, beim Geschmack hingegen traf er bei mir ins Volle.

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English Text-Version


Unfortunately, the snow isn't falling quietly, but there is already a Christmas tree on the terrace. Still wrapped but ready to be decorated on 24 December. The presents are already packed in colourful paper. I'm looking forward to Xmas. 

And the Christmas season also includes a beautiful Christmas malt. This year it's a 24-year-old Glentauchers from the A Dream of Scotland series from Brühler Whiskyhaus. Matured in a refill Oloroso sherry butt and a nice 51.6%, it appealed to me along with its age. 

I had never had a malt from this distillery in my glass before. Founded in 1897, the Speyside distillery is currently part of the Pernod Ricard Group and mainly produces for blends such as Black & White, Teachters and, of course, Ballantines. Original bottlings have only been available since 2017 with a 15-year-old and, since 2021, a 23-year-old as part of the Ballantine's Single Malt series. Until then, Glentauchers were only bottled as single malts by independent bottlers. 
 

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Rich dark gold colour


Nose
Immediately after pouring and during the first few minutes in the glass, the malt shows its shy side. The flavours are volatile and subtle, predominantly light sherry notes and light fruit. Time and oxygen gradually awaken further flavours. A hint of vanilla, straight from the pod, not yet too ripe apricots and mirabelle plums. A dry, slightly musty woody note always hovers in the background as a fundamental note. How much flavour could the refill casks still give?

The whisky really needs time in the glass. The flavours become stronger with more time. In addition to the notes already described, leather and remnants of pipe tobacco are now also present. Smelling more intensely into the glass, icing sugar, dried strawberries, cherries and prunes can be detected. The woody influence becomes stronger - milk chocolate with a handful of roasted hazelnuts, together with caramel. 


Flavour
Wow! Very creamy with a full mouthfeel. Surprisingly sweet and fruity and very intense flavours. Quite different from the smell. The prunes from the nose turn into juicy plums. There are also sultanas, semi-dried dates and figs. The distinct sweetness comes from soft toffee and caramel. After the initial fruit basket, the flavour becomes spicier. The wood reveals itself with aromatic white pepper with a subtle spiciness, as well as dark chocolate with roasted nuts, tobacco and leather. The alcohol is well integrated, water dilution is not necessary here. 


Finish
The finish is mainly characterised by wood. Slightly musty, some wood dust, also old leather. The dried tobacco leaves remain present a little longer. Overall, a rather medium-long finish. 


Conclusion
I generally like a certain unobtrusiveness in the flavours, an older calmness, but it was a little too much understatement for me here. It really needs a long time to get going. After a longer resting time of at least 45 minutes, the flavours become more intense and then I liked it much better. The influence of the sherry cask is definitely noticeable and pleasant, it just takes time.

The flavour is quite the opposite. It was strong and intense right from the start. And really delicious! Where does this distinct sweetness come from? Beautiful sherry fruits. The 24 years in the cask give it a woody flavour, which is noticeable but always remains aromatic.

I'm ambivalent. I was only moderately impressed by the shy nose - especially at first - but the flavour hit the spot for me.

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Bunnahabhain 10y 2012/2023 SV selected for Fassstark.de

 

Whiskybase

English Text-Version


Rechtzeitig vor dem Jahresende fand ich endlich Zeit und Muße die diesjährige Forenabfüllung meines Stammforums, fassstark.de, zu verkosten. Es wird von Jahr zu Jahr immer schwieriger eine eigene Abfüllung zu organisieren. Auch für das Forenteam, die in der Branche gut vernetzt ist. Dieses Jahr sprang Andre Haberecht, Gründungsmitglied von Fassstark.de, nach einer Zwischenstation bei Kirsch.de nun beruflich in Schottland bei Edradour und Signatory Vintage beheimatet, ein und konnte dem Forenteam ein Fass bei Signatory Vintage  besorgen.

Kommen wir zur eigentlichen Abfüllung. Es ist diesmal ein 10jähriger Bunnahabhain der seine Reifezeit in einem 1st Fill Oloroso Sherry Butt verbrachte. Wäre er drei Wochen länger im Fass geblieben, hätte er sein elfte Jahr erreicht. Keine Färbung oder Kühlfiltration und mit Fassstärke - so soll es auch sein für ein Forum mit diesem Namen - abgefüllt. Und die ist diesmal wirklich mächtig und lässt auch Whiskynerds, wie unsereins, ehrfürchtig erschauern. Beachtliche 65% sind es nach beinahe elf Jahren immer noch. 

Ich bin sehr gespannt, vor allem weil es zu diesem Malt teilweise kontroverse Meinungen gibt.


Aussehen
Dunkles Mahagoni bzw. dunkles Nussholz. Auch nach dem Verdünnen ändert sich die Farbe kaum. 


Nase
Unverdünnt ohne Wasserbeigabe zeigt sich die Nase, kurz nach dem Einschenken, von ihrer schüchternen, verschlossenen Art. Der hohe Alkoholgehalt hält die Aromen davon ab, sich zu entfalten. Positiv ist, dass die Alkoholstärke das Riechen nicht beeinflusst - kein übermäßiges Prickeln oder Stechen ist zu bemerken. Hinter dem Alkohol kommen nach ein paar Minuten Standzeit, wenn der erste Alkohlschwall sich verflüchtigt hat, langsam Pflaumenmus, Rosinen, dunkle getrocknete Datteln und Feigen, eine ordentliche Portion Vanille mit Karamell und ganz dezent eine Prise Haribo Gummibärchen mit Himbeergeschmack zum Vorschein. Umrahmt sind diese Aromen mit einer vollen Breitseite an Eichenholznoten mit einem leicht muffigen Touch. Aber es kommt mir immer noch so vor, als würde er mit Handbremse agieren. 

Dieser rauhe Bursche verträgt Wasser. Und ja, hier kann man seinen Sweet Spot an Wassermenge gut ausloten. 

Bei meinem ersten Versuch bin ich wahrscheinlich knapp unter 60%. Hier nimmt das Prickeln durch den Alkohol überraschend zu. Dafür öffnen sich die Aromen mehr. Er wirkt nun älter, gesetzter. Weiterhin die dunklen roten Früchte, einige davon auch getrocknet. Rosinen sind nun deutlicher, es kommt der Pfeifentabak aus dem Geschmack mehr zum Tragen. Leder und die Mäbelpolitur mit dem speziellen Muff ist ebenfalls präsent. Nase gefällt mir deutlich besser.

Mit weiterer Wasserverdünnung - so rund um 50% bis 52% - stehen nun die fruchtigen Sherryaromen mit roten Beeren, allen voran Heidelbeeren und Himbeeren, mit Unterstützung von Erdbeeren im Vordergrund. Pflaumen und Rosinen sind weiterhin zugegen. Der aromatische Pfeifentabak ist nun sehr deutlich. Er liegt in einem Lederbeutel auf einer alten Eichenkommode, die gerade mit Möbelpolitur eingelassen wurde. 


Geschmack
Ich habe Respekt vor den 65% beim Probieren. Zuerst ein Anflug einer leichten Süße sowie einer herben, würzigen Note. Dann schiebt sich der Alkohol sehr heftig mit einem Brennen und Stechen in den Mittelpunkt. Er verklingt aber recht rasch wieder. Dahinter verbergen sich noch Datteln, Feigen, etwas Leder und ein Hauch von Tabak. Dunkle Schokolade und stark angeröstete Haselnüsse finden sich noch.

Auf die knapp unter 60% verdünnt, verbessert sich auch der Geschmack deutlich. Der Alkohol tritt in die zweite Reihe. Es wird süßer, der Powidl, das Pflaumenmus, ist jetzt da. Ebenfalls intensiver sind der Pfeifentabak, die dunkle Schokolade mit weit weniger dunkel gerösteten Haselnüssen als zuvor. Viel homogener und wie in der Nase, wirkt es gesetzter und älter. 

Mit noch mehr Wasser wird er zu einem Schleckermäulchen. Alkohol ist kein Problem mehr. Dafür hat man nun viel Süße, die Früchte aus der Nase sind auch im Geschmack. Weiterhin Tabak, Schokolade und Eichenwürze. Schön ausbalanciert.


Abgang
Ohne Wasserverdünnung etwas Vanille, hoher Kakaoanteil in der dunklen Schokolade und wieder viel Eichenwürze mit etwas Pfeifentabak bei nicht allzu langem Finish. Mit Wasser wird der Abgang wesentlich länger, vor allem mit den Pfeifentabak- und alten Lederaromen.


Fazit
Wer hier nicht mit Wasser spielt, tut sich nichts gutes. Ohne Wasser ist dieser Bunnahabhain mir zu streng und verschlossen wie eine keusche Tiefseemuschel. Mit ordentlich Wasserbeigabe wird er richtig lecker und entpuppt sich als ein schöner Sherrymalt, der über seine knapp elf Lenze locker hinwegzutäuschen vermag. Vom eigentlichen Brennereicharakter bekommt man jedoch nicht allzuviel mehr mit. 

Wenn man aber mit der anfänglichen rauen Schale und dem dringend empfohlene Verdünnen mit Wasser umgehen kann, wird man mit einem schönen leckeren Sherrymalt für die kühlere Winterzeit belohnt. Ein würdiger Vertreter einer Abfüllung für ein Nerdforum wie es das Fassstark Forum nunmal ist. 

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English Text-Version


Finally, just before the end of the year, I found the time and leisure to taste this year's forum bottling from my favourite forum, fassstark.de. Every year it becomes more and more difficult to organise our own bottling. Even for the forum team, which is well connected in the industry. This year, Andre Haberecht, founding member of Fassstark.de and now based in Scotland at Edradour and Signatory Vintage after a stint at Kirsch.de, stepped in and was able to get the forum team a cask from Signatory Vintage.

Let's move on to the actual bottling. This time it's a 10-year-old Bunnahabhain that spent its maturation period in a 1st fill Oloroso sherry butt. If it had remained in the cask for three weeks longer, it would have reached its eleventh year. No colouring or chill-filtration and bottled at cask strength - as it should be for a forum with this name. And this time it is really powerful and makes even whisky nerds like us shiver in awe. An impressive 65% is still there after almost eleven years. 

I'm very excited, especially as there are some controversial opinions about this malt.


Appearance
Dark mahogany or dark walnut colour. Even after dilution, the colour hardly changes. 


Nose
When undiluted, the nose reveals its shy, closed nature shortly after pouring. The high alcohol content prevents the flavours from developing. On the positive side, the strength of the alcohol does not affect the aroma - no excessive tingling or stinging is noticeable. Behind the alcohol, after a few minutes, when the first wave of alcohol has evaporated, plum jam, sultanas, dark dried dates and figs, a good portion of vanilla with caramel and a very subtle pinch of Haribo gummy bears with raspberry flavour slowly emerge. These flavours are framed by a full broadside of oak notes with a slightly musty touch. But it still seems to me as if it is acting with the handbrake on. 

This rough fellow can handle with water. And yes, you can test your sweet spot for the amount of water here. 

On my first attempt, I'm probably just under 60%. Here, the alcohol surprisingly increases the tingling sensation. In return, the flavours open up more. It now seems older, more settled. The dark red fruit flavours continue, some of which are also dried. Sultanas are now clearer, the pipe tobacco from the flavour is more prominent. Leather and the muzzle polish with the special muff are also present. I like the nose much better.

With further water dilution - around 50% to 52% - the fruity sherry flavours with red berries, above all blueberries and raspberries, supported by strawberries, now come to the fore. Plums and sultanas are still present. The aromatic pipe tobacco is now very clear. It lies in a leather bag on an old oak chest of drawers that has just been treated with furniture polish. 


Flavour
I have respect for the 65% when tasting it. First a hint of a slight sweetness and a tart, spicy note. Then the alcohol takes centre stage with a burning and stinging effect. However, it fades away again quite quickly. This is followed by dates, figs, some leather and a hint of tobacco. Dark chocolate and heavily roasted hazelnuts can still be found.

Diluted to just under 60%, the flavour also improves significantly. The alcohol takes a back seat. It becomes sweeter, the powidl, the plum jam, is now there. The pipe tobacco is also more intense, the dark chocolate with far fewer dark roasted hazelnuts than before. Much more homogeneous and as in the nose, it seems more settled and older. 

With even more water, it becomes a sweet tooth. Alcohol is no longer a problem. Instead, there is now a lot of sweetness, and the fruit from the nose is also present in the flavour. Tobacco, chocolate and oak spice remain. Beautifully balanced.


Finish
Without water dilution, some vanilla, high cocoa content in the dark chocolate and again a lot of oak spice with some pipe tobacco with a not too long finish. With water, the finish is much longer, especially with the pipe tobacco and old leather flavours.


Conclusion
If you don't play with water here, you're not doing yourself any favours. Without water, this Bunnahabhain is too harsh and closed like a chaste deep-sea clam. With the right amount of water added, it becomes really tasty and turns out to be a beautiful sherry malt that can easily disguise its almost eleven years of age. However, you don't get too much more of the actual character of the distillery. 

But if you can deal with the initial rough shell and the strongly recommended dilution with water, you will be rewarded with a nice tasty sherry malt for the cooler winter time. A worthy representative of a bottling for a nerd forum like the Fassstark Forum.

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Ben Nevis 2014/2023 8y - Spirits of the Forest (whic)

 

Whiskybase

English Text-Version


Von der schottischen Ben Nevis Brennerei in den Highlands gibt es seit einigen Jahren recht wenig im Originalsortiment. Neben dem in den letzten Jahren eher nur noch sporadisch erscheinenden 10y gab bzw. gibt es nur noch vereinzelt NAS-Abfüllungen wie den McDonald's Traditional und Coire Leis. Der japanische Mutterkonzern Nikka hat für seine Blends, allen voran Nikka from the Barrel, die Fasslager von Ben Nevis offensichtlich vehement leergeräumt. Es wird also, wenn überhaupt, noch dauern, bis es wieder regelmäßig einen Standard mit Age Statement geben wird.

Umso erfreulicher ist es, dass man bei unabhängigen Abfüllern, wie Signatory Vintage, Elixir Distillers, Duncan Taylor und anderen immer wieder fündig wird. Das Alter der veröffentlichten Flaschen liegt hier meist zwischen acht bis zehn Jahren. 

Genau in dieser Altersbandbreite liegt der Ben Nevis 2014/2023, die neunte Ausgabe der Spririts of the Forest Reihe von whic.de. Seine vollen acht Jahre durfte der Malt in einem Portweinfass verbringen. Die Alkoholstärke beträgt 47%, 811 Flaschen wurden ungefärbt und ohne Kühlfiltration abgefüllt.


Aussehen
Helles Bernstein


Nase
Gleich zu Anfang weht eine frische, mit etwas Pfefferminze angereicherte, Duftwolke aus dem Glas. Ein Anflug von fruchtig, würzigen Noten nach weißem Pfeffer, kombiniert mit reifen roten Äpfeln mit einem Spritzer süßem Pfirsichsaft aus der Dose, zeigt sich nach dem minzigen Beginn. Es folgen Créme Brûlée mit einer knackigen dünnen karamellisierten Zuckerglasur und viel Vanille sowie Milchschokolade mit gerösteten Haselnüssen. Die Nase wechselt ständig die Richtung, spannend. Denn danach wird es im Geruch herb und trocken, als würde man in eine Teedose mit Darjeeling Schwarztee hinein schnuppern.


Geschmack
Der Malt gleitet beim ersten Schluck sehr cremig, fast honigwachsgleich in den Mund. Eine schöne süße Karamellnote, gefolgt von der Créme Brûlée mit ihrer Vanille sowie Milchschokolade mit Haselnüssen sind anfänglich tonangebend. Auf der fruchtigen Seite, die sich im Mund langsam aufbaut, sind vor allem reife rote Äpfel, im Ofen gebacken, aber auch eine Spur von Aprikosenmarmelade zusammen mit einem cremigen Pflaumenmus. Untermalt wird das ganze von einer leicht scharfen Pfeffer/Ingwernote, die sich in Richtung Abgang verflüchtigt.


Abgang
Gegen Ende hin erscheint ein cremiger, malziger Rosinenkuchen auf dem Aromenspektrum. Die Vanille mit der Aprikosenmarmelade ist weiterhin präsent. Im Finish zeigt sich etwas das Eichenholz der Fässer mit einem gewissen Eindruck von Bitterschokolade, es wird leicht trockener im Mundraum, bleibt aber weiterhin harmonisch. Insgesamt eher ein kurzer bis mittellanger Abgang. 


Fazit
Die Reifung im Portfass hat gut funktioniert. Der Fasseinfluss, wie die Farbe bereits suggeriert, war nicht zu dominant, es bleibt genug Raum für den Brand von Ben Nevis. Vor allem in der Nase mit ihrer aromatischen Sprunghaftigkeit und der damit verbundenen Lebhaftigkeit zeigt sich das junge Alter. Im Geschmack ist er dafür deutlich homogener. Die Kombination aus süßem Karamell, mit der cremigen fruchtigen Konsistenz und den herben Aromen gefallen mir gut. Das Finish könnte eine Spur länger ausfallen, ist wahrscheinlich der Jugend geschuldet. Eine Portweinreifung die mal nicht rosinig mit viel dunklen Früchten und süß daher kommt. Für den aufgerufenen Preis durchaus ein schöner unkomplizierter Begleiter durch den Abend.

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English Text-Version


The original range from the Scottish Ben Nevis distillery in the Highlands has been rather limited for some years now. In addition to the 10y, which has only been released sporadically in recent years, there have only been a few NAS bottlings such as McDonald's Traditional and Coire Leis. The Japanese mother concern Nikka has obviously emptied the Ben Nevis cask stocks for its blends, above all Nikka from the Barrel. So it will be a while, if ever, before there is a regularly released standard with Age Statement again.

It is therefore all the more welcome that independent bottlers such as Signatory Vintage, Elixir Distillers, Duncan Taylor and others continue to find what you are looking for. The age of the bottles released here is usually between eight and ten years. 

The Ben Nevis 2014/2023, the 9th edition of whic.de's Spririts of the Forest series, falls exactly within this age range. The malt was allowed to spend its full eight years in a port cask. The alcohol strength is 47%, 811 bottles were bottled uncoloured and without chill filtration.

Fotocredit: whic.de


Appearance
Light amber colour


Nose
Right at the start, a fresh cloud of flavours, enriched with a little peppermint, wafts out of the glass. A hint of fruity, spicy notes of white pepper, combined with ripe red apples with a splash of sweet tinned peach juice, emerges after the minty start. This is followed by créme brûlée with a crunchy thin caramelised sugar glaze and lots of vanilla as well as milk chocolate with roasted hazelnuts. The nose constantly changes the direction, fascinating. After that, the flavour becomes tart and dry, as if you were sniffing into a tea tin of Darjeeling black tea.


Flavour
The malt glides very creamy, almost like honey wax, into the mouth on the first sip. A lovely sweet caramel note, followed by créme brûlée with its vanilla and milk chocolate with hazelnuts initially set the tone. On the fruity side, which slowly builds up in the mouth, there are mainly ripe red apples, baked in the oven, but also a hint of apricot jam together with a creamy plum jam. The whole is accompanied by a slightly spicy pepper/ginger note, which evaporates towards the finish.


Finish
Towards the end, a creamy, malty sultana cake appears on the flavour spectrum. The vanilla with the apricot jam is still present. In the finish, the oak wood from the barrels is somewhat evident with a certain impression of dark chocolate, it becomes slightly drier in the mouth, but remains harmonious. Overall, a rather short to medium-long finish. 


Conclusion
The maturation in the port cask worked well. The cask influence, as the colour already suggests, was not too dominant, leaving enough room for the Ben Nevis spirit. The young age is particularly evident in the nose with its aromatic volatility and the associated agility. The flavour is much more homogeneous. I like the combination of sweet caramel, the creamy fruity consistency and the tart flavours. The finish could be a little longer, but this is probably due to its youth. A port maturation that is not raisiny with lots of dark fruit and sweet flavours. For the price, this is a nice, uncomplicated companion throughout the evening.

Mittwoch, 29. November 2023

Ledaig Sinclair Series Rioja Cask Finish

 

Whiskybase

English Text-Version


Rauchige Single Malts haben sich, zwar verspätet, aber dafür jetzt umso mehr, einen fixen Platz in meinem Whisky-Herz erobert. Neben den Rauch-Vertreter von der Insel Islay haben es mir von Beginn an auch rauchige Single Malts aus anderen schottischen Regionen angetan. So beispielsweise liebe ich den herzhaften kuhstallähnlichen Rauch von Ballechin von Edradour aus den Highlands. Aber auch die Insel-Whiskies mit Talisker, Highland Park (ok, da ist nicht viel Rauch dabei) und seit neuestem auch Tobermory bzw. Ledaig von der Insel Mull haben es mir angetan. 

Ein fixer Bestandteil der Core Range von Ledaig ist der Sinclair Series Rioja Cask Finish. Dabei handelt es sich um einen NAS-Whisky, also ohne Altersangabe. Was wir dafür wissen ist, dass nach einer gewissen Reifezeit in Ex-Bourbon-Fässern, der Malt in spanischen Rioja Rotweinfässern für ein Finish von 18 Monaten übersiedelt. Wie bei Tobermory üblich, wird mit 46,3% ungefiltert und ohne Farbstoff abgefüllt. 

Aussehen
Dunkles Safran bzw. Rostrot


Nase
Gleich von Beginn weg sind kräftige Aromen nach Rauch und warmen, süß säuerlichem Beerenkompott zu riechen. Auf einem Lagerfeuer liegen noch ein paar glimmende Holzkohlestücke, einige davon sind bereits zu Asche zerfallen. Auf dem offenen Feuer steht ein gusseisener Topf indem eine Mischung aus Himbeeren, Erdbeeren und Ribiseln mit Zucker und einer guten Prise Vanilleextrakt zu einem Kompott oder Marmelade, verkocht werden. Eine tolle Kombination aus Frucht und dem typischen Ledaig Rauch, diesem erdigen, holzkohleartigen, etwas schmutzigen Rauch, wo immer auch etwas Meersalz und maritimer Touch mitschwingt. Aber auch Noten von altem Leder und ein würziger Duft nach getrockneten, etwas angerösteter Kräuterstängel begleiten den eingekochten Beerenröster mit dem Rauchgeschmack. Der Alkoholgehalt von knapp über 46% ist sehr gut eingebunden.


Geschmack
Leicht trocken am Anfang jedoch auch spritzig eröffnet der Ledaig den Geschmacksreigen. Schönes kräftiges Mundgefühl, mit einem guten Schuss an süßem Karamell. Dazu ein starkes Raucharoma, deutlich mehr Holzkohle ist vorhanden und es ist aschiger, als nach dem Geruch vermutet. Auch leicht schutzige, nach Motoröl und Maschinenteile schmeckende, Noten. Dazu eine bestimmte Mineralität, die auch der Jugend geschuldet sein kann, sie wirkt aber nicht fehl am Platz, sondern verstärkt die herberen Töne. Überhaupt hat der Whisky eine schöne Ausgewogenheit zwischen Würzigkeit, vor allem durch die getrockneten Küchenkräuter und der stark präsenten Beerenfruchtigkeit. Vor allem wieder Himbeeren und Erdbeeren verbunden mit Vanille und Weingummizeug sorgen für eine tolle fruchtig süßsaure Geschmacksexplosion im Mund. 


Abgang
Die roten Beeren mit den getrockneten, leicht herben Küchenkräutern und wieder etwas altes Leder sind auch im Finish weiterhin tonangebend. Ebenso bleibt auch der holzkohlelastige Rauch und die Asche noch weiterhin dominant. Eine leichte Brise Zimt zeigt sich gegen Ende, zusammen mit einer stärker werdenden Astringenz. Eventuell zeigt sich hier die Tannine der Rioja Weinfässer. Süße ist keine mehr zu schmecken. Insgesamt ist es ein doch langer Abgang für eine NAS-Abfüllung.


Fazit
Ein schönes Beispiel dafür, dass, vor allem bei rauchigen Single Malts, Altersangaben vorrangig nicht ein Alleinstellungsmerkmal für Qualität sein müssen und sind. Diese NAS-Abfüllung ist der Beweis dafür, dass auch vermeintlich junge Malts, vor allem, wenn sie rauchiger Natur sind, schon mit wenigen Jahren im Fass eine wirklich gute Figur im Glas abgeben. Diese tolle Kombination aus der Vielzahl an Beeren mit den fruchtig, säuerlich süßen Aspekten und der intensiven Rauchnote - wobei sie im Geschmack sogar nochmals zulegen kann - gefällt mir ausnahmslos gut. Ein wirklich guter junger schöner Stinker zu einem tollen Preis. Absolute Kaufempfehlung. Bin gespannt, ob Tobermory in der Sinclair Serie noch weitere Abfüllungen auf den Markt bringen wird.

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English Text-Version


Peaty single malts have, late but all the more so now, conquered a permanent place in my whisky heart. In addition to the smoky representatives from the island of Islay, I have also been a fan of smoky single malts from other Scottish regions from the very beginning. For example, I love the savoury, cowshed-like smoke of Ballechin from Edradour in the Highlands. But I also love the island whiskies with Talisker, Highland Park (ok, there's not much smoke) and, more recently, Tobermory and Ledaig from the island of Mull. 

The Sinclair Series Rioja Cask Finish is an integral part of Ledaig's Core Range. This is a NAS whisky, one without an age statement. What we do know is that after a maturation period in ex-bourbon casks, the malt is moved to Spanish Rioja red wine casks for a finish of 18 months. As is usual with Tobermory, it is bottled at 46.3% unfiltered and without colouring. 

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Dark saffron or rust red colour


Nose
Right from the start, there are strong aromas of smoke and warm, sweet and sour stewed berries. There are still a few smouldering pieces of charcoal on a campfire, some of which have already disintegrated into ash. On the open fire is a cast iron pot in which a mixture of raspberries, strawberries and currants are cooked with sugar and a good dash of vanilla extract to make a compote or jam. A great combination of fruit and the typical Ledaig smoke, this earthy, charcoal-like, somewhat dirty smoke, where there is always a hint of sea salt and a maritime touch. But notes of old leather and a spicy aroma of dried, slightly roasted herb stalks also accompany the cooked berry roaster with the smoky flavour. The alcohol content of just over 46% is very well integrated.


Flavour
Slightly dry at the beginning but also tangy, the Ledaig opens the flavour roundelay. It has a lovely strong mouthfeel with a good dash of sweet caramel. There is also a strong smoky flavour, much more charcoal is present and it is more ashy than expected from the smell. There are also some slightly dirty notes that taste of engine oil and machine parts. There is also a certain minerality, which may also be due to the youth, but it does not seem out of place, but rather emphasises the more bitter tones. In general, the whisky has a nice balance between spiciness, mainly due to the dried kitchen herbs, and the strongly present berry fruitiness. Raspberries and strawberries in particular, combined with vanilla and wine gums, create a great fruity, sweet and sour explosion of flavour in the mouth. 


Finish
The red berries with the dried, slightly tart kitchen herbs and again some old leather continue to set the tone in the finish. The charcoal-heavy smoke and ash also remain dominant. A light breeze of cinnamon appears towards the end, together with a stronger astringency. The tannins of the Rioja wine barrels may be evident here. There is no more sweetness to be tasted. Overall, it is a long finish for a NAS bottling.


Conclusion
A fine example of the fact that, especially with smoky single malts, age statements do not have to be and are not a unique selling point for quality. This NAS bottling is proof that even supposedly young malts, especially if they are smoky in nature, can make a really good figure in the glass after just a few years in the cask. This great combination of the numerous berries with the fruity, sour-sweet aspects and the intense smoky note - whereby the flavour can even increase again - I like it without exception. A really good young, beautiful stinker at a great price. An absolute recommendation to buy. I'm curious to see whether Tobermory will launch further bottlings in the Sinclair series.


Mittwoch, 22. November 2023

Jack Daniel's Single Barrel Rye

 

Whiskybase

English Text-Version

Der Jack Daniel's Single Barrel Barrel Strength mit seinen mächtigen aber gleichzeitig so aromatischen 64,5%, sowie meine in diesem Sommer beginnende Zuneigung zu amerikanischen Ryes führten zum logischen Kauf des Jack Daniel's Single Barrel Rye mit 45%. Auch hier wird die klassische Single Barrel Flasche mit ihrem eher klassisch anmutenden Design verwendet. Ein bordeauxrotes Label, anstelle dem goldenen, verziert die Flasche. In der Bar sind diese beiden Flaschen nebeneinander ein wahrer Hingucker - Marketingopfer, ich weiß.

Die Rye Abfüllung kam 2017 als dritte Auskopplung der Single Barrel-Reihe auf den Markt. Und Rye als tragendender Grundstoff der Mashbill ist nicht wirklich oft gesehen bei der Brennerei aus Tennessee. A propos Mashbill, die verwendete Mischung setzt sich aus 70% Roggen, 18% Mais und 12% Gerste zusammen. Für die Reifung werden die klassichen ausgekohlten amerikanischen Weißeichenfässer verwendet, ebenso zum Einsatz kommt der berühmte Lincoln County Process zum Einsatz.


Aussehen
Bernstein.


Nase
Eine sehr volle ausdrucksstarke Ryenase - gleich alles vorhanden, was sich ein Fan von Ryewhiskeys wünscht. Eine würzige Roggenbrotnote, die Frische von Eukalyptus und Minze und dies alles kombiniert mit viel Vanille und der weichen, typischen Nase von Jack Daniel’s. Der Lincoln County Process zeigt auch beim Rye seine volle Wirkung. Mit mehr Luft und Sauerstoff im Glas erscheinen rote Beeren, Kirschen, Muskatnuss, Gewürznelken - der Rye wird kräftiger, die Würzigkeit vom Roggen und des Eichenholzes der Fässer steigert sich. Alkohol ist sehr gut integriert. Die leichte Mentholnote, wie bei einer Zahnpasta mit Eukalyptusgeschmack, ist weniger dominant, als bei anderen Ryes. Die Nase ist gut austariert, der Roggen und die Vanille halten sich gut in Balance.


Geschmack
Sehr voll und angenehm im Mund. Der Roggenanteil ist sehr präsent. Starke Assoziation nach einem leckeren Minzbonbon, dass eine angenehme Frische erzeugt. Dazu aber auch eine deutlich erkennbare Süße sowie wieder viel Vanille. Kirschen mit Zimt und Muskatnuss werden mit einer aromatischen Eichenholznote begleitet. Beim zweiten Schluck hat sich der Gaumen an den Roggen gewöhnt, nun ist deutlich mehr Vanille und Kirsche im Vordergrund.


Abgang
Mit dem Vanille/Kirschkompott mit Zimt und Muskat geht es auch ins Finale. Die frische Mentholnote wird durch die Würzigkeit des Holzes vom Fass unterstützt und wechselt mit Fortdauer auf eine leicht bittere Seite. Begleitet von gerösteten, leicht gesalzenen Erdnüssen. Der Roggen mit seiner Würze und der frischen Eukalyptusnote bleiben länger im Mundraum präsent.


Fazit
Das ist ein sehr guter Rye! Die Ausgewogenheit zwischen ausreichend Roggenanteil mit all seinen Facetten zusammen mit dem vanilligen weichen Jack Daniel‘s Grundcharakter ist toll. Er ist sehr süffig und trotzdem nie eintönig. Die 45% sind stimmig und passen. Trotzdem, wenn es diesen Rye auch mit mehr Bumms gebe, der wäre eine Granate. Hm. es gibt tatsächlich in den USA eine Barrel Proof Abfüllung des Single Barrel Ryes. Aber dies ist eine Special Release und aktuell defacto nur in den USA zu bekommen, und auch dort nur sehr sporadisch. Liebe Jack Daniel's Verantwortlichen in Europa, könnten vielleicht ein paar Flaschen dieser begehrter Abfüllung den Weg nach Österreich finden? Ich opfere mich gerne...

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English Text-Version


The Jack Daniel's Single Barrel Barrel Strength with its powerful but at the same time so aromatic 64.5%, as well as my beginning passion for American Ryes this summer, led to the logical purchase of the Jack Daniel's Single Barrel Rye with 45%. Here, too, the classic single barrel bottle with its rather classic-looking design is used. A bordeaux red label decorates the bottle instead of the gold one. In the bar, these two bottles next to each other are a real eye-catcher - marketing victim, I know.

The rye expression was launched in 2017 as the third release in the single barrel series. And rye as the main ingredient of the Mashbill is not really often seen at the distillery from Tennessee. Speaking of Mashbill, the used mixture consists of 70% rye, 18% corn and 12% barley. The classic charred American white oak barrels are used for maturation, and the famous Lincoln County Process is also used.

Fotocredit: Jack Daniel's


Appearance
Amber colour.


Nose
A very full, expressive rye nose - everything a fan of rye whiskeys could wish for. A spicy rye bread note, the freshness of eucalyptus and mint and all this combined with lots of vanilla and the soft, typical Jack Daniel's nose. The Lincoln County Process also shows its full effect in the rye. With more air and oxygen in the glass, red berries, cherries, nutmeg and cloves appear - the rye becomes stronger, the spiciness of the rye and the oak from the barrels increases. The alcohol is very well integrated. The slight menthol note, as with eucalyptus-flavoured toothpaste, is less dominant than with other ryes. The nose is well balanced, the rye and vanilla are well balanced.


Flavour
Very full and pleasant in the mouth. The rye flavour is very present. Strong association with a delicious mint sweet that creates a pleasant freshness. But also a clearly recognisable sweetness and again a lot of vanilla. Cherries with cinnamon and nutmeg are accompanied by an aromatic oak note. On the second sip, the palate has become familiar with the rye and now there is significantly more vanilla and cherry in the foreground.


Finish
The vanilla/cherry compote with cinnamon and nutmeg also leads into the finish. The fresh menthol note is supported by the spiciness of the wood from the cask and changes to a slightly bitter side as the flavour continues. Accompanied by roasted, lightly salted peanuts. The rye with its spiciness and the fresh eucalyptus note remain present in the mouth for longer.


Conclusion
This is a very good rye! The balance between sufficient rye flavour with all its facets together with the vanilla-like soft Jack Daniel's basic character is great. It is very quaffable and yet never boring. The 45% is harmonious and fitting. Nevertheless, if this rye were also available with more oomph, it would be a grenade. Hm. There is actually a barrel proof bottling of the single barrel rye in the USA. But this is a special release and is currently de facto only available in the USA, and even there only very sporadically. Dear Jack Daniel's managers in Europe, could perhaps a few bottles of this desirable bottling find their way to Austria? I would gladly sacrifice myself...

Mittwoch, 15. November 2023

Deanston 24y 1996/2020 (Hunter Laing)



 
Whiskybase

English Text-Version


Einen Single Malt von Deanston hatte ich schon länger keinen mehr im Glas. Nicht absichtlich, im Gegenteil, ich mag die Whiskies von Deanston eigentlich. Aber es kommt immer wieder vor, dass aus keinem bestimmten Grund, eine Brennerei sich aus dem Kreis der Brennereien entfernt, zu denen man regelmäßig greift. 

Deanston macht marketingtechnisch nicht so viel Lärm, wie andere Marktbegleiter. Sicherlich einer der Gründe, warum sie nicht so stark am Radar von so manchem von uns sind. Aber dies macht sie eigentlich auch wieder sympathisch. Deanston gehört zusammen mit Bunnahabain und Tobermory zur südafrikanischen Distell Group. Diese wurde im April '23 von Heineken übernommen. Ich bin gespannt, ob sich dadurch etwas bei den drei Brennereien in punkto Abfüllungen, Preisgestaltung, Fassauswahl, Mut etwas auszuprobieren, ändern wird. Man wird sehen.

Aber konzentrieren wir uns auf die Gegenwart bzw. auf die Vergangenheit und damit auf die Abfüllung, die ich im Glas habe. Und zwar haben wir hier einen 24 Jahre alten Deanston, der in einem Sherry Butt vom schottischen unabhängigen Abfüller Hunter Laing reifen durfte. Danach wurde der Malt mit 50% Alkoholgehalt, ungefärbt und ohne Kühlfiltration als Teil der Serie "The Old Malt Cask" in die Flaschen gefüllt.

Die Eckdaten sorgen für eine positive Erwartungshaltung.


Aussehen
Kräftiges Bernstein


Nase
Sehr weich und rund, der Alkohol ist überhaupt nicht zu riechen. Feine Honigaromen, verbunden mit Süße, jedoch stehen die Noten nach Bienenwachs und der Waben hier im Vordergrund. 

Typische Sherryaromen, mit Pflaume, getrockneten dunklen Früchten, etwas Rosinen und einer schönen nussigen Komponente, kommen hinter dieser anfänglich intensiven Bienenhonig/wachs Seite mit der Zeit immer mehr zum Vorschein. Gemeinsam mit einer ordentlichen Portion Vanille, Milchtoffee und aromatischen Holzwürze vom Fass, die mehr in die Richtung herbe dunkle Schokolade geht. Eine leicht säuerliche Fruchtnote blitzt immer wieder im Hintergrund durch. Insgesamt ist die Nase sehr homogen und elegant, mit einem ausgeglichenen Geruchsprofil, ohne Ecken und Kanten. 


Geschmack
Im Gegensatz zum Geruch ein überraschend kräftiger Antritt mit einem zugleich cremig, vollen Mundgefühl. Es ist doch auch Süße vorhanden, jedoch ist von dem intensiven Bienenwachs- und Honigeindruck aus der Nase im Geschmack nicht mehr viel zu bemerken. Dafür überwiegt anfänglich eine starke Würzigkeit mit dem Anflug von schwarzem Pfeffer und Zimt, die dann aber relativ rasch wieder verfliegt und der immer deutlicher werdenden Sherryfassreifung den Platz übergibt. Dunkle Schokolade mit Nusskrokant, getrocknete Feigen und Datteln zeigen sich ebenso wie Rosinen und Karamell. Wie auch schon in der Nase ist der Alkohol, bis auf das kurze Aufflackern, nicht wirklich präsent. Sehr harmonisch und weich, aber nicht langweilig.


Abgang
Die leckeren Sherryaromen ziehen sich schön lange ins Finish weiter. Leichte Tabaknoten sind ebenso zugegen. Das Fass meldet sich am Ende mit einem leichten Anflug von Kakao, gerösteten Nüssen und Holzgeschmack. Der Abgang ist lang anhaltend.


Fazit
Eine schöne Sherryabfüllung mit einer guten Balance zwischen Brennereicharakter und Fasseinfluss. Sehr elegant. Man könnte vielleicht anmerken, dass zwei, drei Prozent mehr an Alkoholgehalt noch mehr an Aromen heraus gekitzelt hätten. Stimmt. Aber gerade diese feine Ausgewogenheit, ohne dünn zu wirken, macht diesen 24jährigen Deanston aus. Gefällt mir gut. Aktuell ist er sogar noch zu bekommen, wenn auch für nicht allzu günstige € 200,-. 

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English Text-Version


I haven't had a single malt from Deanston in my glass for a while. Not intentionally, on the contrary, I actually like the whiskies from Deanston. But it happens from time to time that, for no particular reason, a distillery drops out of the circle of distilleries that you regularly choose. 

In terms of marketing, Deanston doesn't make as much noise as other market competitors. Certainly one of the reasons why they are not so much on the radar of some of us. But this actually makes them sympathetic again. Together with Bunnahabain and Tobermory, Deanston is part of the South African Distell Group. This was taken over by Heineken in April '23. I'm curious to see whether this will change anything at the three distilleries in terms of bottling, pricing, cask selection and the courage to try things out. We'll see.

But let's concentrate on the present and the past and therefore on the bottling I have in my glass. What we have here is a 24-year-old Deanston that was allowed to mature in a sherry butt from the Scottish independent bottler Hunter Laing. The malt was then bottled at 50% alcohol, uncoloured and without chill-filtration as part of "The Old Malt Cask" series.

The key data creates positive expectations.

Fotocredit: whiskyagents.com


Appearance
Strong amber colour


Nose
Very soft and round, you can't smell the alcohol at all. Fine honey flavours, combined with sweetness, but the notes of beeswax and honeycomb are in the foreground here. 

Typical sherry flavours, with plum, dried dark fruits, some sultanas and a nice nutty component, emerge more and more over time behind this initially intense honey/wax side. Together with a good portion of vanilla, milk toffee and aromatic wood spice from the barrel, which goes more in the direction of bitter dark chocolate. A slightly acidic fruity note keeps flashing through in the background. Overall, the nose is very homogeneous and elegant, with a balanced odour profile without any rough edges. 


Flavour
In contrast to the nose, the beginning is surprisingly powerful with a creamy, full mouthfeel. There is some sweetness, but not much of the intense beeswax and honey impression from the nose is noticeable in the flavour. Instead, a strong spiciness with hints of black pepper and cinnamon initially predominates, but this then fades relatively quickly and gives way to the increasingly clear sherry cask maturation. Dark chocolate with nut brittle, dried figs and dates are also evident, as are sultanas and caramel. As in the nose, the alcohol is not really present, apart from a short flare-up. Very harmonious and smooth, but not boring.


Finish
The delicious sherry flavours linger beautifully into the finish. Light tobacco flavours are also present. The cask makes itself known at the end with a slight hint of cocoa, roasted nuts and wood flavour. The finish is long-lasting.


Conclusion
A beautiful sherry bottling with a good balance between the character of the distillery and the influence of the cask. Very elegant. It could perhaps be said that two or three per cent more alcohol strength would have teased out even more flavours. That's true. But it is precisely this fine balance, without appearing thin, that characterises this 24-year-old Deanston. I like it a lot. It's even still available at the moment, albeit for a not too cheap € 200,-. 

Montag, 13. November 2023

Quick-Notes: Jean-Luc Pasquet 2023 Cognac Petite Champagne Lot 98 - Voyages Extraordinaires (whic)

 

English Text-Version

Whic.de hat unter der Serie Voyages Extraordinaires Cognacs und Armagnacs aus Frankreich auf die Reise zu uns Genießer gebracht. Die Labels der Flaschen sind von den Werken Jules Vernes inspiriert. Im Rahmen dieser Reihe wurde auch ein Cognac aus dem mit dem Bio-Zertifikat Agriculture Biologique ausgezeichneten Familienbetriebs Jean Luc Pasquet präsentiert.

Die Trauben für den 1998 destillierte Weinbrand kommen aus dem Anbaugebiet Petite Champagne. Der mit einer Szene aus "In 80 Tagen um die Welt" etikettierte 25jährige Cognac wurde mit 49,6%  in 150 Flaschen abgefüllt. 


Aussehen
Dunkler Bernstein, Kupferblond


Nase
Sehr feine zarte Nase. Kein Alkohol zu spüren. Cremig süßes Toffee mit Erdbeer/Kirschmarmelade, leichte Eukalyptusnote mit Minzcreme, Zimt, Muskatnuss und Gewürznelken, mit mehr Luft wechselt die Frucht über zu hellerem Obst mit Aprikose, reife Birne, gelbe süße Trauben. Eiche ist im Hintergrund schön dezent und nicht aufdringlich.


Geschmack
Weich und cremig. Sehr süßer Antritt mit Aprikosenmarmelade und Toffee. Leichter Anflug von reifen Zwetschken und Kirschen. Nusskrokant, Pfefferminze und Zimt und Pfeffer. Mehr Eichenwürze als in der Nase. Im Mittelteil wird es zusehends adstringierend vorne an der Zunge und Gaumen.


Abgang
Ganz feine Bitternoten, wie von Aprikosenkernen mit einer eleganten Minznote. Zimt und Muskat. Mittel- bis langer Abgang.


Fazit
Vor allem in der Nase sehr viel Frucht und Süße, schöne Ausgewogenheit zwischen Frucht und würzen Aromen. Sehr ausgewogen. Der Alkohol passt sehr gut, nicht zu viel, trägt die Aromen jedoch sehr schön. Ein feiner, filigraner Cognac, der mir sehr gut gefällt.

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English Text-Version


whic.de has launched the Voyages Extraordinaires series of cognacs and armagnacs from France for us connoisseurs. The labels on the bottles are inspired by the works of Jules Verne. As part of this series, a cognac from the Jean Luc Pasquet family farm, which has been awarded the Agriculture Biologique certificate, was also presented.

The grapes for the brandy, distilled in 1998, come from the Petite Champagne region. Labelled with a scene from "Around the World in 80 Days", the 25-year-old cognac was bottled at 49.6% in 150 bottles.
 

Fotocredit: whic.de


Appearance

Dark amber colour, copper blonde


Nose
Very fine, delicate nose. No alcohol noticeable. Creamy sweet toffee with strawberry/cherry jam, light eucalyptus note with mint cream, cinnamon, nutmeg and cloves, with more air the fruit changes to brighter fruit with apricot, ripe pear, sweet yellow grapes. Oak is beautifully discreet in the background and not overpowering.


Flavour
Soft and creamy. Very sweet attack with apricot jam and toffee. Slight hint of ripe plums and cherries. Nut croquant, peppermint and cinnamon and pepper. More oak spice than on the nose. In the middle section it becomes increasingly astringent on the tongue and palate.


Finish
Very fine bitter notes, like apricot kernels with an elegant mint note. Cinnamon and nutmeg. Medium to long finish.


Conclusion
Lots of fruit and sweetness, especially on the nose, nice balance between fruit and spicy flavours. Very well balanced. The alcohol fits very well, not too much, but carries the flavours very nicely. A fine, delicate cognac that I like very much.

Mittwoch, 8. November 2023

Bladnoch Samsara

 

Whiskybase

English Text-Version


Nach den ersten beiden Teilen meiner Bladnoch Verkostungsreihe, dem Vinaya und dem Liora ist nun im dritten Teil der Bladnoch Samsara dran. Das Wort Samsara kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "Wiedergeburt". Passend, denn diese Abfüllung wurde vom damaligen Master Distiller Ian MacMillan zum 200 jährigen Jubiläum der Lowland Brennerei kreiert. Bedenkt man vor allem, dass Bladnoch 2015 in Konkurs ging und 2016 vom aktuellen Eigentümer, dem australischen Jogurt-Hersteller David Prior gekauft und wieder aufgebaut wurde. 

Diese Jubiläumsabfüllung ist eine Mischung aus Whiskys die in Ex-Bourbon- bzw. in ehemaligen amerikanischen Rotweinfässern reiften. Ohne Kühlfiltration und Färbung kam der Whisky mit 46,7% Alkoholstärke in die Flaschen. Zum Alter der verwendeten Whiskys gibt es von offizieller Seite keine Infos, diverse Quellen im Internet sind sich uneins und sprechen entweder von mindestens acht Jahren Alter bzw. von 11 bis 17 Jahre alten Whiskys, die hier zum Einsatz gekommen sein sollen. 

Der Geschmackstest wird es zeigen, ob hier Jugend oder Reife überwiegt.


Aussehen
Heller Bernstein, dunkles Gold


Nase
Leichte Nase mit anfänglich nicht sehr ausgeprägten Aromen. Junge spritzige, leicht käsige Eindrücke zuallererst. Viel Zitrone in Kombination mit Malz, Keksteig und einem würzig, scharfen Touch von weißem Pfeffer oder Ingwer. Nach ein paar Minuten erscheinen säuerliche Fruchtnoten, Stachelbeeren und Preiselbeeren mit Orangen. Etwas Staubzucker und Vanille. Nase wird gesetzter, Aromen werden deutlicher. Milchschokolade mit leicht gerösteten Haselnüssen liegen im Hintergrund, die Frucht wechselt jetzt auch mehr zu Erdbeeren und Heidelbeeren. Hier macht sich womöglich der Einfluss der Rotweinfässer bemerkbar. Der Geruch ist speziell, mit mehr Luft und Sauerstoff wird er aber ausgewogener und entwickelt sich zum Besseren.


Geschmack
Sehr weiches, cremiges Mundgefühl. Er startet überraschend süß mit Staubzucker und Toffee im Mund. Wechselt aber sehr zügig zum fruchtigen Teil über mit Erdbeermarmelade, Himbeeren und Pflaumenmus um kurz danach auf eine deutlich würzige Seite mit einem kurzen Peek an Schärfe mit Ingwer, Zimt und Pfeffer zu switchen. Den Alkohol merkt man im Geschmack nun deutlicher als in der Nase. Dies würde eher auf eine gewisse Jugend hindeuten. Im Mittelteil kommt die Eiche mehr durch, es wird herber und trockener. Insgesamt ist der Samsara im Geschmack etwas unausgewogen und sprunghaft - vor allem die Schärfe gefällt mir weniger.

Fotocredit: Bladnoch


Abgang
Sehr cremig am Ende mit Milchschokolade und Haselnüssen sowie Zwetschken. Adstringierend vorne beim Zahnfleisch. Die Eiche setzt sich mit einem immer deutlicherem bitteren, herben Aspekt schön langsam durch. Nicht allzu langes, wohlwollend mittellanges Finish.


Fazit
Ich bin zwiegespalten, mit leicht negativem Trend. Der Whisky fängt mit seiner spritzigen, leicht ins käsige gehenden, Nase reicht unorthodox an. Mit mehr Luft und Ruhe wird es besser. Dann kommen immer mehr angenehme Fruchtnoten zum Vorschein. Im Geschmack ist es genau umgekehrt. Hier beginnt es schön süß und fruchtig und wird dann jedoch flott scharf und herb. Dies gefällt mir weniger gut. Im Finish wird es wieder cremig mit Einschlag von Milchschokolade und aromatischer Eiche und lässt ihn gut enden. Hm. Ich weiß nicht genau, was ich von ihm halten soll. Er ist ganz sicher besser, als der Vinaya, der Liora liegt aber klar vor ihm. Bladnoch ist eine spezielle Brennerei für mich, die Annäherung ist steinig. Brauche ich von ihm eine Großflasche? Nein. 

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English Text-Version


After the first two parts of my Bladnoch tasting series, the Vinaya and the Liora, it's now the turn of Bladnoch Samsara in the third part. The word Samsara comes from Sanskrit and means "rebirth". Very fitting, as this bottling was created by the former Master Distiller Ian MacMillan to celebrate the 200th anniversary of the Lowland distillery. Especially considering that Bladnoch went into liquidation in 2015 and was bought and rebuilt by the current owner, Australian yoghurt manufacturer David Prior, in 2016. 

This anniversary bottling is a combination of whiskies matured in ex-bourbon and ex-American red wine casks. The whisky was bottled at 46.7% alcohol strength without chill-filtration or colouring. There is no official information on the age of the whiskies used, with various sources on the internet disagreeing on whether they are at least eight years old or between 11 and 17 years old. 

The taste test will show whether youth or maturity prevails here.


Appearance
Light amber, dark gold colour


Nose
Light nose with initially not very prominent aromas. Young, sparkling, slightly cheesy impressions at first. Lots of lemon in combination with malt, biscuit dough and a spicy, pungent touch of white pepper or ginger. After a few minutes, tart fruit flavours appear, gooseberries and cranberries with oranges. Some icing sugar and vanilla. Nose becomes more settled, flavours become clearer. Milk chocolate with lightly roasted hazelnuts are in the background, the fruit now changes more to strawberries and blueberries. The influence of the red wine barrels may be noticeable here. The flavour is special, but with more air and oxygen it becomes more balanced and develops for the better.


Flavour
Very soft, creamy mouthfeel. It starts surprisingly sweet with icing sugar and toffee in the mouth. However, it quickly switches to the fruity part with strawberry jam, raspberries and plum jam, only to switch to a distinctly spicy side shortly afterwards with a brief peek of spiciness with ginger, cinnamon and pepper. The alcohol is now more noticeable on the palate than on the nose. This would rather indicate a certain youth. In the middle section, the oak comes through more, it becomes more bitter and drier. Overall, the Samsara's flavour is somewhat unbalanced and inconsistent - I particularly dislike the spiciness.


Finish
Very creamy at the end with milk chocolate, hazelnuts and plums. Astringent at the front on the gums. The oak slowly asserts itself with an increasingly bitter, tart aspect. Not too long, favourably medium-long finish.


Conclusion
I am ambivalent, with a slightly negative trend. The whisky starts off unorthodox enough with its tangy, slightly cheesy nose. It improves with more air and time. Then more and more pleasant fruity flavours appear. The flavour is exactly the opposite. It starts off nice and sweet and fruity, but then quickly becomes sharp and tart. I don't like this as much. The finish is creamy again with hints of milk chocolate and aromatic oak and ends well. Hm. I don't know exactly what to make of it. It's certainly better than the Vinaya, but the Liora is clearly ahead of it. Bladnoch is a special distillery for me, the approach is stony. Do I need a large bottle of it? No. 

Mittwoch, 1. November 2023

South Islay Single Malt 15y - The Sweet One (ADoS)

 

Whiskybase

English Text-Version


It's Halloween Time! Hab ich was entsprechendes im Sample Archiv, dass mich anspringt? Ja! Bei den Flaschen mit den bunten Etiketten vom Brühler Whiskyhaus starrt mich die Schwester vom Clown aus ES von Stephen King herausfordernd an. Ob ich mich traue? Klar. 

Madame Evil-Clown ist ein South Islay mit 15 Lenzen, die er in einer dreifachen Reifung vollbrachte. Neben Bourbon und Sherry wurde auch in einem Portfass veredelt. Marco vom Brühler Whiskyhaus hat zwar immer wieder auch Ardbegs abgefüllt, aber bei dieser Flasche ist höchstwahrscheinlich, will man allen Infos im Netz Glauben schenken, ein Lagavulin der Single Malt der Wahl gewesen. Wie immer bei den A Dream of Scotland Abfüllungen, wurde hier ohne Farbstoffzusatz und Kühlfiltration gearbeitet und diesmal mit 53,2% Alkoholgehalt abgefüllt. 

Der Zusatz "The Sweet One" lässt mich schon erahnen, was auf mich zukommt. 


Aussehen
Rötliches Nussholz


Nase
Aus dem Glas steigt ein für Lagavulin typischer Rauch von glimmender Holzkohle auf, am Grillgitter liegt Speck mit süßer Glasur, der langsam vor sich hin bruzelt, sein Fett tropft langsam in die Glut. Glasierte Speckpflaumen mit Feigen, Datteln und Rosinen liegen neben dem Speck in einer gusseisernen Pfanne. Auch Heidel- und Brombeeren werden auf dem Feuer mit Zucker zu einer süßfruchtigen Sauce eingekocht. Der Rauch liegt schön über dem Geruchspotpourri, untermalt und unterstützt jedoch die anderen Aromen perfekt. Angekohlte Eichenholzstücke liegen neben dem Lagerfeuer, eine salzige Brise vom nahen Meer weht immer wieder vorbei und bringt maritime sowie mineralische Eindrücke mit. Mit Fortdauer im Glas gesellen sich geröstete Haselnüsse und geschmolzene Milchschokolade zur Beerensauce. Der Alkohol ist super eingebunden, kein Stechen oder ähnliches beeinträchtigt den Barbecuegenuss.


Geschmack
Was für ein süßes Rauchdessert! Ein sehr cremiges Mundgefühl. Süßes Karamell, dass sich mit einer ordentlichen Portion Holzrauch und Stücken vom gegrillten Speck mit Zuckerglasur und leichter schwarzer Pfefferkruste vereint. Die Beerensauce bekommt durch Erdbeeren Verstärkung und hat neben der Süße nun auch eine leicht säuerlich fruchtige Seite. Die weichen Backpflaumen sorgen für eine cremige Konsistenz. Zimt und getrocknete Küchenkräuter sorgen für einen würzigen Gegenpol zur Süße. Ohne dem wäre es mir fast zu viel des Guten mit dem Zuckergoscherl. Auch im Mund spielt der Alkohol keine Rolle, der Malt ist ohne Wasserverdünnung hervorragend trinkbar.


Abgang
Die Asche von den Holzkohlestücken sorgt für einen mineralischen, zum Ende hin herber werdenden Abschluss. Der Rauch fühlt sich stärker an. Hinzu kommen noch die Reste des sich in der Pfanne angebrannten süßen Karamells. Insgesamt ist durch Hilfe des Rauches das Finish ziemlich lange.


Fazit
Die Nase ist ein süßer Rauchtraum. Da könnte ich stundenlang am Glas schnüffeln. Die Aromen sind nicht komplex oder filigran, der Whisky ist aber auch nicht eindimensional. Er spielt auf der Geruchsklaviatur seine Seiten perfekt aus, die Sherry und Portteile passen hervorragend zum Islayrauch.

Im Geschmack hingegen ist mir diese Konzentration an Süße fast too much, da hilft der Rauch und die paar würzigen Noten, damit er nicht komplett kippt. Aber da ist er am Rande des süßen Abgrundes. Aber insgesamt ist er schon ein leckeres Dessert, dass man sich von Zeit zu Zeit mal gönnen kann. 

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English Text-Version


It's Halloween Time! Do I have something in the sample archive that jumps out at me? Yes! When I look at the bottles with the colourful labels from Brühler Whisky House, the sister of the clown from Stephen King's IT stares at me challengingly. Do I dare? Of course. 

Madame Evil-Clown is a South Islay with 15 years, which it completed in a triple maturation. Besides bourbon and sherry, it was also finished in a port cask. Marco from Brühler Whiskyhaus has also bottled Ardbegs time and again, but in the case of this bottle, if all the information on the web is to be believed, a Lagavulin was most likely the single malt of choice. As always with the A Dream of Scotland bottlings, no colouring or chill filtration was used, and this time it was bottled at 53.2% alcohol. 

The addition of "The Sweet One" already gives me an idea of what to expect. 


Appearance
Reddish nut wood


Nose
A typical Lagavulin smoke of glowing charcoal rises from the glass, bacon with a sweet glaze lies on the grill grate, slowly sizzling away, its fat slowly dripping into the embers. Glazed bacon plums with figs, dates and sultanas lie next to the bacon in a cast-iron pan. Blueberries and blackberries are also cooked down on the fire with sugar into a sweet fruity sauce. The smoke sits nicely above the olfactory potpourri, but underlines and supports the other flavours perfectly. Charred pieces of oak lie next to the campfire, a salty breeze from the nearby sea keeps blowing by, bringing maritime as well as mineral impressions. With more time roasted hazelnuts and melted milk chocolate join the berry sauce. The alcohol is superbly integrated, no stinging or anything like that detracts from the barbecue enjoyment.


Taste
What a sweet smoky dessert! A very creamy mouthfeel. Sweet caramel that combines with a good portion of wood smoke and pieces of grilled bacon with sugar glaze and light black pepper crust. The berry sauce gets a boost from strawberries and now has a slightly tart fruity side in addition to the sweetness. The soft prunes provide a creamy consistency. Cinnamon and dried kitchen herbs provide a spicy counterpoint to the sweetness. Without that, it would almost be too much of a good thing for me with the sugar topping. In the mouth, too, the alcohol plays no role, the malt is eminently drinkable without water dilution.


Finish
The ash from the charcoal pieces provides a mineral finish that becomes more bitter towards the end. The smoke feels stronger. There are also the remnants of the sweet caramel that burnt itself in the pan. Overall, with the help of the smoke, the finish is quite long.


Conclusion
The nose is a sweet smoky dream. I could sniff the glass for hours on this one. The flavours are not complex or filigree, but the whisky is not one-dimensional either. It plays its sides perfectly on the olfactory keyboard, the sherry and port parts fit perfectly with the Islay smoke.

On the palate, however, this concentration of sweetness is almost too much for me, so the smoke and the few spicy notes help to keep it from tipping over completely. But there it is on the edge of the sweet abyss. But all in all, it is a delicious dessert that you can enjoy from time to time. 

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Amrut Intermediate Sherry

 

Whiskybase

English Text-Version


Nach dem Paul John 2011 mit 6 Jahren vom schottischen unabhängigen Abfüller Cadenhead's ist dies nun mein zweiter Single Malt aus Indien und mein erster aus der Amrut Brennerei. Das Wort Amrut stammt aus dem Sanskrit und bedeutet so viel wie "Elixier des Lebens". Das 1948 gegründete Unternehmen stieg 1982 in die Produktion von Whisky ein - hier vor allem im Blended Whisky Markt - und ist somit der älteste Whiskyproduzent Indiens. 

2004 feierte der Amrut Single Malt Whisky in Schottland sein Depüt. In 2010 kürte Jim Murray in seiner Whisky Bible den Amrut Fusion als den drittbesten Single Malt Whisky der Welt. Trotz der Erfolge umfasst die Produktion von Singlemalt nicht einmal 1% der Gesamtproduktion des Unternehmens aus. 

Ich finde asiatische Whiskys sehr spannend. Neben den japanischen Vertretern hatte ich bislang vor allem Whiskys von Kavalan aus Taiwan im Glas. Die aufgrund der heißen Temperaturen rasch reifenden Whiskys haben ihren Reiz.

Der Amrut Intermediate ist ein NAS-Whisky, reifte zuerst in Virgin Oak und Ex-Bourbon Casks bevor er für ein Jahr in Oloroso Sherry Fässer kommt und danch nochmals in Ex-Bourbon Fässer darf. Spannend. Abgefüllt ist er mit 57,1% - ob dies Fassstärke ist?


Aussehen
Blütenhonig, goldener Bernstein.


Nase
Ob es am Alkoholgehalt oder etwas anderem liegt, aber die Nase ist im ersten Eindruck eher von verhaltener Natur. Was aber sofort auffällt ist eine sehr intensive Honignote mit gerösteten Erdnüssen. Nach gut zwanzig Minuten Standzeit öffnet sich der indische Whisky zusehends. So erscheint nun zum Honig ein wahres Potpourri an verschiedenen Früchten, deren Gerüche sich in einander vermischen. Herausriechen lassen sich Honigmelone, Aprikosen und Pfirsiche. Als cremige Grundlage des Obstkorbes sorgen reife Bananen und Pflaumenmus. Aromen von Vanille und Milchschokolade mit Nüssen finden sich hinter den Früchten. Aromatische Eichenholzfracht, zusammen mit einer Gewürz/Currymischung mit Cumin, Kardamon aber auch Muskatnuss und Zimt sorgen für eine delikate Geruchswelt.

Also der Malt benötigt definitiv seine Zeit im Glas und Luft zum Entwickeln, dann wird es sehr interessant. Mit ein paar Tropfen Wasser heben sich die Vanille und vor allem die Fruchtmischung nochmals deutlich heraus. 


Geschmack
Unverdünnt gleitet er cremig leicht auf die Zunge. Es ist zwar eine Süße vorhanden, aber weniger als erwartet. Dafür dominiert die Gewürz/Currymischung zusammen mit den gerösteten Nüssen und einer leichten Ingwerschärfe. Die Milchschokolade wandelt sich etwas mehr zu einer Schokolade mit mehr Kakaoanteil. Im Gegensatz zur Nase, wo der Alkohol sich maximal durch eine leichte Minznote bemerkbar macht, ist er im Mund deutlicher präsent. Sowohl auf der Oberseite der Zunge als auch vorne beim Zahnfleisch wird es trockener. Auf der Obst-Seite sind nun vor allem Zitrusfrüchte wie Limetten und Orangen und rote Beeren vorhanden.
Beim Geschmack bringt Wasserzugabe im Gegensatz zur Nase mehr Würzigkeit zu Tage. Die Früchte bleiben im Hintergrund. Er wirkt insgesamt etwas wässrig und dünner mit nur wenigen Tropfen Wasser, nicht wirklich ein Gewinn.


Abgang
Das Holz der Fassreifung nimmt Fahrt auf. Es bleibt aber aromatisch. Muskat und Zimt, etwas Feigen und Dattel sowie Pflaumenmus mit dunkler Schokolade und Vanille sind zu schmecken. Insgesamt wirkt das Finish mittellang nach.


Fazit
Gibt man ihm Zeit, wird man mit einer tollen fruchtbetonten Nase überrascht. Sehr lecker! Im Geschmack dafür ist er deutlich würziger. Interessant sind die Assoziationen mit Curry - ob hier das Gehirn mir einen Streich spielt? Wasserverdünnung bringt nicht wirklich eine Verbesserung, vor allem nicht im Mund. Aufgrund der nicht erfüllten hohen Ewartungen, die diese fruchtbombige Nase auslöst, rutscht für mich der Geschmack etwas ab. Es fehlt ihm die Honigsüße und das Obst.
Wogegen die feinen herbwürzigen Gewürzaromen mir auch gefallen, sie machen ihn durchaus süffig. Die aktuell ausgerufene Preisrange von € 115,- bis € 130,- ist er mir jedoch in keinster Weise wert. Er macht aber Lust auf mehr Whisky aus Indien.

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English Text-Version


After the Paul John 2011 with 6 years from the Scottish independent bottler Cadenhead's, this is now my second single malt from India and my first from the Amrut distillery. The word Amrut comes from Sanskrit and means something like "elixir of life". Founded in 1948, the company started producing whisky in 1982 - especially in the blended whisky market - and is thus the oldest whisky producer in India. 

In 2004, the Amrut Single Malt Whisky celebrated its debut in Scotland. In 2010, Jim Murray named Amrut Fusion the third best single malt whisky in the world in his Whisky Bible. Despite the successes, the production of single malt does not even comprise 1% of the company's total production. 

I find Asian whiskies very exciting. Besides the Japanese representatives, I have so far mainly had whiskies from Kavalan from Taiwan in my glass. The whiskies, which mature quickly due to the hot temperatures, have their charm.

The Amrut Intermediate is an NAS whisky, first matured in Virgin Oak and ex-bourbon casks before being put into Oloroso Sherry casks for a year and then again in ex-bourbon casks. Fascinating. It is bottled at 57.1% - is this cask strength?

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Blossom honey, golden amber.


Nose
Whether it's the alcohol content or something else, but the nose is rather reserved in its first impression. What is immediately noticeable, however, is a very intense honey note with roasted peanuts. After standing for a good twenty minutes, the Indian whisky opens up visibly. A veritable potpourri of different fruits appears alongside the honey, their aromas mingling with each other. You can smell honeydew melon, apricots and peaches. Ripe bananas and plum jam form the creamy basis of the fruit basket. Aromas of vanilla and milk chocolate with nuts can be found behind the fruits. Aromatic oak, together with a spice/curry mix with cumin, cardamom but also nutmeg and cinnamon make for a delicate olfactory world.

So the malt definitely needs its time in the glass and air to develop, then it becomes very interesting. With a few drops of water, the vanilla and especially the fruit mixture stand out again. 


Taste
Undiluted, it glides creamily lightly onto the tongue. There is a sweetness, but less than expected. Instead, the spice/curry mixture dominates together with the roasted nuts and a slight ginger spiciness. The milk chocolate changes a little more to a chocolate with more cocoa percentage. In contrast to the nose, where the alcohol is at most noticeable with a slight minty note, it is more clearly present in the mouth. Both on the top of the tongue and at the front of the gums, it becomes drier. On the fruit side, citrus fruits like limes and oranges and red berries are now mainly present.
On the palate, adding water brings out more spiciness in contrast to the nose. The fruits remain in the background. It seems overall a bit watery and thinner with only a few drops of water, not really a benefit.


Finish
The wood from the cask ageing picks up. It remains aromatic though. Nutmeg and cinnamon, some fig and date and plum jam with dark chocolate and vanilla can be tasted. Overall, the finish lingers for a medium length.


Conclusion
If you give it time, you will be surprised with a great fruit-driven nose. Very tasty! On the palate, it is clearly spicier. The associations with curry are interesting - is my brain playing tricks on me here? Water dilution does not really improve the taste, especially in the mouth. Because of the unfulfilled high expectations triggered by this fruity-bomb nose, the taste slips a bit for me. It lacks the honey sweetness and the fruit. On the other hand,
I like the delicate herbaceous spice aromas, they make it quite drinkable. However, the current price range of € 115,- to € 130,- is in no way worth it to me. But it does make me want more whisky from India.

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