Lowlands
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Dienstag, 10. März 2026

Aberargie Inaugural Release

 

Whiskybase

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Die Aberargie Distillery begann im Herbst 2017 mit der Produktion. Die nur wenige Kilometer südlich der Grenze zwischen Highlands und Lowlands gelegene Anlage ist technisch gesehen eine Lowland-Brennerei und wurde von der Morrison-Familie gegründet.

Die Familiengeschichte der Morrisons ist seit Generationen eng mit dem schottischen Single Malt verknüpft. So gehörten im Laufe der Zeit Brennereien wie Bowmore, Auchentoshan und Glen Garioch zum Familienunternehmen. Nach dem Verkauf im Jahr 1994 an Suntory gründete die Familie gemeinsam mit den Mackays den unabhängigen Abfüller Morrison Scotch Whisky Distillers. Bekannte Marken daraus sind unter anderem Mac-Talla, Old Perth und Càrn Mòr.

Es braucht schon einen langen Atem und ein gut gefülltes Portemonnaie, wenn man für ein Inaugural Release – also die erste Abfüllung einer Brennerei – über acht Jahre warten kann. Die Farm-Brennerei nutzt rund 120 Hektar umliegender Felder, auf denen die beiden Gerstensorten Golden Promise und Laureate angebaut werden, die vollständig für die eigene Whiskyproduktion verwendet werden.

Vor allem die erstgenannte Sorte ist eng mit der bewusst gewählten Philosophie der Brennerei verknüpft: Die Gerste soll der zentrale Geschmackstreiber sein und nicht die verwendeten Fässer. Diese sollen lediglich die Getreidearomen unterstützen und den Brand nicht dominieren. Laut Brennerei verleiht die Golden-Promise-Gerste dem Rohbrand eine ölige Textur sowie mehr Malzigkeit, Tiefe und Körper.

Nun ist im März 2026 mit dem Inaugural Release die allererste Abfüllung von Aberargie erschienen. Die Maische besteht aus 52 % Golden Promise und 48 % Laureate. Für die Reifung wurden zu gleichen Teilen First-Fill-Bourbon- und First-Fill-Sherryfässer verwendet. Die Alkoholstärke beträgt 48,2 %.

Das Alter liegt bei mindestens acht Jahren. Diese Information steht zwar weder auf dem Flaschenlabel noch auf der Umverpackung, wurde jedoch in der Pressemitteilung der Brennerei sowie vom Importeur genannt. Wenn es nach Ralfy geht, gilt allerdings nur das, was tatsächlich auf dem Etikett steht.

Die Aberargie Distillery liegt zwar geografisch in den Lowlands, produziert jedoch stilistisch einen Highland Malt.
Fotocredit: www.aberargie.com; Morrison Scotch Whisky Distillers 


Aussehen
Helles Bernstein mit sattem Orangeton


Nase
Es ist eine sehr volle, ausdrucksstarke Nase. Geruchstechnisch ist hier bereits einiges geboten – eine positive Überraschung für eine erste Abfüllung einer so jungen Brennerei.

Zuallererst begegnet mir auf meiner olfaktorischen Reise ein mit Rosinen, Aprikosen und weichem Nougat angereichertes cremiges Porridge. Vielleicht liegt es an der Kombination der beiden Gerstensorten, aber die Getreidearomen sind für mich im Geruch bereits sehr prägend – allerdings auf eine interessante Weise.

Knackig-kerniges Knuspermüsli auf der einen Seite und weicher, cremiger Haferflockenbrei auf der anderen sorgen für eine Kombination, die Spaß macht. Milchschokolade mit Nüssen und eingekochtes Pflaumenkompott zeugen vom Einfluss der Sherryfässer. Die Bourbonfässer bringen sich vor allem durch eine Vanillenote ein.

Die gewählte Alkoholstärke funktioniert perfekt – kein Stechen oder unangenehme Alkoholnoten. Überhaupt sind in der Nase keine hervorspringenden jugendlichen Merkmale zu erkennen. Im Gegenteil: Der Geruch wirkt fein abgestimmt, gesetzt und harmonisch.


Geschmack
Erster Schluck: Cremiger Vanillepudding trifft auf Aprikosenmarmelade, geschmolzene Milchschokolade mit gerösteten Haselnüssen und crunchy Knuspermüsli mit Rosinen.

Ein leichtes Kribbeln auf der Zungenspitze und am Zahnfleisch, begleitet von einem anregenden Speichelfluss und einer dezenten pfeffrigen Schärfe, folgt den ersten Geschmackseindrücken. Danach zeigen sich Vanille, getrocknete Datteln und eine halbgetrocknete Pflaume.

Nach dem zweiten Schluck wird der Eindruck der weichen, cremigen Milchschokolade gemeinsam mit Marillenmarmelade und Rosinen weiter prägend. Nun kommt auch etwas Holzwürze hinzu, die sich mit der Pfeffernote verbindet. Auch im Geschmack ist der Alkohol sehr gut integriert.

Fotocredit: whiskybase.com

Abgang
Der erste Eindruck ist – vermutlich der Jugend geschuldet – relativ rasch beendet. Neben einer süßen Rosinennote bleibt vor allem eine dezente Bitterkeit etwas länger bestehen.

Mit weiteren Schlucken gesellen sich zu den bereits genannten Eindrücken auch etwas Vanille, mehr Rosinen und eine würzige Eichenholznote hinzu.


Fazit
Eine sehr stimmige erste Abfüllung von Aberargie! Sie ist ausgesprochen süffig und bestätigt den kolportierten Hausstil, bei dem das Getreide im Mittelpunkt stehen soll.

Vor allem in der Nase gefällt mir der Schwerpunkt auf Malzigkeit, Getreidenoten und Cremigkeit sehr gut. Auch die durchgehende Milchschokoladennote passt hervorragend und regt zum wiederholten Probieren an.

Dass die Fässer lediglich unterstützen und nicht dominieren sollen, ist hier ebenfalls gut gelungen. Die gewählte Fasskombination lässt genügend Raum für den eigentlichen Whisky.

Man darf also durchaus gespannt sein, was in naher Zukunft von dieser jungen Brennerei noch so auf den Markt kommen wird. Wie zu lesen war, sollen in den nächsten 18 Monaten zunächst weitere limitierte Abfüllungen erscheinen, die den Whiskyfreunden Philosophie und Hausstil der Brennerei noch näherbringen sollen. Danach sollen die ersten Flaschen einer dauerhaften Core Range folgen.

Mittwoch, 12. November 2025

Daftmill 12y 2011 (Winter Release)

 

Whiskybase

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Meine bisherige Begegnung mit dieser sympathischen kleinen Farmbrennerei aus den Lowlands war ein Sample des fassstarken 15-jährigen aus dem Jahr 2006. Dieses wusste mich vollends zu überzeugen. Ein wirklich toller, in Ex-Bourbonfässern gereifter Lowland Whisky. Aufgrund der aufgerufenen Preise war der Kauf einer Flasche für mich eigentlich nie ein Thema.

Eigentlich.

Vor ein paar Wochen gab es in meinem Stammladen eine Rabattaktion mit 20 Prozent auf zwölf Jahre alte Single Malts. Beim Stöbern vor Ort entdeckte ich dann den Daftmill 12y 2011 aus der Winter Release. Durch die Aktion kam die Abfüllung auf 116 Euro und ich griff sofort zu – günstiger werde ich wohl nie mehr eine Flasche bekommen. Ein Haufen Geld für einen zwölfjährigen Single Malt, ohne Frage. Doch aufgrund der geringen Produktionsmengen und der höheren Kosten im Vergleich zu industriellen Brennereien mit deutlich größerem Ausstoß ist der Preis leider nachvollziehbar.

Vom Rücketikett erfährt man, dass die Brennerei nur in den ruhigeren Zeiten des Hofes, also Mitte des Sommers und während des Winters, in Betrieb ist. Zum Einsatz kommt ausschließlich hofeigene Gerste der Sorte Publican, die auf einem 43 Hektar großen Feld angebaut und am 28. und 29. August geerntet wurde. Der Whisky ist eine Vermählung von 27 First-Fill-Ex-Bourbonfässern und reifte im oberen Stockwerk des hofeigenen Lagerhauses. Die Fässer wurden im Dezember 2011 befüllt und 2024 in Flaschen abgefüllt. Alles ist vorbildlich transparent und für Whisky-Nerds ein wahres Informationseldorado. Umso unverständlicher ist es, dass ausgerechnet die Angaben zu Färbung und Kühlfiltration fehlen. Meiner Meinung nach sollten diese Details unbedingt auf dem Etikett stehen. Wir können beruhigt davon ausgehen, dass weder gefärbt noch filtriert wurde, aber was am Label steht, gilt.


Aussehen
Weißwein


Nase
Unmittelbar nach dem Einschenken zeigt sich ein flüchtiger Hauch von frisch gemähter, leicht gedüngter Wiese – nicht unangenehm. Zurück bleiben frische Noten von Gras, Wiese und Heu, begleitet vom Duft zarter Blütenblätter, Vanille und einem Korb voller frischem, hellem Obst. Neben einer dezenten Bananennote und etwas Kokosnuss sind vor allem reife gelbe und grüne Äpfel, Birnen, Mirabellen, Ringlotten, Honigmelonen und Ananas präsent. Ein wahres Feuerwerk an fruchtigen Düften. Eine ausgeprägte Süße wie von Honig, Zucker oder Karamell ist nicht vorhanden, aber die Früchte bringen eine natürliche Süße mit, die harmonisch eingebunden ist. Der Alkohol ist kaum wahrnehmbar, vor allem nach rund zehn Minuten, wenn sich die Aromen gesetzt haben. Eine wunderbare Nase, die durch ihren reduzierten, klaren Stil überzeugt.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Malt startet mit einer feinen, weichen und cremigen Textur und einem eher zarten Körper. Zunächst wirkt er etwas leicht, fast schon wässrig, bevor er mit einer feinen Pfefferschärfe an Fahrt gewinnt und die Aromen nach vorne schiebt. Vielleicht würden ein paar Prozentpunkte mehr Alkohol dafür sorgen, dass er im Mund von Beginn an noch mehr Ausdruck zeigt, aber das Understatement passt zu seinem ruhigen, auf das Wesentliche reduzierten Charakter.

Die erwähnte leichte Pfeffernote ist nur kurz wahrnehmbar und keineswegs störend – im Gegenteil, sie erinnert an den Moment, wenn man auf eine dünne Ingwerscheibe beim Sushi beißt. Davor und danach zeigen sich die fruchtigen Aromen zusammen mit Vanille und Kokosraspeln, wie schon in der Nase. Die süße Seite wird von einem Löffel cremigen, hellen Blütenhonigs getragen.


Abgang
Etwas Eichenholz in Form einer dezenten Bitterkeit, die letzten Krümel der Kokosraspeln, Vanille und Apfel- sowie Birnenschalen sorgen für ein Finish, das ruhig länger ausfallen dürfte. Der Whisky verabschiedet sich relativ rasch, was aber den Vorteil hat, dass man gleich Lust auf den nächsten Schluck bekommt.


Fazit
Der puristische, elegante Stil von Daftmill gefällt mir ausgesprochen gut. Wie bei der Arbeit auf einer Farm wurde auch bei diesem Malt auf unnötige, künstlich wirkende Aromen verzichtet. Ein sehr guter Rohbrand in Kombination mit hervorragenden First-Fill-Bourbonfässern ergibt einen geradlinigen, authentischen Ex-Bourbon-Whisky – genau mein aktueller Geschmack.

Ob ich ihm die vollen zwölf Jahre Reifung blind geben würde, weiß ich nicht. Etwas mehr Volumen und Nachhall würden ihm guttun. Vor allem in Anbetracht des Preises stellt sich die Frage, ob der deutliche Aufpreis gegenüber vergleichbaren Malts gerechtfertigt ist. Ich persönlich freue mich, dass ich ihn mit Rabatt erwerben und probieren konnte. Doch eine weitere Flasche Daftmill über 100 Euro wird wohl so schnell nicht folgen. Da bleibe ich dann doch bei gleichaltrigen Abfüllungen von Ben Nevis aus Ex-Bourbon-Fässern, die man auch für unter € 100,- bekommt und mir mindestens genauso viel Freude bereiten.

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Glasgow 1770 Peated

 

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Nach The Original ist mit Peated nun die zweite Abfüllung der Standardreihe von Glasgow 1770 bei mir im Glas. Für rauchige Single Malts war die Whiskyregion der Lowlands bislang nicht gerade bekannt. Das hat sich in den letzten Jahren jedoch geändert – immer mehr junge Brennereien setzen auf Torf und zeigen, dass auch südlich der Highlands kräftig der Schornstein raucht. Glasgow 1770 hat, neben dem Peated aus der Core Range, seit dem Start auch immer wieder teils sehr intensive Rauchbomben als Sonderabfüllungen herausgebracht.

Beim Peated wird englische Gerste verwendet, die mit Torf aus Aberdeenshire auf rund 50 ppm Rauchgehalt getrocknet wird. Wie sein nicht rauchiger Bruder ist auch dieser Malt eine NAS-Abfüllung und wird zweifach destilliert. Die Reifung erfolgt hauptsächlich in frischen amerikanischen Weißeichenfässern mit 200 Litern Fassungsvermögen, bevor der Whisky für acht bis zwölf Monate in spanischen PX-Hogsheads ein Finish erhält. Abgefüllt wird, wie bei allen Malts der Serie, ohne Kühlfiltration und Färbung mit 46 Prozent.


Aussehen
Nussholzboden, dunkles Kupfer


Nase
Dicht und druckvoll steigen Rauchschwaden von feuchten Holzscheiten aus dem Glas – aschig, würzig, leicht klebrig. Im Hintergrund blitzt eine feine, leicht schmutzige Note von Öllappen auf, leicht funkig. Mit zunehmender Zeit entfalten sich BBQ-Sauce und gebratener Speck, was einen ausgeprägten Umami-Effekt erzeugt. Akzente von saftigen Orangen sorgen für Frische und Säure, begleitet von geräucherten Gummibärchen und aufgeschnittenen Vanilleschoten. Der Geruch ist intensiv, aber stimmig, und macht richtig Spaß. Von jugendlicher Schärfe oder schlecht integriertem Alkohol keine Spur.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Cremig und mit einem süßen Auftakt zeigt sich der Whisky im Mund. Orangenkompott und dunkle Beeren eröffnen den Geschmack, ehe der schmutzige Holzrauch mit seiner intensiven Asche wieder die Bühne betritt. Die Asche ist dicht, fast klebrig, und angenehm speckig. Getrocknete Küchenkräuter, Tabaknoten, Teriyaki-Sauce, Holzwürze und eine dezente Ingwerschärfe ergänzen das Gesamtbild. Im Vergleich zur Nase wirken die Aromen etwas luftiger, fast als würde ihm gegen Ende etwas der Atem ausgehen. Der Alkohol ist gut integriert, metallische Jugendnoten sind keine zu erkennen.


Abgang
Das Finale ist geprägt von angekohltem Holz, dunkler Schokolade, Leder und angebrannten Tabakblättern. Die Asche hält sich lange und intensiv im Rachen. Ganz zum Schluss wird es leicht bitter, fast wie bei zu dunkel karamellisiertem Zucker.


Fazit
Eine so ausgeprägte Rauch- und Ascheintensität hätte ich einem Lowlander nicht zugetraut – man könnte ihn blind durchaus für einen rauchigen Highlander halten. Die Kombination aus kräftigem, leicht schmutzigem Rauch und fruchtig-säuerlichen Aromen gefällt mir sehr gut. Jung wirkt er kaum, auch wenn er im Geschmack gegen Ende etwas an Power verliert. Für eine Standardabfüllung einer noch jungen Brennerei ist das hier aber ausgesprochen solide.

Mittwoch, 13. August 2025

Holyrood Pitch

 

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Zeitgleich mit unserem Trip nach Edinburgh präsentierte die Holyrood Distillery mit „Pitch“ die finale Abfüllung ihrer Founding Series. Beim Besuch der Brennerei konnte ich mir vor Ort einen ersten Eindruck von diesem Whisky machen – und dieser war so überzeugend, dass ich mir direkt eine Flasche aus dem Store mitnahm.

„Pitch“ ist, wie auch die anderen Abfüllungen der Serie, ein NAS-Whisky (Non Age Statement). Der Begriff „Pitch“ bezieht sich im Brennereiprozess auf den Moment, in dem die Hefe zur „Wort“ – der zuckerhaltigen Flüssigkeit, die beim Maischen entsteht – hinzugefügt wird. Die Verantwortlichen bei Holyrood wollten mit dieser Abfüllung gezielt schokoladige und nussige Aromen in den Vordergrund stellen. Dafür kamen unter anderem Brown Malt – eine Braugerste – sowie die Hefestämme Pepe Nero und Toro Nero zum Einsatz. Diese beiden Hefesorten werden normalerweise in der Rotweinproduktion verwendet. Gereift wurde der Whisky ausschließlich in Oloroso-Sherryfässern, um die nussigen Komponenten im Geschmacksprofil zusätzlich zu betonen.

Abgefüllt wird ohne Färbung und Kühlfiltration mit 46 % Alkohol.

Fotocredit: Holyrood Distillery. 
Auf der Webseite von Holyrood sind die verwendeten Gesten und Hefestämme transparent aufgelistet.


Aussehen
Gelbgoldener Bernsteinton.


Nase
Aus dem frisch eingeschenkten Glas steigen zunächst Noten von dunkler Schokolade und Kaffeebohnen auf – fast so, als würde man an einer Schokoladencreme mit Kaffeenote riechen. Dahinter zeigen sich leichte Röstaromen. Wie ein Chamäleon verändert sich der Duft: Nach einigen Sekunden treten grüne Stachelbeeren und Weintrauben mit fruchtig-säuerlichen Nuancen in den Vordergrund, bevor Vanille, geröstete Haselnüsse und Milchschokolade übernehmen. Der Alkohol ist kaum wahrnehmbar, und für seine jungen Jahre im Fass wirkt der Whisky erstaunlich weich und harmonisch in der Nase.


Geschmack
Sehr weich und cremig im Mundgefühl. Solch intensive Aromen von Kaffee, Milchschokolade und gerösteten Nüssen hatte ich bislang nur beim Glenmorangie Signet und beim Batch 1 des 16-jährigen Fettercairn erlebt – beide wurden mit Chocolate Malt, also stark gerösteter Gerste, hergestellt. Eine leichte Süße breitet sich im Mundraum aus, begleitet von einer milden, pfeffrigen Würze. Dieser „Kaffee-/Schokosirup mit Wumms“ ist definitiv etwas Besonderes. Frucht finde ich im Geschmack keine. Der Alkohol ist gut eingebunden, auch wenn ein paar kräftigere Spitzen die knapp 50 % nicht ganz verbergen können.


Abgang
Die Nuss- und Nougatschokolade mit ihrem prägenden Kaffeearoma setzt sich auch im Finish fort. Die Eiche bringt nur dezente, herbe Noten ein, die in ein wärmendes, nicht allzu langes Finale übergehen.


Fazit
Diese Abfüllung widerlegt ein wenig die breite Meinung, dass vor allem die Fassreifung für die Aromenvielfalt eines Single Malts verantwortlich ist. Die dominante Kaffee- und Schokoladenpräsenz – sowohl in der Nase als auch am Gaumen – ist das Ergebnis der verwendeten Gersten- und Hefesorten. Die Reifung im Olorosofass hat die nussigen und schokoladigen Noten zwar verstärkt, war aber nicht der Hauptakteur bei der Aromengestaltung. Ich bin mir sicher, dass dieses Geschmacksprofil nicht jedermanns Sache ist – besonders nicht für Teetrinker oder Menschen, die mit Kaffee nichts anfangen können. Mir gefällt diese Andersartigkeit ausgesprochen gut, und ich bin gespannt, wie sich das Experiment entwickelt, falls Holyrood dem „Pitch“ noch weitere Jahre im Fass gönnt.

Donnerstag, 10. Juli 2025

Glasgow 1770 – The Original

 

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Nach Lochlea, wo ich die erste sechsjährige Abfüllung im Glas hatte und Holyrood, die ich im April selbst in Edinburgh erkundet habe und bereits den Ambir verkostete, steht mit der Glasgow Distillery nun eine weitere junge Lowland-Brennerei auf meiner Probierliste.

Dafür habe ich mir vor ein paar Wochen das Sample-Set der Signature-Reihe der 2012 gegründeten und seit 2014 produzierenden Brennerei besorgt. Zur Standard-Range gehören neben dem The Original, der allerersten Abfüllung der Destillerie, auch noch der Peated und der Triple Distilled. Mit dem The Original beginne ich meine Entdeckungsreise.

Wie auch die beiden anderen Abfüllungen ist dieser Whisky ein NAS (No Age Statement), also ohne Altersangabe. Im Netz findet man allerdings Hinweise, dass er etwa vier bis fünf Jahre alt sein soll.

Die Reifung erfolgte überwiegend in 1st Fill Bourbonfässern, gefolgt von einer mehrmonatigen Nachreifung in amerikanischen Virgin Oak Casks. Abgefüllt wurde der Whisky mit 46 %, ohne Kühlfiltration und ohne künstliche Färbung – insgesamt also klassische und erfreulich transparente Rahmendaten. Durch die Fasswahl sollte sich das eigentliche Destillat gut herausschmecken lassen.

Fotocredit: whiskybase.com


Aussehen
Honigwein, Met.


Nase
Seinen Beinamen „Fresh & Fruity“ trägt dieser Malt absolut zu Recht. Vom Start weg überzeugt die Nase mit intensiv fruchtigen Noten: reife, saftige rote Äpfel, Aprikosen und zart duftende Weinbergpfirsiche prägen den ersten Eindruck. Begleitet wird der Obstkorb von cremiger Vanille und warmem Kuchenteig – es erinnert fast an frisch gebackenen Apfelkuchen mit Vanillesauce.

Auch florale Noten sind präsent: Lavendel und eine frisch geschnittene Blumenwiese.

Anfangs dominieren eindeutig die Ex-Bourbon-Fässer das Aromabild, bevor im Hintergrund das Virgin Oak Finish mit einer spürbaren, aber weiterhin harmonischen Eichennote auftritt.

Eine frische Minznote deutet auf die Jugend des Whiskys hin, der Alkohol ist jedoch gut eingebunden. Trotz des sicherlich geringen Alters gefällt mir die Nase überraschend gut.


Geschmack
Im Antritt kräftig, ohne allzu ausgeprägte Süße. Ein Hauch feiner Puderzucker ebnet der deutlichen Vanillenote den Weg. Fruchtseitig passiert im Mund eher weniger – stattdessen zeigt sich eine leicht scharf-würzige Pfeffernote, begleitet von einer immer präsenter werdenden Eichenholzwürze.

Dazu kommen Anklänge von Muskatnuss und frischer Pfefferminze. Mit dem zweiten und dritten Schluck wird das Gesamtbild harmonischer: Die Süße bleibt länger erhalten, und vereinzelt tauchen Fruchtnoten auf, wenn auch eher verhalten. Der Alkohol ist insgesamt gut integriert. Dennoch kann der Original seinen jugendlichen Charakter im Geschmack nicht ganz verbergen.


Abgang
Gegen Ende wird er deutlich herber und bitterer. Das Virgin Oak Finish übernimmt nun endgültig die Oberhand. Der Whisky rinnt angenehm wärmend den Hals hinunter, insgesamt bleibt der Abgang aber eher kurz.


Fazit
Was man sich von der ersten Abfüllung einer jungen Brennerei erwarten kann und darf, erfüllt The Original. Vor allem in der Nase überrascht er mit fein-fruchtigen Bourbonaromen. Im Mund zeigt er sich dagegen eher fassgeprägt und noch etwas kantig – typisch für einen jungen Whisky.

Positiv finde ich, dass Glasgow 1770 mit einer destillatsfreundlichen Fasskombination gestartet ist. Man erkennt den Whisky selbst noch hinter den Fassnoten, und auch wenn er noch jung ist, deutet er einiges an Potenzial für die Zukunft an.

Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die beiden anderen Samples aus dem Set schlagen werden – der Peated und der Triple Distilled.

Mittwoch, 14. Mai 2025

Lochlea 6y 2018/2024

 


Whiskybase

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Nach dem Besuch der Holyrood Brennerei in Edinburgh und dem nachträglichen Verkosten ihrer Ambir Abfüllung habe ich richtig Lust auf die Lowlands und deren jungen Whisky Erzeuger bekommen. Und so besorgte ich mir ein Sample vom neuen Lochlea 6y, der letzten Sonderabfüllung der familiengeführten Farm Brennerei, als diese in unserer Whisky Gruppe verteilt wurde.

Bislang hatte es noch kein Whisky dieser jungen durchaus sympathischen Destillerie in mein Glas geschafft. Da kam die bislang älteste Ausprägung, nach dem letztes Jahr hausgekommenen Fünfjährigen zum richtigen Augenblick.

Für diese zweite Abfüllung der Brennerei mit Altersangabe wählten die seit Ende des letzten Jahres als neue Master Blenderin fungierende Jilian Boyd und der Distillery Manager Darren McCormick die drei 1st Fill Bourbon Barrels #132, #135, #138 sowie die drei Oloroso Sherry Butts #250, #251 und #252 aus dem Jahr 2018 aus. Die Fässer stammen somit aus der Zeit des Produktionsstarts der Farm-Brennerei.

2.500 Flaschen kamen aus den sechs Fässern heraus und wurden ohne Kältefiltration und nachträglicher Färbung mit 50% Volumenstärke abgefüllt. 

Die Flasche ist schon eine Augenweide.
Fotocredit: Lochlea Distillery

Aussehen
Helles Mahagoni


Nase
Die erste Assoziation, die mir durch den Kopf schießt, ist der Duft von rosa blühenden Fliederbüschen, die in voller Pracht stehen. Sehr blumig und luftig. Von den typisch mit Sherryfässern in Verbindung bringenden Aromen habe ich erstmals noch nicht viel. Im Hintergrund liegen frisch gezupfte Minzblätter. Eine leichte Schärfe belebt die Nase und spiegelt etwas seine Jugend wieder. Aber dies stört jetzt nicht den Genuss, von jugendlichen Fehlnoten ist hier nichts zu merken.

Nach ein wenig Standzeit öffnet er sich merklich. Ein Obstsalat aus Erdbeeren, Himbeeren, Orangen, roten Äpfel und dem einen und anderen Stück Honigmelone sorgt für einen schön fruchtig und säuerlichen Touch. Ok. Nun erscheinen auch immer mehr klassischere Noten von den Oloroso Sherryfässern. Dazu gehören neben den Beeren vor allem Milchschokolade, geröstete Haselnüsse, ein wenig Schuhcreme und Anklänge von altem Leder sowie etwas Tabak. Ein paar Tropfen Vanilleextrakt sind nun auch mit von der Partie.

Der Junge benötigt wahrlich Zeit im Glas um sein Potential zu entfalten. Dann kommen die Gerüche nach und nach zum Vorschein und wissen durchaus zu Gefallen. Besonders interessant ist eine harzige Note, wie bei einem griechischen Retsinawein, die zusammen mit einer leicht muffigen Attitüde für eine angenehme Tiefe sorgt.


Geschmack
Es ist nicht dünn, aber richtig cremig ist das Mundgefühl auch nicht. Es beginnt im Mund sogleich mit einer überraschend, weil so gar nicht in der Nase vorhanden, intensiven süßen Note. Weniger wie Honig, mehr wie geschmolzener Zucker oder Zuckersirup. Begleitet wird die Süße von deutlichen, etwas künstlich wirkenden, Aromen roter Gummibärchen die sich im Mund bereits aufzulösen beginnen. Aber diese Fruchtigkeit verfliegt ziemlich flott und macht einer nicht so erfreulichen Schärfe von weißem Pfeffer und geriebenem Ingwer Platz. Es brennt richtig heiß im Mundraum. Das gefällt mir nicht so sehr. Dahinter verbergen sich noch ein paar Krümmel der Milchschokolade und einige geröstete Nüsse sowie auch ein paar Minzblätter. Auch die Harznoten aus der Nase lassen sich wieder finden. Aber mehr kommt durch die heiße, brennende Schärfe nicht durch. Im Geschmack ist er mir deutlich zu jung, unausgewogen und mit zu geringer Aromentiefe ausgestattet.

Drei 1st Fill Bourbon- und drei Oloroso Sherryfässer stecken in diesem 6jährigen.
Fotocredit: Lochlea Distillery


Abgang
Das Finish ist ziemlich kurzlebig. Etwas Beerenobst, Vanille, leichte Süße und Sherryansätze. Danach ein paar bittere Anklänge vom Holz der Fässer und weg ist er.


Fazit
Frische seasoned Sherrycasks, die wohl hier in Verwendung waren und den jungen Burschen aufpimpen sollten. In der Nase mag dies zwar noch einiger Maßen gut funktionieren, da gefällt er mir auch am Besten. Jedoch beim Geschmack fällt er sehr schnell sehr stark in sich zusammen. Da merkt man von den sechs Jahren im Fass leider nicht viel. Vor allem die unangenehme Schärfe passt nicht. Und beim Abgang fühlt man sich an einer Klippe stehen, bei der die Aromen von einer Sekunde auf die andere abstürzen und verschwinden.

Wenn ich diesen jungen Lowlander mit seinem, sicherlich ähnlich alten, Landsmann Ambir von Holyrood vergleiche, verliert der Lochlea 6y leider deutlich. Schade. Aber die Abfüllung und ich sind nicht kompatibel.

Mittwoch, 23. April 2025

Holyrood Ambir

 

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Knapp ein Monat vor unserem ersten Trip nach Edinburgh buchte ich für die Familie Tour-Tickets bei der Holyrood Destillerie. Und an meinem Geburtstag besuchten wir dann diese junge Brennerei, die mit ihrer Eröffnung 2019 nach fast 100 Jahren wieder das Whiskybrennen in der schottischen Hauptstadt brachte. Die in einem alten viktorianischen Eisenbahndepot untergebrachte Brennerei verbindet alte wie auch moderne Architektur-Elemente. Umgeben von Wohnsiedlungen ist das Gelände nicht groß. Über einen kleinen Hof mit Sitzgelegenheiten gelangt man direkt in den Shop und von dort über Stiegen in die Bar bzw. in die Produktionsräume. 


Teil der interessanten Führung, unser Tour Guide Dave war sehr witzig, brachte aber zugleich die Inhalte sehr gekonnt rüber, ist auch der Besuch im Labor, wo neben vielen Gläsern, Flaschen und etlichen Zutaten auch eine kleine Brennanlage steht. Auf ihr wurden und werden ständig neue Rezepte ausprobiert. Weit über 100 verschiedene Kombinationen aus Gerste und Hefe wurde so schon erprobt und archiviert - und man kann einige dieser New Makes auch probieren und kaufen. Dieser Aspekt, dieses Erforschen und Ausprobieren gefällt mir an dieser in vielen Belangen untypischen Brennerei.  

Während der Tour bekamen wir mit dem Ambir die erste mehr oder weniger Standardabfüllung zum Verkosten. Auch in einem der beiden Flights, die wir anschließend in der Bar durchprobierten, war ein Glas vom Ambir dabei. Neben ein paar anderen Samples und einer Flasche erstanden wir im Shop auch ein Probierfläschchen vom Ambir.



Ambir stammt aus dem Schottischen und steht für Amber (Bernstein). Wie bei den Abfüllungen von Holyrood üblich wurden unterschiedliche Gerstensorten und Hefearten bei der Produktion verwendet. Auch bei der Fassreifung kamen einige Fässer ins Spiel - vorwiegend first- und second-fill Bourbon Casks, aber auch Oloroso Sherry Butts und Hogsheads. 

Holyrood agiert äußerst transparent. So kann man auf der Homepage genau nachlesen, was alles im Whisky vermengt wurde. Ohne Kühlfiltration und Nachfärbung kommt der Ambir mit erfreulichen 49,8% in die Flasche.


Aussehen
Helles Gold, reifer Weißwein


Nase
Beim ersten Reinriechen erscheint eine recht intensive säuerliche Note, die stark an einen jungen Weißwein erinnert. Junge knackige grüne Trauben, die über eine gute Portion an Fruchtsäure verfügen. Eine gewisse Mineralik sowie Aromen von getrockneten Gräsern lassen sich ebenfalls erkennen. Der Duft nach mit Vanille angereichertem Feilchensirup, blumig und süßlich zugleich, ist ebenfalls Teil des Geruchspotpourris. Im Hintergrund, als Fundament der anderen Gerüche, etabliert sich mit der Zeit eine Mischung aus malzigen, Butterkeks gleichen Noten zusammen mit gerösteten Nüssen und Cerealien, die für eine nette untermalende Würzigkeit sorgen. Obwohl hier fast 50% Alkoholstärke im Spiel ist, spürt man den Alkohol nicht. Überhaupt ist die Nase sehr weich, ausbalanciert und fühlt sich nicht jungendlich an. Hier könnte man blind locker auf acht bis zehn Jahre Reifezeit tippen.

Mit ein wenig Wasser heben sich vor allem die weichen Vanille- und zuckrigen Getreidemalznoten heraus. Ansonsten bleibt das bekannte Geruchsmuster ziemlich ident.


Geschmack
Leichter Körper, gepaart mit einem weichen, cremigen Mundgefühl. Sofort erscheint eine Süße von Malzzucker, gezuckerten Cornflakes, wo man noch das Getreide schmeckt. Eine ordentlicher Schöpflöffel Vanillepudding gleitet über die Zunge, sehr cremig kleidet der Single Malt den Mundraum aus.
Den süßen Getreideflocken und der Vanille folgt eine Würzigkeit, die etwas Pfefferschärfe mitbringt. Auch herbe dunkle Schokolade ist nun im Spiel. Hier scheint das Eichenholz der Fässer sich zu zeigen.
Wie schon beim Geruch ist auch beim Geschmack der Alkohol nie störend oder zu stark. Man kann den Whisky ohne Probleme pur ohne Wasserzugabe genießen.
Gibt man trotzdem ein wenig Wasser hinzu wird es sofort süßer, die Vanillearomen nehmen zu, zugleich wird es jedoch auch würziger, der schwarze Pfeffer bekommt Aufschwung.


Abgang
Geröstete Nüsse zusammen mit ein paar getrockneten Datteln und den letzten Resten des Vanillepuddings sorgen für ein mittellanges Finish. Zum Schluss liegt noch etwas Eichenwürze am Gaumen und auf der Zunge, die noch ein wenig länger verweilt.


Fazit
Trotz seiner wenigen Lenze von nicht mal ganz 5 Jahren ist der Ambir ein sehr gut gemachter Single Malt, dem man auch ein paar Jahre mehr Reifezeit glauben würde. Er ist sehr cremig und ausgesprochen homogen. Die Aromen sind vollmundig, obgleich der Malt leichtfüßig daherkommt. Die überwiegend verwendeten Ex-Bourbonfässer haben dem Destillat eine feine Vanillenote verpasst, die richtig Spaß macht. Die weinigen Aromen vom Geruch fand ich im Geschmack kaum noch wieder. Dies stört aber nicht. Ob es die vielen unterschiedlichen Gersten- und Hefearten benötigt hat, ich weiß nicht. Aber ich bin wirklich sehr gespannt, was Holyrood in den nächsten Jahren auf den Markt bringt, vor allem wenn der New Make länger reift.

Mittwoch, 31. Januar 2024

Bladnoch 14y Sherry Cask 2021

 

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Im letzten Teil meiner vierteiligen Verkostungsreihe von Single Malts aus der Bladnoch Distillery, beschäftige ich mich erstmals mit einer Abfüllung die eine Altersangabe aufweist. Es ist dies der Bladnoch 14 Jahre Sherry Cask aus 2021. 

Aufgrund seines Alters stammt der Whisky dieser Abfüllung noch aus der Zeit, bevor der australische Geschäfsmann David Prior die Brennerei vor der Schließung bewahrt hat. Da die Brennerei bei der Übernahme einer Komplettüberholung samt neuer Brennanlagen erfuhr, ist damit der Whisky auch nicht mehr mit aktuellen Abfüllungen vergleichbar. Dies sollte man im Hinterkopf haben, wenn man sich jetzt einen 14y Bladnoch zulegt. 

David Prior übernahm 2015 die Distillery - 2021 minus 14 ist 2006. Es wird noch ein paar Jährchen dauern, bis wir bei 14jährigen aus Bladnoch wirklich den neuen Stoff in der Flasche finden werden.

Zurück zur Abfüllung, die die gesamte Zeit in Oloroso Sherryfässern reifen durfte. Die weiteren wichtigen Eckdaten sind der Alkoholgehalt von 46,7%, keine nachträgliche Färbung und auch keine Anwendung von Kühlfiltration.


Aussehen
Heller Bernstein


Nase
Er startet gleichmal ziemlich dunkel - dunkle Bitterschokolade mit Nüssen sowie getrocknete Feigen und Datteln. Kirschen, Erdbeeren und Heidelbeeren sorgen für einen fruchtig säuerlichen Kontrapunkt zur Schokolade. Hinter den roten Früchten versteckt sich noch eine Spur von Aceto Balsamico.

Nach ein paar Minuten wird der Geruch gesetzter. Es erscheinen Pfeifentabak und Lederpolitur auf der olfaktorische Bühne. Die Nüsse vom Beginn sind nun deutlich geröstet und es mischen sich auch Mandeln dazwischen und sorgen für einen Marzipaneffekt. 

Am Ende ist ein spezieller, für mich nicht gänzlich aufzuschlüsselnder Geruch vorhanden, würzig, künstlich, aber auch etwas scharf - ob dies vom Holz der Eichenfässer kommt? 

Insgesamt ist es eine interessante Nase die mir grundsätzlich gefällt. Der Sherry ist präsent, jedoch ohne zu dominieren. Die Basis des Grunddestillats ist weiterhin vorhanden. 


Geschmack
Ein leichter Körper mit einem öligen Antritt im Mund. Hmm. Der ist sehr süffig. Gefährlich. Kurz ist eine kleine Spur von Süße von Karamell und Toffee zu schmecken. Diese wird sehr flott von doch deutlichen Schwefelaromen übertüncht. Ich bin nicht schwefelallergisch, darum stört es mich nicht - bringt sogar etwas Tiefe mit ins Geschmacksprofil. Gleichzeitig wird es erkennbar würziger mit einem Hauch von pikantem Pfeffer. 

Dunkle Schokolade mit gerösteten Haselnüssen sowie getrockneten Datteln und Feigen sind ebenso zu schmecken wie etwas Pfeifentabak und altes Leder.

Fotocredit: whiskybase.com


Abgang
Ein leicht alkoholischer Nachklang, der etwas überrascht, passt nicht zum Alter. Danach Eiche mit Bitterschokolade, jedoch sind die herb bitteren Aspekte wirklich nur dezent. Danach wieder etwas Tabak und Möbelpolitur. Der Ausklang ist nicht allzu lange angesetzt. Die Aromen sind ziemlich rasch verfolgen.


Fazit
Einmal eine andere Sherryabfüllung, nicht süß und fruchtig sondern viel mehr auf der schokoladig, würzigen Seite. Dies gefällt mir, muss ja nicht immer süße Sherryfruchtbombe sein. 

Der Schwefelanklang im Geschmack könnte einige Leute abschrecken. Der leicht alkoholische Nachhall, verbunden mit dem relativ kurzen Finish lässt den Abgang, gegenüber der Nase und Geschmack, etwas schlechter performen. 

Davon abgesehen ist es eine sehr süffige und durchaus interessante Abfüllung. Sicherlich die beste der vier, die ich bislang von Bladnoch hatte. Aber für rund € 100,- ist mir der 14y den Spaß nicht wert. In meinem Samplearchiv gibt es noch eine 17jährige Abfüllung. Vielleicht kann die mich restlos von Bladnoch und den Lowlands überzeugen. 

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English Text-Version


In the final part of my four-part series of tastings of single malts from the Bladnoch Distillery, I'm taking a look at a bottling with an age statement for the first time. This is the Bladnoch 14 Year Old Sherry Cask from 2021. 

Due to its age, the whisky in this bottling dates back to the time before Australian businessman David Prior saved the distillery from closure. As the distillery underwent a complete overhaul, including new distilling equipment, when Prior took over, the whisky is no longer comparable with current bottlings. You should bear this in mind when buying a 14y Bladnoch now. 

David Prior took over the distillery in 2015 - 2021 minus 14 is 2006. It will be a few more years before we really find the new stuff in the bottle with 14-year-olds from Bladnoch.

Back to the bottling, which was allowed to mature the entire time in Oloroso sherry casks. The other important key data are the alcohol content of 46.7%, no post-colouring and no use of chill filtration.


Appearance
Light amber colour


Nose
It starts off quite dark - dark bitter chocolate with nuts as well as dried figs and dates. Cherries, strawberries and blueberries provide a fruity, tart counterpoint to the chocolate. A hint of balsamic vinegar is hidden behind the red fruits.

After a few minutes, the flavour becomes more settled. Pipe tobacco and leather polish appear on the olfactory stage. The nuts from the beginning are now clearly roasted and almonds are also mixed in, creating a marzipan effect. 

At the end, there is a special odour that I can't quite pin down, spicy, artificial, but also a little sharp - is this from the wood of the oak barrels? 

Overall, it is an interesting nose that I generally like. The sherry is present, but without dominating. The base distillate is still present. 


Flavour
A light body with an oily attack in the mouth. Hmm. It's very drinkable. Dangerous. There is a brief hint of sweetness from the caramel and toffee flavours. This is quickly drowned out by distinct sulphur flavours. I'm not allergic to sulphur, so it doesn't bother me - it even adds some depth to the flavour profile. At the same time, it becomes recognisably spicier with a hint of hot pepper. 

Dark chocolate with roasted hazelnuts and dried dates and figs can also be tasted, as well as some pipe tobacco and old leather.


Finish
A slightly alcoholic finish, which is somewhat surprising and does not match the age. Then oak with bitter chocolate, but the bitter aspects are really only subtle. Then again some tobacco and furniture polish. The finish is not too long. The flavours are followed fairly quickly.


Conclusion
A different sherry bottling for once, not sweet and fruity but much more on the chocolaty, spicy side. I like this, it doesn't always have to be a sweet sherry fruit bomb. 

The hint of sulphur in the flavour might put some people off. The slightly alcoholic aftertaste, combined with the relatively short finish, makes the finish perform somewhat less well than the nose and flavour. 

Apart from that, it is a very drinkable and thoroughly interesting bottling. Certainly the best of the four I've had from Bladnoch so far. But for around € 100,-, the 14y is not worth the fun for me. There's another 17-year-old bottling in my sample archive. Maybe that will convince me completely of Bladnoch and the Lowlands. 

Mittwoch, 8. November 2023

Bladnoch Samsara

 

Whiskybase

English Text-Version


Nach den ersten beiden Teilen meiner Bladnoch Verkostungsreihe, dem Vinaya und dem Liora ist nun im dritten Teil der Bladnoch Samsara dran. Das Wort Samsara kommt aus dem Sanskrit und bedeutet "Wiedergeburt". Passend, denn diese Abfüllung wurde vom damaligen Master Distiller Ian MacMillan zum 200 jährigen Jubiläum der Lowland Brennerei kreiert. Bedenkt man vor allem, dass Bladnoch 2015 in Konkurs ging und 2016 vom aktuellen Eigentümer, dem australischen Jogurt-Hersteller David Prior gekauft und wieder aufgebaut wurde. 

Diese Jubiläumsabfüllung ist eine Mischung aus Whiskys die in Ex-Bourbon- bzw. in ehemaligen amerikanischen Rotweinfässern reiften. Ohne Kühlfiltration und Färbung kam der Whisky mit 46,7% Alkoholstärke in die Flaschen. Zum Alter der verwendeten Whiskys gibt es von offizieller Seite keine Infos, diverse Quellen im Internet sind sich uneins und sprechen entweder von mindestens acht Jahren Alter bzw. von 11 bis 17 Jahre alten Whiskys, die hier zum Einsatz gekommen sein sollen. 

Der Geschmackstest wird es zeigen, ob hier Jugend oder Reife überwiegt.


Aussehen
Heller Bernstein, dunkles Gold


Nase
Leichte Nase mit anfänglich nicht sehr ausgeprägten Aromen. Junge spritzige, leicht käsige Eindrücke zuallererst. Viel Zitrone in Kombination mit Malz, Keksteig und einem würzig, scharfen Touch von weißem Pfeffer oder Ingwer. Nach ein paar Minuten erscheinen säuerliche Fruchtnoten, Stachelbeeren und Preiselbeeren mit Orangen. Etwas Staubzucker und Vanille. Nase wird gesetzter, Aromen werden deutlicher. Milchschokolade mit leicht gerösteten Haselnüssen liegen im Hintergrund, die Frucht wechselt jetzt auch mehr zu Erdbeeren und Heidelbeeren. Hier macht sich womöglich der Einfluss der Rotweinfässer bemerkbar. Der Geruch ist speziell, mit mehr Luft und Sauerstoff wird er aber ausgewogener und entwickelt sich zum Besseren.


Geschmack
Sehr weiches, cremiges Mundgefühl. Er startet überraschend süß mit Staubzucker und Toffee im Mund. Wechselt aber sehr zügig zum fruchtigen Teil über mit Erdbeermarmelade, Himbeeren und Pflaumenmus um kurz danach auf eine deutlich würzige Seite mit einem kurzen Peek an Schärfe mit Ingwer, Zimt und Pfeffer zu switchen. Den Alkohol merkt man im Geschmack nun deutlicher als in der Nase. Dies würde eher auf eine gewisse Jugend hindeuten. Im Mittelteil kommt die Eiche mehr durch, es wird herber und trockener. Insgesamt ist der Samsara im Geschmack etwas unausgewogen und sprunghaft - vor allem die Schärfe gefällt mir weniger.

Fotocredit: Bladnoch


Abgang
Sehr cremig am Ende mit Milchschokolade und Haselnüssen sowie Zwetschken. Adstringierend vorne beim Zahnfleisch. Die Eiche setzt sich mit einem immer deutlicherem bitteren, herben Aspekt schön langsam durch. Nicht allzu langes, wohlwollend mittellanges Finish.


Fazit
Ich bin zwiegespalten, mit leicht negativem Trend. Der Whisky fängt mit seiner spritzigen, leicht ins käsige gehenden, Nase reicht unorthodox an. Mit mehr Luft und Ruhe wird es besser. Dann kommen immer mehr angenehme Fruchtnoten zum Vorschein. Im Geschmack ist es genau umgekehrt. Hier beginnt es schön süß und fruchtig und wird dann jedoch flott scharf und herb. Dies gefällt mir weniger gut. Im Finish wird es wieder cremig mit Einschlag von Milchschokolade und aromatischer Eiche und lässt ihn gut enden. Hm. Ich weiß nicht genau, was ich von ihm halten soll. Er ist ganz sicher besser, als der Vinaya, der Liora liegt aber klar vor ihm. Bladnoch ist eine spezielle Brennerei für mich, die Annäherung ist steinig. Brauche ich von ihm eine Großflasche? Nein. 

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English Text-Version


After the first two parts of my Bladnoch tasting series, the Vinaya and the Liora, it's now the turn of Bladnoch Samsara in the third part. The word Samsara comes from Sanskrit and means "rebirth". Very fitting, as this bottling was created by the former Master Distiller Ian MacMillan to celebrate the 200th anniversary of the Lowland distillery. Especially considering that Bladnoch went into liquidation in 2015 and was bought and rebuilt by the current owner, Australian yoghurt manufacturer David Prior, in 2016. 

This anniversary bottling is a combination of whiskies matured in ex-bourbon and ex-American red wine casks. The whisky was bottled at 46.7% alcohol strength without chill-filtration or colouring. There is no official information on the age of the whiskies used, with various sources on the internet disagreeing on whether they are at least eight years old or between 11 and 17 years old. 

The taste test will show whether youth or maturity prevails here.


Appearance
Light amber, dark gold colour


Nose
Light nose with initially not very prominent aromas. Young, sparkling, slightly cheesy impressions at first. Lots of lemon in combination with malt, biscuit dough and a spicy, pungent touch of white pepper or ginger. After a few minutes, tart fruit flavours appear, gooseberries and cranberries with oranges. Some icing sugar and vanilla. Nose becomes more settled, flavours become clearer. Milk chocolate with lightly roasted hazelnuts are in the background, the fruit now changes more to strawberries and blueberries. The influence of the red wine barrels may be noticeable here. The flavour is special, but with more air and oxygen it becomes more balanced and develops for the better.


Flavour
Very soft, creamy mouthfeel. It starts surprisingly sweet with icing sugar and toffee in the mouth. However, it quickly switches to the fruity part with strawberry jam, raspberries and plum jam, only to switch to a distinctly spicy side shortly afterwards with a brief peek of spiciness with ginger, cinnamon and pepper. The alcohol is now more noticeable on the palate than on the nose. This would rather indicate a certain youth. In the middle section, the oak comes through more, it becomes more bitter and drier. Overall, the Samsara's flavour is somewhat unbalanced and inconsistent - I particularly dislike the spiciness.


Finish
Very creamy at the end with milk chocolate, hazelnuts and plums. Astringent at the front on the gums. The oak slowly asserts itself with an increasingly bitter, tart aspect. Not too long, favourably medium-long finish.


Conclusion
I am ambivalent, with a slightly negative trend. The whisky starts off unorthodox enough with its tangy, slightly cheesy nose. It improves with more air and time. Then more and more pleasant fruity flavours appear. The flavour is exactly the opposite. It starts off nice and sweet and fruity, but then quickly becomes sharp and tart. I don't like this as much. The finish is creamy again with hints of milk chocolate and aromatic oak and ends well. Hm. I don't know exactly what to make of it. It's certainly better than the Vinaya, but the Liora is clearly ahead of it. Bladnoch is a special distillery for me, the approach is stony. Do I need a large bottle of it? No. 

Mittwoch, 19. Juli 2023

Bladnoch Liora

 

Whiskybase

English Text-Version


Im zweiten Teil meiner Bladnoch Tasting-Reihe beschäftigen wir uns nach dem Vinaya nun mit dem Liora. Es handelt sich hierbei um einen NAS-Whisky, also ohne Altersangabe, und ist die letzte Ergänzung der Classic Collection-Reihe der Lowland Brennerei.

Reifen durfte der Whisky sowohl in Ex-Bourbon- als auch in neuen amerikanischen Eichenfässern. Der Name stammt aus dem Hebräischen und soll soviel wie "Das Geschenk des Lichts" bedeuten. Abgefüllt wird ohne Farbstoff und Kühlfiltration in der "Distiller's Strength" Alkoholstärke von 52,2%.

Ob es sich hierbei um eine klassische Fassstärke oder eine von Bladnoch selbst definierte Alkoholstärke handelt? Keine Ahnung, es wird nicht näher erklärkt. Sei es drum, Hauptsache es schmeckt. Und dies will ich auf den Grund gehen.


Aussehen
Sattes Gold


Nase
Eine kräftige, sehr aromatische Nase vom Start weg. Gezuckertes Vollkornmüsli und Butterteigkekse mit Apfelmus aus gelben, süßsaftigen Äpfeln. Dazu eine sehr intensive Bourbon Vanille. Immer wieder sticht ein Hauch von Minze auf. Zum Apfelmus gesellen sich mit der Zeit noch etwas Pfirsich und eine spezifische Cremigkeit im Geruch dazu, die an eine zerdrückte reife Banane erinnert. Das Holz vom Virgin Oak Fass ist da, deutlich aber nicht störend. Die Würze und das Holz geben den anderen Aromen eher einen Rückhalt. Mit ein, zwei Tropfen Wasser übernehmen die Cerealien und die Vanille komplett dann die Führung.


Geschmack
Ein weicher Antritt mit einem sehr cremigen Mundgefühl. Sehr süß, wieder mit üppiger Vanillenote, wieder die Butterscotch Gebäckaromen, das Müsli und das Fruchtmus aus Apfel und Banane. Wechselt in der Mitte zu einer leicht würzigen Pfeffernote mit mitteldunkler Schokolade. Die Frische der Minze ist ein guter Gegenpol zur süßen Kekspower. Mit Wasser wird er sehr süffig, noch mehr vanillig und ich meine, puren Keksteig genascht zu haben.

Fotocredit: whiskybase.com


Abgang
Die Eiche der Fässer übernimmt am Ende das Kommando. Geschmacklich wird es herbwürziger. Die Vanille ist noch da, aber jetzt eher nur noch als Topping vom Milchschaum am Kaffee mit einer deutlichen Röstnote. Vom Apfel hat man nun die leicht bitteren Schalen. Abgang dauert nicht lange.


Fazit
Flüssiger Butterkeksteig, sehr getreidig, viele Cerealien mit viel Vanille und einer schönen Cremigkeit in der Nase. Die 52,2% stehen ihm gut, mit weniger Prozenten wäre er wahrscheinlich in die Belanglosigkeit abgetriftet. So aber gefällt er mir gut, richtig gut. Er ist kein Komplexitätsmonster, will er nicht sein. Die Kombination der Ex-Bourbon- und Virgin Oak-Fässer harmoniert mit dem New Make von Bladnoch hier sehr gut. Die Holzaromen sind zwar deutlich vorhanden aber sie bieten ein gutes Rückrat für die süßen Vanille- und Keksaromen. Ein schöner Dessertmalt für den Sommer auf der Terrasse. Der Liora versöhnt mich nach dem Vinaya wieder etwas mit Bladnoch. Die Lowland Destillerie kann es ja doch!

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English Text-Version


In the second part of my Bladnoch tasting series, after the Vinaya, we now look at the Liora. This is a NAS whisky, i.e. without an age statement, and is the latest addition to the Lowland distillery's Classic Collection series.

The whisky was allowed to mature in both ex-bourbon and new American oak casks. The name comes from Hebrew and means "the gift of light". The whisky is bottled without colouring and chill filtration in the "Distiller's Strength" alcohol strength of 52.2%. Whether this is a classic cask strength or an alcohol strength defined by Bladnoch itself? No idea, it is not explained in detail.

Be that as it may, the main thing is that it tastes good. And this is what I want to get to the bottom of.


Appearance
Rich gold


Nose
A strong, very aromatic nose from the start. Sugared wholemeal cereal and buttery pastry biscuits with applesauce made from yellow, sweet-juicy apples. Accompanied by a very intense bourbon vanilla. Again and again, a hint of mint stands out. Over time, the applesauce is joined by a little peach and a specific creaminess in the aroma, reminiscent of a mashed ripe banana. The wood from the Virgin Oak cask is there, distinct but not disturbing. The spice and the wood rather back up the other flavours. With a drop or two of water, the cereals and vanilla completely then take over.


Taste
A soft attack with a very creamy mouthfeel. Very sweet, again with lush vanilla notes, again the butterscotch biscuit flavours, the cereal and the fruit puree of apple and banana. Changes in the middle to a slightly spicy pepper note with medium dark chocolate. The freshness of the mint is a good counterpoint to the sweet biscuit power. With water it becomes very drinkable, even more vanilla and I think I snacked on pure biscuit dough.


Finish
The oak of the casks takes over at the end. Flavour-wise, it becomes more tart. The vanilla is still there, but now rather just as a topping from the milk foam on the coffee with a distinct roasted note. From the apple you now have the slightly bitter peel. The finish doesn't last long.


Conclusion
Liquid buttery biscuit dough, very cerealy, lots of cereals with lots of vanilla and a nice creaminess on the nose. The 52.2% suits it well, with less percentages it would probably have drifted off into irrelevance. But as it is, I like it, really like it. It's not a complexity monster, it doesn't want to be. The combination of ex-bourbon and Virgin Oak casks harmonises very well with the New Make from Bladnoch here. The wood flavours are clearly present but they provide a good backbone for the sweet vanilla and biscuit flavours. A nice dessert malt for summer on the terrace. The Liora reconciles me somewhat with Bladnoch after the Vinaya. The Lowland distillery can do it after all!

Mittwoch, 7. Juni 2023

Bladnoch Vinaya

 

Whiskybase

English Text Version


Bei meiner bisherigen Whisky-Genussreise habe ich die schottischen Lowlands wahrlich stiefmütterlich behandelt. Es gibt keinen wirklichen Grund dafür, keine schlechten Erlebnisse mit Lowlands-Abfüllungen. Das Gebiet war einfach nicht in meinem Fokus. 

Wie zu Beginn des Jahres versprochen, werde ich nach dem grandiosen 15jährigen Daftmill nun auch weitere Abfüllungen von Brennereien aus den Lowlands verkosten. Ich habe mich zu diesem Zweck bei Simple Sample mit vier Samples von der Brennerei Bladnoch eingedeckt und werde sie im Laufe der nächsten Wochen und Monate hier vorstellen. Da ich bis dahin noch keine Berühungspunkte mit Bladnoch hatte, war die Auswahl der Samples sehr zufällig. Ich werde mir neben weiteren Bladnochs auch von anderen Lowland-Destillerien Verkostungssamples zulegen. Wenn ihr einen Tipp für mich habt, schreibt ihn mir in einem Kommentar rein! Würd mich freuen.

Der erste Whisky aus meinem Sample-Quartett ist der Bladnoch Vinaya. Der Name "Vinaya" stammt aus dem Sanskrit und soll soviel wie Respekt und Dankbarkeit bedeuten. Es ist eine Hommage an die Gründer der Brennerei, die den Grundstein für den heutigen Erfolg gelegt haben. Für diesen NAS-Whisky wurden sowohl Ex-Bourbon- als auch Ex-Oloroso Sherry-Fässer verwendet - das genaue Mischverhältnis ist nicht bekannt. Es ist eine Kombination aus Spirit vor der Zeit der neuen Eigentümer und neuem Spirit, der bereits mit dem neuen Equipment seit der Übernahme, produziert wurde. Ohne Kühlfiltration und Färbung wurde mit 46,7% Alkoholgehalt in die Flaschen gefüllt. 


Aussehen
Helles Gold oder dunkles Strohgelb


Nase
Im Geruch sofort ein voller Korb an reifen grünen und gelben Äpfeln. Zusätzlich eine angenehme malzige Note, süßer Gebäckteig mit einem Schuß Orangensaft. Vanille ist deutlich, auch etwas Blütenhonig. Im Hintergrund liegen Aromen von frisch geschnittenem Heu und grüner Wiese. Eine kühlende Minznote ist ebenfalls vorhanden. Alkohol ist gut eingebunden. Die Bourbonfässer dominieren deutlich das Aromenspektrum. Von den Sherryfässern ist in der Nase bis auf einen Hauch von Walderdbeeren wenig zu merken.

Geschmack
Pfeffrig, würzig, etwas wild. Die sanften typischen Bourbonfassaromen mit Vanille, der Malzigkeit und der reifen Frucht sind beim ersten Schluck verschwunden. Es dominiert sofort ein scharfer, pfeffriger Antritt - es beginnt leicht auf der Zunge zu brennen. Sehr würzig herb, fast schon etwas wild vom Alkoholgefühl. Von der Frucht ist jetzt nur noch die Schale vom Apfel zu schmecken. Etwas Vanille liegt noch im Hintergrund. Mit ein paar Tropfen Wasser nimmt die Schärfe ab und die Vanille bekommt wieder mehr Auftrieb, es wird aber auch gefährlich wässrig und unscheinbar.


Abgang
Gegen Ende hin nimmt die Eiche mit einer prägnanten Bitterkeit deutlich an Fahrt auf. Herbe dunkle Schokolade, kombiniert mit knackigen grünen Apfelspalten. Im Finish wird es vorne beim Zahnfleisch trocken. Das Ende ist bis auf die Eichenaromen, die noch länger nachwirken, kurz mit mittel.


Fazit
Die Nase ist die von einem angenehmen typischen Ex-Bourbonfass dominierten Sommerwhisky. Im Geschmack wirds mir persönlich etwas zu unwirsch und fast schon sprittig. Da gehen die Aromen aus der Nase größtenteils verloren. Nein, vom Geruch abgesehen, ist der Vinaya nicht so mein Beuteschema. Er wirkt unausgewogen und doch ziemlich jung. Bin gespannt, wie es mit den Bladnochs in meinem Verkostungstrial weitergeht.

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English Text Version


In my whisky enjoyment journey so far, I have truly given the Scottish Lowlands a step-motherly treatment. There is no real reason for this, no bad experiences with Lowlands bottlings. The area was simply not in my focus. 

As promised at the beginning of the year, after the terrific 15-year-old Daftmill, I will now taste other bottlings from Lowlands distilleries. For this purpose, I have stocked up on four samples from the Bladnoch distillery at Simple Sample and will present them here in the course of the next weeks and months. As I had no contact with Bladnoch until then, the choice of samples was very random. I will be getting tasting samples from other Lowland distilleries as well as other Bladnochs. If you have any tips for me, drop them in a comment! I'd be delighted.

The first whisky in my sample quartet is the Bladnoch Vinaya. The name "Vinaya" comes from Sanskrit and is supposed to mean respect and gratitude. It is a tribute to the founders of the distillery who laid the foundation for today's success. Both ex-bourbon and ex-Oloroso sherry casks were used for this NAS whisky - the exact blending ratio is not known. It is a combination of spirit from before the new owners took over and new spirit that has already been produced with the new equipment since the takeover. Without chill filtration and colouring, it was bottled at 46.7% alcohol. 

Fotocredit: whiskybase.com

Appearance
Light gold or dark straw yellow.


Nose
Immediately a full basket of ripe green and yellow apples on the nose. Additionally a pleasant malty note, sweet pastry dough with a dash of orange juice. Vanilla is evident, also some blossom honey. In the background are aromas of freshly cut hay and green meadow. A cooling mint note is also present. Alcohol is well integrated. The bourbon casks clearly dominate the aroma spectrum. There is little of the sherry casks on the nose except for a hint of wild strawberries.


Taste
Peppery, spicy, a little wild. The gentle typical bourbon cask aromas with vanilla, the maltiness and the ripe fruit are gone at the first sip. A sharp, peppery attack dominates immediately - it starts to burn slightly on the tongue. Very spicy tart, almost a little wild from the alcohol feeling. Only the peel of the apple can be tasted of the fruit now. A little vanilla is still in the background. With a few drops of water, the spiciness decreases and the vanilla gets more lift again, but it also becomes dangerously watery and unimpressive.


Finish
Towards the end, the oak picks up considerably with an incisive bitterness. Tart dark chocolate combined with crisp green apple slices. It gets dry at the front of the gums on the finish. The finish is short with medium except for the oak flavours that linger.


Conclusion
The nose is that of a pleasant typical ex-bourbon cask dominated summer whisky. On the palate, it gets a little too rough and almost tangy for me personally. The aromas from the nose get lost for the most part. No, apart from the smell, the Vinaya is not my cup of tea. It seems unbalanced and quite young. I'm curious to see how the Bladnochs will fare in my tasting room.

Mittwoch, 16. November 2022

Daftmill 2006 15y

 

Whiskybase

English Version


Vor Äonen habe ich mir, während einer Dienstreise und einer damit verknüpften längeren Wartezeit auf einem Flughafen, eine Flasche von Auchentoshan im dortigen Duty Free Shop zugelegt. Der Whisky hat mir damals recht gut gemundet, mild, unaufgeregt, genau das Richtige für einen absoluten Newby im Metier, wie ich es damals war. Ich muss zugeben, dies war seit damals auch die letzte Flasche und gleichzeitige Annäherung meinerseits mit einer Lowland Brennerei.

Die Lowlands sind daher ein absolut weißer Fleck auf meiner persönlichen Whiskylandkarte. Dies gehört nun endlich geändert. Und was wäre besser geeignet, als dies mit einer fassstarken Abfüllung eines Daftmills zu tun?! Daftmill ist eine Farm-Distillery und gleichzeitig eine der kleinsten Brennereien Schottlands. Geführt von der Familie Cuthbert läuft die Produktion nur in den Perioden im Jahr, wo die Farmarbeit weitgehend still liegt, also im Mittsommer und Winter. Die Brennerei produziert im Jahr oft nicht mehr als 100 Fässer bzw. hat eine maximale Produktionskapazität von nur 20.000 Liter reinen Alkohols.

Der Daftmill 2006 reifte fünfzehn Jahre lang in 28 First-Fill Ex-Bourbon Casks und wurde 2022 mit natürlicher Fassstärke von 55,7% ungefärbt und ungefiltert in 5.338 Flaschen abgefüllt. 


Aussehen
Dunkles Gelb, wie ein gut gereifter Chardonnay Weißwein


Nase
Ganz zarte Aromen. Sehr filigran. Ein leichter Anflug von Heu und Stroh, vermischt mit dem Duft von Zitrusfrüchten und etwas Butter und Rahm. Der erste Geruch erinnert mich ein wenig an den 12y Bruichladdich von ADoS, der ebenfalls im Bourbonfass reifen durfte - vor allem durch diese feinen Nase mit der Anmutung nach Zitrone, Heu und dem Anflug nach etwas milchig/käsigem.
Nach ein paar Minuten wird es richtiggehend tropisch und fruchtig süß. Reife saftige geschnittene Stücke einer Ananas, Mangofruchtfleisch, etwas Banane, ein Hauch von Marillen- und/oder Pfirsichröster und grüner Apfel mit viel Honig und einer tollen vanilligen Kuchenteignote. Hier hat das Bourbonfass voll zugeschlagen, Bourbonnase par excellence. Wenngleich der Alkohol sich durch ein leichtes Kribbeln meldet, ist die Fassstärke mit über 55% gut integriert.
Mit ein wenig Wasser kommen die Vanille sowie vor allem jetzt die Marille als Röster oder Kompott so deutlich heraus. Toll! 


Geschmack
Der Malt beginnt mit einem weichen, cremigen Mundgefühl. Lecker. Eine Vanillebombe! Gleich mit dem ersten Schluck schwappt eine solche Vanillenote auf die Zunge, wie ich es bislang noch nie bei einem Malt hatte. Dann gesellen sich wieder der warme Kuchenteig, gefüllt mit süßem Marillen- und nun eher Mangoröster dazu. Dann wechselt der Geschmack ins würzige. Die 15 Jahre im Fass zeigen sich mit einer angenehmen leichten Schärfe, die an Pfeffer oder auch einem guten Ginger Beer erinnert. Das leicht grasige und die Butter- bzw. die Hefenoten aus der Nase sind im Mund nicht mehr vorhanden - nur noch Vanille, Frucht, Kuchen und Pfeffer/Ginger. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.
Mit Wasserbeigabe wird auch im Mund die Vanille und die Frucht noch prägnanter - geht ja kaum noch - sowie auch süßer. Die Würzigkeit nimmt zwar gleichzeitig etwas ab, bleibt aber weiterhin ab dem Mittelteil deutlich und ist ein guter Gegenpol zur Vanille-Fruchtfracht.


Abgang
Immer noch viel Vanille im Finish. Gegen Ende hin werden die bitteren aber weiterhin immer noch sehr aromatischen Holzaromen etwas trockener im Mundraum. Die schöne Kombination aus Vanille, Frucht und Eichenfracht bleiben doch recht lange erhalten.


Fazit
Kurzum toll. Das ist ohne Umschweife ein toller Single Malt aus dem Ex-Bourbonfass. Vor allem diese ausgeprägte Vanille und die Frucht, die ich besonders als Marille wahrgenommen habe, wissen mich zu begeistern. Was mich weniger begeistert ist der ausgerufene Preis von bis zu € 250,-. Leider ist diese Farm-Distillery schon seit Jahren im Hype Universum weit oben gerankt. Aber vom Preis mal wohlwollend abgesehen, der Malt ist ein Genuss. Mein Interesse an den Lowlands ist auf jeden Fall geweckt. Welche Brennerei bzw. Abfüllung würdet ihr geschätzten Leser meines Blogs mir empfehlen?

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English Version


Eons ago, during a business trip and a long wait at an airport, I bought a bottle of Auchentoshan in the duty free shop there. The whisky tasted quite good to me at the time, mild, unagitated, just the right thing for an absolute newby in the profession, as I was at the time. I have to admit, this was also the last bottle and simultaneous approach on my part with a Lowland distillery since then.

The Lowlands are therefore an absolutely white spot on my personal whisky map. This finally needs to be changed. And what better way to do that than with a cask strength bottling of a Daftmill!!! Daftmill is a farm distillery and at the same time one of the smallest distilleries in Scotland. Run by the Cuthbert family, production only runs during the periods of the year when farm work is largely at a standstill, i.e. midsummer and winter. The distillery often produces no more than 100 casks a year or has a maximum production capacity of only 20,000 litres of pure alcohol.

The Daftmill 2006 matured for fifteen years in 28 first-fill ex-bourbon casks and was bottled in 2022 at natural cask strength of 55.7% uncoloured and unfiltered in 5,338 bottles. 

Fotocredit: Daftmill Distillery


Appearance
Dark yellow, like a well-matured Chardonnay white wine.


Nose
Very delicate aromas. Very delicate. A slight hint of hay and straw, mixed with the scent of citrus and some butter and cream. The first smell reminds me a bit of the 12y Bruichladdich from ADoS, which was also matured in a bourbon cask - especially because of this fine nose with the impression of lemon, hay and the hint of something milky/cheesy.
After a few minutes it becomes really tropical and fruity sweet. Ripe juicy sliced pieces of a pineapple, mango pulp, some banana, a hint of apricot and/or peach roast and green apple with lots of honey and a great vanilla cake batter note. Here, the bourbon barrel has hit full force, bourbon nose par excellence. Although the alcohol makes itself known with a slight tingle, the cask strength of over 55% is well integrated.
With a little water, the vanilla and especially now the apricot come out so clearly as a roast or compote. Great. 


Taste
The malt starts with a soft, creamy mouthfeel. Yummy. A vanilla bomb! Right with the first sip, such a vanilla note spills onto the tongue as I've never had with a malt before. Then the warm cake dough, filled with sweet apricot and now rather mango roast, joins in again. Then the taste changes to spicy. The 15 years in the barrel show up with a pleasant slight spiciness, reminiscent of pepper or even a good ginger beer. The slightly grassy and the buttery or yeasty notes from the nose are no longer present in the mouth - only vanilla, fruit, cake and pepper/ginger. The alcohol is very well integrated.
With the addition of water, the vanilla and fruit become even more pronounced in the mouth - hardly possible - as well as sweeter. The spiciness decreases a little at the same time, but remains clear from the middle part onwards and is a good counterbalance to the vanilla fruitiness.


Finish
Still plenty of vanilla in the finish. Towards the end, the bitter but still very aromatic wood flavours become a little drier in the mouth. The nice combination of vanilla, fruit and oakiness lasts quite a long time.


Conclusion
In short, great. Without further ado, this is a great single malt from the ex-bourbon cask. Above all, this pronounced vanilla and the fruit, which I particularly perceived as apricot, know how to excite me. What doesn't excite me so much is the advertised price of up to € 250,-. Unfortunately, this farm distillery has been ranked high in the hype universe for years. But price aside, the malt is a delight. My interest in the Lowlands is definitely aroused. Which distillery or bottling would you esteemed readers of my blog recommend to me?

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