Daftmill
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Mittwoch, 12. November 2025

Daftmill 12y 2011 (Winter Release)

 

Whiskybase

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Meine bisherige Begegnung mit dieser sympathischen kleinen Farmbrennerei aus den Lowlands war ein Sample des fassstarken 15-jährigen aus dem Jahr 2006. Dieses wusste mich vollends zu überzeugen. Ein wirklich toller, in Ex-Bourbonfässern gereifter Lowland Whisky. Aufgrund der aufgerufenen Preise war der Kauf einer Flasche für mich eigentlich nie ein Thema.

Eigentlich.

Vor ein paar Wochen gab es in meinem Stammladen eine Rabattaktion mit 20 Prozent auf zwölf Jahre alte Single Malts. Beim Stöbern vor Ort entdeckte ich dann den Daftmill 12y 2011 aus der Winter Release. Durch die Aktion kam die Abfüllung auf 116 Euro und ich griff sofort zu – günstiger werde ich wohl nie mehr eine Flasche bekommen. Ein Haufen Geld für einen zwölfjährigen Single Malt, ohne Frage. Doch aufgrund der geringen Produktionsmengen und der höheren Kosten im Vergleich zu industriellen Brennereien mit deutlich größerem Ausstoß ist der Preis leider nachvollziehbar.

Vom Rücketikett erfährt man, dass die Brennerei nur in den ruhigeren Zeiten des Hofes, also Mitte des Sommers und während des Winters, in Betrieb ist. Zum Einsatz kommt ausschließlich hofeigene Gerste der Sorte Publican, die auf einem 43 Hektar großen Feld angebaut und am 28. und 29. August geerntet wurde. Der Whisky ist eine Vermählung von 27 First-Fill-Ex-Bourbonfässern und reifte im oberen Stockwerk des hofeigenen Lagerhauses. Die Fässer wurden im Dezember 2011 befüllt und 2024 in Flaschen abgefüllt. Alles ist vorbildlich transparent und für Whisky-Nerds ein wahres Informationseldorado. Umso unverständlicher ist es, dass ausgerechnet die Angaben zu Färbung und Kühlfiltration fehlen. Meiner Meinung nach sollten diese Details unbedingt auf dem Etikett stehen. Wir können beruhigt davon ausgehen, dass weder gefärbt noch filtriert wurde, aber was am Label steht, gilt.


Aussehen
Weißwein


Nase
Unmittelbar nach dem Einschenken zeigt sich ein flüchtiger Hauch von frisch gemähter, leicht gedüngter Wiese – nicht unangenehm. Zurück bleiben frische Noten von Gras, Wiese und Heu, begleitet vom Duft zarter Blütenblätter, Vanille und einem Korb voller frischem, hellem Obst. Neben einer dezenten Bananennote und etwas Kokosnuss sind vor allem reife gelbe und grüne Äpfel, Birnen, Mirabellen, Ringlotten, Honigmelonen und Ananas präsent. Ein wahres Feuerwerk an fruchtigen Düften. Eine ausgeprägte Süße wie von Honig, Zucker oder Karamell ist nicht vorhanden, aber die Früchte bringen eine natürliche Süße mit, die harmonisch eingebunden ist. Der Alkohol ist kaum wahrnehmbar, vor allem nach rund zehn Minuten, wenn sich die Aromen gesetzt haben. Eine wunderbare Nase, die durch ihren reduzierten, klaren Stil überzeugt.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Malt startet mit einer feinen, weichen und cremigen Textur und einem eher zarten Körper. Zunächst wirkt er etwas leicht, fast schon wässrig, bevor er mit einer feinen Pfefferschärfe an Fahrt gewinnt und die Aromen nach vorne schiebt. Vielleicht würden ein paar Prozentpunkte mehr Alkohol dafür sorgen, dass er im Mund von Beginn an noch mehr Ausdruck zeigt, aber das Understatement passt zu seinem ruhigen, auf das Wesentliche reduzierten Charakter.

Die erwähnte leichte Pfeffernote ist nur kurz wahrnehmbar und keineswegs störend – im Gegenteil, sie erinnert an den Moment, wenn man auf eine dünne Ingwerscheibe beim Sushi beißt. Davor und danach zeigen sich die fruchtigen Aromen zusammen mit Vanille und Kokosraspeln, wie schon in der Nase. Die süße Seite wird von einem Löffel cremigen, hellen Blütenhonigs getragen.


Abgang
Etwas Eichenholz in Form einer dezenten Bitterkeit, die letzten Krümel der Kokosraspeln, Vanille und Apfel- sowie Birnenschalen sorgen für ein Finish, das ruhig länger ausfallen dürfte. Der Whisky verabschiedet sich relativ rasch, was aber den Vorteil hat, dass man gleich Lust auf den nächsten Schluck bekommt.


Fazit
Der puristische, elegante Stil von Daftmill gefällt mir ausgesprochen gut. Wie bei der Arbeit auf einer Farm wurde auch bei diesem Malt auf unnötige, künstlich wirkende Aromen verzichtet. Ein sehr guter Rohbrand in Kombination mit hervorragenden First-Fill-Bourbonfässern ergibt einen geradlinigen, authentischen Ex-Bourbon-Whisky – genau mein aktueller Geschmack.

Ob ich ihm die vollen zwölf Jahre Reifung blind geben würde, weiß ich nicht. Etwas mehr Volumen und Nachhall würden ihm guttun. Vor allem in Anbetracht des Preises stellt sich die Frage, ob der deutliche Aufpreis gegenüber vergleichbaren Malts gerechtfertigt ist. Ich persönlich freue mich, dass ich ihn mit Rabatt erwerben und probieren konnte. Doch eine weitere Flasche Daftmill über 100 Euro wird wohl so schnell nicht folgen. Da bleibe ich dann doch bei gleichaltrigen Abfüllungen von Ben Nevis aus Ex-Bourbon-Fässern, die man auch für unter € 100,- bekommt und mir mindestens genauso viel Freude bereiten.

Mittwoch, 16. November 2022

Daftmill 2006 15y

 

Whiskybase

English Version


Vor Äonen habe ich mir, während einer Dienstreise und einer damit verknüpften längeren Wartezeit auf einem Flughafen, eine Flasche von Auchentoshan im dortigen Duty Free Shop zugelegt. Der Whisky hat mir damals recht gut gemundet, mild, unaufgeregt, genau das Richtige für einen absoluten Newby im Metier, wie ich es damals war. Ich muss zugeben, dies war seit damals auch die letzte Flasche und gleichzeitige Annäherung meinerseits mit einer Lowland Brennerei.

Die Lowlands sind daher ein absolut weißer Fleck auf meiner persönlichen Whiskylandkarte. Dies gehört nun endlich geändert. Und was wäre besser geeignet, als dies mit einer fassstarken Abfüllung eines Daftmills zu tun?! Daftmill ist eine Farm-Distillery und gleichzeitig eine der kleinsten Brennereien Schottlands. Geführt von der Familie Cuthbert läuft die Produktion nur in den Perioden im Jahr, wo die Farmarbeit weitgehend still liegt, also im Mittsommer und Winter. Die Brennerei produziert im Jahr oft nicht mehr als 100 Fässer bzw. hat eine maximale Produktionskapazität von nur 20.000 Liter reinen Alkohols.

Der Daftmill 2006 reifte fünfzehn Jahre lang in 28 First-Fill Ex-Bourbon Casks und wurde 2022 mit natürlicher Fassstärke von 55,7% ungefärbt und ungefiltert in 5.338 Flaschen abgefüllt. 


Aussehen
Dunkles Gelb, wie ein gut gereifter Chardonnay Weißwein


Nase
Ganz zarte Aromen. Sehr filigran. Ein leichter Anflug von Heu und Stroh, vermischt mit dem Duft von Zitrusfrüchten und etwas Butter und Rahm. Der erste Geruch erinnert mich ein wenig an den 12y Bruichladdich von ADoS, der ebenfalls im Bourbonfass reifen durfte - vor allem durch diese feinen Nase mit der Anmutung nach Zitrone, Heu und dem Anflug nach etwas milchig/käsigem.
Nach ein paar Minuten wird es richtiggehend tropisch und fruchtig süß. Reife saftige geschnittene Stücke einer Ananas, Mangofruchtfleisch, etwas Banane, ein Hauch von Marillen- und/oder Pfirsichröster und grüner Apfel mit viel Honig und einer tollen vanilligen Kuchenteignote. Hier hat das Bourbonfass voll zugeschlagen, Bourbonnase par excellence. Wenngleich der Alkohol sich durch ein leichtes Kribbeln meldet, ist die Fassstärke mit über 55% gut integriert.
Mit ein wenig Wasser kommen die Vanille sowie vor allem jetzt die Marille als Röster oder Kompott so deutlich heraus. Toll! 


Geschmack
Der Malt beginnt mit einem weichen, cremigen Mundgefühl. Lecker. Eine Vanillebombe! Gleich mit dem ersten Schluck schwappt eine solche Vanillenote auf die Zunge, wie ich es bislang noch nie bei einem Malt hatte. Dann gesellen sich wieder der warme Kuchenteig, gefüllt mit süßem Marillen- und nun eher Mangoröster dazu. Dann wechselt der Geschmack ins würzige. Die 15 Jahre im Fass zeigen sich mit einer angenehmen leichten Schärfe, die an Pfeffer oder auch einem guten Ginger Beer erinnert. Das leicht grasige und die Butter- bzw. die Hefenoten aus der Nase sind im Mund nicht mehr vorhanden - nur noch Vanille, Frucht, Kuchen und Pfeffer/Ginger. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.
Mit Wasserbeigabe wird auch im Mund die Vanille und die Frucht noch prägnanter - geht ja kaum noch - sowie auch süßer. Die Würzigkeit nimmt zwar gleichzeitig etwas ab, bleibt aber weiterhin ab dem Mittelteil deutlich und ist ein guter Gegenpol zur Vanille-Fruchtfracht.


Abgang
Immer noch viel Vanille im Finish. Gegen Ende hin werden die bitteren aber weiterhin immer noch sehr aromatischen Holzaromen etwas trockener im Mundraum. Die schöne Kombination aus Vanille, Frucht und Eichenfracht bleiben doch recht lange erhalten.


Fazit
Kurzum toll. Das ist ohne Umschweife ein toller Single Malt aus dem Ex-Bourbonfass. Vor allem diese ausgeprägte Vanille und die Frucht, die ich besonders als Marille wahrgenommen habe, wissen mich zu begeistern. Was mich weniger begeistert ist der ausgerufene Preis von bis zu € 250,-. Leider ist diese Farm-Distillery schon seit Jahren im Hype Universum weit oben gerankt. Aber vom Preis mal wohlwollend abgesehen, der Malt ist ein Genuss. Mein Interesse an den Lowlands ist auf jeden Fall geweckt. Welche Brennerei bzw. Abfüllung würdet ihr geschätzten Leser meines Blogs mir empfehlen?

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English Version


Eons ago, during a business trip and a long wait at an airport, I bought a bottle of Auchentoshan in the duty free shop there. The whisky tasted quite good to me at the time, mild, unagitated, just the right thing for an absolute newby in the profession, as I was at the time. I have to admit, this was also the last bottle and simultaneous approach on my part with a Lowland distillery since then.

The Lowlands are therefore an absolutely white spot on my personal whisky map. This finally needs to be changed. And what better way to do that than with a cask strength bottling of a Daftmill!!! Daftmill is a farm distillery and at the same time one of the smallest distilleries in Scotland. Run by the Cuthbert family, production only runs during the periods of the year when farm work is largely at a standstill, i.e. midsummer and winter. The distillery often produces no more than 100 casks a year or has a maximum production capacity of only 20,000 litres of pure alcohol.

The Daftmill 2006 matured for fifteen years in 28 first-fill ex-bourbon casks and was bottled in 2022 at natural cask strength of 55.7% uncoloured and unfiltered in 5,338 bottles. 

Fotocredit: Daftmill Distillery


Appearance
Dark yellow, like a well-matured Chardonnay white wine.


Nose
Very delicate aromas. Very delicate. A slight hint of hay and straw, mixed with the scent of citrus and some butter and cream. The first smell reminds me a bit of the 12y Bruichladdich from ADoS, which was also matured in a bourbon cask - especially because of this fine nose with the impression of lemon, hay and the hint of something milky/cheesy.
After a few minutes it becomes really tropical and fruity sweet. Ripe juicy sliced pieces of a pineapple, mango pulp, some banana, a hint of apricot and/or peach roast and green apple with lots of honey and a great vanilla cake batter note. Here, the bourbon barrel has hit full force, bourbon nose par excellence. Although the alcohol makes itself known with a slight tingle, the cask strength of over 55% is well integrated.
With a little water, the vanilla and especially now the apricot come out so clearly as a roast or compote. Great. 


Taste
The malt starts with a soft, creamy mouthfeel. Yummy. A vanilla bomb! Right with the first sip, such a vanilla note spills onto the tongue as I've never had with a malt before. Then the warm cake dough, filled with sweet apricot and now rather mango roast, joins in again. Then the taste changes to spicy. The 15 years in the barrel show up with a pleasant slight spiciness, reminiscent of pepper or even a good ginger beer. The slightly grassy and the buttery or yeasty notes from the nose are no longer present in the mouth - only vanilla, fruit, cake and pepper/ginger. The alcohol is very well integrated.
With the addition of water, the vanilla and fruit become even more pronounced in the mouth - hardly possible - as well as sweeter. The spiciness decreases a little at the same time, but remains clear from the middle part onwards and is a good counterbalance to the vanilla fruitiness.


Finish
Still plenty of vanilla in the finish. Towards the end, the bitter but still very aromatic wood flavours become a little drier in the mouth. The nice combination of vanilla, fruit and oakiness lasts quite a long time.


Conclusion
In short, great. Without further ado, this is a great single malt from the ex-bourbon cask. Above all, this pronounced vanilla and the fruit, which I particularly perceived as apricot, know how to excite me. What doesn't excite me so much is the advertised price of up to € 250,-. Unfortunately, this farm distillery has been ranked high in the hype universe for years. But price aside, the malt is a delight. My interest in the Lowlands is definitely aroused. Which distillery or bottling would you esteemed readers of my blog recommend to me?

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