Frankreich
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Mittwoch, 26. Februar 2025

Armorik 12y 2008 Port Cask 55,1%

 

Whiskybase

English Text-Version


Frankreich ist nicht nur eins der Länder mit dem höchsten Absatz an Single Malts. Die Nachfahren von Asterix und Napoleon haben auch eine lange Tradition im Brennen von Whisky. Ein Beispiel dafür ist die bretonische Warenghem Brennerei, die mehr als 120 Jahre alt ist und seit 1983 eigenen Whisky produziert. Mit dem Amorik wird 1998 der erste Single Malt aus Frankreich offiziell präsentiert. Seit dieser Zeit wächst die unter der gleichnamigen Marke benannte Standardreihe stetig. Auch Einzelfassabfüllungen kommen regelmäßig auf den Markt.

Eines dieser Einzelfässer, die in diesem Fall speziell für den deutschen Markt herauskam, ist meine allererste Begegnung mit Amorik und überhaupt mit französischem Single Malt. Diese Abfüllung reifte zwölf Jahre lang in einem Port Cask und mit 55,1% in insgesamt 264 Flaschen.  


Aussehen
Dunkles Bernstein.


Nase
Eine sehr angenehme, leicht fruchtige Nase, in der auch eine gewisse saure Note mitschwingt - Himbeeren, Erdbeeren und Sauerkirsche. Es liegt ein Duft nach Blumen in der Luft, zart parfümiert. Nach dem beerigen Beginn wandelt sich der Geruch nach ein paar Minuten deutlich in Richtung Portweinreifung. Dunkle reife süße Kirschen, Heidelbeer- und Zwetschkenmarmelade, etwas Vanille, Pfeiffentabakblätter, alte Ledermöbel und auch eine gewisse staubige Muffigkeit machen sich nun in der Nase breit. Als würde man in einem alten bretonischen Landhaus im Ledersessel sitzen, ein verstaubtes Buch aufgeschlagen am Schoß liegen haben und an einem Glas Portwein nippen. Dazu riecht man das Holz der alten Möbel im Raum - würzig mit einem Hauch Zimt und Muskat. Ein paar Krümel einer Nussschokolade liegen auf einem Teller am Beistelltisch. Der Alkohol ist kräftig aber durchaus gut in das Gesamtspiel der Aromen integriert.

Mit Wasser kommt die Vanille deutlicher zum Tragen. Hellere Fruchtaromen wie Aprikosenkompott übernehmen die Oberhand. Es wird auch malziger, wie warmer Kuchenteig.


Geschmack
Kräftiger intensiver Antritt, schönes volles Mundgefühl, sehr süß zu Beginn, brauner Zucker, weiches Karamell, Heidelbeer- und Erdbeermarmelade, danach sorgt Muskatnuss und vor allem Zimt für eine würzig prickelnde Schärfe. Der Alkohol zeigt kurz seine Zähne, etwas Tannin beißt ein klein wenig am Gaumen und den Innenseiten der Wange und sorgt für etwas Trockenheit. Tabak und Leder mit mehr Holzeinfluss dominiert im Mittelteil.

Mit ein paar Tropfen Wasser wird der Whisky gefährlich süffig. Neben der Süße zu Beginn kommt auch im Mund mit Verdünnung diese feine Note nach warmen Kuchenteig mit Vanille und Zimt zum Vorschein. Belegt ist der Kuchen mit reifen Aprikosen. Der Alkohol ist nun spürbar in seiner Kraft reduziert.


Abgang
Herbe, würzige Noten vom Eichenfass sind gegen Ende hin zu schmecken. Das Holz ist leicht angekohlt, alt. Jedoch bleibt es weiterhin sehr ausgewogen. Hinzu gesellen sich Tabakblätter, Leder, ein paar zerdrückte Heidelbeeren und wieder diese undefinierbare muffige Note nach altem Keller.


Fazit
Mein Abstecher in die Bretagne nach Frankreich ist geglückt. Eine sehr feine Einzelfassabfüllung. Das Portfass hat geliefert, ohne jedoch den Whisky zu überdecken. Sehr ansprechende Fruchtaromen und -noten, sowohl in der Nase wie auch im Geschmack. Ein paar Tropfen Wasser öffnen ihn zusätzlich und fördern neben Vanille vor allem diesen tollen Kuchenteig zu Tage. Wer eine Abwechslung vom Scotch möchte, kann hier ohne Sorge zugreifen.

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English Text-Version


France is not only one of the countries with the highest sales of single malt whisky in the world. The descendants of Asterix and Napoleon also have a long tradition of whisky distilling. One example is the Warenghem distillery in Bretagne, which is more than 120 years old and has been producing its own whisky since 1983. The first single malt from France, Amorik, was officially launched in 1998. Since then, the standard range under the brand of the same name has grown continuously. Single cask bottlings are also regularly released.

One of these single casks, released for the German market, is my very first contact with Amorik and with French single malt in general. This bottling has matured for twelve years in a port cask and at 55.1% in a total of 264 bottles.  

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Dark amber.


Nose
A very pleasant, slightly fruity nose with a touch of acidity - raspberries, strawberries and sour cherries. There is a hint of flowers, delicately perfumed. After a few minutes, the flavours begin to change and become more Port. Dark, ripe, sweet cherries, blueberry and plum jam, a little vanilla, pipe tobacco leaves, old leather furniture and a certain dusty mustiness now fill the nose. It's like sitting in a leather armchair in an old Breton country house with a dusty book open on your lap and a glass of port. You can smell the wood of the old furniture in the room - spicy with a hint of cinnamon and nutmeg. A few crumbs of hazelnut chocolate lie on a plate on the side table. The alcohol is strong but well integrated into the overall flavour.

With water, the vanilla becomes more pronounced. Brighter fruit flavours like stewed apricots take over. It also becomes more malty, like warm cake dough.


Palate
Strong, intense start, nice full mouthfeel, very sweet at the beginning, brown sugar, soft caramel, blueberry and strawberry jam, followed by nutmeg and above all cinnamon for a spicy, tingling sharpness. The alcohol shows its teeth quickly, some tannin bites a little on the palate and the inside of the cheek and provides some dryness. Tobacco and leather dominate the mid-palate, with more wood influence.

With a few drops of water, the whisky becomes dangerously quaffable. In addition to the initial sweetness, a fine flavour of warm cake dough with vanilla and cinnamon emerges in the mouth. The cake is topped with ripe apricots. The alcohol is now noticeably reduced in strength.


Finish
Tart, spicy notes from the oak can be tasted towards the end. The wood is slightly charred, old. However, it remains very balanced. There are also tobacco leaves, leather, some crushed blueberries and that indefinable musty note of old cellars.


Conclusion
My trip to the Bretagne in France was a success. A very fine single cask. The port cask is present, but without overpowering the whisky. Very appealing fruit aromas and notes, both on the nose and on the palate. A few drops of water open it up even more, bringing out the vanilla and great cake pastry. If you want a break from Scotch, this is the one for you.


Mittwoch, 19. Oktober 2022

Michel Couvreur Special Vatting Peaty Malt Whisky

 

Whiskybase

English Version


Die französische Whisky Veredlungsschmiede Michel Crouvreur ist, seit ich die beiden Overaged Varianten kosten konnte, ein Garant für einen Whisky-Stil, den ich sehr schätze. Whiskys, die eindeutig nicht jung wirken mit einer ordentlichen Portion Sherryfass-Reifung - jedoch nicht zu überbordend, wie aktuell leider sehr oft vorhanden - mit einer großen Portion Old School Flavor mit Leder, Tabak, Rosinen, roten dunklen getrockneten Früchten. Malts, mit denen man sich zum Entspannen gemütlich aufs Sofa setzt und den Tag ausklingen lässt.

Neben der extrem guten Fassauswahl gelingt dies Couvreur vor allem mit dem Lagerort, einem 150 Meter langen Felsenkeller im Burgund. Und genau von dort kommt nun auch der neue Verkostungskandidat, der Special Vatting Peaty Malt. Ein Blend aus drei verschiedenen schottischen Malts mit unterschiedlichem Alter - der jüngste ist mindestens 12 Jahre alt. Vor der Vermählung reiften die drei Whiskys in zwei Amontillado sowie einem Oloroso Sherry Fass. Wie bei Michel Couvreur üblich wird auf Färbung und Kühlfiltration verzichtet. Mit 45% Alkoholstärke wird der Special Vatting in die Flasche gefüllt.


Aussehen
Rötliches Nussbraun


Nase
Die Raucharomen sind anfänglich nicht aufdringlich. Es sind keine, wie zum Beispiel von Islay Malts gewohnten phenolischen, mineralischen Rauchschwaden. Eher von länger schon verkohlten Holzstücken und auch etwas speckiges, wie ein zu viel angebruzeltes Kotelett mit einem schönen Fettrand der zu stark angegrillt wurde und dann langsam auskühlt. Das Fleisch war mit einer schönen fruchtig, säuerlichen Marinade gebeizt gewesen. Denn der Rauch bekommt mit etwas Luft eine tolle fruchtige Komponente. Überhaupt wird es hinter dem Rauch sehr fruchtig. Getrocknete rote Früchte aber auch gleich sehr reife weiche süße Pflaumen, eine Mischung aus Erdbeer- und Orangenmarmelade sind sofort präsent in der Nase. Und dann kommen diese mir bereits vom Overaged 52% so geliebten Old-School-Aromen. Zu der Fruchtkomposition gesellt sich diese typische Mixtur aus altem, gediegenem Altherren-Salon. Dieser im positiven Sinne leicht leicht muffige Geruch nach alten Ledermöbeln, Tabakaromen die an den Wänden, Möbeln und Teppichen und Vorhängen haften und Möbelpoliturenreste. Ein Geruch, der einen einfach einlullt und zum Verweilen einlädt.


Geschmack
Der Malt startet etwas dünnflüssig aber gleichzeitig samtweich auf der Zunge. Im Gegensatz zum Geruch ist der Rauch hier im Mund nun mehr präsent. Er mutet kaltaschiger an, hat aber weiterhin auch noch diese leichte fruchtbetonte Andeutung. Zugleich ist eine unaufdringliche Süße auszumachen, weniger Honig oder Karamell. Mehr eine Fruchtsüße von getrockneten Früchten, wie Feigen, Datteln oder Aprikosen. Das Leder und die Holzpolitur sind da. Eine leichte pfeffrige Note zeigt sich in der Mitte des Geschmacks und wechselt dann wieder hin in Richtung einer angenehmen Bitterkeit, die sich aus Walnüssen und einer dunklen Schokolade mit mindestens 60% Kakaoanteil ergibt. Getrocknete Küchenkräuter blitzen immer wieder aus dem Geschmacksensemble hervor.


Abgang
Weiterhin haftet der alte Zigarrenrauch dicht am Gaumen. Man sitzt im alten Lederfauteuil und genießt ein paar Teile von einem Anisgebäck mit etwas Ingwer. Dazu getrocknete Früchte und Nüsse mit einem Schluck Espresso. Das Finish ist sehr lange.


Fazit
Der leichte Rauch lässt die Nase vielleicht um eine Nuance komplexer wirken, als beim von mir so hoch geschätzten Overaged 52%. Wobei der Malt jetzt kein filigranes Komplexitätsmonster an sich ist. Aber er verleitet einen immerzu am Glas zu riechen und den Geruch schlicht zu genießen. Ähnlich verhält es sich auch beim Geschmack und Finish. Er wirkt sehr alt und gediegen ohne je langweilig zu werden. Im Mund vielleicht nicht mehr so fruchtbetont, wie noch in der Nase. Jedoch gefällt mir der Wechsel zu den Kräutern und dem kurzen Aufflammen einer Pfeffernote sehr gut. Kurzum, toller Malt für die kältere und beschaulichere Zeit im Jahr. Da könnte sich eine Großflasche neben dem Overaged bei mir im Regal einfinden.

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English Version


The French whisky refiner Michel Crouvreur has been a guarantor for a whisky style that I appreciate very much since I was able to taste the two Overaged variants. Whiskies that clearly don't seem young with a good portion of sherry cask maturation - but not too exuberant, as is unfortunately very often the case nowadays - with a large portion of old school flavour with leather, tobacco, sultanas, red dark dried fruits. Malts with which you can sit comfortably on the sofa to relax and end the day.

In addition to the extremely good selection of casks, Couvreur succeeds above all with the storage location, a 150-metre-long rock cellar in Burgundy. And this is exactly where the new tasting candidate, the Special Vatting Peaty Malt, comes from. A blend of three different Scottish malts with different ages - the youngest is at least 12 years old. Before the blend, the three whiskies matured in two Amontillado and one Oloroso Sherry cask. As usual with Michel Couvreur, no colouring or chill filtration is used. The Special Vatting is bottled at 45% alcohol strength.


Appearance
Reddish nut brown


Nose
The smoke aromas are not initially obtrusive. There are no phenolic, mineral smoke clouds, as usual from Islay malts, for example. Rather of longer already charred pieces of wood and also something bacony, like a too much roasted cutlet with a nice fat edge that was grilled too much and then slowly cooled down. The meat had been marinated with a nice fruity, acidic marinade. Because the smoke gets a great fruity component with a little air. In general, it is very fruity behind the smoke. Dried red fruits but also very ripe soft sweet plums, a mixture of strawberry and orange marmalade are immediately present in the nose. And then come those old-school flavours I already loved so much from the Overaged 52%. The fruit composition is joined by this typical mixture of old, dignified old-man salon. In a positive sense, this slightly musty smell of old leather furniture, tobacco aromas that cling to the walls, furniture, carpets and curtains, and furniture polish residue. A smell that simply lulls you and invites you to linger.


Taste
The malt starts a little thin but at the same time velvety on the tongue. In contrast to the smell, the smoke is now more present in the mouth. It seems more cold-ashy, but still has this slight fruity hint. At the same time, there is an unobtrusive sweetness, less honey or caramel. More a fruit sweetness of dried fruits, like figs, dates or apricots. The leather and wood polish are there. A slight peppery note appears in the middle of the flavour and then shifts back towards a pleasant bitterness that comes from walnuts and a dark chocolate with at least 60% cocoa content. Dried kitchen herbs keep flashing out of the flavour ensemble.


Finish
The old cigar smoke continues to cling tightly to the palate. You sit in the old leather fauteuil and enjoy a few pieces of an aniseed biscuit with a little ginger. Along with dried fruits and nuts with a sip of espresso. The finish is very long.


Conclusion
The light smoke makes the nose seem perhaps a shade more complex than with the Overaged 52%, which I hold in such high esteem. The malt is not a filigree complexity monster as such. But it tempts you to keep smelling the glass and simply enjoy the smell. The taste and finish are similar. It seems very old and solid without ever becoming boring. Perhaps not as fruity in the mouth as it was on the nose. However, I like the change to herbs and the brief flare-up of a pepper note very much. In short, a great malt for the colder and more contemplative times of the year. A large bottle could find its way onto my shelf next to the Overaged.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Michel Couvreur Overaged 52%

 

Whiskybase


Nachdem mir schon die leichtere 43% Version vom Michel Couvreur Overaged richtig gut gefiel, war es an der Zeit sich der stärkeren Variante näher zu befassen. Ich bin sehr gespannt, meinen doch die meisten, die 52% Variante ist nochmals im ein gutes Stück besser. Dann mache ich mal die Probe aufs Exempel. Ob die alkoholmäßig stärkere Abfüllung komplett ident mit der 43iger Version ist und nur mit einem höheren Alkoholgehalt abgefüllt wurde oder ob es sich hier bei den verwendeten Fässern um eine andere Mischung (Vatting) handelt, ist mir nicht bekannt. Jedoch konnte ich im Web eine interessante Info endecken, welche Sherryfässer für den Blend zum Einsatz gekommen sein sollen. Und zwar wären dies Cream-Sherry als Basis, Oxidative Oloroso (zb. Oloroso oder Palo Cortado), Amontillado, PX, Fino und auch getorfter Whisky. Keine Information gibt es hinsichtlich den verwendeten schottischen Malts, die Michel Couvreur benützt.


Nase & Aussehen
Vom Aussehen her zeigt sich der Malt in einem dunklen Rotbraun. Ein dünner, öliger Film haftet am Glasrand, aus dem sich feine Legs gemächlich aufmachen hinabzugleiten.
Sofort wabbern sherryaromatisierte leichte Rauchschwaden aus dem Glas. Da ist eine Mischung aus bei Sherrymalts typischen dunklen getrockneten Früchten wie Feigen, Datteln und Pflaumen, Rosinen und eine leichte Note von getrockneter Orangenschale. Hinter, eigentlich fast parallel zu den Fruchtaromen riecht es wie nach altem Ledersofa und nach dem Öffnen eines alten Schranks am Dachboden - leicht modrig. Dann kommt der Tabak, alte Tabakreste die noch im Humidor liegen. Vom Alkohol ist nichts zu bemerken, sehr gut eingebunden, keine Kühle oder unangenehmes Stechen in der Nase.


Geschmack
Was man riecht hat man auch im Mund. Ein gediegenes, seidig cremiges Mundgefühl. Eine schöne intensive Süße zu Beginn. Rosinen sowie die dunklen roten Früchte wie Beeren, Pflaumen und Feigen aus der Nase sind genauso im Mund präsent wie die Leder- und Tabakaromen. Die dezente Rauchnote legt sich elegant und verbindend über diese Geschmackskompositionen. Die Eiche wird prägnanter und zeigt sich mit einer schönen, kräftigen Würzigkeit Richtung Abgang hin.


Abgang
Der Whisky bleibt lange im Mund. Leder- und die Tabakaromen sowie nun noch die Pflaumen und die Würze sind die ganze Zeit präsent. Im Hintergrund liegen dezenter Rauch und Noten vom erdig, modrigen Holz der Fässer. Herrlich.


Fazit
Ok. Probe bestanden. Der 52% Overaged ist wirklich mächtig und in punkto Aroma und Geschmack um eine Stufe höher gelagert, als die leichtere Variante. Natürlich ist er der Version mit 43% geschmacklich ähnlich. Nur ist bei ihm alles viel intensiver und länger anhaltend. Einfach mehr. Wo die leichtere Version vor allem beim Geschmack und im Finish ein wenig abflacht, haut die fassstarke Version nochmal eins drauf und bleibt lange, lange präsent. Der Malt nimmt einen auf eine Reise mit, bei der alte Weinkeller und Ledermöbel in einem englischen Club die Hauptrolle spielen. Sofern sich Verfügbarkeit und Preis nicht diametral von einander entfernen, wird der Overaged mit 52% bei mir ein gern gesehener Dauergast in meinem Whiskyregal und Glas.

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After I really liked the lighter 43% version of Michel Couvreur Overaged, it was time to take a closer look at the stronger version. I am very curious, as most people think that the 52% version is a good deal better. So I'll put it to the test. I don't know whether the stronger bottling is completely identical to the 43% version and was only bottled with a higher alcohol content or whether the casks used were a different mixture (vatting). However, I was able to find interesting information on the web about which sherry casks were used for the blend. These would be cream sherry as a base, oxidative oloroso (e.g. oloroso or palo cortado), amontillado, PX, fino and peated whisky. There is no information about the Scottish malts used by Michel Couvreur.


Nose & Appearance
In terms of appearance, the malt is a dark reddish brown. A thin, oily film clings to the rim of the glass, from which fine legs leisurely make their way down.
Immediately, sherry-flavoured light wisps of smoke waft from the glass. There is a mixture of dark dried fruits typical of sherry malts such as figs, dates and plums, sultanas and a light note of dried orange peel. Behind, actually almost parallel to the fruit aromas, it smells like an old leather sofa and after opening an old cupboard in the attic - slightly musty. Then comes the tobacco, old tobacco remains that are still in the humidor. There is no trace of alcohol, very well integrated, no coolness or unpleasant stinging in the nose.

Foto: whiskybase.com


Taste
What you smell is also in your mouth. A solid, silky creamy mouthfeel. A nice intense sweetness at the beginning. Sultanas as well as the dark red fruits like berries, plums and figs from the nose are just as present in the mouth as the leather and tobacco flavours. The discreet smoky note lays itself elegantly and connectingly over these taste compositions. The oak becomes more concise and shows itself with a nice, strong spiciness towards the finish.


Finish
The whisky lingers in the mouth for a long time. The leather and tobacco flavours and now the plums and spice are present all the time. In the background are subtle smoke and notes of the earthy, musty wood of the casks. Delightful.


Conclusion
Ok. Sample passed. The 52% Overaged is really powerful and in terms of aroma and flavour a step up from the lighter version. Of course, it is similar in taste to the 43% version. But everything is much more intense and longer lasting. Simply more. Where the lighter version flattens out a bit, especially in the taste and finish, the cask strength version goes one better and stays present for a long, long time. The malt takes you on a journey where old wine cellars and leather furniture in an English club play the main role. Unless availability and price are diametrically opposed, the Overaged with 52% will be a welcome permanent guest on my whisky shelf and in my glass.

Mittwoch, 20. Januar 2021

Michel Couvreur Overaged Malt 43%

 

Die im letzten Beitrag 2020 angekündigte Horizonterweiterung geht nach dem ersten österreichischen Malt diese Woche weiter. Mein erster französische Malt, mein erster Whisky von Michel Crouvreur. Französischer Malt ist vielleicht irreführend. Michel Couvreur ist keine Brennerei. Couvreur kauft in Schottland Whisky von bekannten Distilleries und lässt sie dann in sehr guten Weinfässern, vorrangig Sherry-Casks in seinem Felsenkeller im Burgund reifen. Beim Overaged Malt handelt es sich dabei um ein Vatting aus Whiskys zwischen 12 und 27 Jahren, die im Sherryfass reiften. 

Nase & Aussehen
Der Overaged zeigt sich mit einem schönen Bernstein, im Glas bilden sich zahlreiche Schlieren, die zügig und dabei sehr ölig am Rand hinabrinnen. Eine sehr fruchtige und süße Nase von Beginn an. Sofort sind viel Sherryaromen vorhanden. Dunkle rote Früchte sowie Rosinen zeigen sich. Auch altes Leder und Tabaknoten sind sogleich präsent. Über all diesen Aromen schwebt die ganze Zeit eine zarte Rauchnote. Je länger im Glas, desto mehr öffnet er sich und die Aromen steigern sich. Sehr harmonisch, Alkohol nicht zu spüren.

Geschmack
Ein sehr cremiges Mundgefühl. Der Malt füllt den Mund komplett mit süßen, sehr fruchtbetonten Noten schön aus. Die Rosinen, das Leder und der Tabak aus der Nase sind sofort präsent. Die Rauchassoziationen sind ebenfalls da - eventuell vom Eichenfass. Schärfe oder Würzigkeit ist Mangelware. Schön wärmend im Mund. Alles absolut homogen und rund.




Abgang
Der zarte Rauch hält sich weiterhin im Mund. Neben Leder und Tabak kommt zu Ende hin auch einen leicht trockene und zugleich bittere Nuance hinzu. Nach hinten hinaus vielleicht ein wenig dünn, da fällt der Geschmack ein wenig zusammen.

Fazit
Ich mag Leder im Whisky. Ich mag Rosinen und Tabak sehr im Whisky. Ich mag den Overaged von Michel Couvreur. Auch wenn dies hier nur die 43%iger Version ist. Er ist nicht superkomplex aber für Sherryfans ideal. Durch seine Sherrykonzentration und der sehr deutlichen Süße in der Nase und Geschmack ist der Overaged der ideale Dessert Malt. Er gefällt mir, werde mich aber auch auf die Suche nach der alkoholstärkeren Version machen. 


Montag, 14. September 2020

Tariquet Pure Folle Blanche 15y

 

Tariquet 15


Farbe
Dunkles Kupfer.

Nase
Immer wieder anfänglich leichtes Brennen beim Reinhalten der Nase ins Glas. Verfliegt aber sofort. Als vor allem Whiskytrinker und -verkoster kommt es mir vordergründig vor, als würde ich einen schönen sherrygereiften Malt im Glas haben. Keine dunkle Sherrybombe, eher ein gut gemachtes Sherryfinish mit einer ordentlichen Bourbonfasslagerung.

Viel Vanille. Vanillepudding. Oder vielleicht doch eher Crème brûlée mit Karamellkruste. Gelbe Weintrauben. 

Mit Stehzeit im Glas wird es immer runder, weicher und die Komposition verbindet sich zu einem leckeren Aromenspiel. Jetzt gesellen sich zu der Vanille und den Trauben noch andere Fruchtkomponenten. Es wirkt wie leicht tropische Fruchtaromen wie Reife Ananas und auch Marillenröster.

Geschmack
Das Mundgefühl ist von der cremigen, öligen Art. Erster Eindruck im Mund ist eine elegante Süße, gepaart mit der Frucht der Trauben. Dann wird es leicht spritzig und pfeffrig. Gewürze wie Muskat und Zimt dominieren jetzt.

Abgang
Im Finish werden die Trauben zu Rosinen und die Eiche merkt man. Keine Bitterkeit, das Holz ist aber vorhanden. Zusammen mit den Rosinen bleibt es mindestens mittellang präsent.

Fazit
Wenn man es nicht wüsste, könnte man beim anfänglichen Geruch irrtümlich meinen, man hätte einen Single Malt vor sich im Glas. Erst mit ein wenig Zeit im Glas kommen die Trauben hervor. Im Mund dafür wird es schön würzig. Und der Abgang hat eine deutliche und schöne Rosine. Der Tariquet mit 15 Lenzen gefällt mir sehr gut. 

Mittwoch, 27. Mai 2020

Armagnac: Bas Armagnac Laubade 1999/2019

Bas Armagnac Laubade 1999/2019 53% Fassstärke

Neben meinen Schwerpunkten Whisky, Whiskey und Bourbons liebäugle ich durchaus auch mit anderen fassgereiften Spirituosen wie Rum, Cognac aber auch Armagnacs. Vor einiger Zeit konnte ich mir die erste Malternative Forenabfüllung exklusiv für das fassstark.de-Forum - in dem ich regelmäßig zu Gast bin, sichern. Hierbei handelt es sich um eine limitierte Abfüllung in Fassstärke des 20jährigen Bas Armagnac Laubade 1999/2019. Der Armagnac besteht zu 100% aus der Ugni Blanc Traube und wurde mit 53% Fassstärke abgefüllt. Fast schon selbstredend ist dieser feine Tropfen ungefärbt, ungefiltert und unverdünnt in die Flasche gelangt.

Nase
Der allererste Eindruck, den ich habe, ist einem R(h)um nicht unähnlich. Sehr komplex ist die Nase. Noch etwas verschlossen, hinter einem leichten Stechen in der Nase. Nach ein paar Minuten beginnt sich das Destillat zu öffnen. Und jetzt entfaltet sich eine sehr schöne Nase. Konzentriertes, in Zucker eingelegtes Traubenkonzentrat mit Orangenkonfitüre. Nach ca. 30 Minuten geht das Stechen komplett weg und die Nase wird fruchtiger und runder. Muskat und Zimt kommt hinzu. 
Mit ein paar Tropfen Wasser vereinigen sich die Aromen in der Nase zu einem fruchtig, süßen Obstsalat mit einem Schuss Vanilleextrakt.

Geschmack
Sofort die traubige Frucht im Mund. Auch die Orangenmarmelade ist vorhanden. Die Süße ist ebenfalls sofort zugegen. Die Gewürze sind weiterhin als Untermalung dabei.
Trotz dem Wasser bleibt der Antritt kräftig. Die Fruchtigkeit bekommt durch die Gewürze einen kongenialen gleichwertigen Partner. 

Abgang
Lange bleibt die Traube im Mund stehen. Dazu am Ende eine zarte Bitterkeit, die wie dunkle Schokolade wirkt. Der Abgang dauert sehr lange. Die Schokolade und die nun getrockneten Trauben sind ewig im Mund präsent.

Fazit
Der Tropfen benötigt Zeit. Vielleicht nicht wirklich Wasser. Nach ungefähr einer halben Stunde entfaltet sich der Armagnac jedoch in seiner ganzen Pracht. Ein sehr edler Tropfen. Die Nase ist am Anfang einem Rum nicht unähnlich. Ich bin froh hier zugegriffen zu haben! 
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