Michel Couvreur
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Mittwoch, 19. Oktober 2022

Michel Couvreur Special Vatting Peaty Malt Whisky

 

Whiskybase

English Version


Die französische Whisky Veredlungsschmiede Michel Crouvreur ist, seit ich die beiden Overaged Varianten kosten konnte, ein Garant für einen Whisky-Stil, den ich sehr schätze. Whiskys, die eindeutig nicht jung wirken mit einer ordentlichen Portion Sherryfass-Reifung - jedoch nicht zu überbordend, wie aktuell leider sehr oft vorhanden - mit einer großen Portion Old School Flavor mit Leder, Tabak, Rosinen, roten dunklen getrockneten Früchten. Malts, mit denen man sich zum Entspannen gemütlich aufs Sofa setzt und den Tag ausklingen lässt.

Neben der extrem guten Fassauswahl gelingt dies Couvreur vor allem mit dem Lagerort, einem 150 Meter langen Felsenkeller im Burgund. Und genau von dort kommt nun auch der neue Verkostungskandidat, der Special Vatting Peaty Malt. Ein Blend aus drei verschiedenen schottischen Malts mit unterschiedlichem Alter - der jüngste ist mindestens 12 Jahre alt. Vor der Vermählung reiften die drei Whiskys in zwei Amontillado sowie einem Oloroso Sherry Fass. Wie bei Michel Couvreur üblich wird auf Färbung und Kühlfiltration verzichtet. Mit 45% Alkoholstärke wird der Special Vatting in die Flasche gefüllt.


Aussehen
Rötliches Nussbraun


Nase
Die Raucharomen sind anfänglich nicht aufdringlich. Es sind keine, wie zum Beispiel von Islay Malts gewohnten phenolischen, mineralischen Rauchschwaden. Eher von länger schon verkohlten Holzstücken und auch etwas speckiges, wie ein zu viel angebruzeltes Kotelett mit einem schönen Fettrand der zu stark angegrillt wurde und dann langsam auskühlt. Das Fleisch war mit einer schönen fruchtig, säuerlichen Marinade gebeizt gewesen. Denn der Rauch bekommt mit etwas Luft eine tolle fruchtige Komponente. Überhaupt wird es hinter dem Rauch sehr fruchtig. Getrocknete rote Früchte aber auch gleich sehr reife weiche süße Pflaumen, eine Mischung aus Erdbeer- und Orangenmarmelade sind sofort präsent in der Nase. Und dann kommen diese mir bereits vom Overaged 52% so geliebten Old-School-Aromen. Zu der Fruchtkomposition gesellt sich diese typische Mixtur aus altem, gediegenem Altherren-Salon. Dieser im positiven Sinne leicht leicht muffige Geruch nach alten Ledermöbeln, Tabakaromen die an den Wänden, Möbeln und Teppichen und Vorhängen haften und Möbelpoliturenreste. Ein Geruch, der einen einfach einlullt und zum Verweilen einlädt.


Geschmack
Der Malt startet etwas dünnflüssig aber gleichzeitig samtweich auf der Zunge. Im Gegensatz zum Geruch ist der Rauch hier im Mund nun mehr präsent. Er mutet kaltaschiger an, hat aber weiterhin auch noch diese leichte fruchtbetonte Andeutung. Zugleich ist eine unaufdringliche Süße auszumachen, weniger Honig oder Karamell. Mehr eine Fruchtsüße von getrockneten Früchten, wie Feigen, Datteln oder Aprikosen. Das Leder und die Holzpolitur sind da. Eine leichte pfeffrige Note zeigt sich in der Mitte des Geschmacks und wechselt dann wieder hin in Richtung einer angenehmen Bitterkeit, die sich aus Walnüssen und einer dunklen Schokolade mit mindestens 60% Kakaoanteil ergibt. Getrocknete Küchenkräuter blitzen immer wieder aus dem Geschmacksensemble hervor.


Abgang
Weiterhin haftet der alte Zigarrenrauch dicht am Gaumen. Man sitzt im alten Lederfauteuil und genießt ein paar Teile von einem Anisgebäck mit etwas Ingwer. Dazu getrocknete Früchte und Nüsse mit einem Schluck Espresso. Das Finish ist sehr lange.


Fazit
Der leichte Rauch lässt die Nase vielleicht um eine Nuance komplexer wirken, als beim von mir so hoch geschätzten Overaged 52%. Wobei der Malt jetzt kein filigranes Komplexitätsmonster an sich ist. Aber er verleitet einen immerzu am Glas zu riechen und den Geruch schlicht zu genießen. Ähnlich verhält es sich auch beim Geschmack und Finish. Er wirkt sehr alt und gediegen ohne je langweilig zu werden. Im Mund vielleicht nicht mehr so fruchtbetont, wie noch in der Nase. Jedoch gefällt mir der Wechsel zu den Kräutern und dem kurzen Aufflammen einer Pfeffernote sehr gut. Kurzum, toller Malt für die kältere und beschaulichere Zeit im Jahr. Da könnte sich eine Großflasche neben dem Overaged bei mir im Regal einfinden.

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English Version


The French whisky refiner Michel Crouvreur has been a guarantor for a whisky style that I appreciate very much since I was able to taste the two Overaged variants. Whiskies that clearly don't seem young with a good portion of sherry cask maturation - but not too exuberant, as is unfortunately very often the case nowadays - with a large portion of old school flavour with leather, tobacco, sultanas, red dark dried fruits. Malts with which you can sit comfortably on the sofa to relax and end the day.

In addition to the extremely good selection of casks, Couvreur succeeds above all with the storage location, a 150-metre-long rock cellar in Burgundy. And this is exactly where the new tasting candidate, the Special Vatting Peaty Malt, comes from. A blend of three different Scottish malts with different ages - the youngest is at least 12 years old. Before the blend, the three whiskies matured in two Amontillado and one Oloroso Sherry cask. As usual with Michel Couvreur, no colouring or chill filtration is used. The Special Vatting is bottled at 45% alcohol strength.


Appearance
Reddish nut brown


Nose
The smoke aromas are not initially obtrusive. There are no phenolic, mineral smoke clouds, as usual from Islay malts, for example. Rather of longer already charred pieces of wood and also something bacony, like a too much roasted cutlet with a nice fat edge that was grilled too much and then slowly cooled down. The meat had been marinated with a nice fruity, acidic marinade. Because the smoke gets a great fruity component with a little air. In general, it is very fruity behind the smoke. Dried red fruits but also very ripe soft sweet plums, a mixture of strawberry and orange marmalade are immediately present in the nose. And then come those old-school flavours I already loved so much from the Overaged 52%. The fruit composition is joined by this typical mixture of old, dignified old-man salon. In a positive sense, this slightly musty smell of old leather furniture, tobacco aromas that cling to the walls, furniture, carpets and curtains, and furniture polish residue. A smell that simply lulls you and invites you to linger.


Taste
The malt starts a little thin but at the same time velvety on the tongue. In contrast to the smell, the smoke is now more present in the mouth. It seems more cold-ashy, but still has this slight fruity hint. At the same time, there is an unobtrusive sweetness, less honey or caramel. More a fruit sweetness of dried fruits, like figs, dates or apricots. The leather and wood polish are there. A slight peppery note appears in the middle of the flavour and then shifts back towards a pleasant bitterness that comes from walnuts and a dark chocolate with at least 60% cocoa content. Dried kitchen herbs keep flashing out of the flavour ensemble.


Finish
The old cigar smoke continues to cling tightly to the palate. You sit in the old leather fauteuil and enjoy a few pieces of an aniseed biscuit with a little ginger. Along with dried fruits and nuts with a sip of espresso. The finish is very long.


Conclusion
The light smoke makes the nose seem perhaps a shade more complex than with the Overaged 52%, which I hold in such high esteem. The malt is not a filigree complexity monster as such. But it tempts you to keep smelling the glass and simply enjoy the smell. The taste and finish are similar. It seems very old and solid without ever becoming boring. Perhaps not as fruity in the mouth as it was on the nose. However, I like the change to herbs and the brief flare-up of a pepper note very much. In short, a great malt for the colder and more contemplative times of the year. A large bottle could find its way onto my shelf next to the Overaged.

Mittwoch, 29. Dezember 2021

Michel Couvreur Overaged 52%

 

Whiskybase


Nachdem mir schon die leichtere 43% Version vom Michel Couvreur Overaged richtig gut gefiel, war es an der Zeit sich der stärkeren Variante näher zu befassen. Ich bin sehr gespannt, meinen doch die meisten, die 52% Variante ist nochmals im ein gutes Stück besser. Dann mache ich mal die Probe aufs Exempel. Ob die alkoholmäßig stärkere Abfüllung komplett ident mit der 43iger Version ist und nur mit einem höheren Alkoholgehalt abgefüllt wurde oder ob es sich hier bei den verwendeten Fässern um eine andere Mischung (Vatting) handelt, ist mir nicht bekannt. Jedoch konnte ich im Web eine interessante Info endecken, welche Sherryfässer für den Blend zum Einsatz gekommen sein sollen. Und zwar wären dies Cream-Sherry als Basis, Oxidative Oloroso (zb. Oloroso oder Palo Cortado), Amontillado, PX, Fino und auch getorfter Whisky. Keine Information gibt es hinsichtlich den verwendeten schottischen Malts, die Michel Couvreur benützt.


Nase & Aussehen
Vom Aussehen her zeigt sich der Malt in einem dunklen Rotbraun. Ein dünner, öliger Film haftet am Glasrand, aus dem sich feine Legs gemächlich aufmachen hinabzugleiten.
Sofort wabbern sherryaromatisierte leichte Rauchschwaden aus dem Glas. Da ist eine Mischung aus bei Sherrymalts typischen dunklen getrockneten Früchten wie Feigen, Datteln und Pflaumen, Rosinen und eine leichte Note von getrockneter Orangenschale. Hinter, eigentlich fast parallel zu den Fruchtaromen riecht es wie nach altem Ledersofa und nach dem Öffnen eines alten Schranks am Dachboden - leicht modrig. Dann kommt der Tabak, alte Tabakreste die noch im Humidor liegen. Vom Alkohol ist nichts zu bemerken, sehr gut eingebunden, keine Kühle oder unangenehmes Stechen in der Nase.


Geschmack
Was man riecht hat man auch im Mund. Ein gediegenes, seidig cremiges Mundgefühl. Eine schöne intensive Süße zu Beginn. Rosinen sowie die dunklen roten Früchte wie Beeren, Pflaumen und Feigen aus der Nase sind genauso im Mund präsent wie die Leder- und Tabakaromen. Die dezente Rauchnote legt sich elegant und verbindend über diese Geschmackskompositionen. Die Eiche wird prägnanter und zeigt sich mit einer schönen, kräftigen Würzigkeit Richtung Abgang hin.


Abgang
Der Whisky bleibt lange im Mund. Leder- und die Tabakaromen sowie nun noch die Pflaumen und die Würze sind die ganze Zeit präsent. Im Hintergrund liegen dezenter Rauch und Noten vom erdig, modrigen Holz der Fässer. Herrlich.


Fazit
Ok. Probe bestanden. Der 52% Overaged ist wirklich mächtig und in punkto Aroma und Geschmack um eine Stufe höher gelagert, als die leichtere Variante. Natürlich ist er der Version mit 43% geschmacklich ähnlich. Nur ist bei ihm alles viel intensiver und länger anhaltend. Einfach mehr. Wo die leichtere Version vor allem beim Geschmack und im Finish ein wenig abflacht, haut die fassstarke Version nochmal eins drauf und bleibt lange, lange präsent. Der Malt nimmt einen auf eine Reise mit, bei der alte Weinkeller und Ledermöbel in einem englischen Club die Hauptrolle spielen. Sofern sich Verfügbarkeit und Preis nicht diametral von einander entfernen, wird der Overaged mit 52% bei mir ein gern gesehener Dauergast in meinem Whiskyregal und Glas.

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After I really liked the lighter 43% version of Michel Couvreur Overaged, it was time to take a closer look at the stronger version. I am very curious, as most people think that the 52% version is a good deal better. So I'll put it to the test. I don't know whether the stronger bottling is completely identical to the 43% version and was only bottled with a higher alcohol content or whether the casks used were a different mixture (vatting). However, I was able to find interesting information on the web about which sherry casks were used for the blend. These would be cream sherry as a base, oxidative oloroso (e.g. oloroso or palo cortado), amontillado, PX, fino and peated whisky. There is no information about the Scottish malts used by Michel Couvreur.


Nose & Appearance
In terms of appearance, the malt is a dark reddish brown. A thin, oily film clings to the rim of the glass, from which fine legs leisurely make their way down.
Immediately, sherry-flavoured light wisps of smoke waft from the glass. There is a mixture of dark dried fruits typical of sherry malts such as figs, dates and plums, sultanas and a light note of dried orange peel. Behind, actually almost parallel to the fruit aromas, it smells like an old leather sofa and after opening an old cupboard in the attic - slightly musty. Then comes the tobacco, old tobacco remains that are still in the humidor. There is no trace of alcohol, very well integrated, no coolness or unpleasant stinging in the nose.

Foto: whiskybase.com


Taste
What you smell is also in your mouth. A solid, silky creamy mouthfeel. A nice intense sweetness at the beginning. Sultanas as well as the dark red fruits like berries, plums and figs from the nose are just as present in the mouth as the leather and tobacco flavours. The discreet smoky note lays itself elegantly and connectingly over these taste compositions. The oak becomes more concise and shows itself with a nice, strong spiciness towards the finish.


Finish
The whisky lingers in the mouth for a long time. The leather and tobacco flavours and now the plums and spice are present all the time. In the background are subtle smoke and notes of the earthy, musty wood of the casks. Delightful.


Conclusion
Ok. Sample passed. The 52% Overaged is really powerful and in terms of aroma and flavour a step up from the lighter version. Of course, it is similar in taste to the 43% version. But everything is much more intense and longer lasting. Simply more. Where the lighter version flattens out a bit, especially in the taste and finish, the cask strength version goes one better and stays present for a long, long time. The malt takes you on a journey where old wine cellars and leather furniture in an English club play the main role. Unless availability and price are diametrically opposed, the Overaged with 52% will be a welcome permanent guest on my whisky shelf and in my glass.

Mittwoch, 20. Januar 2021

Michel Couvreur Overaged Malt 43%

 

Die im letzten Beitrag 2020 angekündigte Horizonterweiterung geht nach dem ersten österreichischen Malt diese Woche weiter. Mein erster französische Malt, mein erster Whisky von Michel Crouvreur. Französischer Malt ist vielleicht irreführend. Michel Couvreur ist keine Brennerei. Couvreur kauft in Schottland Whisky von bekannten Distilleries und lässt sie dann in sehr guten Weinfässern, vorrangig Sherry-Casks in seinem Felsenkeller im Burgund reifen. Beim Overaged Malt handelt es sich dabei um ein Vatting aus Whiskys zwischen 12 und 27 Jahren, die im Sherryfass reiften. 

Nase & Aussehen
Der Overaged zeigt sich mit einem schönen Bernstein, im Glas bilden sich zahlreiche Schlieren, die zügig und dabei sehr ölig am Rand hinabrinnen. Eine sehr fruchtige und süße Nase von Beginn an. Sofort sind viel Sherryaromen vorhanden. Dunkle rote Früchte sowie Rosinen zeigen sich. Auch altes Leder und Tabaknoten sind sogleich präsent. Über all diesen Aromen schwebt die ganze Zeit eine zarte Rauchnote. Je länger im Glas, desto mehr öffnet er sich und die Aromen steigern sich. Sehr harmonisch, Alkohol nicht zu spüren.

Geschmack
Ein sehr cremiges Mundgefühl. Der Malt füllt den Mund komplett mit süßen, sehr fruchtbetonten Noten schön aus. Die Rosinen, das Leder und der Tabak aus der Nase sind sofort präsent. Die Rauchassoziationen sind ebenfalls da - eventuell vom Eichenfass. Schärfe oder Würzigkeit ist Mangelware. Schön wärmend im Mund. Alles absolut homogen und rund.




Abgang
Der zarte Rauch hält sich weiterhin im Mund. Neben Leder und Tabak kommt zu Ende hin auch einen leicht trockene und zugleich bittere Nuance hinzu. Nach hinten hinaus vielleicht ein wenig dünn, da fällt der Geschmack ein wenig zusammen.

Fazit
Ich mag Leder im Whisky. Ich mag Rosinen und Tabak sehr im Whisky. Ich mag den Overaged von Michel Couvreur. Auch wenn dies hier nur die 43%iger Version ist. Er ist nicht superkomplex aber für Sherryfans ideal. Durch seine Sherrykonzentration und der sehr deutlichen Süße in der Nase und Geschmack ist der Overaged der ideale Dessert Malt. Er gefällt mir, werde mich aber auch auf die Suche nach der alkoholstärkeren Version machen. 


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