Mittwoch, 27. Dezember 2023

Knob Creek Rye

 

Whiskybase

English Text-Version


In diesem Jahr hat sich Bourbon und hier speziell American Rye als mein zweites Standbein bei Whisk(e)s herauskristallisiert. Die Kombination aus den typischen Bourbonnoten mit Vanille, Karamell, leichten Fruchtbestandteilen - oft in Form von eingelegten Amarenakirschen - der intensiven Eichenholzaromatik zusammen mit der frisch würzigen Rye-Charakteristik mit Roggenbrot/teig und dem Pfefferminz/Eukalyptus Touch gefallen mir immer mehr.

Von Knob Creek, einer Marke von Jim Beam, habe ich im Februar diesen Jahres den 9jährigen Bourbon verkostet. Dieser ist Teil der bekannten Jim Beam Small Batch Collection, in der neben dem Knob Creek 9y auch Booker's, Basil Hayden und Baker's inkludiert sind. Und der 9y Bourbon gefiel mir sehr gut - vor allem, wenn man den Preis als Kriterium miteinbezieht.

Neben dem besagten 9jährigen Bourbon hat Knob Creek auch einen Rye im Standard-Sortiment. Ich habe mir ein Sample von diesem Small Batch Rye mit 50% (100 Proof) im Zuge meiner heurigen aufkeimenden Rye-Neugierde besorgt. In Österreich sowie in Deutschland kann man bis dato - also aktuell 2023 - nur diese Rye-Version von Knob Creek bekommen.

Es gibt jedoch von Knob Creek seit März diesen Jahres - zumindest bis jetzt nur in den USA - einen Rye mit Age Statement. Sieben Jahre steht auf dem ebenfalls grünen Label auf der Flasche, offensichtlich zum sehr ähnlichen Preispunkt. Es kann also sein, dass im Laufe des nächsten Jahres vielleicht auch bei uns in Österreich und Deutschland die aktuelle NAS-Version durch diese neue 7jährige Abfüllung ersetzt wird.

Ähnlich ist es auch beim 9y Bourbon gewesen, der aufgrund von zwischenzeitlichem altersgerechten Fassmangel 2016 vom Age Statement kurzer Hand auf eine Small Batch NAS-Version getauscht wurde, nur um 2020 wieder die Altersangabe am Label zu haben.

Eventuell hat Jim Beam nun auch für ihren Einsteiger Rye genügend Fässer gebunkert damit man nun ein Alter aufs Label drucken kann. Viele Informationen zu dieser Neue Version gibt es im Netz noch nicht zu finden.

Wie alt die verwendeten Fässer bei der Small Batch Variante, die ich verkostete habe, waren ist nicht bekannt, ebenso wenig wie die genaue Zusammensetzung der Mash Bill ist - hier schweigt sich Jim Beam strickt aus. Es wird jedoch vermutet, dass der verwendete Roggenanteil nicht viel höher als der gesetzlich vorgeschriebene Prozentsatz von 51% sein wird. 


Aussehen
Bernstein


Nase
Yes. Rye. Gleich von Beginn weg riecht man eine schöne deutlich würzige Roggenbrotnote, frisches dunkles Roggenbrot, sehr ausgeprägt. Die für mich bei Ryes, vor allem bei Mashbills mit höherem Roggenanteil, typische Pfefferminznote fällt hier jedoch nicht so prägnant aus. Insgesamt eine angenehm, fast schon sanfte Rye-Nase. Hinter der anfänglichen Roggenwürze wird es süß und fruchtig. Leicht künstlich anklingendes Kirscharoma, wie von Haribo Happy Cherries, kombiniert mit Vanille und Karamell. Der Alkohol pickst immer wieder ganz leicht in der Nase und sorgt unterschwellig für eine frische Note. Mit der Zeit kommen ein paar geröstete Nüsse und eine ordentliche Eichenholznote zum Vorschein. Insgesamt eine schöne ausgeglichene Mischung. 

Wasserbeigabe ist nicht notwendig. Im Gegenteil. Sogar nur wenige Tropfen reichen um die Roggenwürzigkeit und die Mentholnote zu intensivieren und die Balance ins Schwanken zu bringen.


Geschmack
Die 50% Alkohol sorgen für einen anständigen Antritt im Mund. Gutes weiches Mundgefühl. Eine leckere After Eight Note mit viel Pfefferminz/Menthol, gefolgt von dunklem grobkörnigem Roggenbrot mit schöner Würze. Danach findet sich Vanille mit einer spürbaren aber nicht allzu ausgeprägten Süße. Und dann kommt frisch geschnittene Dille und etwas Gurkenwasser. Interessante Kombi, aber nicht unlecker!
Dann wird es kurz fruchtig mit etwas Kirsche. Die Eichenfässer schieben sich, auch dank des Alkoholgehalts, ordentlich in den Vordergrund. Der Alkohol ist wirklich gut integriert und in keiner Weise störend.

Auch beim Geschmack ist kein Wasser nötig oder sinnvoll. Wie im Geruch ist es eher kontraproduktiv. 


Abgang
Das Ende beginnt mit einem sehr feinem Kirschzuckerl mit Unterstützung durch Vanille. Ebenfalls weiterhin präsent ist Pfefferminzfrische mit einer nicht allzu deutlichen Eichenwürze und -bitterkeit. Leicht adstringierend im Finish mit einem mittellangen Abgang. 


Fazit
Trotz der nur knapp über 50% Roggenanteil in der Mash Bill ist die Roggenwürze ordentlich ausgeprägt. Die Nase ist sehr fein aber gar nicht mal das Beste an diesem Rye. Dies ist für mich eindeutig der Geschmack und Abgang. Da kann der Knob Creek seine Stärken voll ausspielen. Er gefällt wirklich recht gut, kommt aber nicht ganz an meinen aktuellen Favoriten, den Jack Daniels Single Barrel Rye mit 45%, heran. Für den aktuell ausgerufenen Preis um rund € 37,- bis € 45,- ist er aber eindeutig eine Empfehlung wert.

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English Text-Version


This year, bourbon and American rye in particular has crystallised as my second mainstay when it comes to whisk(e)s. The combination of the typical bourbon notes with vanilla, caramel, light fruit components - often in the form of pickled Amarena cherries - the intense oak flavour together with the fresh, spicy rye characteristics with rye bread/dough and the peppermint/eucalyptus touch is becoming more and more attractive to me.

I tasted the 9-year-old bourbon from Knob Creek, a Jim Beam brand, in February this year. This is part of the well-known Jim Beam Small Batch Collection, which also includes Booker's, Basil Hayden and Baker's. And I really liked the 9y bourbon - especially if you consider the price as a criteria.

Knob Creek also has a rye in its standard range. I got myself a sample of this small batch rye at 50% (100 proof) as part of my growing curiosity for rye this year. In Austria and Germany - currently 2023 - you can only get this Rye version from Knob Creek.

However, since March this year, Knob Creek has been offering a Rye with an age statement - at least so far only in the USA. The green label on the bottle also says seven years, obviously at a very similar price point. It is therefore possible that the current NAS version will be replaced by this new 7-year-old bottling in Austria and Germany in the course of next year.

It was a similar story with the 9y Bourbon, which was swapped from the age statement to a small batch NAS version in 2016 due to a lack of barrels in the meantime, only to have the age statement on the label again in 2020.

Perhaps Jim Beam now also has enough barrels in stock for its entry-level Rye so that an age can now be printed on the label. There is not yet much information about this new version on the internet.

How old the barrels used for the small batch version that I tasted were is not known, nor is the exact composition of the mash bill - Jim Beam is strictly silent on this. However, it is assumed that the proportion of rye used will not be much higher than the legally prescribed percentage of 51%. 

Fotocredit: Knob Creek/Jim Beam


Appearance
Amber colour


Nose
Yes. Rye. Right from the start you can smell a nice, clearly spicy rye bread note, fresh dark rye bread, very prominent. However, the peppermint note that is typical for me in ryes, especially in mashbills with a higher rye content, is not so distinctive here. Overall, a pleasant, almost gentle rye nose. After the initial rye flavour, it becomes sweet and fruity. A slightly artificial cherry flavour, like Haribo Happy Cherries, combined with vanilla and caramel. The alcohol picks at the nose ever so slightly and provides a subliminal fresh note. Over time, a few roasted nuts and a decent oaky note come to the foreground. Overall, a beautifully balanced combination. 

The addition of water is not necessary. On the contrary. Even just a few drops are enough to intensify the rye spiciness and the menthol note and to upset the balance.


Flavour
The 50% alcohol provides a decent start in the mouth. Good soft mouthfeel. A delicious After Eight note with lots of peppermint/menthol, followed by dark coarse-grained rye bread with a nice spiciness. This is followed by vanilla with a noticeable but not overly intense sweetness. And then comes freshly cut dill and some cucumber water. An interesting combination, but not untasty!

Then it briefly becomes fruity with a hint of cherry. The oak barrels really come to the fore, also thanks to the alcohol strength. The alcohol is really well integrated and in no way distracting.

No water is necessary or useful in the flavour either. As with the smell, it is rather counterproductive. 


Finish
The finish begins with a very fine cherry candy flavour supported by vanilla. Peppermint freshness is also still present with a not too obvious oak spiciness and bitterness. Slightly astringent on the final with a medium-long finish. 


Conclusion
Despite the rye percentage of just over 50% in the Mash Bill, the rye flavour is quite marked. The nose is very fine but not even the best thing about this rye. For me, this is clearly the flavour and finish. This is where Knob Creek really comes into its own. I really like it, but it doesn't quite come close to my current favourite, the Jack Daniels Single Barrel Rye at 45%. However, for the current price of around € 37,- to € 45,- it is definitely worth a recommendation.

Mittwoch, 20. Dezember 2023

Glentauchers 24y (ADoS)

 

Whiskybase

English Text-Version


Leise rieselt leider nicht der Schnee aber ein Weihnachtsbaum steht bereits auf der Terrasse. Zwar noch verpackt aber bereit um am 24. geschmückt zu werden. Die Geschenke sind bereits in buntem Papier gehüllt. Ich freue mich auf Weihnachten. 

Und zur Weihnachtszeit gehört auch ein schöner Weihnachtsmalt. Dieses Jahr ist es ein 24jähriger Glentauchers aus der A Dream of Scotland Serie vom Brühler Whiskyhaus. Gereift in einem Refill Oloroso Sherry Butt und angenehme 51,6% sprachen mich zusammen mit seinem Alter an. 

Ich hatte bis dato noch keinen Malts aus dieser Brennerei im Glas gehabt. Die 1897 gegründete Speyside Brennerei gehört derzeit zum Pernod Ricard Konzern und produziert überwiegend für Blends wie Black % White, Teachters und natürlich Ballantines. Erst seit 2017 gibt es mit einem 15 Jahre alten und seit 2021 einen 23jährigen als Teil der Ballantine's Single Malt Serie überhaupt Originalabfüllungen. Bis dahin kamen Glentauchers nur bei unabhängigen Abfüllern als Single Malts in die Flasche.  


Aussehen
Sattes dunkles Gold


Nase
Direkt nach dem Einschenken und während den ersten Minuten im Glas zeigt sich der Malt von seiner schüchternen Seite. Flüchtig und zart sind die Aromen, vorwiegend leichte Sherrynoten und helles Obst. Zeit und Sauerstoff erwecken nach und nach weitere Düftnoten. Ein Hauch Vanille, direkt aus der Schote, noch nicht allzu reife Marillen und Mirabellen. Eine trockene, leicht muffige Holznote schwingt im Hintergrund als Basis immer mit. Wie viel Geschmack konnten die Refill-Fässer noch hergeben?

Der Whisky benötigt wirklich Zeit im Glas. Die Aromen werden mit weiterer Standzeit kräftiger. Zusätzlich zu den bereits beschriebenen Noten gesellen sich nun auch Leder und Reste von Pfeifentabak. Bei intensiverem Hineinriechen ins Glas sind Puderzucker, getrocknete Erdbeeren, Kirschen und Dörrpflaumen wahrzunehmen. Der Holzeinfluss wird stärker - Milchschokolade mit einer Handvoll gerösteter Haselnüssen, zusammen mit Karamell. 


Geschmack
Wow! Sehr cremig mit einem vollen Mundgefühl. Überraschend süß und fruchtig und sehr intensive Aromen. Ganz anders als beim Geruch. Die Dörrpflaumen aus der Nase wandeln sich in saftige Zwetschken. Hinzu kommen Rosinen, halbgetrocknete Datteln und Feigen. Die deutliche Süße kommt von weichem Toffee und Karamell. Nach dem anfänglichen Obstkorb wird es würziger. Das Holz zeigt sich mit aromatischen weißem Pfeffer mit einer dezenten Schärfe, ebenso dunkle Schokolade mit gerösteten Nüssen, sowie Tabak und Leder. Der Alkohol ist gut integriert, Wasserverdünnung ist hier nicht von Nöten. 


Abgang
Das Finish ist vor allem holzgeprägt. Leicht muffig, etwas Holzstaub, auch altes Leder. Die getrockneten Tabakblätter bleiben noch etwas länger präsent. insgesamt eher ein mittellanger Abgang. 


Fazit
Eine gewisse Unaufdringlichkeit bei den Aromen, eine ältere Gelassenheit finde ich ja grundsätzlich gut, jedoch war es mir hier etwas zu viel Understatement. Er benötigt wirklich lange bis er in die Gänge kommt. Nach einer längeren Ruhezeit von mindestens 45 Minuten werden die Aromen intensiver und da gefiel er mir dann auch deutlich besser. Der Einfluss des Sherryfasses ist durchaus zu bemerken und angenehm, es braucht halt seine Zeit.

Ganz im Gegensatz dazu der Geschmack. Hier war er von Beginn an kräftig und intensiv. Und wirklich lecker! Woher kommt diese deutliche Süße? Schöne Sherryfrüchte. Die 24 Jahre im Fass sorgen für eine Holzfracht, die andrückt aber immer aromatisch bleibt.

Bin zwiegespalten. Die schüchterne Nase gefiel mir - hier vor allem anfänglich - nur mittelprächtig, beim Geschmack hingegen traf er bei mir ins Volle.

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English Text-Version


Unfortunately, the snow isn't falling quietly, but there is already a Christmas tree on the terrace. Still wrapped but ready to be decorated on 24 December. The presents are already packed in colourful paper. I'm looking forward to Xmas. 

And the Christmas season also includes a beautiful Christmas malt. This year it's a 24-year-old Glentauchers from the A Dream of Scotland series from Brühler Whiskyhaus. Matured in a refill Oloroso sherry butt and a nice 51.6%, it appealed to me along with its age. 

I had never had a malt from this distillery in my glass before. Founded in 1897, the Speyside distillery is currently part of the Pernod Ricard Group and mainly produces for blends such as Black & White, Teachters and, of course, Ballantines. Original bottlings have only been available since 2017 with a 15-year-old and, since 2021, a 23-year-old as part of the Ballantine's Single Malt series. Until then, Glentauchers were only bottled as single malts by independent bottlers. 
 

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Rich dark gold colour


Nose
Immediately after pouring and during the first few minutes in the glass, the malt shows its shy side. The flavours are volatile and subtle, predominantly light sherry notes and light fruit. Time and oxygen gradually awaken further flavours. A hint of vanilla, straight from the pod, not yet too ripe apricots and mirabelle plums. A dry, slightly musty woody note always hovers in the background as a fundamental note. How much flavour could the refill casks still give?

The whisky really needs time in the glass. The flavours become stronger with more time. In addition to the notes already described, leather and remnants of pipe tobacco are now also present. Smelling more intensely into the glass, icing sugar, dried strawberries, cherries and prunes can be detected. The woody influence becomes stronger - milk chocolate with a handful of roasted hazelnuts, together with caramel. 


Flavour
Wow! Very creamy with a full mouthfeel. Surprisingly sweet and fruity and very intense flavours. Quite different from the smell. The prunes from the nose turn into juicy plums. There are also sultanas, semi-dried dates and figs. The distinct sweetness comes from soft toffee and caramel. After the initial fruit basket, the flavour becomes spicier. The wood reveals itself with aromatic white pepper with a subtle spiciness, as well as dark chocolate with roasted nuts, tobacco and leather. The alcohol is well integrated, water dilution is not necessary here. 


Finish
The finish is mainly characterised by wood. Slightly musty, some wood dust, also old leather. The dried tobacco leaves remain present a little longer. Overall, a rather medium-long finish. 


Conclusion
I generally like a certain unobtrusiveness in the flavours, an older calmness, but it was a little too much understatement for me here. It really needs a long time to get going. After a longer resting time of at least 45 minutes, the flavours become more intense and then I liked it much better. The influence of the sherry cask is definitely noticeable and pleasant, it just takes time.

The flavour is quite the opposite. It was strong and intense right from the start. And really delicious! Where does this distinct sweetness come from? Beautiful sherry fruits. The 24 years in the cask give it a woody flavour, which is noticeable but always remains aromatic.

I'm ambivalent. I was only moderately impressed by the shy nose - especially at first - but the flavour hit the spot for me.

Mittwoch, 13. Dezember 2023

Bunnahabhain 10y 2012/2023 SV selected for Fassstark.de

 

Whiskybase

English Text-Version


Rechtzeitig vor dem Jahresende fand ich endlich Zeit und Muße die diesjährige Forenabfüllung meines Stammforums, fassstark.de, zu verkosten. Es wird von Jahr zu Jahr immer schwieriger eine eigene Abfüllung zu organisieren. Auch für das Forenteam, die in der Branche gut vernetzt ist. Dieses Jahr sprang Andre Haberecht, Gründungsmitglied von Fassstark.de, nach einer Zwischenstation bei Kirsch.de nun beruflich in Schottland bei Edradour und Signatory Vintage beheimatet, ein und konnte dem Forenteam ein Fass bei Signatory Vintage  besorgen.

Kommen wir zur eigentlichen Abfüllung. Es ist diesmal ein 10jähriger Bunnahabhain der seine Reifezeit in einem 1st Fill Oloroso Sherry Butt verbrachte. Wäre er drei Wochen länger im Fass geblieben, hätte er sein elfte Jahr erreicht. Keine Färbung oder Kühlfiltration und mit Fassstärke - so soll es auch sein für ein Forum mit diesem Namen - abgefüllt. Und die ist diesmal wirklich mächtig und lässt auch Whiskynerds, wie unsereins, ehrfürchtig erschauern. Beachtliche 65% sind es nach beinahe elf Jahren immer noch. 

Ich bin sehr gespannt, vor allem weil es zu diesem Malt teilweise kontroverse Meinungen gibt.


Aussehen
Dunkles Mahagoni bzw. dunkles Nussholz. Auch nach dem Verdünnen ändert sich die Farbe kaum. 


Nase
Unverdünnt ohne Wasserbeigabe zeigt sich die Nase, kurz nach dem Einschenken, von ihrer schüchternen, verschlossenen Art. Der hohe Alkoholgehalt hält die Aromen davon ab, sich zu entfalten. Positiv ist, dass die Alkoholstärke das Riechen nicht beeinflusst - kein übermäßiges Prickeln oder Stechen ist zu bemerken. Hinter dem Alkohol kommen nach ein paar Minuten Standzeit, wenn der erste Alkohlschwall sich verflüchtigt hat, langsam Pflaumenmus, Rosinen, dunkle getrocknete Datteln und Feigen, eine ordentliche Portion Vanille mit Karamell und ganz dezent eine Prise Haribo Gummibärchen mit Himbeergeschmack zum Vorschein. Umrahmt sind diese Aromen mit einer vollen Breitseite an Eichenholznoten mit einem leicht muffigen Touch. Aber es kommt mir immer noch so vor, als würde er mit Handbremse agieren. 

Dieser rauhe Bursche verträgt Wasser. Und ja, hier kann man seinen Sweet Spot an Wassermenge gut ausloten. 

Bei meinem ersten Versuch bin ich wahrscheinlich knapp unter 60%. Hier nimmt das Prickeln durch den Alkohol überraschend zu. Dafür öffnen sich die Aromen mehr. Er wirkt nun älter, gesetzter. Weiterhin die dunklen roten Früchte, einige davon auch getrocknet. Rosinen sind nun deutlicher, es kommt der Pfeifentabak aus dem Geschmack mehr zum Tragen. Leder und die Mäbelpolitur mit dem speziellen Muff ist ebenfalls präsent. Nase gefällt mir deutlich besser.

Mit weiterer Wasserverdünnung - so rund um 50% bis 52% - stehen nun die fruchtigen Sherryaromen mit roten Beeren, allen voran Heidelbeeren und Himbeeren, mit Unterstützung von Erdbeeren im Vordergrund. Pflaumen und Rosinen sind weiterhin zugegen. Der aromatische Pfeifentabak ist nun sehr deutlich. Er liegt in einem Lederbeutel auf einer alten Eichenkommode, die gerade mit Möbelpolitur eingelassen wurde. 


Geschmack
Ich habe Respekt vor den 65% beim Probieren. Zuerst ein Anflug einer leichten Süße sowie einer herben, würzigen Note. Dann schiebt sich der Alkohol sehr heftig mit einem Brennen und Stechen in den Mittelpunkt. Er verklingt aber recht rasch wieder. Dahinter verbergen sich noch Datteln, Feigen, etwas Leder und ein Hauch von Tabak. Dunkle Schokolade und stark angeröstete Haselnüsse finden sich noch.

Auf die knapp unter 60% verdünnt, verbessert sich auch der Geschmack deutlich. Der Alkohol tritt in die zweite Reihe. Es wird süßer, der Powidl, das Pflaumenmus, ist jetzt da. Ebenfalls intensiver sind der Pfeifentabak, die dunkle Schokolade mit weit weniger dunkel gerösteten Haselnüssen als zuvor. Viel homogener und wie in der Nase, wirkt es gesetzter und älter. 

Mit noch mehr Wasser wird er zu einem Schleckermäulchen. Alkohol ist kein Problem mehr. Dafür hat man nun viel Süße, die Früchte aus der Nase sind auch im Geschmack. Weiterhin Tabak, Schokolade und Eichenwürze. Schön ausbalanciert.


Abgang
Ohne Wasserverdünnung etwas Vanille, hoher Kakaoanteil in der dunklen Schokolade und wieder viel Eichenwürze mit etwas Pfeifentabak bei nicht allzu langem Finish. Mit Wasser wird der Abgang wesentlich länger, vor allem mit den Pfeifentabak- und alten Lederaromen.


Fazit
Wer hier nicht mit Wasser spielt, tut sich nichts gutes. Ohne Wasser ist dieser Bunnahabhain mir zu streng und verschlossen wie eine keusche Tiefseemuschel. Mit ordentlich Wasserbeigabe wird er richtig lecker und entpuppt sich als ein schöner Sherrymalt, der über seine knapp elf Lenze locker hinwegzutäuschen vermag. Vom eigentlichen Brennereicharakter bekommt man jedoch nicht allzuviel mehr mit. 

Wenn man aber mit der anfänglichen rauen Schale und dem dringend empfohlene Verdünnen mit Wasser umgehen kann, wird man mit einem schönen leckeren Sherrymalt für die kühlere Winterzeit belohnt. Ein würdiger Vertreter einer Abfüllung für ein Nerdforum wie es das Fassstark Forum nunmal ist. 

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English Text-Version


Finally, just before the end of the year, I found the time and leisure to taste this year's forum bottling from my favourite forum, fassstark.de. Every year it becomes more and more difficult to organise our own bottling. Even for the forum team, which is well connected in the industry. This year, Andre Haberecht, founding member of Fassstark.de and now based in Scotland at Edradour and Signatory Vintage after a stint at Kirsch.de, stepped in and was able to get the forum team a cask from Signatory Vintage.

Let's move on to the actual bottling. This time it's a 10-year-old Bunnahabhain that spent its maturation period in a 1st fill Oloroso sherry butt. If it had remained in the cask for three weeks longer, it would have reached its eleventh year. No colouring or chill-filtration and bottled at cask strength - as it should be for a forum with this name. And this time it is really powerful and makes even whisky nerds like us shiver in awe. An impressive 65% is still there after almost eleven years. 

I'm very excited, especially as there are some controversial opinions about this malt.


Appearance
Dark mahogany or dark walnut colour. Even after dilution, the colour hardly changes. 


Nose
When undiluted, the nose reveals its shy, closed nature shortly after pouring. The high alcohol content prevents the flavours from developing. On the positive side, the strength of the alcohol does not affect the aroma - no excessive tingling or stinging is noticeable. Behind the alcohol, after a few minutes, when the first wave of alcohol has evaporated, plum jam, sultanas, dark dried dates and figs, a good portion of vanilla with caramel and a very subtle pinch of Haribo gummy bears with raspberry flavour slowly emerge. These flavours are framed by a full broadside of oak notes with a slightly musty touch. But it still seems to me as if it is acting with the handbrake on. 

This rough fellow can handle with water. And yes, you can test your sweet spot for the amount of water here. 

On my first attempt, I'm probably just under 60%. Here, the alcohol surprisingly increases the tingling sensation. In return, the flavours open up more. It now seems older, more settled. The dark red fruit flavours continue, some of which are also dried. Sultanas are now clearer, the pipe tobacco from the flavour is more prominent. Leather and the muzzle polish with the special muff are also present. I like the nose much better.

With further water dilution - around 50% to 52% - the fruity sherry flavours with red berries, above all blueberries and raspberries, supported by strawberries, now come to the fore. Plums and sultanas are still present. The aromatic pipe tobacco is now very clear. It lies in a leather bag on an old oak chest of drawers that has just been treated with furniture polish. 


Flavour
I have respect for the 65% when tasting it. First a hint of a slight sweetness and a tart, spicy note. Then the alcohol takes centre stage with a burning and stinging effect. However, it fades away again quite quickly. This is followed by dates, figs, some leather and a hint of tobacco. Dark chocolate and heavily roasted hazelnuts can still be found.

Diluted to just under 60%, the flavour also improves significantly. The alcohol takes a back seat. It becomes sweeter, the powidl, the plum jam, is now there. The pipe tobacco is also more intense, the dark chocolate with far fewer dark roasted hazelnuts than before. Much more homogeneous and as in the nose, it seems more settled and older. 

With even more water, it becomes a sweet tooth. Alcohol is no longer a problem. Instead, there is now a lot of sweetness, and the fruit from the nose is also present in the flavour. Tobacco, chocolate and oak spice remain. Beautifully balanced.


Finish
Without water dilution, some vanilla, high cocoa content in the dark chocolate and again a lot of oak spice with some pipe tobacco with a not too long finish. With water, the finish is much longer, especially with the pipe tobacco and old leather flavours.


Conclusion
If you don't play with water here, you're not doing yourself any favours. Without water, this Bunnahabhain is too harsh and closed like a chaste deep-sea clam. With the right amount of water added, it becomes really tasty and turns out to be a beautiful sherry malt that can easily disguise its almost eleven years of age. However, you don't get too much more of the actual character of the distillery. 

But if you can deal with the initial rough shell and the strongly recommended dilution with water, you will be rewarded with a nice tasty sherry malt for the cooler winter time. A worthy representative of a bottling for a nerd forum like the Fassstark Forum.

Mittwoch, 6. Dezember 2023

Ben Nevis 2014/2023 8y - Spirits of the Forest (whic)

 

Whiskybase

English Text-Version


Von der schottischen Ben Nevis Brennerei in den Highlands gibt es seit einigen Jahren recht wenig im Originalsortiment. Neben dem in den letzten Jahren eher nur noch sporadisch erscheinenden 10y gab bzw. gibt es nur noch vereinzelt NAS-Abfüllungen wie den McDonald's Traditional und Coire Leis. Der japanische Mutterkonzern Nikka hat für seine Blends, allen voran Nikka from the Barrel, die Fasslager von Ben Nevis offensichtlich vehement leergeräumt. Es wird also, wenn überhaupt, noch dauern, bis es wieder regelmäßig einen Standard mit Age Statement geben wird.

Umso erfreulicher ist es, dass man bei unabhängigen Abfüllern, wie Signatory Vintage, Elixir Distillers, Duncan Taylor und anderen immer wieder fündig wird. Das Alter der veröffentlichten Flaschen liegt hier meist zwischen acht bis zehn Jahren. 

Genau in dieser Altersbandbreite liegt der Ben Nevis 2014/2023, die neunte Ausgabe der Spririts of the Forest Reihe von whic.de. Seine vollen acht Jahre durfte der Malt in einem Portweinfass verbringen. Die Alkoholstärke beträgt 47%, 811 Flaschen wurden ungefärbt und ohne Kühlfiltration abgefüllt.


Aussehen
Helles Bernstein


Nase
Gleich zu Anfang weht eine frische, mit etwas Pfefferminze angereicherte, Duftwolke aus dem Glas. Ein Anflug von fruchtig, würzigen Noten nach weißem Pfeffer, kombiniert mit reifen roten Äpfeln mit einem Spritzer süßem Pfirsichsaft aus der Dose, zeigt sich nach dem minzigen Beginn. Es folgen Créme Brûlée mit einer knackigen dünnen karamellisierten Zuckerglasur und viel Vanille sowie Milchschokolade mit gerösteten Haselnüssen. Die Nase wechselt ständig die Richtung, spannend. Denn danach wird es im Geruch herb und trocken, als würde man in eine Teedose mit Darjeeling Schwarztee hinein schnuppern.


Geschmack
Der Malt gleitet beim ersten Schluck sehr cremig, fast honigwachsgleich in den Mund. Eine schöne süße Karamellnote, gefolgt von der Créme Brûlée mit ihrer Vanille sowie Milchschokolade mit Haselnüssen sind anfänglich tonangebend. Auf der fruchtigen Seite, die sich im Mund langsam aufbaut, sind vor allem reife rote Äpfel, im Ofen gebacken, aber auch eine Spur von Aprikosenmarmelade zusammen mit einem cremigen Pflaumenmus. Untermalt wird das ganze von einer leicht scharfen Pfeffer/Ingwernote, die sich in Richtung Abgang verflüchtigt.


Abgang
Gegen Ende hin erscheint ein cremiger, malziger Rosinenkuchen auf dem Aromenspektrum. Die Vanille mit der Aprikosenmarmelade ist weiterhin präsent. Im Finish zeigt sich etwas das Eichenholz der Fässer mit einem gewissen Eindruck von Bitterschokolade, es wird leicht trockener im Mundraum, bleibt aber weiterhin harmonisch. Insgesamt eher ein kurzer bis mittellanger Abgang. 


Fazit
Die Reifung im Portfass hat gut funktioniert. Der Fasseinfluss, wie die Farbe bereits suggeriert, war nicht zu dominant, es bleibt genug Raum für den Brand von Ben Nevis. Vor allem in der Nase mit ihrer aromatischen Sprunghaftigkeit und der damit verbundenen Lebhaftigkeit zeigt sich das junge Alter. Im Geschmack ist er dafür deutlich homogener. Die Kombination aus süßem Karamell, mit der cremigen fruchtigen Konsistenz und den herben Aromen gefallen mir gut. Das Finish könnte eine Spur länger ausfallen, ist wahrscheinlich der Jugend geschuldet. Eine Portweinreifung die mal nicht rosinig mit viel dunklen Früchten und süß daher kommt. Für den aufgerufenen Preis durchaus ein schöner unkomplizierter Begleiter durch den Abend.

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English Text-Version


The original range from the Scottish Ben Nevis distillery in the Highlands has been rather limited for some years now. In addition to the 10y, which has only been released sporadically in recent years, there have only been a few NAS bottlings such as McDonald's Traditional and Coire Leis. The Japanese mother concern Nikka has obviously emptied the Ben Nevis cask stocks for its blends, above all Nikka from the Barrel. So it will be a while, if ever, before there is a regularly released standard with Age Statement again.

It is therefore all the more welcome that independent bottlers such as Signatory Vintage, Elixir Distillers, Duncan Taylor and others continue to find what you are looking for. The age of the bottles released here is usually between eight and ten years. 

The Ben Nevis 2014/2023, the 9th edition of whic.de's Spririts of the Forest series, falls exactly within this age range. The malt was allowed to spend its full eight years in a port cask. The alcohol strength is 47%, 811 bottles were bottled uncoloured and without chill filtration.

Fotocredit: whic.de


Appearance
Light amber colour


Nose
Right at the start, a fresh cloud of flavours, enriched with a little peppermint, wafts out of the glass. A hint of fruity, spicy notes of white pepper, combined with ripe red apples with a splash of sweet tinned peach juice, emerges after the minty start. This is followed by créme brûlée with a crunchy thin caramelised sugar glaze and lots of vanilla as well as milk chocolate with roasted hazelnuts. The nose constantly changes the direction, fascinating. After that, the flavour becomes tart and dry, as if you were sniffing into a tea tin of Darjeeling black tea.


Flavour
The malt glides very creamy, almost like honey wax, into the mouth on the first sip. A lovely sweet caramel note, followed by créme brûlée with its vanilla and milk chocolate with hazelnuts initially set the tone. On the fruity side, which slowly builds up in the mouth, there are mainly ripe red apples, baked in the oven, but also a hint of apricot jam together with a creamy plum jam. The whole is accompanied by a slightly spicy pepper/ginger note, which evaporates towards the finish.


Finish
Towards the end, a creamy, malty sultana cake appears on the flavour spectrum. The vanilla with the apricot jam is still present. In the finish, the oak wood from the barrels is somewhat evident with a certain impression of dark chocolate, it becomes slightly drier in the mouth, but remains harmonious. Overall, a rather short to medium-long finish. 


Conclusion
The maturation in the port cask worked well. The cask influence, as the colour already suggests, was not too dominant, leaving enough room for the Ben Nevis spirit. The young age is particularly evident in the nose with its aromatic volatility and the associated agility. The flavour is much more homogeneous. I like the combination of sweet caramel, the creamy fruity consistency and the tart flavours. The finish could be a little longer, but this is probably due to its youth. A port maturation that is not raisiny with lots of dark fruit and sweet flavours. For the price, this is a nice, uncomplicated companion throughout the evening.

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