Rye
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Mittwoch, 9. September 2026

Heaven‘s Door Straight Rye Whiskey

 

Whiskybase

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Heaven’s Door ist eine amerikanische Whiskey-Marke, die 2015 von Bob Dylan gemeinsam mit dem Spirituosenunternehmer Marc Bushala und dessen Spirits Investment Partnership (SIP) gegründet wurde. Der Name Heaven’s Door ist natürlich eine Anspielung auf Bob Dylans berühmten Song „Knockin’ on Heaven’s Door“ aus dem Jahr 1973.

Das Besondere an Heaven’s Door ist die Verbindung von Whiskey und Kunst. Die Flaschen tragen als Markenzeichen Motive von Dylans charakteristischen, aus Metall gefertigten Toren, die er unter anderem aus Fundstücken und Altmetall gestaltet. Auch seine Gemälde und Skulpturen finden sich bei verschiedenen Sonderabfüllungen wieder.

In den ersten Jahren arbeitete Heaven’s Door mit verschiedenen amerikanischen Destillerien und Whiskey-Produzenten zusammen und bezog dafür ausgewählte Destillate. Die Marke entwickelte unterschiedliche Bourbons, Rye Whiskeys und limitierte Sonderabfüllungen. Erst später entstand eine eigene Destillerie in Pleasureville, Kentucky, deren Entwicklung bereits 2017 begann und in der seit 2018 eigener Bourbon produziert wird.

Ich habe vor einiger Zeit bei Krüger das 200-ml-Trio aus dem Jahr 2020 ersteigert, bestehend aus einem Tennessee Bourbon, dem Straight Rye und dem Double Barrel Whiskey. Zu diesem Zeitpunkt verwendete Heaven’s Door noch fremdgebrannte Whiskeys.

Der Straight Rye ist ein über acht Jahre gereifter, aus Indiana stammender 95/5 Rye von MGP, der nach der Reifung in neuen amerikanischen Eichenfässern rund sechs Monate in speziell getoasteten französischen Vosges-Cigar-Barrels gefinisht wurde.

Heaven's Door Spirits hat die ursprüngliche Six Mile Creek Distillery in Pleasureville, Kentucky, übernommen. Das Anwesen dient als offizieller Hauptsitz und Destillerie für Heaven's Door Distillery. Fotocredit: Heaven's Door Spirits


Aussehen
Helles Bernstein


Nase
Interessant. Nach dem ersten Eindruck würde man sofort meinen, einen typischen Rye aus Indiana mit dem klassischen 95-prozentigen Roggenanteil in der Mashbill vor der Nase zu haben. Und tatsächlich findet sich dieses typische Profil wieder. Angenehme frische Eukalyptusnoten treffen auf dunkles Roggenvollkornbrot, Dill und Karamell. Was für mich allerdings fehlt, ist die bei amerikanischen Ryes häufig anzutreffende Kirsche – egal ob als Frucht, Kompott oder Marmelade. Dafür gibt es ordentlich Vanille, hellere Früchte und einen Spritzer Zitrone.

Ich weiß nicht, ob es an den „nur“ 46 % vol. liegt. Meine letzten Ryes, die ich verkostet habe, hatten allesamt deutlich mehr Alkoholstärke. Jedenfalls empfinde ich die Nase als weniger kantig und kräftig. Sie präsentiert sich vielmehr weich, sanft und in sich ruhend. Nicht falsch verstehen: Die Aromen sind keinesfalls flach, sie sind lediglich insgesamt etwas dezenter ausgeprägt.

Die Eiche kommt im Hintergrund ebenfalls gut durch – kräftig, aber nicht dominant. Das Finish in den französischen Vosges-Fässern kann ich hingegen nicht wirklich eindeutig erkennen oder bestimmten Aromen zuordnen.

Mir gefällt die Nase. Sie ist eindeutig als Rye erkennbar, besitzt aber gleichzeitig ihren eigenen Stil und hebt sich damit etwas vom reinen MGP-Rye-Profil ab.


Geschmack
Der Rye präsentiert sich beim ersten Probieren mit einem sehr weichen und runden Mundgefühl. Er beginnt mit einer nicht allzu heftigen Würzigkeit, die sich durch leichte Pfefferschärfe, Krümel von geröstetem Roggenbrot und frische Pfefferminze zeigt – fast so, als würde man auf einem Pfefferminzkaugummi kauen. Und wie beim Kaugummi verfliegt auch diese frische Note nach wenigen Augenblicken wieder.

Dahinter findet sich eine angenehme Karamellnote, die eine spürbare Süße mitbringt. Vanille, Zimt und Muskatnuss sowie überraschenderweise nun doch ein Anflug von Kirschbonbons ergänzen das Geschmackspotpourri.

Die Eiche ist mit angenehmen bitteren Noten, die mich an schwarzen Kaffee oder Kakaopulver erinnern, ebenfalls deutlich präsenter, als es die Nase vermuten ließ. Die 46 % vol. sind gut integriert und transportieren die Aromen kraftvoll und völlig ausreichend.

Fotocredit: whiskybase.com


Abgang
Das Finale fällt nicht allzu lange aus. Eiche, Karamell, Zimt und Muskatnuss sowie ein Hauch von Kirschbonbons verweilen noch etwas länger im Mundraum. Ansonsten klingen die Geschmacksnoten des Ryes relativ zügig aus.


Fazit
In der Nase präsentiert sich der Heaven‘s Door Straight Rye Whiskey zunächst mit einem leicht anderen Stil, als man ihn von vergleichbaren Abfüllungen erwarten würde, ohne dabei seine Verwandtschaft zur MGP-Mashbill zu verleugnen. Ich bin ein Fan des klassischen Indiana-Rye-Stils und mag den ansonsten oftmals kräftigen Roggeneinschlag. Das Mehr an Vanille und die sanftere Gangart in der Nase gefallen mir trotzdem recht gut.

Im Geschmack tritt die Mashbill dann doch deutlich stärker zutage. Vom Finish in den französischen Vosges-Eichenfässern merke ich persönlich hingegen wenig.

Man bekommt bei dieser Abfüllung einen typischen Rye aus Indiana, der in der Nase einige interessante Akzente setzt, ohne sich dabei allzu weit vom bekannten Stil gesourcter Ryes zu entfernen. Ist das schlimm? Nein. Er schmeckt trotzdem gut – insbesondere dann, wenn man den typischen MGP-Rye-Stil mag.

Donnerstag, 14. Mai 2026

Smooth Ambler Old Scout - Straight Rye 7y Batch 61

 

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Smooth Ambler liegt in Maxwelton im Greenbrier County in West Virginia, USA. Das Unternehmen wurde 2009 gegründet und startete ursprünglich als Craft Distillery, verwendete jedoch gleichzeitig für die Old-Scout-Abfüllungen bei Bourbon und Rye gesourcten, also zugekauften Whiskey.

Vor einigen Monaten bekam ich bei einer Krüger-Whiskyauktion den Zuschlag für diese Old-Scout-Rye-Abfüllung. Die Flasche stammt aus dem Jahr 2015 und ist sieben Jahre alt. Der Rye-Whiskey kommt von der MGP-Großbrennerei aus Lawrenceburg in Indiana und basiert auf deren bekannter 95er Rye-Mashbill – also 95% Roggen und 5% gemälzte Gerste. Diese Mashbill von MGP findet man bei zahlreichen amerikanischen Marken wie beispielsweise Bulleit, George Dickel, Templeton, Redemption, Angel’s Envy oder auch James E. Pepper 1776.

Die ältere Abfüllung besitzt 99 Proof beziehungsweise 49,5% Alkoholstärke und soll nicht kühlfiltriert sein – eine Information, die ich zwar im Internet, jedoch nicht direkt auf der Flasche selbst gefunden habe.


Aussehen
Bernstein


Nase
Der Geruch kann die High Mashbill mit ihren 95% Roggen definitiv nicht verleugnen. Eine klassische Rye-Nase mit dominierenden Aromen von Minze, dunklem Brot, Kräutern, Kandiszucker und Kirschbonbons. Neben Vanille liegt eine ordentliche Portion Holzwürze im Hintergrund.

Die sieben Jahre im Fass haben die Aromen schön zusammengeführt und zu einem harmonischen Gesamtbild werden lassen. Es macht richtig Spaß, am Glas zu riechen. Vor allem die Kombination aus frischen Eukalyptusnoten und den süß-fruchtigen Kirsch-/Vanille-Zuckerln gefällt mir ausgesprochen gut.

Auch die Alkoholstärke ist gut gewählt. Kein unangenehmes Stechen oder Prickeln in der Nase, gleichzeitig aber genügend Kraft und Volumen, damit der Rye nicht zu brav wirkt.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Schönes, volles und cremiges Mundgefühl, gefolgt von einer deutlichen Süße, die ich nach der Nase so nicht erwartet hätte. Direkt darauf folgen frische, leicht scharfwürzige Noten von Pfefferminze und Roggen.

Die Süße des braunen Kandiszuckers hält nicht allzu lange an, bekommt jedoch Unterstützung durch Vanille und reife Kirschen. Ab dem Mittelteil dominieren zunehmend die Minze sowie eine kräftige Würze des Eichenfasses. Dazu gesellen sich noch ein paar leicht bittere Töne. Am vorderen Zahnfleisch und seitlich an den Wangen wird es zunehmend trockener. Die knapp 50% Alkoholstärke funktionieren dabei ausgesprochen gut.


Abgang
Neben der Holzwürze mit ihren leicht bitteren Kakao- und Espressonoten kommt überraschend nochmals eine schöne Karamellsüße zum Vorschein. Auch die Kirschbonbons und die letzten Ausläufer der Pfefferminze bleiben im mittellangen Finish noch länger am Gaumen präsent.


Fazit
Ein grundsolider und sehr süffiger Rye-Whiskey mit hohem Roggenanteil in der gesourcten Mashbill von MGP. Die typischen Rye-Aromen sind klar vorhanden, wirken aber nie überbordend und sorgen insgesamt für ein angenehm harmonisches Gesamtbild.

Sowohl das etwas höhere Alter als auch die knapp 50% Alkoholstärke wirken sich durchwegs positiv aus. Ein überaus entspannter Begleiter für einen gemütlichen Abend auf der Couch – ideal zu einem Binge-Watching-Abend mit Yellowstone oder ähnlichen amerikanischen Serien.

Mittwoch, 20. August 2025

Sagamore Double Oak Straight Rye Whiskey

 

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Sagamore Spirit wurde 2015 von Kevin Plank in Baltimore, Maryland, gegründet und war die erste Neueröffnung einer Brennerei in diesem Bundesstaat seit der Prohibition. Seit 2017 produziert Sagamore eigenen Rye Whiskey. Der überwiegende Teil des Whiskeys stammt jedoch von MGP aus Lawrenceburg, Indiana; bis zu 25 % kommen aus der hauseigenen Brennanlage.

Mein Sample vom Double Oak Straight Rye Whiskey stammt aus einer Flasche des Batches 6AF, abgefüllt im März 2023. Bei dieser Abfüllung stammt der gesamte Whiskey von MGP. Verwendet wurden zwei verschiedene Mashbills: einmal 95 % Roggen und 5 % gemälzte Gerste, die andere mit 52 % Roggen, 5 % gemälzter Gerste und 43 % Mais.
Beide wurden separat destilliert und gereift, bevor sie miteinander vermählt wurden. Nach rund vier bis fünf Jahren in amerikanischen Eichenfässern reifte der Rye für weitere 18 Monate in frisch getoasteten Fässern nach, in denen sich zusätzlich Holzdauben befanden. Danach kam er ungefärbt und ohne Kühlfiltration mit 48,3 % in die Flasche.


Aussehen
Dunkles, rostrotes Kupfer.


Nase
Sehr fruchtig und voluminös startet der Rye mit dunklen, reifen Kirschen, Erdbeeren, dazu leicht blumige Noten. Die Würze des Roggens setzt früh ein – dunkles Roggenbrot, ein Hauch Minze, begleitet von einem sanften Prickeln in der Nase. Nach einigen Minuten treten Vanille und süßes Karamell hinzu. Gewürze wie Zimt und Muskat reihen sich ebenso ein, während die Holznote im Verlauf deutlicher hervortritt. Insgesamt zeigt sich eine sehr ansprechende Rye-Nase. Der Roggen führt, ohne zu dominieren, während dunkle Holz- und Karamellaromen im Zusammenspiel mit den Fruchtakzenten ein stimmiges Gleichgewicht bilden. Der Alkohol ist hervorragend integriert.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Antritt ist sehr süß mit kräftigem Karamell. Das cremige, auskleidende Mundgefühl verteilt die Aromen gleichmäßig. Die Würze des Roggens – dunkles Brot, Menthol und ein Hauch weißer Pfeffer – folgt der anfänglichen Süße. Von den Fruchtnoten der Nase bleiben im Geschmack vor allem eingelegte Kirschen präsent. Anschließend übernehmen Holz, Muskat und Zimt das Kommando. Das anfänglich süße Karamell entwickelt sich zu dunkleren, leicht bitteren Noten und verliert dadurch an Süße.


Abgang
Mit Muskat und Zimt im Schlepptau werden die Holznoten zum Ende hin dominanter. Die Süße und das Karamell sind verschwunden. Geröstetes Roggenbrot und eine dezente Eukalyptusnote sorgen für ein harmonisches Finish, das allerdings etwas länger hätte ausfallen dürfen. Zum Schluss wirkt es, als ginge dem Rye etwas die Kraft aus.


Fazit
Eine sehr ansprechende Nase, getragen von dunklem Karamell und Holznoten, in der die doppelte Reifung im Eichenfass deutlich hervorsticht. Am Gaumen gefällt er mir ebenfalls durchwegs gut, auch wenn ich mir hier noch etwas mehr Roggeneinfluss gewünscht hätte. Das Finish ist die Schwachstelle – hier verliert er an Kraft und Ausdauer. Insgesamt ein gelungener Rye, der mir gefällt, aber nicht ganz an meine bisherigen Favoriten – Jack Daniel’s Single Barrel Rye und RY3 Private Reserve Toasted Barrel Select Batch PR#008 – heranreicht.

Mittwoch, 25. Juni 2025

Jack Daniel's Bonded Rye

 

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Der Jack Daniel’s Single Barrel Rye mit seinen 45 % Vol. gehört für mich ganz klar zu den Top 3 Ryes, die ich bisher verkostet habe. Umso größer war die Freude, als die Brennerei Ende 2023 den neuen Bonded Rye mit 50 % Vol. auf den Markt gebracht hat – und das zu einem wirklich fairen Preis.


Was bedeutet eigentlich „Bonded“?
„Bonded“ ist kein bloßes Marketing-Wort. Dahinter steckt das Bottled-in-Bond Act von 1897, eines der ersten Verbraucherschutzgesetze in den USA. Es sollte damals für mehr Klarheit und Qualität bei der Whiskeyherstellung sorgen. Damit ein Whiskey als „Bonded“ durchgeht, muss er:

  • - aus einer einzigen Brennerei stammen,
  • - innerhalb einer Saison (Januar–Juni oder Juli–Dezember) destilliert worden sein,
  • - mindestens vier Jahre in einem staatlich überwachten Lagerhaus gereift sein,
  • - und mit exakt 50 % Vol. (100 Proof) abgefüllt werden.


Reifung & Herstellung
Wie Chris Fletcher, der Master Distiller von Jack Daniel’s, verraten hat, durfte der Bonded Rye rund sieben Jahre in klassischen amerikanischen Weißeichenfässern reifen. Die Mashbill ist typisch für Jack Daniel’s Rye: 70 % Roggen, 18 % Mais und 12 % gemälzte Gerste.

Auch hier wurde der berühmte Lincoln County Process angewendet – das Markenzeichen von Tennessee Whiskey. Dabei durchläuft das Destillat vor der Fassreifung eine Holzkohlefilterung, genauer gesagt eine Schicht aus Ahornholzkohle, die mit 70-prozentigem Jack Daniel’s Whisky getränkt wurde.

Beim Rye allerdings hat man festgestellt: Weniger ist mehr. Statt wie beim regulären Tennessee Whiskey durch 10 Fuß Holzkohle zu laufen, passiert das Destillat hier nur eine 3 Fuß dicke Schicht.

Fotocredit: whiskybase.com


Aussehen
Schöner Kupferton mit leicht rötlichem Einschlag


Nase
Süße Kirschmarmelade trifft auf Schalenstücke von Grapefruit. Dazu gesellen sich klassische, würzige Rye-Aromen – geröstetes, dunkles Roggenbrot und frischer Eukalyptus. Die sonst oft dominante Pfefferminznote hält sich dezent im Hintergrund und bildet eine angenehme Basis. Bourbon-Vanille und frisches Karamell verleihen der Nase einen süßlich-cremigen Touch, der für Jack Daniel’s typisch ist. Eine feine, aromatische Holznote rundet das Profil ab. Die 50 % Vol. machen sich anfangs durch eine gewisse alkoholische Schärfe bemerkbar, die jedoch rasch verfliegt. Zurück bleiben die fein abgestimmten Aromen, die mich stark an die 45%ige Single Barrel Variante erinnern – hier allerdings mit deutlich mehr Wucht.


Geschmack
Im Mund legt der Bonded Rye richtig los – kräftig und mit vollem Mundgefühl. Er belegt den gesamten Gaumen mit intensiven Zimt- und Muskatnoten, begleitet von einer angenehm würzigen, auf der Zunge prickelnden Pfeffernote. Ob diese Schärfe eher vom Alkohol oder der Eichenwürze stammt, lässt sich schwer sagen. Zu den orientalischen Gewürzen gesellt sich der Geschmack von Kirschbonbons mit einem deutlichen Anteil Pfefferminze. Dominant ist aber vor allem der Holzeinfluss, der besonders im Abgang nochmal ordentlich nachlegt. An Zungenspitze, Gaumen und Wangeninnenseiten zeigt sich eine adstringierende Trockenheit.


Abgang
Die herb-bitteren Tannine des Eichenholzes prägen das Finish. Hinzu kommen nochmals kirschige Noten mit Pfefferminze sowie ein Hauch Karamell. Das Finale ist lang anhaltend und intensiv.


Fazit
Schon ein paar Tropfen Wasser wirken wahre Wunder! Der Alkoholeinfluss in der Nase sowie die intensive Würze und Schärfe im Geschmack werden spürbar abgemildert. Der Rye öffnet sich merklich: Vanille, Karamell und Kirschmarmelade treten stärker hervor. Das Beste daran: Seine Kraft und Vollmundigkeit bleiben trotz Wasserzugabe erhalten.

Ohne Wasser wirkt er auf mich fast ein wenig unausgewogen und ruppig. Mit Wasser ist er hingegen eine absolut gelungene, höherprozentige Alternative zu meinem geliebten Single Barrel Rye.

Mittwoch, 30. April 2025

RY3 Private Reserve Toasted Barrel Select Batch PR# 008

 

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Die Marke RY3 (keine Ahnung ob damit Rye oder Rye 3 gemeint ist) stammt von Phenomenal Spirits aus Virginia Beach, USA. Dieses Unternehmen besitzt keine eigene Brennerei-Anlage sondern kauft Spirituosen ein und bearbeitet sie. Dies kann in Form von Blenden oder ein nachträgliches Finish in neuen Fässern sein. Aktuell beinhaltet das Portfolio neben Rye-Whiskeys auch Rum-Abfüllungen. Man kann Phenomenal Spirits durchaus zu den unabhängigen Abfüllern rechnen, vor allem da es in den USA nicht unüblich ist, gesourcten (also zugekauften) Whiskey oder Bourbon für seine eigenen Marken zu verwenden. 

Jedoch muss man hier wissen, dass das Geschäftsmodell des Gründers daraus besteht, Unternehmen und vor allem Marken im Bereich Luxury Spirits aufzubauen und zu etablieren um sie dann an einen Investor weiterzuverkaufen.

Mit dem Hintergrund im Kopf war ich durchaus kritisch, was die Abfüllungen angeht, als sie im Herbst 2024 bei uns auf dem Markt kamen. Kritisch darum, weil ich hier an Kontinuität zweifle. 

Als Fan von amerikanischem Rye-Whisky war die Neugierde, vor allem auf die Private Reserve Barrel Abfüllung mit Toasted Barrel Finish jedoch zu groß um die Flasche links liegen zu lassen. Auf der Webseite des Unternehmens wird suggeriert, dass die "3" in der Marke RY3 bei dieser Abfüllung für drei unterschiedliche Whiskeys, drei unterschiedliche Mashbills und drei verschiedenen Altersstufen steht. 

Leider ist die Transparenz bei den Information nicht sehr weit gediehen. Offiziell findet man leider keine Informationen, aus welchen Brennereien die Whiskeys stammen, wie alt sie waren und welche Mashbills tatsächlich verwendet wurden.

Fotocredit: whiskybase.com

Im Internet findet man die Info, dass neben zwei amerikanischen Ryes auch ein Rye aus Alberta Kanada Teil des Blends sein soll und das eine der Mashbills das typische MGP 95%er Rye Rezept und die andere eben eine 100% Rye Alberta Version sein soll. Von der dritten weiß man nicht wirklich etwas. Und beim Alter findet man überhaupt keine Angaben. 

Was man weiß ist, dass für das Finish ein Medium Toasted Barrel verwendet wurde und das die Alkoholstärke beachtliche 60,8% beträgt. Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet. 


Aussehen
Nussbraun mit Rotstich. Das Auge trinkt mit.


Nase
Für über 60% ist der Alkohol ziemlich gut eingebunden. Wenn man die Nase tiefer ins Glas steckt, keimt zwar schon eine leicht kühlende frische Prise auf und es zwickt ein wenig in der Nase, aber es bleibt alles absolut im Rahmen und stört den Genuss in keinster Weise. Und ein Genuss ist diese Nase tatsächlich. Deutliche Aromen von Vanille und braunen Zucker werden von einer feinen Rye-Note begleitet, die sowohl die klassischen After Eight Pfefferminz-Schokoladeblättchen aufweist als auch Assoziationen von würzigem warmen Roggenbrot mit etwas Anis beinhaltet. Alle Gerüche sind sehr rund, harmonisch und miteinander ausbalanciert. Ein paar Rosinen und ein Kirschkompott sorgen für den dezent fruchtigen Anteil an der Geruchsmischung.

Mit ein paar Tropfen Verdünnung nimmt die anfängliche Würzigkeit und Pfefferminznote ab und es erscheinen sogar blumige Aromen, vorwiegend nach Veilchen duftend - Vanille und der braune Zucker mit Ansätzen zum Karamell geben weiterhin den Ton an, der Roggen ebenso.


Geschmack
Der Vertreter ist unverdünnt gefährlich leicht zu trinken und äußerst süffig. Sehr cremig und mit vollem Geschmack startet der Rye Blend. Anfänglich dominieren süße Aromen von Karamellcreme und Vanillesauce. Dicht gefolgt von einer sich schnell im Mund ausbreitenden pfeffrigen Würzigkeit mit zusätzlichen Kräutern und Muskatnuss. Danach übernimmt wieder die Vanille im Zusammenspiel mit den Pfefferminzbonbons mit Amarenakirschgeschmack sowie dem dunkel gebackenen Roggenbrot. Ab dem Mittelteil wird der Mundraum, vorwiegend durch die Alkoholstärke, trockener. Dies alles ist sehr lecker.

Mit Wasser verweilt die Süße länger im Mund, ihre Intensität bleibt länger bestehen. Die Pfeffernote ist ebenfalls weiterhin vorhanden, aber nun etwas reduzierter. Die anderen Aromen und ihre Dichte sind auch mit Wasser immer noch gleich präsent. Das Mundgefühl geht noch mehr ins cremige über.


Abgang
Gegen Ende hin bleibt die Pfefferminze und die Ryebrot-Noten. Untermalt werden die Aromen von etwas Eichenwürze, gepaart mit einer leichten Bitterkeit. Der Abgang gestaltet sich insgesamt mittellang.


Fazit
Ich muss sagen ich bin wirklich angetan von diesem defacto No-Name Rye Blend. Es ist natürlich alles gesourced und nicht selbst gebrannt. Jedoch ist das Ausgangsmaterial dieses Blends, die drei verwendeten Ryes aus den USA und Kanada wirklich gut und die Mischung hat gepasst. Das Finish in dem getoasteten Fass hat den Rye nochmals hervorgehoben ohne die anderen Aromen zu verdrängen. Ein sehr ausgewogener hochprozentiger Rye Whiskey, der wirklich Laune macht. Bin gespannt ob die Nachfolgebatches, sofern es welche geben wird, das Niveau halten können.

Mittwoch, 24. Januar 2024

2 Ryes aus der Art Series von Stauning

 

English Text-Version

So richtig auf den Rye-Geschmack bin ich durch die diversen amerikanischen Vertreter gekommen, die ich vor allem im Laufe des letzten Jahres verkostet habe. Einer meiner Lieblingsamerikaner ist derzeit der Jack Daniels Single Barrel Rye mit 45%, aber auch der Knob Creek Rye (den neuen siebenjährigen hatte ich noch nicht das Vergnügen ihn zu kosten) gefällt mir richtig gut. 

Amerikanische Ryes sind in der Regel würziger, kantiger, ja vielleicht sogar lebhafter, als viele ihrer Bourbon-Vettern. Der hohe Rye-Anteil in den Mash-Bills gefällt mir immer mehr. 

Im Gegensatz dazu, habe ich die immer mehr werdenden europäischen Vertreter der Roggen-Whiskys bis jetzt eher weniger beachtet. Ende '21 hatte ich bei einem Rye-Tasting von whic.de mitgemacht wo sechs Ryes aus Europa, darunter auch zwei von Stauning, verkostet wurden. Ein sehr interessanter Abend und neuen Aromen und Geschmäckern, aber so richtig hatte die Rakete nicht gezündet.

Aber, nachdem mir Rye in der Zwischenzeit doch immer mehr mundet und ich die beiden Samples in meinem Archiv zufällig fand, dachte ich mir, wieso gebe ich Europa, im Speziellen hier Dänemark nicht nochmals eine Chance?

Die beiden Ryes stammen aus der siebenteiligen Art Series-Serie von Stauning, exklusiv von Kirsch Import für Deutschland an Land gezogen. Beide Abfüllungen sind Single Casks mit rund vier Jahren Alter und wurden ungefärbt und ohne Kühlfiltration abgefüllt. Leider konnte ich keine Informationen auftreiben, wie lange die jeweiligen Nachreifungen im Rum- bzw. Ahornsirupfass dauerte. Wäre interessant gewesen.


Stauning Art Series Barbados Rum Cask Finish

Whiskybase

Aussehen
Rötlicher Bernstein

Fotocredit: Stauning

Nase
Vielleicht ist es der höhere Alkoholgehalt, aber der Anfang ist recht verhalten. Mit etwas Verzögerung, dafür jedoch umso deutlicher, zeigen sich die typischen Barbados Rum Aromen, Rosinen, Melasse, Karamell, Kokosraspeln und Vanille. Nach ein paar Minuten ebben die Rumnoten ab und der Roggen kommt intensiver zum Vorschein - Roggenvollkorn- und Knäckebrot, frische Pfefferminze, Fichtennadeln und eine Spur von Baumharz. Alkohol ist sehr gut eingebunden.

Ein paar Tropfen Wasser nachträglich bringen die Rumaromen wieder etwas nach vorne, ohne jedoch den Rye zu stark zu überdecken. Es ist nun eine schöne Harmonie der Aromen.


Geschmack
Sehr intensiver Antritt mit einer überraschend auftretenden Ingwerschärfe, die aber ebenso schnell auch wieder verfliegt. Danach ausgewogen, süßes Karamell und Rosinen mit Kokosraspeln zusammen mit den würzig, harzigen Aromen vom Rye. Frische Minzblätter, einem Peppermint Wrigley Kaugummi nicht unähnlich.

Mit Wasserbeigabe wird die anfängliche Schärfe deutlich gemildert, die Roggennoten kommen mehr zur Geltung. Das Rumfinish ist aber weiterhin mit seinen Kokos- und Vanillenoten die ganze Zeit präsent.


Abgang
Hier sind nun vor allem die typischen Roggennoten tonangebend. Weiterhin die Frische der Minze, herbwürzig, leicht adstringierend. Das Holz ist nun deutlicher. Mittellanger Abgang.


Fazit
Das Finish im Barbados Rumfass ist meiner Meinung nach gut gelungen. Die nicht zu aufdringliche Süße mit dem Kokos und der Vanille sorgen sowohl im Geruch als auch im Geschmack für eine interessante Koexistenz mit den typischen würzig, herb frischen Roggenaromen.


Stauning Art Series Maple Sirup Cask Finish

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Aussehen
Dunkles Rotgold


Nase
Im Gegensatz zum Rum-Finish ist hier keine Spur von Zurückhaltung zu merken. Sofort ist der süße und zugleich mild würzige Ahornsirup auszumachen. Als würde man sich den Sirup gerade über seine noch warmen Pancakes gießen. Denn zusammen mit dem Ahornsirup glaubt man Butter und Malz zu riechen. Schon toll! Die anderen Aromen tun sich anfänglich etwas schwer, hinter dieser Süße hervorzukommen. Erst langsam kommen Roggenteig, Eukalyptusbonbon, Hustensaft und leichte Harzaromen zum Vorschein. Der Sirup dominiert aber weiterhin das Geschehen.

Mit Wasser tritt der Ahornsirup etwas zurück und die Ryearomen haben mehr Raum um sich zu entfalten. Insgesamt etwas ausgewogener.


Geschmack
Ganz kurz noch ist die aus der Nase erwartete Süße zu schmecken, dann wird es sehr schnell, sehr scharf! Fast schon wie ein Chillicatch - sehr bissig. Wow, dies überrascht. Hinter dieser prägnanten Schärfe finden sich noch die Karamellaromen vom Sirup, ohne dessen Süße, zusammen mit einer Minznote, Roggenbrotteig und Harz. Fichtennadeln und trockene Gewürze sind ebenfalls vorhanden.

Beim Geschmack helfen ein paar Tropfen Wasser hinsichtlich der Abschwächung der dominierenden Schärfe merklich. Die Süße und die anderen Noten des Ahornsirups finden sich mehr im Geschmackbild wieder.


Abgang
Diese würzig scharfe Note ist bis zum bitteren Ende hin präsent. Stichwort bitter, dies wird es wahrlich zusammen mit einer angenehmen Trockenheit, die vom Holz der Eichenfässer herrüht. Auch hier ist der Abgang eher mittellang.


Fazit
Also vor allem in der Nase ist das Finish im Ahornsirup sehr dominant. Fast schon zu sehr liegt hier die schwere Süße über den anderen, durchaus interessanten, Ryearomen. Interessant ist, dass diese markante Schärfe im Mund sehr ähnlich zu dem im letzten Oktober verkosteten Sirens Batch 4 von whic.de war. Hier gab es ebenfalls ein Finish im Ahornsirup Fass und auch damals hatte ich im Geschmack diese sehr starke Schärfe. Ob es womöglich eine Eigenart dieser Fässer ist? Mit etwas Wasser - Betonung liegt auf etwas - gewinnt er.


Gesamtfazit
Europäische, in diesem Fall dänische, Ryes heben sich von ihren amerikanischen Vettern doch ab. Die Grundaromen kommen mir straighter, kantiger und würziger vor. Sind sie schlechter? Nein, anders. Beide Fassfinishes sind auf ihre Weise sehr interessant und geben den reinen Roggenaromen neue Facetten. Für mich persönlich hat die Barbados Rum-Version die Nase vorne. Nicht nur, weil ich grundsätzlich ein Fan von Rum aus Barbados bin (Stichwort Mount Gay oder Foursquare!), sondern weil er mir ausgewogener und runder erschien. 

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English Text-Version


I really got a taste for rye through the various American representatives that I have tasted, especially over the last year. One of my favourite American ryes at the moment is the Jack Daniels Single Barrel Rye at 45%, but I also really like the Knob Creek Rye (I haven't had the pleasure of tasting the new seven-year-old yet). 

American ryes are generally spicier, edgier and perhaps even more vibrant than many of their bourbon cousins. I like the high proportion of rye in the mash bills more and more. 

In contrast, I have so far paid less attention to the growing number of European rye whiskies. At the end of '21, I took part in a rye tasting organised by whic.de where six ryes from Europe, including two from Stauning, were tasted. It was a very interesting evening with new aromas and flavours, but the rocket didn't really take off.

But now that I'm enjoying rye more and more and I found the two samples in my archive by chance, I thought to myself, why don't I give Europe, and Denmark in particular, another chance?

The two ryes are from Stauning's seven-part Art Series range, exclusively sourced for Germany by Kirsch Import. Both bottlings are single casks aged for around four years and were bottled uncoloured and without chill filtration. Unfortunately, I was unable to find any information on how long the respective maturation periods in rum and maple syrup casks lasted. Would have been interesting.


Stauning Art Series Barbados Rum Cask Finish


Appearance
Reddish amber colour


Nose
Perhaps it is the higher alcohol content, but the beginning is quite reserved. The typical Barbados rum flavours, sultanas, molasses, caramel, grated coconut and vanilla emerge with a slight delay, but all the more clearly. After a few minutes, the rum flavours subside and the rye becomes more intense - wholemeal rye and crispbread, fresh peppermint, spruce needles and a hint of tree resin. Alcohol is very well integrated.

A few drops of water afterwards bring the rum flavours to the fore again, but without masking the rye too much. There is now a beautiful harmony of flavours.


Flavour
Very intense start with a surprising ginger spiciness, which disappears just as quickly. Then balanced, sweet caramel and sultanas with grated coconut together with the spicy, resinous flavours of the rye. Fresh mint leaves, not unlike Peppermint Wrigley chewing gum.

With the addition of water, the initial spiciness is significantly reduced and the rye flavours become more prominent. However, the rum finish is still present the whole time with its coconut and vanilla flavours.


Finish
The typical rye notes now set the pace here. The freshness of the mint remains, tangy, slightly astringent. The wood is now more evident. Medium length finish.


Conclusion
The finish in the Barbados rum cask is well done in my opinion. The not too strong sweetness with the coconut and vanilla make for an interesting coexistence with the typical spicy, tart, fresh rye flavours in both the aroma and the taste.

Stauning Art Series Maple Syrup Cask Finish


Appearance
Dark red gold colour

Fotocredit: Stauning


Nose
In contrast to the rum finish, there is no sign of reservation here. The sweet and at the same time mildly spicy maple syrup is immediately recognisable. It's like pouring the syrup over your still-warm pancakes. Together with the maple syrup, you can smell butter and malt. That's great! The other flavours initially struggle to emerge from behind this sweetness. Only slowly do rye dough, eucalyptus candy, cough syrup and light resin flavours emerge. However, the syrup continues to dominate the flavours.

With water, the maple syrup recedes somewhat and the rye flavours have more room to develop. A little more balanced overall.


Flavour
The sweetness expected from the nose can still be tasted very shortly, then it becomes very hot very quickly! Almost like a chilli catch - very biting. Wow, this is surprising. Behind this distinctive spiciness, there are still the caramel flavours from the syrup, without its sweetness, together with a minty note, rye bread dough and resin. Spruce needles and dry spices are also found.

In terms of flavour, a few drops of water help noticeably to soften the dominant spiciness. The sweetness and other notes of maple syrup are more present in the flavour.


Finish
This spicy, pungent note is present right to the bitter end. Speaking of bitter, this is truly combined with a pleasant dryness that comes from the wood of the oak barrels. Here too, the finish is of medium length.


Conclusion
The maple syrup finish is very dominant, especially on the nose. The heavy sweetness is almost too much here over the other, quite interesting, rye flavours. It is interesting to note that this distinctive sharpness in the mouth was very similar to the Sirens Batch 4 from whic.de that we tasted last October. This also had a finish in a maple syrup cask and I also had this very strong spiciness in the flavour back then. Could it be a characteristic of these casks? With a little water - the emphasis is on a little - it wins.


Overall conclusion
European, in this case Danish, ryes do stand out from their American cousins. The basic flavours seem straighter, edgier and spicier to me. Are they worse? No, different. Both barrel finishes are very interesting in their own way and add new facets to the pure rye flavours. For me personally, the Barbados rum version has the lead. Not just because I'm generally a fan of rum from Barbados (think Mount Gay or Foursquare!), but because it seemed more balanced and rounded to me. 

Mittwoch, 27. Dezember 2023

Knob Creek Rye

 

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English Text-Version


In diesem Jahr hat sich Bourbon und hier speziell American Rye als mein zweites Standbein bei Whisk(e)s herauskristallisiert. Die Kombination aus den typischen Bourbonnoten mit Vanille, Karamell, leichten Fruchtbestandteilen - oft in Form von eingelegten Amarenakirschen - der intensiven Eichenholzaromatik zusammen mit der frisch würzigen Rye-Charakteristik mit Roggenbrot/teig und dem Pfefferminz/Eukalyptus Touch gefallen mir immer mehr.

Von Knob Creek, einer Marke von Jim Beam, habe ich im Februar diesen Jahres den 9jährigen Bourbon verkostet. Dieser ist Teil der bekannten Jim Beam Small Batch Collection, in der neben dem Knob Creek 9y auch Booker's, Basil Hayden und Baker's inkludiert sind. Und der 9y Bourbon gefiel mir sehr gut - vor allem, wenn man den Preis als Kriterium miteinbezieht.

Neben dem besagten 9jährigen Bourbon hat Knob Creek auch einen Rye im Standard-Sortiment. Ich habe mir ein Sample von diesem Small Batch Rye mit 50% (100 Proof) im Zuge meiner heurigen aufkeimenden Rye-Neugierde besorgt. In Österreich sowie in Deutschland kann man bis dato - also aktuell 2023 - nur diese Rye-Version von Knob Creek bekommen.

Es gibt jedoch von Knob Creek seit März diesen Jahres - zumindest bis jetzt nur in den USA - einen Rye mit Age Statement. Sieben Jahre steht auf dem ebenfalls grünen Label auf der Flasche, offensichtlich zum sehr ähnlichen Preispunkt. Es kann also sein, dass im Laufe des nächsten Jahres vielleicht auch bei uns in Österreich und Deutschland die aktuelle NAS-Version durch diese neue 7jährige Abfüllung ersetzt wird.

Ähnlich ist es auch beim 9y Bourbon gewesen, der aufgrund von zwischenzeitlichem altersgerechten Fassmangel 2016 vom Age Statement kurzer Hand auf eine Small Batch NAS-Version getauscht wurde, nur um 2020 wieder die Altersangabe am Label zu haben.

Eventuell hat Jim Beam nun auch für ihren Einsteiger Rye genügend Fässer gebunkert damit man nun ein Alter aufs Label drucken kann. Viele Informationen zu dieser Neue Version gibt es im Netz noch nicht zu finden.

Wie alt die verwendeten Fässer bei der Small Batch Variante, die ich verkostete habe, waren ist nicht bekannt, ebenso wenig wie die genaue Zusammensetzung der Mash Bill ist - hier schweigt sich Jim Beam strickt aus. Es wird jedoch vermutet, dass der verwendete Roggenanteil nicht viel höher als der gesetzlich vorgeschriebene Prozentsatz von 51% sein wird. 


Aussehen
Bernstein


Nase
Yes. Rye. Gleich von Beginn weg riecht man eine schöne deutlich würzige Roggenbrotnote, frisches dunkles Roggenbrot, sehr ausgeprägt. Die für mich bei Ryes, vor allem bei Mashbills mit höherem Roggenanteil, typische Pfefferminznote fällt hier jedoch nicht so prägnant aus. Insgesamt eine angenehm, fast schon sanfte Rye-Nase. Hinter der anfänglichen Roggenwürze wird es süß und fruchtig. Leicht künstlich anklingendes Kirscharoma, wie von Haribo Happy Cherries, kombiniert mit Vanille und Karamell. Der Alkohol pickst immer wieder ganz leicht in der Nase und sorgt unterschwellig für eine frische Note. Mit der Zeit kommen ein paar geröstete Nüsse und eine ordentliche Eichenholznote zum Vorschein. Insgesamt eine schöne ausgeglichene Mischung. 

Wasserbeigabe ist nicht notwendig. Im Gegenteil. Sogar nur wenige Tropfen reichen um die Roggenwürzigkeit und die Mentholnote zu intensivieren und die Balance ins Schwanken zu bringen.


Geschmack
Die 50% Alkohol sorgen für einen anständigen Antritt im Mund. Gutes weiches Mundgefühl. Eine leckere After Eight Note mit viel Pfefferminz/Menthol, gefolgt von dunklem grobkörnigem Roggenbrot mit schöner Würze. Danach findet sich Vanille mit einer spürbaren aber nicht allzu ausgeprägten Süße. Und dann kommt frisch geschnittene Dille und etwas Gurkenwasser. Interessante Kombi, aber nicht unlecker!
Dann wird es kurz fruchtig mit etwas Kirsche. Die Eichenfässer schieben sich, auch dank des Alkoholgehalts, ordentlich in den Vordergrund. Der Alkohol ist wirklich gut integriert und in keiner Weise störend.

Auch beim Geschmack ist kein Wasser nötig oder sinnvoll. Wie im Geruch ist es eher kontraproduktiv. 


Abgang
Das Ende beginnt mit einem sehr feinem Kirschzuckerl mit Unterstützung durch Vanille. Ebenfalls weiterhin präsent ist Pfefferminzfrische mit einer nicht allzu deutlichen Eichenwürze und -bitterkeit. Leicht adstringierend im Finish mit einem mittellangen Abgang. 


Fazit
Trotz der nur knapp über 50% Roggenanteil in der Mash Bill ist die Roggenwürze ordentlich ausgeprägt. Die Nase ist sehr fein aber gar nicht mal das Beste an diesem Rye. Dies ist für mich eindeutig der Geschmack und Abgang. Da kann der Knob Creek seine Stärken voll ausspielen. Er gefällt wirklich recht gut, kommt aber nicht ganz an meinen aktuellen Favoriten, den Jack Daniels Single Barrel Rye mit 45%, heran. Für den aktuell ausgerufenen Preis um rund € 37,- bis € 45,- ist er aber eindeutig eine Empfehlung wert.

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English Text-Version


This year, bourbon and American rye in particular has crystallised as my second mainstay when it comes to whisk(e)s. The combination of the typical bourbon notes with vanilla, caramel, light fruit components - often in the form of pickled Amarena cherries - the intense oak flavour together with the fresh, spicy rye characteristics with rye bread/dough and the peppermint/eucalyptus touch is becoming more and more attractive to me.

I tasted the 9-year-old bourbon from Knob Creek, a Jim Beam brand, in February this year. This is part of the well-known Jim Beam Small Batch Collection, which also includes Booker's, Basil Hayden and Baker's. And I really liked the 9y bourbon - especially if you consider the price as a criteria.

Knob Creek also has a rye in its standard range. I got myself a sample of this small batch rye at 50% (100 proof) as part of my growing curiosity for rye this year. In Austria and Germany - currently 2023 - you can only get this Rye version from Knob Creek.

However, since March this year, Knob Creek has been offering a Rye with an age statement - at least so far only in the USA. The green label on the bottle also says seven years, obviously at a very similar price point. It is therefore possible that the current NAS version will be replaced by this new 7-year-old bottling in Austria and Germany in the course of next year.

It was a similar story with the 9y Bourbon, which was swapped from the age statement to a small batch NAS version in 2016 due to a lack of barrels in the meantime, only to have the age statement on the label again in 2020.

Perhaps Jim Beam now also has enough barrels in stock for its entry-level Rye so that an age can now be printed on the label. There is not yet much information about this new version on the internet.

How old the barrels used for the small batch version that I tasted were is not known, nor is the exact composition of the mash bill - Jim Beam is strictly silent on this. However, it is assumed that the proportion of rye used will not be much higher than the legally prescribed percentage of 51%. 

Fotocredit: Knob Creek/Jim Beam


Appearance
Amber colour


Nose
Yes. Rye. Right from the start you can smell a nice, clearly spicy rye bread note, fresh dark rye bread, very prominent. However, the peppermint note that is typical for me in ryes, especially in mashbills with a higher rye content, is not so distinctive here. Overall, a pleasant, almost gentle rye nose. After the initial rye flavour, it becomes sweet and fruity. A slightly artificial cherry flavour, like Haribo Happy Cherries, combined with vanilla and caramel. The alcohol picks at the nose ever so slightly and provides a subliminal fresh note. Over time, a few roasted nuts and a decent oaky note come to the foreground. Overall, a beautifully balanced combination. 

The addition of water is not necessary. On the contrary. Even just a few drops are enough to intensify the rye spiciness and the menthol note and to upset the balance.


Flavour
The 50% alcohol provides a decent start in the mouth. Good soft mouthfeel. A delicious After Eight note with lots of peppermint/menthol, followed by dark coarse-grained rye bread with a nice spiciness. This is followed by vanilla with a noticeable but not overly intense sweetness. And then comes freshly cut dill and some cucumber water. An interesting combination, but not untasty!

Then it briefly becomes fruity with a hint of cherry. The oak barrels really come to the fore, also thanks to the alcohol strength. The alcohol is really well integrated and in no way distracting.

No water is necessary or useful in the flavour either. As with the smell, it is rather counterproductive. 


Finish
The finish begins with a very fine cherry candy flavour supported by vanilla. Peppermint freshness is also still present with a not too obvious oak spiciness and bitterness. Slightly astringent on the final with a medium-long finish. 


Conclusion
Despite the rye percentage of just over 50% in the Mash Bill, the rye flavour is quite marked. The nose is very fine but not even the best thing about this rye. For me, this is clearly the flavour and finish. This is where Knob Creek really comes into its own. I really like it, but it doesn't quite come close to my current favourite, the Jack Daniels Single Barrel Rye at 45%. However, for the current price of around € 37,- to € 45,- it is definitely worth a recommendation.

Mittwoch, 22. November 2023

Jack Daniel's Single Barrel Rye

 

Whiskybase

English Text-Version

Der Jack Daniel's Single Barrel Barrel Strength mit seinen mächtigen aber gleichzeitig so aromatischen 64,5%, sowie meine in diesem Sommer beginnende Zuneigung zu amerikanischen Ryes führten zum logischen Kauf des Jack Daniel's Single Barrel Rye mit 45%. Auch hier wird die klassische Single Barrel Flasche mit ihrem eher klassisch anmutenden Design verwendet. Ein bordeauxrotes Label, anstelle dem goldenen, verziert die Flasche. In der Bar sind diese beiden Flaschen nebeneinander ein wahrer Hingucker - Marketingopfer, ich weiß.

Die Rye Abfüllung kam 2017 als dritte Auskopplung der Single Barrel-Reihe auf den Markt. Und Rye als tragendender Grundstoff der Mashbill ist nicht wirklich oft gesehen bei der Brennerei aus Tennessee. A propos Mashbill, die verwendete Mischung setzt sich aus 70% Roggen, 18% Mais und 12% Gerste zusammen. Für die Reifung werden die klassichen ausgekohlten amerikanischen Weißeichenfässer verwendet, ebenso zum Einsatz kommt der berühmte Lincoln County Process zum Einsatz.


Aussehen
Bernstein.


Nase
Eine sehr volle ausdrucksstarke Ryenase - gleich alles vorhanden, was sich ein Fan von Ryewhiskeys wünscht. Eine würzige Roggenbrotnote, die Frische von Eukalyptus und Minze und dies alles kombiniert mit viel Vanille und der weichen, typischen Nase von Jack Daniel’s. Der Lincoln County Process zeigt auch beim Rye seine volle Wirkung. Mit mehr Luft und Sauerstoff im Glas erscheinen rote Beeren, Kirschen, Muskatnuss, Gewürznelken - der Rye wird kräftiger, die Würzigkeit vom Roggen und des Eichenholzes der Fässer steigert sich. Alkohol ist sehr gut integriert. Die leichte Mentholnote, wie bei einer Zahnpasta mit Eukalyptusgeschmack, ist weniger dominant, als bei anderen Ryes. Die Nase ist gut austariert, der Roggen und die Vanille halten sich gut in Balance.


Geschmack
Sehr voll und angenehm im Mund. Der Roggenanteil ist sehr präsent. Starke Assoziation nach einem leckeren Minzbonbon, dass eine angenehme Frische erzeugt. Dazu aber auch eine deutlich erkennbare Süße sowie wieder viel Vanille. Kirschen mit Zimt und Muskatnuss werden mit einer aromatischen Eichenholznote begleitet. Beim zweiten Schluck hat sich der Gaumen an den Roggen gewöhnt, nun ist deutlich mehr Vanille und Kirsche im Vordergrund.


Abgang
Mit dem Vanille/Kirschkompott mit Zimt und Muskat geht es auch ins Finale. Die frische Mentholnote wird durch die Würzigkeit des Holzes vom Fass unterstützt und wechselt mit Fortdauer auf eine leicht bittere Seite. Begleitet von gerösteten, leicht gesalzenen Erdnüssen. Der Roggen mit seiner Würze und der frischen Eukalyptusnote bleiben länger im Mundraum präsent.


Fazit
Das ist ein sehr guter Rye! Die Ausgewogenheit zwischen ausreichend Roggenanteil mit all seinen Facetten zusammen mit dem vanilligen weichen Jack Daniel‘s Grundcharakter ist toll. Er ist sehr süffig und trotzdem nie eintönig. Die 45% sind stimmig und passen. Trotzdem, wenn es diesen Rye auch mit mehr Bumms gebe, der wäre eine Granate. Hm. es gibt tatsächlich in den USA eine Barrel Proof Abfüllung des Single Barrel Ryes. Aber dies ist eine Special Release und aktuell defacto nur in den USA zu bekommen, und auch dort nur sehr sporadisch. Liebe Jack Daniel's Verantwortlichen in Europa, könnten vielleicht ein paar Flaschen dieser begehrter Abfüllung den Weg nach Österreich finden? Ich opfere mich gerne...

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English Text-Version


The Jack Daniel's Single Barrel Barrel Strength with its powerful but at the same time so aromatic 64.5%, as well as my beginning passion for American Ryes this summer, led to the logical purchase of the Jack Daniel's Single Barrel Rye with 45%. Here, too, the classic single barrel bottle with its rather classic-looking design is used. A bordeaux red label decorates the bottle instead of the gold one. In the bar, these two bottles next to each other are a real eye-catcher - marketing victim, I know.

The rye expression was launched in 2017 as the third release in the single barrel series. And rye as the main ingredient of the Mashbill is not really often seen at the distillery from Tennessee. Speaking of Mashbill, the used mixture consists of 70% rye, 18% corn and 12% barley. The classic charred American white oak barrels are used for maturation, and the famous Lincoln County Process is also used.

Fotocredit: Jack Daniel's


Appearance
Amber colour.


Nose
A very full, expressive rye nose - everything a fan of rye whiskeys could wish for. A spicy rye bread note, the freshness of eucalyptus and mint and all this combined with lots of vanilla and the soft, typical Jack Daniel's nose. The Lincoln County Process also shows its full effect in the rye. With more air and oxygen in the glass, red berries, cherries, nutmeg and cloves appear - the rye becomes stronger, the spiciness of the rye and the oak from the barrels increases. The alcohol is very well integrated. The slight menthol note, as with eucalyptus-flavoured toothpaste, is less dominant than with other ryes. The nose is well balanced, the rye and vanilla are well balanced.


Flavour
Very full and pleasant in the mouth. The rye flavour is very present. Strong association with a delicious mint sweet that creates a pleasant freshness. But also a clearly recognisable sweetness and again a lot of vanilla. Cherries with cinnamon and nutmeg are accompanied by an aromatic oak note. On the second sip, the palate has become familiar with the rye and now there is significantly more vanilla and cherry in the foreground.


Finish
The vanilla/cherry compote with cinnamon and nutmeg also leads into the finish. The fresh menthol note is supported by the spiciness of the wood from the cask and changes to a slightly bitter side as the flavour continues. Accompanied by roasted, lightly salted peanuts. The rye with its spiciness and the fresh eucalyptus note remain present in the mouth for longer.


Conclusion
This is a very good rye! The balance between sufficient rye flavour with all its facets together with the vanilla-like soft Jack Daniel's basic character is great. It is very quaffable and yet never boring. The 45% is harmonious and fitting. Nevertheless, if this rye were also available with more oomph, it would be a grenade. Hm. There is actually a barrel proof bottling of the single barrel rye in the USA. But this is a special release and is currently de facto only available in the USA, and even there only very sporadically. Dear Jack Daniel's managers in Europe, could perhaps a few bottles of this desirable bottling find their way to Austria? I would gladly sacrifice myself...

Mittwoch, 14. Juni 2023

Zwei unterschiedliche Ryes aus den USA

 

English Text-Version

Roggenwhisky, also Rye ist bei uns Single Malt Geniesser immer noch eher ein Randthema. In den Vereinigten Staaten war Rye bis zur Prohibition sogar die vorrangige Whiskysorte, deutlich vor Bourbon. Die größten Brennereien entstanden in Pennsylvania. Nach der Prohibition geriet Rye-Whisk(e)y in den Staaten in Vergessenheit, der Bourbon übernahm das Zepter. 

Seit Anfang der 2000er Jahre gibt es eine Kehrtwende. Immer mehr Whiskeytrinker in den USA greifen wieder vermehrt zu Rye. Auch in der Barszene findet der würzige Rye wieder mehr Anklang. Neben Klein- und Mikrodestillerien sind vor allem die Big Player aus Kentucky wie Heaven Hill, Buffalo Trace, Jim Beam oder Wild Turkey und auch Jack Daniels aus Tennessee auf den Trend aufgesprungen. Aber auch in Pennsylvania entstanden neue Brennereien die wieder Ryes produzieren. 

Meine persönlichen Erfahrungen mit Roggenwhisky sind hauptsächlich von europäischen Destillerien aus Österreich, Deutschland, Finnland und Dänemark. Witzigerweise noch keine amerikanischen Ryes im Glas gehabt.

Diesen Umstand wollte ich ändern und habe mir zwei Ryes ausgesucht, die aus unterschiedlichen Bundesstaaten und unterschiedlich in ihrer Zusammensetzung der mash bill sind. Damit ein Rye, sich Rye nennen darf, muss in seiner mash bill laut Gesetz mindestens ein Anteil von 51% Roggen enthalten sein. Der Rest der Mischung besteht dann aus Mais und anderen Getreidearten wie Gerste oder Weizen, die Zusammensetzung ist den Brennereien und ihren Rezepturen überlassen.


Elijah Craig Straight Rye

Whiskybase

Ich habe mit dem Elijah Craig Straight Rye einen Vertreter von Heaven Hill aus Kentucky mit 51% Roggen in der mash bill. Der Rest teilt sich zu 35% Mais und 14% Gerste auf. Er ist wie sein Kollege der Small Batch Bourbon für die Einsteiger in das Metier gedacht. Der in den USA seit 2020 auf den Markt befindliche Whisky hat 47% Alkohol, ist ungefärbt und kostet in den USA rund $ 30,-. In Deutschland und Österreich ist er eher selten bis gar nicht zu bekommen.

Fotocredit: Heaven Hill/Elijah Craig


Aussehen
Bernstein oder heller Ahornsirup


Nase
Sehr weich und rund, ein wenig süßes Karamell zu Beginn. Dann kommt der Roggen langsam durch. Aber sehr „cremig“, die für mich bei Roggenwhiskys so typischen Mentholnoten sind nur angedeutet. Er hat schon Ähnlichkeiten mit seinem Verwandten, dem Small Batch, obwohl die mash bill doch anders ist. Etwas Kirsche und süßes Orangenkonzentrat sind die fruchtigen Komponenten im Geruch. Reichlich Vanille, etwas Veilchenduft und würziges Eichenholz von den Fässern komplettieren das Aromenspiel. Der Alkohol ist gut integriert, ein leichtes Ziehen in der Nase ist zu bemerken, aber zusammen mit der würzigen Roggen/Mentholnote passt es gut.


Geschmack
Ein sehr weicher und zugleich cremig süßer Antritt im Mund. Einen Bourbon überraschend nicht unähnlich. Die Karamellsüße wird von einer würzigen Pfeffernote abgelöst. Dann doch die klassischen Roggenanteile mit Eukalyptus, Menthol, einer netten Milchschokolade und dem würzigen Roggengetreide. Der Alkohol ist gut eingebunden und sorgt mit seinen 47% dafür, dass die Aromen auch ordentlich nach vorne transportiert werden. Aber es ist alles sehr homogen und nicht zu aufdringlich.


Abgang
Mentholbonbons mit Kirschgeschmack, dazu etwas Eichenholz. Die Roggenwürzigkeit ist weiter präsent. Gegen Ende hin wird es leicht adstringierend vorne beim Zahnfleisch. Insgesamt eher mittellanger Abgang.


Fazit
Wenn er noch ein wenig mehr von der typischen Eichenfracht hätte, würde er locker als Bourbon mit mehr Roggenanteil in der mash bill durchgehen. Die Ryenoten sind vorhanden aber nie wirklich stark im Vordergrund. Er ist ein ruhiger Vertreter der barley legal Ryes. Wer Bourbon mag, aber noch keinen Rye kennt und ausprobieren mag, wie er damit zurecht kommt, ist hier richtig. Die Nase ist sehr ausgewogen, im Geschmack überraschend süß und cremig.

Dad's Hat Port Finished Rye Whiskey

Whiskybase

Die 2010 gegründete Destillerie hat sich komplett auf die Produktion von Rye-Whiskeys auf Basis der traditionellen Rye-Rezeptur aus Pennsylvania verschrieben. Mit einem Roggenanteil in der mash bill von 85% gehören die Whiskeys zu den high-rye Vertretern. Der Rest der mash bill besteht aus Gerstenmalz, kein Mais. Das Besondere an diesem Rye ist sein drei monatiges Finish in Port Fässern. Der mit 47% abgefüllte Rye ist ungefärbt. 


Ausehen
Dunkles Kupfer


Nase
Der Roggen ist gleich in der Nase präsent, typische frische Minznote und frischer Brotteig. Aber auch fruchtig und süß - reife rote Beeren mit netter Fruchtsäure. Muskatnuss, Zimt und Gewürznelken - fast ein wenig weihnachtlich. Leicht kandierte Veilchenblüten mit einem Schuss Orangenmarmelade. Vom Alkohol wenig zu merken, die 47% sind gut integriert. Mit ein, zwei Tropfen Wasser verändert sich der Rye. Der Alkohol meldet sich durch ein leichtes Stechen in der Nase. Dafür geht die Minznote zurück und es erscheint eine schöne Vanille.


Geschmack
Ein schönes weiches, cremiges Mundgefühl. Ziemlich süßer Antritt auf der Zunge mit einem fruchtigen Einschlag, rote Beeren aber auch etwas Rosinen. Dann geht es schnell weiter zur würzigen Seite - mit ordentlich Zimt und Muskat. Auch der Menthol/Minzanteil ist im Mund gegenwärtig - zusammen mit der Frucht entsteht eine schöne Assoziation nach Minzkaugummi mit Kirsch/Beerengeschmack. Den Alkohol merkt man nun mehr, es ist deutlich trockener und adstringierend am Gaumen. Mit Wasserzugabe geht es geschmacklich in Richtung fruchtigsüßes Minzbonbon. Die Würzigkeit nimmt ab und die Süße und Frucht harmonieren mehr.


Abgang
Es bleibt würzig, bekommt nun auch mehr Unterstützung von der Eiche. Viel After Eight und auch Trauben gegen Ende. Das Finish ist eher kurz bis wohlwollend mittelkurz. Schnell weg und der Weg ist frei für den nächsten Schluck. Süffig!


Fazit
Ein sehr interessanter amerikanischer Rye. Das Portwein Finish gefällt mir, die Kombination Roggen und Weinfassreifung harmoniert für mich gut. Er ist speziell. Nicht für jeden Tag und jede Person. Man muss Rye mögen. Die Bewertungen auf whiskybase.com kann ich nicht nachvollziehen. Wer bei einem Rye wie diesem mit so hohem Roggenanteil Bourbonaromen erwartet, hat das falsche Getränk im Glas.


Gesamtfazit
Mein kurzer Ausflug zu den amerikanischen Ryes hat sich gelohnt und Neugierde geweckt. Der Elijah Craig ist der sanftere, rundere Vertreter. Wer Bourbons mag, wird mit ihm sehr gut klar kommen. Ein easy sipper für einen gemütlichen Abend. Der Dad's Hat mit Port Finish ist rassiger, hat aber zugleich auch eine sehr fruchtige Seite. Man muss aber den würzigen Rye-Einfluss mögen. Ich tendiere diesmal eher zum Kandidaten aus Pennsylvania. Und zwar aus dem Grund, dass ich, wenn ich mich für einen Rye entscheiden auch diese spezifischen Aromen schmecken will. Der Elijah Craig war gut aber mir zu nah am Bourbon. 

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English Text Version


Rye whisky is still rather a marginal topic for us single malt connoisseurs. In the United States, rye was even the predominant type of whisky until Prohibition, well ahead of bourbon. The largest distilleries were established in Pennsylvania. After Prohibition, rye whisk(e)y fell into oblivion in the States, and bourbon took over the sceptre. 

Since the beginning of the 2000s, there has been a turnaround. More and more whiskey drinkers in the USA are turning to rye again. The spicy rye is also finding more favour in the bar scene. In addition to small and micro distilleries, the big players from Kentucky such as Heaven Hill, Buffalo Trace, Jim Beam or Wild Turkey and also Jack Daniels from Tennessee have jumped on the trend. But also in Pennsylvania, new distilleries have emerged that are producing ryes again. 

My personal experiences with rye whisky are mainly from European distilleries in Austria, Germany, Finland and Denmark. Funnily enough, I haven't had any American ryes in my glass yet.

I wanted to change this circumstance and chose two ryes that are from different states and different in their composition of the mash bill. For a rye to be called rye, its mash bill must, by law, contain at least 51% rye. The rest of the mash bill then consists of corn and other grains such as barley or wheat, the composition is left to the distilleries and their recipes.


Elijah Craig Straight Rye

Whiskybase

I have with the Elijah Craig Straight Rye a representative of Heaven Hill from Kentucky with 51% rye in the mash bill. The rest is split 35% corn and 14% barley. Like its Small Batch Bourbon colleague, it is intended for newcomers to the profession. The whisky, which has been on the market in the USA since 2020, has 47% alcohol, is uncoloured and costs around $30 in the USA. In Germany and Austria, it is rare or even impossible to find.


Appearance
Amber or light maple syrup.


Nose
Very soft and round, a little sweet caramel at the beginning. Then the rye slowly comes through. But very "creamy", the menthol notes so typical of rye whiskies for me are only hinted at. It already has similarities with its relative, the Small Batch, although the mash bill is different. Some cherry and sweet orange concentrate are the fruity components in the aroma. Plenty of vanilla, some violet scent and spicy oak from the casks complete the aroma play. The alcohol is well integrated, a slight pulling in the nose is noticeable, but together with the spicy rye/menthol note it fits well.


Taste
A very smooth yet creamy sweet attack in the mouth. Surprisingly not unlike a bourbon. The caramel sweetness is replaced by a spicy pepper note. Then there are the classic rye notes with eucalyptus, menthol, a nice milk chocolate and the spicy rye cereal. The alcohol is well integrated and with its 47% ensures that the flavours are also neatly transported to the front. But it's all very homogeneous and not too intrusive.


Finish
Menthol candy with cherry flavours, plus some oak. The rye spiciness continues to be present. Towards the end it becomes slightly astringent at the front of the gums. Overall, rather medium-long finish.


Conclusion
If it had a little more of the typical oak freight, it would easily pass for a bourbon with more rye in the mash bill. The rye notes are present but never really strong in the foreground. It is a quiet representative of the barley legal ryes. If you like bourbon but don't know any rye yet and want to try it out and see how you get on with it, this is the one for you. The nose is very balanced, surprisingly sweet and creamy on the palate.


Dad's Hat Port Finished Rye Whiskey

Whiskybase


Founded in 2010, the distillery is completely dedicated to the production of Rye whiskeys based on the traditional Rye recipe from Pennsylvania. With a rye content of 85% in the mash bill, the whiskeys belong to the high-rye representatives. The rest of the mash bill consists of barley malt, no corn. The special thing about this rye is its three-month finish in port casks. Bottled at 47%, the rye is uncoloured.

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Dark copper


Nose
The rye is immediately present on the nose, typical fresh minty notes and fresh bread dough. But also fruity and sweet - ripe red berries with nice fruit acidity. Nutmeg, cinnamon and cloves - almost a little Christmasy. Lightly candied violet blossoms with a dash of orange marmalade. Little alcohol, the 47% is well integrated. With a drop or two of water, the rye changes. The alcohol makes itself known with a slight sting in the nose. Instead, the mint note recedes and a nice vanilla appears.


Taste
A nice soft, creamy mouthfeel. Quite a sweet start on the tongue with a fruity impact, red berries but also some sultanas. Then it quickly moves on to the spicy side - with decent cinnamon and nutmeg. The menthol/mint component is also present in the mouth - together with the fruit, there is a nice association of minty chewing gum with a cherry/berry flavour. You notice the alcohol more now, it's noticeably drier and astringent on the palate. With the addition of water, the taste goes in the direction of fruity-sweet mint candy. The spiciness decreases and the sweetness and fruit harmonise more.


Finish
It remains spicy, now also gets more support from the oak. Lots of After Eight and also grapes towards the end. The finish is rather short to benevolently medium-short. Quickly gone and the way is clear for the next sip. Quaffable!


Conclusion
A very interesting American Rye. I like the port finish, the combination of rye and wine barrel ageing harmonises well for me. It is special. Not for every day and every person. You have to like rye. I can't understand the ratings on whiskybase.com. If you expect bourbon flavours from a rye like this with such a high rye content, you have the wrong drink in your glass.


Overall conclusion
My brief foray into American ryes was worthwhile and aroused curiosity. The Elijah Craig is the smoother, rounder representative. Those who like bourbons will get on very well with it. An easy sipper for a cosy evening. The Dad's Hat with port finish is racier, but also has a very fruity side. But you have to like the spicy Rye influence. I'm leaning more towards the candidate from Pennsylvania this time. The reason is that when I choose a Rye, I also want to taste these specific flavours. The Elijah Craig was good but too close to bourbon for me.

Freitag, 7. Januar 2022

6 Rye-Whiskys aus Europa - Online Tasting

 

Am vorletzten Tag des Jahres 2021 lud whic.de zur Roggen-Revolution - einem Online-Tasting mit sechs Rye-Malts aus den drei jungen europäischen Destillerien Stork Club aus Deutschland, Stauning aus Dänemark und Kyrö aus Finnland.

Meine bisherige Erfahrung mit diesem Getreide in alkoholischer Form beruht neben dem einen oder anderen amerikanischen Rye Whiskey vor allem auf die RARE Selections Range der österreichischen Waldviertler Whisky J.H. Brennerei.

Umso gespannter war ich doch auf diese interessante Horizont-Erweiterung in Sachen Whisky bzw. Whiskey (bezeichnet Story club seine Ryes doch seine Tropfen als Whiskeys - der irischen bzw. amerikanischen Schreibweise).

Durch den kurzweiligen Abend führte als Überraschungshost die mehrfach ausgezeichnete Barkeeperin Chloé Merz.

Bastian Heuser (CEO & Mitgründer) rechts im Bild präsentierte die beiden Abfüllungen für Stork Club und stand Rede und Antwort bei den zahlreichen Fragen der Teilnehmer.


Stork Club Straight Rye Whiskey


Whiskybase
Den Anfang des Abends machte eine limitierte Abfüllung von Stork Club, der Straight Rye Whiskey. Dieser NAS Whiskey reifte für überwiegend 3 bis 4 Jahren in getoasteten Fässern aus amerikanischer Weißeiche und deutscher Napoleon-Eiche. Abgefüllt mit 45% Alkohol, ohne Farbstoff aber mit Kühlfiltration wird er von Stork Club als der ideale Partner für Cocktails und Longdrings bezeichnet. 

Fotocredit: whiskybase.com


Nase & Aussehen
Farbe ist ein sattes Gold. Gleich eine eichte Minznote in der Nase. Anfangs leicht blumig wird es schnell ordentlich würzig - Waldkräuter. Dann auch Milchschokolade und Vanille. Alkohol gut eingebunden, keine metallischen Fehlnoten der Jugend erkennbar. Alles in allem eine leichte harmonische Nase. Mit Wasser kommt die Vanille und Süße deutlicher zum Vorschein. Die Minze geht in den Hintergrund.


Geschmack & Abgang
Guter Antritt im Mund. Sofort Minze und Schokolade, schöner After Eight Effekt. Pfeffer und Ingwer, ordentliche Würzigkeit, aber auch etwas Karamellsüße. Kaum Bitterstoffe durch das Eichenfass, eher kurzer Abgang. Ein paar Tropfen Wasser runden ihn ab, die Würzigkeit geht zurück und wie schon in der Nase nimmt die Vanille Fahrt auf.


Fazit
Ordentlicher Einstieg in den Abend. Ein Roggenwhiskey, dem man seine Getreidebasis sofort anmerkt, jedoch nicht zu kräftig und würzig ist. Kann mir gut vorstellen, dass er sich in den angesprochenen Longdrinks und Cocktails gut macht.


Stork Club Full Proof Whiskey


Whiskybase
Die 2. Abfüllung von Stork Club in diesem Tasting war der Full Poof Whiskey. Hier kamen neben den obligatorischen Weißeichenfässern aus Amerika und der Napoleon Eiche aus Deutschland auch Ex-Sherry- und Ex-Weißwein-Fässer zum Einsatz. Abefüllt mit stattlichen 55% Alkohol (keine Fassstärke!) ohne Farbstoff und Kühlfiltration. 

Fotocredit: whiskybase.com

Nase & Aussehen
In der Farbe ziemlich ident mit mit dem Straight Rye kann man hier von einem Goldton sprechen. Das ist jetzt mal ein anderes Kaliber! Sofort Assoziationen von Süßwein, sehr traubenlastig. Dunkle Früchte wie rote Beeren und getrocknete Feigen. Man merkt deutlich den Einfluss der Sherry- und Weißweinfässer. Im Geruch anfänglich wenig Roggen - kaum der für mich bei Roggenwhiskys typische frische Minzeffekt. Etwas Vanille. Mit etwas Wasserzugabe wird es noch sherryfruchtintensiver, süßer und runder.


Geschmack & Abgang
Sehr cremiges und kräftiges Mundgefühlt. Zuerst eine schöne Süße und Rosinenaromen - wirkt auf den ersten Eindruck wie ein Cognac. Die 55% Alkohol schieben schön die Geschmacksaromen voran. Nun kommt auch die frische Minze und die Schokolade gegen Ende. Langes Finish. Mit Wasser wird er zwar runder und die Rosinen steigern nochmals ihre Kraft, jedoch zeigt sich auch die Minze deutlicher. 


Fazit
Keine Ahnung was das für Sherry und Weißwein-Fässer waren, aber die haben exzellente Arbeit geleistet. Auch die Entscheidung mit deutlich höherem Alkoholgehalt abzufüllen hat sich rentiert. Ein wirklich sehr guter Rye Whiskey, der zu Recht unter anderem 2019 zum World's Best Rye Whisky gekürt wurde. Nicht nur für Rye-Fans eine Kaufempfehlung.



Alex Munch (CMO und Co-Founder) führte charmant durch den Stauning Teil des Tastings. Sogar eine kurze virtuelle Brennereiführung war inklusive!


Stauning Rye


Whiskybase
Der nächste Kandidat im Tasting kam von der 2005 gegründete dännische Stauning Brennerei. Stauning Rye ist die erste Abfüllung der jungen Brennerei und ist eine Kombination aus Roggen (ca. 70%) und Gerste (ca. 30%). Zwischen 3,5 und 4 Jahre reift der Rye in stark ausgebrannten amerikanischen Virgin Oak Fässern. Der im Post-Still-Verfahren 2fach gebrannte Malt wird mit 48% Alkohol abgefüllt.


Nase & Aussehen
Im Glas schimmert ein dunkles Gold. Schöne intensive Roggenbrot-Assoziation mit Menthol, Kräuter und Waldbodenaromen. Rote Beeren und leichte süße Noten bringen ordentliche Fruchtigkeit. Auch Vanille ist präsent. Der Alkohol ist gut eingebunden, kein Stechen in der Nase zu bemerken. Insgesamt eine weiche und harmonische Nase.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack & Abgang
Sehr angenehmes und weiches Mundgefühl. Der Malt beginnt mit einer Honigsüße, die sich dann in eine intensive Würzigkeit vom Roggen wandelt. Mittellanges Finish mit schöner Minze bis zum Ende - zusammen mit den Gewürzen einem Hustenzuckerl nicht unähnlich. 


Fazit
Ein schöner würziger Rye mit intensiven Getreide- und Fruchtaromen. So stellt man sich einen Rye vor. Lecker und süffig. Sehr harmonisch und ausgewogen. 

Stauning El Clásico


Whiskybase
Eine sehr spannende Kombination haben wir beim zweiten Vertreter von Stauning. Denn hier kam zusätzlich zu den amerikanischen Weißeichenfässern auch ein Finish von ca. 12 Monaten in spanischen Wermuthfässern zum Einsatz. Mit 45,7% einen etwas geringeren Alkoholgehalt als beim klassischen Rye, wurde auch hier im Pot-Still-Verfahren gebrannt. 


Nase & Aussehen
Ein ansprechendes dunkles Bernstein ist im Glas zu sehen. Das Finish im Wermuthfass ist sofort präsent. Neben einer leichten Karamellsüße ist auch sofort eine dem Wermuth zusprechende Bitterkeit erkennbar, die auch an Kräuterlikör erinnert. Interessant. Dahinter erkennt man den Roggen mit Getreidenoten und der Minze und Schokolade sowie Zimt und Muskat. 

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack & Abgang
Ein volles Mundgefühl, das Finish zeigt auch hier vollen Einatz. Neben einer deutlichen süßen Note sind die Wermutharomen, hier vor allem die kräuterige Bitterkeit, die ganze Zeit bis zum Finish präsent. Aber auch eine gewisse Fruchtigkeit mit Assoziationen nach Himbeer Gummibärchen und Traubenkernen ist da. Der Roggen zeigt sich mit einer Würzigkeit, die einen guten Kontrapunkt zum Wermuth bringt.


Fazit
Ein durchaus gelungenes Experiment. Der grundsätzlich würzige und getreidebetonte Roggen bekommt durch das Wermuthfinish eine interessante fruchtigbittere Komponente. Der Malt ist sicherlich nicht für jeden Tag und jeden Geschmack. Er verlangt nach Zeit und Konzentration. Sehr interessant und gut.


Kalle Valkonen (Head Distiller & Co-Founder) und Mikko Koskinen (Head of German market & Co-Founder) führten durch die sehr launige und unterhaltsame Präsentation. 


Kyrö Malt Rye Whisky


Whiskybase
Die dritte Brennerei im Bunde ist mit Kyrö die allererste finnische Whisky Distillery. Wie kann es anders sein wurde die Idee zur Gründung einer Whisky Brennerei während eines Saunabesuchs geboren. 2012 war es dann soweit. Die erste Abfüllung ist der Malt Rye Whisky, bestehend aus 100% finnischem Roggen. Der im Pot-Still-Verfahren gebrannte Whisky wurde ohne Kühlfiltration und ohne Farbstoff mit 47,2% in die Flasche gefüllt. Für die Reifung des 3 bis 4,5 Jahre alten Malts kammen amerikanische Virigin Oak- sowie Oloroso- und Ex-Bourbon-Fässer zum Einsatz.

Fotocredit: whiskybase.com


Nase & Aussehen
Die Farbe ist golden. Erster Eindruck ist viel Frucht und Vanille in Kombination mit Assoziationen nach Blumenwiese - blumig und grasig. Frisches Menthol und Kräuter sind am Start, es geht in Richtung Hustensaft. Dann würziges Roggenbrot und leicht süße Aromen wie Karamell. 


Geschmack & Abgang
Cremiges Mundgefüllt und kräftiger Antritt. Zuerst süß karamellig und würzig zugleich. Der Roggen ist gleich präsent. Auch etwas pfeffrig. Die Minze ist im Hintergrund. Die Kräuter aus der Nase sind auch im Geschmack zugegen. Schön wärmend zieht der Malt bis zum Magen hinab. Der Alkohol ist gut eingebunden. Mit etwas Wasser wird es fruchtiger und süßer.


Fazit
Der finnische Vertreter braucht sich aber überhaupt nicht verstecken. Sehr schöner Rye Whisky - sehr eigenständiger Charakter. Tolle süße Fruchtaromen kombiniert mit intensiven Roggennoten. 


Kyrö Woodsmoke Whisky


Whiskybase
Beim letzten Sample handelte es sich um eine streng limitierte Pre-Release - dem Kyrö Woodsmoke Whisky. Bei dieser Abfüllung wurde der Roggen (zur Hälfte gemelzt und ungemelzt) in einer 100 Jahre alten "Riihi"-Scheune über Erlenholz geräuchert. Neben Virgin Oak und Ex-Bourbon Casks wurde für das Vatting auch ehemalige Rotweinfässer verwendet. Abgefüllt wurde der Malt ohne Kältefiltration und ungefärbt mit 47,2% Alkohol.

Fotocredit: Kyrö Distillery


Nase & Aussehen
Im Glas zeigt sich ein dunkles Gold. In der Nase gleich eine interessante schmutzige, etwas an Motoröl erinnernde, Rauchnote. Nicht mit einem Malt aus Schottland vergleichbar. Mit ein paar Minuten Zeit im Glas ändert sich der Rauch in Richtung Räucherspeck, der über einem Lagerfeuer aus nassen Nadelhölzern bruzelt. Im Hintergrund sind Kräuter und die Frische vom Roggen erkennbar. 


Geschmack & Abgang
Ein semig, cremiges Mundgefühl. Starker Antritt. Sofort diese besondere Rauchnote, die sehr eigen ist, präsent. Dazu gesellt sich eine deutliche karamellige Süße und Waldkräuteraromen. Am Lagerfeuer getoastetes Roggenbrot mit Vanillezucker. Alkohol ist gut eingebunden.


Fazit
Interessant, gewöhnungsbedürfig aber nicht schlecht. Die Rauch/Räucherkombination ist besonders. Diese eher schmutzigen Raucharomen sind mal was anderes. Nicht für jeden Tag. Aber ab und zu kann man sich schon mal auf so ein Experiment einlassen.  

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On the penultimate day of 2021, whic.com invited to the Rye Revolution - an online tasting with six rye malts from the three young European distilleries Stork Club from Germany, Stauning from Denmark and Kyrö from Finland.

My previous experience with this grain in alcoholic form is based on the RARE Selections range of the Austrian Waldviertler Whisky J.H. distillery, in addition to one or two American rye whiskeys. 


I was all the more excited about this interesting expansion of my horizons in the field of whisky and whiskey (Story club calls its ryes whiskeys - the Irish and American spelling).

The surprise host of the entertaining evening was Chloé Merz, the award-winning barkeeper.


Stork Club Straight Rye Whiskey


The evening began with a limited bottling of Stork Club Straight Rye Whiskey. This NAS whiskey matured for mainly 3 to 4 years in toasted barrels made of American white oak and German Napoleon oak. Bottled at 45% alcohol, without colouring but with chill filtration, it is described by Stork Club as the ideal partner for cocktails and long drinks. 


Nose & Appearance
Colour is a rich gold. Immediately a dense mint note in the nose. Slightly floral at first, it quickly becomes properly spicy - forest herbs. Then also milk chocolate and vanilla. Alcohol well integrated, no metallic off-notes of youth recognisable. All in all, a light, harmonious nose. With water, the vanilla and sweetness become more apparent. The mint fades into the background.


Taste & Finish
Good attack in the mouth. Immediately mint and chocolate, nice after eight effect. Pepper and ginger, decent spiciness, but also some caramel sweetness. Hardly any bitterness due to the oak barrel, rather short finish. A few drops of water round it off, the spiciness recedes and, as already in the nose, the vanilla picks up speed.


Conclusion
A decent start to the evening. A rye whiskey that you immediately notice its grain base, but is not too strong and spicy. I can well imagine it doing well in the long drinks and cocktails mentioned.


Stork Club Full Proof Whiskey


The 2nd bottling from Stork Club in this tasting was the Full Poof Whiskey. In addition to the obligatory white oak barrels from America and Napoleon oak from Germany, ex-sherry and ex-white wine barrels were also used. Filled with an impressive 55% alcohol (no cask strength!) without dye and chill filtration. 


Nose & Appearance
The colour is pretty much the same as the Straight Rye, with a golden hue. Now that's a different calibre! Immediate associations of sweet wine, very grape-heavy. Dark fruits like red berries and dried figs. The influence of the sherry and white wine barrels is clearly noticeable. Initially little rye in the nose - hardly the fresh mint effect typical for me with rye whiskies. A little vanilla. With a little water added, it becomes even more sherry fruit intensive, sweeter and rounder.


Taste & Finish
Very creamy and powerful mouthfeel. Nice sweetness and sultana flavours at first - seems like a cognac at first impression. The 55% alcohol pushes the flavours along nicely. Now comes the fresh mint and chocolate towards the end. Long finish. With water it becomes rounder and the sultanas increase their power once more, but the mint also shows itself more clearly. 


Conclusion
No idea what kind of sherry and white wine casks these were, but they did an excellent job. The decision to bottle with a significantly higher alcohol content has also paid off. A really very good rye whiskey, which was rightly named World's Best Rye Whisky in 2019. Not only for Rye fans a purchase recommendation.

Stauning Rye


The next candidate in the tasting came from the Danish distillery Stauning, founded in 2005. Stauning Rye is the first bottling of the young distillery and is a combination of rye (approx. 70%) and barley (approx. 30%). The Rye matures between 3.5 and 4 years in heavily burnt American Virgin Oak barrels. The malt, which is double distilled in the post-still process, is bottled at 48% alcohol.


Nose & Appearance
A dark gold shimmers in the glass. Nice intense rye bread association with menthol, herbal and forest floor aromas. Red berries and light sweet notes bring decent fruitiness. Vanilla is also present. The alcohol is well integrated, no stinging in the nose to be noticed. Overall a soft and harmonious nose.


Taste & Finish
Very pleasant and soft mouthfeel. The malt starts with a honey sweetness which then turns into an intense spiciness from the rye. Medium length finish with nice mint to the end - not unlike a cough sugar along with the spices. 


Conclusion
A nice spicy rye with intense grain and fruit flavours. This is how you imagine a rye to be. Delicious and drinkable. Very harmonious and balanced. 


Stauning El Clásico


The second representative of Stauning is a very exciting combination. In addition to the American white oak barrels, a finish of about 12 months in Spanish vermouth barrels was used. With 45.7%, a somewhat lower alcohol content than the classic rye, it was also distilled in the pot still process. 


Nose & Appearance
An appealing dark amber is visible in the glass. The finish in the vermouth cask is immediately present. In addition to a slight caramel sweetness, a bitterness attributable to wormwood is also immediately recognisable, which is also reminiscent of herbal liqueur. Interesting. Behind this, one recognises the rye with cereal notes and the mint and chocolate as well as cinnamon and nutmeg. 


Taste & Finish
A full mouthfeel, the finish shows full engagement here as well. Besides a distinct sweet note, the wormwood aromas, here especially the herbal bitterness, are present the whole time until the finish. But there is also a certain fruitiness with associations of raspberry gummy bears and grape seeds. The rye shows itself with a spiciness that provides a good counterpoint to the wormwood.


Conclusion
A thoroughly successful experiment. The basically spicy and cereal-accentuated rye gets an interesting fruity-bitter component from the vermouth finish. The malt is certainly not for every day and every taste. It demands time and concentration. Very interesting and good.


Kyrö Malt Rye Whisky


The third distillery in the group is Kyrö, the very first Finnish whisky distillery. How could it be otherwise, the idea of founding a whisky distillery was born during a visit to the sauna. In 2012, the time had come. The first bottling is the Malt Rye Whisky, made from 100% Finnish rye. The whisky, distilled in the pot still process, was bottled at 47.2% without chill filtration and without colouring. For the maturation of the 3 to 4.5 year old malt, American virgin oak as well as oloroso and ex-bourbon casks were used.


Nose & Appearance
The colour is golden. First impression is lots of fruit and vanilla in combination with associations of flower meadow - floral and grassy. Fresh menthol and herbs are at the start, it goes in the direction of cough syrup. Then spicy rye bread and slightly sweet flavours like caramel. 


Taste & Finish
Creamy mouth-filling and strong attack. At first sweet caramel and spicy at the same time. The rye is immediately present. Also a little peppery. The mint is in the background. The herbs from the nose are also present in the taste. Nice and warming, the malt goes down to the stomach. The alcohol is well integrated. With a little water it becomes fruitier and sweeter.


Conclusion
The Finnish representative does not need to hide at all. Very nice rye whisky - very independent character. Great sweet fruit flavours combined with intense rye notes. 


Kyrö Woodsmoke Whisky


The last sample was a strictly limited pre-release - the Kyrö Woodsmoke Whisky. For this bottling, the rye (half milked and half unmelted) was smoked over alder wood in a 100-year-old "riihi" barn. In addition to Virgin Oak and ex-Bourbon casks, former red wine casks were also used for vatting. The malt was bottled without cold filtration and uncoloured with 47.2% alcohol.


Nose & Appearance
A dark gold colour appears in the glass. The nose has an interesting dirty smoky note, somewhat reminiscent of motor oil. Not comparable to a malt from Scotland. With a few minutes in the glass, the smoke changes to smoked bacon roasting over a campfire of wet conifers. Herbs and the freshness of rye are discernible in the background. 


Taste & Finish
A semi-sweet, creamy mouthfeel. Strong attack. Immediately this particular smoky note, which is very peculiar, is present. This is joined by a distinct caramel sweetness and forest herb flavours. Campfire toasted rye bread with vanilla sugar. Alcohol is well integrated.


Conclusion
Interesting, takes some getting used to but not bad. The smoke/smoked combination is special. These rather dirty smoke flavours are something different. Not for every day. But every now and then you can get involved in such an experiment.  

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