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Bislang lag der Alkoholgehalt in der Sherry Oak Reihe von Macallan lediglich zwischen 40 und maximal 43 % Vol. Alc. Das ist schon eine recht starke Verdünnung und spricht damit die Zielgruppe der Whisky-Enthusiasten und -Nerds nur noch bedingt an. Wer bislang einen Macallan mit höherem Alkoholgehalt wollte, griff, sofern es eine Abfüllung direkt von der Brennerei sein sollte, zu einer der Classic-Cut-Editionen oder gleich zu einer Abfüllung eines unabhängigen Bottlers wie Signatory Vintage, die preislich oft deutlich unter den Originalabfüllungen der Brennerei liegen.
Ende 2025 hat Macallan mit der Veröffentlichung des 12y 110 Proof innerhalb der Sherry Oak Reihe darauf reagiert. 110 Proof entsprechen stattlichen 55 % Vol. Ansonsten sind die Eckdaten weitgehend identisch mit denen seines gleichaltrigen Kollegen mit 40 % Vol. Alc. Gereift wurde er in überwiegend europäischen Sherryfässern. Die Formulierung „überwiegend“ lässt dabei vermuten, dass auch ein gewisser Anteil an Fässern aus amerikanischer Weißeiche zum Einsatz kam. Hinsichtlich der Farbgebung wird in den offiziellen Quellen natürliche Farbe angegeben. Beim Einsatz der Kühlfiltration hält man sich hingegen mit eindeutigen Aussagen zurück.
Der Preis liegt, sofern man ihn aktuell überhaupt bekommt, zwischen € 130,- und € 150,-. Für einen zwölfjährigen Malt ist das selbst bei einem erhöhten Alkoholgehalt durchaus happig, bewegt sich allerdings im Rahmen der Classic-Cut-Serie.
Aussehen
Sehr dunkles Bernstein mit einem leichten Stich ins Mahagoni.
Nase
Die Sherryreifung kann der Whisky im unverdünnten Zustand nicht verleugnen. Sofort erkenne ich Rosinen, dunkle getrocknete Heidelbeeren, Himbeeren und Erdbeeren. Dazu gesellen sich getrocknete Datteln und Feigen sowie Pflaumenmus, die dem Geruch einen cremigen, satten Charakter verleihen. Nussschokolade mit einem etwas höheren Kakaoanteil als Milchschokolade, dazu Karamell und Zimt, sind ebenfalls mit von der olfaktorischen Partie.
Vom ersten Eindruck sollte man sich allerdings nicht blenden lassen und vorschnell auf nasse Fässer tippen. Das ist keineswegs der Fall. Der Sherryeinfluss ist zwar kräftig und intensiv, wirkt aber nicht so oberflächlich, wie man es von manchen entsprechend geprägten Abfüllungen kennt.
Ein frischer Hauch von Minze zeugt unter anderem vom höheren Alkoholgehalt, der beim Riechen durchaus präsent ist. Er wirkt dabei nie störend oder übertrieben, lässt sich aber auch nicht übersehen.
Ich erkenne durchaus Ähnlichkeiten mit diversen Classic-Cut-Versionen oder auch höherprozentigen (M)-Abfüllungen von Signatory Vintage.
Mit etwas Wasserzugabe geht der Alkoholeinfluss in der Nase erwartungsgemäß zurück. Dafür treten nun verstärkt malzige Noten wie Kuchengebäck in den Vordergrund, begleitet von Karamell und nun eher Milchschokolade. Die fruchtigen Sherryaromen verlieren hingegen etwas an Intensität. Nicht schlecht, aber unverdünnt gefällt mir die Nase besser.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Überraschend süß und cremig eröffnet der 110 Proof am Gaumen! Begleitet wird diese Karamellsüße von einer nicht allzu lang anhaltenden Schärfe, die an schwarzen Pfeffer oder auch Chilischoten erinnert. Diese würzig-pikante Note scheint Teil der Brennerei-DNA zu sein, denn sie ist mir auch bei anderen Macallan-Abfüllungen begegnet, sogar beim 12y Sherry Oak mit 43 % Vol. (der Abfüllung für den US-amerikanischen Markt). Oder sie ist Ausdruck eines intensiven Holzeinflusses.
Dahinter zeigen sich sofort typische Sherryaromen wie Datteln, Feigen, cremiges Pflaumenmus, Erdbeermarmelade, dunkle Schokolade und geröstete Haselnüsse.
Ab dem Mittelteil kommen auch herbere Geschmackseindrücke hinzu. Zimt, Muskat, Tabak, Lederpolitur und eine ausgeprägte Holzwürze bilden einen interessanten Gegenpol zur anfänglichen Süße. Der Alkohol ist nach seinem anfänglichen Stelldichein kaum noch präsent. Auch die in der Nase wahrgenommene Minze lässt sich am Gaumen nicht mehr erahnen.
Mit etwas Wasserzugabe wird er richtig süffig, geradezu gefährlich süffig. Die Pfeffernote bleibt weiterhin vorhanden, wenn auch etwas abgeschwächt. Auch die anfänglich so intensive Süße wird abgemildert. Insgesamt wirkt der Whisky dadurch runder, allerdings auch eindimensionaler.
Abgang
Neben würzigen, leicht bitteren Eichenholznoten bleiben auch Muskat, Tabak, Lederpolitur und Pflaumenmus noch länger in Erinnerung. Mit zunehmender Dauer entwickelt das Holz eine ältere, leicht muffige Note, allerdings im durchaus positiven Sinne. Keine Pappe!
Fazit
Wir haben hier einen intensiven und kräftigen Sherry-Whisky von Macallan, der natürlich auch vom höheren Alkoholgehalt profitiert. Die Aromen und Geschmackseindrücke sind dichter und tiefgründiger als bei den sonstigen niedrigprozentigen Abfüllungen der Brennerei. Dennoch erkennt man sowohl in der Nase als auch am Gaumen eindeutig, dass man es hier mit einem Macallan aus der Sherry Oak Reihe zu tun hat.
Auf den Einsatz von Wasser kann man meiner Meinung nach getrost verzichten. Erstens ist er auch unverdünnt sehr gut trinkbar und zweitens funktioniert er mit Wasser nicht mehr ganz so gut. Er wird dadurch zwar runder und süffiger, aber eben auch langweiliger und flacher.
Leider lässt sich der Preis nicht vollständig ausblenden. Vor allem dann nicht, wenn man von unabhängigen Abfüllern mindestens vergleichbare Qualität zu deutlich günstigeren Preisen bekommt.
Aber einmal vom Preis abgesehen, ist das ein richtiger Schritt von Macallan, sich innerhalb der Core Range von den bislang üblichen, für meinen Geschmack zu Tode verdünnten 40 % Vol. zu verabschieden.


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