Mittwoch, 1. Juli 2026

Ben Nevis 10y 2014 (Wilson & Morgan)

 

Whiskybase

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Wir erleben gerade die längste und intensivste Hitzewelle mit teilweise über 40 °C für einen Juni seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Da ist der Konsum von Alkohol – insbesondere hochprozentiger Spirituosen – eher nicht empfehlenswert. Und wenn doch, dann greift man meist lieber zu kühlen Mixgetränken mit Eiswürfeln wie Aperol Spritz, Limoncello Spritz oder einem Gin Tonic.

Ein schwerer, intensiver Single Malt in Fassstärke aus einer Port- oder Sherryvollreifung passt dazu zunächst nicht ins Bild – und oft auch nicht auf den Gaumen. Der Alkohol wirkt schärfer, die Aromen erscheinen konzentrierter, vor allem die Eichenwürze tritt stärker hervor, und irgendwie will das Gesamtbild einfach nicht so recht funktionieren.

Das kann ich zu 100 % nachvollziehen. Trotzdem habe ich auch im Sommer immer wieder Lust auf einen Whisky – sofern es nicht gerade ein esterreicher Jamaica Rum oder ein Vertreter einer anderen Karibikinsel wird. Doch auf welche Art von Whisky habe ich bei sommerlichen Temperaturen eigentlich Lust?

Wenn ich von Whisky spreche, schließe ich dabei auch amerikanische Bourbons und Ryes mit bis zu etwa 50 % vol. ein. Die funktionieren für mich selbst an heißen Tagen hervorragend – auch pur und ohne Eis.

Bei Single Malts greife ich dagegen bevorzugt zu Abfüllungen aus Ex-Bourbonfässern oder solchen mit Weißweinreifung beziehungsweise entsprechendem Finish. Auch klassische Refill Hogsheads passen für mich wunderbar in diese Jahreszeit. Die Kombination aus Vanille, hellen und tropischen Früchten, Kokos sowie einer angenehmen Süße macht für mich einen echten Sommer-Whisky aus.

Mit diesem zehnjährigen Ben Nevis aus dem Jahr 2014 vom italienischen unabhängigen Abfüller Wilson & Morgan habe ich genau eine solche Abfüllung erwischt. Nach der Grundreifung in zwei Ex-Bourbonfässern erhielt der Whisky ein ungewöhnlich langes, 64 Monate dauerndes Finish – jeweils zur Hälfte in einem Second-Fill-PX- und einem Second-Fill-Oloroso-Sherryfass. Das Ergebnis sind 777 Flaschen mit angenehmen 48 % vol.


Aussehen
Helles Orangegold.


Nase
Bei den aktuellen Rekordtemperaturen muss selbst ein Whisky mit 48 % vol. zunächst etwas Luft bekommen, damit der Alkohol nicht zu dominant wirkt.

Die zusätzliche Ruhephase tut ihm ausgesprochen gut. Der Alkohol rückt merklich in den Hintergrund und macht Platz für die typisch kernigen Frühstücksmüsli-Noten von Ben Nevis. Dazu gesellen sich reife Zitrusfrüchte, Marillen und Pfirsiche. Mit zunehmender Zeit im Glas entwickelt sich der Duft immer stärker in Richtung matschiger, süßer gelber Trauben – fast so, als würden sie bereits für die Weinbereitung eingemaischt.

Den Einfluss der Sherryfässer erkennt man vor allem an nussigen Noten sowie einer cremigen Textur, die entfernt an weiche Feigen und Datteln erinnert.

Selbst bei dieser Hitze funktioniert der Ben Nevis in der Nase erstaunlich gut.

Fotocredit: Wilson & Morgan


Geschmack
Typischer Ben-Nevis-Stil auf Bourbonfassbasis – lecker.

Der Auftakt ist cremig und weich, begleitet von einer honigartigen Süße. Kurz darauf folgen Marillen- und Pfirsichröster mit Vanillesauce. Die bereits aus der Nase bekannten Cerealien sorgen erneut für den kernigen Brennereicharakter.

Hinzu kommen dezente mineralische Noten. Pekannüsse und Haselnüsse verbinden sich mit Feigen, Datteln und einer feinen Tabaknote, die klar auf die Sherryfässer zurückzuführen ist. Insgesamt bleibt das Aromenbild jedoch deutlich auf der helleren, fruchtigeren Seite.

Der Alkohol ist – vermutlich auch der sommerlichen Wärme geschuldet – ab der Mitte bis ins Finale gut wahrnehmbar, wirkt aber niemals störend oder unausgewogen.


Abgang
Leichte Tannine sorgen für zartbittere Eindrücke. Die Sherrynoten treten im Finale am deutlichsten hervor und werden von süßen, weichen Rosinen begleitet. Der Abgang fällt mittellang aus, wobei insbesondere die Eiche und die Rosinen noch längere Zeit am Gaumen nachklingen.


Fazit
Auch bei hochsommerlichen Temperaturen lässt sich dieser Ben Nevis ausgesprochen gut trinken. Die Kombination aus der Ex-Bourbon-Grundreifung und dem langen Finish in zwei Second-Fill-Sherryfässern gefällt mir ausgesprochen gut. Trotz der ungewöhnlich langen Nachreifung bleibt der typische Ben-Nevis-Charakter jederzeit erhalten. Die Sherryfässer ergänzen ihn um nussige und dunkelfruchtige Facetten, ohne den Brennereicharakter zu überdecken.

Kurzum: ein ausgesprochen gelungener und sehr trinkbarer zehnjähriger Ben Nevis aus der Brennerei bei Fort William.

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