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Die Aberargie Distillery begann im Herbst 2017 mit der Produktion. Die nur wenige Kilometer südlich der Grenze zwischen Highlands und Lowlands gelegene Anlage ist technisch gesehen eine Lowland-Brennerei und wurde von der Morrison-Familie gegründet.
Die Familiengeschichte der Morrisons ist seit Generationen eng mit dem schottischen Single Malt verknüpft. So gehörten im Laufe der Zeit Brennereien wie Bowmore, Auchentoshan und Glen Garioch zum Familienunternehmen. Nach dem Verkauf im Jahr 1994 an Suntory gründete die Familie gemeinsam mit den Mackays den unabhängigen Abfüller Morrison Scotch Whisky Distillers. Bekannte Marken daraus sind unter anderem Mac-Talla, Old Perth und Càrn Mòr.
Es braucht schon einen langen Atem und ein gut gefülltes Portemonnaie, wenn man für ein Inaugural Release – also die erste Abfüllung einer Brennerei – über acht Jahre warten kann. Die Farm-Brennerei nutzt rund 120 Hektar umliegender Felder, auf denen die beiden Gerstensorten Golden Promise und Laureate angebaut werden, die vollständig für die eigene Whiskyproduktion verwendet werden.
Vor allem die erstgenannte Sorte ist eng mit der bewusst gewählten Philosophie der Brennerei verknüpft: Die Gerste soll der zentrale Geschmackstreiber sein und nicht die verwendeten Fässer. Diese sollen lediglich die Getreidearomen unterstützen und den Brand nicht dominieren. Laut Brennerei verleiht die Golden-Promise-Gerste dem Rohbrand eine ölige Textur sowie mehr Malzigkeit, Tiefe und Körper.
Nun ist im März 2026 mit dem Inaugural Release die allererste Abfüllung von Aberargie erschienen. Die Maische besteht aus 52 % Golden Promise und 48 % Laureate. Für die Reifung wurden zu gleichen Teilen First-Fill-Bourbon- und First-Fill-Sherryfässer verwendet. Die Alkoholstärke beträgt 48,2 %.
Das Alter liegt bei mindestens acht Jahren. Diese Information steht zwar weder auf dem Flaschenlabel noch auf der Umverpackung, wurde jedoch in der Pressemitteilung der Brennerei sowie vom Importeur genannt. Wenn es nach Ralfy geht, gilt allerdings nur das, was tatsächlich auf dem Etikett steht.
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| Die Aberargie Distillery liegt zwar geografisch in den Lowlands, produziert jedoch stilistisch einen Highland Malt. Fotocredit: www.aberargie.com; Morrison Scotch Whisky Distillers |
Aussehen
Helles Bernstein mit sattem Orangeton
Nase
Es ist eine sehr volle, ausdrucksstarke Nase. Geruchstechnisch ist hier bereits einiges geboten – eine positive Überraschung für eine erste Abfüllung einer so jungen Brennerei.
Zuallererst begegnet mir auf meiner olfaktorischen Reise ein mit Rosinen, Aprikosen und weichem Nougat angereichertes cremiges Porridge. Vielleicht liegt es an der Kombination der beiden Gerstensorten, aber die Getreidearomen sind für mich im Geruch bereits sehr prägend – allerdings auf eine interessante Weise.
Knackig-kerniges Knuspermüsli auf der einen Seite und weicher, cremiger Haferflockenbrei auf der anderen sorgen für eine Kombination, die Spaß macht. Milchschokolade mit Nüssen und eingekochtes Pflaumenkompott zeugen vom Einfluss der Sherryfässer. Die Bourbonfässer bringen sich vor allem durch eine Vanillenote ein.
Die gewählte Alkoholstärke funktioniert perfekt – kein Stechen oder unangenehme Alkoholnoten. Überhaupt sind in der Nase keine hervorspringenden jugendlichen Merkmale zu erkennen. Im Gegenteil: Der Geruch wirkt fein abgestimmt, gesetzt und harmonisch.
Geschmack
Erster Schluck: Cremiger Vanillepudding trifft auf Aprikosenmarmelade, geschmolzene Milchschokolade mit gerösteten Haselnüssen und crunchy Knuspermüsli mit Rosinen.
Ein leichtes Kribbeln auf der Zungenspitze und am Zahnfleisch, begleitet von einem anregenden Speichelfluss und einer dezenten pfeffrigen Schärfe, folgt den ersten Geschmackseindrücken. Danach zeigen sich Vanille, getrocknete Datteln und eine halbgetrocknete Pflaume.
Nach dem zweiten Schluck wird der Eindruck der weichen, cremigen Milchschokolade gemeinsam mit Marillenmarmelade und Rosinen weiter prägend. Nun kommt auch etwas Holzwürze hinzu, die sich mit der Pfeffernote verbindet. Auch im Geschmack ist der Alkohol sehr gut integriert.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Abgang
Der erste Eindruck ist – vermutlich der Jugend geschuldet – relativ rasch beendet. Neben einer süßen Rosinennote bleibt vor allem eine dezente Bitterkeit etwas länger bestehen.
Mit weiteren Schlucken gesellen sich zu den bereits genannten Eindrücken auch etwas Vanille, mehr Rosinen und eine würzige Eichenholznote hinzu.
Fazit
Eine sehr stimmige erste Abfüllung von Aberargie! Sie ist ausgesprochen süffig und bestätigt den kolportierten Hausstil, bei dem das Getreide im Mittelpunkt stehen soll.
Vor allem in der Nase gefällt mir der Schwerpunkt auf Malzigkeit, Getreidenoten und Cremigkeit sehr gut. Auch die durchgehende Milchschokoladennote passt hervorragend und regt zum wiederholten Probieren an.
Dass die Fässer lediglich unterstützen und nicht dominieren sollen, ist hier ebenfalls gut gelungen. Die gewählte Fasskombination lässt genügend Raum für den eigentlichen Whisky.
Man darf also durchaus gespannt sein, was in naher Zukunft von dieser jungen Brennerei noch so auf den Markt kommen wird. Wie zu lesen war, sollen in den nächsten 18 Monaten zunächst weitere limitierte Abfüllungen erscheinen, die den Whiskyfreunden Philosophie und Hausstil der Brennerei noch näherbringen sollen. Danach sollen die ersten Flaschen einer dauerhaften Core Range folgen.



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