Whiskybase
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Mit Thor's Trials startet whic.de einen neuen dreiteiligen Abschnitt in ihrer Old Gods Serie in Kooperation mit Signatory Vintage. Für die Abfüllung zur ersten Prüfung „Drinking the Sea“ wurde ein 25-jähriger Speysider aus der Brennerei Allt-a-Bhainne Distillery aus dem Jahr 2000 ausgewählt.
Die kolportierte Fassreifung ist interessant. Laut den Informationen am Etikett reifte der Whisky in einem Teil des Sherry Butts #4. Immerhin gingen sich 298 Flaschen aus diesem Fassanteil aus. Die Teilung eines Fasses ist dabei nichts Ungewöhnliches. Viel mehr interessierte mich – vor allem aufgrund der extrem dunklen Farbe –, ob es sich hier um eine Sherryvollreifung handelt.
Und hier wird es spannend. Es gibt bei Whiskybase von Signatory Vintage einige Abfüllungen aus der Cask Strength Collection in der berühmt-berüchtigten Vasenflasche mit demselben Destillationsdatum (26.07.2000). Jede dieser Abfüllungen ist jünger im Alter – zwischen 20 und 23 Jahren –, die Fassnummern liegen zwischen 3 und 12. Bis auf eine Abfüllung für La Maison du Whisky findet man bei allen anderen den Hinweis, dass nach der eigentlichen Reifung im Hogshead ein Finish unterschiedlicher Dauer – zwischen sechs und 27 Monaten – in einem Sherry Cask stattfand.
Ich vermute daher, dass Signatory die Nachreifung in den Sherryfässern selbst vornahm – eine Methode, die bei SV nicht unüblich ist. Was man aus den Daten nachrechnen kann: Alle Whiskys wurden im August 2020 in Sherryfässer umgefüllt.
Jetzt stellt sich mir natürlich die Frage, ob dies auch bei unserer Abfüllung hier passiert ist, bevor sie von beziehungsweise für whic.de abgefüllt wurde. Wenn dem so ist – es sich also nicht um eine Vollreifung handelt –, dann lag der Whisky für rund fünfeinhalb Jahre im Sherryfass.
Rechtlich ist hier alles komplett in Ordnung. Es gibt keine rechtliche Vorgabe seitens der Scotch Whisky Association, wie lange ein Whisky in einem anderen Fass liegen muss, bevor man diese letzte Fassreifung auf das Label drucken darf.
Aber diese detektivische Suche soll nicht von der eigentlichen Flasche ablenken. Essentiell ist immer, was letztlich im Glas steckt und ob es schmeckt.
Ach ja, bevor ich es vergesse: Die Fassstärke beträgt 52,4 %, auf Färbung und Kühlfiltration wurde verzichtet.
Aussehen
Dunkles Nussbraun – fast wie Nussschnaps.
Nase
Der Whisky begrüßt mich sogleich mit intensiven Balsamico-Noten. Allerdings weniger in Richtung Essig, sondern vielmehr wie eine reduzierte Balsamico-Creme: dickflüssig und komprimiert in ihren Aromen. Dicht darauf folgen wunderbare, volle und schwere Sherryaromen – karamellisierte Rosinen, weiche Datteln und Feigen, flüssige Milchschokolade mit Haselnüssen sowie leicht angebrannter Zucker oberhalb einer Crème brûlée. Dazu kommen Orangenschalen, die leicht geknickt wurden, damit sich deren ätherische Öle entfalten.
Hin und wieder rührt ein leichtes Prickeln in der Nase vom höheren Alkoholgehalt her. Ansonsten ist der Alkohol jedoch nicht nur nicht störend – er begleitet die Aromen regelrecht und formt sie zu einem harmonischen Ganzen. Überhaupt wirkt der Geruch extrem ruhig. Es klingt komisch, aber dieser Whisky beruhigt einen beinahe, wenn man an ihm riecht.
Mit etwas Zeit im Glas entfaltet sich der Malt immer weiter. Würzige Duftnoten wie Gewürznelken, Zimt und Muskat verbinden sich mit dichter werdendem Holzeinfluss. Es ist definitiv ein moderner Sherry Malt von seinem Grundcharakter her. Im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Abfüllungen wirkt der Sherry hier jedoch nicht aufgesetzt oder inhomogen mit dem Whisky selbst verbunden.
Geschmack
Der Genuss aus der Nase setzt sich nahtlos am Gaumen fort. Mit einem sehr cremigen und weichen Mundgefühl, gleichzeitig aber einem vollen und durchaus maskulinen Auftreten, eröffnet der Whisky mit einer überraschend intensiven Süße nach Nougat und Honig, die ich anhand des Geruchs so nicht erwartet hätte.
Die Milchschokolade erhält rasch Unterstützung durch in Rum eingelegte Rosinen, während Datteln und Feigen für einen fruchtig-süßen Einschlag sorgen. Ein leichtes Prickeln an den Innenseiten der Wangen sorgt für intensiven Speichelfluss. Danach tauchen Pflaumenmus und Erdbeermarmelade gemeinsam auf. Haselnüsse, Zimt, Leder und getrockneter Pfeifentabak zeigen sich zunehmend, wenn sich der Whisky in Richtung Abgang bewegt.
Der Alkohol ist dabei überhaupt nicht zu spüren – hervorragend integriert. Auch geschmacklich ist dies eine kraftvolle Sherrybombe moderner Machart, jedoch mit bemerkenswerter Gediegenheit und Harmonie.
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| Fotocredit: whic.de |
Abgang
Die Rosinen bleiben gemeinsam mit Pflaumenmus beziehungsweise Pflaumenröster und Erdbeermarmelade weiterhin deutlich im Vordergrund. Die Milchschokolade aus Nase und Geschmack wandelt sich nun langsam in dunklere Schokolade mit höherem Kakaoanteil, ohne dabei bitter zu wirken.
Auch die Leder- und Tabakassoziationen bleiben lange am Gaumen und im Rachen haften. Überhaupt hält das aromatische Endspiel noch erstaunlich lange an.
Fazit
Dies ist eine Essenz eines modernen Sherrywhiskys. Die Aromen wirken voluminös und dicht, der Alkohol ist hervorragend integriert. Hier kam definitiv ein sehr gutes Fass für die wahrscheinliche Nachreifung zum Einsatz.
Obwohl der Whisky sehr harmonisch und ausgewogen wirkt, besitzt er dennoch Komplexität und verleitet einen dazu, sich vollständig auf ihn zu konzentrieren. Das hat fast schon etwas Yogaartiges und Beruhigendes.
Natürlich sind die aufgerufenen € 250,- für Whisky beziehungsweise generell für eine Spirituose sehr viel Geld und absoluter Luxus. Gleichzeitig genügt hier bereits ein einziges Glas, um damit durch einen ganzen Abend zu kommen und zahlreiche intensive Genussmomente zu erleben.
Man muss allerdings aufpassen, nicht ständig nachzuschenken, denn man möchte permanent weiter daran riechen und nippen.
PS: Pur ist er bereits ein Genuss. Gibt man jedoch vorsichtig nur einen einzigen Tropfen Wasser hinzu, wird der Whisky sogar noch etwas besser. Aber wirklich nur einen Tropfen!



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