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Neben Whisk(e)y aus Schottland, Irland sowie Bourbon und Rye aus den USA ist Rum – ebenso wie Rhum Agricole, der französische Vertreter – sicherlich mein zweites großes Standbein im Bereich Spirituosen.
In den letzten Monaten habe ich mich zunehmend auch Rums mit höheren Estergehalten angenähert. Allen voran sind hier die jamaikanischen Vertreter zu nennen. Diese besonders intensiven, tropisch-funkigen Düfte und Aromen sind einerseits durchaus herausfordernd, gleichzeitig aber auch ausgesprochen faszinierend und lecker.
Mit The Copper Giant hat whic.de nun unter dem Namen Steambound seine erste eigene Rum-Serie gestartet. Den Auftakt macht ein jamaikanischer Rum in Navy Strength mit 57,2 % vol., der vier Jahre in Europa in einem PX-Sherry-Quarter-Cask reifen durfte. Ausgestattet ist er mit einem Estergehalt von beachtlichen 700 g/hLPA (Gramm pro Hektoliter reinen Alkohols) und gehört damit klar zur Kategorie der High-Ester-Rums.
Welche Brennerei sich dahinter verbirgt, ist offiziell nicht bekannt. Der angegebene Estergehalt von 700 g/hLPA liefert jedoch einen interessanten Hinweis für Spekulationen.
Im Bereich um 700 g/hLPA kommen nach heutigem Kenntnisstand im Wesentlichen drei jamaikanische Brennereien infrage. Long Pond produziert mit dem Mark STC★E (Simon Thompson Cambridge Estate) einen Rum mit etwa 550 bis 700 g/hLPA; auch der Mark TECA beginnt ungefähr in diesem Bereich und reicht darüber hinaus bis etwa 800 g/hLPA.
Auch Hampden Estate verfügt mit dem Mark HLCF (Hampden Light Continental Flavour) über einen Esterbereich von rund 500 bis 700 g/hLPA. Der nächsthöhere Mark <>H (Diamond H) bewegt sich dagegen bereits bei etwa 900 bis 1.000 g/hLPA.
Als dritte mögliche Herkunft kommt Worthy Park Estate infrage. Dort erreicht der Mark WPM etwa 600 bis 700 g/hLPA, während WPH noch einmal deutlich esterreicher ausfällt und bis über 800 g/hLPA reicht.
Eine eindeutige Zuordnung lässt sich anhand des Estergehalts allein natürlich nicht treffen. Dennoch würde ich auf Long Pond tippen, da unabhängige Hampdens eher selten sind und der Mark WPM bei Worthy Park ebenfalls nicht so häufig vorkommen.
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| Fotocredit: whic.de |
Aussehen
Nussbraun, mittlerer Mahagoniton.
Nase
Ein regelrechter Dufttornado entströmt dem Snifter. Im unverdünnten Zustand merkt man zwar, dass die hohe Alkoholstärke die Entfaltung der Aromen zunächst etwas hemmt, doch das, was bereits wahrnehmbar ist, wirkt enorm intensiv und vielschichtig.
Typisch für Jamaika tritt zunächst eine ausgeprägte Esternote hervor, die sich vor allem in Form überreifer tropischer Früchte zeigt: zerdrückte Bananen, sehr reife Ananas, Mango und Kokosmilch bestimmen den ersten Eindruck. Hinzu kommen die von vielen geliebten, von manchen jedoch gefürchteten Funk-Noten, die an Lack, Gummireifenabrieb oder andere leicht schmutzige Industriegerüche erinnern.
Mit zunehmender Standzeit verliert die Navy Strength immer mehr ihre Dominanz. Dadurch öffnen sich die Aromen weiter und auch der Einfluss des PX-Sherryfasses tritt deutlicher hervor. Der tropische Esterfunk verbindet sich nun mit süßen, dunklen Beerenaromen des PX-Sherrys. Man könnte fast meinen, man hätte ein Haribo-Himbeergummibärchen auf Speed vor der Nase. Ergänzt wird diese fruchtige Süße durch würzige Holznoten.
Bereits zwei bis drei Tropfen Wasser auf etwa 2 cl verändern den Rum merklich. Die alkoholische Schärfe tritt zurück, während die PX-Noten mehr Raum einnehmen. Gemeinsam mit den tropischen Fruchtaromen entsteht nun für mich ein ausgesprochen harmonisches und ausgewogenes Gesamtbild.
Geschmack
Der Einstieg ist äußerst kraftvoll, der Alkohol deutlich präsent. Der Rum legt sich beinahe sirupartig auf die Zunge und fließt angenehm dickflüssig durch den Mund. Eine mittlere Schärfe wird von den bereits bekannten überreifen tropischen Früchten begleitet, allen voran Banane und Ananas.
Nahezu zeitgleich mit schwarzem Pfeffer, Zimt und Muskat entwickelt sich eine intensive Süße, die an dunklen Honig erinnert – sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz.
Den Einfluss des PX-Sherryfasses empfinde ich am Gaumen sogar noch deutlicher als in der Nase. Die Beeren wirken nun eher getrocknet, dazu gesellen sich Datteln, Feigen und eine feine Nussigkeit.
Mit derselben Menge Wasser reduziert sich zwar die alkoholische Schärfe etwas, der Rum bleibt jedoch weiterhin ausgesprochen kraftvoll und intensiv. Interessanterweise nimmt die Süße meinem Eindruck nach sogar noch leicht zu.
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| Fotocredit: whic.de |
Abgang
Im langen Finale treten die schmutzigen Funk-Noten wieder stärker hervor und verbinden sich mit einer zunehmend präsenten Bitterkeit. Banane und Ananas begleiten die Verkostung bis zum Schluss und bleiben noch lange angenehm auf Zunge und Gaumen erhalten.
Mit Wasser wird mir der Rum im letzten Drittel allerdings fast etwas zu bitter. Hier treten die Gerbstoffe des Fasses für meinen Geschmack zu deutlich hervor.
Fazit
Die Kombination aus einem High-Ester-Jamaica-Rum und einer Vollreifung im PX-Sherryfass finde ich ausgesprochen spannend.
Auch Hampden verfolgt mit seinen Pagos-Abfüllungen einen ähnlichen Ansatz und kombiniert esterreichen Jamaica Rum mit einer Reifung in Oloroso- und PX-Sherryfässern. Eine Flasche davon steht zwar bereits bei mir, geöffnet habe ich sie allerdings noch nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich beide Abfüllungen stilistisch in einigen Punkten ähneln.
Trotz der Navy Strength empfehle ich diesen Rum eher ohne Wasser zu genießen. Zwar bringt eine geringe Wasserzugabe zusätzliche Facetten in die Nase, geschmacklich und insbesondere im Abgang verliert der Rum für mich jedoch etwas an Balance und wird spürbar trockener sowie bitterer.
Lieber kleine Schlückchen nehmen, lange im Mund behalten und sich Zeit lassen. So macht dieser Rum am meisten Freude.
Ich bin jedenfalls gespannt, welche Ideen whic.de für die kommenden Steambound-Abfüllungen noch bereithält. Der Auftakt ist auf jeden Fall gelungen.



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