Jamaica
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Freitag, 26. Juni 2026

The Copper Giant Jamaica Rum Navy Strength – Steambound 1/13 (whic)

 

RumX Link


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Neben Whisk(e)y aus Schottland, Irland sowie Bourbon und Rye aus den USA ist Rum – ebenso wie Rhum Agricole, der französische Vertreter – sicherlich mein zweites großes Standbein im Bereich Spirituosen.

In den letzten Monaten habe ich mich zunehmend auch Rums mit höheren Estergehalten angenähert. Allen voran sind hier die jamaikanischen Vertreter zu nennen. Diese besonders intensiven, tropisch-funkigen Düfte und Aromen sind einerseits durchaus herausfordernd, gleichzeitig aber auch ausgesprochen faszinierend und lecker.

Mit The Copper Giant hat whic.de nun unter dem Namen Steambound seine erste eigene Rum-Serie gestartet. Den Auftakt macht ein jamaikanischer Rum in Navy Strength mit 57,2 % vol., der vier Jahre in Europa in einem PX-Sherry-Quarter-Cask reifen durfte. Ausgestattet ist er mit einem Estergehalt von beachtlichen 700 g/hLPA (Gramm pro Hektoliter reinen Alkohols) und gehört damit klar zur Kategorie der High-Ester-Rums.

Welche Brennerei sich dahinter verbirgt, ist offiziell nicht bekannt. Der angegebene Estergehalt von 700 g/hLPA liefert jedoch einen interessanten Hinweis für Spekulationen.

Im Bereich um 700 g/hLPA kommen nach heutigem Kenntnisstand im Wesentlichen drei jamaikanische Brennereien infrage. Long Pond produziert mit dem Mark STC★E (Simon Thompson Cambridge Estate) einen Rum mit etwa 550 bis 700 g/hLPA; auch der Mark TECA beginnt ungefähr in diesem Bereich und reicht darüber hinaus bis etwa 800 g/hLPA.

Auch Hampden Estate verfügt mit dem Mark HLCF (Hampden Light Continental Flavour) über einen Esterbereich von rund 500 bis 700 g/hLPA. Der nächsthöhere Mark <>H (Diamond H) bewegt sich dagegen bereits bei etwa 900 bis 1.000 g/hLPA.

Als dritte mögliche Herkunft kommt Worthy Park Estate infrage. Dort erreicht der Mark WPM etwa 600 bis 700 g/hLPA, während WPH noch einmal deutlich esterreicher ausfällt und bis über 800 g/hLPA reicht.

Eine eindeutige Zuordnung lässt sich anhand des Estergehalts allein natürlich nicht treffen. Dennoch würde ich auf Long Pond tippen, da unabhängige Hampdens eher selten sind und der Mark WPM bei Worthy Park ebenfalls nicht so häufig vorkommen.

Fotocredit: whic.de


Aussehen
Nussbraun, mittlerer Mahagoniton.


Nase
Ein regelrechter Dufttornado entströmt dem Snifter. Im unverdünnten Zustand merkt man zwar, dass die hohe Alkoholstärke die Entfaltung der Aromen zunächst etwas hemmt, doch das, was bereits wahrnehmbar ist, wirkt enorm intensiv und vielschichtig.

Typisch für Jamaika tritt zunächst eine ausgeprägte Esternote hervor, die sich vor allem in Form überreifer tropischer Früchte zeigt: zerdrückte Bananen, sehr reife Ananas, Mango und Kokosmilch bestimmen den ersten Eindruck. Hinzu kommen die von vielen geliebten, von manchen jedoch gefürchteten Funk-Noten, die an Lack, Gummireifenabrieb oder andere leicht schmutzige Industriegerüche erinnern.

Mit zunehmender Standzeit verliert die Navy Strength immer mehr ihre Dominanz. Dadurch öffnen sich die Aromen weiter und auch der Einfluss des PX-Sherryfasses tritt deutlicher hervor. Der tropische Esterfunk verbindet sich nun mit süßen, dunklen Beerenaromen des PX-Sherrys. Man könnte fast meinen, man hätte ein Haribo-Himbeergummibärchen auf Speed vor der Nase. Ergänzt wird diese fruchtige Süße durch würzige Holznoten.

Bereits zwei bis drei Tropfen Wasser auf etwa 2 cl verändern den Rum merklich. Die alkoholische Schärfe tritt zurück, während die PX-Noten mehr Raum einnehmen. Gemeinsam mit den tropischen Fruchtaromen entsteht nun für mich ein ausgesprochen harmonisches und ausgewogenes Gesamtbild.


Geschmack
Der Einstieg ist äußerst kraftvoll, der Alkohol deutlich präsent. Der Rum legt sich beinahe sirupartig auf die Zunge und fließt angenehm dickflüssig durch den Mund. Eine mittlere Schärfe wird von den bereits bekannten überreifen tropischen Früchten begleitet, allen voran Banane und Ananas.

Nahezu zeitgleich mit schwarzem Pfeffer, Zimt und Muskat entwickelt sich eine intensive Süße, die an dunklen Honig erinnert – sowohl geschmacklich als auch von der Konsistenz.

Den Einfluss des PX-Sherryfasses empfinde ich am Gaumen sogar noch deutlicher als in der Nase. Die Beeren wirken nun eher getrocknet, dazu gesellen sich Datteln, Feigen und eine feine Nussigkeit.

Mit derselben Menge Wasser reduziert sich zwar die alkoholische Schärfe etwas, der Rum bleibt jedoch weiterhin ausgesprochen kraftvoll und intensiv. Interessanterweise nimmt die Süße meinem Eindruck nach sogar noch leicht zu.

Fotocredit: whic.de


Abgang
Im langen Finale treten die schmutzigen Funk-Noten wieder stärker hervor und verbinden sich mit einer zunehmend präsenten Bitterkeit. Banane und Ananas begleiten die Verkostung bis zum Schluss und bleiben noch lange angenehm auf Zunge und Gaumen erhalten.

Mit Wasser wird mir der Rum im letzten Drittel allerdings fast etwas zu bitter. Hier treten die Gerbstoffe des Fasses für meinen Geschmack zu deutlich hervor.


Fazit
Die Kombination aus einem High-Ester-Jamaica-Rum und einer Vollreifung im PX-Sherryfass finde ich ausgesprochen spannend.

Auch Hampden verfolgt mit seinen Pagos-Abfüllungen einen ähnlichen Ansatz und kombiniert esterreichen Jamaica Rum mit einer Reifung in Oloroso- und PX-Sherryfässern. Eine Flasche davon steht zwar bereits bei mir, geöffnet habe ich sie allerdings noch nicht. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich beide Abfüllungen stilistisch in einigen Punkten ähneln.

Trotz der Navy Strength empfehle ich diesen Rum eher ohne Wasser zu genießen. Zwar bringt eine geringe Wasserzugabe zusätzliche Facetten in die Nase, geschmacklich und insbesondere im Abgang verliert der Rum für mich jedoch etwas an Balance und wird spürbar trockener sowie bitterer.

Lieber kleine Schlückchen nehmen, lange im Mund behalten und sich Zeit lassen. So macht dieser Rum am meisten Freude.

Ich bin jedenfalls gespannt, welche Ideen whic.de für die kommenden Steambound-Abfüllungen noch bereithält. Der Auftakt ist auf jeden Fall gelungen.

Montag, 23. Juni 2025

Jamaica Navy Strength 5 Jahre, 57% (CDI)

 

Rum-X-Eintrag

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Aussehen
Dunkles Strohgelb.


Nase
Kaum die Nase ans Glas gehalten, steigt einem sofort eine intensiver Duft reifer Bananen entgegen – die Sorte, die fast schon nach Kuchen ruft, mit einigen überreifen Exemplaren darunter, deren Schale sich schon dunkelbraun verfärbt hat. Dazu gesellen sich frische Zitrusnoten, vor allem Zitrone und eine feine Vanille, die das Ganze schön abrundet. Besonders spannend finde ich diese frische Mentholnote – sie erinnert mich stark an die zwölfjährige Jamaica-Abfüllung von Mezan, und das im besten Sinne.

Es bleibt aber nicht nur bei süßen Früchten: Da sind auch stark angegrillte Ananasscheiben, die für eine leicht rauchige Röstnote sorgen. Ein paar geräucherte Kräuter und eine dezente Schärfe von buntem Pfeffer bringen eine würzige Tiefe mit rein. Der typische Jamaica-Funk und die Ester sind klar da, aber angenehm dosiert – nicht so wild und überschwänglich wie bei den Hochester-Kalibern. Das macht die Nase insgesamt sehr harmonisch und rund. Und obwohl wir hier bei satten 57% Vol. liegen, drängt sich der Alkohol überhaupt nicht unangenehm in den Vordergrund. Im Gegenteil – er trägt die Aromen, ohne sie zu überlagern.

Mit ein paar Tropfen Wasser verändert sich das Bild: Die Vanille tritt zunächst stärker hervor, wird dann aber bald von einer intensiveren Esterwelle abgelöst. Die Röstaromen und die Würze rücken dabei etwas in den Hintergrund. Für meinen Geschmack bleibt die unverdünnte Variante in der Nase aber ausdrucksstärker und spannender.


Geschmack
Am Gaumen gibt der Rum dann sofort Vollgas. Der Alkohol meldet sich mit ordentlich Power und bringt eine hitzige Schärfe mit – eine Mischung aus Pfeffer und ein paar feinen Chiliflöckchen. Das Ganze wird begleitet von einer kräuterigen Würze, die dem ersten Eindruck Tiefe verleiht. Doch keine Sorge, schon kurz darauf öffnet sich der Rum und zeigt seine süße, fruchtige Seite: Eine Welle aus Honig, tropischem Obst und funky Estern rollt über die Zunge. Vanillesauce, Ananaskompott, zerdrückte Bananen – alles da, begleitet von einem Hauch frischer Minzblätter, der dem Ganzen einen angenehmen Frischekick verpasst.

Irgendwie scheint sich hier ein kleiner Tipp-Fehler am Label eingeschlichen zu haben :-)

Die anfängliche Hitze verfliegt schnell und macht Platz für ein vollmundiges, kräftiges Aromenspiel, das lange präsent bleibt. Mit ein wenig Wasser wird der Alkohol deutlich gezähmt, was den süßen und fruchtigen Noten mehr Raum gibt. Im Gegensatz zur Nase, wo ich ihn pur bevorzuge, finde ich im Geschmack die verdünnte Variante tatsächlich reizvoller – da kommen Vanille, Honig und Frucht einfach noch klarer und länger zur Geltung.


Abgang
Der Abgang bleibt dem Stil treu: Die Ester bleiben präsent, jetzt begleitet von einer leicht herben Note von Eichenholz. Vanille und Banane verabschieden sich nur langsam und sorgen für einen angenehm langen Nachhall.


Fazit
Wer auf der Suche nach einem Jamaica-Rum mit mittlerem Esterprofil ist, dürfte hier ziemlich glücklich werden. Der „Jamaica Navy Strength“ von CDI bietet ein richtig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und zeigt eindrucksvoll, wie viel Charakter ein fünfjähriger Rum haben kann. Mir macht er richtig Spaß – er ist ein weiterer Schritt auf meiner Reise durch die wunderbare Welt des Jamaica Rums mit all seinem Funk. Und das Beste: Er ist trotz seiner Stärke erstaunlich süffig und einfach lecker.

Montag, 18. November 2024

Mezan Jamaika 2007 12y

 

Rum-X-Eintrag

English-Text-Version


Bei meinem Rum-Händler, dem Rumzentrum in Baden bei Wien, suchte ich nach einer geeigneten Flasche für einen zarten und leichten Einstieg in die Welt des Jamaikanischen Rums. Es ging mir vor allem um das erste Eintauchen in die bekannten Ester-Aromen. Ich entschied mich für den Mezan 2007 12y mit 46%. 

Dieser unabhängig abgefüllte Rum reifte fünf Jahre in Jamaica bevor er weitere sieben Jahre in Europa lagerte. Die gesamte Zeit lag er in Ex-Bourbon-Fässern. Mezan verwendet keinen Farbstoff, keine Kühlfiltration und vor allem, es wird nie mit nachträglicher Zuckerbeigabe gearbeitet. 

Der verwendete Rum kommt aus der Monymusk bzw. Clarendon Brennerei. Es ist ein Blend von Destillaten aus hochmodernen Collum-Stills und den fast schon antiken Pot Stills der Brennerei.


Aussehen
Strohgelb.


Nase
Eine sehr frische zum Reinschnuppern einladende Nase. Am Anfang überwiegen die Fruchtaromen. Es finden sich mittelreife Bananen, Ananas, ordentlich Zitrone und Limetten. Die Esternoten sind vorhanden, sind aber nicht so ausgeprägt und prägnant, wie ich bei zwölf Jahren Reifezeit erwartet hätte. Der bekannt, berüchtigte Jamaika Funk, mit seinen Hochester Aromen, die sich oft zu Düften nach Autoreifen, Petrol Öl, Maschinenöl und ähnliches steigern, sind hier nicht zu finden. Dafür eine feine Eukalyptus/Minz-Note mit Spuren von grünem Gras und Wiese. Der Alkohol kitzelt immer wieder etwas in der Nase und sorgt so für ein angenehmes Prickeln.


Geschmack
Gutes Mundgefühl, starker Antritt. Nicht allzu komplex, was man in der Nase riecht, hat man auch im Geschmack. Der Ester-Funk ist deutlicher als im Geruch, aber für Jamaika-Verhältnisse bleibt es immer noch auf der dezenten Seite. Es dominieren weiterhin die hell fruchtigen Aromen nach Banane, der Ananas und der Zitrone. Vanille begleitet mit einer ordentlichen Portion an Pfefferminzbonbons den Obstkorb. Unterstützt werden all jene Geschmäcker von einer überraschend intensiven Süße, die ich so in der Nase nicht wahrgenommen habe. Ab dem Mittelteil wird es würziger, und erinnert an weißen Pfeffer oder Ingwer.


Abgang
Recht lange schmeckt man noch das Pfefferminzbonbon, die Ananas sowie einiges vom Holz. Vanille und noch Spuren der Süße begleiten das mittellange Finish.


Fazit
Ich wollte einen ersten Schritt in die Ester- und Funk-Welt von Jamaika gehen und dies gelingt mit diesem Rum recht gut. Er zeigt sehr schön die Möglichkeiten, was sich hinter dieser Aromen- und Geschmackstüre verbirgt ohne einem jemals zu überfordern. Darum gefällt er mir auch recht gut. Die Aromen lassen sich sehr gut aufdröseln. Ein guter Einstieg in die Rumwelt von Jamaika. Sicherlich weniger geeignet für bereits erfahrene Rumtrinker und Jamaika-Liebhaber. Die bezeichnen ihn wahrscheinlich als zu mild und zu rund, was den Estergehalt angeht.

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English Text-Version


At my rum retailer, the Rumzentrum in Baden near Vienna, I was looking for a suitable bottle for a gentle and easy introduction to the world of Jamaican rum. I was mainly interested in a first experience of the well-known ester flavours. I chose the Mezan 2007 12y at 46%. 

This independently bottled rum was aged for five years in Jamaica before spending a further seven years in Europe. It spent the entire time in ex-bourbon casks. Mezan uses no colouring, no chill filtration and, above all, never adds sugar. 

The rum used comes from the Monymusk and Clarendon distillery. It is a blend of distillates from ultra-modern column stills and the distillery's almost antique pot stills.

Appearance
Straw yellow in colour.


Nose
Very fresh and inviting nose. Fruity aromas dominate at first. Medium ripe banana, pineapple, lots of lemon and lime. The estery notes are present, but not as pronounced and concise as I would have expected after twelve years of ageing. The notorious Jamaican funk with its high ester notes, which often develop into the smell of car tyres, petrol, engine oil and the like, is not to be found here. Instead there is a fine eucalyptus/mint note with traces of green grass and meadow. The alcohol tickles the nose a little and gives a pleasant tingling feeling.


Palate
Good mouthfeel, strong in the mouth. Not overly complex, what you smell on the nose is what you get on the palate. The ester funk is more prominent than on the nose, but still subtle by Jamaican standards. The bright fruity flavours of banana, pineapple and lemon continue to dominate. Vanilla accompanies the fruit basket with a good portion of peppermint candy. All these flavours are supported by a surprisingly intense sweetness that I did not detect on the nose. From the middle, the palate becomes spicier, reminiscent of white pepper or ginger.


Finish
The peppermint candy, pineapple and some of the wood are still present for a long time. Vanilla and traces of sweetness accompany the medium-long finish.


Conclusion
I wanted to take a first step into the ester and funk world of Jamaica and this rum does that quite well. It shows the possibilities that lie behind this door of flavours and aromas very nicely, without ever overwhelming you. That's why I like it so much. You can separate the flavours very well. A good introduction to the world of Jamaican rum. Certainly less suitable for experienced rum drinkers and Jamaica lovers. They would probably find it too mild and too round in terms of ester profile.

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