Dienstag, 9. Juni 2026

Highland Park Full Volume

 

Whiskybase

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Highland Park mit Ex-Bourbonreifung – diese Kombination ist mir in den letzten beiden Jahren immer mehr ans genießerische Herz gewachsen. Für meinen Geschmack funktioniert der würzige, eigenständige Grundcharakter von Highland Park mit den typischen hellfruchtigen und vanilligen Aromen eines Ex-Bourbonfasses ausgezeichnet. Bis jetzt konnte ich diese Fasskombination allerdings fast ausschließlich über unabhängige Abfüller wie Meadowside Blending oder Signatory Vintage kennenlernen.

Im offiziellen Sortiment von Highland Park gibt es nur wenige Abfüllungen, die ohne Sherryfässer auskommen. Eine davon ist der Full Volume aus dem Jahr 2017, für den 481 First-Fill-Ex-Bourbon-Fässer mit Destillat aus dem Jahr 1999 befüllt wurden, das anschließend 17 Jahre reifen durfte.

Der Name „Full Volume“ entstammt der Welt der Musik. Highland Park wollte mit dieser Abfüllung die Parallelen zwischen der Arbeit eines Musikproduzenten und der eines Whisky Makers aufzeigen: In beiden Fällen geht es darum, unterschiedliche Komponenten so auszubalancieren, dass selbst bei voller Lautstärke beziehungsweise voller Aromenkraft ein harmonisches Gesamtbild entsteht. Passend dazu wurde die Verpackung im Stil eines Vintage-Gitarrenverstärkers gestaltet.

Auf der Seite der als alten Gitarrenverstärker designten Verpackung sind Regler aufgedruckt (für Torf, Bourbon, Frucht und Vanille) aufgedruckt. Der Lautstärkenregler ist sogar auf 11 hochgedreht.

Ich konnte eine Flasche davon zu einem guten Preis beim Auktionshaus Krüger erstehen und bin sehr gespannt, ob eine Originalabfüllung mit dieser Fassbelegung genauso gut funktioniert wie die unabhängigen Vertreter.


Aussehen
Dunkles Strohgelb.


Nase
Die für mich so typischen Noten von Heidekraut, die sanfte, sehr eigene Würzigkeit mit ihrem Hauch von Rauch, die ich so an Highland Park schätze, lassen sich zu Beginn nicht feststellen. Dafür zeigt sich eine sehr fein ausgeprägte Bourbonnase. Richtig viel Vanille, eine angenehme, nicht übertriebene Süße, eher wie heller Kuchenteig, dazu ein tropisches Fruchtbouquet vom Feinsten. Mit einer leichten Säure, die an Ananas erinnert, dazu reife Birnen, Mirabellen und Pfirsiche.

Die amerikanische Weißeiche macht sich durch eine leicht sägemehlartige Holznote im Hintergrund bemerkbar. Der Alkohol ist gut eingebunden und bringt eine dezente Frische sowie Lebendigkeit in den Geruch. Insgesamt wirkt die Nase sehr ausbalanciert und harmonisch, man merkt ihr das Alter durchaus an.

Auch nach rund 15 Minuten erkenne ich kein Heidekraut. Bei einer Blindverkostung hätte ich hier ziemlich sicher nicht auf Highland Park getippt.


Geschmack
Im Mund eröffnet der Whisky zwar weich, wirkt jedoch merklich kraftvoller als in der Nase und zeigt sich deutlich stärker von seiner würzigen Seite. Mineralische Noten, Bittermandeln und leichte Bitterstoffe von Apfelschalen prägen den ersten Eindruck. Und da ist es! Das im Geruch so schmerzlich vermisste Heidekraut – und zwar ziemlich ausgeprägt, muss ich sagen.

Nach dem herbwürzigen Start übernimmt eine angenehme, nicht zu intensive Süße das Kommando. Sie erinnert vor allem an Puderzucker, der mit Vanille und Zitronenextrakt aromatisiert wurde.

Nach diesem süßen Intermezzo treten wieder würzigere Noten auf die Geschmacksbühne: eine Prise schwarzer Pfeffer, etwas Pfefferminze und Holzsäfte. Und immer noch ist das kräuterig-würzige Heidekraut allgegenwärtig. Das gefällt mir ausgesprochen gut.

Der Alkohol bleibt hervorragend integriert und klar definiert.


Abgang
Gegen Ende erahnt man eine leichte Rauchnote, als würde man an einem angebrannten Stück Holz lecken. Das Heidekraut tritt nun noch deutlicher hervor. Auch die mineralische Komponente bleibt weiterhin präsent. Insgesamt besitzt der Whisky einen mittellangen Abgang.


Fazit
Vor allem in der Nase fällt es schwer, ihn sofort als Highland Park zu identifizieren. Dort dominiert zunächst das First-Fill-Bourbonfass das Geschehen. Spätestens am Gaumen tritt der Brennereicharakter der Orkney-Destillerie jedoch deutlich hervor. Dabei erinnert er mich stellenweise stark an den 18-jährigen Secret Orkney 2002 von MBI. Der Full Volume zeigt eindrucksvoll, wie stark First-Fill-Bourbonfässer den Charakter von Highland Park zunächst überdecken können, ohne ihn jedoch vollständig zu verdrängen.

Man sollte diesem Whisky etwas Zeit geben. Ab dem zweiten Glas wirkt alles deutlich runder und harmonischer. Dann zeigt der Full Volume, was wirklich in ihm steckt. 

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