Whiskybase
English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.
Von der Cask Strength Edition des Bunnahabhain 12 Jahre, die erstmals 2021 erschien, gibt es bislang vier Ausgaben – 2024 ließ die Brennerei aus. Die erste Abfüllung habe ich damals verkostet und sie gefiel mir sehr gut: ein kraftvoller, ausdrucksstarker Sherry Malt, jedoch ohne „nasse Fässer“, eher mit dem Eindruck, als wären hier ältere, gut integrierte Fässer zum Einsatz gekommen.
Schon länger liegt bei mir ein Sample der 2022er Edition, und ich hatte schlicht Lust auf einen intensiven Sherry-Whisky. Diese Ausgabe kommt mit 56,6 % vol. daher und reifte – wie ihr Vorgänger – ausschließlich in Ex-Sherryfässern.
Aussehen
Mahagoni
Nase
Gleich vorweg: Der Alkohol ist für mich hervorragend eingebunden. Kein alkoholisches Stechen, keine störenden Mentholnoten. Die Aromen strömen satt und voll in die Nase; eine Verschlossenheit, wie sie bei hochprozentigen Whiskys häufig vorkommt, ist hier nicht auszumachen.
Typisches Oloroso-Profil: Geröstete Haselnüsse verbinden sich mit Rosinen, getrockneten Feigen und Datteln sowie dunklen Beeren – Heidel- und Brombeeren. Neben einer leicht herben Milchschokolade entwickelt sich mit der Zeit eine immer intensivere Süße, wie Karamell, das in der Pfanne bereits schön Farbe angenommen hat. Auf der würzigen Seite zeigen sich Balsamico, Zimt und ein Hauch getrockneter Küchenkräuter.
Unverdünnt ist das bereits eine sehr feine Sherrynase. Die Aromen wirken gediegen und gesetzt und suggerieren fast ein höheres Alter als die tatsächlichen 12 Jahre.
Mit etwas Wasser tritt die würzige Seite stärker hervor, die Süße wird zurückgenommen. Insgesamt wirkt das Profil etwas „heller“, die intensive Sherrynase verliert etwas an Wucht.
![]() |
| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Im Mund merkt man die 56,6 % dann doch. Sehr kraftvoller Antritt mit prickelnder Präsenz auf der Zunge und an den Innenseiten der Wangen. Eine leichte Schärfe – eher Chili oder Ingwer als reiner Pfeffer – breitet sich rasch aus. Davon abgesehen zeigt er sich jedoch cremig und ölig.
Neben intensiver Karamellsüße sind sofort eingekochtes Zwetschgenkompott und ein Beerenröster aus Heidel- und Brombeeren mit Zimt, Vanille und Rosinen präsent. Die Fruchtnoten gehen anschließend in Holzpolitur, Tabak, Leder sowie geröstete Nüsse, Schokolade und Balsamico über. Die Aromen bleiben dabei stets gesetzt und schön miteinander verwoben.
Mit Wasser reduziert sich die anfängliche Schärfe deutlich. Die Süße ist weniger dominant, aber weiterhin sehr angenehm. Auch hier sorgt Wasser für eine gewisse „Aufhellung“ der Aromen.
Abgang
Im Verlauf treten zunehmend leicht bittere Holzeindrücke hervor. Dennoch bleibt der Whisky durchgehend aromatisch und wird nie unangenehm bitter. Rosinen, cremige getrocknete Datteln, dunkle Beeren sowie Anklänge von Tabak und Lederpolitur hallen nach. Das Finish ist durchaus lang.
Fazit
Wieder eine dieser Sherry-Abfüllungen, die mir nach wie vor richtig gut gefallen: keine „nassen Fässer“, sondern qualitativ hochwertige Oloroso-Fässer mit sauberem Einfluss. Der Sherrycharakter ist intensiv, aber auf sehr positive Weise. Ein durchwegs sehr leckerer Whisky.
Allerdings hat er nur wenig mit dem regulären 12er gemein. Die beim Standard so bekannte Kernigkeit mit maritimem Touch fehlt den CS-Abfüllungen vollständig. Mich persönlich stört das nicht – aber Puristen könnten genau das kritisieren.


Keine Kommentare
Kommentar veröffentlichen