Whiskybase
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Einen Ardbeg für einen Tasting-Blogartikel hatte ich schon sehr lange nicht mehr im Nosing-Glas. Auch sonst griff ich im letzten Jahr nur selten zu einem Ardbeg. Aktuell habe ich zwar eine Flasche der achtjährigen Committee-Abfüllung „For Discussion“ geöffnet, aber warum das so ist, kann ich ehrlicherweise nicht genau sagen. Offenbar haben mich zuletzt andere Hersteller und Abfüllungen mehr interessiert.
Allerdings befinden sich noch einige Ardbegs in meiner Flaschen- und Samplesammlung. Und vor allem fehlt mir noch eine Abfüllung aus der Standardreihe, die ich bislang nicht verkostet habe. Aus diesen beiden Gründen – lange kein neuer Ardbeg-Artikel im Blog und das Schließen einer Wissenslücke – ist der Corryvreckan nun mein dieswöchiger Tasting-Partner geworden.
Der Corryvreckan ist – wie fast alle Whiskys der Core Range (mit Ausnahme des Ten) – ein NAS, also eine Abfüllung ohne Altersangabe. Benannt ist er nach dem gleichnamigen Meeresstrudel zwischen den Inseln Jura und Scarba. Die Reifung erfolgt in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche; zudem sollen auch französische Eichenfässer zum Einsatz kommen. Ob es sich dabei um Virgin Oak oder speziell behandelte Fässer handelt, ist nicht offiziell bestätigt. Die Alkoholstärke beträgt kräftige 57,1 %. Kühlfiltration und Färbung werden nicht eingesetzt.
Aussehen
Strohgelb
Nase
Ein Schwall klassischen Ardbeg-Rauchs weht aus dem Glas – mit typischen Noten von verbranntem Gummi, heißem Asphalt im Sommer und angekohlten Küchenkräutern. Der Rauch zeigt sich zudem quarzig und mineralisch.
Dahinter – oder vielmehr gemeinsam mit dem Rauch – treten überraschend klare Aromen von süßer Vanillecreme und Zitronensorbet hervor, die Frische und Fruchtigkeit ins Spiel bringen. Der Einfluss der Bourbonfässer ist vor allem im ersten Drittel deutlich präsent.
Mit zunehmender Zeit im Glas entwickeln sich harzige Holznoten sowie ätherische Öle, die an geknickte Tannennadeln erinnern. Die Zitrusfrische wird von warmem Kuchenteig begleitet. Von den vermuteten französischen Eichenfässern lässt sich in der Nase hingegen nur wenig eindeutig erkennen.
Der Alkohol ist trotz der hohen Stärke gut eingebunden.
Mit etwas Wasser gewinnen Rauch und Harz deutlich an Intensität, während die Süße etwas zurücktritt. Vanille und Kräuter bleiben jedoch stabil.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Sehr ölig und geschmeidig legt sich der Whisky auf Zunge und Gaumen. Eine kurze, aber prägnante Pfefferschärfe eröffnet den Geschmacksverlauf. Diese wird rasch von intensiver, noch warmer Steinkohlenasche überlagert, begleitet von leicht erdigen und phenolischen Anklängen.
Der Rauch ist im Mund deutlich kräftiger als in der Nase und überzieht den gesamten Mundraum – von den Wangeninnenseiten bis hin zum Zahnfleisch – mit einem speckigen, fast klebrigen Aschefilm. Sehr intensiv und brachial.
Hat man sich daran gewöhnt, treten wieder süßere Elemente hervor: Vanille und eine nun veränderte Zitrusnote, die weniger an Sorbet erinnert, sondern eher an eine Mischung aus Zitronensaft und leicht herben Zesten.
Trotz der 57,1 % lässt sich der Whisky hervorragend pur trinken. Der Alkohol wirkt zu keiner Zeit störend.
Mit Wasser verschiebt sich der Fokus: Die Pfefferschärfe tritt später auf, während Kräuter, Harz und aschige Rauchnoten stärker hervorgehoben werden.
Abgang
Leicht bitter geht es – begleitet von getrockneten Küchenkräutern, öliger Asche und sehr dunkler Schokolade – in ein lang anhaltendes Finish über. Eine markante Trockenheit sowie eine herbe Holznote bleiben am Gaumen zurück.
Fazit
Ein würdiger Vertreter des ursprünglichen, klaren Charakters eines intensiven Islay-Rauchers mit den klassischen Eigenschaften von Ardbeg. Die Direktheit und Geradlinigkeit dieser Abfüllung gefallen mir sehr gut.
Vor allem die Kombination aus kräftigem Ardbeg-Rauch und der Reifung in Bourbonfässern funktioniert für mich hervorragend. Ob der Corryvreckan als NAS die aktuell aufgerufenen Preise wert ist, muss jeder für sich selbst entscheiden.
Ich persönlich würde ihn jedoch so mancher Committee-Abfüllung vorziehen, die oft deutlich teurer ist.


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