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Dies ist mein allererster Glen Ord. Die 1836 gegründete Brennerei aus den Highlands gehört zum Diageo-Konzern. Die Originalabfüllungen erscheinen unter dem Markennamen Singleton of Glen Ord und sind fast ausschließlich für den asiatischen Markt bestimmt. In den Special Releases von Diageo tauchen zwar gelegentlich auch Glen Ords auf, allerdings zu meist sehr ambitionierten Preisen. Entsprechend überschaubar war bislang mein Interesse an dieser Konzernbrennerei.
Nach dem überzeugenden Longmorn aus der Serie „Distilleries of Great Britain and Ireland“ von James Eadie fiel mein Blick jedoch auf diesen 16 Jahre alten Glen Ord aus derselben Reihe. Da James Eadie offenbar ein gutes Händchen bei der Fassauswahl beweist, habe ich mich zum Kauf entschlossen.
Der 2009 destillierte Single Malt reifte vollständig in einem 1st Fill Bourbon Hogshead und ist auf 272 Flaschen limitiert. Abgefüllt wurde er mit 52,5 % vol., ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration.
Aussehen
Helles Bernstein
Nase
Der Whisky benötigt etwas Zeit im Glas und wirkt zunächst leicht verschlossen. Mit zunehmender Belüftung öffnet er sich jedoch deutlich und präsentiert eine reife, vielschichtige Aromatik.
Im Vordergrund steht eine intensive Vanillenote – fast so, als würde man eine frische Bourbon-Vanilleschote aufschneiden und das Mark herauskratzen. Dahinter folgen süßes Karamell und Nougat, begleitet von einer zunächst schwer greifbaren Fruchtigkeit. Diese entwickelt sich zu einem cremigen Eindruck von Birnen, Aprikosen und etwas Mango.
Im Hintergrund zeigen sich weitere, tiefere Schichten: Anklänge von gelagertem Heu und Kräutern, dazu Nüsse sowie trockenes, leicht staubiges Holz – ein robuster Unterbau. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden und bringt eine frische, leicht minzige Note mit.
Mit Wasser verstärken sich Vanille und Frucht (nun klarer in Richtung Aprikosenkompott), während die trockenen, staubigen Noten etwas an Gewicht verlieren.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Der Antritt ist kompakt und kraftvoll, mit deutlich wahrnehmbarem Alkohol. Die 16 Jahre Reife würde man zunächst nicht vermuten – dafür wirkt der Whisky fast etwas stürmisch und deutlich weniger gelassen als in der Nase. Ein echtes Chamäleon. Die dominierende Vanille aus der Nase tritt zunächst in den Hintergrund. Stattdessen prägen würzige Fassnoten das Bild: getrocknete Gewürze, Ingwer und schwarzer Pfeffer. Am Zahnfleisch und an den Wangen baut sich eine zunehmende Trockenheit auf.
Ab der Mitte kehrt die Vanille zurück, begleitet von Nougat und einer angenehmen Süße. Dazu gesellen sich dezente Fruchtnoten – reife Birnen, Birnenschale und ein Hauch Rosinen.
Mit Wasser wird der Whisky zugänglicher: Vanille und Frucht treten stärker hervor, während die würzige, leicht scharfe Seite zurücktritt. Er wirkt runder und süffiger, verliert dabei jedoch etwas an Ecken und Kanten.
Abgang
Im Finish verbinden sich Vanille, Ingwer, Birnenschale, Rosinen und leicht bittere Eichenholznoten zu einer ausgewogenen, lang anhaltenden Komposition. Hier zeigt sich der Whisky deutlich gereifter und harmonischer als noch im ersten Eindruck am Gaumen.
Fazit
Meine zweite Abfüllung aus dieser Serie – und mein erster Glen Ord. Beide machen Lust auf mehr. Das ist kein Whisky für nebenbei. Er hat Charakter, ist eigenständig und weit entfernt von Beliebigkeit. Die Ex-Bourbon-Reifung passt hervorragend und unterstreicht die robuste, kernige Aromatik dieses „Highlanders“.
Bleibt zu hoffen, dass Diageo weiterhin Fässer an unabhängige Abfüller wie James Eadie abgibt – denn solche Abfüllungen zeigen eindrucksvoll, welches Potenzial im Destillat steckt.


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