Whiskybase
English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.
Die Marke Woodford Reserve gehört zum US-amerikanischen Getränkekonzern Brown-Forman, zu dem auch Jack Daniel’s zählt. In der gleichnamigen Brennerei wird zwar Whiskey produziert, sie dient jedoch vorwiegend als Besucherzentrum. Die eigentliche Herstellung der Woodford-Reserve-Whiskeys findet in der nahegelegenen Early Times Distillery statt, die ebenfalls dem Konzern gehört.
Der klassische Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon wird dreifach in Pot Stills destilliert – eine echte Besonderheit in Kentucky, wo meist auf kontinuierliche Kolonnendestillation gesetzt wird. Die meisten Bourbons dieser Brennerei tragen keine Altersangabe, da sie aus Whiskeys verschiedenen Alters komponiert werden. Die übliche Mash-Bill besteht aus 72% Mais, 18% Roggen und 10% gemälzte Gerste.
Der Woodford Reserve Double Oaked war einer der ersten Bourbons überhaupt mit einer doppelten Fassreifung, als er 2012 erstmals in den Regalen der US-Liquor Stores erschien. Nach seiner initialen Reifung in neuen, ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Weißeiche wird der Whiskey für etwa ein weiteres Jahr in ein zweites, stärker getoastetes und zusätzlich angekohltes Eichenfass gefüllt. Diese Nachreifung soll die Aromen von Holz, Vanille und Karamell noch intensiver hervorheben.
Wie der klassische Reserve wird auch der Double Oaked mit 43,2 Prozent abgefüllt. Künstliche Färbung kommt nicht zum Einsatz, dafür jedoch – wie in den USA üblich – eine Kühlfiltration, damit der Whiskey bei Eiszugabe klar bleibt.
Aussehen
Dunkles Mahagoni
Nase
Trotz der moderaten 43 Prozent zeigt sich die Nase erstaunlich voll und ausdrucksstark. Kein Alkoholstich, stattdessen satte, intensive Aromen. Besonders auffällig ist der kräftige Zimtduft, der zunächst alles andere überlagert. Danach entfalten sich süßes Kirschkompott, reichlich Vanille und Ahornsirup. Zimt und Vanille dominieren das Bild – selten habe ich bei einem Bourbon so viel Vanille wahrgenommen.
Die doppelte Fassreifung macht sich durch eine deutliche Holzwürze bemerkbar: geröstete Haselnüsse, Harz, alte Eichenbretter und eine feine Spur von Aceton am Ende. Insgesamt ist die Nase für den geringen Alkoholgehalt bemerkenswert intensiv.
Nach dem ersten Schluck erscheinen zusätzlich Aromen von dunklem Karamell und den eingetrockneten Kaffeeresten am Boden einer Tasse.
![]() |
| Bei den US-Abfüllungen bekommt der Double Oaked 45,2% anstelle der 43,2% bei uns. |
Geschmack
Das Mundgefühl ist ölig und etwas dünn, es wirkt aber nicht wässrig. Der Zimt aus der Nase tritt sofort wieder auf und bringt eine angenehme Schärfe mit. Die würzigen Aromen setzen sich fort: geröstete Hasel- und Erdnüsse, Harz und eine frische Minznote. Obwohl der Roggenanteil in der Mash Bill nur rund 18 Prozent beträgt, ist sein Einfluss deutlich spürbar – was mir als Rye-Fan sehr zusagt.
Die süßen Kirschen entwickeln sich nun in Richtung Maraschino, die Vanille bleibt präsent, tritt aber etwas in den Hintergrund. Ab der Mitte dominiert das Eichenholz – kräftig und forsch, was man mögen muss.
Abgang
Das Finish bringt nochmals Kirsche, Menthol und Eichenwürze, erinnert fast an ein Hustenzuckerl. Dann flacht der Whiskey jedoch recht rasch ab – hier fehlt etwas an Durchhaltevermögen. Mit ein paar Prozent mehr Alkohol hätte das Finale wahrscheinlich länger getragen.
Fazit
Trotz der eher niedrigen 43 Prozent überrascht der Double Oaked mit Intensität und Tiefe – vor allem durch seine ausgeprägte Zimtnote - in der Nase und beim Geschmack. Die doppelte Fassbelegung ist deutlich spürbar und verleiht ihm eine ausgeprägte Würze, die fast an einen höheren Roggenanteil denken lässt. Der Abgang könnte länger sein, endet etwas abrupt. Insgesamt aber ein sehr harmonischer, gefälliger Bourbon mit schönem Aromenspiel. Ein paar zusätzliche Prozent Alkohol hätten ihm vermutlich gutgetan, könnten aber auch die Eiche zu dominant gemacht haben.


Keine Kommentare
Kommentar veröffentlichen