
Whiskybase
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Ende Oktober, rund um den 31.10., verkoste ich traditionell einen Single Malt mit Halloween-Bezug – und nein, ich bin dabei nicht als Whiskyzombie verkleidet. In den vergangenen Jahren waren es immer Abfüllungen aus der „A Dream of Scotland“-Reihe des Brühler Whiskyhauses, da Marco Bonn regelmäßig Flaschen mit Halloween-Motiven etikettiert. Und natürlich wird auch heuer diese Tradition fortgeführt.
Abgesehen vom Etikett zählt jedoch vor allem der Inhalt. Dieses Mal handelt es sich um einen 14 Jahre alten Port Charlotte mit Château Margaux Cask Finish. Im Rahmen der ADoS-Serie gab es bereits eine ganze Reihe hervorragender Port Charlottes mit Weinfinish. Marco muss einen richtig guten Draht zu Bruichladdich haben, um so oft Port Charlottes Fässer zu erhalten. Entsprechend groß war die Erwartung an dieses Sample. Die Dauer des Finishs ist nicht bekannt. Abgefüllt wurde mit 56,2%, ohne Kühlfiltration und ohne Färbung, insgesamt kamen 364 Flaschen auf den Markt.
Aussehen
Rötliches Kupfergold
Nase
Die Nase beweist mir wieder, warum ich auf Port Charlottes mit Weinfassbeteiligung stehe. Ähnlich wie bei der Cask Exploration Serie von Bruichladdich hat man auch bei dieser Abfüllung eine tolle Kombination aus diesem speckigen, leicht schmutzigen Holzrauch mit tollen Aromen von süßem Beerenobst, dass zu einem noch warmen, mit Vanille verfeinertem Röster verkocht wurde.
Man braucht etwas Zeit, bis sich die Nase durch den anfänglich dichten Rauch arbeitet. Dahinter entfalten sich reife dunkle Früchte wie Brombeeren, Heidelbeeren und schwarze Johannisbeeren, begleitet von säuerlich frischen Noten von Erdbeeren und Pflaumen.
Parallel zeigt sich eine würzige, erdig-herbstliche Seite mit Kräutern, altem Laub auf feuchter Wiese, gelagertem Holz und einer angenehmen, leicht muffigen Note. Der Alkohol wirkt präsent, aber gut eingebunden. Die Nase ist kraftvoll, vielschichtig und ausgesprochen einladend.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Im Mund legt der Whisky sofort los. Der Alkohol trägt den Rauch nach vorne und eröffnet ein dichtes Aromenspiel am Gaumen. Der Rauch ist kräftig, speckig, rußig, mit Assoziationen von dunkler Grillmarinade und Holzkohle.
Erst dann schiebt sich das warme, süße Beerenkompott nach, begleitet von Vanille. Die Süße bleibt deutlich, wird aber von der herb-würzigen Rauchstruktur ideal eingebettet. Das Finish des Weinfasses zeigt sich erkennbar in fruchtiger Tiefe und feinen Tanninen, ohne den Malt zu überdecken.
Altes Holz, getrockneter Tabak und ausgedrückte Teeblätter sorgen für eine angenehm herbe Kontur. Trotz der weinigen Akzente bleibt der typische Port-Charlotte-Charakter deutlich erhalten.
Abgang
Der speckige Rauch haftet lange am Gaumen, unterstützt von kalter Asche. Die Beerenaromen klingen langsam aus, während das alte Holz dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil und eine leichte Bitterkeit mitbringt. Ein langes, rauchbetontes Finale, wie man es sich von Port Charlotte wünscht.
Fazit
Marco Bonn hat in den vergangenen Jahren eine Reihe sehr gelungener Port Charlottes abgefüllt, und dieser reiht sich ohne Frage in diese Qualität ein. Die Kombination aus schwerem, speckigem Rauch und konzentrierter Beerenfrucht funktioniert hier erneut hervorragend. Das Weinfass setzt prägnante Akzente, ohne die Balance zu kippen. Ein ausdrucksstarker, vollmundiger, sehr gelungener Port Charlotte.

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