Whiskybase
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In den letzten drei Wochen landeten zwei weitere Samples von neu erschienenen Abfüllungen von whic.de in meinem Briefkasten. Pragmatisch wie ich nun einmal bin, habe ich für die dieswöchige Verkostung einfach die erste der beiden ausgewählt.
Es handelt sich dabei um die zehnte Ausgabe der Ragnarøkkr-Reihe. Der Name der Abfüllung lautet Surtr. Surtr war in der nordischen Mythologie ein Feuerriese und zerstörte in der Ragnarök-Saga die Brücke Bifröst, die Midgard mit Asgard verbindet. In der Realität verbirgt sich hinter dem Namen ein 14-jähriger Single Malt aus einer geheim gehaltenen Brennerei in den Highlands.
Da in dieser Serie ausschließlich rauchige Vertreter abgefüllt werden, liegt also ein rauchiger Whisky im Glas. Die Rahmendaten lesen sich sehr ordentlich: Vollreifung in einem Oloroso Sherry Butt, 50,9% Alkoholstärke, 570 Flaschen, keine Färbung, keine Kühlfiltration.
Also, lassen wir den Feuerriesen ins Glas.
Aussehen
Blütenhonig
Nase
Wenn man glaubt, die Brennerei hinter einer „Secret Distillery“ zu erkennen, liegt man bekanntlich oft falsch. Bei rauchigen Highland-Whiskys denke ich meist zuerst an Ballechin von Edradour. Hier jedoch spricht der erste Eindruck dagegen. Der Rauch ist weniger intensiv und die für mich so typische „Kuhstall-Attitüde“ fehlt.
Stattdessen präsentiert sich ein Holzrauch mit kleinen, mineralisch wirkenden Steinkohlenstücken. Dazu kommen Speckscheiben mit BBQ-Marinade, in die dunkle Beeren wie Heidelbeeren oder Brombeeren eingekocht wurden. Rauch, Frucht und Süße verschmelzen sehr angenehm, die Rauchintensität ist mittelstark.
Hinter dem Rauch findet man würzige, getrocknete Küchenkräuter und eine fruchtig-säuerliche Zitrusnote — wie Zitronenzuckerl oder eine noch nicht ganz reife Mandarine. Mit Zeit im Glas wird das Ganze cremiger; Vanille tritt deutlicher hervor, die Mandarine wandelt sich langsam Richtung Orangenmarmelade. Der Alkohol ist spürbar, aber gut eingebunden.
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| Fotocredit: whic.de |
Geschmack
Auf der Zunge startet der Whisky kraftvoll, der Rauch wirkt hier sofort intensiver als in der Nase. Während ich im Geruch eher in Richtung Ardmore tendiert habe, schiebt sich jetzt doch Edradour/Ballechin wieder ins Gedächtnis.
Der Rauch wirkt wie heruntergebranntes Holz mit Aschepartikeln. Dazu kommt ein Hauch „Stall“ und feuchtes Heu. Die Süße wirkt wie weiches cremiges Fudge und sorgt für ein schönes Gegengewicht. Danach übernehmen würzige Noten immer mehr das Kommando. So finden sich getrocknete Kräuter, Walnüsse mit Haut, Leder, Tabak und etwas Eichenholzsaft im Geshmack wieder. Weißer Pfeffer und Zimt sorgen für einen zusätzlichen pikanten Akzent. Der Alkohol ist ausgezeichnet integriert.
Abgang
Das Finale gestaltet sich lang anhaltend mit viel Rauch und Asche sowie mit Zimt, dunkler Schokolade, braunem Zucker und Tabak.
Fazit
Eine wirklich gelungene Abfüllung. Der Rauch ist kräftig, doch die anderen Aromen kommen nicht zu kurz. Ein paar Minuten Zeit im Glas lohnen sich besonders für die Nase. Am Gaumen übernehmen die würzigen Noten mehr die Kontrolle, was zu einem spannenden Wechselspiel zwischen Würze und Süße führt. Die 14 Jahre Reifezeit nimmt man ihm definitiv ab.
Und ja, ich lege mich fest — ich halte das für einen Ballechin. Falls jemand Genaueres weiß, gerne unten in die Kommentare.


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