Whiskybase
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Es war reines Glück, dass ich im vergangenen Frühjahr genau an dem Tag im Onlineshop von Potstill in Wien stöberte, als das damals aktuelle Batch 25 des Springbank 12 CS verfügbar war. Da musste ich nicht lange überlegen – was man bei Springbank-Abfüllungen ohnehin tunlichst vermeiden sollte – und griff sofort zu.
Die Flasche wurde auch sogleich geöffnet und ein paar Samples fanden ihren Weg zu den Kumpels. Bis auf zwei oder drei Drams veränderte sich der Füllstand über die folgenden Monate hinweg kaum. Jetzt, mit Beginn der kühleren Jahreszeit, sticht mir die Flasche immer häufiger ins Auge und es ist gut möglich, dass sie den Winter nicht überlebt.
Es wird also Zeit, dieses Batch einer genaueren Betrachtung samt Verkostungsnotizen zu unterziehen.
Für diese Ausgabe wurde eine Fassmischung aus 70 Prozent Bourbon und 30 Prozent Sherry verwendet. Abgefüllt wurde mit kräftigen 57,2 Prozent Alkohol. Wie bei Springbank üblich gibt es weder nachträgliche Färbung noch Kühlfiltration.
Aussehen
Dunkler Bernstein
Nase
Intensiv, muffig, angekohltes Holz, würzig – so eröffnet dieses Batch den Geruchsreigen. Sofort ist diese für Springbank so typische, leicht schmutzige Aromendichte präsent. Vor meinem inneren Auge entsteht ein Raum voller alter Ledermöbel, umgeben von Bücherregalen mit angestaubten Büchern. Auf dem Couchtisch liegen Krümel von altem Pfeifentabak, und vor dem Sofa steht ein Paar mit Schuhcreme gepflegte Lederhausschuhe.
In einer Schale liegen getrocknete Aprikosen und Pflaumen, die einen cremig-fruchtigen Duft verströmen. Mit steigender Luftzufuhr verwandelt sich vor allem die Pflaume in eine Erdbeermarmelade mit einem deutlichen Vanilleeinschlag. Richtig süß ist die Abfüllung nicht, Honig- oder Zuckernoten treten kaum auf, doch die Kombination aus Vanille, Aprikose und Erdbeermarmelade sorgt für eine angenehm süß-cremige Assoziation.
Eine wirklich delikate Nase, die zum Dauerschnuppern animiert. Der Alkohol ist kräftig, aber hervorragend integriert.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Unverdünnt sorgen die über 57 Prozent für einen kraftvollen und wärmenden Antritt. Ein feines Prickeln auf der Zunge, begleitet von einer anregenden Ingwer- und leichten Chilischärfe, eröffnet das Geschehen. Danach folgen Pfefferminz, cremige halbbittere Schokolade, geröstete Nüsse, die leicht angeschwärzten Holzscheite und Tabakaromen. Der typische Springbank-Funk ist ebenfalls vorhanden und zeigt sich vor allem in einer Assoziation nach einem schmutzigen Lappen voller Maschinenöl. Immer wieder erstaunlich, wie Springbank diese Aromen hervorruft.
Die fruchtige Seite wirkt eher verhalten. Getrocknete Aprikosen und ein Hauch getrockneter Beeren sind vorhanden und werden von einer fein eingebundenen Süße begleitet.
Mit Wasser wird der scharf-würzige Beginn milder und süßes, cremiges Karamell mit viel Vanille tritt stärker hervor. Auch verdünnt bleibt die fruchtige Seite zurückhaltend. Die schmutzige, funkige Seite gewinnt dafür an mineralischen Eindrücken hinzu. Sehr interessant.
Abgang
Getrocknete Aprikosen in geschmolzener dunkler Schokolade. Angekohlte Holzstücke liegen auf einem schmutzigen Lappen, der Flecken von Motoröl zeigt. Zusammen mit getrockneten Tabakblättern und Schuhpolitur bleibt all das lange im Rachen und am Gaumen haften.
Fazit
Ich bin wirklich froh, dass ich mir damals eine Flasche sichern konnte. Dieses Batch ist ein ausgesprochen leckerer Vertreter des Springbank-Stils und gefällt mir jedes Mal, wenn ich es im Glas habe – was in den nächsten Wochen sicherlich häufiger der Fall sein wird.
Ich tendiere klar dazu, ihn unverdünnt zu genießen, da er mir mit etwas Wasser zu generisch wurde. Der Funk war zwar weiterhin da, aber mir fehlte der Punch.


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