Whiskybase
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Die Geschichte hinter dem Namen James Eadie reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Eadie war ein bekannter schottischer Bierbrauer und Besitzer mehrerer hundert Pubs, in denen sein Bier und seine Spirituosen ausgeschenkt wurden. Zudem verfügte er über eines der frühesten dokumentierten Rezepte für einen Blended Scotch Whisky, das sich bereits lange im Familienbesitz befand. Nachdem das Unternehmen in den 1930er-Jahren verkauft wurde, blieb der Blend noch einige Jahrzehnte auf dem Markt, geriet dann jedoch in Vergessenheit.
In den 2010er-Jahren beschloss Rupert Patrick, in die Fußstapfen seines Ur-Urgroßvaters zu treten und unter dem historischen Namen James Eadie als unabhängiger Abfüller aufzutreten. Neben der Wiederbelebung des alten Blend-Rezepts – heute als Trade Mark X erhältlich – veröffentlicht die Firma zahlreiche spannende Serien und Einzelfassabfüllungen
Eine dieser Serien basiert auf dem bemerkenswerten Buch „The Distilleries of Great Britain & Ireland“. Bei Recherchen zum Originalrezept stieß Patrick zufällig auf eine Sammlung über 90 Jahre alter Artikel aus den Jahren 1922–1927, in denen 124 damalige Brennereien detailliert beschrieben und erstmals umfassend fotografisch dokumentiert wurden. Die Artikel wurden mit großem Aufwand restauriert, digitalisiert und zu einem einzigen Werk zusammengeführt, das heute bei Royal Mile Whisky in Edinburgh erhältlich ist.
In dieser Serie veröffentlicht James Eadie regelmäßig Whiskys jener Brennereien, die im historischen Buch beschrieben sind und bis heute produzieren. Eine dieser Abfüllungen fand nun den Weg in mein Glas.
Der Longmorn 2014 ist ein elfjähriger Single Malt, ausgewählt für den deutschen Markt. Nach einer Vollreifung in einem 1st Fill Bourbon Barrel wurde er 2025 mit 52,4 % vol. in 280 Flaschen abgefüllt.
Aussehen
Chardonnay
Nase
Eine feine, klassische Bourbon-Nase mit frischen, grünen, leicht grasigen Anklängen. Zunächst dominiert eine intensive Vanillenote, begleitet von warmem Honigkuchen, kernigen Cerealien und einer leichten Staubigkeit. Nach diesem ersten Eindruck von Vanillekipferl öffnet sich die Nase zunehmend hin zu fruchtigen Noten - grüne und gelbe Äpfel, Birnen, Honigmelonen und Aprikosen sorgen für eine hellfruchtige, leicht tropische Vielfalt.
Etwas feuchtes Holz mit würzigen Akzenten kommt vor allem im späteren Verlauf hinzu. Insgesamt wirkt der Duft ölig und wachsig – Vergleiche mit Clynelish sind durchaus angebracht. Alkoholische Schärfe ist praktisch nicht spürbar.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Ölig und wachscremig setzt der Whisky im Mund ein, begleitet von einer überraschend ausgeprägten Süße und hellem Kuchenteig – deutlich honigsüßer, als es die Nase erwarten lässt. Vanillepudding trifft auf Aprikosen- und Apfelkompott, was hervorragend mit dem honigartigen Gebäckcharakter harmoniert.
Die anfängliche Süße weicht relativ zügig einer würzigeren Phase mit grünen Apfelschalen, dunkler Schokolade mit höherem Kakaoanteil und etwas Holzsaft. Zimt und eine Spur geriebener Ingwer bringen zusätzliche Schärfe ins Aromenspektrum. Im Gegensatz zur Nase zeigt sich der Alkohol am Gaumen deutlich präsenter.
Abgang
Der Abgang beginnt ebenfalls würzig mit Noten von Zimt und Holzsaft. Dazu gesellen sich weiterhin Apfel- und Birnenschalen sowie ein Müsliriegel mit etwas Honigsüße und Vanille. Der Abgang ist mittellang.
Fazit
Eine sehr gelungene Ex-Bourbon-Abfüllung, der man problemlos ein paar weitere Jahre Reifung zutrauen könnte. Sie funktioniert nicht nur im Sommer hervorragend, sondern bietet auch im Winter eine willkommene, frische Abwechslung. Neben der intensiven Vanille und dem schönen hellen Obstkorb überzeugt vor allem die ölige, wachsige Konsistenz – besonders bemerkenswert für sein noch junges Alter.
Ich werde die Abfüllungen von James Eadie künftig definitiv im Auge behalten. Hier wird offenbar mit viel Fingerspitzengefühl zur richtigen Zeit das richtige Fass abgefüllt.




