Longmorn
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Donnerstag, 11. Dezember 2025

Longmorn 11y 2014 (James Eadie, JE)

 

Whiskybase

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Die Geschichte hinter dem Namen James Eadie reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Eadie war ein bekannter schottischer Bierbrauer und Besitzer mehrerer hundert Pubs, in denen sein Bier und seine Spirituosen ausgeschenkt wurden. Zudem verfügte er über eines der frühesten dokumentierten Rezepte für einen Blended Scotch Whisky, das sich bereits lange im Familienbesitz befand. Nachdem das Unternehmen in den 1930er-Jahren verkauft wurde, blieb der Blend noch einige Jahrzehnte auf dem Markt, geriet dann jedoch in Vergessenheit.

In den 2010er-Jahren beschloss Rupert Patrick, in die Fußstapfen seines Ur-Urgroßvaters zu treten und unter dem historischen Namen James Eadie als unabhängiger Abfüller aufzutreten. Neben der Wiederbelebung des alten Blend-Rezepts – heute als Trade Mark X erhältlich – veröffentlicht die Firma zahlreiche spannende Serien und Einzelfassabfüllungen

Eine dieser Serien basiert auf dem bemerkenswerten Buch „The Distilleries of Great Britain & Ireland“. Bei Recherchen zum Originalrezept stieß Patrick zufällig auf eine Sammlung über 90 Jahre alter Artikel aus den Jahren 1922–1927, in denen 124 damalige Brennereien detailliert beschrieben und erstmals umfassend fotografisch dokumentiert wurden. Die Artikel wurden mit großem Aufwand restauriert, digitalisiert und zu einem einzigen Werk zusammengeführt, das heute bei Royal Mile Whisky in Edinburgh erhältlich ist.

In dieser Serie veröffentlicht James Eadie regelmäßig Whiskys jener Brennereien, die im historischen Buch beschrieben sind und bis heute produzieren. Eine dieser Abfüllungen fand nun den Weg in mein Glas.

Der Longmorn 2014 ist ein elfjähriger Single Malt, ausgewählt für den deutschen Markt. Nach einer Vollreifung in einem 1st Fill Bourbon Barrel wurde er 2025 mit 52,4 % vol. in 280 Flaschen abgefüllt.


Aussehen
Chardonnay


Nase
Eine feine, klassische Bourbon-Nase mit frischen, grünen, leicht grasigen Anklängen. Zunächst dominiert eine intensive Vanillenote, begleitet von warmem Honigkuchen, kernigen Cerealien und einer leichten Staubigkeit. Nach diesem ersten Eindruck von Vanillekipferl öffnet sich die Nase zunehmend hin zu fruchtigen Noten - grüne und gelbe Äpfel, Birnen, Honigmelonen und Aprikosen sorgen für eine hellfruchtige, leicht tropische Vielfalt.

Etwas feuchtes Holz mit würzigen Akzenten kommt vor allem im späteren Verlauf hinzu. Insgesamt wirkt der Duft ölig und wachsig – Vergleiche mit Clynelish sind durchaus angebracht. Alkoholische Schärfe ist praktisch nicht spürbar.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Ölig und wachscremig setzt der Whisky im Mund ein, begleitet von einer überraschend ausgeprägten Süße und hellem Kuchenteig – deutlich honigsüßer, als es die Nase erwarten lässt. Vanillepudding trifft auf Aprikosen- und Apfelkompott, was hervorragend mit dem honigartigen Gebäckcharakter harmoniert.

Die anfängliche Süße weicht relativ zügig einer würzigeren Phase mit grünen Apfelschalen, dunkler Schokolade mit höherem Kakaoanteil und etwas Holzsaft. Zimt und eine Spur geriebener Ingwer bringen zusätzliche Schärfe ins Aromenspektrum. Im Gegensatz zur Nase zeigt sich der Alkohol am Gaumen deutlich präsenter.


Abgang
Der Abgang beginnt ebenfalls würzig mit Noten von Zimt und Holzsaft. Dazu gesellen sich weiterhin Apfel- und Birnenschalen sowie ein Müsliriegel mit etwas Honigsüße und Vanille. Der Abgang ist mittellang.


Fazit
Eine sehr gelungene Ex-Bourbon-Abfüllung, der man problemlos ein paar weitere Jahre Reifung zutrauen könnte. Sie funktioniert nicht nur im Sommer hervorragend, sondern bietet auch im Winter eine willkommene, frische Abwechslung. Neben der intensiven Vanille und dem schönen hellen Obstkorb überzeugt vor allem die ölige, wachsige Konsistenz – besonders bemerkenswert für sein noch junges Alter.

Ich werde die Abfüllungen von James Eadie künftig definitiv im Auge behalten. Hier wird offenbar mit viel Fingerspitzengefühl zur richtigen Zeit das richtige Fass abgefüllt.

Donnerstag, 30. Januar 2025

Longmorn 14y 2007 Private Cask (Wilson & Morgan)

 

Whiskybase

English Text-Version


Im Spätsommer letzten Jahres teilte ich mir mit einem Whisky-Kumpel brüderlich den Longmorn 14 Jahre von Wilson & Morgan. Mein bislang einziger Berührungspunkt mit dieser Speyside Brennerei war ein von Meadowside Blending unabhängig abgefüllter 10jähriger aus 2008, der mit einem PX-Sherry-Cask-Finish veredelt wurde. Ein farblich sehr dunkler Kollege mit einem erwartungsgemäß sehr aktivem Sherry-Profil.

Umso mehr interessierte uns diese spezielle Abfüllung. Denn die Fassbelegung ist sehr speziell. Auf der Flasche ist zu lesen, dass die Reifung in einem Refill-Hogshead passierte, um anschließend ein Finish von 16 Monaten in einem 2nd Fill Vigin Oak Barrel zu bekommen. Zwei Dinge sind bei der kolportierten Reifung nicht alltäglich. 

Erstens ist es die Fassbezeichnung des Finish - 2nd Fill Virgin Oak. Wie geht das? Ich hab mich bei den Profis im Fassstark.de-Forum schlau gemacht, weil mich diese Definition irritiert zurück ließ. Wie kann ein nochmals befülltes Fass jungfräulich, also unbenutzt sein? Und genau hier liegt der Denkfehler meinerseits. Bei einem 2nd Fill Virgin Oak Barrel handelt es sich um ein zum zweiten Mal mit schottischem Whisky befülltes Fass, in dem vorher absolut keine Vorbelegung stattgefunden hat. 

Zweitens ist die Tatsache spannend, dass eins der verwendeten Fässer (ob es das Refill Hogshead oder das Finish-Fass war, ist nicht bekannt) ein Ex-Caol Ila Fass gewesen ist und damit auch Islay-Rauch im Spiel ist.


Aussehen
Süßwein, sattes Gelbgold.


Nase
Nach dem Einschenken ist sogleich ein warmer Traubenkuchen zu riechen - malzige Noten mit Vanille und zugleich auch Aromen von hellen Trauben, leicht süßlich mit einer angenehmen Fruchtsäure kombiniert. Nach ein paar Minuten erscheinen tropische Früchte auf der Geruchsbühne, im Ensemble dabei sind reife Bananen, eine Spur von süßen Mangos und grüne Kiwis.

Der Whisky ist wie ein Chamäleon, er verändert fortwährend seine Nase. Eine feine aromatische Würzigkeit, die Ähnlichkeiten nach Rooibos Tee, exotischen Hölzern wie Mizunara Eiche aber auch Schalen von Grapefruit und Pomelos zeigt.

Ganz dezent im Hintergrund verweilt die gesamte Zeit eine Rauchnote. Holzkohle oder Rauch von einem ausgehenden Lagerfeuer, sowie auch mineralische Steinkohle verbinden sich zu einer interessant und wirklich nur ganz minimal vorhandenen Rauchnote. Dies muss vom kolportierten Caol Ila Fass stammen.


Geschmack
Dies hätte man nach der Nase nicht vermutet. Der Rauch ist im Mund wesentlich prägender als vom Geruch zu vermuten gewesen wäre. Er wandelt sich mehr zu einem deutlich phenolisch und mineralischen Rauch.

Hinzu gesellt sich eine lang nachwirkende Süße von Toffee und Honig in Verbindung mit Vanilleschoten. Fruchtseitig begleiten weiterhin Honigmelone, Mango, Quitten und auch ein paar Zesten von Zitronen das Geschmacksprofil.

Leicht bittere Würzigkeit zeigt sich im Verbund mit einer feinen pikanten Schärfe von roten und grünen Pfefferkörnern. Der Holzeinfluss ist erkennbar abe nicht dominant. Insgesamt ist das Aromenspiel am Gaumen sehr homogen und abwechslungsreich.


Abgang
Im Finish ist der typische Islay-Rauch weiterhin  deutlich im Vordergrund. Auch das Eichenholz zeigt mit einer mittelstarken Bitterkeit immer an Präsenz. Vanille, Banane und Melone runden das durchaus lange Finale ab.


Fazit
Ich bin eigentlich kein Fan von Reifung oder dem Finish von nicht-rauchigen oder nur ganz leicht rauchigen Whiskys in einem Fass, dass vorher mit einem stark rauchigen Whisky belegt war. Dies finde ich in der Regel als unnötige Veränderung der eigentlichen Geschmacks-DNA eines Brennereicharakters.
Als Beispiel sei hier ein unabhängig abgefüllter HP genannt, der ein Finish in einem stark rauchigen Ex-Islay-Fass bekam. Wozu?
Und nun habe ich mit diesem Longmorn einen Beweis, dass es funktionieren kann. Die beiden Fassreifungen harmonieren hervorragend mit dem New Make von Longmorn. Kein Fass übertüncht das andere. Im Gegenteil, sie spielen sich den Aromenball passgenau zu. Ein für mich gelungenes Experiment. Es kommt eben darauf an, dass der eigentliche Brennereicharakter nicht zu stark verändert wird bzw. immer noch im Whisky erkannt werden kann. Wieder eine Abfüllung von Wilson & Morgan die mir außerordentlich gut gefällt.

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English Text-Version


I shared Wilson & Morgan's Longmorn 14 year old with a whisky buddy at the end of last summer. My only previous contact with this Speyside distillery was a 2008 ten year old, independently bottled by Meadowside Blending and finished in a PX cask. A very dark fellow with a very active sherry profile, as expected.

This made this particular bottling even more interesting. The cask finish is very special. The bottle states that the maturing took place in a refill hogshead, followed by 16 months of finishing in a 2nd fill Vigin Oak cask. There are two things that are unusual about the stated maturation. 

The first is the cask specification of the finish - 2nd Fill Virgin Oak. How does this work? I asked the gurus on the Fassstark.de forum because I was puzzled by this definition. How can a refilled cask be virgin? And this is where I made my mistake. A 2nd fill virgin oak cask is a cask that has been filled with Scotch whisky for the second time and in which absolutely no previous maturation has taken place. 

Secondly, the fact that one of the casks used (whether it was the refill hogshead or the finishing cask is not known) was an ex-Caol Ila cask, and therefore contains Islay smoke, is also exciting.

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Sweet wine, rich yellow gold in colour.


Nose
After pouring, the first thing you notice is a warm grape cake. Malty notes with vanilla, but also light grape flavours, slightly sweet, combined with a pleasant fruity acidity. After a few minutes, tropical fruit appears on the nose, with ripe bananas, a hint of sweet mango and green kiwi.

The whisky is like a chameleon, constantly changing its nose. A fine aromatic spiciness with similarities to rooibos tea, exotic woods such as mizunara oak, grapefruit and pomelo peel.

There is a subtle smoky note that lingers in the background all the way through. Smoke from a bonfire and mineral charcoal create an interesting and very subtle smokiness. This must be from the rumoured Caol Ila cask.


Palate
You would not have guessed this from the nose. The smoke is much more prominent in the mouth than the nose would suggest. It changes to a more clearly phenolic and mineral smoke.

There is also a lingering sweetness of toffee and honey combined with vanilla pods. On the fruit side, honeydew, mango, quince and some lemon peel continue to accompany the flavour profile.

A slightly bitter spiciness is combined with a fine, piquant spiciness of red and green peppercorns. The wood influence is noticeable but not dominant. Overall, the palate is very homogeneous and varied.


Finish
The typical Islay smoke continues to be very well represented. The oak is also evident, with a medium bitterness. Vanilla, banana and melon round off the very long finish.


Conclusion
I'm not really a fan of maturing or finishing non-peaty or very lightly peaty whiskies in a cask that was previously filled with a heavily peaty whisky. I generally find this to be an unnecessary manipulation of the actual flavour DNA of a distillery's character.

An example of this is an independently bottled HP that has been finished in a heavily peated ex-islay cask. Why?

And now, with this Longmorn, I have proof that it can work. The two casks are in perfect harmony with Longmorn's New Make. Neither cask overpowers the other. On the contrary, they pass the ball of flavour from one to the other in perfect harmony. A successful experiment for me. The important thing is that the actual character of the distillery is not changed too much and is still recognisable in the whisky. Another bottling from Wilson & Morgan that I really like.

Mittwoch, 26. Februar 2020

Longmorn 2008 MBI


Whiskybase

Nase & Aussehen
Die Farbe ist dunkel, Nuss oder ein sehr dunkles Mahagoni würde ich meinen. Da haben die Fässer aber voll abgeliefert. Wenig bis kaum Bildung von Legs im Snifter, wenig ölig. Gleich zu Beginn schwappt eine starke karamellisierte Sherrynote vom Glas in die Nase. Rosinen mit dunklen Früchten. Nach einiger Zeit im Glas und Luft, nimmt der Sherryeinfluss ab und es kommen reife rote Birnen und Äpfel hinzu, begleitet von Beeren wie Heidelbeere oder Brombeere. Trotz den 52,9% ist kein Stechen vom Alkohol in der Nase wahrzunehmen.
Mit Wasserzugabe wird er überraschend hellfruchtig, da gehen die Sherryaromen ziemlich komplett verloren. Man denkt, man hätte einen Malt aus einem Bourbonfass vor sich. Der Apfel und die Birne werden heller, nicht mehr rot, eher nur noch Gelb. Leicht säuerlich wird er auch. Nicht schlecht, aber bei der Farbe im Glas!?

Geschmack
Erster Schluck ohne Wasser. Sehr süß am Anfang im Mund, Karamell. Aber weniger Früchte, als vermutet. Leichtes Prickeln auf der Zunge. Speichelfluss fängt sofort an, leicht trocken werdend vorne bei der Unterlippe.
Mit Wasser wird der Geschmack deutlich runder und besser. Weiterhin süß, jedoch nun auch fruchtiger und runder.


Abgang
Muskatnuss und Zimt bekommt der Malt hin zum Abgang. Am Ende etwas Eiche, aber wenige Bitterstoffe. Auch der Abschluss gewinnt durch Wasser. Die Gewürze werden sanfter, die Eiche wird nun durch einen Kakao präsentiert.

Fazit
Die Farbe im Sample und im Glas suggerierten etwas anderen, was man tatsächlich im Glas hat. Von einer Sherrybombe ist man hier weit entfernt. Nur zu Beginn in der Nase, beim ersten Reinriechen aber dann werden die Aromen deutlich heller. Wasser tut ihm, meiner Meinung nach, gut. Der Preis von über € 150,- ist er mir aber sicher nicht wert. Er ist bei weitem nicht schlecht. Im Gegenteil, er ist lecker - nur nicht den aktuellen Preis wert.
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