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Mittwoch, 21. Mai 2025

Imperial 19y 1995/2014 (vW)

 

Whiskybase

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Mit der Fortdauer in unserem tollen Hobby wächst bei so vielen von uns - mich eingeschlossen - immer mehr die Neugierde und der Wunsch nach älteren Abfüllungen, Abfüllungen aus vergangenen Tagen und auch das Verkosten von Whiskies aus sogenannten Lost Distilleries. Lost Distilleries sind Brennereien aus der Vergangenheit, die nicht mehr produzieren, geschlossen und meist auch abgerissen wurden. 

Abfüllungen jenseits der 20 Lenze, auch Flaschen aus den 80igern und 90igern konnte ich bereits verkosten, fehlte mir nur noch, dass ich auch einen Single Malt aus einer Ghost-Distillery im Glas habe. Ein Kumpel aus meiner Whiskyrunde bot mir ein Sample aus der Imperial Brennerei an - da brauchte ich nicht zwei Mal darüber nachdenken.

Fotocredit: Anne Burgess / Imperial Distillery/wikipedia.com

Die Speyside Brennerei wurde 1897, dem Jahr des diamantenen Thronjubiläums von englischen Königin Victoria, gegründet. Victoria trug ebenso den Titel Kaiserin von Indien und es heißt aus diesem Grund wurde die neue Brennerei Imperial getauft. Die Geschichte der Destille war wechselhafter Natur. Von den 115 Jahren ihres Bestehens stand die Produktion 45 Jahre still. Nach mehreren Besitzerwechsel war 1998 endgültig Schluss. Chivas Brothers riss 2013 die letzten noch stehenden Gebäude ab. Auf dem ehemaligen Gelände wurde von Pernot Ricard 2015 die Dalmunach Distillery gegründet.


Imperial 19y 1995/2014 von van Wees
Es gab von Imperial defacto nie eine Originalabfüllung für den Handel - lediglich einen 15jährigen gab es eine Zeitlang ausschließlich für Mitarbeiter. Aus diesem Grund sind Imperials ausschließlich von unabhängigen Abfüllern auf den Markt gekommen. So auch der 19jährige, dessen Sample ich gleich verkosten werde. Die von van Wees, einem holländischen UA Abfüllung wurde 1995 gebrannt und kam 2014 mit 46% in 312 Flaschen. Die Reifung erfolgte in einem Hogshead - ausgehend von der Farbe muss es sich um Ex-Bourbon Fassbestandteile gehandelt haben.

Fotocredit: whiskybase.com


Aussehen
Hellgold


Nase
Es offenbart sich einem ein wunderbar klassisch sauberes Geruchsbild einer Ex-Bourbonfassreifung. Aufgeschnittene Vanilleschoten, die in Honig eingelegt sind, zu denen sich neben grünem Kernobst Anklänge von tropischen Früchten hinzu gesellen. Immer wieder kommen grüne grasige Noten zum Vorschein, von frisch gemähter Frühlingswiese mit zahlreichen Wiesenblumen. Aber auch eine feine Würzigkeit vom Holz zusammen mit geriebenen Zitronenschalen sorgen für einen angenehmen Kontrastpunkt zu den Fruchtaromen und sorgen so für eine ansprechende Tiefe. Die Reifedauer von 19 Jahren spiegelt sich in einer wunderbaren Cremigkeit und Wachsigkeit im Geruch wieder. Die Alkoholstärke ist perfekt gewählt, nicht zu lasch, die Nase ist ausbalanciert und weich wirkt aber nie dünn.


Geschmack
Die tolle Cremigkeit, verbunden mit dieser feinen wachsigen Note aus dem Geruch führt sich im Mund nahtlos fort. Es beginnt mit einer wunderbaren süßen Honigcreme mit Vanille, die über noch warmes helles Kuchengebäck fließt. Aufgeschnittene Zuckermelonen, Bananen, Weintrauben und reife grüne und gelbe Äpfel liegen neben der Backware. Abgelöst wird das Dessert im Geschmack durch eine mittelstarke Schärfe von geriebenem Ingwer. Sehr aromatisch und wohltemperiert. Ihr folgt am Fuße eine aufkeimende Würzigkeit, in der auch etwas Muskatnuss, Zimt sowie Traubentrester mit einer leichten Bitterkeit eine Rolle spielt. Auch im Mund ist der Alkohol sehr gut integriert, alle Aromen und Geschmacksnoten haben ausreichend Kraft und Intensität.


Abgang
Gegen Ende hin zieht das Holz mehr an, die längere Reifedauer merkt man nun deutlicher anhand von mehr Bitterstoffen. Die Haut und die Kerne von grünen Trauben sind ebenso präsent, wie weiterhin etwas Vanille und die Schalen der Äpfel. Das Finish gestaltet sich lange, der Whisky liegt cremig im Mundraum.


Fazit
Keine Ahnung, was die wirtschaftlichen oder konzerninternen Überlegungen waren, die Chivas Brother bzw. Pernot Ricard dazu bewogen hat, die Imperial Distillery zu schließen und abzureißen. Am Brand, am Whisky der dort produziert wurde, kann es beileibe nicht gelegen haben. Zusammen mit einem guten Fass wie bei dieser Abfüllung hat man einen wunderbaren, klassisch gereiften Ex-Bourbon Single Malt in die Flasche gezaubert. Der Whisky gefällt mir durch seine unaufgeregte Art sehr gut. Ich merke immer mehr, wie mich so ruhige, gediegene Ex-Bourbon gereifte Malts mit einem erhöhten Alter abholen und immer mehr begeistern können.

Mittwoch, 13. Oktober 2021

The Ultimate Whitlaw 2014 vW

 

Whiskybase

Im Frühjahr diesen Jahres gesellte sich eine nicht alltägliche Flasche zu meiner Sammlung. Ein 5jähriger Whitlaw vom unabhängigen Abfüller van Wees aus Holland. Ich mag die Abfüllungen von van Wees. Sie sind in punkto Preis/Leistungsverhältnis oft für meinen Geschmack sehr ok und bieten, neben den üblichen Verdächtigen, auch immer wieder ein paar nicht alltägliche Abfüllungen. Wie zb. diesen Whitlaw.
Whitlaw? Eine neue unbekannte Brennerei? Nein. Hinter der schottischen Highland Park-Brennerei auf den Orkney-Inseln liegen die Whitlaw Hills. Highland Park erlaubt Abfüllern nur selten ihren Markennamen zu verwenden. Aus diesem Grund werden Alternativ-Namen wie Secret Orkney, An Orkney Distillery oder eben auch Whitlaw verwendet.
Zusammengefasst haben wir hier - höchstwahrscheinlich ;-) - einen Highland Park mit 5 Jahren, der in einem Dechar/Rechar-Butt reifte und mit 46% Trinkstärke abgefüllt wurde.


Nase & Aussehen
Der Malt präsentiert sich mit einem satten Goldton im Glas. Das rund erneuerte Fass hat hier offensichtlich gute Arbeit geleistet, wenn nach so wenigen Jahren so eine Farbe entsteht. Sofort der typische sanfte kräuterige Highland Park Rauch in der Nase. Der Whisky benötigt ein paar Minuten Standzeit - er ist anfangs verschlossen. Dann öffnet er sich und man erkennt die unverkennbare Note von Heidekraut, auch frisches Heu und leicht blumig ist er im Geruch. Auch Vanille und eine leichte Süße ist vorhanden. Als Fruchtaromen sind neben einer leichten Banane vor allem schöne Zitrusnoten zu riechen, die mit der Zeit in Richtung Grapefruit wandern. Je länger man ihm gibt, desto mehr verweben die Geruchskomponenten sich miteinander und werden voller und kräftiger.


Geschmack
Beim ersten Schluck gleich ein kräftiger Antritt. Leichte Schärfe, dann wird es rauchig und das Heidekraut aus der Nase zeigt sich. Küchenkräuter sorgen für eine würzige Note. Mit dem zweiten Schluck wird es süßer und fruchtiger. Nun sind die Vanille und die Früchte aus der Nase auch im Geschmack zu erkennen. Jedoch sind keine Fehlnoten wahrzunehmen. Der Fasseinfluss mit einer ordentlichen Eiche ist ebenfalls schon deutlich präsent.


Abgang
Der für mich für HP markante Heidekraut-Rauch ist weiterhin deutlich da. Auch die anderen Kräuter und die Eiche sind immer noch zu schmecken -  leicht astrigierend und zart bitter ist er gegen Ende hin. Etwas Süße und eine zarte Zitronennote begleiten das Finish. Der Abgang ist eher von mittellanger Natur.


Fazit
Mir gefällt er. Er hat so etwas altmodisches an sich. Er mag jetzt nicht der komplexeste Geselle sein. Aber es ist ein ehrlicher Malt mit einem bekannten Alter. Ist nicht alltäglich, dass man weiß, wie lange ein junger schottischer Single Malt im Fass lag und reifte. Meistens werden daraus alterlose NAS-Abfüllungen. Um die rund € 30,- die ich für ihn bezahlte hat man einen schönen kräftigen Highland Park (auch wenn man es nicht laut sagen darf) mit Alter und einer schönen Trinkstärke. Passt.

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This spring, a not-so-common bottle joined my collection. A 5-year-old Whitlaw from the independent bottler van Wees in Holland. I like the bottlings from van Wees. In terms of price/performance ratio, they are often very ok for my taste and offer, besides the usual suspects, also some unusual bottlings. Like this Whitlaw, for example.
Whitlaw? A new unknown distillery? No. Behind the Scottish Highland Park distillery on the Orkney Islands lie the Whitlaw Hills. Highland Park rarely allows bottlers to use their brand name. For this reason, alternative names such as Secret Orkney, An Orkney Distillery or Whitlaw are used.
In summary, we have here - most likely ;-) - a Highland Park with 5 years, matured in a Dechar/Rechar-Butt and bottled at 46% strength.


Nose & Appearance
The malt presents itself with a rich golden hue in the glass. The roundly renewed cask has obviously done a good job here if such a colour emerges after so few years. Immediately the typical gentle herbal Highland Park smoke in the nose. The whisky needs a few minutes to stand - it is initially closed. Then it opens and you recognise the unmistakable note of heather, also fresh hay and slightly floral in the smell. Vanilla and a slight sweetness are also present. As fruit aromas, besides a light banana, you can smell nice citrus notes, which move towards grapefruit with time. The longer you give it, the more the olfactory components interweave and become fuller and stronger.


Taste
At the first sip, a powerful attack. Slight spiciness, then it becomes smoky and the heather from the nose shows up. Kitchen herbs provide a spicy note. With the second sip, it becomes sweeter and fruitier. Now the vanilla and fruit from the nose are also noticeable in the taste. However, no off notes are noticeable. The barrel influence with a decent oak is also already clearly present.


Finish
The heather smoke that is distinctive to me for HP is still clearly there. The other herbs and the oak can still be tasted as well - slightly astringent and delicately bitter towards the end. Some sweetness and a gentle lemon note accompany the finish. The finish is rather medium in length.


Conclusion
I like it. It has something old-fashioned about it. It may not be the most complex malt. But it is an honest malt with a known age. It's not everyday that you know how long a young Scottish single malt has been in the cask and matured. Most of the time it turns into ageless NAS bottlings. For the € 30,- I paid for it, you get a nice strong Highland Park (even if you can't say it out loud) with agestatement and a nice drinking strength. Fine.


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