Mittwoch, 29. Oktober 2025

Port Charlotte 14y – Château Margaux Cask Finish (ADoS)

 

Whiskybase

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Ende Oktober, rund um den 31.10., verkoste ich traditionell einen Single Malt mit Halloween-Bezug – und nein, ich bin dabei nicht als Whiskyzombie verkleidet. In den vergangenen Jahren waren es immer Abfüllungen aus der „A Dream of Scotland“-Reihe des Brühler Whiskyhauses, da Marco Bonn regelmäßig Flaschen mit Halloween-Motiven etikettiert. Und natürlich wird auch heuer diese Tradition fortgeführt.

Abgesehen vom Etikett zählt jedoch vor allem der Inhalt. Dieses Mal handelt es sich um einen 14 Jahre alten Port Charlotte mit Château Margaux Cask Finish. Im Rahmen der ADoS-Serie gab es bereits eine ganze Reihe hervorragender Port Charlottes mit Weinfinish. Marco muss einen richtig guten Draht zu Bruichladdich haben, um so oft Port Charlottes Fässer zu erhalten. Entsprechend groß war die Erwartung an dieses Sample. Die Dauer des Finishs ist nicht bekannt. Abgefüllt wurde mit 56,2%, ohne Kühlfiltration und ohne Färbung, insgesamt kamen 364 Flaschen auf den Markt.


Aussehen
Rötliches Kupfergold


Nase
Die Nase beweist mir wieder, warum ich auf Port Charlottes mit Weinfassbeteiligung stehe. Ähnlich wie bei der Cask Exploration Serie von Bruichladdich hat man auch bei dieser Abfüllung eine tolle Kombination aus diesem speckigen, leicht schmutzigen Holzrauch mit tollen Aromen von süßem Beerenobst, dass zu einem noch warmen, mit Vanille verfeinertem Röster verkocht wurde. 

Man braucht etwas Zeit, bis sich die Nase durch den anfänglich dichten Rauch arbeitet. Dahinter entfalten sich reife dunkle Früchte wie Brombeeren, Heidelbeeren und schwarze Johannisbeeren, begleitet von säuerlich frischen Noten von Erdbeeren und Pflaumen.

Parallel zeigt sich eine würzige, erdig-herbstliche Seite mit Kräutern, altem Laub auf feuchter Wiese, gelagertem Holz und einer angenehmen, leicht muffigen Note. Der Alkohol wirkt präsent, aber gut eingebunden. Die Nase ist kraftvoll, vielschichtig und ausgesprochen einladend.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund legt der Whisky sofort los. Der Alkohol trägt den Rauch nach vorne und eröffnet ein dichtes Aromenspiel am Gaumen. Der Rauch ist kräftig, speckig, rußig, mit Assoziationen von dunkler Grillmarinade und Holzkohle.

Erst dann schiebt sich das warme, süße Beerenkompott nach, begleitet von Vanille. Die Süße bleibt deutlich, wird aber von der herb-würzigen Rauchstruktur ideal eingebettet. Das Finish des Weinfasses zeigt sich erkennbar in fruchtiger Tiefe und feinen Tanninen, ohne den Malt zu überdecken.

Altes Holz, getrockneter Tabak und ausgedrückte Teeblätter sorgen für eine angenehm herbe Kontur. Trotz der weinigen Akzente bleibt der typische Port-Charlotte-Charakter deutlich erhalten.


Abgang
Der speckige Rauch haftet lange am Gaumen, unterstützt von kalter Asche. Die Beerenaromen klingen langsam aus, während das alte Holz dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil und eine leichte Bitterkeit mitbringt. Ein langes, rauchbetontes Finale, wie man es sich von Port Charlotte wünscht.


Fazit
Marco Bonn hat in den vergangenen Jahren eine Reihe sehr gelungener Port Charlottes abgefüllt, und dieser reiht sich ohne Frage in diese Qualität ein. Die Kombination aus schwerem, speckigem Rauch und konzentrierter Beerenfrucht funktioniert hier erneut hervorragend. Das Weinfass setzt prägnante Akzente, ohne die Balance zu kippen. Ein ausdrucksstarker, vollmundiger, sehr gelungener Port Charlotte.

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Woodford Reserve Double Oaked

 

Whiskybase

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Die Marke Woodford Reserve gehört zum US-amerikanischen Getränkekonzern Brown-Forman, zu dem auch Jack Daniel’s zählt. In der gleichnamigen Brennerei wird zwar Whiskey produziert, sie dient jedoch vorwiegend als Besucherzentrum. Die eigentliche Herstellung der Woodford-Reserve-Whiskeys findet in der nahegelegenen Early Times Distillery statt, die ebenfalls dem Konzern gehört.

Der klassische Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon wird dreifach in Pot Stills destilliert – eine echte Besonderheit in Kentucky, wo meist auf kontinuierliche Kolonnendestillation gesetzt wird. Die meisten Bourbons dieser Brennerei tragen keine Altersangabe, da sie aus Whiskeys verschiedenen Alters komponiert werden. Die übliche Mash-Bill besteht aus 72% Mais, 18% Roggen und 10% gemälzte Gerste.

Der Woodford Reserve Double Oaked war einer der ersten Bourbons überhaupt mit einer doppelten Fassreifung, als er 2012 erstmals in den Regalen der US-Liquor Stores erschien. Nach seiner initialen Reifung in neuen, ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Weißeiche wird der Whiskey für etwa ein weiteres Jahr in ein zweites, stärker getoastetes und zusätzlich angekohltes Eichenfass gefüllt. Diese Nachreifung soll die Aromen von Holz, Vanille und Karamell noch intensiver hervorheben.

Wie der klassische Reserve wird auch der Double Oaked mit 43,2 Prozent abgefüllt. Künstliche Färbung kommt nicht zum Einsatz, dafür jedoch – wie in den USA üblich – eine Kühlfiltration, damit der Whiskey bei Eiszugabe klar bleibt.


Aussehen
Dunkles Mahagoni


Nase
Trotz der moderaten 43 Prozent zeigt sich die Nase erstaunlich voll und ausdrucksstark. Kein Alkoholstich, stattdessen satte, intensive Aromen. Besonders auffällig ist der kräftige Zimtduft, der zunächst alles andere überlagert. Danach entfalten sich süßes Kirschkompott, reichlich Vanille und Ahornsirup. Zimt und Vanille dominieren das Bild – selten habe ich bei einem Bourbon so viel Vanille wahrgenommen.

Die doppelte Fassreifung macht sich durch eine deutliche Holzwürze bemerkbar: geröstete Haselnüsse, Harz, alte Eichenbretter und eine feine Spur von Aceton am Ende. Insgesamt ist die Nase für den geringen Alkoholgehalt bemerkenswert intensiv.

Nach dem ersten Schluck erscheinen zusätzlich Aromen von dunklem Karamell und den eingetrockneten Kaffeeresten am Boden einer Tasse.

Bei den US-Abfüllungen bekommt der Double Oaked 45,2% anstelle der 43,2% bei uns.


Geschmack
Das Mundgefühl ist ölig und etwas dünn, es wirkt aber nicht wässrig. Der Zimt aus der Nase tritt sofort wieder auf und bringt eine angenehme Schärfe mit. Die würzigen Aromen setzen sich fort: geröstete Hasel- und Erdnüsse, Harz und eine frische Minznote. Obwohl der Roggenanteil in der Mash Bill nur rund 18 Prozent beträgt, ist sein Einfluss deutlich spürbar – was mir als Rye-Fan sehr zusagt.

Die süßen Kirschen entwickeln sich nun in Richtung Maraschino, die Vanille bleibt präsent, tritt aber etwas in den Hintergrund. Ab der Mitte dominiert das Eichenholz – kräftig und forsch, was man mögen muss.


Abgang
Das Finish bringt nochmals Kirsche, Menthol und Eichenwürze, erinnert fast an ein Hustenzuckerl. Dann flacht der Whiskey jedoch recht rasch ab – hier fehlt etwas an Durchhaltevermögen. Mit ein paar Prozent mehr Alkohol hätte das Finale wahrscheinlich länger getragen.


Fazit
Trotz der eher niedrigen 43 Prozent überrascht der Double Oaked mit Intensität und Tiefe – vor allem durch seine ausgeprägte Zimtnote - in der Nase und beim Geschmack. Die doppelte Fassbelegung ist deutlich spürbar und verleiht ihm eine ausgeprägte Würze, die fast an einen höheren Roggenanteil denken lässt. Der Abgang könnte länger sein, endet etwas abrupt. Insgesamt aber ein sehr harmonischer, gefälliger Bourbon mit schönem Aromenspiel. Ein paar zusätzliche Prozent Alkohol hätten ihm vermutlich gutgetan, könnten aber auch die Eiche zu dominant gemacht haben. 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Glasgow 1770 Peated

 

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Nach The Original ist mit Peated nun die zweite Abfüllung der Standardreihe von Glasgow 1770 bei mir im Glas. Für rauchige Single Malts war die Whiskyregion der Lowlands bislang nicht gerade bekannt. Das hat sich in den letzten Jahren jedoch geändert – immer mehr junge Brennereien setzen auf Torf und zeigen, dass auch südlich der Highlands kräftig der Schornstein raucht. Glasgow 1770 hat, neben dem Peated aus der Core Range, seit dem Start auch immer wieder teils sehr intensive Rauchbomben als Sonderabfüllungen herausgebracht.

Beim Peated wird englische Gerste verwendet, die mit Torf aus Aberdeenshire auf rund 50 ppm Rauchgehalt getrocknet wird. Wie sein nicht rauchiger Bruder ist auch dieser Malt eine NAS-Abfüllung und wird zweifach destilliert. Die Reifung erfolgt hauptsächlich in frischen amerikanischen Weißeichenfässern mit 200 Litern Fassungsvermögen, bevor der Whisky für acht bis zwölf Monate in spanischen PX-Hogsheads ein Finish erhält. Abgefüllt wird, wie bei allen Malts der Serie, ohne Kühlfiltration und Färbung mit 46 Prozent.


Aussehen
Nussholzboden, dunkles Kupfer


Nase
Dicht und druckvoll steigen Rauchschwaden von feuchten Holzscheiten aus dem Glas – aschig, würzig, leicht klebrig. Im Hintergrund blitzt eine feine, leicht schmutzige Note von Öllappen auf, leicht funkig. Mit zunehmender Zeit entfalten sich BBQ-Sauce und gebratener Speck, was einen ausgeprägten Umami-Effekt erzeugt. Akzente von saftigen Orangen sorgen für Frische und Säure, begleitet von geräucherten Gummibärchen und aufgeschnittenen Vanilleschoten. Der Geruch ist intensiv, aber stimmig, und macht richtig Spaß. Von jugendlicher Schärfe oder schlecht integriertem Alkohol keine Spur.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Cremig und mit einem süßen Auftakt zeigt sich der Whisky im Mund. Orangenkompott und dunkle Beeren eröffnen den Geschmack, ehe der schmutzige Holzrauch mit seiner intensiven Asche wieder die Bühne betritt. Die Asche ist dicht, fast klebrig, und angenehm speckig. Getrocknete Küchenkräuter, Tabaknoten, Teriyaki-Sauce, Holzwürze und eine dezente Ingwerschärfe ergänzen das Gesamtbild. Im Vergleich zur Nase wirken die Aromen etwas luftiger, fast als würde ihm gegen Ende etwas der Atem ausgehen. Der Alkohol ist gut integriert, metallische Jugendnoten sind keine zu erkennen.


Abgang
Das Finale ist geprägt von angekohltem Holz, dunkler Schokolade, Leder und angebrannten Tabakblättern. Die Asche hält sich lange und intensiv im Rachen. Ganz zum Schluss wird es leicht bitter, fast wie bei zu dunkel karamellisiertem Zucker.


Fazit
Eine so ausgeprägte Rauch- und Ascheintensität hätte ich einem Lowlander nicht zugetraut – man könnte ihn blind durchaus für einen rauchigen Highlander halten. Die Kombination aus kräftigem, leicht schmutzigem Rauch und fruchtig-säuerlichen Aromen gefällt mir sehr gut. Jung wirkt er kaum, auch wenn er im Geschmack gegen Ende etwas an Power verliert. Für eine Standardabfüllung einer noch jungen Brennerei ist das hier aber ausgesprochen solide.

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Hazelburn 8y 2017/2025 Oloroso Cask Matured

 

Whiskybase

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Hat sich Springbank in den letzten Jahren vielleicht übernommen und mehr abgefüllt, als die Lagerbestände hergaben? Oder steckt eine gezielte Strategie dahinter, dass die aktuellen Abfüllungen zunehmend jünger werden und teilweise gar keine Altersangabe mehr tragen? Bei Longrow etwa erschien zuletzt ein 7-jähriger Longrow Red, gefolgt von einem Longrow 100 Proof. Bei Springbank steht nun ein 5-jähriger 100 Proof in den Startlöchern, und bei Hazelburn gab es 2024 gar keine neue Ausgabe der Oloroso Cask Matured-Reihe.

Die jüngste Abfüllung dieser Serie wurde im März 2025 vorgestellt und bringt es nur noch auf acht Jahre im Fass. Alle Vorgänger waren deutlich älter – die Ausgabe von 2023 lag beispielsweise ganze 15 Jahre im Holz.

Ist dieser Trend zu jüngeren Abfüllungen nur eine vorübergehende Erscheinung, oder müssen wir uns langfristig darauf einstellen? Hat der anhaltende Hype die Bestände im Fasslager spürbar dezimiert? Die Brennerei, die ihrer Philosophie der Qualitätstreue bislang treu geblieben ist und bewusst unterhalb ihrer maximalen Produktionskapazität brennt, könnte sich gezwungen gesehen haben, jüngere Whiskys abzufüllen, um Serien wie diese weiterhin bedienen zu können. In der Szene kursiert bereits das Gerücht, dass der neue 5-jährige Springbank langfristig den 10-jährigen ersetzen könnte – eine Vorstellung, die mir persönlich gar nicht schmeckt.

Doch zurück zur neuen Hazelburn Oloroso Cask Matured Abfüllung. Sie wurde 2017 destilliert und 2025 mit 48,2 Prozent abgefüllt. Wie üblich ist der dreifach destillierte Single Malt weder gefärbt noch kühlfiltriert.


Aussehen
Dunkler Bernstein


Nase
Der erste Eindruck ist ausgesprochen positiv. Vom jungen Alter merkt man erstaunlich wenig. Sofort präsent ist der typische Springbank-Funk mit seiner leicht „schmutzigen“ Note, hier sogar deutlicher ausgeprägt als bei manch älteren Vorgängern. Nach den ersten Eindrücken treten volle Sherrynoten hervor – Rosinen, dunkle Trockenfrüchte und intensive Vanille. Besonders interessant ist das Zusammenspiel mit säuerlicher Orangenmarmelade und cremigen Erdbeeren, die sich angenehm von klassischen Sherryaromen abheben. Die Nase wirkt älter, als das Alter vermuten lässt. Der Alkohol ist wunderbar eingebunden, keine Spur von Jugend oder harten Kanten. Im Gegenteil: alles wirkt weich, harmonisch und cremig – ohne dass der typische Funk verloren ginge.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Weich, cremig und süß beginnt er mit Rosinen, getrockneten Feigen und Datteln. Dazu kommen leicht geräucherte Orangenschalen, Orangengelee und gekochte Backpflaumen. Dunkle Schokolade steuert eine feine Herbe bei. Der Funk ist auch hier präsent, jedoch dezenter als in der Nase. Im Mittelteil gewinnen würzige Noten die Oberhand, begleitet von einer Spur Pfeffer. Danach übernehmen alte, leicht muffige Töne – angetrockneter Pfeifentabak, altes Leder und eine Prise Schuhpolitur. Insgesamt treten die fruchtigen Sherryelemente etwas in den Hintergrund, was den herberen, nussigen und würzigen Oloroso-Charakter stärker betont. Der Alkohol ist gut eingebunden, wenn auch in der Nase noch harmonischer integriert.


Abgang
Angenehme Holzaromen, getrockneter Tabak, Rosinen und Feigen prägen den mittellangen Nachklang. Gegen Ende blitzt der charakteristische Funk nochmals kurz auf – sehr schön.


Fazit
Ich bin positiv überrascht. Ich hatte mit deutlich mehr Jugend und weniger Tiefe gerechnet, wurde aber eines Besseren belehrt. Vor allem Nase und Finish überzeugen auf ganzer Linie. Im Geschmack zeigt er klar die Handschrift der Hazelburn-Oloroso-Serie. Alles, was man erwartet, ist vorhanden, auch wenn die typischen Sherryfruchtaromen etwas reduzierter ausfallen als bei älteren Jahrgängen. Mir gefällt diese Abfüllung ausgesprochen gut. Der Preis von rund 100 Euro ist sicherlich diskutabel, aber wer Hazelburn liebt, wird hier kaum enttäuscht. Muss man ihn haben? Nein. Kann man ihn genießen? Unbedingt.

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Tormore 2014/2025 11y – Sir Lancelot – The Round Table Collection (whic)

 

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Völlig überraschend erhielt ich letzte Woche die Nachricht von whic.de, dass ein Sample für mich unterwegs sei. Es handle sich um die zweite Ausgabe ihrer neuen Round Table Collection, die ausschließlich für Newsletter-Abonnenten erhältlich ist. Die letzte Zusendung eines kostenlosen Samples liegt gut eineinhalb Jahre zurück, umso größer war die Freude, wieder einmal eine neue Serie von Arne Wesche und seinem Team verkosten zu können.

Die aktuelle Abfüllung widmet sich Sir Lancelot, einem der bekanntesten Ritter der Tafelrunde. Sein flüssiges Alter Ego ist ein 11 Jahre alter Tormore aus einem Refill-Fass, abgefüllt mit 55,3 Prozent. Verantwortlich für die Abfüllung zeichnete diesmal Brave New Spirits. Die Serie startete im August mit König Artus selbst, einem 13 Jahre alten rauchigen Benriach aus einem 1st Fill Sherryfass, abgefüllt von Duncan Taylor.

Auch wenn die Probe gratis war, schreibe ich wie immer meine ehrlichen Eindrücke. 

Meine bisher einzige Begegnung mit Tormore war eine Abfüllung mit Bordeaux-Rotweinfass-Finish, die stark in die fruchtig-beerige Richtung ging. Umso gespannter war ich auf diesen Whisky, der stilistisch eher einer klassischen Ex-Bourbon-Reifung entspricht – ein Stil, den ich derzeit besonders schätze.


Aussehen
Helles Safrangold


Nase
Zunächst zeigen sich helle, grasige Noten von frisch gemähter Wiese und feuchtem Heu. Für Frische sorgt ein Hauch Pfefferminzöl. Sobald sich der Alkohol beruhigt, öffnet sich die Nase in eine feine Ex-Bourbon-Richtung. Vanille tritt hervor, begleitet von Birnenkompott, Marillenmarmelade, Honigmelonen und leicht angerösteten Mandelsplittern. Cerealien und gezuckertes Müsli fügen eine würzig-malzige Note hinzu. Die Nase wirkt leicht und luftig, ist aber gleichzeitig intensiv genug, um immer wieder Neues zu entdecken.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Der Einstieg ist süß und cremig mit einem ausgewogenen Mundgefühl. Im Gegensatz zur Nase geht es hier sofort kräftig zur Sache. Neben der Vanillesauce sind Birnenkompott sowie Fruchtfleisch und Schalen grüner Äpfel präsent. Das Pfefferminzöl wandelt sich zu einer Assoziation von Minzcreme mit Schokolademantel. In der zweiten Hälfte übernimmt eine pikant scharfe Würze, die an Pfeffer oder sogar Chili erinnert. Auch Cerealien mit Getreidenote und Würze sind klar erkennbar.


Abgang
Holzeinfluss ist kaum spürbar, bittere Noten fehlen völlig. Auf der Zunge prickeln zerstoßene Pfefferkörner nach, während Minze und Schokolade mit Nussanklängen noch eine Weile am Gaumen bleiben.


Fazit
Diese Abfüllung trifft genau meinen aktuellen Geschmack, wenn es um Fassreifungen geht. Helle Früchte, teils mit leicht tropischem Touch, Vanille, malzige Töne, grasige und blumige Anklänge sowie eine ansprechende Würzigkeit – all das vereint dieser Tormore. Es ist eine klassisch anmutende Bourbonfassreifung, die mir in ihrer schlichten, positiven Art sehr gut gefällt. Lediglich das Finale hätte etwas länger ausfallen dürfen, weshalb es kleine Abzüge gibt. Insgesamt jedoch ein sehr gelungener Whisky.


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