Mittwoch, 21. Januar 2026

Linkwood 2012 – Spirits of the Forest IV (Whic)

 

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Eine Kehlkopfentzündung ist fürs Whiskytrinken eher suboptimal, wie ich in den letzten zwei Wochen am eigenen Leib – und vor allem am eigenen Kehlkopf – erfahren musste. Entsprechend war es mir auch nicht möglich, das wöchentliche Tasting für meinen Blogartikel abzuhalten. Glücklicherweise habe ich mir über die Jahre angewöhnt, stets ein oder zwei Verkostungsnotizen in Reserve zu haben, um für genau solche Fälle gewappnet zu sein.

Diesen neunjährigen Linkwood aus dem Jahr 2012, die vierte Abfüllung aus der Spirits of the Forest-Serie von whic.de, habe ich tatsächlich bereits im Mai des vergangenen Jahres an einem warmen Sonntagnachmittag verkostet und meine Eindrücke festgehalten. Daher auch die blühenden Blumen auf dem Foto – aktuell verwandelt sich der Garten draußen eher in eine Landschaft aus Eisskulpturen. Zudem passt dieser Whisky aus meiner Sicht deutlich besser in Frühling oder Sommer als zu den derzeit eisigen Temperaturen.

Das verwendete Hogshead wurde vor der Befüllung mit dem Linkwood-Newmake frisch ausgeschabt und anschließend erneut ausgebrannt. Dieses Verfahren wird als Dechar/Rechar bezeichnet. Nach der vollständigen Reifung in diesem Fass wurden im Jahr 2022 insgesamt 383 Flaschen mit 47 % Alkohol abgefüllt.


Nase
Eine zarte Rauchnote verbindet sich mit einer Duftkomposition aus Malz, Getreide, einer leicht bäuerlichen Note und Zitrusfrüchten. Dazu gesellen sich Heidekraut und eine feine Honigsüße. Mit zunehmender Zeit im Glas wandeln sich die Fruchtaromen von Zitrusfrüchten hin zu reifer Birne und weicher Zuckermelone. Der Heidekrautanteil nimmt zu, Vanille kommt hinzu. Der Alkohol, der zu Beginn leicht in der Nase sticht, tritt deutlich in den Hintergrund. Die leicht „schmutzige“ Bauernhof-Attitüde bleibt präsent und verleiht der Nase zusätzliche Tiefe und Charakter.

Fotocredit: whiskybase.com



Geschmack
Weiches, cremiges Mundgefühl. Der Antritt ist überraschend süß mit Waldhonig sowie warmem Birnenkompott, begleitet von Vanille- und Zitronencreme. Erneut zeigen sich leichte Raucharomen, nun kombiniert mit angeräucherten und getrockneten Kräutern. Der Holzeinfluss ist im Mund präsenter als in der Nase und äußert sich vor allem durch eine leicht bittere Kakaonote sowie eine gewisse Trockenheit im Mundraum. Eine feine Würzigkeit mit rotem Pfeffer sorgt für einen sanften Hauch von Schärfe. Der Alkohol ist dabei gut eingebunden.


Abgang
Weiterhin fruchtig und honigsüß, mit dunkler Schokolade, die für leicht bittere Akzente sorgt. Die rauchigen Röstaromen bleiben länger präsent im Rachen und Mundraum.


Fazit
Trotz seines jungen Alters ist dieser Linkwood ein sehr passabler Begleiter. Die leichte Rauchnote – vermutlich dem nachbehandelten Fass geschuldet – sowie die dezent „schmutzige“ Note, vor allem in der Nase, sorgen für ein spannendes und eigenständiges Aromenspiel. Das macht durchaus Spaß.

Donnerstag, 15. Januar 2026

Whitlaw 2013 10y PX/Oloroso Sherry (SV)

 

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Signatory Vintage füllt regelmäßig Highland Park unter dem Namen Whitlaw mit rund zehn Jahren Reifezeit in der Vintage Collection ab, erkennbar an der orange-ockerfarbenen Tube und dem gleichfarbigen Etikett. Die Fassbelegung variiert, meist kommen jedoch Oloroso- und PX-Sherryfässer zum Einsatz. Serien­typisch ist die Abfüllung mit 46 Prozent Alkohol.


Aussehen
Dunkler Bernstein


Nase
Bei Highland Park suche ich immer diese für mich so typische und reizvolle Note von blühendem Heidekraut, und genau diese finde ich hier sofort wieder. Das ist ein gutes Zeichen, denn es zeigt, dass sich das Destillat trotz der intensiven Fassbelegung behaupten konnte. Dazu kommt Orangemarmelade mit Zesten, die einen schönen herben, würzigen Kontrast setzt. Es folgen getrocknete, zerriebene Küchenkräuter sowie ein Hauch von leicht angekohltem Holz im Hintergrund.

Dann treten die klassischen Sherrynoten in Erscheinung mit getrockneten Früchten, Pflaumenmus und gerösteten Haselnüssen. Mit der Zeit wird auch der Einfluss des PX-Fasses deutlicher, vor allem in Form von Rosinen und Erdbeermarmelade, die zusätzliche Süße einbringen. Dieses Wechselspiel der beiden Fassarten gefällt mir ausgesprochen gut, insbesondere weil die würzigen Heidekrautnoten stets präsent bleiben. Der Alkohol zeigt sich leicht spitz, wirkt aber für das Alter nicht unangenehm.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Am Gaumen setzt sich die Würzigkeit fort, das Heidekraut ist sofort präsent, nun begleitet von deutlich mehr Süße in Richtung Heidekrauthonig. Sehr angenehm. Die Textur ist gut, der Körper solide. Dazu kommen leichte Noten von angebranntem Holz und Ascheflocken. Frucht spielt hier eine geringere Rolle als in der Nase, vor allem Orangenstücke, getrocknete Beeren, Feigen und vereinzelte Rosinen. Ergänzt wird das Profil von Tabakblättern und gerösteten Haselnüssen. Ab der Mitte übernimmt der würzige Part zunehmend die Führung, getrocknete Kräuter und der Holzeinfluss werden immer dominanter. Der Alkohol ist spürbar und kraftvoll, dabei aber gut eingebunden.


Abgang
In diese Richtung entwickelt sich auch das Finale weiter. Angebranntes Holz, getrocknete Küchenkräuter, Heidekraut und Tabak prägen das mittellange Finish.


Fazit
Ein guter, unabhängig abgefüllter Highland Park in dieser Altersklasse, mit dieser Fassauswahl und in diesem Preissegment. Er macht durchaus Spaß. Wer Highland Park mit modernem Sherryprofil mag, kann hier bedenkenlos zugreifen. Besonders gefällt mir, dass der Brennereicharakter trotz der Fassdominanz klar erkennbar bleibt.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Ingelred Ben Nevis 2001 21y (Blackadder)

 

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Ben Nevis hat sich im Jahr 2025 gemeinsam mit Highland Park und Bruichladdich, hier sowohl mit den ungetorften Abfüllungen als auch mit den rauchigen Vertretern der Port Charlotte und Octomore Serie, zu einer meiner absoluten Lieblingsbrennereien entwickelt.

An der Brennerei, die am Fuß des gleichnamigen höchsten Berges Schottlands und Großbritanniens liegt, schätze ich vor allem den kräftigen Körper des Destillats mit seinem nicht ganz sauberen, würzigen Grundcharakter und der ausgeprägten Mineralität. Besonders in Ex-Bourbon gereiften Abfüllungen kommen diese Eigenschaften für mich hervorragend zur Geltung. Genau hier spannt sich auch der Bogen zu meinem heutigen Verkostungsobjekt. Im Herbst 2024 hatte ich einen siebzehnjährigen Ben Nevis von Ingelred mit Ex-Bourbon Ausbau im Glas, und genau dieser Whisky entfachte meine Begeisterung für diesen Stil endgültig.

Bei diesem einundzwanzigjährigen Vertreter aus dem Jahr 2001 liegt der Fokus jedoch etwas anders. Nach zehn Jahren Reifung im Bourbonfass erhielt der Whisky eine weitere elfjährige Nachreifung in kalifornischen Rotweinfässern. Ich war entsprechend gespannt, wie stark sich diese zweite Fassbelegung auswirken würde und ob sie den Grundcharakter des Destillats womöglich überdeckt. Die Neugier war groß.

Die 46,4 Prozent Alkoholgehalt sollen laut Angaben Fassstärke sein. Über die 21 Jahre hinweg scheinen die Engel jedoch ausgiebig gefeiert zu haben, denn der Angel Share fällt hier durchaus beachtlich aus.


Aussehen
Dunkler Bernstein mit Anklängen von dunklem Blütenhonig


Nase
Ich gönne dem Whisky einige Minuten Ruhe und nutze die Zeit, um das Glas sanft in der Hand zu erwärmen. Der erste Eindruck wirkte noch etwas unruhig und war vor allem von einer säuerlichen Traubenfruchtigkeit geprägt.

Der einundzwanzigjährige Ben Nevis belohnt diese Geduld jedoch eindrucksvoll. Die säuerlichen Weintrauben bleiben zwar präsent, doch der Whisky öffnet sich nun deutlich und entfaltet ein harmonisches Zusammenspiel der Aromen. Sehr reife, weiche Birnen und Erdbeeren erweitern den imaginären Obstkorb. Hinzu kommen cremige Milchschokolade, leicht geröstete Haselnüsse und kernige Cerealien, die sich gemeinsam zu einem Bild eines Nussini Schokoriegels fügen. Auch Vanille und Karamell sind klar wahrnehmbar.

Im Hintergrund schwebt durchgehend eine feine Mineralität, die an Kalkstein oder Staub von Lössböden erinnert, auf denen Weinreben wachsen. Der Alkohol hält sich dezent zurück und ist hervorragend eingebunden. Nach wenigen Minuten wirkt die Nase gesetzt und reif. Man spürt das Alter deutlich, denn die Aromen zeigen Kraft, ohne je aufdringlich zu wirken, und präsentieren sich ausgesprochen harmonisch.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Weich und cremig beginnt der Whisky seinen Auftritt am Gaumen, getragen von deutlichen Noten süßen Dulce de Leche. Das Mundgefühl ist voll und angenehm. Das Milchkaramell erhält Unterstützung von noch warmen, eingekochtem Erdbeerkompott, das eine fein abgestimmte Säurenote mitbringt. Im weiteren Verlauf zeigen sich Rosinen, Milchschokolade und leicht geröstete Nüsse.

Zimt und Ingwer sorgen zwischendurch für eine angenehme Würze und leichte Schärfe, die jedoch nur kurz anhält und rasch wieder von einer süßfruchtigen Erdbeersauce mit Vanillecreme abgelöst wird. Zum Ende hin treten die bereits aus der Nase bekannten mineralischen Noten erneut hervor, begleitet von einem kernigen, getreidigen Müsliton. Auch am Gaumen bleibt der Alkohol unauffällig, ohne Brennen oder Schärfe.


Abgang
Der Malt fließt wärmend den Rachen und die Speiseröhre hinab. Der Geschmack von Traubentrester mit leicht herben Noten von Schalen und Kernen hält lange an, begleitet von dezenter Holzwürze ohne Bitterkeit sowie von Rosinen und Erdbeeren.


Fazit
Ein hervorragender Whisky. Als erklärter Ben Nevis Fan mag ich hier vielleicht nicht ganz unvoreingenommen sein. Als puristischer Liebhaber von Ex-Bourbon Abfüllungen stehe ich jedoch Veredelungen in Sherry oder gar Weinfässern meist skeptisch gegenüber, da sie den Charakter von Ben Nevis häufig überdecken.

Bei dieser Abfüllung ist dies glücklicherweise nicht der Fall. Die lange Nachreifung in Rotweinfässern prägt den Whisky zwar deutlich, lässt aber jederzeit den markanten Grundcharakter von Ben Nevis erkennen. Auch das Alter von 21 Jahren ist klar spürbar, insbesondere im harmonischen und ausgewogenen Zusammenspiel der Aromen.

Donnerstag, 11. Dezember 2025

Longmorn 11y 2014 (James Eadie, JE)

 

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Die Geschichte hinter dem Namen James Eadie reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Eadie war ein bekannter schottischer Bierbrauer und Besitzer mehrerer hundert Pubs, in denen sein Bier und seine Spirituosen ausgeschenkt wurden. Zudem verfügte er über eines der frühesten dokumentierten Rezepte für einen Blended Scotch Whisky, das sich bereits lange im Familienbesitz befand. Nachdem das Unternehmen in den 1930er-Jahren verkauft wurde, blieb der Blend noch einige Jahrzehnte auf dem Markt, geriet dann jedoch in Vergessenheit.

In den 2010er-Jahren beschloss Rupert Patrick, in die Fußstapfen seines Ur-Urgroßvaters zu treten und unter dem historischen Namen James Eadie als unabhängiger Abfüller aufzutreten. Neben der Wiederbelebung des alten Blend-Rezepts – heute als Trade Mark X erhältlich – veröffentlicht die Firma zahlreiche spannende Serien und Einzelfassabfüllungen

Eine dieser Serien basiert auf dem bemerkenswerten Buch „The Distilleries of Great Britain & Ireland“. Bei Recherchen zum Originalrezept stieß Patrick zufällig auf eine Sammlung über 90 Jahre alter Artikel aus den Jahren 1922–1927, in denen 124 damalige Brennereien detailliert beschrieben und erstmals umfassend fotografisch dokumentiert wurden. Die Artikel wurden mit großem Aufwand restauriert, digitalisiert und zu einem einzigen Werk zusammengeführt, das heute bei Royal Mile Whisky in Edinburgh erhältlich ist.

In dieser Serie veröffentlicht James Eadie regelmäßig Whiskys jener Brennereien, die im historischen Buch beschrieben sind und bis heute produzieren. Eine dieser Abfüllungen fand nun den Weg in mein Glas.

Der Longmorn 2014 ist ein elfjähriger Single Malt, ausgewählt für den deutschen Markt. Nach einer Vollreifung in einem 1st Fill Bourbon Barrel wurde er 2025 mit 52,4 % vol. in 280 Flaschen abgefüllt.


Aussehen
Chardonnay


Nase
Eine feine, klassische Bourbon-Nase mit frischen, grünen, leicht grasigen Anklängen. Zunächst dominiert eine intensive Vanillenote, begleitet von warmem Honigkuchen, kernigen Cerealien und einer leichten Staubigkeit. Nach diesem ersten Eindruck von Vanillekipferl öffnet sich die Nase zunehmend hin zu fruchtigen Noten - grüne und gelbe Äpfel, Birnen, Honigmelonen und Aprikosen sorgen für eine hellfruchtige, leicht tropische Vielfalt.

Etwas feuchtes Holz mit würzigen Akzenten kommt vor allem im späteren Verlauf hinzu. Insgesamt wirkt der Duft ölig und wachsig – Vergleiche mit Clynelish sind durchaus angebracht. Alkoholische Schärfe ist praktisch nicht spürbar.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Ölig und wachscremig setzt der Whisky im Mund ein, begleitet von einer überraschend ausgeprägten Süße und hellem Kuchenteig – deutlich honigsüßer, als es die Nase erwarten lässt. Vanillepudding trifft auf Aprikosen- und Apfelkompott, was hervorragend mit dem honigartigen Gebäckcharakter harmoniert.

Die anfängliche Süße weicht relativ zügig einer würzigeren Phase mit grünen Apfelschalen, dunkler Schokolade mit höherem Kakaoanteil und etwas Holzsaft. Zimt und eine Spur geriebener Ingwer bringen zusätzliche Schärfe ins Aromenspektrum. Im Gegensatz zur Nase zeigt sich der Alkohol am Gaumen deutlich präsenter.


Abgang
Der Abgang beginnt ebenfalls würzig mit Noten von Zimt und Holzsaft. Dazu gesellen sich weiterhin Apfel- und Birnenschalen sowie ein Müsliriegel mit etwas Honigsüße und Vanille. Der Abgang ist mittellang.


Fazit
Eine sehr gelungene Ex-Bourbon-Abfüllung, der man problemlos ein paar weitere Jahre Reifung zutrauen könnte. Sie funktioniert nicht nur im Sommer hervorragend, sondern bietet auch im Winter eine willkommene, frische Abwechslung. Neben der intensiven Vanille und dem schönen hellen Obstkorb überzeugt vor allem die ölige, wachsige Konsistenz – besonders bemerkenswert für sein noch junges Alter.

Ich werde die Abfüllungen von James Eadie künftig definitiv im Auge behalten. Hier wird offenbar mit viel Fingerspitzengefühl zur richtigen Zeit das richtige Fass abgefüllt.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Caol Ila 2009/2025 15y - Mad Malt #1 (whic)

 

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Die Taktrate, mit der whic.de neue Abfüllungen oder gleich neue Serien an den Start bringt, ist wirklich beachtlich. Vor ein paar Wochen bekam ich ein Sample der ersten Ausgabe der neuen Reihe Mad Malt zugeschickt. Doch was verbirgt sich hinter der Mad Malt Collection? Gemeinsam mit Signatory Vintage bringt whic insgesamt 13 stark getorfte Single Malts auf den Markt. Die Reihe richtet sich an alle, die verrückt (mad) nach rauchigen Whiskys sind. 

Den Beginn macht ein 15 Jahre alter Caol Ila mit einem Finish in einem First Fill PX Hogshead, in Fassstärke von 54,9 Prozent, selbstverständlich ohne Farbstoff oder Kühlfiltration. Lediglich 340 Flaschen gab es davon, und die Abfüllung war in sehr kurzer Zeit restlos vergriffen.

Rauchige Islay Malts mit einer Reifung oder einem Finish in Sherryfässern, häufig auch in PX, sind am Markt nicht unüblich. Oft sind die Ergebnisse sehr fassorientiert, intensiv und für meinen Geschmack manchmal etwas zu stark auf der süßen Seite angesiedelt. Deshalb bin ich gleichzeitig gespannt und ein wenig skeptisch, was mich hier erwartet.


Aussehen
Nussholzboden

Fotocredit: whic.de


Nase
Intensiver, aschiger, schmieriger Rauch eines Lagerfeuers mit leicht feuchten Holzscheiten und rußiger Steinumrandung direkt am Kiesstrand, auf dem altes Seegras und Algen trocknen. So oder so ähnlich lässt sich die Erstbegegnung mit dem Whisky beschreiben.

Neben den rauchigen, maritimen Noten hat das Finish im PX-Fass deutlich Eindruck hinterlassen. So finden sich eine große Portion Pflaumenkompott, ein Beerenröster aus Heidelbeeren und Brombeeren, süße, reife Kakifrüchte, Cranberries, saftige Sultaninen, geräuchertes Balsamico-Gelee sowie Aromen von getrockneten Tabakblättern und gerösteten Haselnüssen.

Der Malt driftet jedoch nicht zu sehr in eine intensiv süß-fruchtige Richtung ab. Herbe dunkle Schokolade, Muskatpulver, Zimt und das leicht angekohlte Eichenholz sorgen gemeinsam für einen würzigen Kontrapunkt zur Süße. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden, den trotz der doch hohen Alkoholstärke stören keine scharfen Gerüche das Vergnügen.


Geschmack
Hier ist von Beginn an ordentlich Betrieb. Neben einer anfänglich kurz aufblitzenden Karamellsüße und dem ersten Schwall aus Asche und öligem Teer sorgt vor allem eine kurze, intensive Pfefferschärfe für Aufmerksamkeit. Es wirkt wie Lakritze mit Chilipulver, kombiniert mit süßen, weichen, getrockneten Feigen und Datteln mit einem Kern aus Marzipan. Die pikante Schärfe geht sofort wieder in eine cremige, fruchtige Süße über, die Rosinen, Pflaumenmus und die Beerenröster-Aromen mitnimmt. Die ganze Zeit bleibt die schmierige Asche mit dem Rauch im Hintergrund, was mir sehr gut gefällt.

Wie schon im Geruch so hilft auch im Mund ein würziger Gegenpol – unterstützt von winterlichen Backgewürzen wie Muskat, Zimt und Anis sowie Tabak- und Holzwürze – die Süße harmonisch in Schach zu halten.

Fotocredit: whic.de


Abgang
Das lange Finish wird vor allem von der Asche und dem öligen Teer getragen, zusammen mit Tabakaromen, dunkler Schokolade, einigen süßen Stücken getrockneter Datteln und Pflaumen sowie etwas Lakritz mit seiner salzigen und würzigen Seite.


Fazit
Vielleicht liegt es an seinem Alter von 15 Jahren, aber der Whisky schafft es, seine schweren Raucharomen mit den intensiven süßen und fruchtigen Aspekten des PX-Fasses und den würzigen Noten sehr fein zu vereinen. Diese Harmonie der Aromen, ohne die Intensität zu verlieren, gefällt mir ausgesprochen gut. Ich bin froh, dass dieser Single Malt nicht in dieselbe Kerbe schlägt wie so viele Vertreter, die rauchig sind und in oft noch feuchten Sherryfässern liegen. Er ist natürlich eine Sherrybombe, aber im besten Sinne des Wortes. Auf die nächsten Vertreter der Mad Malt Reihe kann man durchaus positiv gespannt sein.

Donnerstag, 27. November 2025

Bib & Tucker Single Barrel Bourbon 10y

 

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Der Name Bib & Tucker bezieht sich auf eine alte englische Redewendung, die vergleichbar mit „sich in Schale werfen“ die festliche Kleidung des 17. bis 19. Jahrhunderts bezeichnet. Die Bourbons dieser Marke stammen aus Tennessee und sind gesourced. Die meisten Gerüchte besagen, dass der Whisky bei George Dickel gebrannt wird. Wie bei Bourbons aus Tennessee üblich, kommt auch hier der Lincoln County Process zum Einsatz, bei dem der New Make vor der Fasslagerung durch eine Holzkohleschicht gefiltert wird.

Die Single-Barrel-Abfüllung, von der ich ein Sample habe, reifte zehn Jahre. 161 Flaschen kamen aus dem Fass und wurden mit beachtlichen 63,2 Prozent abgefüllt.


Aussehen
Bernstein


Nase
Unglaublich. Dieser Bourbon hat über 63 Prozent und dennoch bekomme ich beim Schnuppern absolut keinen Alkohol in die Nase. Kein Stechen, kein Prickeln, nichts. Wahnsinn. So smooth und weich kommt dieser Bourbon daher. Die zehn Jahre im Fass haben dem Stoff, woher er auch immer genau aus Tennessee stammt, wirklich gutgetan. Selten habe ich bei einem Bourbon so eine harmonische Nase erlebt. Natürlich finde ich eine ordentliche Portion Eichenholz, aber sie drängt sich überhaupt nicht in den Vordergrund und dominiert den Duft nicht.

Als Erstes begegnen mir in flüssige Milchschokolade getauchtes Popcorn, brauner Zucker, der gerade in der Pfanne karamellisiert, viel Vanille, Zimt, Muskatnuss sowie geröstete Haselnüsse.

Im Hintergrund zeigt sich der Rye-Anteil in der Mashbill durch Assoziationen von dunklem, würzigem Roggenbrot und einem Hauch Pfefferminze.

Der Fruchtanteil spielt eher eine untergeordnete Rolle. Zumindest ein paar Tropfen Kirschkompott mit einigen Heidelbeeren sorgen für fruchtige Momente.

Fotocredit: whiskybase.com



Geschmack
War die Alkoholstärke in der Nase kaum zu bemerken, ist sie im Mund markanter, jedoch immer noch weit entfernt davon, wie 63,2 Prozent normalerweise wirken würden. Zu Beginn zeigt sich eine leichte, an Ingwer erinnernde Schärfe, vermischt mit etwas Zimtpulver, die die Präsenz des Alkohols kurz betont. Doch sofort geht es über in eine überraschend intensive Süße, die an warmes Kirschkompott mit Vanillesauce erinnert.

Der Roggenanteil meldet sich mit After Eight, einer feinen Minznote und würziger Brotkruste zu Wort. Zimt erhält im Mittelteil Unterstützung durch Muskatnuss. Und wie schon in der Nase ist die Eiche auch im Geschmack präsent, aber niemals dominant, sondern eher im Hintergrund.


Abgang
Dunkle Schokolade mit höherem Kakaoanteil, Zimt, Muskatnuss und die würzigen Roggenbestandteile bilden das Rückgrat des mittellangen Finales. Das Kirschkompott wandelt sich zunehmend zu einem Kirsch-Pfefferminzbonbon, das Frucht und Frische angenehm verbindet.


Fazit
Das ist mit Sicherheit einer der besten Bourbons, die ich je im Glas hatte. Von den 63,2 Prozent ist weder in der Nase noch im Mund wirklich etwas zu merken. Die Kombination aus vanillig weicher Karamellnote, dem in Milchschokolade getauchten Popcorn und der tollen Süße im Geschmack ist ganz großes Bourbon-Kino. Mir gefällt auch, dass die Eiche hier nicht so dominant ist, wie es bei älteren und hochprozentigen Bourbons oft der Fall ist. Rundum ein Genuss.

Mittwoch, 19. November 2025

Springbank 12 CS Batch 25

 

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Es war reines Glück, dass ich im vergangenen Frühjahr genau an dem Tag im Onlineshop von Potstill in Wien stöberte, als das damals aktuelle Batch 25 des Springbank 12 CS verfügbar war. Da musste ich nicht lange überlegen – was man bei Springbank-Abfüllungen ohnehin tunlichst vermeiden sollte – und griff sofort zu.

Die Flasche wurde auch sogleich geöffnet und ein paar Samples fanden ihren Weg zu den Kumpels. Bis auf zwei oder drei Drams veränderte sich der Füllstand über die folgenden Monate hinweg kaum. Jetzt, mit Beginn der kühleren Jahreszeit, sticht mir die Flasche immer häufiger ins Auge und es ist gut möglich, dass sie den Winter nicht überlebt.

Es wird also Zeit, dieses Batch einer genaueren Betrachtung samt Verkostungsnotizen zu unterziehen.

Für diese Ausgabe wurde eine Fassmischung aus 70 Prozent Bourbon und 30 Prozent Sherry verwendet. Abgefüllt wurde mit kräftigen 57,2 Prozent Alkohol. Wie bei Springbank üblich gibt es weder nachträgliche Färbung noch Kühlfiltration.


Aussehen
Dunkler Bernstein


Nase
Intensiv, muffig, angekohltes Holz, würzig – so eröffnet dieses Batch den Geruchsreigen. Sofort ist diese für Springbank so typische, leicht schmutzige Aromendichte präsent. Vor meinem inneren Auge entsteht ein Raum voller alter Ledermöbel, umgeben von Bücherregalen mit angestaubten Büchern. Auf dem Couchtisch liegen Krümel von altem Pfeifentabak, und vor dem Sofa steht ein Paar mit Schuhcreme gepflegte Lederhausschuhe.

In einer Schale liegen getrocknete Aprikosen und Pflaumen, die einen cremig-fruchtigen Duft verströmen. Mit steigender Luftzufuhr verwandelt sich vor allem die Pflaume in eine Erdbeermarmelade mit einem deutlichen Vanilleeinschlag. Richtig süß ist die Abfüllung nicht, Honig- oder Zuckernoten treten kaum auf, doch die Kombination aus Vanille, Aprikose und Erdbeermarmelade sorgt für eine angenehm süß-cremige Assoziation.

Eine wirklich delikate Nase, die zum Dauerschnuppern animiert. Der Alkohol ist kräftig, aber hervorragend integriert.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Unverdünnt sorgen die über 57 Prozent für einen kraftvollen und wärmenden Antritt. Ein feines Prickeln auf der Zunge, begleitet von einer anregenden Ingwer- und leichten Chilischärfe, eröffnet das Geschehen. Danach folgen Pfefferminz, cremige halbbittere Schokolade, geröstete Nüsse, die leicht angeschwärzten Holzscheite und Tabakaromen. Der typische Springbank-Funk ist ebenfalls vorhanden und zeigt sich vor allem in einer Assoziation nach einem schmutzigen Lappen voller Maschinenöl. Immer wieder erstaunlich, wie Springbank diese Aromen hervorruft.

Die fruchtige Seite wirkt eher verhalten. Getrocknete Aprikosen und ein Hauch getrockneter Beeren sind vorhanden und werden von einer fein eingebundenen Süße begleitet.

Mit Wasser wird der scharf-würzige Beginn milder und süßes, cremiges Karamell mit viel Vanille tritt stärker hervor. Auch verdünnt bleibt die fruchtige Seite zurückhaltend. Die schmutzige, funkige Seite gewinnt dafür an mineralischen Eindrücken hinzu. Sehr interessant.


Abgang
Getrocknete Aprikosen in geschmolzener dunkler Schokolade. Angekohlte Holzstücke liegen auf einem schmutzigen Lappen, der Flecken von Motoröl zeigt. Zusammen mit getrockneten Tabakblättern und Schuhpolitur bleibt all das lange im Rachen und am Gaumen haften.


Fazit
Ich bin wirklich froh, dass ich mir damals eine Flasche sichern konnte. Dieses Batch ist ein ausgesprochen leckerer Vertreter des Springbank-Stils und gefällt mir jedes Mal, wenn ich es im Glas habe – was in den nächsten Wochen sicherlich häufiger der Fall sein wird.

Ich tendiere klar dazu, ihn unverdünnt zu genießen, da er mir mit etwas Wasser zu generisch wurde. Der Funk war zwar weiterhin da, aber mir fehlte der Punch.


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