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Die Càirdeas-Abfüllung von Laphroaig zum diesjährigen Fèis Ìle Festival 2026 auf Islay hört auf den eher kryptischen Namen French Oak. Dies kann nun viel sein. Klar, die Fässer müssen aus französischer Eiche bestanden haben. Aber waren sie jungfräulich, sogenannte Virgin Oak Casks? Oder waren sie vorbelegt? Wenn ja, mit was? Da kommt de facto alles Mögliche infrage. Einerseits natürlich jedwede Sorte von Rot-, Weiß- oder Süßwein. Auch Cognac oder Armagnac könnte in den Fässern vorher gereift sein.
Daher ist diese Bezeichnung für uns Whisky-Nerds ziemlich nervig. Auch, weil von Laphroaig außer einem „matured entirely in 100% French Oak“ keine näheren Informationen dazu veröffentlicht wurden. Ich würde mir hier wirklich wieder mehr Transparenz von dieser durchaus sympathischen Brennerei wünschen.
Davon abgesehen haben wir es mit einem Whisky mit 52,6% vol., ungefärbt und ungefiltert, zu tun.
Aussehen
Kräftiger goldener Bernsteinton.
Nase
Die beiden Càirdeas-Abfüllungen der letzten Jahre waren sehr intensiv und auch ein wenig fassgetrieben. Dies habe ich bei diesem Jahrgang im ersten Moment überhaupt nicht.
Natürlich ist auch dieser Laphroaig mit einem dichten und kräftigen Rauch ausgestattet. Aber er wirkt trotzdem ausgewogener oder auch „zarter“, was doch eine etwas seltsame Assoziation bei Rauch und Laphroaig ist. Der Rauch ist weniger phenolisch als vielmehr holzlastig, mit einer schönen speckigen Lagerfeueraromatik. Wobei man nicht glauben darf, es wären kein Jod oder medizinische Anklänge vorhanden. Doch, doch! Aber die Kombination mit dem Holzrauch macht das Ganze so schön rund.
Apropos Holz. Hinter dem Rauch verbirgt sich eine wunderbare Eichenholznote, die nach einem alten, leicht lasierten Holzmöbel duftet. Sehr elegant. Leichte Vanillenoten vereinigen sich mit am Grill liegenden, etwas angebräunten Aprikosen- und Pfirsichhälften. Geröstete Nüsse, getrockneter Majoran und Thymian sorgen für etwas Würze und Röstaromen in der Nase. Dahinter liegt ein Geruch nach duftendem Heu und Wiese, fast schon leicht parfümiert wirkend.
Die Alkoholstärke ist hervorragend abgestimmt, der Alkohol stört zu keiner Sekunde den Genuss.
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| Fotocredit: whiskybase.com |
Geschmack
Ein sehr weicher, eleganter Antritt führt zu einer überraschend aufkeimenden, cremigen Süße – eher weiches Milchtoffee als Honig. Dies hätte ich so vom Geruch her nicht vermutet. Die angegrillten und nun weichen Aprikosen und Pfirsiche wurden in der Zwischenzeit zerdrückt und sorgen so für einen kurzen, süß-weichen Fruchtmoment. Kurz, weil sofort danach ein angenehmes „Pfefferl“ folgt. Frisch geriebener schwarzer Pfeffer sorgt für eine durchaus aromatische Schärfe, die aber immer im Rahmen bleibt.
Über all den Geschmacksnoten liegt ein schöner Rauch, der wie schon in der Nase zwar kräftig ist, aber nie zu intensiv wirkt. Im Mund wirkt der Rauch nun etwas phenolischer als in der Nase, aber die feine Lagerfeuerattitüde mit dem Holzgeschmack ist immer noch präsent.
Begleitet wird der Rauch von gerösteten Mandeln und Haselnüssen, getrockneten Küchenkräutern, etwas Tabak und Lederpolitur. Gegen Ende im Mundraum finden sich vielleicht auch Spuren von getrockneten Früchten wie Datteln und Feigen. Der Alkohol ist im Mund zwar kräftiger als im Geruch, aber sehr passend und auf den Punkt. Verdünnen muss man da absolut nicht.
Abgang
Es geht sehr aromatisch und dicht in Richtung Finale. Selbstverständlich ist der Rauch mit all seinen Nuancen weiterhin präsent. Aber vor allem die Tabakaromen, die Kräuter sowie auch noch zarte Anklänge des süßen Toffees sind lange im Mundraum vorhanden. Das macht wirklich sehr viel Spaß, dies alles zu entdecken.
Fazit
Es fällt mir auch nach dem Verkosten schwer, hinsichtlich des Fasses eine Aussage zu treffen. Virgin Oak oder eben eine Vorbelegung mit einem Wein oder gar Cognac oder Armagnac. Die Fruchtkomponenten sind für mich etwas zu diffus, um daraus eine konkrete Vermutung äußern zu können.
Lässt man das Rätsel einmal beiseite, bleibt für mich eine sehr leckere Càirdeas-Abfüllung, die mir deutlich besser gefällt als zumindest die letztjährige. Was viele monieren, nämlich dass der Rauch nicht so kräftig und weniger phenolisch ist, wie man es von Laphroaig erwartet, gefällt mir. Es ist eben mal etwas anderes und genau dafür ist die Càirdeas-Reihe prädestiniert.


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