Blindtasting
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Mittwoch, 6. Oktober 2021

Blindtasting No. 6

 

Es war mal wieder Zeit für ein Blindsample. Bolgam Street steht auf dem Samplefläschchen. In dieser Straße befindet sich sowohl Springbank, Glengyle aber auch Cadenhead. Springbank 10y, Kilkerran 12y und Hazleburn 13y aus 2004 aus der Campbeltown Region hatte ich bereits im Glas und alle drei gefielen wir ausnahmslos gut!. Soll ich auf eine falsche Fährte geführt werden, oder ist dies wahrlich ein wohl gemeinter Hinweis? Aber ich lass mich nicht beirren und gehe mal objektiv an die Sache heran. :-)


Nase & Aussehen
Dunkles Gelb. Erstes Einriechen, gleich nach dem Einschenken, fördert frische Aromen nach Gras und Wiese zusammen mit knackigem grünen Kernobst zu Tage. Mit etwas Stehzeit wird der Duft voller. Jetzt ist es eine wunderbare Bourbonfass-Nase. Vanille, Fruchtsüße, reife Marillen, Pfirsich und gelbes Kernobst aber auch leichte Nuancen von tropischen Früchten wie Mango. Alkohol ist sehr gut eingebunden. Keine Frische oder Minze oder andere Aspekte, die ich sonst bei höherem Alkoholgehalt verspüre. Kein Rauch oder Torf. Mit ein paar Tropfen Wasser vermischen sich die Fruchtaromen zu einem schönen Geruchspotpourrie und ein wenig Blütenduft kommt hinzu.


Geschmack
Schönes cremiges Mundgefühl. Süßes Zitronenzuckerl und grüne Trauben. Leicht prickelnd zu Beginn in Kombination mit den Fruchteinflüssen. Fast schon ein leichtes Pfefferl - könnte vom Fasseinfluss, aber vielleicht doch von einem etwas höheren Alkoholgehalt stammen?! Eine gewisse Malzigkeit, die leichte Assoziationen nach süßem Teig verspricht, ist ebenfalls präsent. Auch im Geschmack weiterhin kein Rauch oder Torf. Mit Wasser bleibt der Geschmack grundsätzlich ident. Die Zitrone nimmt ein wenig zu und das Pfefferl ist noch da, jedoch das Prickeln wird abgemildert.


Abgang
Leicht adstringierend am Zahnfleisch vorne. Schöne Holzeinflüsse mit Traubenkernen und Zitronenschalen. Die leichte Pfeffernote ist weiterhin vorhanden. Tippe auf amerikanische Weißeiche beim Holz für die verwendeten Fässer. Mittellanger Abgang bei dem neben den grünen Traubenkernen vor allem die Malzigkeit sich zeigt.


Fazit
Sehr schöner Whisky! Wenn ich Rauch wahrgenommen hätte, hätte ich auf einen Springbank getippt, da ich auch beim 10y Marille und Pfirsich hatte. Gibt es unpeated Springbank? Wirkt reif und somit älter, als er vielleicht ist. 12 Jahre mindestens, wenn nicht sogar um einiges reifer. 


Was ist meine Vermutung?
Bourbonfass gereifter Malt aus Schottland. Von wo? Hm. Ich glaube nicht, dass es Springbank oder Glengyle ist, dazu hatte ich keine Spuren von Rauch in der Nase und vor allem nicht beim Geschmack. Da war nicht dieses „Dreckige“. Daher tippe ich, wenn Bolgam Street passt, auf eine Abfüllung von Cadenhead. Und dann einfach mal auf einen Malt aus den Highlands. Alkoholgehalt zwischen 46% und 50% (da liege ich fast immer daneben). Beim Alter, entweder toll gereifte 12 Jahre oder wesentlich älter mit dann ab 18 Jahren. Und bei der Reifung auf ein Ex-Bourbonfass. Brennerei weiß ich nicht, da fehlen mir noch so viele, vor allem bei Bourbon-Malts. 

Auflösung

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It was time again for a blind sample. Bolgam Street is written on the sample bottle. This street is home to Springbank, Glengyle and Cadenhead. I already had Springbank 10y, Kilkerran 12y and Hazleburn 13y from 2004 from the Campbeltown region in my glass and we liked all three without exception! Am I being led astray, or is this truly a well-intentioned hint? But I won't let myself be misled and will approach the matter objectively. :-)


Nose & Appearance
Dark yellow. First smell, right after pouring, reveals fresh aromas of grass and meadow together with crunchy green stone fruit. With a little standing time, the aroma becomes fuller. Now it is a wonderful bourbon barrel nose. Vanilla, fruit sweetness, ripe apricots, peach and yellow stone fruit but also light nuances of tropical fruits like mango. Alcohol is very well integrated. No freshness or mint or other aspects that I usually feel with higher alcohol. No smoke or peat. With a few drops of water, the fruit flavours blend into a nice olfactory potpourri and a little floral scent comes in.


Taste
Nice creamy mouthfeel. Sweet lemon sugar and green grapes. Slightly tingling at the beginning in combination with the fruit influences. Almost a slight pepperiness - could be from the barrel influence, but perhaps a slightly higher alcohol content after all?! A certain maltiness that promises slight associations with sweet dough is also present. No smoke or peat in the taste either. With water, the taste remains basically identical. The lemon increases a little and the pepper is still there, but the tingling is toned down.


Finish
Slightly astringent on the gums up front. Nice wood influences with grape seeds and lemon peel. The slight pepper note is still present. Guess American white oak for the wood for the barrels used. Medium-long finish with green grape seeds and above all the maltiness.


Conclusion
Very nice whisky! If I had noticed smoke, I would have guessed a Springbank, as I also had apricot and peach in the 10y. Is there an unpeated Springbank? Seems mature and therefore older than it might be. 12 years at least, if not a lot more mature. 


What's my guess?
Bourbon cask matured malt from Scotland. From where? Hmm. I don't think it's Springbank or Glengyle, I didn't have any traces of smoke in the nose for that and especially not in the taste. There wasn't that "dirty" thing. Therefore, if Bolgam Street fits, my money is on a bottling from Cadenhead. And then just a malt from the Highlands. Alcohol content between 46% and 50% (I'm almost always wrong). As for age, either a great matured 12 years or much older with then from 18 years. And with the maturation in an ex-bourbon cask. I don't know the distillery, I'm still missing so many, especially with bourbon malts. 


Solution


Montag, 9. August 2021

Blindtasting No. 5

 


Es war mal wieder Zeit, die sich bei mir angesammelten Blindsamples abzubauen. Challenge accepted! Auf dem Samplefläschchen steht „desde el infierno“ - Aus der Hölle. Na ich bin gespannt.


Nase & Aussehen
Der unbekannte Malt präsentiert sich mit einem dunklen Rotbraun, fast schon Mahagoni. Sehr öliges Aussehen mit langsam hinabgleitende Legs am Glasrand.
Direkt beim Fläschchen gerochen zeigen sich für mich typische Aromen eines Sherryfasses mit dunkles roten Früchten und etwas Fruchtsäure. Es könnte etwas Schwefel dabei sein. Aber es ist keine Sherrybombe der modernen Art, also es scheinen keine nasse Fässer gewesen zu sein. Beim ersten Riechen nach dem Einschenken, sehr schöne Nase voller Aromen. Die Streichhölzer werden intensiver, dahinter jedoch reichlich Pflaumenmus, Rosinen und Tabak. Etwas Ziehen von Alkohol in der Nase. Die leichte Säure von der Frucht ist weiterhin vorhanden, zusammen mit einer angenehmen Süße und Vanille.
Was ich nicht rieche ist Rauch und Torf. Nach dem ersten Verkosten wird der Duft leichter, blumiger. Mit Wasser reduziert sich der Schwefelanteil. Die Früchte werden harmonischer, die Rosinen nehmen zu, die Pflaumensüße geht zurück. So etwas wie reife Aprikosen kommen hinzu.


Geschmack
Sehr cremiges Mundgefühl. Aber der haut beim ersten Versuch ordentlich rein. Sehr süss gleich zu Beginn, wie süßes warmes Powidel, wird jedoch schnell sehr hitzig im Mund. Die Rosinen zeigen sich deutlich sowie Zimt und Ingwer. Und dahinter liegt die gesamte Zeit etwas Schwefel. Der hat ordentlich Alkohol, tendiere zu ordentlich über 55%, vielleicht sogar an die 60%.
Auch beim Geschmack helfen ein paar Tropfen Wasser das Ganze etwas geschmeidiger und runder zu machen. Die Süße und die Hitze nehmen ab. Die Frucht kommt nach vorne.


Abgang
Das Finish geht sehr wärmend und süß weiter. Mit der Zeit etwas Eiche mit sanfter Minze. Die Fruchtaromen wandeln sich nun am Ende hin zu den Schalen von Apfel, Birne und Trauben. Leicht astrigierend ist der Malt vorne im Mund. 


Fazit
Spannende Geschichte. Ich bin hier nicht so empfindlich bzw. hatte auch noch nicht so viele Abfüllungen mit diesem Merkmal. Aber ich würde sagen hier war ein Fass mit ziemlicher Schwefelbearbeitung am Werk. Ich lege mich fest und sage, es ist eine Vollreifung. Und zwar entweder in einem Port oder Sherryfass. Wenn Sherry, dann würde ich auf ein PX tippen. Es war deutliche Süßigkeit oder weniger Gewürze oder Nüsse zu schmecken.
Ist dies ein Schotte? Die intensiven Aromen in der Nase und beim Geschmack, vor allem unverdünnt, haben mich auch an die Solisten von Kavalan erinnert.


Also, was ist meine Vermutung?
Vollreifung, Port oder Sherry (PX). 55-60% Alkoholgehalt. Alter. Hm. Ich würde sagen, 12 bis 15 Jahre. Jünger würde ich nicht tippen, auch nicht älter. Hoher Schwefelanteil, dominiert zeitweise, mundet mir aber trotzdem. Wenn Schottland, dann Speyside oder Highlands. Wenn nicht Schottland, dann kein Ire, und sehr dicht am Schottischem.


Auflösung


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It was time again to dismantle the accumulated blind samples with me. Challenge accepted! On the sample bottle is "desde el infierno" - From hell. Well I am curious.


Nose & Appearance
The unknown malt presents with a dark reddish brown, almost mahogany. Very oily appearance with Legs slowly sliding down the rim of the glass. Smelled directly from the bottle, typical aromas of a sherry cask with dark red fruits and some fruit acidity show up for me. There might be some sulfur. But it's not a sherry bomb of the modern kind, so it doesn't seem to have been wet barrels. On first sniff after pouring, very nice nose full of aromas. The matches become more intense, but behind them plenty of plum jam, raisins and tobacco. Some pulling of alcohol on the nose. The slight acidity from the fruit is still present, along with a nice sweetness and vanilla.What I don't smell is smoke and peat. After the first tasting, the aroma becomes lighter, more floral. With water, the sulfur content reduces. The fruit becomes more harmonious, the raisins increase, the plum sweetness decreases. Something like ripe apricots come in.


Taste
Very creamy mouthfeel. But this one packs a punch on the first try. Very sweet right off the bat, like sweet warm powidel, but quickly gets very heated in the mouth. The raisins show up clearly as well as cinnamon and ginger. And there is some sulfur behind it the entire time. This has decent alcohol, leaning towards neat over 55%, maybe even close to 60%.Even with the taste, a few drops of water help make the whole thing a bit smoother and rounder. The sweetness and heat diminish. The fruit comes forward.


Finish
The finish continues very warming and sweet. With time, some oak with gentle mint. The fruit flavors now turn to apple, pear and grape skins at the end. Slightly astriguing, the malt is up front in the mouth.


Conclusion
Exciting story. I'm not that sensitive here and/or haven't had that many bottlings with this characteristic. But I would say here was a cask with quite a bit of sulfur treatment at work. I'll go out on a limb and say it's a full maturation. And it was either in a port or sherry cask. If sherry, then I would guess a PX. There was distinct sweetness or less spice or nuts to taste.Is this a Scotch? The intense aromas on the nose and taste, especially undiluted, also reminded me of Kavalan's soloists.


So, what's my guess?
Full aging, port or sherry (PX). 55-60% alcohol content. Age. Hmm. I'd say 12 to 15 years. I wouldn't guess younger, nor older. High sulfur content, dominates at times, but still tastes good to me. If Scotland, then Speyside or Highlands. If not Scottish, then not Irish, and very close to Scottish.


Solution


Donnerstag, 19. März 2020

Blindtasting No. 3


Nase
Beginnen wir mit der Farbe im Snifter. Die ist ein dunkles Gold bzw. Kupfer. Am Glasrand entwickeln sich zahlreiche ölig langsam runter rinnende Legs.
Schöne runde süße Nase gleich zu Beginn. Da sticht nix. Erster Eindruck bei der Nase sind reife rote Äpfel und Orangen mit ein wenig von ihrer Schale. Vanille liegt dahinter. Rundet die Nase zu den Früchten schön ab.
Nach dem ersten unverdünnten Schluck meine ich auch jetzt einige Gewürze wahrzunehmen und Kräuter. Bisschen wie Maggi, Liebstöckl?

Geschmack
Okey!!! Sehr spritzig, feurig beim ersten Schluck. Der hat schön Wumms. Da steckt eine höhere Alkoholstärke dahinter. Süße kommt. Fast ein wenig Rauch würde ich da wahrnehmen. Ist das vielleicht die Eiche - europäische, kräftige? Adstringierend. Trocken werdend am Zahnfleisch. Ledrig, sherrylike.
Mit drei, vier Tropfen Wasser wird die spritzige Schärfe im Mund ein wenig gebändigt. Die Süße zu Beginn bleibt, dann wird es aber sherrylastiger, und zwar wirklich würzig, ledriger. Diese Rauchassoziation bleibt auch jetzt.

Abgang 
Das leicht torfige bleibt auch am Ende im Mund haften. Kräftig, eichig auch hier, wie im Mund. Espresso mit dunkler Schokolade gepaart. Mit wenig Wasser kommt das Holz mehr hervor, aber auf der aromatischen Seite. Er bleibt sehr lange im Mund mit dieser „rauchigen Eiche“.

Fazit
Von der Nase her könnte es ein Sherryfinish sein. Eine komplette Sherryfasslagerung würde ich erstmals ausschließen. Rotwein eher auch nicht. Die Nase ist aber sehr nett.
Auf jeden Fall ist das ein Tropfen, der ergründet werden will. Ich hatte ihn vielleicht knapp 10 Minuten im Glas vor dem ersten Riechen. Könnte sein, dass der mehr Zeit im Glas benötigt.
Vom Geschmack und Abgang her. Vor allem dann mit ein wenig Wasser, tendiere ich dazu, meine Vermutung von der Nase her zu revidieren. Das könnte eine komplette Lagerung in einem Sherryfass sein. In einem Oloroso-Fass vielleicht? Sehr interessant finde ich die leichte Rauchnote, die ich im Mund und im Abgang finde.
Nun gut. Was vermute ich? Ein Sherry Malt in Cask Strength, ich sag mal mindestens 56 - 58%. Olorosofass. Ich sag mal, mindestens 12 Jahre. Schotte. Speyside oder Highlands. Die leichte Rauchnote... hm. Ich glaube wirklich, dass dies kein torfiger Rauch ist, sondern eher von dem Eichenfass kommt.
Brennerei, keine Ahnung. Mir fehlen noch so viele. Der einzige, wo ich eine ähnliche ledrige Assoziation hatte, aber nicht den Rauch, war bis her der Allardice. Aber der ist natürlich nicht so dicht durch die niedrigere Alkoholstärke. Der Caledonia ist auch ledrig, aber hat weniger Süße. Könnts ein Glenfarclas sein? Vielleicht ein Family Cask? Hatte ich noch nie. Weiß ich nicht.
Auf jeden fall ein sehr schöner Malt, der mir gefällt!

Auflösung
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