Mittwoch, 21. Mai 2025

Imperial 19y 1995/2014 (vW)

 

Whiskybase

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Mit der Fortdauer in unserem tollen Hobby wächst bei so vielen von uns - mich eingeschlossen - immer mehr die Neugierde und der Wunsch nach älteren Abfüllungen, Abfüllungen aus vergangenen Tagen und auch das Verkosten von Whiskies aus sogenannten Lost Distilleries. Lost Distilleries sind Brennereien aus der Vergangenheit, die nicht mehr produzieren, geschlossen und meist auch abgerissen wurden. 

Abfüllungen jenseits der 20 Lenze, auch Flaschen aus den 80igern und 90igern konnte ich bereits verkosten, fehlte mir nur noch, dass ich auch einen Single Malt aus einer Ghost-Distillery im Glas habe. Ein Kumpel aus meiner Whiskyrunde bot mir ein Sample aus der Imperial Brennerei an - da brauchte ich nicht zwei Mal darüber nachdenken.

Fotocredit: Anne Burgess / Imperial Distillery/wikipedia.com

Die Speyside Brennerei wurde 1897, dem Jahr des diamantenen Thronjubiläums von englischen Königin Victoria, gegründet. Victoria trug ebenso den Titel Kaiserin von Indien und es heißt aus diesem Grund wurde die neue Brennerei Imperial getauft. Die Geschichte der Destille war wechselhafter Natur. Von den 115 Jahren ihres Bestehens stand die Produktion 45 Jahre still. Nach mehreren Besitzerwechsel war 1998 endgültig Schluss. Chivas Brothers riss 2013 die letzten noch stehenden Gebäude ab. Auf dem ehemaligen Gelände wurde von Pernot Ricard 2015 die Dalmunach Distillery gegründet.


Imperial 19y 1995/2014 von van Wees
Es gab von Imperial defacto nie eine Originalabfüllung für den Handel - lediglich einen 15jährigen gab es eine Zeitlang ausschließlich für Mitarbeiter. Aus diesem Grund sind Imperials ausschließlich von unabhängigen Abfüllern auf den Markt gekommen. So auch der 19jährige, dessen Sample ich gleich verkosten werde. Die von van Wees, einem holländischen UA Abfüllung wurde 1995 gebrannt und kam 2014 mit 46% in 312 Flaschen. Die Reifung erfolgte in einem Hogshead - ausgehend von der Farbe muss es sich um Ex-Bourbon Fassbestandteile gehandelt haben.

Fotocredit: whiskybase.com


Aussehen
Hellgold


Nase
Es offenbart sich einem ein wunderbar klassisch sauberes Geruchsbild einer Ex-Bourbonfassreifung. Aufgeschnittene Vanilleschoten, die in Honig eingelegt sind, zu denen sich neben grünem Kernobst Anklänge von tropischen Früchten hinzu gesellen. Immer wieder kommen grüne grasige Noten zum Vorschein, von frisch gemähter Frühlingswiese mit zahlreichen Wiesenblumen. Aber auch eine feine Würzigkeit vom Holz zusammen mit geriebenen Zitronenschalen sorgen für einen angenehmen Kontrastpunkt zu den Fruchtaromen und sorgen so für eine ansprechende Tiefe. Die Reifedauer von 19 Jahren spiegelt sich in einer wunderbaren Cremigkeit und Wachsigkeit im Geruch wieder. Die Alkoholstärke ist perfekt gewählt, nicht zu lasch, die Nase ist ausbalanciert und weich wirkt aber nie dünn.


Geschmack
Die tolle Cremigkeit, verbunden mit dieser feinen wachsigen Note aus dem Geruch führt sich im Mund nahtlos fort. Es beginnt mit einer wunderbaren süßen Honigcreme mit Vanille, die über noch warmes helles Kuchengebäck fließt. Aufgeschnittene Zuckermelonen, Bananen, Weintrauben und reife grüne und gelbe Äpfel liegen neben der Backware. Abgelöst wird das Dessert im Geschmack durch eine mittelstarke Schärfe von geriebenem Ingwer. Sehr aromatisch und wohltemperiert. Ihr folgt am Fuße eine aufkeimende Würzigkeit, in der auch etwas Muskatnuss, Zimt sowie Traubentrester mit einer leichten Bitterkeit eine Rolle spielt. Auch im Mund ist der Alkohol sehr gut integriert, alle Aromen und Geschmacksnoten haben ausreichend Kraft und Intensität.


Abgang
Gegen Ende hin zieht das Holz mehr an, die längere Reifedauer merkt man nun deutlicher anhand von mehr Bitterstoffen. Die Haut und die Kerne von grünen Trauben sind ebenso präsent, wie weiterhin etwas Vanille und die Schalen der Äpfel. Das Finish gestaltet sich lange, der Whisky liegt cremig im Mundraum.


Fazit
Keine Ahnung, was die wirtschaftlichen oder konzerninternen Überlegungen waren, die Chivas Brother bzw. Pernot Ricard dazu bewogen hat, die Imperial Distillery zu schließen und abzureißen. Am Brand, am Whisky der dort produziert wurde, kann es beileibe nicht gelegen haben. Zusammen mit einem guten Fass wie bei dieser Abfüllung hat man einen wunderbaren, klassisch gereiften Ex-Bourbon Single Malt in die Flasche gezaubert. Der Whisky gefällt mir durch seine unaufgeregte Art sehr gut. Ich merke immer mehr, wie mich so ruhige, gediegene Ex-Bourbon gereifte Malts mit einem erhöhten Alter abholen und immer mehr begeistern können.

Mittwoch, 14. Mai 2025

Lochlea 6y 2018/2024

 


Whiskybase

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Nach dem Besuch der Holyrood Brennerei in Edinburgh und dem nachträglichen Verkosten ihrer Ambir Abfüllung habe ich richtig Lust auf die Lowlands und deren jungen Whisky Erzeuger bekommen. Und so besorgte ich mir ein Sample vom neuen Lochlea 6y, der letzten Sonderabfüllung der familiengeführten Farm Brennerei, als diese in unserer Whisky Gruppe verteilt wurde.

Bislang hatte es noch kein Whisky dieser jungen durchaus sympathischen Destillerie in mein Glas geschafft. Da kam die bislang älteste Ausprägung, nach dem letztes Jahr hausgekommenen Fünfjährigen zum richtigen Augenblick.

Für diese zweite Abfüllung der Brennerei mit Altersangabe wählten die seit Ende des letzten Jahres als neue Master Blenderin fungierende Jilian Boyd und der Distillery Manager Darren McCormick die drei 1st Fill Bourbon Barrels #132, #135, #138 sowie die drei Oloroso Sherry Butts #250, #251 und #252 aus dem Jahr 2018 aus. Die Fässer stammen somit aus der Zeit des Produktionsstarts der Farm-Brennerei.

2.500 Flaschen kamen aus den sechs Fässern heraus und wurden ohne Kältefiltration und nachträglicher Färbung mit 50% Volumenstärke abgefüllt. 

Die Flasche ist schon eine Augenweide.
Fotocredit: Lochlea Distillery

Aussehen
Helles Mahagoni


Nase
Die erste Assoziation, die mir durch den Kopf schießt, ist der Duft von rosa blühenden Fliederbüschen, die in voller Pracht stehen. Sehr blumig und luftig. Von den typisch mit Sherryfässern in Verbindung bringenden Aromen habe ich erstmals noch nicht viel. Im Hintergrund liegen frisch gezupfte Minzblätter. Eine leichte Schärfe belebt die Nase und spiegelt etwas seine Jugend wieder. Aber dies stört jetzt nicht den Genuss, von jugendlichen Fehlnoten ist hier nichts zu merken.

Nach ein wenig Standzeit öffnet er sich merklich. Ein Obstsalat aus Erdbeeren, Himbeeren, Orangen, roten Äpfel und dem einen und anderen Stück Honigmelone sorgt für einen schön fruchtig und säuerlichen Touch. Ok. Nun erscheinen auch immer mehr klassischere Noten von den Oloroso Sherryfässern. Dazu gehören neben den Beeren vor allem Milchschokolade, geröstete Haselnüsse, ein wenig Schuhcreme und Anklänge von altem Leder sowie etwas Tabak. Ein paar Tropfen Vanilleextrakt sind nun auch mit von der Partie.

Der Junge benötigt wahrlich Zeit im Glas um sein Potential zu entfalten. Dann kommen die Gerüche nach und nach zum Vorschein und wissen durchaus zu Gefallen. Besonders interessant ist eine harzige Note, wie bei einem griechischen Retsinawein, die zusammen mit einer leicht muffigen Attitüde für eine angenehme Tiefe sorgt.


Geschmack
Es ist nicht dünn, aber richtig cremig ist das Mundgefühl auch nicht. Es beginnt im Mund sogleich mit einer überraschend, weil so gar nicht in der Nase vorhanden, intensiven süßen Note. Weniger wie Honig, mehr wie geschmolzener Zucker oder Zuckersirup. Begleitet wird die Süße von deutlichen, etwas künstlich wirkenden, Aromen roter Gummibärchen die sich im Mund bereits aufzulösen beginnen. Aber diese Fruchtigkeit verfliegt ziemlich flott und macht einer nicht so erfreulichen Schärfe von weißem Pfeffer und geriebenem Ingwer Platz. Es brennt richtig heiß im Mundraum. Das gefällt mir nicht so sehr. Dahinter verbergen sich noch ein paar Krümmel der Milchschokolade und einige geröstete Nüsse sowie auch ein paar Minzblätter. Auch die Harznoten aus der Nase lassen sich wieder finden. Aber mehr kommt durch die heiße, brennende Schärfe nicht durch. Im Geschmack ist er mir deutlich zu jung, unausgewogen und mit zu geringer Aromentiefe ausgestattet.

Drei 1st Fill Bourbon- und drei Oloroso Sherryfässer stecken in diesem 6jährigen.
Fotocredit: Lochlea Distillery


Abgang
Das Finish ist ziemlich kurzlebig. Etwas Beerenobst, Vanille, leichte Süße und Sherryansätze. Danach ein paar bittere Anklänge vom Holz der Fässer und weg ist er.


Fazit
Frische seasoned Sherrycasks, die wohl hier in Verwendung waren und den jungen Burschen aufpimpen sollten. In der Nase mag dies zwar noch einiger Maßen gut funktionieren, da gefällt er mir auch am Besten. Jedoch beim Geschmack fällt er sehr schnell sehr stark in sich zusammen. Da merkt man von den sechs Jahren im Fass leider nicht viel. Vor allem die unangenehme Schärfe passt nicht. Und beim Abgang fühlt man sich an einer Klippe stehen, bei der die Aromen von einer Sekunde auf die andere abstürzen und verschwinden.

Wenn ich diesen jungen Lowlander mit seinem, sicherlich ähnlich alten, Landsmann Ambir von Holyrood vergleiche, verliert der Lochlea 6y leider deutlich. Schade. Aber die Abfüllung und ich sind nicht kompatibel.

Mittwoch, 7. Mai 2025

Ardmore 23y 1998/2022 (EID)

 

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Die Highland Brennerei Ardmore produziert grundsätzlich einen leicht rauchigen Brand - Ausnahme der Regel ist der nicht rauchige Vertreter, der unter der Markenbezeichnung Ardlair vertrieben wird. Ähnlich wie bei Benromach gefällt mir diese feine, subtile - oft mehr im Hintergrund agierende - oft erdige Rauch- und Torfnote recht gut. Für eine deutlichere Rauchnote werden, vor allem von unabhängigen Abfüllern, Ardmores oft in Islay-Fässer - meist von Laphroaig - nachgereift. 

In diesem speziellen Fall hat Elixir Distillers darauf verzichtet und den New Make einfach 23 Jahre lang in einem Hogshead in Ruhe liegen gelassen und ihn 2022 im Rahmen seiner The Single Malts of Scotland Reihe mit 51,2 Volumenprozent in 223 Flaschen abgefüllt. 


Aussehen
Helles Gold, Strohgelb.


Nase
Anfänglich etwas zugeknöpft wirkend, öffnet sich die Nase nach ein paar Minuten kontinuierlich. Zum Vorschein kommen ein wahrer Obstgarten und zahlreiche Fruchtaromen: Zitronenkuchen, Vanille, Tropische Früchte, reife gelbe und grüne Äpfel sowie Birnen, der Saft von grünen Weintrauben und Honigmelonen. Der Rauch liegt dezent im Hintergrund, spielt absolut nicht die erste Geige. Es ist überwiegend ein warmer, erdiger Rauchgeruch, der zusätzlich zu mineralischen auch süße rote Beerenaromen inne hat - ein wenig wie geräucherte Fruchtgummis. Sehr positiv ist die samtig, sirupgleiche weiche Textur der Nase sowie diese subtile Wachsnote, die man sonst eigentlich von Clynelish kennt. Man nimmt ihm das Alter absolut ab, die Aromen sind harmonisch und wirken sehr reif und gediegen. Der Geruch verändert sich mit der Zeit auch weiter. Der Obstkorb bekommt von getrockneten Küchenkräutern Unterstützung. Auch das Holz der Fässer sorgt für eine intensive Würzigkeit. Der Rauch wird mit Fortdauer präsenter.

Etwas Wasserzugabe intensiviert die Fruchtaromen noch weiter und macht den Gesamteindruck noch harmonischer. Der Alkohol ist kaum zu riechen.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Ein sehr feiner weicher cremiger Antritt. Obwohl man die knapp 51% kaum merkt sind die Aromen vollmundig und von Beginn an sehr präsent, anders als in der Nase, die etwas Anlaufzeit benötigte. Zuerst wird man von einer angenehmen Honigsüße begrüßt, die wieder von einer ordentlichen Portion Fruchtigkeit und Obst begleitet wird. Neben dem reifen Kernobst sind es wie im Geruch tropische Früchte, die Honigmelone sowie der Zitronenkuchen mit seiner warmen, Teig ähnlichen Textur. Danach zeigt sich der Rauch deutlich. Mit im Gepäck hat er auch etwas auskühlende Asche und eine Adstringenz, die vor allem seitlich bei den Wangen für ein trockenes Mundgefühl sorgt. Die erdigen Noten aus der Nase werden im Geschmack durch mehr mineralische und leicht jodige Aromen ersetzt. Auch im Mund zeigt sich die lange Reifezeit und überzeugt durch eine Ausgewogenheit und Gediegenheit.

Wasser macht ihn noch süffiger, jedoch reduziert er ein wenig seinen Charakter. Die Frucht, die Süße und die Würzigkeit vermischen sich etwas zu sehr. Da hat er mir pur doch besser gefallen.


Abgang
Getrocknete Tabakblätter und Leder folgen den Holzaromen, die für eine gewisse angenehme Bitterkeit sorgen. Der Rauch, aber vor allem, die kalte Asche im Aschenbecher bleiben noch länger im Mundraum liegen und sorgen so für ein mittellanges bis langes Finish.


Fazit
Ein würdiger Vertreter der 20plus Altersgruppe. Dieser Tropfen gefällt mir außerordentlich gut. Neben den für mich doch überraschend intensiven Fruchtaromen ist es vor allem seine Harmonie, eine gewisse Eleganz und die Textur im Geruch und Geschmack. Obwohl 23 Jahre lang im Fass sind die würzigen, bitteren Noten vom Holz nie im Vordergrund. Der leichte Rauch von Ardmore bietet eine sehr schöne Begleitung der anderen Aromen. Der macht im Glas wirklich Spaß und gute Laune.


Mittwoch, 30. April 2025

RY3 Private Reserve Toasted Barrel Select Batch PR# 008

 

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Die Marke RY3 (keine Ahnung ob damit Rye oder Rye 3 gemeint ist) stammt von Phenomenal Spirits aus Virginia Beach, USA. Dieses Unternehmen besitzt keine eigene Brennerei-Anlage sondern kauft Spirituosen ein und bearbeitet sie. Dies kann in Form von Blenden oder ein nachträgliches Finish in neuen Fässern sein. Aktuell beinhaltet das Portfolio neben Rye-Whiskeys auch Rum-Abfüllungen. Man kann Phenomenal Spirits durchaus zu den unabhängigen Abfüllern rechnen, vor allem da es in den USA nicht unüblich ist, gesourcten (also zugekauften) Whiskey oder Bourbon für seine eigenen Marken zu verwenden. 

Jedoch muss man hier wissen, dass das Geschäftsmodell des Gründers daraus besteht, Unternehmen und vor allem Marken im Bereich Luxury Spirits aufzubauen und zu etablieren um sie dann an einen Investor weiterzuverkaufen.

Mit dem Hintergrund im Kopf war ich durchaus kritisch, was die Abfüllungen angeht, als sie im Herbst 2024 bei uns auf dem Markt kamen. Kritisch darum, weil ich hier an Kontinuität zweifle. 

Als Fan von amerikanischem Rye-Whisky war die Neugierde, vor allem auf die Private Reserve Barrel Abfüllung mit Toasted Barrel Finish jedoch zu groß um die Flasche links liegen zu lassen. Auf der Webseite des Unternehmens wird suggeriert, dass die "3" in der Marke RY3 bei dieser Abfüllung für drei unterschiedliche Whiskeys, drei unterschiedliche Mashbills und drei verschiedenen Altersstufen steht. 

Leider ist die Transparenz bei den Information nicht sehr weit gediehen. Offiziell findet man leider keine Informationen, aus welchen Brennereien die Whiskeys stammen, wie alt sie waren und welche Mashbills tatsächlich verwendet wurden.

Fotocredit: whiskybase.com

Im Internet findet man die Info, dass neben zwei amerikanischen Ryes auch ein Rye aus Alberta Kanada Teil des Blends sein soll und das eine der Mashbills das typische MGP 95%er Rye Rezept und die andere eben eine 100% Rye Alberta Version sein soll. Von der dritten weiß man nicht wirklich etwas. Und beim Alter findet man überhaupt keine Angaben. 

Was man weiß ist, dass für das Finish ein Medium Toasted Barrel verwendet wurde und das die Alkoholstärke beachtliche 60,8% beträgt. Ich bin sehr gespannt, was mich hier erwartet. 


Aussehen
Nussbraun mit Rotstich. Das Auge trinkt mit.


Nase
Für über 60% ist der Alkohol ziemlich gut eingebunden. Wenn man die Nase tiefer ins Glas steckt, keimt zwar schon eine leicht kühlende frische Prise auf und es zwickt ein wenig in der Nase, aber es bleibt alles absolut im Rahmen und stört den Genuss in keinster Weise. Und ein Genuss ist diese Nase tatsächlich. Deutliche Aromen von Vanille und braunen Zucker werden von einer feinen Rye-Note begleitet, die sowohl die klassischen After Eight Pfefferminz-Schokoladeblättchen aufweist als auch Assoziationen von würzigem warmen Roggenbrot mit etwas Anis beinhaltet. Alle Gerüche sind sehr rund, harmonisch und miteinander ausbalanciert. Ein paar Rosinen und ein Kirschkompott sorgen für den dezent fruchtigen Anteil an der Geruchsmischung.

Mit ein paar Tropfen Verdünnung nimmt die anfängliche Würzigkeit und Pfefferminznote ab und es erscheinen sogar blumige Aromen, vorwiegend nach Veilchen duftend - Vanille und der braune Zucker mit Ansätzen zum Karamell geben weiterhin den Ton an, der Roggen ebenso.


Geschmack
Der Vertreter ist unverdünnt gefährlich leicht zu trinken und äußerst süffig. Sehr cremig und mit vollem Geschmack startet der Rye Blend. Anfänglich dominieren süße Aromen von Karamellcreme und Vanillesauce. Dicht gefolgt von einer sich schnell im Mund ausbreitenden pfeffrigen Würzigkeit mit zusätzlichen Kräutern und Muskatnuss. Danach übernimmt wieder die Vanille im Zusammenspiel mit den Pfefferminzbonbons mit Amarenakirschgeschmack sowie dem dunkel gebackenen Roggenbrot. Ab dem Mittelteil wird der Mundraum, vorwiegend durch die Alkoholstärke, trockener. Dies alles ist sehr lecker.

Mit Wasser verweilt die Süße länger im Mund, ihre Intensität bleibt länger bestehen. Die Pfeffernote ist ebenfalls weiterhin vorhanden, aber nun etwas reduzierter. Die anderen Aromen und ihre Dichte sind auch mit Wasser immer noch gleich präsent. Das Mundgefühl geht noch mehr ins cremige über.


Abgang
Gegen Ende hin bleibt die Pfefferminze und die Ryebrot-Noten. Untermalt werden die Aromen von etwas Eichenwürze, gepaart mit einer leichten Bitterkeit. Der Abgang gestaltet sich insgesamt mittellang.


Fazit
Ich muss sagen ich bin wirklich angetan von diesem defacto No-Name Rye Blend. Es ist natürlich alles gesourced und nicht selbst gebrannt. Jedoch ist das Ausgangsmaterial dieses Blends, die drei verwendeten Ryes aus den USA und Kanada wirklich gut und die Mischung hat gepasst. Das Finish in dem getoasteten Fass hat den Rye nochmals hervorgehoben ohne die anderen Aromen zu verdrängen. Ein sehr ausgewogener hochprozentiger Rye Whiskey, der wirklich Laune macht. Bin gespannt ob die Nachfolgebatches, sofern es welche geben wird, das Niveau halten können.

Mittwoch, 23. April 2025

Holyrood Ambir

 

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Knapp ein Monat vor unserem ersten Trip nach Edinburgh buchte ich für die Familie Tour-Tickets bei der Holyrood Destillerie. Und an meinem Geburtstag besuchten wir dann diese junge Brennerei, die mit ihrer Eröffnung 2019 nach fast 100 Jahren wieder das Whiskybrennen in der schottischen Hauptstadt brachte. Die in einem alten viktorianischen Eisenbahndepot untergebrachte Brennerei verbindet alte wie auch moderne Architektur-Elemente. Umgeben von Wohnsiedlungen ist das Gelände nicht groß. Über einen kleinen Hof mit Sitzgelegenheiten gelangt man direkt in den Shop und von dort über Stiegen in die Bar bzw. in die Produktionsräume. 


Teil der interessanten Führung, unser Tour Guide Dave war sehr witzig, brachte aber zugleich die Inhalte sehr gekonnt rüber, ist auch der Besuch im Labor, wo neben vielen Gläsern, Flaschen und etlichen Zutaten auch eine kleine Brennanlage steht. Auf ihr wurden und werden ständig neue Rezepte ausprobiert. Weit über 100 verschiedene Kombinationen aus Gerste und Hefe wurde so schon erprobt und archiviert - und man kann einige dieser New Makes auch probieren und kaufen. Dieser Aspekt, dieses Erforschen und Ausprobieren gefällt mir an dieser in vielen Belangen untypischen Brennerei.  

Während der Tour bekamen wir mit dem Ambir die erste mehr oder weniger Standardabfüllung zum Verkosten. Auch in einem der beiden Flights, die wir anschließend in der Bar durchprobierten, war ein Glas vom Ambir dabei. Neben ein paar anderen Samples und einer Flasche erstanden wir im Shop auch ein Probierfläschchen vom Ambir.



Ambir stammt aus dem Schottischen und steht für Amber (Bernstein). Wie bei den Abfüllungen von Holyrood üblich wurden unterschiedliche Gerstensorten und Hefearten bei der Produktion verwendet. Auch bei der Fassreifung kamen einige Fässer ins Spiel - vorwiegend first- und second-fill Bourbon Casks, aber auch Oloroso Sherry Butts und Hogsheads. 

Holyrood agiert äußerst transparent. So kann man auf der Homepage genau nachlesen, was alles im Whisky vermengt wurde. Ohne Kühlfiltration und Nachfärbung kommt der Ambir mit erfreulichen 49,8% in die Flasche.


Aussehen
Helles Gold, reifer Weißwein


Nase
Beim ersten Reinriechen erscheint eine recht intensive säuerliche Note, die stark an einen jungen Weißwein erinnert. Junge knackige grüne Trauben, die über eine gute Portion an Fruchtsäure verfügen. Eine gewisse Mineralik sowie Aromen von getrockneten Gräsern lassen sich ebenfalls erkennen. Der Duft nach mit Vanille angereichertem Feilchensirup, blumig und süßlich zugleich, ist ebenfalls Teil des Geruchspotpourris. Im Hintergrund, als Fundament der anderen Gerüche, etabliert sich mit der Zeit eine Mischung aus malzigen, Butterkeks gleichen Noten zusammen mit gerösteten Nüssen und Cerealien, die für eine nette untermalende Würzigkeit sorgen. Obwohl hier fast 50% Alkoholstärke im Spiel ist, spürt man den Alkohol nicht. Überhaupt ist die Nase sehr weich, ausbalanciert und fühlt sich nicht jungendlich an. Hier könnte man blind locker auf acht bis zehn Jahre Reifezeit tippen.

Mit ein wenig Wasser heben sich vor allem die weichen Vanille- und zuckrigen Getreidemalznoten heraus. Ansonsten bleibt das bekannte Geruchsmuster ziemlich ident.


Geschmack
Leichter Körper, gepaart mit einem weichen, cremigen Mundgefühl. Sofort erscheint eine Süße von Malzzucker, gezuckerten Cornflakes, wo man noch das Getreide schmeckt. Eine ordentlicher Schöpflöffel Vanillepudding gleitet über die Zunge, sehr cremig kleidet der Single Malt den Mundraum aus.
Den süßen Getreideflocken und der Vanille folgt eine Würzigkeit, die etwas Pfefferschärfe mitbringt. Auch herbe dunkle Schokolade ist nun im Spiel. Hier scheint das Eichenholz der Fässer sich zu zeigen.
Wie schon beim Geruch ist auch beim Geschmack der Alkohol nie störend oder zu stark. Man kann den Whisky ohne Probleme pur ohne Wasserzugabe genießen.
Gibt man trotzdem ein wenig Wasser hinzu wird es sofort süßer, die Vanillearomen nehmen zu, zugleich wird es jedoch auch würziger, der schwarze Pfeffer bekommt Aufschwung.


Abgang
Geröstete Nüsse zusammen mit ein paar getrockneten Datteln und den letzten Resten des Vanillepuddings sorgen für ein mittellanges Finish. Zum Schluss liegt noch etwas Eichenwürze am Gaumen und auf der Zunge, die noch ein wenig länger verweilt.


Fazit
Trotz seiner wenigen Lenze von nicht mal ganz 5 Jahren ist der Ambir ein sehr gut gemachter Single Malt, dem man auch ein paar Jahre mehr Reifezeit glauben würde. Er ist sehr cremig und ausgesprochen homogen. Die Aromen sind vollmundig, obgleich der Malt leichtfüßig daherkommt. Die überwiegend verwendeten Ex-Bourbonfässer haben dem Destillat eine feine Vanillenote verpasst, die richtig Spaß macht. Die weinigen Aromen vom Geruch fand ich im Geschmack kaum noch wieder. Dies stört aber nicht. Ob es die vielen unterschiedlichen Gersten- und Hefearten benötigt hat, ich weiß nicht. Aber ich bin wirklich sehr gespannt, was Holyrood in den nächsten Jahren auf den Markt bringt, vor allem wenn der New Make länger reift.

Mittwoch, 16. April 2025

Ardnahoe Bholsa

 

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Die Nordwestküste von Islay, allgemein als Bolsa oder Bholsa bezeichnet, ist ein abgelegenes Netz von Höhlen, natürlichen Felsbögen und Sandstränden. Und nach diesem Küstenabschnitt hat Ardnahoe seine letzte Veröffentlichung getauft.

Auf dem Verpackungskarton steht auf goldenem Feld mit bordeauxroter Schrift "Matured predominantly in Oloroso Sherry Casks". Was für eine herrliche Umschreibung - ich liebe dieses Understatement! Was könnte dies alles bedeuten, 50,1% oder gar 99%?

Auf der Webseite der Brennerei findet man dazu zwar keine Information, jedoch im Internet kann man bei Seiten von Whiskyhändlern lesen, dass wohl 45% Ex-Bourbon- und 55% Oloroso-Fässer verwendet wurden - somit ist die Aussage, dass der Whisky überwiegend in Sherryfässern lag korrekt.

Auch wenn man nach der Farbe geht, die deutlich dunkler ist als bei der Vorgängerversion, dem Infinite Loch, wo zwar auch Sherryfässer zur Reifung beitrugen, jedoch vorwiegend Ex-Bourbon-Fässer Anwendung fanden, muss hier deutlich mehr Sherry in der Mischung dabei sein.

Wie bei den anderen Versionen - mit Ausnahme der Society 2024 Flasche, die in Fassstärke abgefüllt wurde - kommt auch Bholsa mit einer Alkoholstärke von 50%. Alter ist, wie beim Infinite Loch, keines am Etikett zu finden. Jedoch kann der Single Malt nicht viel älter als fünf bis sechs Jahre alt sein.


Aussehen
Rötliches Kupfer.


Nase
Sehr angenehme Rauchentwicklung. Eine Mischung aus mineralischer Steinkohle mit dem einen und anderen Holzscheit, schön sauber und klar in seiner Ausprägung. Schmutzig, phenolisch oder auch eine Assoziation nach Mullbinde, Heftpflaster oder allgemein Krankenhaus sucht man vergeblich. Der Rauch ist anfänglich durchaus präsent, aber er ist nicht total dominant, er lässt den dahinter liegenden Aromen ihren Platz zur Entfaltung. Und dies ist auch gut so! Denn da verbergen sich fruchtig säuerliche rote Beeren, wie Himbeeren, Erdbeeren und Heidelbeeren wo ein paar Ribiseln untergemischt sind. Auch ausgepresstes Mark einer Vanilleschote und getrocknete italienische Küchenkräuter finden sich. Haselnüsse und Walnüsse zusammen mit einer leicht herben dunklen Schokolade und ein paar Krümmel Lakritze sorgen als Rückgrat gegen Ende des Geruchs für eine gute Basis. Was ein wenig überrascht ist das Fehlen einer irgendwie gearteten Süße, außer der, die man eventuell bei den roten Früchten mit schmeckt. Aber Noten von Honig, Karamell oder ähnliches, Fehlanzeige. Muss sagen, dies gefällt mir.


Geschmack
Ok. Hier im Mund zeigt der Rauch aber von Beginn weg, was er kann. Auch eine leichte Süßigkeit ist jetzt ebenfalls wahrnehmbar, immer noch sehr dezent, aber doch vorhanden. Und dann kommen die Fruchtaromen wieder zum Vorschein. Es sind abermals diese fruchtig sauren roten Beeren, wie geräucherte rote Haribo Gummibären, als wären sie zu lange über einem Lagerfeuerrauch gelegen. Etwas Kirschsaft ist auch mit von der Partie. Die für Oloroso Sherryfässern oft so typischen getrockneten Früchte, wie Datteln, Feigen und Konsorten finde ich hier weniger. Dafür aber geröstete Nüsse mit dunkler Schokolade und wieder die getrockneten Kräuter, die gen Richtung Finish die aromatische Oberhand gewinnen.


Abgang
Der Rauch bekommt nun Unterstützung von kalter Asche und nimmt nochmals zu. Ein paar Bröseln von getrockneter Tabakblätter finden sich nun auch im Geschmacksreigen. Die Beeren werden gegen Ende hin dunkler, jetzt könnten auch die Datteln da sein, die ich noch vorher im Geschmack vermisst habe (ok, vermisst habe ich sie nicht wirklich!).


Fazit
Die nächste Abfüllung dieser noch jungen Islay-Brennerei, die mir sehr gut gefällt. Zeigte der Infinte Loch noch mehr Ex-Bourbonfass Charakter mit seiner Vanille oder der Zitrus-Note hat der Bholsa eine krasse Rauch-Berrenfrucht Kombination am Start. Die bei Ardnahoe nun schon gewohnte Alkoholstärke von 50% sind perfekt integriert. Eine vermeintliche Jugendlichkeit ist nicht zu schmecken. Hier müssen wirklich gute Fässer am Wirken sein. Ich hoffe Ardnahoe macht so weiter, dann werden wir noch viel Freude mit dieser Brennerei haben.

Sonntag, 6. April 2025

Laphroaig PX-Cask

 

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Bei diesem Single Malt wurden von Laphroaig erstmals PX-Sherry Fässer für den Reifungsprozess verwendet. Speziell für den Travel Retail Markt 2010 herausgebracht, präsentiert sich die Abfüllung mit 48% Alkoholgehalt sowie in einer 1 Liter.

Neben dem Finish in den besagten Süßweinfässern bekam er eine Reifung in Ex-Bourbonfässern und wurde danach in kleinere Quarter Casks umgefüllt. Dies sorgt für noch intensivere Aromen. Welches Alter er hat wird offiziell nicht kolportiert, im Internet findet man Gemunkel, dass die verwendeten Whiskys nicht älter als 5 bis 10 Jahre sein sollen.

Leider wurde mit E150a Farbstoff nachgeholfen, aber zumindest wurde auf eine Kühlfiltration verzichtet.


Aussehen
Dunkler Bernstein.

Fotocredit: whiskybase.com


Nase
Schöne intensive Rauchschwaden strömen zu Beginn aus dem Glas, fettig, teerhaltig und mineralisch mit leichten phenolischen Anklängen nach brennenden Mullbinden. Der Rauch legt sich wie ein Schleier über süßes Beerenkompott aus Heidelbeeren, Himbeeren und Erdbeeren. Auch ein paar Streifen gebratener Frühstücksspeck, etwas Vanille, ein paar Brösel eines hellen Kuchenteigs und etwas Honig runden den Duftreigen ab. Die Nase klingt würzig im Zusammenspiel mit getrockneten Küchenkräutern, wie Salbei, Rosmarin und Majoran, und maritimen Noten nach Seeluft und Seetang ab.

Die Nase ist sehr fein, die Kombination aus den schweren süßen PX-Aromen mit dem Rauch ist schwer ok. Für einen Laphroaig ist der Rauch aber weniger dominant. Hier dürften die PX-Fässer doch deutlich am Rauch-Volumen geknabbert haben.


Geschmack
Für seine 48% ist der Antritt sehr anständig mit einem gleichzeitig weichem, cremigen Mundgefühl. Der Rauch zeigt sich im Mund nun deutlich lebhafter, als in der Nase. Sofort erscheint eine deutliche Note nach verbrannten Holzscheiten, dazu auch mehr Asche und Teer. Die gebratenen Speckscheiben sowie die getrockneten Kräuter aus der Nase finden sich auch im Mund wieder. Zusätzlich schmeckt man Honig, getrocknete Pflaumen und Aprikosen, sowie etwas Leder und Tabakblätter. Ein leichtes Prickeln von Ingwer oder schwarzem Pfeffer verleiht eine angenehme Würzigkeit. Etwas Bitterkeit in Kombination mit herber dunkler Schokolade rundet das Geschmacksprofil ab.


Abgang
Der nun vor allem von der Asche dominierte Rauch legt sich breit und fett auf den Gaumen und Rachen und bleibt dort mal eine gute Zeit lang haften. Ebenso ist der Speck mit den Pflaumen und dem Honig weiterhin aktiv und sorgt zusammen mit Holzwürze für ein langes Finish.


Fazit
Nicht so intensiv wie beispielsweise bei der letzten Càirdeas Favourites Casks Abüllung aus 2024 aber doch deutlich hervorstechend ist der Einfluss des PX-Sherryfasses. Die typische Laphroaig-DNA geht damit etwas verlustigt, da der Rauch doch einiges an seiner Intensität und dem rauen, phenolischen Aroma verliert. Trotzdem ist die Kombination der Süße, den Beeren und dem speckigen Rauch sehr süffig und lecker - wenn er auch etwas austauschbar ist, da es in der Zwischenzeit einige Abfüllungen gibt, die in die gleiche Kerbe schlagen.

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