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Donnerstag, 1. Juli 2021

Bruichladdich The Classic Laddie

 

Whiskybase

Ganz zu Beginn meiner Whiskyreise hatte ich bereits einmal über ein Sample Kontakt mit dem Classic Laddie. Und damals schmeckte er mir überhaupt nicht. So wenig, dass ich mehr als zwei Jahre einen Bogen um Bruichladdich machte. Erst mit dem Bruichladdich ADoS 2004/2017 12y startete ich einen Neuanfang. Man sollte jedem Malt und jeder Brennerei mindestens eine zweite Chance geben. So auch dem Classic Laddie.


Nase & Aussehen
Helles Strohgelb, Schlieren rinnen relativ flott am Rand hinab und hinterlassen einen dünnen öligen Film. Zu Beginn leicht stechend in der Nase vom Alkohol, auch etwas metalisch anmutend. Dies legt sich jedoch nach ein paar Minuten, danach gewinnen die Aromen die Oberhand - der Malt beruhigt sich im Glas.
Ganz deutliche Citrusaromen, süß und zitronig zugleich, wie die gelben Gummibären von Haribo.  Mit ein paar Minuten Standzeit gesellen sich Vanille und Gerstenzucker zur Fruchtnote. Assoziationen nach einem warmen Zitronenkuchen mit Zuckerglasur schweben vor meinem geistigen Auge dahin. Apfel- und Birnenschalen sowie ein leichter Duft nach einer Sommerwiese runden das Duftpotpourri ab.
Mit ein paar Tropfen Wasser gewinnt meiner Meinung nach der Laddie. Die alkoholische Schärfe reduziert sich gegen Null, die Aromen verweben sich mehr, werden harmonischer. Der Blumenduft wird prägnanter.

Fotocredit: Bruichladdich

Geschmack
Mit einem leichten aber auch cremigen Mundgefühl kracht der Laddie unverdünnt beim ersten Versuch in den Mundraum. Enorm pfeffrig, fast schon brennend scharf wie Chili startet er. Dahinter lässt sich die Zitrone als etwas bittere Schale ausmachen. Beim zweiten Schluck, unverdünnt, ist anfänglich doch eine leichte Süße auszumachen, jedoch übernimmt recht rasch wieder die deutliche Chilischärfe - ein Chilicatch wie beim Talisker 10? - die Führung im Geschmack.
Ebenfalls im Mund hilft Wasserzugabe. Er wird süßer. Die Schärfe wird gemildert, ist aber nicht gänzlich weg, sie wandelt sich in Richtung Minze, Menthol. Wie ein After Eight. Die Fruchtkomponente nimmt zu.


Abgang
Im letzten Drittel eher mittel bis kurz unterwegs, bleibt die Zitronenschale weiterhin präsent, untermalt von einer leichten Aromatik vom Fass. Interessant. Gegen Ende vom Finish blitzen nochmals die grünen Äpfel aus der Nase hervor.


Fazit
Er gefällt mir diesmal deutlich besser, vor allem in der Nase und im Abgang. Die intensive Citrusnote zu Beginn und der schöne Granny Smith Apfel am Ende überzeugen. Beim Geschmack überrascht mich neuerlich diese deutliche Schärfe. Mit Wasser wirde es besser. Das Conclusio ist, wir haben uns zwar versöhnt, aber als Großflasche wird er nicht in meine Sammlung einziehen. Die Chance bleibt einem anderen Bruichladdich überlassen - ich muss die richtige Flasche nur finden.

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At the very beginning of my whisky journey, I already had contact with the Classic Laddie once via a sample. And back then, I didn't like it at all. So little that I gave Bruichladdich a wide berth for more than two years. Only with the Bruichladdich ADoS 2004/2017 12y did I make a fresh start. One should give every malt and every distillery at least a second chance. The Classic Laddie is no exception.


Nose & Appearance
Pale straw yellow, streaks run down the rim fairly briskly, leaving a thin oily film. Slightly pungent on the nose from the alcohol at the start, also somewhat metallic in appearance. However, this subsides after a few minutes, after which the flavors gain the upper hand - the malt calms down in the glass.
Very distinct citrus aromas, sweet and lemony at the same time, like the yellow gummy bears from Haribo.  With a few minutes of standing time, vanilla and barley sugar join the fruit notes. Associations of a warm lemon cake with sugar icing float before my mind's eye. Apple and pear peel as well as a light scent of a summer meadow round out the scent potpourri.
With a few drops of water, the laddie wins out in my opinion. The alcoholic sharpness reduces to zero, the aromas weave together more, become more harmonious. The floral scent becomes more concise.


Taste
With a light but also creamy mouthfeel, the Laddie crashes into the mouth undiluted on the first try. Enormously peppery, almost burning hot like chili it starts. Behind that, lemon can be made out as a somewhat bitter peel. At the second sip, undiluted, a slight sweetness is initially discernible, but the clear chili spiciness - a chili match like the Talisker 10? - takes the lead in the taste.
Adding water also helps in the mouth. It becomes sweeter. The spiciness is softened, but is not completely gone, it turns towards mint, menthol. Like an After Eight. The fruit component increases.


Finish
Rather medium to short on the finish, the lemon zest continues to be present, underpinned by a slight aromaticity from the barrel. Interesting. Towards the end of the finish, the green apples once again flash from the nose.


Conclusion
I like it much better this time, especially on the nose and finish. The intense citrus note at the beginning and the nice Granny Smith apple at the end are convincing. On the palate, I'm surprised again by this distinct spiciness. It gets better with water. The conclusion is, we have reconciled, but as a bulk bottle it will not enter my collection. The chance is left to another Bruichladdich - I just need to find the right bottle.

Dienstag, 16. Juni 2026

Bruichladdich Islay Barley 2012

 

Whiskybase

English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL.


Nach der Verkostung des Bere Barley 2010 im Sommer letzten Jahres bin ich auf den Geschmack dieser Terroir-Abfüllungen von Bruichladdich gekommen, bei denen ausschließlich regionale Gerste zum Einsatz kommt. Vor allem der eher puristische, klar definierte Geschmackscharakter gefällt mir sehr – Whisky pur, ohne viel Schnickschnack.

So kam es, dass ich mir in den folgenden Monaten über das Auktionshaus Krüger einige dieser besonderen Gerstenabfüllungen zulegte. Neben weiteren Bere Barleys und einem Port Charlotte Scottish Barley fand schließlich auch ein Bruichladdich Islay Barley seinen Weg in meine Sammlung.

Die Wahl für die nächste Verkostung fiel auf den Bruichladdich Islay Barley 2012. Für diese Abfüllung wurde Gerste von acht Farmen – Coull, Cruach, Dunlossit, Island, Mulindry, Rockside, Starchmill und Sunderland Farms – aus der Umgebung der Brennerei verarbeitet. Leider hat Bruichladdich bei der letzten Überarbeitung seiner Webseite das Archiv älterer Abfüllungen aus der Navigation entfernt. Deshalb war es mir nicht möglich, aus offizieller Quelle die genaue Fasszusammenstellung nachzuvollziehen. Auf der Flasche selbst steht lediglich „8 Years in Oak Casks“, was wenig aussagekräftig ist, da schottischer Single Malt nach Definition der SWA ohnehin ausschließlich in Eichenfässern reifen darf.

In verschiedenen Quellen im Internet findet sich die Angabe, dass 75 % First Fill American Oak und 25 % French Oak Casks zum Einsatz kamen. Einige wenige Seiten präzisieren die französischen Eichenfässer sogar als Refill Wine Casks. Welche Weine diese zuvor enthielten, wird allerdings nicht weiter erläutert.

Wie bei den Terroir-Abfüllungen von Bruichladdich üblich, beträgt die Alkoholstärke 50 %. Selbstverständlich wurde weder mit Farbstoff nachgeholfen noch kühlfiltriert.


Aussehen
Helles Stroh, junger Weißwein.


Nase
Sehr hellfruchtig und zugleich maritim präsentiert sich der erste Eindruck dieses Islay Barley. Salzige Gischt und Mineralität erinnern an einen Kiesstrand am Meer. Bei der Frucht stehen vor allem das Fruchtfleisch von Nashibirnen und saftigen grünen Äpfeln im Vordergrund. Kann man Frische und Knackigkeit bei Obst riechen? Eine bessere Assoziation für diese jugendlich-saftige Note fällt mir jedenfalls nicht ein. Dazu kommen Vanille und eine eher unterschwellige Süße.

Schwenkt man den Whisky im Glas oder benetzt den Glasrand damit, erscheint auch der mir von jungen Bruichladdichs aus dem Bourbonfass bekannte Duft nach Joghurt und weichem Camembert – leicht säuerlich, fast wie vergorene Milch.

Ergänzt wird dies durch Aromen von frischem Getreide, Müsli mit Haferflocken sowie Heu und Stroh. Alkohol ist praktisch nicht wahrnehmbar. Insgesamt wirkt die Nase sehr puristisch und geradlinig: Sie konzentriert sich auf wenige Aromen, die dafür umso deutlicher und intensiver hervortreten.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Überraschend süß startet der erste Schluck. Das Mundgefühl ist ausgesprochen cremig und weich. Zu der Süße gesellen sich reichlich frische Getreide- und Müslinoten, begleitet von Zitronensaft, Ananas und Aprikosen. Nach dieser süß-fruchtigen Getreidemischung entwickelt sich eine kurz anhaltende Schärfe, die an frischen Ingwer oder weißen Pfeffer erinnert. Gleichzeitig treten leicht herbe, bittere Eichenwürze und mineralisch-salzige Noten hervor, die dem Whisky einen maritimen Touch verleihen und wunderbar mit seiner süß-pikanten Grundcharakteristik harmonieren. Der Alkohol sorgt zudem für eine angenehme spritzige Frische, die mich immer wieder an Menthol denken lässt.


Abgang
Das Finale fällt nicht allzu lang aus und bewegt sich eher im kurzen bis mittellangen Bereich. Die Eiche steuert etwas Bitterkeit bei, die jedoch rasch wieder verschwindet. Danach dominieren vor allem süße und fruchtige Aromen den Ausklang.


Fazit
Der Bruichladdich Islay Barley 2012 ist für mich erneut ein schönes Beispiel eines Single Malts, der sich bewusst auf wenige Aromen konzentriert. Manchem Genießer mag er dadurch zu schlicht oder zu puristisch erscheinen. Mir gefällt dieser Stil jedoch ausgesprochen gut. Zwar muss ich ihn nicht jeden Tag im Glas haben, doch er erdet einen, lädt zum ruhigen Beschäftigen ein und belohnt mit einem entspannten, bewussten Genuss. Genau das schätze ich an solchen Whiskys sehr.

Mittwoch, 1. Januar 2025

Bruichladdich Port Charlotte MRC: 01 2010

 

Whiskybase

English Text-Version


Bruichladdich hat neben seiner nicht-rauchigen Bruichladdich Reihe mit der berühmten Octomore Serie, mit Single Malts mit dem höchsten PPM-Gehalt, und der Port Charlotte Reihe, mit mittelstarkem Rauch mit rund 40 ppm, gleich zwei rauchige Produktlinien am Start. Seit 2018 gibt es innerhalb der Port Charlotte Familie mit der Cask Exploration Serie spezielle Abfüllungen, bei der Bruichladdich sich auf besondere Fassreifung-Experimente (in der Regel Weinfässern) konzentriert.

Die erste Abfüllung dieser Reihe ist der Port Charlotte MRC: 01 2010. Hierfür wurde ausschließlich schottische erste verwendet. Die eine Hälfte reifte in 1st-Fill American Whisky Casks und der andere Teil in französischen 2nd-Fill Weinfässern. Danach wurden beide Fassarten miteinander vermählt und bekamen für ein weiteres Jahr ein Finish in französischen Bordeaux Fässern aus dem weltberühmten Weingut Mouton Rothschild. Der rund 7 Jahre junge Raucher kam mit 59,2% in die Flasche.


Aussehen
Satter Bernstein


Nase
Intensive Aromen, sofort vom Start weg. Fruchtig, hellrote Beeren, eingebunden in einen feinen ölig und zugleich auch mineralisch anmutenden Rauch. Er kann seine Verwandtschaft mit der Octomore Familie nicht leugnen. Er ist jedoch alles andere als dominant oder überbordend. Er hält sich mit den anderen Aromen die Waage und bildet ein harmonisches Gesamtbild. Vanillesauce mit roter Grütze. Mit Luft und Zeit wandeln sich die hellen Beeren hin zu dunkler Kirschmarmelade mit einer Zugabe von getrockneten Datteln. Die Datteln sind mit einer dünn geschnittenen Speckscheibe ummantelt und so auf die heiße Grillfläche gelegt. Die hohen Alkoholumdrehungen von über 59% sind extrem gut im Geruchsspiel integriert - kein Stechen oder sonstige unangenehmen Facetten sind zu merken. Eine Handvoll getrockneter Küchenkräuter wie Origano, Rosmarin und Basilikum fallen auf die Glut. Altes Ledersofa und Mobiliar, das oft mit Holzöl und Politur eingelassen wurde, altes Herrenzimmer mit einem Regal voll mit alten staubigen Büchern. Die verschiedenen Düfte sind sehr fein miteinander verwoben, schönes Aromenspiel.


Geschmack
Sehr süß und sehr fruchtig, toller kräftiger Einstieg. Eine echte Achterbahnfahrt der Aromen. Sehr cremig und samtig, und dies trotz der hohen Alkoholstärke. Der Rauch scheint reduzierter als im Geruch. Er ist sehr würzig, die Kräuter stehen im Vordergrund, auch die Mineralität ist wieder vorhanden. Eine leichte Schärfe, wie von schwarzem Pfeffer zeigt sich kurz. Dafür ist nun mehr Asche im Rauch zugegen und es wird trockener im Mundraum, vor allem an den Wangen. Die Würzigkeit der Holzfässer gewinnt entgegen der Fruchtsüße zunehmend an Stärke. Dunkle Schokolade mit höherem Kakaoanteil und leicht angesengte Tabakblätter. Überraschend gut ohne Wasserzugabe trinkbar. Ein paar Tropfen Wasser machen ihn weicher, die Süße bleibt länger erhalten, die Würzigkeit reduziert sich gleichzeitig.


Abgang
Die aromatischen Bitterstoffe der Fässer gemeinsam mit der Asche der Steinkohle und den getrockneten Küchenkräutern bilden einen ansprechenden Abschluss, der noch Unterstützung durch ein paar rote, getrocknete Früchte bekommt. Vom Rauch und der trockenen Asche abgesehen, gestaltet sich das Finale mittellang.


Fazit
Das Experiment ist für mich sehr gut gelungen. Die Kombination aus den Rotweinfässern und dem typischen Port Charlotte-Rauch ist sehr ansprechend. Schöne kraftvolle Aromen in der Nase und im Geschmack. Rundum ein toller Vertreter der rauchigen Fraktion. Wem die jüngeren aber prestigeträchtigeren Octomores zu teuer sind, kann ohne Bedenken zu den Port Charlottes Abfüllungen greifen. Ich persönlich bin nach dieser Kostprobe eindeutig Team Port Charlotte.

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English Text-Version


Alongside the non-smoked Bruichladdich range, Bruichladdich initially had two peated product lines, the Octomore range, with the highest PPM single malts, and the Port Charlotte range, with medium smoke of around 40ppm. Since 2018, there have been special bottlings within the Port Charlotte family with the Cask Exploration series. In this series, Bruichladdich focuses on special cask maturation experiments (usually wine casks).

The first bottling in this series is Port Charlotte MRC: 01 2010, using only Scottish barley. One half was matured in American 1st fill whisky casks and the other half in French 2nd fill wine casks. The two types of cask were then vatted and finished for a further year in French Bordeaux casks from the world-famous Mouton Rothschild estate. This 7 year old smoker was bottled at 59.2%.

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Rich amber colour


Nose
Intense aromas from the start. Fruity, light red berries, embedded in a fine, oily and mineral smoke. Its relationship with the Octomore family cannot be denied. However, it is anything but dominant or exuberant. It is in balance with the other flavours, creating a harmonious picture. Vanilla sauce with red fruit jelly. With oxygen and time, the light berries turn into dark cherry jam with the addition of dried dates. The dates are wrapped in a thin slice of bacon and placed on a hot grill. The high alcohol strength of over 59% is extremely well integrated into the flavour - no stinging or other unpleasant facets are noticeable. A handful of dried herbs such as oregano, rosemary and basil fall onto the coals. Old leather sofas and furniture that has often been oiled and polished, an gentleman room with a shelf full of dusty old books. The aromas are finely interwoven, a beautiful interplay of flavours.


Palate
Very sweet and very fruity, with a very powerful start. A real rollercoaster of flavours. Very creamy and velvety, despite the high alcohol strength. The smoke is less intense than on the nose. It is very spicy, the herbs are in the foreground and the minerality is back. There is a slight spiciness, like black pepper, that appears briefly. However, there is now more ash in the smoke and it becomes drier in the mouth, especially on the cheeks. Against the sweetness of the fruit, the spiciness of the wooden barrels becomes stronger. Dark chocolate with a higher cocoa percentage and slightly burnt tobacco leaves. Surprisingly easy to drink without water. A few drops of water make it softer, the sweetness stays longer and the spiciness is reduced at the same time.


Finish
The aromatic bitters from the casks, together with the coal ash and dried herbs, form a pleasant finish, supported by some dried red fruits. Apart from the smoke and ash, the finish is of medium length.


Conclusion
For me, the experiment was a great success. The combination of the red wine casks and the typical Port Charlotte smoke is very appealing. Beautiful, powerful aromas on the nose and palate. All in all a great representative of the peaty fraction. If you think the younger but more prestigious Octomores are too expensive, you can go for the Port Charlotte bottlings without hesitating. Personally, after this tasting, I'm definitely on Team Port Charlotte.

Mittwoch, 24. Februar 2021

Bruichladdich 12y 2004/2017 (ADoS)



Whiskybase


Heute geht es um einen 12 Jahre alten Islay-Malt aus der Brennerei Bruichladdich mit 54,9% Alkoholstärke. Reifen durfte der Tropfen klassisch in einem Bourbon-Cask und wurde im Rahmen der "A Dream of Scotland" Serie vom Brühler Whiskyhaus abgefüllt.

Ich bin auf diesen Laddie wirklich gespannt. Ich hatte zu Beginn meiner Reise als einen der ersten Single Malts einen The Classic Laddie im Glas und kam damit überhaupt nicht klar - zu scharf, zu wenige Aromen, die ich greifen konnte, schlichtweg nicht mein Fall. Ich habe danach einen Bogen um Bruichladdich gemacht. Nachdem ich in der Zwischenzeit jedoch den einen oder anderen Malt verkostet habe und mir nun auch Abfüllungen mit reiner Bourbonfass-Reifungen immer mehr zusagen, wurde es Zeit Bruichladdich eine weitere Chance zu geben.


Nase & Aussehen
In der Farbe könnte man ihn auch mit einem Chardonnay verwechseln. Ein schönes Gelb zeigt sich im Glas. Zahlreiche Legs sind am Rand vom Snifter zu sehen.
Der erste Eindruck ohne Wasser - der Malt hat knapp 55% an Alkohol - ist überraschend. Französischer Briekäse mit Salzcracker. Interessant. Hatte ich so auch noch nie. Ansonsten ist die Nase zu Anfang fein und leicht, fast schon etwas verschlossen. Der Alkohol zeigt sich leicht. Hinter den Aromen nach Käsecrackern zeigt sich nach ein paar Minuten auch aromatische Düfte nach Zitronen, grünen Äpfel und sogar eine Spur nach gelben noch nicht überreifen Bananen. Auch eine zarte Heunote ist vorhanden.
Gibt man dem Laddie noch etwas mehr Zeit im Glas öffnet er sich deutlich. Der Käse begibt sich in den Hintergrund, Süße und Vanille treten in den Vordergrund, flankiert nun von einer reiferen Fruchtnase. Grüne Trauben, aber auch die anfängliche Zitrone wechselt nun zu reiferen tropischen Früchten wie Ananas und Mango.
Mit etwas Wasser wird die Nase am Anfang von Gewürzen getragen, als wäre die Käserinde in Thymian und Estragon eingelegt. Dann wird es wieder fruchtig und süß.

Geschmack
Ein schönes cremig, buttriges Mundgefühl. Wie im Geruch habe ich auch beim Geschmack zuerst eine leichte Weichkäsenote, jedoch wechselt diese sehr schnell zu den in der Nase am Ende gefundenen tropischen Früchten und einer deutlichen Süße die sich als Honig präsentiert. Der süße Käse/Fruchtmix wechselt danach in eine angenehme weißpfeffrige aber auch würzige Spritzigkeit von der Eiche über.
Nach der Wasserzugabe nimmt das Käsesroma ab. Die Honigsüße und die Frucht übernehmen sofort, wobei die Süße etwas abnimmt. Auch die umfänglich wärmende, würzige Eiche ist weiterhin vorhanden.


Abgang
Die Wärme zieht sich auch bis ins Finish hinein. Der Käse wandelt sich nun in eine Hartkäserinde mit Thymian. Die aromatische Eiche geht nun Richtung Kaffee - ganz leichte Anzeichen von Rauch oder Torf könnte man vermuten. Gegen Ende hin wird es adstringierend vorne beim Zahnfleisch. Der Abgang ist eher mittellang.
Mit Wasser ändert sich beim Abgang eher weniger. Einzig die wärmende Pfeffernote bleibt vielleicht länger im Finish erhalten.


Fazit
Also gleich vorweg, mit diesem Malt hat sich Bruichladdich bei mir wieder rehabilitiert - wird nicht die letzte Abfüllung aus der Islay-Brennerei in meinem Glas bleiben. Das Bourbonfass hat hier ganze Arbeit geleistet. Die Süße und die Fruchtigkeit sind sehr präsent. Die Käsenote ist mit der Frucht und der Süße eine interessante Kombo. 

Mittwoch, 6. März 2024

Bruichladdich 18y

 

Whiskybase

English Text-Version


Anfang Februar präsentierte Bruichladdich mit zwei Abfüllungen die neue High-Age-Statement Reihe namens RE/DEFINE. Der 18jährige und der 30jähre sollen nun permanent im Standard-Sortiment der Islay Brennerei verfügbar sein. Dies ist, in Zeiten der Verjüngung der Lagerbestände, eine wirklich positive Ansage. Denn soviele volljährige Abfüllungen sind im letzten Jahr von den etablierten Islay Brennereien nicht mehr auf den Markt gekommen. 

So gabs 2023 von Bowmore laut Whiskybase nur noch eine 18jährige Travel Retail Variante vom Deep & Complex aus der Aston Martin Edition, aber keine normale Standardausgabe mehr. Der letzte reguläre 25iger sogar nur 2022. Von Caol Ila kam 2023 überhaupt keine 18jährige Abfüllung auf den Markt, die letzte stammt noch aus 2022. Bei Bunnahabhain kamen im letzten Jahr zwei 18jährige Abfüllungen laut Whiskybase auf den Markt. Jedoch sind diese immer als Small Batch Serie geführt und können somit auch mal nicht verfügbar sein. Lagavulin, Laphroaig und seit Herbst '23 auch Kilchoman haben als älteste Standardabfüllung "nur" einen 16jährigen am Start. 

Ich habe mir ein Sample vom 18jährigen besorgt, konnte aber auch die Originalflasche und die ebenfalls mit dieser Serie erstmals vorgestellten neuen Umverpackung näher ansehen. Diese besteht aus vollständig recycelbarem Papierzellstoff, liegt sehr eng an der Flasche an und sieht vom Material einer Eierschachtel nicht unähnlich. Sie ist die erste ihrer Art im Whiskyzirkus. Obs sie auch die Lebensdauer einer Flasche erlebt, bis diese leer ist, wird die Zeit zeigen. Super stabil hat sie auf den ersten Blick nicht ausgesehen - aber sehr stylisch!

Der 18jährige wurde gänzlich aus Islay-Barley destilliert und reifte danach hauptsächlich in Ex-Bourbonfässern sowie einer geringen Anzahl an Sauternes- und Portfässern, bevor sie für abschließende neun Monate zusammengelegt und in nicht näher definierten Fässern nachreiften. Wie immer bei Bruichladdich wurde ohne Farbstoff und Kühlfiltration gearbeitet und mit erfreulichen 50% Alkoholgehalt abgefüllt.


Aussehen
Heller Honig.


Nase
Sehr dezent und leicht anfänglich in der Nase. Die aus dem Premium Snifter aufsteigenden Düfte sind zart und noch wenig ausgeprägt. Die Käse- oder Buttermilch-Noten, die ich bei nicht rauchigen Laddies öfters im Geruch hatte, sind diesmal nicht so stark prägnant. Eine Cremigkeit, wie von Jogurt oder Schlagobers, liegt über den sich schnell verfliegenden Aromen. Ich muss gestehen, ich tue mir mit ihm etwas schwer. 

Der eigentlich gut gewählte 50% Alkoholgehalt sticht immer wieder leicht in der Nase, wie Eukalyptus oder Menthol. Nicht unangenehm aber spürbar. Mit mehr Wärme und Zeit werden die Aromen dann intensiver. Es folgen tropische Fruchteindrücke, etwas Zitrusfrucht, Marillenröster, Malz, frisches Heu- oder Stroh, leichte Süße und Vanille. Gewürze wie Anis, Kreuzkümmel und einer Spur getrockneter italienischer Küchenkräuter sind ebenfalls präsent. 

Ein, zwei Tropfen Wasser lassen meiner Meinung nach die würzigen Komponenten stärker hervor treten und die Fruchteindrücke mehr in den Hintergrund schieben.


Geschmack
Recht süßer und sehr cremiger Beginn im Mund. Karamell und Honig, sowohl der Süße, als auch dem seidig, weichen Mundgefühl, entsprechend. Alkohol ist nicht präsent. Die tropischen Früchte, zusammen mit dem Marillenröster und der Vanille vermischen sich mit der Süße. Dies gefällt mir richtig gut. Hinter dieser Frucht-Honig-Combo zeigt sich eine würzig, prickelnde Ingwernote mit einer angenehmen Schärfe. Anis und Kreuzkümmel spielen mit dem Ingwer. Von den Fässern, der Eiche oder einer daraus resultierenden Bitterkeit ist recht wenig zu bemerken, da hätte ich aufgrund seines Alters mehr Einfluss erwartet.

Im Geschmack feilt Wasserzugabe die Kanten der würzigen Ingwerschärfe sowie die süße Karamellschicht etwas ab. Dafür treten die Vanille sowie die Früchte mehr in den Vordergrund.

Die neue Umverpackung, die 100% recyclingfähig ist und aus Papierfasern besteht - wie unsere Eierverpackungen. 
Fotocredit: Bruichladdich


Abgang
Gegen Ende hin wird es dann doch bitterer, wie bei den Schalen von Birnen. Die Honigsüße und die Früchte bleiben länger im Geschmack präsent. Auch die würzigen Aspekte sind anhaltend. Insgesamt ist es ein mittellanges Finale. Wasserbeigabe verlängert die aromatische Ingwerchärfe bis hinein in den Abgang, was nicht nicht unangenehm ist. 


Fazit
Blind hätte ich nie auf einen volljährigen Malt getippt. Er lässt mich etwas ratlos zurück. Die Nase, auch wenn sie nach einiger Zeit und Wärme im Glas, mehr Aromenfracht geliefert hat, hat mich nicht vollens überzeugt. Im Geschmack gefiel mir diese schöne Honigsüße, im Verbund mit der würzigen Ingwernote dafür recht gut. Aber dies bekomme ich auch von wesentlich jüngeren und weitaus günstigeren Whiskys geliefert. Ich bin froh ein Sample probiert zu haben. Ein Kandidat für den Kauf einer Großflasche ist er jedoch für mich nicht. Da hilft auch nicht die innovative, umweltfreundliche Eierschachtelverpackung.

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English Text-Version


Anfang Februar präsentierte Bruichladdich mit zwei Abfüllungen die neue High-Age-Statement Reihe namens RE/DEFINE. Der 18jährige und der 30jähre sollen nun permanent im Standard-Sortiment der Islay Brennerei verfügbar sein. Dies ist, in Zeiten der Verjüngung der Lagerbestände, eine wirklich positive Ansage. Denn soviele volljährige Abfüllungen sind im letzten Jahr von den etablierten Islay Brennereien nicht mehr auf den Markt gekommen. 

According to Whiskybase, Bowmore only released an 18-year-old travel retail version of the Aston Martin Edition Deep & Complex in 2023, but no standard editions. The last 25 year old was released in 2022. Caol Ila did not release any 18 year old bottlings in 2023. The last one was from 2022. According to Whiskybase, Bunnahabhain released two 18-year-old bottlings last year. However, these are always listed as small batch series and may not be available. Lagavulin, Laphroaig and, since autumn '23, Kilchoman have "only" released a 16-year-old as their oldest standard bottling. 

I managed to get a sample of the 18-year-old, but was also able to see the original bottle and the new packaging that's also being introduced for the first time. This is made from fully recyclable paper pulp. It fits very tightly around the bottle and looks not unlike an egg carton. It is the first of its kind in the whisky world. It is the first of its kind in the whisky world, and time will be the judge of whether it will be around for the life of the bottle. It didn't look very sturdy at first glance - but very stylish!

The 18 year old was distilled entirely from Islay barley and then matured mainly in ex-Bourbon casks, with a small number of Sauternes and Port casks. It was then blended for a final nine months and matured in unspecified casks. As always with Bruichladdich, no colouring or chill-filtration was used. It was bottled at a pleasing 50% alcohol.

Fotocredit: Bruichladdich


Appearance
Light honey.


Nose
To begin with, the nose is very subtle and light. The aromas emerging from the Premium Snifter are delicate and not very pronounced. The cheese or buttermilk notes I have often smelled in non-smoky Laddies are less pronounced. There is a creaminess over the quickly fading aromas, like yoghurt or whipped cream. I have to admit that I find it a little difficult to drink. 

The 50% alcohol content, which is actually well chosen, always has a slightly pungent nose, like eucalyptus or menthol. Not unpleasant, but noticeable. The aromas become more intense with warmth and time. This is followed by tropical fruit, some citrus, roasted apricot, malt, fresh hay or straw, light sweetness and vanilla. Spices such as anise, cumin and a hint of dried Italian herbs are also present. 

In my opinion, a drop or two of water would make the spicy components stand out even more and would push the fruity impressions even further into the background.


Taste
The start in the mouth is quite sweet and very creamy. There are caramel and honey notes that correspond both to the sweetness and to the silky, smooth mouthfeel. Alcohol is not present. The tropical fruits, together with the roasted apricots and the vanilla, blend in with the sweetness. I really like this. There is a spicy, tingling ginger note with a pleasant spiciness behind this combination of fruit and honey. Aniseed and cumin play off the ginger. There is very little evidence of the barrels, the oak or any resulting bitterness. I would have expected more influence from the age.

On the palate, the addition of water softens the edges of the spicy ginger and sweet caramel. In return, the vanilla and fruit come more to the fore.


Finish
It becomes more bitter, like pear skin, towards the end. The sweetness of the honey and the fruit are present in the taste for a longer time. Also persistent are the spicy aspects. Overall, the finish is medium-long. The addition of water prolongs the aromatic ginger spiciness into the finish, which is not unpleasant. 


Conclusion
Blindly, I would never have thought that this was an 18 year old malt. It leaves me somewhat perplexed. The nose didn't really convince me, even though it developed more aromas with time and warmth in the glass. I liked the lovely honeyed sweetness combined with the spicy ginger. But I can get that from much younger and much cheaper whiskies as well. I'm glad to have tasted it. However, it is not a candidate for me to buy a large bottle. The innovative, environmentally friendly egg-carton packaging doesn't help either.

Dienstag, 11. August 2026

The Islay Connection 10y

 

Whiskybase

English Text-Version - please us the translation option of the internet browser or Apps like DeepL. 


Die Connection Blended Malt-Reihe vom unabhängigen Abfüller North Star Spirits wurde vor kurzem durch die The Speyside Connection 10y mit Single Malts von Macallan und Tamdhu erweitert. Im Mai 2026 verkostete ich die Campbeltown-Version; das Ergebnis war durchaus okay, eine ganze Flasche würde ich davon allerdings nicht trinken wollen. Und nun kommt Islay an die Verkostungsreihe.

Bei diesem Blended Malt soll es sich um eine Mischung aus einem zehnjährigen Bowmore aus Bourbon-Fässern und einem dreizehnjährigen Bruichladdich mit Sherryfass-Reifung handeln. Da in Schottland per Gesetz immer der jüngste Anteil eines Scotch Whisky für die Altersangabe ausschlaggebend ist, wird dieser Blend mit 10 Jahren ausgewiesen. Beim Bowmore ist die Sache hinsichtlich des Rauchanteils klar, beim Bruichladdich geht aus den offiziellen Informationen allerdings nicht eindeutig hervor, ob es sich um einen rauchigen oder nicht-rauchigen Malt handelt. Der Blended Malt wurde ungefärbt und ungefiltert mit 50,4 % vol. abgefüllt.


Aussehen
Dunkles Gold mit ein paar Spritzern Rosé.


Nase
Ein Blend aus Islay ohne Rauch wäre Chili ohne Bohnen. Und ja, Rauch ist durchaus vorhanden, aber gar nicht so stark und intensiv, wie ich zunächst vermutet hätte. Der Rauch erinnert an ein brennendes Lagerfeuer, wobei Holz- und Aschearomen dominieren. Dazu kommen mineralische, kalkreiche Noten – wie abgebrannter, getrockneter Seetang auf einem nassen Kieselstrand am Meer.

Was mich jedoch wirklich überrascht, ist eine für mich ziemlich deutliche Schwefelnote, die sich unmittelbar hinter dem Rauch öffnet. Sie erinnert mit Abstand an den Geruch von faulen Eiern und Zündholzköpfen. Damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet. Ob dies von den verwendeten Sherryfässern herrührt oder ob es sich lediglich um eine subjektive Wahrnehmung aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher Aromen handelt? Keine Ahnung. Auf jeden Fall stört mich der Schwefel hier in der Nase ziemlich.

Es dauert einige Zeit, bis ich mich hier durchgearbeitet habe und auf weitere Gerüche stoße, die meine anfängliche Assoziation mit Schwefel in ein anderes Licht rücken. Und zwar milchig-käsige Noten. Diese könnten mich einerseits zusammen mit den anderen Gerüchen überhaupt erst in Richtung Schwefel gelenkt haben. Andererseits deuten sie für mich natürlich zu 100 % auf den Bruichladdich-Anteil hin. Ich hatte schon mehrmals bei jüngeren, nicht-rauchigen Laddies dieses Geruchsspektrum aus Käse und Milchsäure in der Nase.

So richtige Freunde werden diese Eindrücke und meine Nase nicht wirklich.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund sind diese Aromen zwar ebenfalls sofort präsent, allerdings stören sie mich hier nicht in der Art wie in der Nase. Sie harmonieren deutlich besser mit den anderen Geschmäckern. Das Mundgefühl ist cremig, fast schon butterweich, mit einem anfänglichen Anflug einer zarten Ingwernote. Diese wird sehr rasch durch eine sich immer stärker aufbauende Süße ersetzt. Süßes Karamell und Honig mit hellen tropischen Früchten wie Mango und Ananaskompott geben nun den Ton an. Auch malzige Noten, etwa von Müsliflocken, spielen mit.

Der Rauch ist angenehm holzig, weniger maritim als zuvor in der Nase, mit einem leichten Anflug von Torf. Ein paar geröstete Haselnüsse, die in gemahlenem Zimtpulver gerollt sind, sorgen für eine nette Würzigkeit. Von den Nüssen einmal abgesehen, nehme ich allerdings wenig bis gar keine aromatische Verbindung mit den Sherryfässern wahr.

Der Alkoholgehalt macht seine Sache durchaus sehr gut; störende alkoholische Noten sind nicht zu bemerken.


Abgang
Diese Würze wird in Richtung Abgang durch Asche, Torf und Rauch noch verstärkt. Die Aromen schmiegen sich fettig und klebrig an Rachen und Gaumen. Auch eine gewisse Trockenheit macht sich im Mundraum breit. Insgesamt ist das Finish aber, vom Rauch und der Asche abgesehen, eher kurz.


Fazit
Hm. Ich fürchte, ich werde mit diesem Blend keine langfristige Verbindung eingehen. Für mich funktioniert die Verknüpfung dieser beiden berühmten Islay-Brennereien leider nicht wirklich. Ich war sehr positiv gespannt und hoffte auf eine interessante Kombination. Das Experiment ist für mich jedoch in die Hose gegangen.

Es scheinen vor allem die Anteile des nicht-rauchigen Bruichladdich-Whiskys zu sein, mit denen ich weniger gut klarkomme.

Mittwoch, 23. Juli 2025

Bruichladdich Bere Barley 2010

 

Whiskybase

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Bruichladdich ist unter Whiskyfans bekannt und geschätzt für seine Experimentierfreude und den Blick über den Tellerrand. Besonders unter Mark Reynier hat die Islay-Brennerei das Konzept des „Terroirs“ stark geprägt. Ein wichtiger Bestandteil davon ist die Transparenz darüber, von welchen Bauern und welchen Feldern die Gerste stammt – diese Informationen sind bei Bruichladdich offen zugänglich. Ebenso Teil dieses Konzepts: Single Malts, die ausschließlich aus einer einzigen Gerstensorte bestehen. Die Idee dahinter: Auch die Sorte der Gerste beeinflusst den Geschmack.

Für den Classic Laddie kommt ausschließlich schottische Gerste zum Einsatz, beim Islay Barley stammt die Gerste – wie der Name schon verrät – direkt von der Insel, und für den Organic Barley wird ausschließlich biologisch angebaute Gerste verwendet.

Und dann gibt es noch die besonderen Bere Barley-Abfüllungen. Diese Gerste ist eine uralte, sechszeilige Sorte, die bereits vor rund 5.000 Jahren auf den Orkneys kultiviert wurde und als eine der ältesten Getreidesorten Europas gilt. Sie ist deutlich robuster gegenüber dem rauen Klima der schottischen Inseln als moderne Züchtungen.

Bruichladdich verwendet Bere-Gerste sowohl von den Orkneys als auch von Islay. Erstmals wurde diese Sorte dort 2006 destilliert, die erste Abfüllung erschien sechs Jahre später. Seither erscheinen in unregelmäßigen Abständen neue Jahrgänge, deren Reifezeit sich mittlerweile auf bis zu zehn Jahre gesteigert hat.

Ich habe die 2010er-Version im Glas, die im Jahr 2019 nach acht Jahren Reifung abgefüllt wurde – wie immer mit 50 % Vol., ohne Färbung oder Kühlfiltration.


Aussehen
Gelbgold.


Nase
Sehr klar und geradlinig. Der Alkohol ist wunderbar eingebunden – nicht zu kräftig, nicht zu flach. Zu Beginn dominieren Vanille, Honig und reife, zerdrückte Bananen.

Dahinter kommen Noten von frisch gemälztem Getreide sowie Weizen- und Roggenbrot hinzu. Mit etwas Zeit im Glas entwickelt sich die Nase weiter: Tropische Früchte wie Ananas, Mango und Kiwi ergänzen das Bild mit ihrer Fruchtsäure. Das Brot entwickelt sich in Richtung gerösteter Brösel und bringt nussige, würzige Nuancen mit ein. Die Klarheit bleibt dabei stets erhalten, unterstützt von einer schönen mineralischen Note.

Für eine vergleichsweise junge Abfüllung wirkt die Nase sehr harmonisch – klar, aber nicht banal.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Geschmack spiegelt das Bild der Nase hervorragend wider: Tropische Früchte dominieren zunächst, begleitet von Vanille und Blütenhonig. Das Mundgefühl ist cremig, die Frucht dominiert.

Was ich bei nicht-rauchigen Laddies oft finde – eine leicht buttrig-käsige Note –, ist hier nur sanft angedeutet, fast wie ein Hauch Frischkäse. Aber keine Sorge. Das fügt sich gut ein und stört das Gesamtbild keineswegs. Vielmehr ergänzt es die Frucht und die Vanillesüße.

Eine leichte, würzige Schärfe von weißem Pfeffer sorgt für einen spannenden Kontrast. Ob diese vom jungen Alter oder von den Fässern stammt – schwer zu sagen. Aber sie passt hervorragend ins Gesamtbild.

Abgang
Ein mittellanger Abgang mit pfeffriger Würze, vielleicht auch etwas Ingwer. Dazu kommt eine leichte Bitterkeit vom Holz. Die fruchtigen Töne verblassen langsam.


Fazit
Der Bere Barley 2010 hat mich absolut positiv überrascht. Ein sehr aromatischer, ehrlicher Whisky – besonders in den wärmeren Monaten funktioniert er sicher hervorragend. Keine Experimente, keine überladenen Finishes – einfach ein sauber gemachter Single Malt, der im amerikanischem Eichenfass reifte und durchaus Charakter hat. Bin gespannt wann die nächste Abfüllung herauskommt; die letzte war 2023.

Mittwoch, 17. Januar 2024

Port Charlotte 13y - Italian Red Wine Finish (ADoS)

 

Whiskybase

English Text-Version


Die rauchigen Port Charlotte Abfüllungen von Bruichladdich selbst sind eigentlich immer unter zehn Jahren. Als das Brühler Whiskyhaus im Winter 2022 diesen 13jährigen Port Charlotte in ihrer A Dream of Scotland Serie präsentierte, musste ich mir ein Sample besorgen. Rauchige Bruichladdichs mit Reifungen in Weinfässern sind für mich immer spannend, und dann auch noch mit 13 Lenzen! 

Und es hat mal wieder mehr als ein Jahr gedauert, bis ich nun doch das Sample in meinem Glas habe und den Tropfen verkosten kann. Es gibt einfach zu viele leckere Single Malts da draußen und sie rufen alle nach mir und wollen verkostet werden...

... ok, zurück zu unserem schwarzen Einhorn. Was wissen wir von diesem Port Charlotte? Die Alkoholstärke ist mit 54,3% anständig und angemessen. Es gab insgesamt 351 Flaschen, natürlich ohne Farbstoff und ohne Kühlfiltration. Beim interessantesten Punkt, der Reifung, wird es vage. Auf der Flasche und in der Base findet man nur den Hinweis auf ein Italian Red Wine Finish, welcher Wein hier gemeint ist und in welchem Fass oder Fässern der Whisky vorher reifte ist mir nicht bekannt. Es gibt im Internet auf der Seite glen-efze.de einen Hinweis zu der Vorbelegung. Und zwar ist dort zu finden, dass ein Teil im Refill Bourbon Barrel, der andere in 2nd Fill Sherry Hogshead reifte. Nach dem Vatting kam der Whisky für 15 Monate in das Rotweinfass. Dies klingt schon mal sehr interessant, sowohl was die Fass-Kombination für die Reifung ansich angeht, als auch in punkto Länge der Nachveredelung im Weinfass.


Aussehen
Dunkler Bernstein mit rötlichem Schimmer


Nase
Unverdünnt begrüßt er mich mit einem angenehmen weichen Rauch von heißer Steinkohle. Auch eine Note von minimalen Verschmutzungsspuren, leicht ölig, dreckig anmutend, schwingt immer mit. Der Rauch wirkt nicht dominant, er liegt wie eine Schicht anfänglich über den anderen Aromen. Und diese bestehen einerseits aus einem maritim, salzig, leicht nach getrockneten Seegras riechendem Touch und andererseits aus reifen Himbeeren und Erdbeeren. Eine schöne süße und zugleich fruchtig saure Angelegenheit. Hinzu gesellen sich ein paar Spritzer Orangensaft, Vanille sowie Aromen von getrockneten Küchenkräutern. Trotz dem man den doch beachtlichen Alkoholgehalt im Geruch, vor allem durch ein sanftes Brennen, bemerkt, ist der Alkohol insgesamt sehr gut eingebunden. 

Zwei, drei Tropfen Wasser tun ihm gut. Der Rauch verwebt sich mehr mit den fruchtig, süßen Beeren und er wandelt sich noch mehr in Richtung aromatischem Holzrauch. Sehr schön. 


Geschmack
Ohne Wasserzugabe beginnt es mit einem sehr süßen Antritt, cremiges weiches Fudge. Danach wechselt es rasch in eine leicht pfeffrige Schärfe mit einem sanften Brennen. Omnipräsent ist der Rauch, speckig, kalt aschig, mundfüllend mit vielen getrockneten Kräutern. Aber auch maritim und jodig. Auf der fruchtigen Seite, die gibt es weiterhin, wenn auch nicht mehr so intensiv, wie im Geruch, finden sich am offenen Grill gebratene Erdbeeren.

Auch im Geschmack helfen wenige Tropfen Wasser und lassen den Whisky aufblühen. Die süßen fruchtigen Aromen sind deutlich intensiver und bleiben auch länger erhalten. Der kurz Pfefferchatch reduziert sich und harmonisiert besser mit den anderen Geschmacksnoten. Rauch ist weiterhin präsent und dominant.


Abgang
Sehr wärmender Abgang, weiterhin sind viel Rauch und kalte Asche im Mund. Kräuter mit Vanille, dunkler Schokolade, Walnüsse mit Haut, adstringierend vorne am Zahnfleisch, auch geriebene Zitronenschale. Der Rauch liegt lange auf der Zunge, zusammen mit den Kräutern. Schmeckt. 


Fazit
Lecker Tröpfchen. Finde ihn gut gelungen. Hier hat die Fasskombination aus Reifung und Finish wirklich gut funktioniert. Die Aromen des Finish im Rotweinfass harmonieren mit den vorigen Fässern sehr gut. Auch der typische Port Charlotte Flair, allen voran der erdig, maritime Rauch, sind weiterhin präsent. Ich mag Bruichladdich, ich mag Port Charlotte. Und hier hat die bei ADoS Abfüllungen oft bekannte Fassdominanz nicht durchgeschlagen. Alles in allem daher ein sehr feiner Malt. 

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English Text-Version


The peaty Port Charlotte bottlings from Bruichladdich itself are actually always under ten years old. When the Brühl whisky house presented this 13-year-old Port Charlotte in their A Dream of Scotland series in the winter of 2022, I had to get a sample. Peaty Bruichladdichs with maturation in wine casks are always exciting for me, and then at 13 years old too! 

And once again, it took me more than a year to get the sample in my glass and to taste it. There are just too many delicious single malts out there and they are all calling out to me and want to be tasted...

... ok, back to our black unicorn. What do we know about this Port Charlotte? The alcohol strength is decent and appropriate at 54.3%. There were 351 bottles in total, naturally without colouring and without chill filtration. The most interesting point, the maturation, is vague. On the bottle and in the base there is only a reference to an Italian red wine finish, but I don't know which wine is meant here or in which cask or casks the whisky matured previously. There is a note on the Internet at glen-efze.de about the previous maturation. It states that one part matured in a refill bourbon barrel and the other in a 2nd fill sherry hogshead. After vatting, the whisky spent 15 months in the red wine cask. This sounds very interesting, both in terms of the cask combination for the maturation itself and in terms of the length of the finishing in the wine cask.

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Dark amber with a reddish tinge


Nose
Undiluted, it greets me with a pleasant soft smoke of burning coal. A note of minimal traces of soiling, slightly oily, seemingly dirty, always resonates. The smoke is not dominant, it initially lies like a layer over the other flavours. And these consist of a maritime, salty, slightly dried seaweed flavour on the one hand and ripe raspberries and strawberries on the other. A lovely sweet and at the same time fruity and sour flavour. There are also a few splashes of orange juice, vanilla and flavours of dried kitchen herbs. Despite the fact that the alcohol content is noticeable in the flavour, particularly through a gentle burning taste, the alcohol is very well integrated overall. 

Two or three drops of water do it well. The smoke blends more with the fruity, sweet berries and turns even more towards aromatic wood smoke. Very nice. 


Flavour
Without adding water, it starts with a very sweet entry, creamy soft fudge. It then quickly changes to a slightly peppery spiciness with a gentle burning flavour. The smoke is omnipresent, bacony, cold and ashy, mouth-filling with lots of dried herbs. But also maritime and iodised. On the fruity side, which is still there, albeit no longer as intense as in the flavour, there are strawberries roasted on an open grill.

A few drops of water also help the flavour and allow the whisky to blossom. The sweet, fruity flavours are much more intense and last longer. The short peppery note is reduced and harmonises better with the other flavours. Smoke is still present and dominant.


Finish
Very warming finish, still lots of smoke and cold ash in the mouth. Herbs with vanilla, dark chocolate, walnuts with skin, astringent at the front of the mouth, also grated lemon peel. The smoke lingers on the tongue for a long time, together with the herbs.


Conclusion
Delicious little drop. I think it worked well. The cask combination of maturation and finish worked really well here. The flavours of the finish in the red wine cask harmonise very well with the previous casks. The typical Port Charlotte flair, above all the earthy, maritime smoke, is still present. I like Bruichladdich, I like Port Charlotte. And here, the cask dominance often associated with ADoS bottlings has not shown through. All in all, a very fine malt. 

Mittwoch, 8. Juni 2022

Bruichladdich Octomore 12.3 Edition

 

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Wer auf Torf, Rauch und Islay steht, der muss zumindest einmal einen Octomore im Glas gehabt haben. Octomore ist neben Port Charlotte die zweite rauchige Abfüllungsreihe von Bruichladdich. Aber bei der 2008 mit der Flasche 01.1 erstmals ins Leben gerufenen Serie ist rauchig fast schon eine Untertreibung. Denn haben übliche rauchige Whiskys in der Regel zwischen 20 und 50 ppm (parts per million) an Torfgehalt beim Trocknen der Gerste, so ist es bei den Octomore Abfüllungen immer dreistellig. Den aktuellen Weltrekord mit 309 ppm hält der Octomore 08.3.

Nun, meine "Einstiegsdroge" in die Welt der hochprozentigen Rauchmonster aus der Octomore Reihe ist der 12.3 mit 118 ppm aus 2021. Ungefärbt und ungefilter und mit einer Alkoholstärke von 62,1 % kamen bei dieser Abfüllung 75% Ex-Bourbon- und 25% PX-Sherry Fässer für die Reifung zum Einsatz. 


Ausehen
Hellgolden


Nase
Unverdünnt ein deutlicher Schwall speckig, holzkohliger Rauch schwebt vom Glas weg. Aber nicht so überbordend, wie ich vermutet hätte. Der Rauch hat aber auch süße Akzente, als würde etwas schmelzendes Karamell auf Holzkohle tropfen. Der Alkohol ist spürbar, aber nicht aufdringlich eher als würde man an frisch gemahlenen schwarzen Pfeffer riechen. Zitronenabrieb und Kräuter sind hinter den Rauchschwaden zu erkennen. Mit mehr Sauerstoff und Zeit werden die Fruchtaromen reifer. Aus der Zitrone wird mehr Kernobst wie junge Marillen und Pfirsiche. Im Hintergrund eröffnen sich vorsichtig leichte Aromen von roten Beeren, der PX-Anteil zeigt sich erstmals.
Mit ein paar Tropfen Wasser öffnet sich der Octomore deutlich. Eine mineralische Frische zeigt sich. Zusätzlich treten Leder- aber auch Tabak-Noten in den Vordergrund. Der Fruchtanteil bekommt einen säuerlichen Touch und somit noch mehr Komplexität. 


Geschmack
Oh ja. Sofort eine ordentliche fette, ölige Rauchnote auf der Zunge. Speckig, aber auch zuckersüß mit Zitrone und vielen Kräutern. Sehr schöner Antritt durch den Alkohol, der die Aromen kräftig nach vorne peitscht. Aber die deutlich über 60% an Alkohol sind gut pur zu genießen.
Mit Wasser ist die Süße nicht geringer. Dafür nimmt die würzige, leicht pfeffrige Seite sogar etwas zu. Die Früchte werden reifer, weicher. Mehr Marillen und Beeren als Zitrone. Immer noch kräftiger Raucheinfluss.


Abgang
Weiterhin viel, viel Rauch im Mund, aber auch immer noch die Zitrone und die Kräuter. Gegen Ende hin trocknet der Alkohol den Gaumenansatz und die Zunge aus, Speichelfluss setzt ein. Die leichte Bitterkeit ist wie bei einem Probierschluck eines hochwertigen Olivenöls mit ein wenig Pfiff. Der Rauch wabbelt ewig noch im Mundraum herum.


Fazit
Die Islay-Gene mit der Mineralität und dem typischen Inselrauch kann der Octomore 12.3 nicht verleugnen. Eine sehr interessante Nase, die auch trotz dem hohen ppm-Wert nicht mit anderen Aromen spart. Obwohl er auch pur ohne Verdünnung sehr gut funktioniert und der Alkohol gut eingebunden ist, würde ich ein paar Tropfen Wasser empfehlen. Dann öffnet sich für mich der Malt so richtig und offenbar seine Duft- und Geschmacksvielfalt. Ein toller Tropfen, auch für seine noch jungen Jahre. 

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If you like peat, smoke and Islay, you must have had an Octomore in your glass at least once. Octomore is Bruichladdich's second smoky bottling series after Port Charlotte. But smoky is almost an understatement for the series first launched in 2008 with bottle 01.1. For, while usual smoky whiskies usually have between 20 and 50 ppm (parts per million) of peat content when the barley is dried, the Octomore bottlings always have a three-digit peat content. The current world record of 309 ppm is held by Octomore 08.3.

Well, my "gateway drug" into the world of high-proof smoke monsters from the Octomore range is the 12.3 with 118 ppm from 2021. Uncoloured and unfiltered and with an alcohol strength of 62.1%, 75% ex-bourbon and 25% PX sherry casks were used for maturation in this bottling. 

Fotocredit: whiskybase.com


Appearance
Pale gold


Nose
Undiluted a distinct waft of bacony, woody smoke floats away from the glass. But not as exuberant as I would have suspected. But the smoke also has sweet accents, as if some melting caramel is dripping onto charcoal. The alcohol is noticeable but not overpowering, more like smelling freshly ground black pepper. Lemon zest and herbs can be detected behind the clouds of smoke. With more oxygen and time, the fruit flavours ripen. The lemon becomes more pome fruit like young apricots and peaches. In the background, light aromas of red berries cautiously open up, the PX portion shows for the first time.
With a few drops of water, the Octomore opens up clearly. A mineral freshness appears. In addition, leather but also tobacco notes come to the fore. The fruit content gets an acidic touch and thus even more complexity. 


Taste
Oh yes. Immediately a good fat, oily smoky note on the tongue. Bacony, but also sugary sweet with lemon and lots of herbs. Very nice start due to the alcohol, which whips the flavours strongly forward. But the clearly over 60% alcohol is good to enjoy neat.
With water, the sweetness is not less. Instead, the spicy, slightly peppery side even increases a little. The fruits become riper, softer. More apricots and berries than lemon. Still a strong smoky influence.


Finish
Still lots and lots of smoke in the mouth, but also still the lemon and the herbs. Towards the end, the alcohol dries out the base of the palate and the tongue, salivation sets in. The slight bitterness is like a tasting sip of a high quality olive oil with a little zing. The smoke is still wafting around in the mouth for ages.


Conclusion
The Octomore 12.3 cannot deny the Islay genes with the minerality and the typical island smoke. A very interesting nose that doesn't skimp on other flavours despite the high ppm. Although it also works very well neat without dilution and the alcohol is well integrated, I would recommend a few drops of water. Then, for me, the malt really opens up and reveals its variety of aromas and flavours. A great drop, even for its still young years. 

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Port Charlotte 14y – Château Margaux Cask Finish (ADoS)

 

Whiskybase

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Ende Oktober, rund um den 31.10., verkoste ich traditionell einen Single Malt mit Halloween-Bezug – und nein, ich bin dabei nicht als Whiskyzombie verkleidet. In den vergangenen Jahren waren es immer Abfüllungen aus der „A Dream of Scotland“-Reihe des Brühler Whiskyhauses, da Marco Bonn regelmäßig Flaschen mit Halloween-Motiven etikettiert. Und natürlich wird auch heuer diese Tradition fortgeführt.

Abgesehen vom Etikett zählt jedoch vor allem der Inhalt. Dieses Mal handelt es sich um einen 14 Jahre alten Port Charlotte mit Château Margaux Cask Finish. Im Rahmen der ADoS-Serie gab es bereits eine ganze Reihe hervorragender Port Charlottes mit Weinfinish. Marco muss einen richtig guten Draht zu Bruichladdich haben, um so oft Port Charlottes Fässer zu erhalten. Entsprechend groß war die Erwartung an dieses Sample. Die Dauer des Finishs ist nicht bekannt. Abgefüllt wurde mit 56,2%, ohne Kühlfiltration und ohne Färbung, insgesamt kamen 364 Flaschen auf den Markt.


Aussehen
Rötliches Kupfergold


Nase
Die Nase beweist mir wieder, warum ich auf Port Charlottes mit Weinfassbeteiligung stehe. Ähnlich wie bei der Cask Exploration Serie von Bruichladdich hat man auch bei dieser Abfüllung eine tolle Kombination aus diesem speckigen, leicht schmutzigen Holzrauch mit tollen Aromen von süßem Beerenobst, dass zu einem noch warmen, mit Vanille verfeinertem Röster verkocht wurde. 

Man braucht etwas Zeit, bis sich die Nase durch den anfänglich dichten Rauch arbeitet. Dahinter entfalten sich reife dunkle Früchte wie Brombeeren, Heidelbeeren und schwarze Johannisbeeren, begleitet von säuerlich frischen Noten von Erdbeeren und Pflaumen.

Parallel zeigt sich eine würzige, erdig-herbstliche Seite mit Kräutern, altem Laub auf feuchter Wiese, gelagertem Holz und einer angenehmen, leicht muffigen Note. Der Alkohol wirkt präsent, aber gut eingebunden. Die Nase ist kraftvoll, vielschichtig und ausgesprochen einladend.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund legt der Whisky sofort los. Der Alkohol trägt den Rauch nach vorne und eröffnet ein dichtes Aromenspiel am Gaumen. Der Rauch ist kräftig, speckig, rußig, mit Assoziationen von dunkler Grillmarinade und Holzkohle.

Erst dann schiebt sich das warme, süße Beerenkompott nach, begleitet von Vanille. Die Süße bleibt deutlich, wird aber von der herb-würzigen Rauchstruktur ideal eingebettet. Das Finish des Weinfasses zeigt sich erkennbar in fruchtiger Tiefe und feinen Tanninen, ohne den Malt zu überdecken.

Altes Holz, getrockneter Tabak und ausgedrückte Teeblätter sorgen für eine angenehm herbe Kontur. Trotz der weinigen Akzente bleibt der typische Port-Charlotte-Charakter deutlich erhalten.


Abgang
Der speckige Rauch haftet lange am Gaumen, unterstützt von kalter Asche. Die Beerenaromen klingen langsam aus, während das alte Holz dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil und eine leichte Bitterkeit mitbringt. Ein langes, rauchbetontes Finale, wie man es sich von Port Charlotte wünscht.


Fazit
Marco Bonn hat in den vergangenen Jahren eine Reihe sehr gelungener Port Charlottes abgefüllt, und dieser reiht sich ohne Frage in diese Qualität ein. Die Kombination aus schwerem, speckigem Rauch und konzentrierter Beerenfrucht funktioniert hier erneut hervorragend. Das Weinfass setzt prägnante Akzente, ohne die Balance zu kippen. Ein ausdrucksstarker, vollmundiger, sehr gelungener Port Charlotte.

Mittwoch, 16. November 2022

Daftmill 2006 15y

 

Whiskybase

English Version


Vor Äonen habe ich mir, während einer Dienstreise und einer damit verknüpften längeren Wartezeit auf einem Flughafen, eine Flasche von Auchentoshan im dortigen Duty Free Shop zugelegt. Der Whisky hat mir damals recht gut gemundet, mild, unaufgeregt, genau das Richtige für einen absoluten Newby im Metier, wie ich es damals war. Ich muss zugeben, dies war seit damals auch die letzte Flasche und gleichzeitige Annäherung meinerseits mit einer Lowland Brennerei.

Die Lowlands sind daher ein absolut weißer Fleck auf meiner persönlichen Whiskylandkarte. Dies gehört nun endlich geändert. Und was wäre besser geeignet, als dies mit einer fassstarken Abfüllung eines Daftmills zu tun?! Daftmill ist eine Farm-Distillery und gleichzeitig eine der kleinsten Brennereien Schottlands. Geführt von der Familie Cuthbert läuft die Produktion nur in den Perioden im Jahr, wo die Farmarbeit weitgehend still liegt, also im Mittsommer und Winter. Die Brennerei produziert im Jahr oft nicht mehr als 100 Fässer bzw. hat eine maximale Produktionskapazität von nur 20.000 Liter reinen Alkohols.

Der Daftmill 2006 reifte fünfzehn Jahre lang in 28 First-Fill Ex-Bourbon Casks und wurde 2022 mit natürlicher Fassstärke von 55,7% ungefärbt und ungefiltert in 5.338 Flaschen abgefüllt. 


Aussehen
Dunkles Gelb, wie ein gut gereifter Chardonnay Weißwein


Nase
Ganz zarte Aromen. Sehr filigran. Ein leichter Anflug von Heu und Stroh, vermischt mit dem Duft von Zitrusfrüchten und etwas Butter und Rahm. Der erste Geruch erinnert mich ein wenig an den 12y Bruichladdich von ADoS, der ebenfalls im Bourbonfass reifen durfte - vor allem durch diese feinen Nase mit der Anmutung nach Zitrone, Heu und dem Anflug nach etwas milchig/käsigem.
Nach ein paar Minuten wird es richtiggehend tropisch und fruchtig süß. Reife saftige geschnittene Stücke einer Ananas, Mangofruchtfleisch, etwas Banane, ein Hauch von Marillen- und/oder Pfirsichröster und grüner Apfel mit viel Honig und einer tollen vanilligen Kuchenteignote. Hier hat das Bourbonfass voll zugeschlagen, Bourbonnase par excellence. Wenngleich der Alkohol sich durch ein leichtes Kribbeln meldet, ist die Fassstärke mit über 55% gut integriert.
Mit ein wenig Wasser kommen die Vanille sowie vor allem jetzt die Marille als Röster oder Kompott so deutlich heraus. Toll! 


Geschmack
Der Malt beginnt mit einem weichen, cremigen Mundgefühl. Lecker. Eine Vanillebombe! Gleich mit dem ersten Schluck schwappt eine solche Vanillenote auf die Zunge, wie ich es bislang noch nie bei einem Malt hatte. Dann gesellen sich wieder der warme Kuchenteig, gefüllt mit süßem Marillen- und nun eher Mangoröster dazu. Dann wechselt der Geschmack ins würzige. Die 15 Jahre im Fass zeigen sich mit einer angenehmen leichten Schärfe, die an Pfeffer oder auch einem guten Ginger Beer erinnert. Das leicht grasige und die Butter- bzw. die Hefenoten aus der Nase sind im Mund nicht mehr vorhanden - nur noch Vanille, Frucht, Kuchen und Pfeffer/Ginger. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden.
Mit Wasserbeigabe wird auch im Mund die Vanille und die Frucht noch prägnanter - geht ja kaum noch - sowie auch süßer. Die Würzigkeit nimmt zwar gleichzeitig etwas ab, bleibt aber weiterhin ab dem Mittelteil deutlich und ist ein guter Gegenpol zur Vanille-Fruchtfracht.


Abgang
Immer noch viel Vanille im Finish. Gegen Ende hin werden die bitteren aber weiterhin immer noch sehr aromatischen Holzaromen etwas trockener im Mundraum. Die schöne Kombination aus Vanille, Frucht und Eichenfracht bleiben doch recht lange erhalten.


Fazit
Kurzum toll. Das ist ohne Umschweife ein toller Single Malt aus dem Ex-Bourbonfass. Vor allem diese ausgeprägte Vanille und die Frucht, die ich besonders als Marille wahrgenommen habe, wissen mich zu begeistern. Was mich weniger begeistert ist der ausgerufene Preis von bis zu € 250,-. Leider ist diese Farm-Distillery schon seit Jahren im Hype Universum weit oben gerankt. Aber vom Preis mal wohlwollend abgesehen, der Malt ist ein Genuss. Mein Interesse an den Lowlands ist auf jeden Fall geweckt. Welche Brennerei bzw. Abfüllung würdet ihr geschätzten Leser meines Blogs mir empfehlen?

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English Version


Eons ago, during a business trip and a long wait at an airport, I bought a bottle of Auchentoshan in the duty free shop there. The whisky tasted quite good to me at the time, mild, unagitated, just the right thing for an absolute newby in the profession, as I was at the time. I have to admit, this was also the last bottle and simultaneous approach on my part with a Lowland distillery since then.

The Lowlands are therefore an absolutely white spot on my personal whisky map. This finally needs to be changed. And what better way to do that than with a cask strength bottling of a Daftmill!!! Daftmill is a farm distillery and at the same time one of the smallest distilleries in Scotland. Run by the Cuthbert family, production only runs during the periods of the year when farm work is largely at a standstill, i.e. midsummer and winter. The distillery often produces no more than 100 casks a year or has a maximum production capacity of only 20,000 litres of pure alcohol.

The Daftmill 2006 matured for fifteen years in 28 first-fill ex-bourbon casks and was bottled in 2022 at natural cask strength of 55.7% uncoloured and unfiltered in 5,338 bottles. 

Fotocredit: Daftmill Distillery


Appearance
Dark yellow, like a well-matured Chardonnay white wine.


Nose
Very delicate aromas. Very delicate. A slight hint of hay and straw, mixed with the scent of citrus and some butter and cream. The first smell reminds me a bit of the 12y Bruichladdich from ADoS, which was also matured in a bourbon cask - especially because of this fine nose with the impression of lemon, hay and the hint of something milky/cheesy.
After a few minutes it becomes really tropical and fruity sweet. Ripe juicy sliced pieces of a pineapple, mango pulp, some banana, a hint of apricot and/or peach roast and green apple with lots of honey and a great vanilla cake batter note. Here, the bourbon barrel has hit full force, bourbon nose par excellence. Although the alcohol makes itself known with a slight tingle, the cask strength of over 55% is well integrated.
With a little water, the vanilla and especially now the apricot come out so clearly as a roast or compote. Great. 


Taste
The malt starts with a soft, creamy mouthfeel. Yummy. A vanilla bomb! Right with the first sip, such a vanilla note spills onto the tongue as I've never had with a malt before. Then the warm cake dough, filled with sweet apricot and now rather mango roast, joins in again. Then the taste changes to spicy. The 15 years in the barrel show up with a pleasant slight spiciness, reminiscent of pepper or even a good ginger beer. The slightly grassy and the buttery or yeasty notes from the nose are no longer present in the mouth - only vanilla, fruit, cake and pepper/ginger. The alcohol is very well integrated.
With the addition of water, the vanilla and fruit become even more pronounced in the mouth - hardly possible - as well as sweeter. The spiciness decreases a little at the same time, but remains clear from the middle part onwards and is a good counterbalance to the vanilla fruitiness.


Finish
Still plenty of vanilla in the finish. Towards the end, the bitter but still very aromatic wood flavours become a little drier in the mouth. The nice combination of vanilla, fruit and oakiness lasts quite a long time.


Conclusion
In short, great. Without further ado, this is a great single malt from the ex-bourbon cask. Above all, this pronounced vanilla and the fruit, which I particularly perceived as apricot, know how to excite me. What doesn't excite me so much is the advertised price of up to € 250,-. Unfortunately, this farm distillery has been ranked high in the hype universe for years. But price aside, the malt is a delight. My interest in the Lowlands is definitely aroused. Which distillery or bottling would you esteemed readers of my blog recommend to me?

Mittwoch, 5. März 2025

Islay South Coast (Ardxxx) 14y (ADoS)

 

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English Text-Version - please use the translation options of your browser


Letzten Sommer veranstaltete das Brühler Whiskyhaus sein eigenes kleines Islay Festival. Im Rahmen der A Dream of Scotland Reihe veröffentlichte Marco Bonn gleich drei Abfüllungen aus der Creme de la Creme der Islay Brennereien; einem 16 Jahre alten Port Charlotte von Bruichladdich im Oloroso Sherry Fass, einem 9jährigen Williamson (also Laphroaig) mit einem Manzanilla Sherry Finish und 14jährigen Abfüllung mit der Bezeichnung Islay South Coast.


Was verbirgt sich hinter Islay South Coast?
Wenn keine Namensrechte vorhanden sind, dann müssen unabhängige Abfüller in der Namensfindung kreativ sein. So versteckt sich beispielsweise hinter South Islays bei Marco Bonn in der Regel Lagavulins. Und Islay South Coast ist, wenn man den meist gut informierten Kreisen glauben kann, niemand anderer als Ardbeg. Somit hätten wir hier einen 14 Jahre alten Ardbeg mit Moscatel Sherry Finish. Dies klingt sehr spannend, ein Ardbeg mit diesem Sherry Fass ist nicht häufig anzutreffen. 


Aussehen
Dunkelgold.


Nase
Rauchschwaden steigen von einem Lagerfeuer am Kieselstrand bei dem die Holzscheite etwas feucht geworden sind auf. Reife gelbe Früchte, Mangos, Ananas, Pfirsiche liegen am Grillrost. Süßer Saft tropft ins Feuer und karamellisiert. Eine sehr ansprechende Rauchnote strömt aus dem Glas entgegen. Schon sehr Ardbegtypisch mit diesen maritimen, leicht schmutzigen Anklängen, jedoch ist mit mehr Süße vorhanden und die Fruchtaromen gehen mehr in die tropische Richtung. Der Rauch ist durchwegs präsent, lässt den anderen Geruchsanteilen aber durchaus ausreichend Entfaltungsmöglichkeit. So finde ich auch, die für mich so typischen, getrockneten italienischen Küchenkräutern, die zusammen mit den Früchten am Rost liegen und ihren würzigen Duft verströmen. Der Alkohol ist sehr gut integriert, kein Stechen oder andere störende Nebengeräusche. Man kann sich voll und ganz aufs Erkunden der Aromen konzentrieren.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund schiebt der Alkohol doch mehr an, als man von der Nase vermuten würde. Kräftig transportiert er die Geschmacksnoten nach vorne, vor allem ist die cremige Süße anfänglich die Dominante. So ein süßes Mangokompott hatte ich selten bei einem Single Malt. Weiche saftige Fruchtstücke, Karamell und dann setzt der Rauch ein. Fast schon klebrig, haftet er am Gaumen und belegt den ganzen Mundraum. Nun ist mehr Asche und Mineralien, wie Kieselsteine die man lutscht, vorhanden. Nach der ersten intensiven Rauchschwade kommt kurz eine pikante Schärfe von schwarzem Pfeffer zum Vorschein. Sie klingt aber genauso schnell wieder ab, wie sie aufgeblitzt ist und lässt Platz für eine Würzigkeit, die vor allem vom Holz und den angeräucherten Küchenkräutern stammt.


Abgang
So geht es auch im Finish weiter, dass Dank dem Rauch lange währt. Gegen Ende hin wird es spürbar bitterer. Der Rauch klebt immer noch, zusammen mit dem süßen Karamell und Spuren der Mango, am Gaumen.


Fazit
Die Abfüllung hat schon ihre Daseinsberechtigung. Durch das Moscatel Finish bekommen die typischen Islay Aromen einen spannenden süß, fruchtigen Touch. Vor allem in der Nase ist diese Kombination sehr ausgewogen und sehr fein. Der Geschmack kann hier nicht vollends mitziehen. Hier ist diese klebrige Süße teilweise fast zu viel des Guten. Der Whisky bekommt jedoch die Kurve und bleibt ausgewogen und vor allem auch sehr angenehm zu trinken. In Summe ein feiner Ardxxx mit dem typischen ADoS Profil und einem nicht alltäglichen Fassfinish.

Mittwoch, 7. Januar 2026

Ingelred Ben Nevis 2001 21y (Blackadder)

 

Whiskybase

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Ben Nevis hat sich im Jahr 2025 gemeinsam mit Highland Park und Bruichladdich, hier sowohl mit den ungetorften Abfüllungen als auch mit den rauchigen Vertretern der Port Charlotte und Octomore Serie, zu einer meiner absoluten Lieblingsbrennereien entwickelt.

An der Brennerei, die am Fuß des gleichnamigen höchsten Berges Schottlands und Großbritanniens liegt, schätze ich vor allem den kräftigen Körper des Destillats mit seinem nicht ganz sauberen, würzigen Grundcharakter und der ausgeprägten Mineralität. Besonders in Ex-Bourbon gereiften Abfüllungen kommen diese Eigenschaften für mich hervorragend zur Geltung. Genau hier spannt sich auch der Bogen zu meinem heutigen Verkostungsobjekt. Im Herbst 2024 hatte ich einen siebzehnjährigen Ben Nevis von Ingelred mit Ex-Bourbon Ausbau im Glas, und genau dieser Whisky entfachte meine Begeisterung für diesen Stil endgültig.

Bei diesem einundzwanzigjährigen Vertreter aus dem Jahr 2001 liegt der Fokus jedoch etwas anders. Nach zehn Jahren Reifung im Bourbonfass erhielt der Whisky eine weitere elfjährige Nachreifung in kalifornischen Rotweinfässern. Ich war entsprechend gespannt, wie stark sich diese zweite Fassbelegung auswirken würde und ob sie den Grundcharakter des Destillats womöglich überdeckt. Die Neugier war groß.

Die 46,4 Prozent Alkoholgehalt sollen laut Angaben Fassstärke sein. Über die 21 Jahre hinweg scheinen die Engel jedoch ausgiebig gefeiert zu haben, denn der Angel Share fällt hier durchaus beachtlich aus.


Aussehen
Dunkler Bernstein mit Anklängen von dunklem Blütenhonig


Nase
Ich gönne dem Whisky einige Minuten Ruhe und nutze die Zeit, um das Glas sanft in der Hand zu erwärmen. Der erste Eindruck wirkte noch etwas unruhig und war vor allem von einer säuerlichen Traubenfruchtigkeit geprägt.

Der einundzwanzigjährige Ben Nevis belohnt diese Geduld jedoch eindrucksvoll. Die säuerlichen Weintrauben bleiben zwar präsent, doch der Whisky öffnet sich nun deutlich und entfaltet ein harmonisches Zusammenspiel der Aromen. Sehr reife, weiche Birnen und Erdbeeren erweitern den imaginären Obstkorb. Hinzu kommen cremige Milchschokolade, leicht geröstete Haselnüsse und kernige Cerealien, die sich gemeinsam zu einem Bild eines Nussini Schokoriegels fügen. Auch Vanille und Karamell sind klar wahrnehmbar.

Im Hintergrund schwebt durchgehend eine feine Mineralität, die an Kalkstein oder Staub von Lössböden erinnert, auf denen Weinreben wachsen. Der Alkohol hält sich dezent zurück und ist hervorragend eingebunden. Nach wenigen Minuten wirkt die Nase gesetzt und reif. Man spürt das Alter deutlich, denn die Aromen zeigen Kraft, ohne je aufdringlich zu wirken, und präsentieren sich ausgesprochen harmonisch.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Weich und cremig beginnt der Whisky seinen Auftritt am Gaumen, getragen von deutlichen Noten süßen Dulce de Leche. Das Mundgefühl ist voll und angenehm. Das Milchkaramell erhält Unterstützung von noch warmen, eingekochtem Erdbeerkompott, das eine fein abgestimmte Säurenote mitbringt. Im weiteren Verlauf zeigen sich Rosinen, Milchschokolade und leicht geröstete Nüsse.

Zimt und Ingwer sorgen zwischendurch für eine angenehme Würze und leichte Schärfe, die jedoch nur kurz anhält und rasch wieder von einer süßfruchtigen Erdbeersauce mit Vanillecreme abgelöst wird. Zum Ende hin treten die bereits aus der Nase bekannten mineralischen Noten erneut hervor, begleitet von einem kernigen, getreidigen Müsliton. Auch am Gaumen bleibt der Alkohol unauffällig, ohne Brennen oder Schärfe.


Abgang
Der Malt fließt wärmend den Rachen und die Speiseröhre hinab. Der Geschmack von Traubentrester mit leicht herben Noten von Schalen und Kernen hält lange an, begleitet von dezenter Holzwürze ohne Bitterkeit sowie von Rosinen und Erdbeeren.


Fazit
Ein hervorragender Whisky. Als erklärter Ben Nevis Fan mag ich hier vielleicht nicht ganz unvoreingenommen sein. Als puristischer Liebhaber von Ex-Bourbon Abfüllungen stehe ich jedoch Veredelungen in Sherry oder gar Weinfässern meist skeptisch gegenüber, da sie den Charakter von Ben Nevis häufig überdecken.

Bei dieser Abfüllung ist dies glücklicherweise nicht der Fall. Die lange Nachreifung in Rotweinfässern prägt den Whisky zwar deutlich, lässt aber jederzeit den markanten Grundcharakter von Ben Nevis erkennen. Auch das Alter von 21 Jahren ist klar spürbar, insbesondere im harmonischen und ausgewogenen Zusammenspiel der Aromen.

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