Donnerstag, 11. Dezember 2025

Longmorn 11y 2014 (James Eadie, JE)

 

Whiskybase

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Die Geschichte hinter dem Namen James Eadie reicht weit ins 19. Jahrhundert zurück. Eadie war ein bekannter schottischer Bierbrauer und Besitzer mehrerer hundert Pubs, in denen sein Bier und seine Spirituosen ausgeschenkt wurden. Zudem verfügte er über eines der frühesten dokumentierten Rezepte für einen Blended Scotch Whisky, das sich bereits lange im Familienbesitz befand. Nachdem das Unternehmen in den 1930er-Jahren verkauft wurde, blieb der Blend noch einige Jahrzehnte auf dem Markt, geriet dann jedoch in Vergessenheit.

In den 2010er-Jahren beschloss Rupert Patrick, in die Fußstapfen seines Ur-Urgroßvaters zu treten und unter dem historischen Namen James Eadie als unabhängiger Abfüller aufzutreten. Neben der Wiederbelebung des alten Blend-Rezepts – heute als Trade Mark X erhältlich – veröffentlicht die Firma zahlreiche spannende Serien und Einzelfassabfüllungen

Eine dieser Serien basiert auf dem bemerkenswerten Buch „The Distilleries of Great Britain & Ireland“. Bei Recherchen zum Originalrezept stieß Patrick zufällig auf eine Sammlung über 90 Jahre alter Artikel aus den Jahren 1922–1927, in denen 124 damalige Brennereien detailliert beschrieben und erstmals umfassend fotografisch dokumentiert wurden. Die Artikel wurden mit großem Aufwand restauriert, digitalisiert und zu einem einzigen Werk zusammengeführt, das heute bei Royal Mile Whisky in Edinburgh erhältlich ist.

In dieser Serie veröffentlicht James Eadie regelmäßig Whiskys jener Brennereien, die im historischen Buch beschrieben sind und bis heute produzieren. Eine dieser Abfüllungen fand nun den Weg in mein Glas.

Der Longmorn 2014 ist ein elfjähriger Single Malt, ausgewählt für den deutschen Markt. Nach einer Vollreifung in einem 1st Fill Bourbon Barrel wurde er 2025 mit 52,4 % vol. in 280 Flaschen abgefüllt.


Aussehen
Chardonnay


Nase
Eine feine, klassische Bourbon-Nase mit frischen, grünen, leicht grasigen Anklängen. Zunächst dominiert eine intensive Vanillenote, begleitet von warmem Honigkuchen, kernigen Cerealien und einer leichten Staubigkeit. Nach diesem ersten Eindruck von Vanillekipferl öffnet sich die Nase zunehmend hin zu fruchtigen Noten - grüne und gelbe Äpfel, Birnen, Honigmelonen und Aprikosen sorgen für eine hellfruchtige, leicht tropische Vielfalt.

Etwas feuchtes Holz mit würzigen Akzenten kommt vor allem im späteren Verlauf hinzu. Insgesamt wirkt der Duft ölig und wachsig – Vergleiche mit Clynelish sind durchaus angebracht. Alkoholische Schärfe ist praktisch nicht spürbar.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Ölig und wachscremig setzt der Whisky im Mund ein, begleitet von einer überraschend ausgeprägten Süße und hellem Kuchenteig – deutlich honigsüßer, als es die Nase erwarten lässt. Vanillepudding trifft auf Aprikosen- und Apfelkompott, was hervorragend mit dem honigartigen Gebäckcharakter harmoniert.

Die anfängliche Süße weicht relativ zügig einer würzigeren Phase mit grünen Apfelschalen, dunkler Schokolade mit höherem Kakaoanteil und etwas Holzsaft. Zimt und eine Spur geriebener Ingwer bringen zusätzliche Schärfe ins Aromenspektrum. Im Gegensatz zur Nase zeigt sich der Alkohol am Gaumen deutlich präsenter.


Abgang
Der Abgang beginnt ebenfalls würzig mit Noten von Zimt und Holzsaft. Dazu gesellen sich weiterhin Apfel- und Birnenschalen sowie ein Müsliriegel mit etwas Honigsüße und Vanille. Der Abgang ist mittellang.


Fazit
Eine sehr gelungene Ex-Bourbon-Abfüllung, der man problemlos ein paar weitere Jahre Reifung zutrauen könnte. Sie funktioniert nicht nur im Sommer hervorragend, sondern bietet auch im Winter eine willkommene, frische Abwechslung. Neben der intensiven Vanille und dem schönen hellen Obstkorb überzeugt vor allem die ölige, wachsige Konsistenz – besonders bemerkenswert für sein noch junges Alter.

Ich werde die Abfüllungen von James Eadie künftig definitiv im Auge behalten. Hier wird offenbar mit viel Fingerspitzengefühl zur richtigen Zeit das richtige Fass abgefüllt.

Mittwoch, 3. Dezember 2025

Caol Ila 2009/2025 15y - Mad Malt #1 (whic)

 

Whiskybase

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Die Taktrate, mit der whic.de neue Abfüllungen oder gleich neue Serien an den Start bringt, ist wirklich beachtlich. Vor ein paar Wochen bekam ich ein Sample der ersten Ausgabe der neuen Reihe Mad Malt zugeschickt. Doch was verbirgt sich hinter der Mad Malt Collection? Gemeinsam mit Signatory Vintage bringt whic insgesamt 13 stark getorfte Single Malts auf den Markt. Die Reihe richtet sich an alle, die verrückt (mad) nach rauchigen Whiskys sind. 

Den Beginn macht ein 15 Jahre alter Caol Ila mit einem Finish in einem First Fill PX Hogshead, in Fassstärke von 54,9 Prozent, selbstverständlich ohne Farbstoff oder Kühlfiltration. Lediglich 340 Flaschen gab es davon, und die Abfüllung war in sehr kurzer Zeit restlos vergriffen.

Rauchige Islay Malts mit einer Reifung oder einem Finish in Sherryfässern, häufig auch in PX, sind am Markt nicht unüblich. Oft sind die Ergebnisse sehr fassorientiert, intensiv und für meinen Geschmack manchmal etwas zu stark auf der süßen Seite angesiedelt. Deshalb bin ich gleichzeitig gespannt und ein wenig skeptisch, was mich hier erwartet.


Aussehen
Nussholzboden

Fotocredit: whic.de


Nase
Intensiver, aschiger, schmieriger Rauch eines Lagerfeuers mit leicht feuchten Holzscheiten und rußiger Steinumrandung direkt am Kiesstrand, auf dem altes Seegras und Algen trocknen. So oder so ähnlich lässt sich die Erstbegegnung mit dem Whisky beschreiben.

Neben den rauchigen, maritimen Noten hat das Finish im PX-Fass deutlich Eindruck hinterlassen. So finden sich eine große Portion Pflaumenkompott, ein Beerenröster aus Heidelbeeren und Brombeeren, süße, reife Kakifrüchte, Cranberries, saftige Sultaninen, geräuchertes Balsamico-Gelee sowie Aromen von getrockneten Tabakblättern und gerösteten Haselnüssen.

Der Malt driftet jedoch nicht zu sehr in eine intensiv süß-fruchtige Richtung ab. Herbe dunkle Schokolade, Muskatpulver, Zimt und das leicht angekohlte Eichenholz sorgen gemeinsam für einen würzigen Kontrapunkt zur Süße. Der Alkohol ist sehr gut eingebunden, den trotz der doch hohen Alkoholstärke stören keine scharfen Gerüche das Vergnügen.


Geschmack
Hier ist von Beginn an ordentlich Betrieb. Neben einer anfänglich kurz aufblitzenden Karamellsüße und dem ersten Schwall aus Asche und öligem Teer sorgt vor allem eine kurze, intensive Pfefferschärfe für Aufmerksamkeit. Es wirkt wie Lakritze mit Chilipulver, kombiniert mit süßen, weichen, getrockneten Feigen und Datteln mit einem Kern aus Marzipan. Die pikante Schärfe geht sofort wieder in eine cremige, fruchtige Süße über, die Rosinen, Pflaumenmus und die Beerenröster-Aromen mitnimmt. Die ganze Zeit bleibt die schmierige Asche mit dem Rauch im Hintergrund, was mir sehr gut gefällt.

Wie schon im Geruch so hilft auch im Mund ein würziger Gegenpol – unterstützt von winterlichen Backgewürzen wie Muskat, Zimt und Anis sowie Tabak- und Holzwürze – die Süße harmonisch in Schach zu halten.

Fotocredit: whic.de


Abgang
Das lange Finish wird vor allem von der Asche und dem öligen Teer getragen, zusammen mit Tabakaromen, dunkler Schokolade, einigen süßen Stücken getrockneter Datteln und Pflaumen sowie etwas Lakritz mit seiner salzigen und würzigen Seite.


Fazit
Vielleicht liegt es an seinem Alter von 15 Jahren, aber der Whisky schafft es, seine schweren Raucharomen mit den intensiven süßen und fruchtigen Aspekten des PX-Fasses und den würzigen Noten sehr fein zu vereinen. Diese Harmonie der Aromen, ohne die Intensität zu verlieren, gefällt mir ausgesprochen gut. Ich bin froh, dass dieser Single Malt nicht in dieselbe Kerbe schlägt wie so viele Vertreter, die rauchig sind und in oft noch feuchten Sherryfässern liegen. Er ist natürlich eine Sherrybombe, aber im besten Sinne des Wortes. Auf die nächsten Vertreter der Mad Malt Reihe kann man durchaus positiv gespannt sein.

Donnerstag, 27. November 2025

Bib & Tucker Single Barrel Bourbon 10y

 

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Der Name Bib & Tucker bezieht sich auf eine alte englische Redewendung, die vergleichbar mit „sich in Schale werfen“ die festliche Kleidung des 17. bis 19. Jahrhunderts bezeichnet. Die Bourbons dieser Marke stammen aus Tennessee und sind gesourced. Die meisten Gerüchte besagen, dass der Whisky bei George Dickel gebrannt wird. Wie bei Bourbons aus Tennessee üblich, kommt auch hier der Lincoln County Process zum Einsatz, bei dem der New Make vor der Fasslagerung durch eine Holzkohleschicht gefiltert wird.

Die Single-Barrel-Abfüllung, von der ich ein Sample habe, reifte zehn Jahre. 161 Flaschen kamen aus dem Fass und wurden mit beachtlichen 63,2 Prozent abgefüllt.


Aussehen
Bernstein


Nase
Unglaublich. Dieser Bourbon hat über 63 Prozent und dennoch bekomme ich beim Schnuppern absolut keinen Alkohol in die Nase. Kein Stechen, kein Prickeln, nichts. Wahnsinn. So smooth und weich kommt dieser Bourbon daher. Die zehn Jahre im Fass haben dem Stoff, woher er auch immer genau aus Tennessee stammt, wirklich gutgetan. Selten habe ich bei einem Bourbon so eine harmonische Nase erlebt. Natürlich finde ich eine ordentliche Portion Eichenholz, aber sie drängt sich überhaupt nicht in den Vordergrund und dominiert den Duft nicht.

Als Erstes begegnen mir in flüssige Milchschokolade getauchtes Popcorn, brauner Zucker, der gerade in der Pfanne karamellisiert, viel Vanille, Zimt, Muskatnuss sowie geröstete Haselnüsse.

Im Hintergrund zeigt sich der Rye-Anteil in der Mashbill durch Assoziationen von dunklem, würzigem Roggenbrot und einem Hauch Pfefferminze.

Der Fruchtanteil spielt eher eine untergeordnete Rolle. Zumindest ein paar Tropfen Kirschkompott mit einigen Heidelbeeren sorgen für fruchtige Momente.

Fotocredit: whiskybase.com



Geschmack
War die Alkoholstärke in der Nase kaum zu bemerken, ist sie im Mund markanter, jedoch immer noch weit entfernt davon, wie 63,2 Prozent normalerweise wirken würden. Zu Beginn zeigt sich eine leichte, an Ingwer erinnernde Schärfe, vermischt mit etwas Zimtpulver, die die Präsenz des Alkohols kurz betont. Doch sofort geht es über in eine überraschend intensive Süße, die an warmes Kirschkompott mit Vanillesauce erinnert.

Der Roggenanteil meldet sich mit After Eight, einer feinen Minznote und würziger Brotkruste zu Wort. Zimt erhält im Mittelteil Unterstützung durch Muskatnuss. Und wie schon in der Nase ist die Eiche auch im Geschmack präsent, aber niemals dominant, sondern eher im Hintergrund.


Abgang
Dunkle Schokolade mit höherem Kakaoanteil, Zimt, Muskatnuss und die würzigen Roggenbestandteile bilden das Rückgrat des mittellangen Finales. Das Kirschkompott wandelt sich zunehmend zu einem Kirsch-Pfefferminzbonbon, das Frucht und Frische angenehm verbindet.


Fazit
Das ist mit Sicherheit einer der besten Bourbons, die ich je im Glas hatte. Von den 63,2 Prozent ist weder in der Nase noch im Mund wirklich etwas zu merken. Die Kombination aus vanillig weicher Karamellnote, dem in Milchschokolade getauchten Popcorn und der tollen Süße im Geschmack ist ganz großes Bourbon-Kino. Mir gefällt auch, dass die Eiche hier nicht so dominant ist, wie es bei älteren und hochprozentigen Bourbons oft der Fall ist. Rundum ein Genuss.

Mittwoch, 19. November 2025

Springbank 12 CS Batch 25

 

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Es war reines Glück, dass ich im vergangenen Frühjahr genau an dem Tag im Onlineshop von Potstill in Wien stöberte, als das damals aktuelle Batch 25 des Springbank 12 CS verfügbar war. Da musste ich nicht lange überlegen – was man bei Springbank-Abfüllungen ohnehin tunlichst vermeiden sollte – und griff sofort zu.

Die Flasche wurde auch sogleich geöffnet und ein paar Samples fanden ihren Weg zu den Kumpels. Bis auf zwei oder drei Drams veränderte sich der Füllstand über die folgenden Monate hinweg kaum. Jetzt, mit Beginn der kühleren Jahreszeit, sticht mir die Flasche immer häufiger ins Auge und es ist gut möglich, dass sie den Winter nicht überlebt.

Es wird also Zeit, dieses Batch einer genaueren Betrachtung samt Verkostungsnotizen zu unterziehen.

Für diese Ausgabe wurde eine Fassmischung aus 70 Prozent Bourbon und 30 Prozent Sherry verwendet. Abgefüllt wurde mit kräftigen 57,2 Prozent Alkohol. Wie bei Springbank üblich gibt es weder nachträgliche Färbung noch Kühlfiltration.


Aussehen
Dunkler Bernstein


Nase
Intensiv, muffig, angekohltes Holz, würzig – so eröffnet dieses Batch den Geruchsreigen. Sofort ist diese für Springbank so typische, leicht schmutzige Aromendichte präsent. Vor meinem inneren Auge entsteht ein Raum voller alter Ledermöbel, umgeben von Bücherregalen mit angestaubten Büchern. Auf dem Couchtisch liegen Krümel von altem Pfeifentabak, und vor dem Sofa steht ein Paar mit Schuhcreme gepflegte Lederhausschuhe.

In einer Schale liegen getrocknete Aprikosen und Pflaumen, die einen cremig-fruchtigen Duft verströmen. Mit steigender Luftzufuhr verwandelt sich vor allem die Pflaume in eine Erdbeermarmelade mit einem deutlichen Vanilleeinschlag. Richtig süß ist die Abfüllung nicht, Honig- oder Zuckernoten treten kaum auf, doch die Kombination aus Vanille, Aprikose und Erdbeermarmelade sorgt für eine angenehm süß-cremige Assoziation.

Eine wirklich delikate Nase, die zum Dauerschnuppern animiert. Der Alkohol ist kräftig, aber hervorragend integriert.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Unverdünnt sorgen die über 57 Prozent für einen kraftvollen und wärmenden Antritt. Ein feines Prickeln auf der Zunge, begleitet von einer anregenden Ingwer- und leichten Chilischärfe, eröffnet das Geschehen. Danach folgen Pfefferminz, cremige halbbittere Schokolade, geröstete Nüsse, die leicht angeschwärzten Holzscheite und Tabakaromen. Der typische Springbank-Funk ist ebenfalls vorhanden und zeigt sich vor allem in einer Assoziation nach einem schmutzigen Lappen voller Maschinenöl. Immer wieder erstaunlich, wie Springbank diese Aromen hervorruft.

Die fruchtige Seite wirkt eher verhalten. Getrocknete Aprikosen und ein Hauch getrockneter Beeren sind vorhanden und werden von einer fein eingebundenen Süße begleitet.

Mit Wasser wird der scharf-würzige Beginn milder und süßes, cremiges Karamell mit viel Vanille tritt stärker hervor. Auch verdünnt bleibt die fruchtige Seite zurückhaltend. Die schmutzige, funkige Seite gewinnt dafür an mineralischen Eindrücken hinzu. Sehr interessant.


Abgang
Getrocknete Aprikosen in geschmolzener dunkler Schokolade. Angekohlte Holzstücke liegen auf einem schmutzigen Lappen, der Flecken von Motoröl zeigt. Zusammen mit getrockneten Tabakblättern und Schuhpolitur bleibt all das lange im Rachen und am Gaumen haften.


Fazit
Ich bin wirklich froh, dass ich mir damals eine Flasche sichern konnte. Dieses Batch ist ein ausgesprochen leckerer Vertreter des Springbank-Stils und gefällt mir jedes Mal, wenn ich es im Glas habe – was in den nächsten Wochen sicherlich häufiger der Fall sein wird.

Ich tendiere klar dazu, ihn unverdünnt zu genießen, da er mir mit etwas Wasser zu generisch wurde. Der Funk war zwar weiterhin da, aber mir fehlte der Punch.


Mittwoch, 12. November 2025

Daftmill 12y 2011 (Winter Release)

 

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Meine bisherige Begegnung mit dieser sympathischen kleinen Farmbrennerei aus den Lowlands war ein Sample des fassstarken 15-jährigen aus dem Jahr 2006. Dieses wusste mich vollends zu überzeugen. Ein wirklich toller, in Ex-Bourbonfässern gereifter Lowland Whisky. Aufgrund der aufgerufenen Preise war der Kauf einer Flasche für mich eigentlich nie ein Thema.

Eigentlich.

Vor ein paar Wochen gab es in meinem Stammladen eine Rabattaktion mit 20 Prozent auf zwölf Jahre alte Single Malts. Beim Stöbern vor Ort entdeckte ich dann den Daftmill 12y 2011 aus der Winter Release. Durch die Aktion kam die Abfüllung auf 116 Euro und ich griff sofort zu – günstiger werde ich wohl nie mehr eine Flasche bekommen. Ein Haufen Geld für einen zwölfjährigen Single Malt, ohne Frage. Doch aufgrund der geringen Produktionsmengen und der höheren Kosten im Vergleich zu industriellen Brennereien mit deutlich größerem Ausstoß ist der Preis leider nachvollziehbar.

Vom Rücketikett erfährt man, dass die Brennerei nur in den ruhigeren Zeiten des Hofes, also Mitte des Sommers und während des Winters, in Betrieb ist. Zum Einsatz kommt ausschließlich hofeigene Gerste der Sorte Publican, die auf einem 43 Hektar großen Feld angebaut und am 28. und 29. August geerntet wurde. Der Whisky ist eine Vermählung von 27 First-Fill-Ex-Bourbonfässern und reifte im oberen Stockwerk des hofeigenen Lagerhauses. Die Fässer wurden im Dezember 2011 befüllt und 2024 in Flaschen abgefüllt. Alles ist vorbildlich transparent und für Whisky-Nerds ein wahres Informationseldorado. Umso unverständlicher ist es, dass ausgerechnet die Angaben zu Färbung und Kühlfiltration fehlen. Meiner Meinung nach sollten diese Details unbedingt auf dem Etikett stehen. Wir können beruhigt davon ausgehen, dass weder gefärbt noch filtriert wurde, aber was am Label steht, gilt.


Aussehen
Weißwein


Nase
Unmittelbar nach dem Einschenken zeigt sich ein flüchtiger Hauch von frisch gemähter, leicht gedüngter Wiese – nicht unangenehm. Zurück bleiben frische Noten von Gras, Wiese und Heu, begleitet vom Duft zarter Blütenblätter, Vanille und einem Korb voller frischem, hellem Obst. Neben einer dezenten Bananennote und etwas Kokosnuss sind vor allem reife gelbe und grüne Äpfel, Birnen, Mirabellen, Ringlotten, Honigmelonen und Ananas präsent. Ein wahres Feuerwerk an fruchtigen Düften. Eine ausgeprägte Süße wie von Honig, Zucker oder Karamell ist nicht vorhanden, aber die Früchte bringen eine natürliche Süße mit, die harmonisch eingebunden ist. Der Alkohol ist kaum wahrnehmbar, vor allem nach rund zehn Minuten, wenn sich die Aromen gesetzt haben. Eine wunderbare Nase, die durch ihren reduzierten, klaren Stil überzeugt.

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Geschmack
Der Malt startet mit einer feinen, weichen und cremigen Textur und einem eher zarten Körper. Zunächst wirkt er etwas leicht, fast schon wässrig, bevor er mit einer feinen Pfefferschärfe an Fahrt gewinnt und die Aromen nach vorne schiebt. Vielleicht würden ein paar Prozentpunkte mehr Alkohol dafür sorgen, dass er im Mund von Beginn an noch mehr Ausdruck zeigt, aber das Understatement passt zu seinem ruhigen, auf das Wesentliche reduzierten Charakter.

Die erwähnte leichte Pfeffernote ist nur kurz wahrnehmbar und keineswegs störend – im Gegenteil, sie erinnert an den Moment, wenn man auf eine dünne Ingwerscheibe beim Sushi beißt. Davor und danach zeigen sich die fruchtigen Aromen zusammen mit Vanille und Kokosraspeln, wie schon in der Nase. Die süße Seite wird von einem Löffel cremigen, hellen Blütenhonigs getragen.


Abgang
Etwas Eichenholz in Form einer dezenten Bitterkeit, die letzten Krümel der Kokosraspeln, Vanille und Apfel- sowie Birnenschalen sorgen für ein Finish, das ruhig länger ausfallen dürfte. Der Whisky verabschiedet sich relativ rasch, was aber den Vorteil hat, dass man gleich Lust auf den nächsten Schluck bekommt.


Fazit
Der puristische, elegante Stil von Daftmill gefällt mir ausgesprochen gut. Wie bei der Arbeit auf einer Farm wurde auch bei diesem Malt auf unnötige, künstlich wirkende Aromen verzichtet. Ein sehr guter Rohbrand in Kombination mit hervorragenden First-Fill-Bourbonfässern ergibt einen geradlinigen, authentischen Ex-Bourbon-Whisky – genau mein aktueller Geschmack.

Ob ich ihm die vollen zwölf Jahre Reifung blind geben würde, weiß ich nicht. Etwas mehr Volumen und Nachhall würden ihm guttun. Vor allem in Anbetracht des Preises stellt sich die Frage, ob der deutliche Aufpreis gegenüber vergleichbaren Malts gerechtfertigt ist. Ich persönlich freue mich, dass ich ihn mit Rabatt erwerben und probieren konnte. Doch eine weitere Flasche Daftmill über 100 Euro wird wohl so schnell nicht folgen. Da bleibe ich dann doch bei gleichaltrigen Abfüllungen von Ben Nevis aus Ex-Bourbon-Fässern, die man auch für unter € 100,- bekommt und mir mindestens genauso viel Freude bereiten.

Mittwoch, 5. November 2025

Secret Highland Distillery 14y - Ragnarøkkr Nr. 10 - Surtr (whic)

 

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In den letzten drei Wochen landeten zwei weitere Samples von neu erschienenen Abfüllungen von whic.de in meinem Briefkasten. Pragmatisch wie ich nun einmal bin, habe ich für die dieswöchige Verkostung einfach die erste der beiden ausgewählt.

Es handelt sich dabei um die zehnte Ausgabe der Ragnarøkkr-Reihe. Der Name der Abfüllung lautet Surtr. Surtr war in der nordischen Mythologie ein Feuerriese und zerstörte in der Ragnarök-Saga die Brücke Bifröst, die Midgard mit Asgard verbindet. In der Realität verbirgt sich hinter dem Namen ein 14-jähriger Single Malt aus einer geheim gehaltenen Brennerei in den Highlands.

Da in dieser Serie ausschließlich rauchige Vertreter abgefüllt werden, liegt also ein rauchiger Whisky im Glas. Die Rahmendaten lesen sich sehr ordentlich: Vollreifung in einem Oloroso Sherry Butt, 50,9% Alkoholstärke, 570 Flaschen, keine Färbung, keine Kühlfiltration.

Also, lassen wir den Feuerriesen ins Glas.


Aussehen
Blütenhonig


Nase
Wenn man glaubt, die Brennerei hinter einer „Secret Distillery“ zu erkennen, liegt man bekanntlich oft falsch. Bei rauchigen Highland-Whiskys denke ich meist zuerst an Ballechin von Edradour. Hier jedoch spricht der erste Eindruck dagegen. Der Rauch ist weniger intensiv und die für mich so typische „Kuhstall-Attitüde“ fehlt.

Stattdessen präsentiert sich ein Holzrauch mit kleinen, mineralisch wirkenden Steinkohlenstücken. Dazu kommen Speckscheiben mit BBQ-Marinade, in die dunkle Beeren wie Heidelbeeren oder Brombeeren eingekocht wurden. Rauch, Frucht und Süße verschmelzen sehr angenehm, die Rauchintensität ist mittelstark.

Hinter dem Rauch findet man würzige, getrocknete Küchenkräuter und eine fruchtig-säuerliche Zitrusnote — wie Zitronenzuckerl oder eine noch nicht ganz reife Mandarine. Mit Zeit im Glas wird das Ganze cremiger; Vanille tritt deutlicher hervor, die Mandarine wandelt sich langsam Richtung Orangenmarmelade. Der Alkohol ist spürbar, aber gut eingebunden.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Auf der Zunge startet der Whisky kraftvoll, der Rauch wirkt hier sofort intensiver als in der Nase. Während ich im Geruch eher in Richtung Ardmore tendiert habe, schiebt sich jetzt doch Edradour/Ballechin wieder ins Gedächtnis.

Der Rauch wirkt wie heruntergebranntes Holz mit Aschepartikeln. Dazu kommt ein Hauch „Stall“ und feuchtes Heu. Die Süße wirkt wie weiches cremiges Fudge und sorgt für ein schönes Gegengewicht. Danach übernehmen würzige Noten immer mehr das Kommando. So finden sich getrocknete Kräuter, Walnüsse mit Haut, Leder, Tabak und etwas Eichenholzsaft im Geshmack wieder. Weißer Pfeffer und Zimt sorgen für einen zusätzlichen pikanten Akzent. Der Alkohol ist ausgezeichnet integriert.


Abgang
Das Finale gestaltet sich lang anhaltend mit viel Rauch und Asche sowie mit Zimt, dunkler Schokolade, braunem Zucker und Tabak.


Fazit
Eine wirklich gelungene Abfüllung. Der Rauch ist kräftig, doch die anderen Aromen kommen nicht zu kurz. Ein paar Minuten Zeit im Glas lohnen sich besonders für die Nase. Am Gaumen übernehmen die würzigen Noten mehr die Kontrolle, was zu einem spannenden Wechselspiel zwischen Würze und Süße führt. Die 14 Jahre Reifezeit nimmt man ihm definitiv ab.

Und ja, ich lege mich fest — ich halte das für einen Ballechin. Falls jemand Genaueres weiß, gerne unten in die Kommentare.

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Port Charlotte 14y – Château Margaux Cask Finish (ADoS)

 

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Ende Oktober, rund um den 31.10., verkoste ich traditionell einen Single Malt mit Halloween-Bezug – und nein, ich bin dabei nicht als Whiskyzombie verkleidet. In den vergangenen Jahren waren es immer Abfüllungen aus der „A Dream of Scotland“-Reihe des Brühler Whiskyhauses, da Marco Bonn regelmäßig Flaschen mit Halloween-Motiven etikettiert. Und natürlich wird auch heuer diese Tradition fortgeführt.

Abgesehen vom Etikett zählt jedoch vor allem der Inhalt. Dieses Mal handelt es sich um einen 14 Jahre alten Port Charlotte mit Château Margaux Cask Finish. Im Rahmen der ADoS-Serie gab es bereits eine ganze Reihe hervorragender Port Charlottes mit Weinfinish. Marco muss einen richtig guten Draht zu Bruichladdich haben, um so oft Port Charlottes Fässer zu erhalten. Entsprechend groß war die Erwartung an dieses Sample. Die Dauer des Finishs ist nicht bekannt. Abgefüllt wurde mit 56,2%, ohne Kühlfiltration und ohne Färbung, insgesamt kamen 364 Flaschen auf den Markt.


Aussehen
Rötliches Kupfergold


Nase
Die Nase beweist mir wieder, warum ich auf Port Charlottes mit Weinfassbeteiligung stehe. Ähnlich wie bei der Cask Exploration Serie von Bruichladdich hat man auch bei dieser Abfüllung eine tolle Kombination aus diesem speckigen, leicht schmutzigen Holzrauch mit tollen Aromen von süßem Beerenobst, dass zu einem noch warmen, mit Vanille verfeinertem Röster verkocht wurde. 

Man braucht etwas Zeit, bis sich die Nase durch den anfänglich dichten Rauch arbeitet. Dahinter entfalten sich reife dunkle Früchte wie Brombeeren, Heidelbeeren und schwarze Johannisbeeren, begleitet von säuerlich frischen Noten von Erdbeeren und Pflaumen.

Parallel zeigt sich eine würzige, erdig-herbstliche Seite mit Kräutern, altem Laub auf feuchter Wiese, gelagertem Holz und einer angenehmen, leicht muffigen Note. Der Alkohol wirkt präsent, aber gut eingebunden. Die Nase ist kraftvoll, vielschichtig und ausgesprochen einladend.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Im Mund legt der Whisky sofort los. Der Alkohol trägt den Rauch nach vorne und eröffnet ein dichtes Aromenspiel am Gaumen. Der Rauch ist kräftig, speckig, rußig, mit Assoziationen von dunkler Grillmarinade und Holzkohle.

Erst dann schiebt sich das warme, süße Beerenkompott nach, begleitet von Vanille. Die Süße bleibt deutlich, wird aber von der herb-würzigen Rauchstruktur ideal eingebettet. Das Finish des Weinfasses zeigt sich erkennbar in fruchtiger Tiefe und feinen Tanninen, ohne den Malt zu überdecken.

Altes Holz, getrockneter Tabak und ausgedrückte Teeblätter sorgen für eine angenehm herbe Kontur. Trotz der weinigen Akzente bleibt der typische Port-Charlotte-Charakter deutlich erhalten.


Abgang
Der speckige Rauch haftet lange am Gaumen, unterstützt von kalter Asche. Die Beerenaromen klingen langsam aus, während das alte Holz dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil und eine leichte Bitterkeit mitbringt. Ein langes, rauchbetontes Finale, wie man es sich von Port Charlotte wünscht.


Fazit
Marco Bonn hat in den vergangenen Jahren eine Reihe sehr gelungener Port Charlottes abgefüllt, und dieser reiht sich ohne Frage in diese Qualität ein. Die Kombination aus schwerem, speckigem Rauch und konzentrierter Beerenfrucht funktioniert hier erneut hervorragend. Das Weinfass setzt prägnante Akzente, ohne die Balance zu kippen. Ein ausdrucksstarker, vollmundiger, sehr gelungener Port Charlotte.

Mittwoch, 22. Oktober 2025

Woodford Reserve Double Oaked

 

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Die Marke Woodford Reserve gehört zum US-amerikanischen Getränkekonzern Brown-Forman, zu dem auch Jack Daniel’s zählt. In der gleichnamigen Brennerei wird zwar Whiskey produziert, sie dient jedoch vorwiegend als Besucherzentrum. Die eigentliche Herstellung der Woodford-Reserve-Whiskeys findet in der nahegelegenen Early Times Distillery statt, die ebenfalls dem Konzern gehört.

Der klassische Woodford Reserve Kentucky Straight Bourbon wird dreifach in Pot Stills destilliert – eine echte Besonderheit in Kentucky, wo meist auf kontinuierliche Kolonnendestillation gesetzt wird. Die meisten Bourbons dieser Brennerei tragen keine Altersangabe, da sie aus Whiskeys verschiedenen Alters komponiert werden. Die übliche Mash-Bill besteht aus 72% Mais, 18% Roggen und 10% gemälzte Gerste.

Der Woodford Reserve Double Oaked war einer der ersten Bourbons überhaupt mit einer doppelten Fassreifung, als er 2012 erstmals in den Regalen der US-Liquor Stores erschien. Nach seiner initialen Reifung in neuen, ausgebrannten Fässern aus amerikanischer Weißeiche wird der Whiskey für etwa ein weiteres Jahr in ein zweites, stärker getoastetes und zusätzlich angekohltes Eichenfass gefüllt. Diese Nachreifung soll die Aromen von Holz, Vanille und Karamell noch intensiver hervorheben.

Wie der klassische Reserve wird auch der Double Oaked mit 43,2 Prozent abgefüllt. Künstliche Färbung kommt nicht zum Einsatz, dafür jedoch – wie in den USA üblich – eine Kühlfiltration, damit der Whiskey bei Eiszugabe klar bleibt.


Aussehen
Dunkles Mahagoni


Nase
Trotz der moderaten 43 Prozent zeigt sich die Nase erstaunlich voll und ausdrucksstark. Kein Alkoholstich, stattdessen satte, intensive Aromen. Besonders auffällig ist der kräftige Zimtduft, der zunächst alles andere überlagert. Danach entfalten sich süßes Kirschkompott, reichlich Vanille und Ahornsirup. Zimt und Vanille dominieren das Bild – selten habe ich bei einem Bourbon so viel Vanille wahrgenommen.

Die doppelte Fassreifung macht sich durch eine deutliche Holzwürze bemerkbar: geröstete Haselnüsse, Harz, alte Eichenbretter und eine feine Spur von Aceton am Ende. Insgesamt ist die Nase für den geringen Alkoholgehalt bemerkenswert intensiv.

Nach dem ersten Schluck erscheinen zusätzlich Aromen von dunklem Karamell und den eingetrockneten Kaffeeresten am Boden einer Tasse.

Bei den US-Abfüllungen bekommt der Double Oaked 45,2% anstelle der 43,2% bei uns.


Geschmack
Das Mundgefühl ist ölig und etwas dünn, es wirkt aber nicht wässrig. Der Zimt aus der Nase tritt sofort wieder auf und bringt eine angenehme Schärfe mit. Die würzigen Aromen setzen sich fort: geröstete Hasel- und Erdnüsse, Harz und eine frische Minznote. Obwohl der Roggenanteil in der Mash Bill nur rund 18 Prozent beträgt, ist sein Einfluss deutlich spürbar – was mir als Rye-Fan sehr zusagt.

Die süßen Kirschen entwickeln sich nun in Richtung Maraschino, die Vanille bleibt präsent, tritt aber etwas in den Hintergrund. Ab der Mitte dominiert das Eichenholz – kräftig und forsch, was man mögen muss.


Abgang
Das Finish bringt nochmals Kirsche, Menthol und Eichenwürze, erinnert fast an ein Hustenzuckerl. Dann flacht der Whiskey jedoch recht rasch ab – hier fehlt etwas an Durchhaltevermögen. Mit ein paar Prozent mehr Alkohol hätte das Finale wahrscheinlich länger getragen.


Fazit
Trotz der eher niedrigen 43 Prozent überrascht der Double Oaked mit Intensität und Tiefe – vor allem durch seine ausgeprägte Zimtnote - in der Nase und beim Geschmack. Die doppelte Fassbelegung ist deutlich spürbar und verleiht ihm eine ausgeprägte Würze, die fast an einen höheren Roggenanteil denken lässt. Der Abgang könnte länger sein, endet etwas abrupt. Insgesamt aber ein sehr harmonischer, gefälliger Bourbon mit schönem Aromenspiel. Ein paar zusätzliche Prozent Alkohol hätten ihm vermutlich gutgetan, könnten aber auch die Eiche zu dominant gemacht haben. 

Mittwoch, 15. Oktober 2025

Glasgow 1770 Peated

 

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Nach The Original ist mit Peated nun die zweite Abfüllung der Standardreihe von Glasgow 1770 bei mir im Glas. Für rauchige Single Malts war die Whiskyregion der Lowlands bislang nicht gerade bekannt. Das hat sich in den letzten Jahren jedoch geändert – immer mehr junge Brennereien setzen auf Torf und zeigen, dass auch südlich der Highlands kräftig der Schornstein raucht. Glasgow 1770 hat, neben dem Peated aus der Core Range, seit dem Start auch immer wieder teils sehr intensive Rauchbomben als Sonderabfüllungen herausgebracht.

Beim Peated wird englische Gerste verwendet, die mit Torf aus Aberdeenshire auf rund 50 ppm Rauchgehalt getrocknet wird. Wie sein nicht rauchiger Bruder ist auch dieser Malt eine NAS-Abfüllung und wird zweifach destilliert. Die Reifung erfolgt hauptsächlich in frischen amerikanischen Weißeichenfässern mit 200 Litern Fassungsvermögen, bevor der Whisky für acht bis zwölf Monate in spanischen PX-Hogsheads ein Finish erhält. Abgefüllt wird, wie bei allen Malts der Serie, ohne Kühlfiltration und Färbung mit 46 Prozent.


Aussehen
Nussholzboden, dunkles Kupfer


Nase
Dicht und druckvoll steigen Rauchschwaden von feuchten Holzscheiten aus dem Glas – aschig, würzig, leicht klebrig. Im Hintergrund blitzt eine feine, leicht schmutzige Note von Öllappen auf, leicht funkig. Mit zunehmender Zeit entfalten sich BBQ-Sauce und gebratener Speck, was einen ausgeprägten Umami-Effekt erzeugt. Akzente von saftigen Orangen sorgen für Frische und Säure, begleitet von geräucherten Gummibärchen und aufgeschnittenen Vanilleschoten. Der Geruch ist intensiv, aber stimmig, und macht richtig Spaß. Von jugendlicher Schärfe oder schlecht integriertem Alkohol keine Spur.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Cremig und mit einem süßen Auftakt zeigt sich der Whisky im Mund. Orangenkompott und dunkle Beeren eröffnen den Geschmack, ehe der schmutzige Holzrauch mit seiner intensiven Asche wieder die Bühne betritt. Die Asche ist dicht, fast klebrig, und angenehm speckig. Getrocknete Küchenkräuter, Tabaknoten, Teriyaki-Sauce, Holzwürze und eine dezente Ingwerschärfe ergänzen das Gesamtbild. Im Vergleich zur Nase wirken die Aromen etwas luftiger, fast als würde ihm gegen Ende etwas der Atem ausgehen. Der Alkohol ist gut integriert, metallische Jugendnoten sind keine zu erkennen.


Abgang
Das Finale ist geprägt von angekohltem Holz, dunkler Schokolade, Leder und angebrannten Tabakblättern. Die Asche hält sich lange und intensiv im Rachen. Ganz zum Schluss wird es leicht bitter, fast wie bei zu dunkel karamellisiertem Zucker.


Fazit
Eine so ausgeprägte Rauch- und Ascheintensität hätte ich einem Lowlander nicht zugetraut – man könnte ihn blind durchaus für einen rauchigen Highlander halten. Die Kombination aus kräftigem, leicht schmutzigem Rauch und fruchtig-säuerlichen Aromen gefällt mir sehr gut. Jung wirkt er kaum, auch wenn er im Geschmack gegen Ende etwas an Power verliert. Für eine Standardabfüllung einer noch jungen Brennerei ist das hier aber ausgesprochen solide.

Mittwoch, 8. Oktober 2025

Hazelburn 8y 2017/2025 Oloroso Cask Matured

 

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Hat sich Springbank in den letzten Jahren vielleicht übernommen und mehr abgefüllt, als die Lagerbestände hergaben? Oder steckt eine gezielte Strategie dahinter, dass die aktuellen Abfüllungen zunehmend jünger werden und teilweise gar keine Altersangabe mehr tragen? Bei Longrow etwa erschien zuletzt ein 7-jähriger Longrow Red, gefolgt von einem Longrow 100 Proof. Bei Springbank steht nun ein 5-jähriger 100 Proof in den Startlöchern, und bei Hazelburn gab es 2024 gar keine neue Ausgabe der Oloroso Cask Matured-Reihe.

Die jüngste Abfüllung dieser Serie wurde im März 2025 vorgestellt und bringt es nur noch auf acht Jahre im Fass. Alle Vorgänger waren deutlich älter – die Ausgabe von 2023 lag beispielsweise ganze 15 Jahre im Holz.

Ist dieser Trend zu jüngeren Abfüllungen nur eine vorübergehende Erscheinung, oder müssen wir uns langfristig darauf einstellen? Hat der anhaltende Hype die Bestände im Fasslager spürbar dezimiert? Die Brennerei, die ihrer Philosophie der Qualitätstreue bislang treu geblieben ist und bewusst unterhalb ihrer maximalen Produktionskapazität brennt, könnte sich gezwungen gesehen haben, jüngere Whiskys abzufüllen, um Serien wie diese weiterhin bedienen zu können. In der Szene kursiert bereits das Gerücht, dass der neue 5-jährige Springbank langfristig den 10-jährigen ersetzen könnte – eine Vorstellung, die mir persönlich gar nicht schmeckt.

Doch zurück zur neuen Hazelburn Oloroso Cask Matured Abfüllung. Sie wurde 2017 destilliert und 2025 mit 48,2 Prozent abgefüllt. Wie üblich ist der dreifach destillierte Single Malt weder gefärbt noch kühlfiltriert.


Aussehen
Dunkler Bernstein


Nase
Der erste Eindruck ist ausgesprochen positiv. Vom jungen Alter merkt man erstaunlich wenig. Sofort präsent ist der typische Springbank-Funk mit seiner leicht „schmutzigen“ Note, hier sogar deutlicher ausgeprägt als bei manch älteren Vorgängern. Nach den ersten Eindrücken treten volle Sherrynoten hervor – Rosinen, dunkle Trockenfrüchte und intensive Vanille. Besonders interessant ist das Zusammenspiel mit säuerlicher Orangenmarmelade und cremigen Erdbeeren, die sich angenehm von klassischen Sherryaromen abheben. Die Nase wirkt älter, als das Alter vermuten lässt. Der Alkohol ist wunderbar eingebunden, keine Spur von Jugend oder harten Kanten. Im Gegenteil: alles wirkt weich, harmonisch und cremig – ohne dass der typische Funk verloren ginge.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Weich, cremig und süß beginnt er mit Rosinen, getrockneten Feigen und Datteln. Dazu kommen leicht geräucherte Orangenschalen, Orangengelee und gekochte Backpflaumen. Dunkle Schokolade steuert eine feine Herbe bei. Der Funk ist auch hier präsent, jedoch dezenter als in der Nase. Im Mittelteil gewinnen würzige Noten die Oberhand, begleitet von einer Spur Pfeffer. Danach übernehmen alte, leicht muffige Töne – angetrockneter Pfeifentabak, altes Leder und eine Prise Schuhpolitur. Insgesamt treten die fruchtigen Sherryelemente etwas in den Hintergrund, was den herberen, nussigen und würzigen Oloroso-Charakter stärker betont. Der Alkohol ist gut eingebunden, wenn auch in der Nase noch harmonischer integriert.


Abgang
Angenehme Holzaromen, getrockneter Tabak, Rosinen und Feigen prägen den mittellangen Nachklang. Gegen Ende blitzt der charakteristische Funk nochmals kurz auf – sehr schön.


Fazit
Ich bin positiv überrascht. Ich hatte mit deutlich mehr Jugend und weniger Tiefe gerechnet, wurde aber eines Besseren belehrt. Vor allem Nase und Finish überzeugen auf ganzer Linie. Im Geschmack zeigt er klar die Handschrift der Hazelburn-Oloroso-Serie. Alles, was man erwartet, ist vorhanden, auch wenn die typischen Sherryfruchtaromen etwas reduzierter ausfallen als bei älteren Jahrgängen. Mir gefällt diese Abfüllung ausgesprochen gut. Der Preis von rund 100 Euro ist sicherlich diskutabel, aber wer Hazelburn liebt, wird hier kaum enttäuscht. Muss man ihn haben? Nein. Kann man ihn genießen? Unbedingt.

Mittwoch, 1. Oktober 2025

Tormore 2014/2025 11y – Sir Lancelot – The Round Table Collection (whic)

 

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Völlig überraschend erhielt ich letzte Woche die Nachricht von whic.de, dass ein Sample für mich unterwegs sei. Es handle sich um die zweite Ausgabe ihrer neuen Round Table Collection, die ausschließlich für Newsletter-Abonnenten erhältlich ist. Die letzte Zusendung eines kostenlosen Samples liegt gut eineinhalb Jahre zurück, umso größer war die Freude, wieder einmal eine neue Serie von Arne Wesche und seinem Team verkosten zu können.

Die aktuelle Abfüllung widmet sich Sir Lancelot, einem der bekanntesten Ritter der Tafelrunde. Sein flüssiges Alter Ego ist ein 11 Jahre alter Tormore aus einem Refill-Fass, abgefüllt mit 55,3 Prozent. Verantwortlich für die Abfüllung zeichnete diesmal Brave New Spirits. Die Serie startete im August mit König Artus selbst, einem 13 Jahre alten rauchigen Benriach aus einem 1st Fill Sherryfass, abgefüllt von Duncan Taylor.

Auch wenn die Probe gratis war, schreibe ich wie immer meine ehrlichen Eindrücke. 

Meine bisher einzige Begegnung mit Tormore war eine Abfüllung mit Bordeaux-Rotweinfass-Finish, die stark in die fruchtig-beerige Richtung ging. Umso gespannter war ich auf diesen Whisky, der stilistisch eher einer klassischen Ex-Bourbon-Reifung entspricht – ein Stil, den ich derzeit besonders schätze.


Aussehen
Helles Safrangold


Nase
Zunächst zeigen sich helle, grasige Noten von frisch gemähter Wiese und feuchtem Heu. Für Frische sorgt ein Hauch Pfefferminzöl. Sobald sich der Alkohol beruhigt, öffnet sich die Nase in eine feine Ex-Bourbon-Richtung. Vanille tritt hervor, begleitet von Birnenkompott, Marillenmarmelade, Honigmelonen und leicht angerösteten Mandelsplittern. Cerealien und gezuckertes Müsli fügen eine würzig-malzige Note hinzu. Die Nase wirkt leicht und luftig, ist aber gleichzeitig intensiv genug, um immer wieder Neues zu entdecken.

Fotocredit: whic.de


Geschmack
Der Einstieg ist süß und cremig mit einem ausgewogenen Mundgefühl. Im Gegensatz zur Nase geht es hier sofort kräftig zur Sache. Neben der Vanillesauce sind Birnenkompott sowie Fruchtfleisch und Schalen grüner Äpfel präsent. Das Pfefferminzöl wandelt sich zu einer Assoziation von Minzcreme mit Schokolademantel. In der zweiten Hälfte übernimmt eine pikant scharfe Würze, die an Pfeffer oder sogar Chili erinnert. Auch Cerealien mit Getreidenote und Würze sind klar erkennbar.


Abgang
Holzeinfluss ist kaum spürbar, bittere Noten fehlen völlig. Auf der Zunge prickeln zerstoßene Pfefferkörner nach, während Minze und Schokolade mit Nussanklängen noch eine Weile am Gaumen bleiben.


Fazit
Diese Abfüllung trifft genau meinen aktuellen Geschmack, wenn es um Fassreifungen geht. Helle Früchte, teils mit leicht tropischem Touch, Vanille, malzige Töne, grasige und blumige Anklänge sowie eine ansprechende Würzigkeit – all das vereint dieser Tormore. Es ist eine klassisch anmutende Bourbonfassreifung, die mir in ihrer schlichten, positiven Art sehr gut gefällt. Lediglich das Finale hätte etwas länger ausfallen dürfen, weshalb es kleine Abzüge gibt. Insgesamt jedoch ein sehr gelungener Whisky.


Mittwoch, 24. September 2025

Scapa 10y

 

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Denkt man whiskyseitig an Orkney, fällt den meisten sofort Highland Park ein. Doch seit 1885 gibt es auf der Insel eine zweite Brennerei, die Scapa Distillery, malerisch gelegen direkt am Ufer des Scapa Flow. Die Geschichte der Brennerei ist ereignisreich, von 1994 bis 2005 ruhte die Produktion fast vollständig. Seit Herbst 2024 gibt es mit der Signatur Range wieder eine Standardreihe mit Altersangabe, die einen zehn-, einen sechzehn- und einen einundzwanzigjährigen Single Malt umfasst.

Ich habe mir von allen drei Abfüllungen ein Sample besorgt und beginne mit dem jüngsten Vertreter, dem 10y. Wie bei allen Whiskys dieser Serie reift er ausschließlich in Ex-Bourbonfässern aus amerikanischer Weißeiche. Abgefüllt wird mit 48 Prozent, auf Kühlfiltration und Färbung wird erfreulicherweise verzichtet.


Aussehen
Blütenhonig


Nase
Zu Beginn zeigt sich eine frische mineralische Basis, dazu klare, noch wenig definierte helle Fruchtnoten, Kieselsteine und eine Meeresbrise. Mit etwas Zeit wird die Frucht präziser, vor allem grüne Äpfel, Grapefruit, Sternfrucht, Nashi-Birnen und grüne Trauben treten hervor. Hinter dem Obst liegt eine ausgeprägte Säure, die an einen jungen, knackigen Weißwein erinnert. Typisch für amerikanische Weißeiche sind Vanille und Kokos, die sich zunehmend bemerkbar machen. Hefe und feine Esternoten sorgen für eine würzige Komponente im Hintergrund. Die 48 Prozent Alkohol verleihen Volumen, auch wenn insgesamt etwas mehr Druck wünschenswert wäre.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Überraschend intensiv beginnt er mit einem Wechselspiel aus prickelnder Ingwerschärfe und einer weichen, süßen Note, die an Honig-Karamellbonbons erinnert. Das Mundgefühl ist sanft und leicht, der Whisky gleitet geschmeidig über die Zunge in den Rachen. Der Alkohol ist gut eingebunden, weniger Prozente würden ihm an Körper nehmen. Im Mittelteil folgen heller Mandelkuchenteig mit Muskat und Zimt, Pfefferminze, cremige Milchschokolade mit Trauben und die Schalen grüner Äpfel, die schon in der Nase präsent waren. Eine leichte Schärfe begleitet den zweiten Schluck, ohne zu stören. Gegen Ende tritt das Eichenholz deutlicher hervor und bringt eine gewisse Bitterkeit mit.


Abgang
Das Finish bleibt eher kurz. Apfelschale, ein Hauch Grapefruitsaft und süßes Karamellbonbon bleiben zurück, begleitet von der Schärfe einer milden Ingwerpaste.


Fazit
In der Nase wirkt er wie ein typischer zehnjähriger Bourbonfass-Whisky mit frischen Fruchtnoten, Vanille und Kokos – solide, aber etwas austauschbar. Am Gaumen zeigt er mehr Charakter, die Kombination aus Ingwer, süßem Karamell, Gewürzen und weichem Kuchenteig gefällt. Im Abgang verliert er allerdings etwas an Ausdruck. Angesichts eines Preises von 55 bis teils über 70 Euro ist diese Abfüllung für einen zehnjährigen Single Malt doch deutlich zu hoch angesetzt.

Mittwoch, 17. September 2025

Yamazaki 12y

 

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Der Yamazaki 12 Jahre ist das Flaggschiff der ältesten Whisky-Brennerei Japans und zugleich der weltweit bekannteste Vertreter japanischer Single Malts. Bereits 1984 kam diese Abfüllung auf den Markt und trug maßgeblich dazu bei, den Erfolg von Whiskys aus dem Land der aufgehenden Sonne zu begründen. Der Yamazaki 12 Jahre ist für seinen ausgewogenen, sanften Stil bekannt und beliebt.

Für die Herstellung werden bis zu fünf verschiedene Fassarten eingesetzt, darunter amerikanische Weißeiche, spanische Eiche und die japanische Mizunara-Eiche, die für ihre besonderen Aromen berühmt ist. Abgefüllt wird er mit 43 Prozent, leider gefärbt und kühlgefiltert.

Vor fast genau vier Jahren hatte ich mit dem Yamazaki Distiller’s Reserve den kleinen Bruder des Zwölfjährigen im Glas. Diese NAS-Abfüllung entstand aus dem Mangel an geeigneten alten Fässern für den 12y und gefiel mir schon damals mit ihrer unaufdringlichen, fein aromatischen Art. Ich hoffte, dass der Zwölfjährige in die gleiche Kerbe schlagen würde.


Aussehen
Dunkelgold


Nase
Trotz des geringeren Alkoholgehalts zeigt sich die Nase voll und, bei aller Milde, durchaus ausdrucksstark. Feine Fruchtaromen von Aprikosen, Zitronenschale, Honigmelone und Ananasstücken aus der Dose sind harmonisch miteinander verwoben, fast schon an Parfum erinnernd. Dahinter liegen süße Honigwaben, aufgeschnittene Vanilleschoten, Sandelholz und Räucherstäbchen. Mit der Zeit wandelt sich der Eindruck von einem fruchtigen Obstsalat mit Vanillecreme hin zu würzigeren Holzaromen, ohne jemals bitter zu wirken. Dies dürfte der Einfluss der Mizunara-Fässer sein. Ein typisch japanischer Nasenschmeichler, bei dem alles handwerklich gekonnt zu einem stimmigen Ganzen verflochten ist.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Eindruck aus der Nase setzt sich fort. Das Mundgefühl ist seidig und weich, der Alkohol nicht wahrnehmbar. Er wirkt nicht wässrig, aber doch etwas verdünnt, wenn er die Zunge erreicht. Zunächst treten Gewürze, die Mizunara-Eiche, ein Hauch weißer Pfeffer, grüner Tee und Kokosnussstücke hervor. Süße und Vanillecreme sind kurz präsent, werden dann von würzig-aromatischen Noten überdeckt, bevor sie wieder aufblitzen. Der Fruchtkorb aus der Nase ist zurückhaltender, weniger dominant. Vor allem gelbes Kernobst, Honigmelone und Marillenröster sorgen für den fruchtigen Anteil. Nach dem zweiten oder dritten Schluck wirkt das Mundgefühl deutlich voluminöser. Man gewöhnt sich an die Leichtigkeit und der Whisky wird richtig süffig.


Abgang
Grüner Tee mit seiner leichten Bitterkeit, dunkle Schokolade, Apfelschalen und aromatisches Eichenholz formen ein mittellanges Finish.


Fazit
Über den Preis schweigt man bei japanischen Whiskys besser, wie fast immer. Der klassische Yamazaki 12 Jahre überzeugt durch Eleganz und ein überschaubares, aber stimmiges Aromenspiel. Die Nase ist, wie so oft bei Japanern, eine wunderbar komponierte Komplexität und macht richtig Freude. Im Geschmack, der für mich bei Whiskys aus Japan häufig etwas zurückbleibt, fehlen zwar die fruchtbetonten Harmonien, doch die würzig-aromatischen Noten gefallen mir ebenfalls sehr gut. Sie machen den Whisky zudem unglaublich süffig. Sicher, 46 Prozent Trinkstärke wären optimal, aber auch mit 43 Prozent funktioniert er erstaunlich gut. Für Liebhaber japanischer Whiskys ist der Yamazaki 12 Jahre ein Muss. Hier hat man wirklich Geschichte und Tradition im Glas.

Donnerstag, 11. September 2025

Glenrothes 18y (CA)

 

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In der Vergangenheit brachte die Speyside-Brennerei, malerisch neben einem Friedhof gelegen, nur sehr wenige Abfüllungen heraus, die ausschließlich in Ex-Bourbonfässern reiften. Vor einigen Jahren erschien der Glenrothes Bourbon Cask Reserve mit 40% und Reifung in First Fill Bourbonfässern, 2019 folgte der Vintage 1999 mit 52,8 Prozent und 19 Jahren. Abgesehen davon setzt man bei Glenrothes vor allem auf die Reifung in Sherryfässern.

Auch bei unabhängigen Abfüllern sind reine Bourbonfass-Reifungen äußerst selten. Umso gespannter war ich, als ich auf diesen 18-jährigen Glenrothes von Cadenheads stieß. Puristische Bourbonreifung, volljährig und mit 51,1 Prozent eine Stärke, die zum Trinken geradezu einlädt.


Aussehen
Strohgelb


Nase
Eine sehr charaktervolle Nase, die mit ihrer kernigen, markanten Basis sogar etwas an Ben Nevis erinnert. Direkt nach dem Einschenken dominieren die kernigen Noten zusammen mit frischer Zitrusfrucht. Erst nach einigen Minuten im Glas entfalten sich die eleganten Aromen aus dem Bourbonfass. Der leicht schmutzig anmutende Grundcharakter verbindet sich mit einer feinen Mineralität und harmoniert mit einer guten Portion Vanille sowie mit exotischen Fruchtaromen von Kiwi, Mango und Papaya, begleitet von reifen Aprikosen und gelbem Kernobst. Sehr homogen und rund präsentiert sich dann das Duftbild. Im Hintergrund des süßen Obstkorbs zeigen sich pflanzliche Noten wie frisch geschnittenes Heu, grüne Oliven und Kräuter. Der Alkohol ist perfekt eingebunden und überhaupt nicht spürbar.


Geschmack
Sehr cremig und beinahe wachsig weich fließt der Malt in den Mund. Sofort zeigen sich Süße, leckerer Kuchenteig, Vanille, Aprikosen, reife Birnen und Äpfel. Auch hier treten die mineralischen und kernigen Facetten auf, die dem Gesamteindruck Tiefe verleihen. Danach kommt Ingwerkuchen mit kandierten Früchten hinzu, der für aromatische Schärfe und Würze sorgt. Unterstützt wird dies durch den Einfluss des Eichenfasses, das prickelnde und leicht bittere Noten beiträgt.

Fotocredit: whiskybase.com


Abgang
Das Finish fällt eher kurz aus, was schade ist, denn der Malt ist ausgesprochen süffig. Vanille, Apfelschalen, Kräuter, einige Krümel vom Kuchen und eine dezente Eichennote ergeben eine angenehme Kombination, die allerdings nicht allzu lange anhält.


Fazit
In letzter Zeit habe ich eine echte Vorliebe für gute Bourbonfass-Reifungen entwickelt. Dieser Glenrothes passt wunderbar in dieses Bild. Abgesehen vom eher kurzen Abgang überzeugt die Abfüllung durchgehend. Das Fass hat hier ganze Arbeit geleistet und klassische Bourbonnoten intensiv in das Destillat getragen. Die leichte Ähnlichkeit zum Grundcharakter von Ben Nevis gefällt mir als Fan dieser Brennerei zusätzlich. Aber auch unabhängig davon bietet diese Abfüllung eine hervorragende Gelegenheit, den Charakter von Glenrothes jenseits der üblichen Sherryfassprägung kennenzulernen.

Mittwoch, 3. September 2025

Mac-Talla Pedro Ximénez Fèis Ìle 2023

 

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Im Juni 2023 veröffentlichte Morrison Scotch Whisky Distillers mit dem Pedro Ximénez Fèis Ìle 2023 ihre insgesamt zweite limitierte Abfüllung sowie die erste zum alljährlichen Islay-Festival. Dafür wurden 26 Sherryfässer aus dem Lager ausgewählt und miteinander vermählt. Wie für die Mac-Talla-Reihe üblich wurde auf Kühlfiltration und Farbstoff verzichtet. Abgefüllt wurde mit kräftigen 54,6 %. Über die Reifedauer in den Fässern ist nichts bekannt.


Aussehen
Dunkles Kupfer mit rötlichen Rosttönen


Nase
Der erste Eindruck ist Räucherspeck in der Pfanne, dazu Dörrpflaumen und Beerenröster, serviert am Kieselstrand, während im Holzfeuer ein paar Kohlebriketts glimmen. Ein sehr kräftiger und intensiver Islay Malt, dessen Rauch zwar dominant wirkt, aber von ausgeprägter Beerenfrucht angenehm abgefedert wird. Der PX-Einfluss ist deutlich erkennbar mit Zwetschken, Brombeeren, Heidelbeeren und einem Hauch Erdbeeren mit leichter Säure. Dazu kommen Rosinen, Crema di Balsamico und eine satte Süße. Ergänzend treten würzige Eichenholznoten und getrocknete Küchenkräuter auf. Der Alkohol sticht etwas und könnte besser eingebunden sein. Leichte metallische Anklänge lassen vermuten, dass die Reifung nicht allzu lang war.

Mit Wasser zeigt er sich floral wie blühender Flieder. Der Rauch tritt etwas zurück, ebenso die Speck- und Beerennoten. Für die Nase bringt Wasser keine Verbesserung, außer dass der Alkohol ruhiger wirkt.


Geschmack
Eine klassische Rauch-Sherrybombe mit intensiver Süße von Rosinen, Beerenmarmelade und Zwetschkenröster, die sirupartig über Zunge und Gaumen fließt. Kurz darauf setzt kräftiger Rauch ein, begleitet von kalter Asche. Im Mittelteil wird die Süße durch eine pikante Schärfe abgelöst, die an Ingwer oder weißen Pfeffer erinnert. Danach folgen würzige Kräuter, Tabak und eine Lederassoziation. Der Alkohol ist am Gaumen deutlich besser eingebunden und unterstützt die Aromen.

Mit ein paar Tropfen Wasser wirkt er noch süffiger. Die Süße tritt zurück, die Frucht kommt stärker hervor, Rauch und Asche bleiben, sind aber milder. Auch die Schärfe wirkt mehr gezähmt. Wasser macht im Mund also durchaus Sinn, zwingend nötig ist es jedoch nicht.


Abgang
Mittellang bis lang mit Rosinen, Beeren, Pflaumen und einer rauchig-aschigen Holzwürze gleitet der Whisky den Rachen hinab. 


Fazit
Ein typischer Vertreter der jungen, rauchigen Whiskys, bei dem ein aktives PX-Sherryfass deutliche Akzente von Frucht, Süße und Würze setzt. Positiv ist, dass er mit Wasser nicht abfällt, wie es bei solchen Abfüllungen oft der Fall ist. Ungemein süffig, auch wenn sich mein Geschmack inzwischen etwas von diesem Whiskytyp entfernt hat. Für jeden Tag ist er sicher zu wuchtig, aber ab und zu passt so eine intensive Rauch-Sherrybombe perfekt. Der Preis ist für das Gebotene in meinen Augen mit rund € 90,- allerdings etwas hoch angesetzt.

Mittwoch, 27. August 2025

Talisker 25y

 

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Am Anfang meines Whisky-Hobbies hatte ich durchaus die eine oder andere Standard-Abfüllung von Talisker im Glas. Bis auf den klassischen Zehnjährigen waren dies alles NAS-Varianten, die mir geschmacklich weniger zusagten. Die Distillers Edition fand ich recht gut – davon landete auch eine Flasche im Barfach. Mit dem 10y brauchte ich mehrere Anläufe, bis ich ihn schätzen lernte. Ganz anders war es beim 18y, schon das erste Sample war Liebe auf den ersten Schluck. Diese Harmonie und das Zusammenspiel von Aromen und Geschmack waren beeindruckend. Zum Glück konnte ich mir noch eine Flasche vor der Designumstellung sichern.

In den letzten Jahren habe ich die Brennerei etwas aus den Augen verloren, die neuen Abfüllungen konnten mich nicht wirklich reizen. Beim Stöbern entdeckte ich nun ein Sample des 25-Jährigen in meiner Box (ohne Boden) – Zeit also wieder einmal für einen Talisker von Skye. Der 25y ist die zweitalteste Abfüllung der Standard-Range. Gereift wird überwiegend in Ex-Bourbon-Fässern, ein kleiner Teil in europäischen Refill-Fässern. Abgefüllt wird typisch Talisker mit 45,8 %. Leider kommt auch hier Farbstoff zum Einsatz.


Aussehen
Gefärbt, leicht rötliches Gold.


Nase
Zu Beginn zeigt sich ein milder, mineralischer Rauch - kalkig, steinkohlig, mit maritimen Noten – wie Meeresgischt, die auf glimmende Kohle trifft. Dahinter fruchtige Säure von gepressten Orangen, erstaunlich frisch für das Alter. Der Alkohol sticht anfangs noch etwas hervor. Ich gebe ihm noch etwas Ruhe.

Mit Zeit im Glas verändert sich das Bild deutlich. Der Rauch bleibt sanft, verbindet sich aber immer stärker mit der Orange. Dazu gesellen sich kräftige Eichennoten: geröstetes, leicht angekohltes altes Holz. Eine spannende, gediegene Kombination, die immer harmonischer wirkt. Kräuteraromen untermalen die Röstaromen, während sich die Frucht langsam von Orange hin zu dunklen Beeren, eingekochten Pflaumen und sogar gegrillter Ananas entwickelt. Alles wird abgerundet von einer feinen Süße eingekochten Karamells.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Weiches, cremiges Mundgefühl, das mit einer intensiven Süße startet. Schnell tritt der Rauch hervor – kräftiger als in der Nase, wieder mineralisch, kalkig, steinkohlig und maritim. Zitrusnoten und die angegrillte Ananas steuern Frucht bei, während die dunklen Früchte eher in den Hintergrund treten. Stattdessen dominieren nun getrocknete und geräucherte Kräuter, angekohltes Eichenholz und der typische Talisker-Chili-Catch, der selbst nach 25 Jahren präsent ist. Leder, Tabakblätter, kalte Asche und Rauch leiten sanft in den Abgang über. Der Alkohol ist perfekt eingebunden, und das Zusammenspiel der Aromen wirkt komplex und gleichzeitig harmonisch – ein Whisky, der ständig neue Nuancen zeigt, solange er im Mund bleibt.


Abgang
Mittellang bis lang, dominiert von Rauch und Asche. Begleitet wird er von Kräutern, Ananas und aromatischem Holz – ohne jede Bitterkeit.


Fazit
Ein Whisky, dem man Zeit geben sollte. Dann belohnt er mit einer komplexen Nase und einem ebenso vielschichtigen Geschmack. Für sein Alter präsentiert er sich erstaunlich frisch, bleibt dabei aber harmonisch und charakterstark. Die Alkoholstärke ist perfekt gewählt, die Aromen intensiv und kräftig. Besonders schön ist, dass der berühmte Chili-Catch auch nach 25 Jahren noch spürbar ist. Trotz seiner Reife bleibt er gefährlich süffig – gediegen, aber keineswegs langweilig. Ein großartiger Talisker, wenn auch zu einem stolzen Preis.

Mittwoch, 20. August 2025

Sagamore Double Oak Straight Rye Whiskey

 

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Sagamore Spirit wurde 2015 von Kevin Plank in Baltimore, Maryland, gegründet und war die erste Neueröffnung einer Brennerei in diesem Bundesstaat seit der Prohibition. Seit 2017 produziert Sagamore eigenen Rye Whiskey. Der überwiegende Teil des Whiskeys stammt jedoch von MGP aus Lawrenceburg, Indiana; bis zu 25 % kommen aus der hauseigenen Brennanlage.

Mein Sample vom Double Oak Straight Rye Whiskey stammt aus einer Flasche des Batches 6AF, abgefüllt im März 2023. Bei dieser Abfüllung stammt der gesamte Whiskey von MGP. Verwendet wurden zwei verschiedene Mashbills: einmal 95 % Roggen und 5 % gemälzte Gerste, die andere mit 52 % Roggen, 5 % gemälzter Gerste und 43 % Mais.
Beide wurden separat destilliert und gereift, bevor sie miteinander vermählt wurden. Nach rund vier bis fünf Jahren in amerikanischen Eichenfässern reifte der Rye für weitere 18 Monate in frisch getoasteten Fässern nach, in denen sich zusätzlich Holzdauben befanden. Danach kam er ungefärbt und ohne Kühlfiltration mit 48,3 % in die Flasche.


Aussehen
Dunkles, rostrotes Kupfer.


Nase
Sehr fruchtig und voluminös startet der Rye mit dunklen, reifen Kirschen, Erdbeeren, dazu leicht blumige Noten. Die Würze des Roggens setzt früh ein – dunkles Roggenbrot, ein Hauch Minze, begleitet von einem sanften Prickeln in der Nase. Nach einigen Minuten treten Vanille und süßes Karamell hinzu. Gewürze wie Zimt und Muskat reihen sich ebenso ein, während die Holznote im Verlauf deutlicher hervortritt. Insgesamt zeigt sich eine sehr ansprechende Rye-Nase. Der Roggen führt, ohne zu dominieren, während dunkle Holz- und Karamellaromen im Zusammenspiel mit den Fruchtakzenten ein stimmiges Gleichgewicht bilden. Der Alkohol ist hervorragend integriert.

Fotocredit: whiskybase.com


Geschmack
Der Antritt ist sehr süß mit kräftigem Karamell. Das cremige, auskleidende Mundgefühl verteilt die Aromen gleichmäßig. Die Würze des Roggens – dunkles Brot, Menthol und ein Hauch weißer Pfeffer – folgt der anfänglichen Süße. Von den Fruchtnoten der Nase bleiben im Geschmack vor allem eingelegte Kirschen präsent. Anschließend übernehmen Holz, Muskat und Zimt das Kommando. Das anfänglich süße Karamell entwickelt sich zu dunkleren, leicht bitteren Noten und verliert dadurch an Süße.


Abgang
Mit Muskat und Zimt im Schlepptau werden die Holznoten zum Ende hin dominanter. Die Süße und das Karamell sind verschwunden. Geröstetes Roggenbrot und eine dezente Eukalyptusnote sorgen für ein harmonisches Finish, das allerdings etwas länger hätte ausfallen dürfen. Zum Schluss wirkt es, als ginge dem Rye etwas die Kraft aus.


Fazit
Eine sehr ansprechende Nase, getragen von dunklem Karamell und Holznoten, in der die doppelte Reifung im Eichenfass deutlich hervorsticht. Am Gaumen gefällt er mir ebenfalls durchwegs gut, auch wenn ich mir hier noch etwas mehr Roggeneinfluss gewünscht hätte. Das Finish ist die Schwachstelle – hier verliert er an Kraft und Ausdauer. Insgesamt ein gelungener Rye, der mir gefällt, aber nicht ganz an meine bisherigen Favoriten – Jack Daniel’s Single Barrel Rye und RY3 Private Reserve Toasted Barrel Select Batch PR#008 – heranreicht.

Mittwoch, 13. August 2025

Holyrood Pitch

 

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Zeitgleich mit unserem Trip nach Edinburgh präsentierte die Holyrood Distillery mit „Pitch“ die finale Abfüllung ihrer Founding Series. Beim Besuch der Brennerei konnte ich mir vor Ort einen ersten Eindruck von diesem Whisky machen – und dieser war so überzeugend, dass ich mir direkt eine Flasche aus dem Store mitnahm.

„Pitch“ ist, wie auch die anderen Abfüllungen der Serie, ein NAS-Whisky (Non Age Statement). Der Begriff „Pitch“ bezieht sich im Brennereiprozess auf den Moment, in dem die Hefe zur „Wort“ – der zuckerhaltigen Flüssigkeit, die beim Maischen entsteht – hinzugefügt wird. Die Verantwortlichen bei Holyrood wollten mit dieser Abfüllung gezielt schokoladige und nussige Aromen in den Vordergrund stellen. Dafür kamen unter anderem Brown Malt – eine Braugerste – sowie die Hefestämme Pepe Nero und Toro Nero zum Einsatz. Diese beiden Hefesorten werden normalerweise in der Rotweinproduktion verwendet. Gereift wurde der Whisky ausschließlich in Oloroso-Sherryfässern, um die nussigen Komponenten im Geschmacksprofil zusätzlich zu betonen.

Abgefüllt wird ohne Färbung und Kühlfiltration mit 46 % Alkohol.

Fotocredit: Holyrood Distillery. 
Auf der Webseite von Holyrood sind die verwendeten Gesten und Hefestämme transparent aufgelistet.


Aussehen
Gelbgoldener Bernsteinton.


Nase
Aus dem frisch eingeschenkten Glas steigen zunächst Noten von dunkler Schokolade und Kaffeebohnen auf – fast so, als würde man an einer Schokoladencreme mit Kaffeenote riechen. Dahinter zeigen sich leichte Röstaromen. Wie ein Chamäleon verändert sich der Duft: Nach einigen Sekunden treten grüne Stachelbeeren und Weintrauben mit fruchtig-säuerlichen Nuancen in den Vordergrund, bevor Vanille, geröstete Haselnüsse und Milchschokolade übernehmen. Der Alkohol ist kaum wahrnehmbar, und für seine jungen Jahre im Fass wirkt der Whisky erstaunlich weich und harmonisch in der Nase.


Geschmack
Sehr weich und cremig im Mundgefühl. Solch intensive Aromen von Kaffee, Milchschokolade und gerösteten Nüssen hatte ich bislang nur beim Glenmorangie Signet und beim Batch 1 des 16-jährigen Fettercairn erlebt – beide wurden mit Chocolate Malt, also stark gerösteter Gerste, hergestellt. Eine leichte Süße breitet sich im Mundraum aus, begleitet von einer milden, pfeffrigen Würze. Dieser „Kaffee-/Schokosirup mit Wumms“ ist definitiv etwas Besonderes. Frucht finde ich im Geschmack keine. Der Alkohol ist gut eingebunden, auch wenn ein paar kräftigere Spitzen die knapp 50 % nicht ganz verbergen können.


Abgang
Die Nuss- und Nougatschokolade mit ihrem prägenden Kaffeearoma setzt sich auch im Finish fort. Die Eiche bringt nur dezente, herbe Noten ein, die in ein wärmendes, nicht allzu langes Finale übergehen.


Fazit
Diese Abfüllung widerlegt ein wenig die breite Meinung, dass vor allem die Fassreifung für die Aromenvielfalt eines Single Malts verantwortlich ist. Die dominante Kaffee- und Schokoladenpräsenz – sowohl in der Nase als auch am Gaumen – ist das Ergebnis der verwendeten Gersten- und Hefesorten. Die Reifung im Olorosofass hat die nussigen und schokoladigen Noten zwar verstärkt, war aber nicht der Hauptakteur bei der Aromengestaltung. Ich bin mir sicher, dass dieses Geschmacksprofil nicht jedermanns Sache ist – besonders nicht für Teetrinker oder Menschen, die mit Kaffee nichts anfangen können. Mir gefällt diese Andersartigkeit ausgesprochen gut, und ich bin gespannt, wie sich das Experiment entwickelt, falls Holyrood dem „Pitch“ noch weitere Jahre im Fass gönnt.

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